Menschenmenge

OneshotAllgemein / P12
OC (Own Character) Will Graham
23.09.2019
23.09.2019
1
620
3
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
23.09.2019 620
 
Große blaue Augen spähten ein wenig ängstlich zwischen den vielen Menschen hindurch, waren auf der Suche nach jemandem. Doch mit ihrer Größe hätte sie sich zwischen all den Erwachsenen genauso gut ihre Hände vor das Gesicht halten können. Es käme auf das Gleiche hinaus. Verzweifelt drehte sie sich immer wieder im Kreis, aber wo sie auch hinsah, ihre Mutter war verschwunden. Eben, vor zwei Minuten, war sie noch da gewesen. Tränen stiegen ihr in die Augen, sie hatte sich doch bloß den großen Springbrunnen angucken wollen, und nun stand sie inmitten einer fremden Stadt, war allein, und hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Vielleicht waren es gar nicht zwei, sondern zweihundert Minuten, die sie schon verschwunden war. (Mit ihren sechs Jahren war sie sich des großen Zeitunterschiedes zwischen diesen zwei Angaben nicht wirklich bewusst.) Sie wollte nach ihrer Mutter rufen, aber sie bekam kein einziges Wort heraus. Angst machte sich in ihr breit, Angst, dass sie jetzt vielleicht für immer allein hier in dieser Stadt mit dem Springbrunnen leben müsse. Sie fing an mit der Nase zu schniefen, Tränen bahnten sich unerbittlich einen Weg über ihr kleines Gesicht. All diese fremden Leute waren ihr nicht geheuer. Sie starrten sie an, ehe sie sich eines Besseren belehrten und einfach an ihr vorbei drängten. Immer mehr Tränen flossen, mittlerweile dachte sie, es müssten doch schon fünf Stunden vergangen sein, seitdem sie fort ist. Sie bemerkt, dass es über ihr dunkler wird, und befürchtet schon, es wäre Nacht geworden, als sie nach oben blickt, doch dann merkt sie, dass lediglich ein Mann vor ihr stehengeblieben ist, der besorgt zu ihr herunter schaut. Dann kniet er sich hin, und schaut ihr ins Gesicht. Er hat einen Bart und etwas längere braune Haare.
>Suchst du deine Mami?<, fragt der Mann.
Sie schnieft nochmals, dann nickt sie.
>Weißt du denn ungefähr in welche Richtung du gelaufen bist?<
Sie schüttelt den Kopf, dann fällt ihr etwas ein.
>Da war ein großer Baum.<, sagt sie mit ihrer leisen Stimme.
Der Mann lächelt sie leicht an.
>Dann weiß ich wo du hinmusst. Soll ich dich bringen?<
Sie nickt wieder, legt ihre kleine Hand in seine, und schaut wartend zu ihm herauf. Er scheint deswegen etwas überrascht zu sein, doch dann geht er schließlich los, und führt sie mit einigen Ausweichmanövern durch die Traube von Menschen, bis sie schließlich an einer großen Kastanie ankommen, die mitten in der Stadt auf einem Platz steht, um sie herum stehen einige Bänke.
>Siehst du deine Mutter hier irgendwo?<, fragt der Mann.
Sie schaut über den Platz, und als sie plötzlich eine blonde Frau sieht, die sich nervös immer wieder umdreht, als suche sie jemanden, erhellt sich ihre Miene. Sie läuft los und zieht den Mann einfach mit sich mit.
>Mami!<, schreit sie, lässt ihn los, und rennt der Frau in die Arme, die sich auf ihr rufen hin umgedreht hat.
Ihre Mutter stößt einen erleichterten Seufzer aus.
>Gott sei Dank... Ich dachte schon.. Wo warst du denn?<
>Beim Springbrunnen. Und der Mann hat mich zurück gebracht, weil ich nicht mehr wusste wo ich war!<, erzählt sie aufgeregt.
>Welcher Mann?<
Sie dreht sich um, in dem Glauben, er stünde noch hinter ihr, doch er ist nicht mehr da.
>Naja, ist ja auch egal, Hauptsache du bist wieder da. Komm, wir müssen zum Hotel zurück.<, meint ihre Mutter, und sie nickt nur.
Sie weiß er war da.

Warum der Mann einfach gegangen ist, erfuhr sie erst drei Jahre später, als der Mann mit dem Bart in allen Nachrichten zu sehen war. Will Graham wurde zu lebenslänglicher Haft verurteilt, nachdem er vier Jahre auf der Flucht war.
Review schreiben