Wild like a hurricane

GeschichteRomanze / P18
Edward Anthony Masen Cullen Isabella "Bella" Marie Swan
25.09.2019
14.10.2019
11
30310
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Und weiter geht’s!


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Bella


Scheiße!

Gottverdammte, abgefuckte PISS OFF SCHEISSE!

Ich habe noch nie so häufig in Gedanken geflucht wie heute.

Übrigens auch nicht mit diesen Worten.

Hey, genau genommen wusste ich gar nicht, dass ich solche Worte kenne!

Völlig entkräftet lehne ich mich gegen die Wand neben seiner Wohnungstür, spüre das Herz so schnell in mir schlagen, wie noch nie zuvor in meinem Leben.

In meinem Kopf herrscht ein einziges Chaos, und ich senke die flatternden Lider über meine Augen.

Was.

Zur.

Hölle.

War.

Das?

Dann fällt mir etwas ein und ich zerre hastig das Smartphone aus meiner Tasche.

Eben habe ich einfach alles, was auf dem Tresen lag, hineingeschoben, weil die gottverdammte Zeit drängte.

Jetzt liegt der Inhalt kreuz und quer durcheinander, aber es kann mich gerade nicht berühren.

Dreimal atme ich tief und langsam durch, bevor ich es wage, die Kurzwahl für Alice Brandon zu drücken. Die zeigt sich erstaunlich aufgeregt, was sonst gar nicht ihre Art ist.

»Wie läuft es? Hast du den Nerd-Sohn fertiggemacht? Lass mich raten, er lag noch im Bett, richtig? Cullen hat so was angedeutet! Mach ihm Feuer unter dem Arsch, Mädchen! Sorg dafür, dass er dir aus der Hand frisst, ich weiß, dass du das kannst!«

Schon die Tatsache, dass sie zum Du übergewechselt ist, sagt alles: Alice Brandon schwitzt Blut und Wasser, dass ich es versauen könnte. Ich bin nicht mal in der Lage, mich darüber zu ärgern. In Wahrheit bin ich … leer.

Ein Vakuum.

»Ja, alles bestens!«, bringe ich irgendwie hervor. Dann beende ich das Telefonat, soll sie denken, was sie will, und wanke die Treppe hinunter.

Ich renne die Straßen hinab, bekomme nichts von dem eisigen Regen mit, der die Nachricht, der Frühling wäre endlich eingetroffen, einmal mehr Lügen straft.

Erst als ich vor der Tür stehe, hinter der sich die einzige Person befindet, die mir jetzt helfen kann, nehme ich wieder rudimentär Details aus meinem Umfeld wahr. Wie zum Beispiel, dass ich klitschnass bin.

Oder, dass ich zittere.

Oder aber, dass mir dennoch der Schweiß auf der Stirn steht.

Genauso wenig hatte ich vorher bemerkt, dass ich noch immer leer bin.

Mit einer halb erfrorenen Hand hämmere ich auf ihre Tür ein. Was die Nachbarn davon denken, ist mir scheißegal. Und nein, normalerweise denke ich nicht »scheißegal«.

Alarmiert reißt Rose die Tür auf und dann die Augen, weil ich wohl nicht ganz frisch aussehe.

»Was zur Hölle …?«

»Ich bin im Arsch«, teile ich ihr tonlos mit.

Nein, das sage ich auch nicht häufig.

Ich drängele mich an ihr vorbei in die Wärme ihres unaufgeräumten, total chaotischen Apartments, wanke mit scheinbar letzter Kraft in ihr Wohnzimmer und zu ihrer Couch, auf die ich mich fallenlasse.

Sie folgt mir, wirkt immer noch ziemlich … ängstlich und lehnt sich in den Türrahmen. »Tja«, sagt sie nach einer Weile, in der sie mich aufmerksam betrachtet hat. »Ich schätze, du brauchst erst mal einen Whisky.«

Heftig nicke ich.

Und nein, normalerweise trinke ich auch keinen Whisky, überhaupt keinen Alkohol, weil der Pickel verursacht und komische Dinge mit einem anstellen kann.

Aber »normal« scheint seit heute ausgeflogen zu sein.

Und wenn ich das richtig verstanden habe, dann wird dies für eine sehr, sehr lange Zeit gelten.

