... und dann kamst du...

von Stefan29K
OneshotRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Die deutsche Nationalmannschaft FC Bayern München
23.09.2019
23.09.2019
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Ich bremse mit „Verraten und verkauft“ noch ein wenig ab. (Es geht erst nächste Woche weiter... Sorry...)

Stattdessen hab ich mir gedacht, ich erfreue Euch mit einem kleinen Oneshot, den ich von Samstag Mittag bis Sonntag früh geschrieben habe… Viel Freude damit! So für zwischendurch… Eigentlich wollte ich erst morgen.... aber irgendwie bin ich so angefixt davon....
Ich kann nicht anders...
DANK geht an meine Beta-Leserin, die mir ein Wahnsinns Feedback gegeben hat, obwohl sie.... naja.... die Bayern nicht so mag. Sie hat "sich eingelassen, ausgeblendet und der Erzählung gelauscht". Dazu lade ich jede/n Leser/in jetzt auch ein..
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Aufgeregt. Nervös. Verliebt. Das waren wohl die passendsten Worte, die ich finden konnte, als ich darüber nachdachte, dass ER in unseren Verein wechseln würde. Klar hatten wir schon so manches Spiel gemeinsam gespielt. Aber jetzt? Er in meinem Verein? Und in meiner Stadt? Das würde nicht lange gut gehen, dessen war ich mir sicher. Wenn wir uns bei der Natio sahen, dann konnte ich die kleinen Herzchen, die sich sicherlich in meine Augen stahlen und für jedermann zu sehen waren, einigermaßen verbergen. Aber nicht, wenn ich jetzt täglich mit ihm duschen sollte. Täglich mit ihm spielen. Täglich mit ihm Kontakt haben. Zu dem war er einfach ein sympathischer Typ. Und er würde sicher nicht locker lassen, mich zu bitten, auch die Freizeit zumindest teilweise mit ihm zu verbringen. Er kannte die Stadt ja schließlich nicht. Und auch viele Kollegen waren für ihn noch unbekannt. Ich nicht. Ich wusste ja, dass er mich mochte. Und ich mochte ihn. Doch das war noch nicht alles. Ich war in ihn verknallt. So richtig. Derbe. Wann genau es passierte, weiß ich nicht mehr. Aber es passierte. In der Natio hatte ich nur von ihm geträumt. Mehr hatte ich mir nicht erlaubt, aber auch nicht weniger. Wir waren in unterschiedlichen Vereinen in unterschiedlichen Städten. Aber jetzt? Das war der Himmel und die Hölle zugleich. Ihn immer um mich zu wissen und gleichzeitig zu ahnen, nie an ihn heranzukommen, machte ich schon ab dem Moment wahnsinnig, als ich erfuhr, dass er zu uns wechseln würde.

Klar, gewichst hab ich auch mal auf ihn. Vor allem, als wir uns dann auch mal ein Zimmer geteilt haben und ich seinen Körper nicht nur unter der Dusche nach dem Spiel bewundern konnte, sondern auch noch als er sich das Shirt lasziv vor meinen Augen ausgezogen hat und sich oben ohne neben mir ins Bett gelegt hat. Ich konnte die halbe Nacht nicht schlafen, denn ich sog seinen Geruch ein und beobachtete ihn, wie er mit seinem Kissen seine Haare zerwühlte. Irgendwann war ich doch in einen wenig erholsamen Schlaf gefallen und als er am nächsten Morgen im Bad war, vergrub ich meine Nase in seinem Bettzeug. Ich sog seinen Geruch auf. Er ließ gleichzeitig Endorphine in mir frei und ließ ebenso eine Traurigkeit über mich herein brechen, dass ich mir die Tränen nicht mehr verdrücken konnte.

Gott sei dank hat er sich nicht mehr ins Bett gelegt, als er aus dem Bad kam, sonst hätte er gemerkt, dass ich sein Laken vollgeheult habe. Meine rot verquollenen Augen konnte ich immerhin auf den Schlafmangel schieben.

Bemerkt hat er sie aber und fragte auch sogleich fürsorglich nach.
„Leon, es ist nichts! Ich hab nur schlecht geschlafen!“, ließ ich ihn barsch wissen und er entschuldigte sich und wollte zum Frühstück runter.

Neben Traurigkeit und Endorphinen pochte auch noch mein Schwanz, denn sein Geruch trieb mich in einen sexuellen Wahnsinn. An dem Morgen hab ich zum ersten Mal auf ihn gewichst. Mein Schwanz schmerzte vor Glück und Traurigkeit, als ich mir bis zum Hals gespritzt hatte. Nie würde er ihn anfassen. Nie würde er mich zum spritzen bringen. Nie würde ich seinen Schwanz in mir spüren. Es war ein aussichtsloses Unterfangen. Keine Chance.
Als wir uns an diesem Morgen verabschiedeten, weil uns der Heimweg in getrennte Flugzeuge zwang, schaute ich ihm traurig hinterher.
„Hey, Kumpel! Schlag ihn dir aus dem Kopf! Oder sprich mit ihm.“

Mein bester Freund im Verein wusste Bescheid. Sowohl von mir und meiner „Neigung“, wie auch von meiner Obsession für IHN.
„Mit ihm sprechen? Bist du wahnsinnig?“
„Naja… irgendwas musst du doch machen.“
Ich blickte nur traurig zu Boden.
„Und dann kasteist du dich auch noch selbst und gehst mit ihm auf ein Zimmer. Du Depp! Nächstes Mal tauschen wir!“
„Bist du wahnsinnig?“, blaffte ich ihn an.
„Zuckersüßer Schmerz, hm!?“
Ich nickte nur. „Komm lass uns ins Flugzeug einsteigen.“

Mein bester Freund war es dann auch, der als erstes auf mich zukam, nachdem der Wechseln von IHM klar war.
„Junge, das wird eine harte Sache für dich!“
„Ich weiß“, seufzte ich nur.

Und dann kam DER Tag. SEIN erster Tag. Es war auch MEIN erster Tag nach dem Sommerurlaub. Einige andere, die nicht in der Natio spielten, waren schon länger zurück im Training. Natürlich wurde er von allen willkommen geheißen. Natürlich begrüßte jeder den Neuzugang. Doch als er mich erblickte, der ich mich nicht an der allgemeinen Begrüßung beteiligt hatte, sondern still in meiner Ecke meine Trainingsklamotten überzog, da war ER es, der alle Begrüßungen unterbrach und auf mich zukam. „Hey!“ Und er stand vor mir mit seinen schönen grünen Augen, die mich durchbohrten. „Hey! Willkommen bei den Bayern, Leon!“ Ich stand auf und reichte ihm zur Begrüßung die Hand. Und er ergriff mich und zog mich an seine Brust. Wieder roch ich ihn. Und wieder wurde mir bewusst, dass ich das nicht konnte. Mit ihm spielen. Tagein, tagaus.

