No Place in Heaven [Kurzgeschichtensammlung]

von finnylva
OneshotDrama, Romanze / P12
Dr. Spencer Reid OC (Own Character)
27.09.2019
23.02.2020
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27.09.2019 1.335
 
KB: Spencer und die Studentin Maia sind erst zwei Monate zusammen, als sie ihm ein Geheimnis verrät, auf das er anders reagiert, als sie erwartet hatte.
Genres: Romanze, Angst, Fluff



Als die Dozentin die letzte Folie der Vorlesung schloss, atmete Maia erleichtert auf. Sie konnte es kaum erwarten, aus dem stickigen, viel zu heißen Vorlesungssaal zu kommen, bei dem sie jeden Tag darauf wartete, dass ein Stück der Decke ihr auf den Kopf fallen würde. Dieser Vorlesungssaal bedrückte sie, schien sie einzuengen. Schnell packte sie ihren Schreibblock in ihre Tasche. Kurz winkte sie ihrer besten Freundin zum Abschied zu. Maia stürmte aus dem Saal und lies das braune Holz des Vorlesungssaals hinter sich zurück. Ihre Schuhe klickerten über den Steinboden, als sie sich zwischen anderen Studenten durch auf die Haupttüre durchschlängelte. Obwohl das Institut der Ägyptologie und Vorderasiatischen Archäologie sehr klein war, schienen die Gänge jeden Tag voller zu werden – die Uni schien es immer mehr zu lieben, die Vorlesungssäle der Archäologie mit Vorlesungen aus anderen Fächern zu belegen. Es schienen jeden Tag mehr Studenten zu werden, und jeden Tag fand Maia, dass es langsam zu viele wurden.
Mit einem Drang nach draußen, nach frischer Luft setzte Maia einen Fuß vor den anderen. Schnell nach rechts ausweichen, dann kurz nach links, um keine Bücherecken in die Rippen geprallt zu bekommen. Ein paar Schritte gerade aus, und dann wieder nach rechts. Ein sich küssendes Pärchen umschiffen, und dann auf die andere Gangseite wechseln, um von einem entgegenkommenden Strom Studenten nicht erdrückt zu werden. Als sie die Tür erreichte und sie aufstoßen konnte, atmete sie erleichtert auf. Die Frischluft würde hoffentlich ihre Übelkeit verbessern, die sie schon seit diesem Morgen verfolgte. Der Windzug, der ihr ins Gesicht blies, fühlte sich wie Freiheit an. Auf der kleinen Mauer ein paar Meter vor der Treppe, sah sie den ihr nur zu gut bekannten braunen Schopf verhätschelter Haare, die Nase in einem Buch versenkt. Sie steuerte auf die Person zu.
„Hi, Spencer.“
Spencer Reid blickte auf und ein Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. „Hallo, Maja.“ Er schoss hoch und umarmte sie fest. Er drückte fest sein Gesicht in ihre Haare. Die Sekunden zogen sich. Als er sie wieder los lies, schien es viel zu früh zu sein. „Ich freue mich, dich zu sehen.“
„Ebenfalls, Spencer.“ Sie grinste ihn an. „Wollen wir?“
„Lass mich erst mein Buch einpacken, okay?“
Kurz darauf schlenderten die Beiden über den Campus in Richtung ihres Lieblingscafés.