* * *


»Und was hast du jetzt vor?«

Von jeder Menge Schüttelfrostanfälle unterbrochen, habe ich meiner Freundin kurz umrissen, was passiert ist. Und nun sind wir bei der Frage angekommen, auf die ich keine Antwort habe, weshalb ich nur mit den Schultern zucke.

»Hmmm«, sie nippt an ihrem Whisky und starrt für einen langen Moment in die Ferne. Rose ist meine beste Freundin, jedenfalls, seitdem wir Tür an Tür wohnen. Ich habe genau eine Stunde in meinem Apartment gewohnt, da kam sie das erste Mal rüber, um sich ein bisschen Zucker »auszuborgen.« Borgen ist für Rose gleichbedeutend mit schenken, man bekommt jedenfalls nie was zurück oder gar einen finanziellen Ausgleich. Das ist kein böser Wille oder gar Nassauertum, im Gegenzug würde Rose immer und überall das Gleiche tun. Sie ist ein durch und durch immaterieller Mensch. Wir sind so gegensätzlich, dass es mit uns beiden nur funktionieren konnte, schätze ich. Während mein Leben wohlgeordnet ist, liebt Rose ihr Chaos. Sie jobbt sich ihren Weg durch New York, mal hier, mal da, was ihr gerade vor die Augen kommt, weshalb natürlich nie viel bei ihren Arbeitsversuchen herauskommt. Ohne die finanzielle Unterstützung ihrer Eltern könnte sie das Apartment niemals halten, aber das bringt sie nicht im Geringsten aus der Ruhe. »Wenn ich älter bin, werde ich auch vernünftig«, erklärt sie jedem, der es hören will. Ich war ungefähr fünfmal so blöd, sie darauf anzusprechen, seitdem akzeptiere ich ihren Lifestyle ohne jede Bemerkung oder gar Kritik.

Sie liebt Sex, achtet streng darauf, mit dem gleichen Mann niemals mehr als viermal zu schlafen, weil es »sonst langweilig wird und für so etwas ist das Leben zu kurz.«

Genau genommen vögelt sie sich quietschvergnügt durchs Leben, existiert von der Hand in den Mund, macht jede zweite Nacht irgendeinen Club in der Stadt unsicher und ist … besorgniserregend unorganisiert. Außerdem hat sie von Disziplin noch nie was gehört. Rein geschäftlich und karrieretechnisch gesehen ist sie eine Niete, aber in solchen Dingen – die mir gerade zusetzen – weiß sie bedeutend mehr als ich.

Schon weil in meinem Kopf ja noch immer Vakuum herrscht.

»Melde ihn bei deiner Chefin.«

»Dann bin ich den Auftrag los.«

Sie zuckt mit den Schultern. »Na ja, weil sie dann davon sowieso zurücktreten, ich meine, so was ist untragbar, egal ob Daddy mit deinem Boss nun golft oder nicht. Was ist das überhaupt für ein dämlicher Sport?«

Es gibt nichts, was mich gerade weniger interessieren könnte. »Wenn ich einen Rückzieher mache, werde ich versagt haben«, sage ich müde. »Was anderes interessiert sie nicht. Du glaubst doch wohl nicht im Ernst, dass sie nach Details fragen werden. Einzig, dass der Auftrag bestmöglich erfüllt wird, ist von Bedeutung. Ich werde wie ein Kleinkind aussehen, dass petzen gekommen ist.«

»Ja aber …« Sie zuckt abermals mit den Schultern, mustert mich halb ungläubig, halb verzweifelt – perfekt, dann weiß sie wenigstens, wie ich mich gerade fühle – und holt tief Luft.

»Wie sieht der Nerd aus? Ich meine, wie viele Kilo Übergewicht hat er?«

Das genügt, um vor meinem geistigen Auge das perfekte Abbild von ihm zu erschaffen. Übergewicht … ha! Nein, hat er nicht. Er ist nicht der trainierteste Mann des Planeten, sieht aber immer noch besser aus, als neunundneunzig Prozent der männlichen Bevölkerung weltweit.

Diese grünen, aussagekräftigen Augen mit dem dunklen Schatten darin – auf den ersten Blick wirkt er … wie ein Mann, der ewig gute Laune hat. Wäre da nicht diese Dunkelheit, die ihn manchmal fast bedrohlich aussehen lässt.