„Alles klar bei dir? Du wirkst so… abwesend!?“
„Ja. Nein. Ich... vielleicht werde ich krank...“, stammelte ich, wie ein verliebter Teenager. Er war aber auch verdammt sensibel. Furchtbar. Wäre er ein ungehobelter Klotz, dann könnte er mich nicht so in seinen Bann ziehen.

Seine Hand langte an meine Stirn. „Fieber hast du aber nicht“, stellte er fest.
„Nein, Fieber habe ich nicht“, wiederholte ich mit gesenkter Stimme. Und ich wusste, dass ein anderes Fieber in mir brannte. Eins, von dem er keine Ahnung hatte.
Löschen. Konnte man ein solches Fieber löschen? Gab es dazu ein Mittel in der Apotheke? Da gibt’s doch was von Ra……
Shit.
„Wenn was ist, sag Bescheid! Ich...“
Man. Geh endlich!!!

Als hätte er meine Gedanken gehört, drehte er sich um und ließ mich stehen. Weitere Begrüßungen folgten. Weitere Willkommens-Wünsche wurden ausgesprochen.

„In fünf Minuten auf dem Feld, Jungs!“ Kovac. Stimmt. Training war ja auch noch. Bei aller Schmachterei für IHN hätte ich das fast vergessen. Gut, dass ich schon fast umgezogen war. Die andern würden durch ihre dämliche Begrüßungsrunde zu spät kommen. Als ich die Schuhe angezogen hatte, trabte ich raus auf den Rasen und war tatsächlich einer der ersten.

Nur der dienstbeflissene Pole war schon da.

„Lewa! Servus!“ Wir grüßten uns mit Handschlag. „Hey! Wo sind denn alle?“
„Die schlawenzeln alle um den Goretzka rum. Willkommen hier. Begrüßung da.“ Ich verdrehte die Augen.
„Schlawenzeln?“, fragte Robert mich verständnislos. Klar, sein Deutsch war noch immer nicht so gut.
„Tanzen um ihn rum, wie um ein goldenes Kalb.“
„Ach so...“ Ich glaube, er hat mich noch immer nicht verstanden, fragte aber nicht weiter nach.
„Und du magst ihn nicht?“
„Doch. Klar. Wir spielen in der Natio. Aber da drinnen denkst du gerade, er hätte uns schon zur Meisterschaft geschossen...“
„Eifersüchtig?“ Robert wartete meine Antwort nicht ab. „Außerdem schieße ich uns zur Meisterschaft.“ Er zwinkerte mir zu und lief davon.

Allmählich kamen auch die andern auf den Platz. Kovac wartete schon ungeduldig. Immerhin war es auch sein erster richtiger Arbeitstag mit uns allen an der Backe. Zuvor war es ja nur der verkleinerte Kader.

Da das Training auch gleich ein öffentliches Training war, schnappte ich mir einen Stift und lief los zu den Fans. Ich ging diesmal ganz nach hinten durch auf die andere Seite. Da war ich fast nie. Und bis der Pfiff des Trainers ertönte hatte ich mich bisher nie so weit vorarbeiten können. Also sollte ich mal da hin. „Hier!!! Bitte!!!“ Wo ich vorbei kam, wurde es lauter. Auch mein Name wurde immer wieder gerufen.
Bei einem hübschen Jungen, der mich an IHN erinnerte blieb ich stehen, ließ das erste Selfie machen und gab ihm bereitwillig ein Autogramm.
„Hey! Du bist ja beinahe mein Doppelgänger.“

ER stand plötzlich neben mir und grinste den Jungen an, der eine Kopie von Leon in jüngeren Jahren war. Auch Leon gab ihm ein Autogramm und ließ ein Selfie mit sich machen. ER blieb die ganze Zeit über in meiner Nähe. Er folgte mir. Ich war der erste in der Reihe und arbeitete mich vor, er war dicht hinter mir der zweite Spieler. Beinahe dachte ich, ich würde ihn schon wieder riechen. Seinen Geruch. Den Geruch seines Körpers vermischt mit seinem Deo und seinem Parfum. Mein Hirn spielte mir einen Streich. Zweifelsohne. „Könnt ihr beide aufs Bild kommen? Bitte!!!!“ quakte ein Mädel an der Band.
„Komm schon her!“, bat Leon dann auch und widerwillig ging ich auf ihn zu. Diesmal musste ich ihm sogar näher kommen. Seine Bartstoppeln kitzelten an meiner Wange. Und diesmal roch ich ihn. WIRKLICH.
Für das Foto legte er mir auch noch seinen Arm um die Hüfte und ich musste schlucken. Atmen nicht vergessen, Junge!, ermahnte ich mich selbst.
Dann blieb er in meiner Nähe. Versuchte ein Gespräch.
„Zeigst du mir, wo man in München gut essen kann?“, wollte er von mir wissen. Und ich nickte. Natürlich. Klar. Essen gehen auch noch mit dir!? Damit es sich für mich auch noch nach einem "Date" anfühlt. Ein weiterer Dolchstoß, der mein Herz durchdrang.
„Ohne Gluten. Und ohne…, na du weißt ja.“ Ein breites Zahnpasta-Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit. Aber ich wollte hier und jetzt nicht besprechen, wann wir wo essen gehen würden.
Es würde genügend Fans geben, die uns so gut zuhören konnten, dass sie an besagtem Abend ebenfalls dort auftauchen würden. Ich wusste, wovon ich sprach. Einmal hab ich mich in ähnlicher Situation mit Niklas Süle beim Italiener verabredet. Der Italiener war am Abend so voll von Fans, dass wir - Gott sei Dank - keinen Platz mehr bekommen hatten. Mir war das eine Lehre. Bis dahin war ich unbedarft. Aber jede noch so kleine Information wurde verwertet. Das war ja auch normal.
Würde ich vielleicht genau so machen, wenn ich auch nur ein Fan wäre und zufällig wüsste, wo ER am Abend essen geht. Ich würde da auch auftauchen und ihn anschmachten. Zumindest aus der Entfernung. Schüchtern. Still. Immerhin war ich schwul. Und er nicht. Denn so etwas gab es ja im Profi-Fußball nicht. Die Chancen standen auf Null. Wirklich. Nicht mal 0,01, dass er auch schwul war. Zwar gab es bei Insta nur Bilder mit seinen Freunden, aber der Name Mathea war schon oft gefallen. Und welchen Grund hätte ich, daran zu zweifeln, dass er eine Freundin hat? Bei seinem Aussehen? Und seinem Gehalt? Er konnte jede haben, wirklich jede. Und jeden. Mich eingeschlossen.

