The Alternative

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18
Falco OC (Own Character)
29.09.2019
01.07.2020
22
27.408
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30.06.2020 1.300
 
10 Tage später, 19.02.1998

19.00 Uhr meldete die Türklingel den ersten Gast. Hans schaute zu mir um sich zu vergewissern, ob alles in Ordnung war. Ich nickte und er lächelte mir aufmunternd zu. Dann ging er in Richtung Hauseingang, während ich den Salat mit Mango und Hähnchenstreifen nach draußen an den Tisch brachte.

Neben Falcos "Entdecker" Markus Spiegel und dessen Frau, würden noch seine ehemaliger Manager Horst Bork mit seiner Frau, sein enger Freund Billy Filanowski und seine Freundin, ein älteres Ehepaar aus der Villa zwei Straßen weiter namens Sanchez und Familie Moreno kommen. Sowohl mit den Sanchez als auch mit den Moreno hatte Hans hier Freundschaft geschlossen.

Ich ging wieder zurück in die Küche, um als Aperitif 8 Gläser mit Aperol, Sekt, Mineralwasser und einer Orangenscheibe zu füllen. Drei weitere Gläser fühlte ich mit kaltgestellter Orangenlimonade und dekorierte sie ebenfalls mit einer Orangenscheibe. Tatsächlich hatte ich mich mit Hans auf Alkoholverzicht geeinigt. Ich wusste, dass er nicht ganz so begeistert war, da er wenigstens mit seinen alten Freunden gerne ein Bier getrunken hätte. Aber mir zu liebe tat er es, wodurch sich immer wieder ein kribbelndes Gefühl in meinem Bauch entwickelte. Ich schaute gerade nach dem Pollo Guisado, einem traditionellen dominikanischen Gericht mit würziger Sauce und Hühnchen, das im Ofen brutzelte, als Hans lachend mit fünf Personen in das große Wohnzimmer trat.

Die Tatsache, dass er Deutsch sprach und die Koffer, die alle fünf bei sich hatten verrieten mir, dass es sich um seine Freunde aus Deutschland handelte. Ich verhielt mich zuerst stumm, aber lächelte die Neuankömmlinge an. Als erstes bemerkten mich die beiden anwesenden Frauen. Eine der beiden unterbrach darauf sofort das rege Gespräch der vier Männer, indem sie direkt zwischen ihnen durch auf mich zu ging und somit die Aufmerksamkeit aller auf mich richtete. Ich hatte mich inzwischen auch in Bewegung gesetzt um der Gruppe entgegen zu kommen. Die Frau, ausgesprochen hübsch in einer langen, dünnen Leinenhose und einem khakifarbenen T-Shirt sprach mich auf Englisch an während sie mir die Hand reichte. "Hey, I am Karla. Hans didn't tell us anything about you." Sie wendete sich zu Hans. "Why didn't you say anything?" Sie drehte sich wieder zu mir. "Anyway. Nice to meet you. What's your name?" Alle schauten mich mehr oder weniger neugierig an. Hans grinste spitzbübisch. Er hatte deinen Freunden extra nicht Bescheid gesagt, um auf ihre Reaktion gespannt zu sein. Mir war es egal gewesen, ob seine Freunde von mir wussten oder nicht. Ich lächelte wieder alle an und schaute dann zu Karla. Nebenbei streckte ich ihr meine Hand entgegen. " Es freut mich auch sie alle kennenzulernen. Hans hat mir schon ein bisschen was über sie erzählt. Mein Name ist Merope."

Die Gesichter unserer Gäste zeigten erst Überraschung und dann Neugier. Die Anderen kamen nun auch auf mich zu. "Ich bin Horst Bork und das ist meine Frau Marianne. Es freut uns sie kennenzulernen Merope.", begrüßte mich zuerst Hans Ex-Manager. "Hallo. Die Freude ist ganz meinerseits." Danach begrüßten mich auch die anderen. Kaum hatte ich den letzten, Billy, die Hand geschüttelt, klingelte es erneut an der Tür. Hans schaute mich wieder an, als wolle er fragen ob es ok wäre, wenn er mich kurz alleine lassen würde. Deswegen nickte ich erneut einfach stumm, um ihn zu beruhigen. Während er ging, bot ich den anderen ihren Aperitif an und lotste sie auf die Terrasse zum gedeckten Tisch. Mit Karla verstand ich mich ziemlich gut und auch Marianne eine eher ruhige, aber sehr freundliche Frau, in einer weißen Bluse und einem roten Rock, war mir sofort sympathisch.