Dann diese Lippen, diese weich wirkenden, vollen Lippen, die … ja, verdammt, die wie zum Küssen gemacht scheinen und bei deren Anblick man sich unwillkürlich fragt, wie sie sich wohl auf den eigenen anfühlen. Ich hasse mich für die Gedanken, denn ich hatte sie schon, als ich noch bei ihm war, und das ist unprofessionell. Aber … ändern kann ich deshalb auch nichts.

Mein Gesicht muss auskunftsfreudig sein, denn Roses Augen weiten sich ein weiteres Mal und nun rutscht sie näher und mustert mich eindringlich.

»Dann erzähl mal, und diesmal alles.«

Unangenehm berührt zappele ich auf meinem Hintern hin und her. »Was meinst du?«

»Ich kenne dich jetzt, wie lange? Drei Jahre? Dreieinhalb. Ja, so in etwa, und ich habe noch nie diesen ›Bitte-fick-mich-Ausdruck‹ auf deinem Gesicht gesehen. Um ehrlich zu sein, dachte ich längst, Sex ginge dir irgendwie völlig ab, dass du einer von diesen Menschen bist, die Sex einfach nicht brauchen, weil sie … was weiß ich, ihr Seelenheil in anderen Dingen gefunden haben. Traurig aber wahr.« Ihre Mundwinkel zucken, so wie die meines neuesten Klienten – wenn ich mich auf diesen Deal einlasse. Sie leert ihr Whiskyglas und mustert mich wieder. »Und jetzt sitzt das ungefickte Küken vor mir und wird rot, wenn sie an den Nerd denkt. Ausgerechnet ein Nerd. Ein Computeridiot, ein Mann, der jenseits der Realität lebt und garantiert keine Traumfigur hat. Ich kenne die Typen, die sind alle verkorkst … aber fuck drauf!« Warum glitzern ihre Augen auf einmal so komisch? Fast schon besessen. »Dich hat einer angemacht, er hat dich durcheinandergebracht, er hat sogar dafür gesorgt, dass du freiwillig Whisky trinkst.«

Na ja, trinken … benommen blicke ich auf das Glas in meiner Hand, aus dem ich bisher nur einen sehr, sehr vorsichtigen Schluck genommen habe. Das Zeug schmeckt ekelhaft, was soll ich sagen?

»Er hat dich geknackt«, wispert sie, immer noch mit diesem komischen Glitzern. »Endlich!«

»Hat er gar nicht, er ist … nicht mal in meine Nähe gekommen.« Was eine Lüge ist, aber auf einmal fällt es mir schwer, ihr genau zu erzählen, wie das ablief bei Mister Nerd, der kein bisschen wie ein Nerd aussieht. Auf einmal fehlen mir die Worte zu beschreiben, wie hilflos ich mich fühlte und wie … wie atemlos. Wie wenig ich selbst, ganz ohne jede Durchsetzungskraft. Wie weich meine Knie waren, wie schwer es mir fiel, etwas zu sagen, was nicht total rau und unangebracht klang. Wie sehr ich wegwollte und gleichzeitig bleiben.

Bei ihm bleiben.

Wie sehr ich zu ihm zurückgehen will, diesen Deal eingehen, dieses Risiko zulassen, und wie stark ich davor zurückschrecke.

Warum auch immer.

Ich war nicht mehr leer – aber chaotisch auf jeden Fall.

Nie zuvor habe ich nicht gewusst, was ich tun soll, was der richtige Weg ist, was ich will. Bisher war das immer glasklar zu sehen, ich ruhte in mir geruht, war niemals hin und hergerissen, wusste immer, was genau ich wollte und tun würde, und was absolut nicht infrage kam.

Innerhalb weniger Minuten hat er diese geruhsame Stille komplett in mir getötet, hat mich in die pure Unsicherheit geschubst und mich auch noch allein zurückgelassen. Rose wird mir nicht helfen können, erkenne ich gerade. Denn Rose hat immer andere Wünsche, andere Träume, andere Ziele. Und sie hat sie wie ich ausgelebt. Rücksichtsloser als ich, viel, viel skrupelloser, ohne einen Blick zurück, ohne die Konsequenzen zu bedenken.

Aber mit einem Mal haben sich meine Träume unW wünsche geändert, hat mein Herz eine andere Richtung eingeschlagen, ganz besonders aber mein Bauch.