Die Pfeife von Kovac riss mich aus meinen Gedanken und wir machten kehrt und liefen zur Gruppe zurück.

„Drei Runden laufen zum Aufwärmen!“, wies er uns an. Also setzten wir uns in Bewegung und liefen in einem sportlichen, aber noch gemütlichen Tempo los. Robert führte unsere Gruppe an und er schien es nicht für nötig zu halten, richtig aufs Gas zu treten. Erst als Kovac rief: „Kommt schon ihr lahmen Enten! Etwas schneller bitte, sonst lauft ihr den ganzen Tag weiter!“, ging ein Ruck durch Robert und er erhöhte die Schlagzahl. Also zogen wir andern nach und liefen ebenfalls etwas schneller. Nach den drei Runden folgten verschiedene Lauf- und Schritt-Übungen und dann sollte es ein paar kleine Testspiele geben. Ich durfte sogar in SEIN Team. ER wählte mich aus. War ja klar. Unter normalen Umständen wäre ich froh gewesen, dass er mich wählt. Selbst im Status des Verliebtseins wäre es mir recht gewesen. Aber ich war schon drüber. Ich wusste, es war nicht gut. Gefährlich. Für mich und für ihn. Deshalb suchte ich zwar einerseits seine Nähe, aber andererseits versuchte ich ihn mir aus Selbstschutz auch so fern, wie möglich zu halten. Anpfiff. Spiel. Alles zur Freude der Fans.

Bis wir uns bei einem Duell gegen Niklas Süle unglücklich verhakten. Erst Niklas und ich, dann aber auch Leon und Niklas. Aus irgendeinem Grund schaffe es Niklas, sich aus dem Knäuel zu entheddern. Und an wem blieb es hängen? Das verdammte unsichtbare Spinnennetz? An mir. Und ihm. Wir fielen. Beide. Und ich landete auf ihm. Mein Gesicht direkt über seinem.
Er grinste mich an.
„Du hast ja eine liebevolle Art, mich willkommen zu heißen.“ Ich lag immer noch auf ihm und wagte nicht, mich zu bewegen. Ich wollte es auch nicht.
„...trotzdem wirst du...langsam...schwer...“
„Sorry“, nuschelte ich und rollte mich von ihm herunter. Auch in meiner Leistengegend war es nicht ohne Folgen geblieben, dass ich auf ihm lag. Wenn jetzt irgendwo ein Paparazzo wäre, würde es morgen Bilder geben, die das "Beulenforum" für sich ausschlachten konnte.

Ich hatte dort selbst schon geschaut und Bilder von IHM gefunden. Blödsinnig und doof eigentlich. Ich konnte ihn ja schon immer unter der Dusche betrachten. Man mag es aber kaum glauben: es ergab sich wirklich nur selten die Gelegenheit dazu. Entweder war er schneller oder langsamer, oder die Duschen waren so angeordnet, dass ich nichts sehen konnte oder es stand jemand anderes im Weg. So richtig hinschauen, also WIRKLICH hinschauen und aufsaugen konnte ich diesen Anblick eines nackten Leon noch nicht. Groß war er. Das wusste ich. Vielleicht würde sich ja hier die Gelegenheit eher bieten, als bei der Natio. Die Wahrscheinlichkeit, ihn nackt zu sehen war seit heute früh jedenfalls exorbitant in die Höhe geschnellt.
Wir spielten weiter und die Partie endete unentschieden. Nun wurden andere Mannschaften gewählt. Wir spielten ja nur auf einem kleinen Feld. Und während die andern spielten, konnten wir etwas trinken.

„Wo wohnst du denn?“, hörte ich meine eigene Stimme fragen und mein Mund war damit mal wieder schneller, als mein Gehirn. Ich Esel. Als nächstes würde ich ihn noch fragen, ob er mit mir schlafen will, wenn ich meine lose Zunge nicht im Zaum hatte.
„Giesing heißt der Stadtteil wohl. Ist nicht weit von hier. Komm mich gern mal besuchen! Es würde mich sehr freuen!“
„Klar!“ Schon wieder schneller, als ich denken konnte. „Und ein paar andere vielleicht auch?“, schob ich daher noch nach. Ansonsten würde ich vielleicht unkontrolliert über ihn herfallen. Und damit wäre ich einen Freund ärmer. Und um ein großes Problem reicher.
„Erstmal sehen, wer von den andern in Ordnung ist. Die meisten kenne ich ja noch nicht richtig. Du weißt ja, ich bin da sehr vorsichtig.“
Stimmt. Das war er schon immer. Er vertraute nicht schnell oder leichtfertig. Vielleicht sollte er sich das mit dem Vertrauen in mich auch nochmal überlegen.
„Blindes Vertrauen ist das Wertvollste, was ich einem Menschen geben kann, denn ein Wert wird an seiner Häufigkeit gemessen.“ So las ich es schließlich jedes Mal, wenn ich sein Profil bei Instagram stalkte. Jedes gottverdammte Mal, wenn ich mir die schönsten Bilder von ihm ansah.
„Ich komme gern!“ Wieder hatte meine Zunge schneller gesprochen, als das Hirn gedacht hatte.
„Heute Abend?“ Leon sah mich mit einem Blick an, dem man unmöglich widerstehen konnte. Wie ein kleiner süßer Hund, der wollte, dass man mit ihm spielt.
„Heute Abend….“ ich tat, als müsse ich überlegen. „Könnte klappen, ja. Ich muss nochmal im Kalender schauen, aber ich glaube, es ist nix.“
„Cool!“ Sein Lächeln war Zeichen ehrlicher Freude.

Als das Training nach gut einer Stunde beendet war, schlenderten wir in die Kabine zurück. Nach dem Duschen stand noch eine kurze Besprechung auf dem Plan.
Ich schaffte es sogar, nicht neben IHM zu duschen und auch nicht hinzuschauen. Und als ich fertig war, beeilte ich mich, aus der Kabine zu kommen. Allerdings schien er, wie eine Klette an mir hängen zu wollen, denn auch bei der Besprechung setzte er sich sofort neben mich.
„Das Trainingslager steht an“, eröffnete Kovac die Besprechung. „Und ich wollte euch dafür gern die Rahmendaten mitteilen. 23. Juli bis 30. Juli ist die Audi Summer Tour. Und am 2.8. fahren wir dann nach Rottach-Egern ins Trainingslager.“
Fuck, das stand ja auch noch an. Zwar durften Leon und ich wegen unserer Natio Spiele später ins Training einsteigen, wie auch alle andern, die in der Natio spielten. Aber in die USA mussten wir dann schon mit.

