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Stimmen der Nacht

von VEee
KurzgeschichteAngst, Schmerz/Trost / P12
22.09.2019
22.09.2019
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Verdammt für die Ewigkeit

Der Tod. Wann immer ich an ihn denke, kann ich nicht an mich halten.
Es beginnt mit einem beklemmenden Gefühl in der Brust, alles in mir zieht sich zu zusammen, ich bekomme keine Luft mehr, fange an zu Hyperventilieren und dann bemerke ich es, meine Wangen. Nass. Ich kann sie nicht vom fallen abhalten, sie fließen, unaufhörlich. Ein versiegen nicht in Sicht.
Wieso tut es Weh?
Wieso verweigert mein Gehirn mir jene Rationalität, die mich sonst in all meinem Handeln leitet? Wo ist die Objektivität geblieben, wenn man sie denn mal braucht?
Es ist nur ein Gedankenspiel, dem sich ein jeder früher oder später zu stellen hat. Das Schicksal eines jedes Menschen. Und dennoch folgen einem so simplem Gedanken, der einen eigentlich allzeit begleitet, dieser fürchterliche Schwall an Gefühlen welcher eine überrumpelt und gnadenlos in die Knie zwingt. Das Gefühl schierer und grenzenloser Hilflosigkeit.
Als wenn man den Boden unter den Füßen verliert und in das schwarze Vakuum der Unendlichkeit gezogen wird, gezwungen unaufhaltsam fortzutreiben, kein Ende, kein Ziel, ein Tunnel ohne Lichtblick, jeder Hoffnung beraubt.
Angst, Furcht, Trauer, Einsamkeit, eine kälte, die sich durch einen hindurch frisst und droht zu übermannen, zu ertrinken im eigene Körper, ohne eine Chance zu entkommen. Man will rennen, doch ist mein Körper wie erstarrt, kalter Schweiß steht mir auf der Stirn, doch bewege ich mich kein Stück. Vermag unten von oben nicht zu unterscheiden, es ist alles Schwarz.
Einfach nur Schwarz.

Was ist das nur für ein fürchterlicher Ort? Er ist nichts, doch zugleich auch eine der arte Qual, von der ich nicht mal in der Lage war, sie mir vorzustellen. Ich kann nicht mal im Ansatz beschreiben welche Schmerzen dieser Ort mir bereitet.
Und das obwohl ich meinen Körper nicht mehr zu spüren vermag. Schmerzen fluten alle meine Sinne, habe ich überhaupt noch einen Körper? Ich bin mir nicht sicher. Die Kälte hat alles verstummen lassen.
Doch warte. Einen Körper habe ich noch. Ich bin mir fast sicher das es so ist. Ich spüre ihn nicht direkt, vielmehr spüre ich Grenzen, die mich davon abhalten fort zu treiben und mich zu einem Gefangenen im eigenen Körper machen.