Und das darunter.

Mit einem Mal ruhe ich nicht mehr in mir.

Mit einem Mal bin ich hin- und hergerissen.

Und ich …

Ich muss hier raus.

Ich muss allein sein.

Muss versuchen, allein damit klarzukommen, weil Rose es niemals verstehen wird.

Weil sie … weil sie so anders als ich selbst ist.

Weil ich mich gerade nicht mal selbst verstehen kann.

Hastig leere ich das Glas, würge fluchend vor mich hin, während ich glaube, mein Mund würde verätzt werden, und flüchte aus dem Chaos dieser Wohnung in die beruhigende Ordnung meines eigenen Appartements.

Nicht, dass es mir besser gehen würde.

Ruhelos laufe ich auf und ab, raufe mir dann und wann die Haare, sehe wieder seine Augen vor mir, diese grünen, dämonenhaften Augen, die mir solche Furcht einjagen und trotzdem etwas versprechen, von dem ich nicht weiß, ob ich es will.

Immer noch nicht.

Ich weiß nicht mal, ob ich es überhaupt ertragen könnte, ihn so nah bei mir zu haben, vielleicht sogar in mir …

Aber diese Lippen.

Ich lehne meine heiße Stirn an die kühle Oberfläche meines Wohnzimmerfensters und starre hinaus in die dunkle Nacht dieses Tages, weiß nicht, wie spät es ist, habe nicht den geringsten Plan.

Diese verdammten Lippen.

Wieder sehe ich sie vor mir, spüre den Stich in meinem Bauch und dass sich allein bei dem Gedanken daran mein Herzschlag beschleunigt.

Geh ein Risiko ein, Bitch, flüstert eine Stimme in mir, der ich selten, ganz, ganz selten die Regie überlasse.

Eigentlich nie.

Weil das nicht mein Weg ist.

Weil der Verstand mein Dasein regiert.

Meistens.

Aber manchmal …

Manchmal …

Ich schlucke, habe Schwierigkeiten dabei, weil in meinem Hals ein Kloß existiert, der da auch nicht hingehört, und schließe langsam die Augen.

Habe ich eine Wahl?

Nein, habe ich nicht.

Es heißt: Entweder akzeptieren oder kündigen, und ich will meinen Job nicht verlieren, ich will ihn behalten, ich habe zu hart gearbeitet, um jetzt einfach so hinzuschmeißen.

Vielleicht ist Edward Masen meine persönliche Prüfung, vielleicht hat das Schicksal mir diese Probe auferlegt, weil ich … weil bisher alles so verdammt glatt lief.

Vielleicht muss ich ihn bestehen, bevor ich weitergehen kann auf der Karriereleiter.

Vielleicht ist er … dieser Berg, den ich ersteigen muss, bevor mein Erfolg wirklich greifbar und spürbar ist.

Wieder sehe ich die Lippen von mir.

Mehr noch, ich sehe die Brust, nicht in einem Fitnesscenter über Wochen und Monate modelliert, eher nachlässig geformt, nicht sehr beachtet, nicht sehr gepflegt, aber deshalb nicht weniger heiß.

Und ja, das habe ich gerade gedacht.

Nicht aufgepumpt, sondern von natürlicher Eleganz, genau wie sein Bauch, wie seine Wangen, seine Nase, seine Arme – oh mein Gott, die Oberarme – und diese Lippen, die Haare und die Augen.

Fuck – oh mein Gott, meine Eloquenz geht vor die Hunde – diese verdammten Augen.

Die so boshaft schimmern, die mir Angst machen, mehr, als irgendwer jemals ahnen wird. Die dafür sorgen, dass ich schon wieder kaum atmen kann, nur wenn ich an sie denke.

Gleichzeitig versprechen sie viel, jede Menge von Dingen, die ich nicht kenne und ganz bestimmt nicht verstehe, die ich bisher strikt von mir ferngehalten habe.

Weil sie gefährlich sind.

Sie fordern mich heraus, sie sind spöttisch und gleichzeitig erzählen sie wahre Romane, von denen ich das wenigste identifizieren kann.

Sie nehmen mich in seinen Bann, obwohl er noch nicht mal in der Nähe ist, und sie leiten mich vom Weg ab, sie … sorgen dafür, dass ich mich ein klein wenig vergesse und versucht bin, die Herausforderung anzunehmen.