„Teilst du dir mit mir ein Zimmer? Bei dir weiß ich immerhin, dass du nicht schnarchst...“
Der nächste Dolchstoß. Zuckersüß und bitter. Natürlich würde ich mir mit ihm immer ein Zimmer teilen. Und doch die Bitterkeit in meinem Inneren spüren, wenn ich ihn nicht berühren durfte.
Er blickte mich noch immer auffordernd an. „Klar. Aber Serge schnarcht auch nicht.“
„Schon in Ordnung. Wenn du mich zu Serge abschieben willst, dann...“
„So war das doch nicht gemeint!“, beeilte ich mich klarzustellen. Ich wollte auf keinen Fall, dass er sich abgeschoben vorkam.
„Fein.“ Wieder ein Zahnpasta-Grinsen.
Die Besprechung ging weiter und als wir endlich entlassen wurden, raunte er mir zu: „18Uhr? Die Anschrift schreibe ich dir. Bring ein bisschen Hunger mit. Ich werde zwar nicht groß kochen, aber ein Käsewürfel geht schon oder?“
„Passt. Nur ein bisschen was zum naschen.“ Diesmal musste ich grinsen. Denn vernaschen wollte ich ihn. Doch er fasste das als erste Freundlichkeit meinerseits am heutigen Tage auf.
„Endlich! Du kannst ja noch grinsen. Ich dachte schon, deine Mundwinkel wären nach unten getackert oder irgendwie eingeschlafen.“ Er schlug mir auf die Schulter. Dann verschwand er aus meinem Blickfeld. Kurze Zeit später brummte mein Handy und ich bekam nochmal die Eckdaten für unser abendliches „Date“. Wirklich. In der Tat nicht weit von der Säbener. Ich packte also meine Sachen und kam in meiner leeren und kalten Wohnung in der Nähe vom Gärtnerplatz an.

Für wen sollte ich die Wohnung auch schön machen? Es stand ein Sofa drin, ein Bett, ein Tisch. Gerade groß genug, dass auch mal jemand zu Besuch kommen konnte. Jemand vom Verein. Aber wen sollte ich sonst einladen. Sicher würden meine Eltern und meine Schwester mal vorbei kommen. Aber sonst… Ich hatte es mir gespart, Bilder an die Wand zu hängen. Das waren nur Löcher, die ich später wieder stopfen musste, wenn ich aus der Wohnung ausziehen würde. Mich fröstelte. Und das im Juli. Vielleicht lag es an der Kühle der Wohnung, die mich umgab und mich von innen heraus frösteln ließ. Und es war nicht die Temperatur damit gemeint. Kalt.

Wärme und Nähe hatte ich nie an mich heran gelassen. Im Fußball war man eben nicht schwul – und man verliebte sich eben nicht in Kollegen. Im eigenen Verein bedeutete das nur Ärger, wenn es mal Streit gab und in einem andern Verein? Unmöglich. Die Zeiten, wo man sich sehen konnte, waren doch ziemlich begrenzt.

War ich deshalb noch Jungfrau? Wahrscheinlich. Außer den typischen Wichsspielchen in der Schule war noch nie wirklich was gelaufen. Ich war hoffnungslos unerfahren. Wahrscheinlich war er darin auch besser, als ich. Sicher wusste er genau, was zu tun war. Und wie man es machte. Ich erblickte mich im Spiegel. Ja, immerhin. So etwas gab es in meiner Wohnung. Ich wollte doch wenigstens im Flur nochmal nach dem rechten sehen, ob die Frisur passte und die Kleidung ordentlich war, bevor ich auf die Straße trat.
„Du jämmerlicher Pisser“, sagte ich laut zu meinem Spiegelbild. Du bist Fußballer. Beinahe jeder in diesem Land würde weiß Gott was geben, um mit mir im Bett zu landen. Und ich war Jungfrau?! Wie peinlich war das denn? Ich würde es ihm nie sagen, wenn es jemals doch dazu kam. Ich würde einfach so tun, als wüsste ich genau, was ich da mache. Wieder ein Brummen meines Handys.
„Ich freu mich auf dich!“ Und er schickte mir einen Smiley und ein Bild vom gedeckten Tisch. Ein silberner Kerzenleuchter stand darauf. Blumen. Er hatte es in kürzerer Zeit geschafft, seine Wohnung wohnlich zu machen. Wohnlicher als ich.
Ich suchte mir eine enge Jeans aus dem Kleiderschrank und kramte einige Shirts hervor. Immerhin wollte ich gut aussehen. Für IHN. Für den heutigen Abend. Als ich endlich eins gefunden hatte, das mir in den Kram – und in mein Farbschema – passte, war mein Schlafzimmer ein Trümmerfeld. Besonders ordentlich musste ich nie sein. Es war ja auch außer mir niemand hier. Aber mein Bett sollte ich unter dem Wäscheberg schon wiederfinden, wenn ich heute Abend nach Haus kam. Also räumte ich notgedrungen ein wenig auf. Als ich dann auf die Uhr schaute, erschrak ich. Kurz vor 18Uhr. Shit!
Mit den Öffentlichen würde ich es nie im Leben schaffen und mit dem Fahrrad auch nicht. Fieberhaft überlegte ich. Taxi!? Die einzige Möglichkeit. Hoffentlich hatte ich noch genug Bargeld. Ich schnappte mir meine Geldbörse und lief auf die Straße. Als endlich ein freies Taxi hielt, hatte ich noch 10 Minuten.
Ich nannte dem Fahrer die Anschrift und bat ihn, sich zu beeilen. IHM schickte ich eine Nachricht, dass ich vielleicht ein paar Minuten zu spät kommen würde.
Durch den Feierabendverkehr schafften wir es, um 18.15Uhr dort zu sein. Ich zahlte das Taxi, stieg aus und stand vor einer großen Metalltür.
„L.G.“ las ich auf der obersten Klingel. Na wunderbar. Ich drückte drauf und sogleich öffnete sich die Tür mit einem Summen. Drinnen kam ich in einen Innenhof. Rechts ging eine weitere Tür ab. Auch diese war schon aufgesprungen. Ich schritt hindurch und ging auf einen Fahrstuhl zu. Na schön. Heute mal keine Treppen steigen. Ich will ja noch atmen, wenn ich oben ankomme. Und er soll nicht denken, dass ich gehetzt bin.
Der Fahrstuhl brachte mich nach oben und ER lehnte lächelnd und lässig im Türrahmen.
„Wow! Du hast dich aber aufgebrezelt.“ Er selbst trug ein einfaches weißes Shirt, eine schlabbrige Shorts von Hollister, die seinen… naja… eher betonte, als verdeckte. Barfuß stand er da. Eine lange Kette mit einem Stein baumelte auf seiner Brust.
„Aufgebrezelt?“ Shit. Hatte ich das?
„Naja. Du siehst eher aus, als würden wir auf einen Party gehen und Frauen aufreißen wollen. Komm rein, Kumpel!“
Er trat aus der Tür und ließ mich eintreten. „Sorry, ich hab nicht mehr die Zeit gehabt, dir ein angemessenes Gastgeschenk...“
„Quatsch. Nicht so wichtig!“
Ich betrat eine große Küche, die zum Wohnzimmer hin offen war. Auf einem grauen Teppich stand eine große Sitzlandschaft. Anders konnte man das schon gar nicht mehr nennen. Ein Esstisch stand in der Nähe der Fenster und die bequemen Stühle luden ein, daran Platz zu nehmen. „Wow! Eine geile Wohnung!“
„Dankeschön!“
„Und schon alles eingerichtet… bei mir… naja. Egal.“
„Willst du gleich eine Führung oder erst was zu knabbern?“
„Führung!“
„Ok. Wenn der Herr bitte folgen möchte?“
Galant imitierte er die Bewegung eines Kellners. Dann zeigte er mir einen Fitness-Raum, sein Gästezimmer und sein Schlafzimmer. Darin fand sich ein großes Bett. Zwei Bettdecken lagen darin und waren auch beide bezogen. Zwei Kopfkissen ebenfalls.
„Wie findet deine Freundin die Wohnung?“
Er blickte mich ratlos an. Und ich deutete auf das zweite Bettzeug. „Ist ja schon für Zwei bezogen? Sie war doch sicher schon da?!“
„Pfff. Welche Freundin? Weißt du etwas, das ich nicht weiß?“
„Äh...“ ich stotterte vor mich hin. Ich war mir sicher, dass ich gelesen hatte – und ich hatte alles über ihn gelesen -, dass es eine Freundin gab.
„Mathea…?“ fragte ich leise nach.
Er fing laut an zu lachen. „Du liest die Klatschpresse?“ Ertappt, wie ich war, wurde ich rot und meine Ohren glühten.
„Man muss ja informiert sein“, erklärte ich mich.
Er lachte immer noch.
„Mathea ist eine gute Freundin. Aber nicht MEINE Freundin. Ich war mit ihr und ihrer Schwester sogar schon mal im Urlaub. Aber da waren auch alle meine andern Kumpels aus Bochum und Essen dabei. Ich kenne sie aus der Schule. Sie ist ein nettes Mädel. Aber da läuft nix.“