"Woher genau kommst du?" fragte Marianne zuerst. "Ich komme eigentlich aus dem Westen Deutschlands, bin aber zum Studium nach Wien gegangen und lebe jetzt schon ca. 10 Jahre in Wien.", antwortete ich ihr bereitwillig. "Und was machst du so den ganzen Tag in Wien?" fragte Karla weiter. "Ich bin psychologische Betreuerin, oder Psychiaterin, wenn man es so will und arbeite in einer kleinen Praxis in einem Ärztehaus. Wenn ihr mich so ausfragt, darf ich doch hoffentlich auch fragen, was ihr so macht?" Ich lächelte beide offen an und sie lächelten zurück.

In diesem Moment kam Hans mit den restlichen Gästen, durch die Terassentür. Ich hatte mich bei meinen Gesprächspartnern entschuldigt, um auch sie zu begrüßen und war aufgestanden. Dann erstarrte ich in meiner Bewegung. Vor Hans und all den anderen Leuten, tapste ein kleiner Junge. Ich schätzte ihn auf drei Jahre. Er hatte große blaue Augen und sein Kopf war mit kleinen braunen Löckchen bedeckt. Er sah aus wie Leander und er lächelte mich unwissend an, kam einfach auf mich zu und fragte auf Spanisch "Hallo, wer bist du?" Ich spürte wir mir ein Keuchen entwich und versuchte es in einem Lächeln zu ersticken. Währenddessen war ich in die Hocke gegangen um mit ihm auf Augenhöhe zu sein und lächelte ihn nun ebenfalls freundlich an, um ihn nicht mit den Gefühlen, die ich gerade empfand zu verschrecken. Eigentlich war es ja gar nicht schlimm. Auf der Straße sah man auch dauernd Kinder. "Ich bin Merope und wie heißt du?" antwortete ich ebenfalls auf Spanisch. Wieder strahlte er. "Ich bin Nero." "Hallo, Nero. Möchtest du ein Glas Orangenlimonade?" Wieder strahlte er übers ganze Gesicht und antwortet mir mit einem lauten: "Ja." Ich stand auf und reichte ihm meine Hand. Er griff sie und ich spürte diese kleine Hand und die weiche Kinderhaut. Für einen Moment schloss ich meine Augen.

Als ich sie wieder öffnete, realisierte ich erst, dass die anderen um mich herum immer noch da waren. Alle lächelten sie mich und den Jungen an. Die Frauen hatten teilweise verträumte und gerührte Gesichter. Dann trafen meine Augen auf Hans. Er starrte mich leicht erschrocken an und schließlich suchten meine Augen seine. Ich nickte wieder nur und lächelte ihn an, bevor ich mit Nero an der Hand ins Haus ging, um das Tablett mit den restlichen Gläsern zu holen.

In der Küche hob ich ihn auf einen der Barhocker. "Ich muss noch nach dem Abendessen schauen. Hier hast du schonmal deine Limonade." Dann stellte ich ihm sein Glas hin und steckte einen Strohhalm hinein. Begeistert klatschte er in seine kleinen Hände und zog dann am Halm. "Schmeckt seeehr gut." Während ich die Kochhandschuhe anzog, lächelte ich ihm wieder zu. "Das freut mich." Dann lenkte Hans, der gerade durch die geöffnete Terassentür kam, meinem Blick auf sich. Er ging auf Nero zu und ich hörte ihn mit dem Kleinen reden. "Na mein Großer, folgt deine Nanny noch?", fragte er Nero schelmisch. "Hallo Hans! Ja tut sie." "Und wie geht es Ella?" "Ich hoffe gut. Sie geht jetzt auf eine Schule, die sie dabehält. Ich hoffe sie kann noch raus und baden gehen!" Hans lachte. "Das kann sie bestimmt mein Großer." Er wuschelte Nero durch die Haare und kam dann auf mich zu.

Ich hatte die Szene beobachtet nachdem ich das Hühnchen aus dem Ofen genommen hatte. Er küsste mich und schlang seine Arme um meinen Körper. "Ist alles in Ordnung? Ich hätte dich vielleicht vorwarnen müssen, dass der Sohn der Moreno so klein ist. Er hat dich an Leander erinnert, oder?" Ich lehnte mich gegen ihn. "Hat er, aber es ist alles in Ordnung. Lass uns raus gehen, deine Gäste warten sonst zu lange." Er küsste mich nochmal auf die Stirn. Dann drückte ich ihm die restlichen Gläser Aperitif in die Hand und nahm selbst Nero an die eine und eine Platte kleiner Häppchen in die andere Hand.
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