Trust No One

KurzgeschichteMystery, Romanze / P12
23.09.2019
29.09.2019
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Die Wölfe heulen. Wenn man darüber nachdenkt, heulen die Wölfe eigentlich immer wenn der Vollmond am Himmel steht. Und das geschieht öfter als man glauben möchte, in dem Dorf, in dem wir leben. Die Leute wissen, oder sollten es zumindest, dass es alle 30 Tage einen Vollmond gibt. Das ist Physik, wie man so sagt. Siobhan sagt, wir liegen weit hinterher mit dem, was wir wissen könnten. Oder wissen wollen. Denn die Leute sollten wissen, dass es nicht alle zwei Wochen einen Vollmond gibt, aber das tun sie nicht. Niemand in Aldourie stellt Fragen über den Mond oder andere okkulte Dinge. Denn der Kreis der Seher sagt ihnen, was sie wissen wollen. Der Kreis sagt ihnen das, was sie wissen müssen. Und was der Kreis sagt, stellt niemand in Frage. Denn niemand ist klüger als die Seher. Wir schützen das Dorf. Wir schützen unser Wissen. Wir wurden geboren, um unseren Göttern zu dienen, so wie jeder Mensch auf der Erde.

Brody bringt mir den Tee, den ich bestellt habe. Marrokanische Minze; etwas, das wir im Dorf nicht hätten, ohne den Händler und Reisenden Amhuinn Black.
Brody bleibt vor meinem Platz an der Bar stehen, er trocknet Gläser mit einem fleckigen Handtuch.
"Du siehst fertig aus, Isla", sagt er. Ich blicke zu ihm auf, er schaut mich über den Rand meiner Teetasse hinweg besorgt an. Sein Gesicht is bedeckt vom Wasserdampf.
"Ich bin fertig", murmele ich. "Siobhan zwingt uns, so viel Magie zu benutzen, dass ich völlig ausgelaugt bin. Und wir haben immer noch überhaupt keine Spuren."
"Du weißt, dass ich nich' verstehe, wie ihr arbeitet, aber du solltest eine Pause machen. Bis zum nächsten Vollmond wird sicher niemand sterben."
Er lächelt mich warm an, aber ich seufze nur.
"Ich kann keine Pause machen, die anderen würden mich umbringen."
Brody kann das nicht verstehen. Die Seher können nicht einfach eine Pause machen, wir haben eine Aufgabe, die wir erfüllen müssen. Die Stadt verlässt sich auf unseren Schutz. Siobhan, unsere Älteste, würde uns nie erlauben, in unseren Studien hinterherzuhinken. Voller Einsatz, oder gar keiner. Die Monster haben mehr als einmal getötet und sie werden es wieder tun, wenn wir sie nicht aufhalten. Als Auraseher bin ich zwar keine große Hilfe, aber das würde Siobhan nicht davon abhalten, mich auf die Straße zu setzen, wenn ich nach einer Pause verlange.
Ich nehme einen Schluck vom Tee und verbrenne mir beinahe die Zunge. Aber nur beinahe. Brody kichert.
"Du braucht eine Nase voll Schlaf, oder fünf", sagt er. Ich funkele ihn an und vergrabe mein Gesicht in meinen Ellegenbogen, dass mein Gesicht das muffige Holz berührt. Vielleicht kann ich eine Stunde hier schlafen, oder zwei, bevor ich zu meinen Schwester zurückkehre. Naja, sie sind nicht wirklich meine Schwestern, aber wir haben etwas im Blut, das uns verbindet. Etwas, das in unserem Blut die Magie entfacht. Das ist die eine Sache, die nicht einmal die Seher sicher wissen. Wo die Magie ihren Ursprung findet. Wir werden damit geboren und sind von der Mondgöttin gesegnet, natürlich, aber es muss irgendwoher stammen. Eine Quelle. Unser Blult, oder unsere Seelen. Ich wünschte, ich könnte einmal an etwas Anderes denken, wenn auch nur für einen Tag. Einmal nicht so wichtig sein. Auch wenn es eine Ehre ist, manchmal wünsche ich mir, ein normales Mädchen zu sein.
Die Tür schwingt auf und ich höre Schritte auf den morschen Bodenbrettern, als jemand den Pub betritt. Ich fühle die fremde Präsenz einige Schritte von mir entfernt, als sie an der Bar zum Stehen kommt. Die Aura versprüht förmlich Selbstbewusstsein.
"'N Abend", sagt mein Bruder. Ich fühle, wie seine normalerweise fröhliche, aufrichtige orangefarbene Aura sich in ein mattes Violett wandelt. Misstrauen. Neue Leute sind in Aldourie nicht unbedingt gerne gesehen. Waren sie noch nie.
"Hey, Mann", sagt die fremde Person. "Nett, dich wiederzusehen. Einmal den stärksten Shot, den du hast."