Irritiert blickte ich noch immer auf die zweite bezogene Garnitur Bettzeug.
„Marius kommt demnächst zu Besuch. Und Basti auch. Und weil Basti schnarcht, will Marius bei mir schlafen. Und weil ich eh schon mein Bett bezogen hab… naja. Egal. Mit Marius hab ich schon 1000 Mal im Bett geschlafen. Wir kennen uns seit der Grundschule.“

„Was möchtest du trinken?“, fragte er mich und deutete damit an, dass nun die Führung beendet war und wir zum kulinarischen Teil des Abends übergehen wollten.
„Was hast du denn?“
„Bier hab ich keins“, sagte er zerknirscht. „Das hab ich beim einkaufen vergessen, weil ich ja selbst keins trinke.“
„Dann einen Wein?“
„Weiß oder rot?“
„Weiß. Im Sommer ist gekühlter Weißwein einfach besser.“

Er tapste auf seinen nackten Füßen durch das Wohnzimmer. Und jedes Mal gab es ein typisches Geräusch, wenn nackte Füße auf den Boden patschen. Am liebsten wollte ich den Boden küssen. Und seine großen Füße noch dazu. Irgendwie machte mich alles an ihm an. Wahrscheinlich würde ich sogar davon in meine Hose spritzen, wenn ich nur einmal seine Füße küssen durfte.
Ich stand noch immer an der gleichen Stelle, an der ich seinen Füßen nachgeschaut hatte, wie er auf ihnen in die Küche patschte.
„Du kannst dich ruhig schon setzen.“ Er deutete auf den Tisch. Inzwischen brannten auch die Kerzen in der silbernen Leuchter.
Dann tapste er wieder heran, zwei Weißweingläser in der Hand, die er auf dem Tisch abstellte. Erneut ein Tapsen. Diesmal zum Kühlschrank. „Ich hab einen Rivaner kalt.“
Ich muss wohl ziemlich fragend geschaut haben. „Das ist eine Mischung aus Riesling und Silvaner. Kommt aus Luxemburg. Und ist leicht.“
„Cool. Immer her damit.“
Neben der Flasche brachte er noch einen Korkenzieher und eine Schüssel mit an den Tisch. „Ein paar Pistazien zum knabbern?!“
Er stellte die Schüssel vor mir ab und ich griff mir zwei Pistazien, während er den Wein öffnete. Beinahe hätte ich die Schale nicht geknackt bekommen. Irgendwie war ich nervös.

Inzwischen war der Wein entkorkt und eingegossen. Er reichte mir ein Glas und als ich es ihm abnehmen wollte, trafen meine Finger auf seine. Feuerwerk. Glitzern. Gänsehaut. Man, der Typ brachte mich in den Wahnsinn!
Ich war froh, dass ich von dem Wein nichts verschüttet hatte und er prostete mir zu, dabei sah er mir in die Augen. Ich konnte und wollte dem irgendwie nicht stand halten und schaute weg.
„Hey! Immer in die Augen schauen beim prosten, sonst gibt’s sieben Jahre schlechten Sex!“
Diesmal schaute ich ihn mit großen Augen an und unsere Gläser klirrten aneinander.
„Jetzt hätte von dir eigentlich als Replik kommen müssen: Lieber schlechten Sex, als gar keinen Sex.“
In dem Moment bekam ich den Wein in die Luftröhre. Husten. Bis das Gesicht rot war und Tränen in den Augen standen. Er war sofort herbei geeilt und schlug mir auf den Rücken.
„Sorry, ich wollte nicht...ich wusste nicht...“
„Schon gut, ich hab mich nur verschluckt...“
„Oder ist der Wein so schlecht?“, fragte er keck.
Ich schüttelte den Kopf. Zum Sprechen war ich noch nicht in der Lage. Die Luftröhre war wieder frei. Aber die Atmung fiel mir noch schwer.
Er sah mich weiterhin besorgt an.
„Schon alles wieder gut“, log ich und trank noch einen Schluck Wein.
„Siehst du, jetzt geht’s wieder...“