Oma ist dies die Hölle, von der du immer sprachst? Bin ich an diesem unheilvollen Ort, weil ich unartig war? Habe ich nicht getan was man verlangte? Bin ich nicht freigesprochen? Ist es mir nicht vergönnt die Schönheit des Himmels zu spüren? Bin ich auf ewig verdammt? Den Schatten meiner selbst ausgesetzt?
Ich spüre einen Druck auf meiner Brust, doch ist es nicht jener den die Dunkelheit bereitete, er ist materiell. Auf der Ebene dem mein Körper nicht zu verlassen mag.
„[…] seit Acht Generationen in der Familie […] kannst du dir das vorstellen?“
Das Medaillon. Du schenktest es mir als dir klar wurde das ich nicht vermocht zu sehen was dir offenbart wurde. Ich frage mich, ist das der Grund? Hätte es anders enden können?
Wenn ich nur geglaubt hätte, anstatt dem allen den Rücken zu kehren um den Weg eines Realisten, eines ungläubigen Schuftes zu gehen? Wie du es wohl ausdrücken würdest? Vermutlich würdest du mich noch in Schutz nehmen und die heutige Gesellschaft den Fortschritt oder einfach die Jugend und ihre Respektlosigkeit gegenüber den Sitten und Bräuchen unserer Ahnen für meine fehl Entscheidungen verantwortlich machen.
Wenn ich nicht den Weg gegangen wäre, den ich ging, wärst du dann auch an diesem Ort? Hätte ich dich wiedersehen können? Dich, - jene die immer über mich wachte, auch wenn sie nicht den Antrieb für meine Taten verstand. Hätte ich nur geglaubt, hätte ich dich wiederhaben können?
Hätte ich dein Lächeln wiedergesehen? Deine Arme, welche mich sanft umhüllten, schützten und wärmten, behüteten in den dunkelsten Stunden. Wäre ich in der Lage gewesen mit dir, dort oben am Himmelszelt zu tanzen und die Ewigkeit mit jenen zu scheinen die ich über alles Liebe?
Ist es nur dem verschlossenen Geiste meiner selbst zu verdanken das ich in der ewigen Schwärze gefangen bin ohne jedwede Hoffnung auf Licht und Wärme? Ich hatte solche Angst das alle Chancen großes zu verrichten unwiderruflich an mir vorbeiziehen würde, dass ich nicht hochschaute, um zu sehen was du sahst.
Ich war blind im Leben.
Doch bin ich bereit zu erkennen! Meinen Geist dürstet es nach Erleuchtung. Danach den Boden unter meinen Füßen zu spüren der mir halt gibt, den Wind in meinen Haaren welcher mich beflügelt, sacht und dennoch strotzend vor Kraft an mir zerrt. Das Wasser, welches so unbeständig ist und tiefen birgt vor welchen ich mich fürchte und doch nicht an mich halten kann auf seiner Oberfläche zu tanzen, dem Spiegel meiner Seele. Und die Sonne, welche mit ihren Strahlen die Dunkelheit um mich vertreibt, behutsam mit ihrer Wärme meinen Geist benebelt und dennoch, wenn ich unachtsam bin droht mich zu verbrennen.
Selbst die lästigen Treppenstufen, welche mir ein jeden Tag ein Dorn im Auge waren, - diese Erkenntnis droht mich zu ersticken vermisste ich nun. Ist es das was mir bleibt? Das sehnen nach verlorenem und das Bereuen am Ende aller Tage - bevor die Wellen ein jeden Funken meiner Existenz dahin spülen und der Funke meiner selbst ein letztes Mal auflodert bevor er auf ewig erlischt?
Oma, Ich fürchte ein jedes Gebet war verschwendete Liebesmüh so wie die Dinge jetzt um mich stehen.
Ich werde dich nicht mehr wiedersehen.
Ich habe nie bemerkt wie viel mir dieser Gedanke bedeutet und wie fest er sich in mir verbissen hatte, wie ein Parasit in mir Lebte, auf der Lauer um mir, wenn die Zeit reif ist den endgültigen Hieb zu versetzten.
Waren es nicht die deine Worte, die wie ein Uhrwerk Predigten - am Ende würde alles gut?
Waren es nicht die deine Worte, die dies Versprechen mir gaben und unbewusst einen Wurm ins Ohr setzte?
Ist das deine Form von Liebe? Ist es das was du mir hinterlässt? Kann man dann überhaupt noch von Liebe sprechen? War dies dein Plan von vorn herein? War ich nur ein uneinsichtiges Balg für dich? War es das was du in mir sahst? Jemandem den du die Leviten lesen musstest? Ist dies die Strafe, die dein Gott ein jedem Ungläubigen gibt, der sich von ihm abwendet?
Oder geht es mit mir nun endgültig vor die Hunde? Suche ich nur nach Ausreden? Einem Schuldigen für Fehler die ich beging? Einen Sündenbock obwohl die Wahrheit doch so viel einfacher war?
Lächerlich, findest du nicht? Es liegt doch auf der Hand. Der einzige dem ich die Schuld geben kann – bin ich selbst. Niemandem sonst.
Es ist alles meine Schuld. Dies ist der Weg, den ich wählte. Dies ist das Schicksal, das mir vorher bestimmt war. Kein himmlisches Paradies, in dem ich auf jene treffe, die ich liebte und in dem ein jeder seinen Frieden find – Nein,
Mein Ende ist ein anderes.
Von der Dunkelheit verschlungen. Mit sich selbst allein, keine Möglichkeit zu fliehen, dem Wahnsinn zu entrinnen. Verdammt dazu die Ewigkeit zu Bereuen und einem Leben nach zu weinen welches mir nie vorher bestimmt war. Es ist doch merkwürdig was der Tod mit einem macht. Im Leben vermochte ich es nicht mal mit dem Gedanken an den Tod zu spielen, weil eine unbeschreibliche Albernheit dem einher lief, doch jetzt wünschte ich mir nichts sehnlicher als glauben zu können.
Oder es gekonnt zu haben.
Sollte ich lachen oder weinen? Schreien oder auf ewig schweigen? Wüten oder in ewiger Angst gefangen sein?
Ich weiß es nicht.
Ich habe keine Antwort.
Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung was ich tun soll.
Doch eines ist gewiss,
Ich habe genügend Zeit, um es heraus zu finden, denn das Ende währt ewig.


Als ich aufwachte, fuhr ich nicht hoch, schrie nicht auf, Hyperventilierte nicht oder konnte vor Furcht reales und Traum nicht mehr von einander unterscheiden. Nein. Ich wusste das ich wach war. Nichts war mir klarer vor Augen als die eigene Sterblichkeit, ich war mir dessen nie bewusster. Dies ist der wahre Schrecken.
Heiße Bäche rinnen meine Wangen entlang, unaufhaltsam. Das Gefühl der Beklemmung stärker den je droht meine Brust zu zerreißen.
Ich war wach.
Ich war am Leben.
Nicht die Dunkelheit meiner selbst sondern die Dunkelheit einer Kräfte zehrenden Macht umgibt mich, - es ist kalt. Doch keine Kälte, welche mich auffrisst und nichts mehr übriglässt, - Nein. Die Kälte der Gewissheit, ein weiterer Tag würde folgen und die Sonne würde wieder durchs Himmelszelt tanzen und wärme mir bereiten.
Doch warum erfüllt es mich nicht mit Hoffnung? Glückseligkeit und schierer Freude? Wie wächst die Qual mit jeder Sekunde, wo ich doch am Lebe bin?
Am Leben,
zum Sterben Verdammt.
Der Schmerz erdrückt mich und ich kann nicht anders als mich zu fragen, ob es denn wirklich so viel besser ist zu leben, - wobei der Tod nur auf einen wartet und man ein Leben lang durch Ungewissheit vorm Ende in Angst verbringt?
Eine Lebensspanne wird nicht reichen sich dem Tod zu stellen.
Die Zeit wird nicht reichen,
sie ist nicht dein Verbündeter.
Das war sie nie und wird sie nie sein. Es gibt nicht sowas wie genügend Zeit.
Ich werde niemals eine Entscheidung treffen können, mir stattdessen ein jeden Tag die Sanduhr vor Augen halten, verbannt den Körnern beim fallen zu zusehen.
Dies ist mein Schicksal, nicht von einer höheren Macht vorherbestimmt, doch durch meine eigene Dummheit gewählt.
Also wie entscheidest du dich?
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