Auch auf die Gefahr hin, am Ende die Verliererin zu sein.

Mittlerweile liege ich in meinem Bett, habe eine lange, kalte Dusche hinter mir, die aber auch nicht viel ausgerichtet hat, und starre in der Dunkelheit zur Decke.

Immer noch hin- und hergerissen.

Immer noch unsicher, was ich tun soll.

Ja, er ist irgendwie furchteinflößend.

Und wenn es nach mir ginge, dann würde ich ihn nicht wiedersehen. Lippen hin oder her. Von diesem Mann geht eine Gefahr aus, die ich unmöglich zulassen kann. Und nein, ich will gar nicht darüber nachdenken, was er im Einzelnen vorhat.

Aber habe ich eine Wahl?

Ist dieses Hin- und Herdenken, dieses Grübeln, diese Verzögerung, endlich zu schlafen, überhaupt zielführend? Steht die Entscheidung nicht schon längst fest, bin ich nur zu feige, mich ihr auch zu stellen?

Ich muss es tun, denn ich muss dieses Projekt perfekt abschließen. Und wenn ich mich dabei auf einige Kompromisse einlassen muss, von denen weder am College die Rede war, noch in meinem Arbeitsvertrag etwas steht, dann ist das eben so.

Ja, mir ist klar, dass ich mich in seine Hände begebe und dass ich da garantiert nicht gut aufgehoben bin. So wie ich das sehe, ist der Typ der Teufel höchstpersönlich.

Aber ich bin groß.

Ich bin erwachsen.

Ich weiß genau, was mir guttut, was ich will und was ich ablehne.

Wenn er es zu weit treibt, dann kann ich immer noch aussteigen. Was ich werde, keine Frage.

Warum nicht erst mal Einverständnis signalisieren, ein wenig sein seltsames Spiel mitspielen, denn ganz ehrlich, ich habe noch immer nicht den leisesten Schimmer, was er mit dem ganzen Mist beabsichtigt.

Aber vielleicht gelingt es mir, ihn auf den verlorenen Pfad der Tugend zurückzuführen, bevor er … bevor er …

Wieder schließe ich die Augen, langsam diesmal, denn mir fällt ein, dass von Sex die Rede war.

Dieses S-Ding, das ich schon vor Jahren so energisch aus meinem Leben gestrichen habe.

Und ich seufze entnervt, als mir aufgeht, dass mein Ausstieg womöglich ziemlich schnell stattfinden wird.

Wenn er, sagen wir mal, mich morgen empfängt, nackt, am besten noch mit erigiertem Penis, und mich überfallen will. Ich traue ihm das nicht nur zu, ich weiß, dass die Chancen nicht übel stehen, dass es genauso ablaufen wird.

Sollte das der Fall sein, dann wird es vorbei sein.

Weil ich mir für so etwas zu schade bin.

Und weil kein Job der Welt eine solche Erniedrigung wert ist.

Wie ich genau reagieren werde?

Ich habe nicht die leiseste Ahnung, also muss ich wohl das zulassen, was mir so gar nicht steht: Improvisation.

Gott verdammt!

Ich hasse so etwas.

Halb blind wische ich über das Display meines Handys, sehe, dass es schon nach zwölf Uhr ist, und befehle mir, dringend zu schlafen.

Ich werde meine Kräfte brauchen.

Vorher mache ich aber noch eine Nachricht aus, die Rose mir geschickt hat:

»Egal was du tust, du musst dahinter stehen, Bella. Und wenn er zu weit geht, schmierst du ihm eine oder tritt ihm am besten sofort in die Eier! Wann lerne ich ihn kennen?«

»Niemals«, hauche ich und lege das Handy beiseite, um mich tief unter meine Decke zu kuscheln und wieder die Augen zu schließen.

Niemals wird Rose ihn kennenlernen, weil das – und wenigstens davon bin ich überzeugt – nur noch mehr Komplikationen mit sich bringen würde.

Edward Masen ist genau der Typ Mann, den sie in ihren legendären Bars abschleppt, um dann heißen und lauten – oh, ja, und wie laut! – Sex zu haben.

Und genau das wird nie passieren.

Weil er mein Projekt ist!

Weil er mir gehört.

Wenn auch nur platonisch.