Unter dem Tisch stieß sein Fuß gegen mein Bein, weil er sich nach hinten gelehnt und offenbar seine langen Beine ausgestreckt hatte.
„Sorry“, nuschelte er und zog sich sofort zurück. Er konnte doch nicht… oh man. Das war jetzt quasi verbrannte Haut. Die Hitze war sofort durch meine Jeans gezogen und hatte mein Bein infiziert. Sein Fuß an meinem Bein?! Hallo?
„Nichts passiert!“, beeilte ich mich zu sagen. Du hättest deine Füße auch dort lassen oder sie sogar in meinen Schritt legen können. Aber das sprach ich nicht aus. Stattdessen schob ich meinen Stuhl noch näher an den Tisch in der Hoffnung, dass er mich nochmal anstieß. Doch er hatte seine Haxn schon in seinen Tanzbereich zurückgezogen.
„Ich hab eine Auswahl an verschiedenen Käsesorten, Oliven und andern Krams. Sag einfach, wenn du schon Hunger hast.“
Ja. Natürlich. Hunger auf dich, du Depp. Aber auch das sprach ich nicht aus.
„Wie geht’s dir in München? Du bist ja schon länger hier? Sind die Jungs in Ordnung?“
Der Themenwechsel brachte mich gerade durcheinander.
„… schon eine Freundin gefunden?“ Noch mehr Durcheinander in meinem Kopf.
„Käse wäre fein, die Jungs passen, München ist cool und ich bin – Single.“
„Jungfrau“ hätte ich sagen sollen. Aber er hätte mich wahrscheinlich ausgelacht und aus der Wohnung geworfen.
„Und du bist also auch Single?“ hörte ich mal wieder meine schnelle Zunge formulieren.
Er fuhr sich durch seine wilden Haare. Zu gern würde ich da auch mal rein greifen, während ich auf ihm reite. Wild. Zügellos. Ekstatisch. Erotisch.
Dann seufzte er.
„Wie soll man in unserem Beruf jemanden kennenlernen, der es ernst mit dir meint?“, fragte er mich und seine Augen liefen ruhelos hin und her. Erneut ein Seufzen. Dann stand er auf und patschte mit seinen nackten Füßen wieder zur Küche, öffnete den Kühlschrank und entnahm offenbar den Käse, den er auswickelte und auf eine Platte legte. Auch eine Schüssel mit Oliven und getrockneten Tomaten brachte er zum Tisch.
„Eben! Wie soll man jemanden kennenlernen in unserem Beruf?“ stimmte ich ihm zu.
„Aber das hier ist München! Du wirst ja wohl schon mal in einem Club gewesen sein. Da liegen dir die Mädels doch zu Füßen!“
Mädchen? Ich will keine. Ich will dich, du Esel!
Passend zu meinen Gedanken schnaubte ich.
„Ich bin… wählerisch!“
„Schwul“ hätte ich sagen sollen.
„Und du weißt nie: wollen sie dich oder dein Geld?“
Er nickte verstehend. „Dann musst du eben gut suchen. Prüfen. Und abwägen.“
„Hat ja bei dir blendend funktioniert...“, gab ich zurück und nahm mir eine Olive.
„Ich bin… naja...der Fußball ist mir eh wichtiger. Und ich bin ja gerade erst angekommen.“
Ja. Eben. Genau. Du bist angekommen. Bis vor kurzem ging es mir hier in München noch gut. Ich konnte damit leben, dich hin und wieder zu sehen – und mit dir zu duschen, verdammt. Und dann kamst du… für immer. Ich weiß nicht, wie lange ich das ertrage.
Er lehnte sich über den Tisch und eine Hand legte sich auf meinen Arm. Dann schaute er mich verschwörerisch an. „Wir müssen eben mal zusammen in die Clubs gehen, dann wird das schon.“
Klar. Mit dir in einen Club. Wenn du verschwitzt auf der Tanzfläche stehst, dein nasses Shirt an deinem Körper klebt und du mich wieder und wieder nach diesem oder jenem Mädel fragst. Ob sie was für dich wäre oder für mich… Nein, das würde ich nicht ertragen.
„Klar, können wir gern machen.“ Irgendwann schneide ich mir die Zunge ab.
„Wohin geht man denn hier so?“
Shit. Gute Frage. Wohin ging man hier so?
„Das müssen wir gemeinsam herausfinden...“
„Wie? Du hast noch nicht…? Du warst noch nicht…?“
„Nein.“ Beschämt sah ich zu Boden und hoffte, dass er damit einen Besuch im Club gemeint hatte und nicht mein Sexleben. Trotzdem war mir auch ersteres peinlich.
„Wie lange bist du jetzt in München?“ Der Ton in seiner Frage machte klar, dass er keine Antwort auf diese Frage wollte.
Er setzte erneut an: „Dass mit den sieben Jahren Sex… von vorhin. Sorry nochmal.“
Irritiert schaute ich zurück.
„Ich wollte dich nicht beleidigen oder so...“
„Hast du nicht. Ich hab… mich nur verschluckt.“
„Schon klar.“