"Kopf oder Brust?", fragt Brody kühl. Der Fremde lacht, was mich endlich dazu bringt, den Kopf zu heben. Er sieht, wie ich mich bewege und schaut zu mir.
Ein winziges Lächeln umspielt seine Lippen. "Unverkennbar, eine der Seherinnen. Es ist eine Ehre, Euch zu begegenen, Mylady", sagt er sanft. "Mein Name ist Jack Gunn." Ich hebe eine Augenbraue.
"Die Freude liegt ganz meinereits", erwidere ich leicht verwirrt.
Brody stöhnt. "Jack, um unser Mutter Maria Willen, wenn du meinr Schwester auch nur ein Haar krümmst-"
Jacks Augen werden groß, als er mich zu erkennen scheint. "Die kleine Isla? Erzähl keinen Scheiß."
Mit jeder Sekunde werde ich verwirrter. "Kennen wir uns?"
Brody lässt Jack keine Chance, das Wort zu ergreifen. "Es sind ein paar Jahre vergangen, seit er sein Gesicht gezeigt hat. Und hier sind wir nun, und dachten, wir hätten dich an die Monster verloren." Er knallt das Glas für Jack mit so viel Schwung auf den Tresen, dass die karamellfarbene Flüssigkeit über den Rand schwappt.
"Tragische Geschichte, ich weiß", spottet Jack. "Ich habe dich ebensosehr vermisst. Aber abgesehen davon, Miss Isla, Ihr seid erwachsen geworden. Und wunderschön zugleich."
Ich verziehe das Gesicht. "Wer seid Ihr?"
"Ihr wart lange Zeit sehr beschäftigt mit Euren Studien, ich glaube nicht, dass wir uns jeh getroffen haben. Daran würde ich mich erinnern."
"Natürlich habt ihr das nicht", schneidet Brody ihm das Wort ab. "Isla war kein Dauergast im Pub wie du."
Jack schnauft und schaut mich mit gesenktem Kopf an, ein schiefes Lächeln auf den Lippen. "Ich hoffe, Euer Haudegen von Bruder kann Euch nicht täuschen, denn eigentlich bin ich ein ziemlich netter Kerl."
Ich leere die Tasse mit einem eleganten letzten Zug. "Das bezweifle ich nicht", erwidere ich kalt.
"Bezahl deinen Drink und verzieh dich", sagt Brody und seine nun feuerrote Aura sagt mir, dass er keine Witze macht.
Jack lacht. "Und wo soll ich hingehen, Brody? Niemand kommt lebend aus dieser Stadt raus. Ihr werdet mich früher oder später brauchen."
Er leert sein Getränk in einem Zug und legt einen 10 Dollar Schein auf den Treffen. "Ich hoffe doch sehr, dass wir uns wiedersehen, Miss." Er klopft seine Lederjacke glatt und wendet sich zum Gehen. Ich schaue ihm hinterher, bis er verschwunden ist, und rolle die Augen.
"Wer war das denn?", frage ich. "Und woher kannte er mich?"
Brody eufzt und wendet sich wieder den gespülten Gläsern zu. "Ich kann dir nur sagen, dass du dich von ihm fernhalten solltest, Isla. Er bedeutet schlechte Neuigkeiten für das ganze Dorf."
Ich summe als Antwort. Nun ja, er ist auch nicht unbedingt der Typ Mann, nach dem ich aktiv suchen würde. Abgesehen davon, dass Seher gar keine Beziehung führen dürfen. Es wirkt sich negativ auf Herz und Kopf aus und dann leidet die Magie darunter. Es gibt Gerüchte über Seher, die sich verliebten und dann nicht nur ihre Magie verloren haben, sondern auch ihr Augenlicht. Ich weiß nicht, wie viel Wahrheit darin steckt, aber eigentlich möchte ich es auch gar nicht herausfinden. Ich brauche diesen, oder irgendeinen anderen, Kerl nicht in meinem Leben. Abgesehen von meinem Bruder natürlich.
Ich bezahle meinen Tee mit einem Kuss auf Brodys Wange und mache mich auf den Weg, zurück zu meinen Schwestern. Es liegt noch haufenweise Arbeit vor uns.


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Danke, dass ihr diesen... Müll gelesen habt xD
Meine Freundin Elodie und ich spielen seit drei Wochen Werwolf Online und natürlich musste früher oder später der Gedankenblitz um Mitternacht kommen, "warum geben wir den Rollen in WWO nicht Namen und Geschichten und fangen an zu schreiben?"
Das ist das Ergebnis. Und wir haben wahrscheinlich viel zu viel Spaß damit.
In dieser Sammlung werden wir verschiedene Ausschnitte aus den Leben unserer Charaktere posten. Von Fluff bis Angst, alles dabei. Und da unsere Geschichte nur sehr lose an das tatsächliche Spiel anknüpft (eigentlich gar nicht) und Charaktere wie Hintergrundgeschichten unsere sind, packen wir das Ganze mal ins den Prosa Bereich.
Also dann, danke fürs Lesen und hoffentlich bis zum nächsten Mal!
-Nova