Spencers Hand schlich sich in ihre. Ihr Lächeln wurde noch breiter. Wie lange sie darauf gewartet hatte, dass er ihre Hand hielt! Sie wusste, wie viel Körperkontakt für ihn bedeutete mit seiner Angst vor Bakterien. Sie drückte kurz eine Hand. Ein Lächeln schlich sich auf ihre Lippen. Ein Sonnenstrahl stahl sich in ihr Herz. Er erwärmte sie und schien den Käfig, den sie um ihr Herz gebaut hatte, langsam aber sicher zu schmelzen.
Mit den beiden ineinander geschlungenen Händen zeigte Spencer auf ein Gebäude, das schräg links vor ihnen stand. „Das ist das Natural History Museum – das letzte Mal war ich dort mit 12 Jahren mit meiner Mutter.“ Ein trauriges Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. Es verschwand so schnell wieder, wie es gekommen war.
„Wir können dort rein gehen?“
Etwas anderes als sich von Spencer Reid über die Straße und in das Gebäude ziehen zu lassen war nicht möglich.
Die große brauen Holztür, reich verziert, schien wie der Eingang in eine magische Welt voller Klackern von Schuhen auf Marmorboden, großen Hallen und der leisen, verblassende Erinnerung an eine längst vergangene Welt. Eine Welt, in der man sich in die Welt eines Kindes zurückversetzte – in der alles friedlich erschien.
Es war ein Sommertag. Der kühle Luftzug, der dem Pärchen entgegenschlug, war eine willkommene Abwechslung. Maia strich sich die Haare aus dem Nacken und band sie kurz zusammen, bevor sie wieder Spencers Hand in ihre nahm.
„Wollen wir erst zu den Meerestieren oder den Dinosauriern?“
„Dinosaurier. Definitiv Dinosaurier.“
Spencer zog sie nach rechts, unter dem Balkon durch in Richtung der Dinosaurier: das größte Teil dieses Museums, mit dem es sich auch regelmäßig brüstete – zu Recht. Die zahlreichen Skelette der Dinosaurier, ausführliche Infotafeln und eine noch größere Sammlung hinter privaten Türen, eine große Naturkundliche Gesellschaft: Es war kein Wunder, dass dieses Museum so viele Besucher anzog. Doch an diesem Mittag waren die Dinosaurierhallen erstaunlich leer. Die Köpfe mancher Dinosaurier ragten über das Pärchen in die Luft. Andere Skelette waren – mit den Steinen, in denen sie gefunden waren – in die Wand eingelassen.
„Wie waren die Vorlesungen heute?“
„Du kennst doch meine Dozenten – Professor Mey überzieht gerne, aber stellt immer alles super witzig dar – ich freue mich immer auf seine Vorlesung. ‚Rollsiegel und Siegelabrollungen‘ ist dieses Semester wirklich meine Lieblingsvorlesung! Aber Professor Cairin! Mit ihrem dauernden Lutschen von Bonbons, ihrer langsamen Stimme und der dauernden Wiederholung des Lehrbuches ist sie einschläfernd wie sonst noch was. Und das, obwohl das Thema eigentlich sehr interessant ist!“
Spencer drückte kurz ihre Hand: ein nonverbales, beruhigendes Zeichen, dass alles okay war. Dass sie irgendwann diese Professorin los sein würde. Ein Signal, die Vorlesung zu verdrängen und im Jetzt zu leben. Spencer hieb die ineinander verschlungenen Hände hoch und presste einen Kuss auf Maias Hand. So schnell, wie es passiert war, war es auch schon wieder vorbei.
„Wie war dein Tag, Spencer?“
Er seufzte leise. „JJ ist krank, Hotch ist mit seiner Familie zu gestresst und lässt es durchhängen, und Emily scheint mich bei jedem Schritt zu beobachten. Als ob ich ein Rätsel bin, aus dem sie nicht schlau wird. Morgan und Garcia scheinen die Einzigen zu sein, die zurzeit normal sind. Garcia meinte letztens sogar, dass ich weniger Kaffee trinke und meine Augenringe weniger geworden sind und sie sich keine Sorgen mehr macht, ob ich überhaupt noch schlafe...“
Maia strich mit ihrem Daumen über seine Hand: Ein „Es ist okay, es ist jetzt vorbei - aber ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Du bist sicher hier bei mir.“

Ein paar Räume weiter, und die Beiden waren alleine. Maia atmete scharf ein. „Spencer, ich muss dir etwas sagen.“
Ein entsetzter – ein ängstlicher – Blick wanderte in seine Augen. Man konnte schon seine Furcht erkennen, wie er nur darauf wartete, dass sie mit ihm Schluss machte, dass sie ihn betrogen hatte. Dass sie eine unheilbare Krankheit hatte -
„Weißt du noch, damals, am Anfang unserer Beziehung, vor 2 Monaten? Als es mir so schlecht ging nach meiner ersten Beziehung?“
Spencer brachte kein Wort heraus. Er nickte.
„Mir war die letzten Morgende übel.“
Auch das hatte Spencer bemerkt, mit dem Stress abgetan, mit einem verdorbenen Essen, mit der Umstellung auf Vegane Milch.
„Ich bin schwanger. Mein Ex ist der Vater.“
Spencer musste schlucken.
„Der Termin für meine Abtreibung ist in zwei Wochen. Ich habe schon die Termine für die Beratung und die Abtreibung an sich.“
Spencer wurde bleich.
In einem Augenblick fürchtete Maia noch die Reaktion von ihrem Freund, im nächsten befand sie sich in seinen schützenden Armen. Er drückte sie näher an sich, als würden sie jeden Moment ineinander verschmelzen. Eine Überraschung nach der nächsten.
„Es ist okay, Maia. Wir sind okay. Wir werden okay sein.“, flüsterte Spencer.
Maia schlang ihre Arme um ihn. Die Angst, dass Spencer mit ihr wegen der Schwangerschaft sofort wegen ihr Schluss machen würde, fiel von ihr ab.
„Wir werden das schaffen, Maia. Zusammen. Egal, wie du dich entscheidest. Ich stehe hinter dir. Willst du das Kind haben?“
Ihre Kinderwünsche hatte sie ihm verschwiegen – warum hätte sie es ihm erzählen sollen, sie waren erst 2 Monate zusammen. Sie studierte doch noch -
Ein Kloß steckte in ihrem Hals. Maia brachte ein leises „Ja“ heraus.
„Dann werden wir es zu dritt schaffen, Maia. Wir werden es zusammen schaffen, als Paar.“ Er presste ihr einen Kuss auf die Wange.
Einen kleinen Schritt ging er zurück und kniete sich auf den Boden. Schob Maias Shirt hoch, fuhr mit seinen langgliedrigen, kräftigen Fingern über ihren Bauch. Platzierte einen Kuss darauf. „Wir werden uns um dich kümmern, kleine Erbse. Ich verspreche es.“
Wie hatte sie je an ihm zweifeln können?
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