Er schob sich eine Olive in den Mund. Nachdem der Mann Sex pur für mich war, war auch die Art, wie er seine Lippen öffnete und dieses Steinobst zwischen seine Zähne nahm und vom Zahnstocher abzog für mich pure Erotik. Ich verfolgte jede Bewegung. Er griff die Weinflasche und schenkte nach. Gierig trank ich einen Schluck, denn meine Kehle war trocken.
Das zweite Glas Wein merkte ich bereits im Kopf. Wir Spieler tranken ja ohnehin nicht viel Alkohol. Und wenn es dann doch mal dazu kam, dann war es eben ungewohnt. Ich schwankte etwas, als ich zur Toilette musste.
„Muss ich dich stützen?“ fragte er fürsorglich, aber mit einem Unterton, den ich mir nicht erklären konnte.
„Passt scho...“ Als ich auf der Schüssel saß und mich entleerte atmete ich tief durch.
Jetzt werd mal wieder normal, Alter! Das ist jetzt deine Zukunft. Leon am Sonntag. Leon am Montag. Leon am Dienstag. Ich wollte mir nicht ausmalen, an welchem Tag der Woche ich unter dieser Last spätestens zusammenbrechen würde.
Mein Handy brummte und verkündete den Eingang einer Nachricht meines besten Freundes. „Wie hast du den Tag überstanden? Ich hoffe, es geht dir gut?!“
„Ich bin bei IHM. Was denkst du denn, wie es mir geht…?“
„Oh. Du alter Masochist…!“
„Alles klar bei dir?“, tönte seine Stimme durch die Tür. Ich hatte offenbar die Zeit vergessen. „Klar. Bin gleich da.“
Ich spülte, zog mir die Hose wieder hoch und spritzte mir kaltes Wasser ins Gesicht. Dann sah ich mein jämmerliches Spiegelbild an. „Keine Eier in der Hose...“, sagte ich zu mir selbst. Dann schlurfte ich zur Tür, entsperrte sie und Leon stand dicht vor mir.
„Ich hab nur ne App bekommen, die wollte ich schnell beantworten. Wäre unhöflich gewesen, das vor dir zu tun.“ Im Ausreden erfinden war ich nicht schlecht. Eigentlich immer besser geworden. Aber seine grünen Augen taxierten mich. Und wieder einmal hielt ich dem nicht stand und schaute zu Boden. Auf seine Füße. Die standen gekreuzt am Boden. „Kein Problem. Ich hab das Handy ja an sich auch dauernd in der Hand. Festgewachsen. Sozusagen.“ Wieder ein Lächeln. Und wieder versank ich darin. Dann stieß er sich vom Türrahmen ab und tapste zurück zum Esstisch.
„Käse?“ bot er an. Höflich war er. Aufmerksam auch. Sexy. Und er roch verdammt gut. Scheiße. Ich hätte mir sein Parfum im Bad merken sollen. Eine weitere Sache mit der ich mich kasteien konnte. Ich konnte ein weiteres Kissen in mein Bett legen und mit seinem Parfum einsprühen. So hätte ich seinen Geruch immer bei mir.
„Verdammt, warum bist du nur…?“ Diesmal stoppte ich meine vorlaute Zunge rechtzeitig.
„Bin ich? Was bin ich?“
Ich konnte es nicht sagen. Ich durfte es nicht sagen.
„Nun sag schon! Raus mit der Sprache!“
„...perfekt…?!“
Er lachte auf. Es war ein herzliches warmes Lachen.
„Ich und perfekt? Niemals.“
Ich sollte jetzt widersprechen. Doch stattdessen blickte ich mal wieder ertappt zu Boden.
„Hey!“ Seine Stimme wurde sanfter.
„Warum denkst du das von mir?“
„Du bist… ach man.“
Er stand von seinem Stuhl auf und kam zu mir. Dann machte er sich klein. Seinen Daumen und seinen Zeigefinger legte er an mein Kinn und sah mir wieder intensiv in die Augen. „Warum denkst du das von mir?“
„Du bist… aufmerksam, höflich. Eben einfach perfekt. Der perfekte Schwiegersohn.“

„Und du nicht? Du schaust doch auch immer danach, ob es allen anderen gut geht. Nur auf dich selbst schaust du nicht. Nur heute ist irgendwas mit dir. Ich weiß zwar noch nicht, was, aber das finde ich schon noch heraus.“ Ich wollte etwas sagen, doch er unterbrach mich mit einer Handbewegung. „Ich kenne dich. Und etwas stimmt nicht.“

So musste es sein, wenn man ein Falter war. Man wollte zum Licht und doch wusste man, dass das Licht einen verbrennen würde. So sehr wollte ich zu ihm. Ich wollte ihn. Und ich wusste, dass dieses Wollen mich verbrennen würde. Von innen. Weil ich ihn nicht haben konnte. Weil er mich nicht wollte. Weil er so perfekt war, dass schwul zu sein niemals eine Möglichkeit gewesen wäre.

„Leon, ich kann nicht...“
„Du kannst mit mir über alles sprechen. Wir kennen uns ewig. Du bist einer der wenigen, denen ich vertraue. Außer meinen Kumpels in Bochum und Essen. Und du darfst auch mir vertrauen. Ich biete es dir nur an.“

Verdammt. Er hatte mich. Er hatte mich klein gekriegt. Ich zerbrach. Und die Schale splitterte ab und ihre Krümel verteilten sich in der ganzen Wohnung. Und mit der geplatzten Schale lag mein Herz offen vor ihm.
Ich fing an zu heulen. Wie ein kleines Kind. Ich schluchzte los und wusste nicht, wie ich aufhören sollte. Und er? Er war einfach nur da. Neben mir. Er kam ganz nah an mich heran. Umarmte mich. Hielt mich. Ließ mich heulen. Wieder viel zu aufmerksam. Er wusste, dass ich jetzt nicht sprechen konnte, selbst wenn ich wollte.
Irgendwo her hatte er ein Taschentuch organisiert. Ohne mich zu verlassen. „Scccchhhhhh“, machte er. Wie meine Mutter, wenn ich als Kind geweint hatte. „Alles wird gut!“
„Nichts wird gut, Leon!“, brachte ich heraus. „Ich bin am Ende.“
Er fragte nichts. Er sagte nichts. Er wartete. Er hielt die Stille aus. Ich nicht.
„Ich kann das nicht, Leon. Ich kann es nicht ertragen.“
Wieder sagte er nichts. Und wieder wartete er, bis ich meine nebulösen Worte erklärte.
„Meine Welt war in Ordnung! In Ordnung, verstehst du?! Nicht schön. Oder hervorragend. Sie war in Ordnung. Wenn wir uns nur alle paar Wochen sahen. Ich hab geträumt. Aber es war „in Ordnung“ so. Und dann kamst du…“
Wieder sagte er nichts. Und wieder wartete er.
„Verdammt, ich liebe dich, Leon! Und ich kann nicht jeden Tag neben dir stehen und dich nicht haben dürfen! Das ertrage ich nicht.“
Wieder liefen die Tränen. Das Zwerchfell zuckte und ließ meinen Körper erbeben.
Er streichelte meinen Rücken. Immer noch. Obwohl ich ihm gesagt habe, was für eine Missgeburt ich bin. Ich spürte seinen Atem auf meiner Wange und ich roch seinen Geruch. Seine Hand strich auf- und abwärts auf meinem Rücken.
Wieder legten sich seine zwei Finger an mein Kinn und er drehte meinen Kopf zu sich. Und wieder schaute ich in seine leuchtenden grünen Augen.
Seine Lippen näherten sich meinen und plötzlich fühlte ich ihn. Ganz zart legte er seine Lippen auf meine. Ich riss meine Augen auf und löste mich aus dem Kuss. Das darf doch nicht wahr sein. Will er mich quälen?
„Leon bitte! Quäl mich nicht!“
„Quälen? Ich wollte dir zeigen, dass...“
„...du kein Problem mit Schwulen hast? Danke! Das macht die Sache nicht besser!“
„Du kleiner Depp!“
Diesmal legten sich seine Lippen fordernder auf meine. Seine Zunge begehrte Einlass und ich gewährte es ihr. Wild erforschte er meine Mundhöhle und zupfte an meinen Lippen, knabberte, sog und brachte mich um den Verstand.
Seine Hand schob sich unter mein Shirt und ich bekam eine Gänsehaut. Mein Schwanz pochte augenblicklich in meiner Hose. Er fand meine Brustwarze und spielte mit ihr. Seine Hand fuhr wieder aus meinem Shirt heraus und ich dachte, jetzt ist es soweit. Jetzt lässt er los und verhöhnt dich. Dann würde ich endgültig zerbrechen.
Seine Hände griffen meine Hände und er erhob sich aus der Hocke in der er noch immer war und er zog mich vom Stuhl ebenfalls nach oben. Seine Hände arbeiteten weiter und schoben mein Shirt ebenfalls nach oben und über meinen Kopf.
Dann erneut Lippen auf Lippen. Und seine Hände wieder an meinem Körper.
Streicheln. Zupfen. Knabbern.
Meine Festplatte im Kopf war kurz vor „format:(c:)“
„Du darfst übrigens auch bei mir...“ bot er mir an und grinste frech dabei. Dann nahm er seine Kette ab, die er um den Hals trug. Es war eine Aufforderung. Also tat ich, was ich schon immer tun wollte. Ich erforschte seinen Körper ebenfalls. Meine Hände wanderten unter sein Shirt. Ich schloss die Augen und fühlte nur. Die kurzen Stoppeln auf der Brust. „Sorry, hab mich nicht frisch rasiert...“, nuschelte er in den Kuss. „Macht nix. Da steh ich total drauf!“ Und ich fühlte weiter. Ich fand einen Kranz von kurzen Haaren um die Brustwarzen, an denen ich zupfte, ich spürte seine Nippel, wie sie hart wurden. Dann hielt ich es nicht mehr aus. Ich riss ihm das Shirt mehr vom Leib, als ich es ihm auszog. Atemlos bewunderte ich jetzt mit den Augen. Ich sah mir alles an, was ich immer aus der Nähe sehen wollte. Dann ließ ich meine Zunge über seine rechte Brustwarze tanzen und er erschauerte. Mit den Zähnen knabberte ich leicht daran. Ich hatte das schon in so vielen Pornos gesehen, zu denen ich unzählige Ladungen meines Spermas auf mich selbst verschossen hatte. Und es gefiel ihm. Er grunzte erregt. Während ich das tat, spürte ich, dass seine Hand versuchte, meinen Gürtel zu öffnen. Da es ihm nicht gelang, half ich nach. So konnte er die Knöpfe meiner Jeans öffnen und mit jedem Knopf wurde ich geiler. Seine Hand legte sich auf meinen steifen Schwanz und ich stöhnte auf. Er rieb ihn durch den Stoff. Und ich versuchte das gleiche bei ihm. Er trug ja nur eine Schlabbershorts, die schon mächtig beulte. Endlich würde ich ihn sehen. Und fühlen. Und…
Auch ich begann nun seinen zu kneten. Und auch er keuchte auf. „Leon ich...“

Es war einfach zu viel. Zu viel Reiz. Sein Körper vor mir, seinen Schwanz in der Hand. Seine Lippen auf meinen. Ich kam. Und zwar gewaltig. Ich flutete meine enge schwarze Shorts und ich wimmerte in den Kuss. Als ich seinen Schwanz aus dem Stoff befreit hatte griff ich fest zu und wichst ihn. Und auch bei ihm dauerte es nicht lange, bis er meinen Namen keuchte. Warm wurde es auf meinem Arm und meiner Hand.
„Wow!“ sagte er. Und es klang Stolz in seiner Stimme mit.
„Sorry, ich...“
„Wofür entschuldigst du dich…?“
„Für.. naja...“ ich deutete auf meine Hose.
„Warst ganz schön aufgeheizt, hm!?“
„Ich… es war mein erstes...“
„Oh. Sorry. Ich wollte nicht… es sollte etwas Besonderes….“
„Das war es! Denn es war mit DIR!“
Er schaute mich verliebt an. Und dann brachte er es auch ins Wort. „Danke, dass du es ausgesprochen hast. Ich hätte mich echt nicht getraut. Und falls es dir nicht aufgefallen ist: Ich bin ebenfalls in dich verknallt, du kleiner Depp.“
„Du? Der große perfekte Leon!? Du hättest dich nicht getraut?“
„Ich wusste ja nicht, dass du auch…“
„Leon! Schlaf mit mir. Jetzt! Ich will dich.“
Alle Unsicherheit war verflogen. Alle Ängste hatten sich ins Nichts aufgelöst. Der Schmerz war vergessen. Das Feuer der Lampe machte mir nichts mehr. Ich war ein Falter, der sein Licht gefunden hatte. Ein Licht, das mich nicht verbrennen würde. Dazu war Leon ein zu gutes Feuer. Heiß, aber nicht zerstörend.
„Du willst, dass ich…?“
„Ja. Fick mich.“
Er zog mich ins Schlafzimmer.

Einige Wochen später lagen wir gemeinsam im Bett. Trainingslager.
„Ich kann es noch gar nicht fassen, Leon!“
„Was denn, Kleiner?“ So nannte er mich jetzt immer. Immer, wenn er mir seine Liebe zeigen wollte, gepaart mit ein wenig Aufziehen meiner Person.
„...dass wir hier mal liegen würden. Mein Leben war so… einsam. Ich weiß auch nicht. Kalt. Leer. Du hast ja meine Wohnung gesehen. So kalt war auch mein Leben.
Und dann kamst du...“

„Stimmt. Und dann kam ich. Mehrfach. In dir. Auf dir.“ Er grinste mich schelmisch an. Schon wieder bekam ich durch die Erinnerung daran einen glasigen Blick.
„Ich liebe dich, Leon!“
„Ich liebe dich auch, Joshua!“
Selten sprach er meinen Namen komplett aus.

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Als kleiner Dank an Lumi für ihren Oneshot!
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