Ich will dich nicht verlieren!

GeschichteRomanze, Tragödie / P16
OC (Own Character)
21.09.2019
14.10.2019
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Jasmine lag die ganze Zeit schon eine Frage auf der Zunge. Aber erst, als die beiden den Crew-Bereich des Schiffes verlassen hatten, traute sie sich, diese zu stellen.
"Warum hast du den Kapitän gerade angelogen?"
James antwortete nicht sofort. Er nahm sich einige Sekunden Zeit, um über seine Antwort nachzudenken, ehe er mit fester Stimme sprach.
"Wenn ich ehrlich zu ihm gewesen wäre, dann würden wir beide jetzt in ziemlich großen Schwierigkeiten stecken. Mir blieb keine andere Wahl."
Beschämt sah Jasmine zu Boden. Jetzt musste James seinen Vorgesetzten auch schon anlügen, um ihr Geheimnis zu wahren. Die braunhaarige wusste, das dies mehr als nur leichtsinnig war.
"Ich will nicht, das du wegen mir womöglich noch suspendiert wirst, James! Vielleicht ist es besser, wenn wir uns nach dem Dinner nicht mehr treffen oder miteinander reden." sagte sie traurig.
Als der Offizier das hörte, blieb er stehen. Überrascht schaute Jasmine zu ihm auf.
Seine braunen Augen betrachteten sie eingehend.
"Jasmine..." sagte er leise.
Es erstaunte die jüngere, den sonst so gut gelaunten sechsten Offizier plötzlich so ernst zu sehen.
"Mir ist durchaus bewusst, dass das, was wir hier tun nicht nur unsittlich sondern obendrein auch noch verboten ist! Aber bitte, lass es mich dir wenigstens erklären!"
Seine Stimme hatte jetzt einen fast schon flehenden Klang.
Jasmine schluckte.
"Normalerweise bin ich jemand, der sich fast ausnahmslos an die Vorschriften hält, aber bei dir...bei dir ist das etwas völlig anderes. Vom ersten Moment, als wir uns in Southampton getroffen haben, wusste ich, das du jemand ganz besonderes bist. Immer, wenn ich dich sehe, oder nur in deiner Nähe bin, habe ich das Gefühl, das alles andere um mich herum unwichtig wird. Ich habe dann nur noch Augen für dich. Und mein Herz macht jedes Mal Luftsprünge, wenn ich deine Stimme höre. Es macht mich wirklich verrückt, dir gleichzeitig so nah und doch so fern zu sein!"
Die braunhaarige umklammerte James' Arm etwas mehr.
Sie konnte ganz genau nachempfinden, wie er sich fühlte. Doch im Gegensatz zu ihr, kannte James sein Schicksal nicht. Er wusste nicht, das seine Gefühle für Jasmine niemals eine Zukunft haben würden. Aber das konnte sie ihm natürlich nicht sagen.
"James, ich...ich weiß nicht. Was ist mit deiner Arbeit? Du liebst es doch auf See zu arbeiten. Ich möchte nicht, das du deine Karriere wegen so jemanden wie mir riskierst!" versuchte Jasmine ihn zu überzeugen, doch so leicht wollte James noch nicht aufgeben. Er sah sie ernst an.
"Dieses Risiko bin ich gerne bereit einzugehen!"
Erschrocken zuckte sie zusammen. Er wollte was?
Ungehindert sprach James weiter.
"Es mag verrückt klingen und vielleicht habe ich ja auch mittlerweile meinen Verstand verloren, aber ich bin bereit dazu! Ich bitte dich nur um eine einzige Chance, um dir zu zeigen, was du mir bedeutest. Bitte."
Jasmine sah ihm in die Augen. Er meinte es wirklich ernst, sein Blick ließ dabei keine Zweifel zu.
"Gewährst du mir diese eine Chance?" fragte er leise.
Die braunhaarige konnte regelrecht hören, wie ihr Herz ganz laut "Ja" schrie, während ihr Verstand verzweifelt versuchte ihr davon abzuraten.
Jasmine wusste nicht, auf wen sie hören sollte. Man sagt zwar immer, das man auf sein Herz hören soll, doch in diesem Falle hatte ihr Verstand eindeutig die besseren Argumente. Was sollte sie nur tun? Herz über Kopf? Oder sollte sie dieses eine mal die Logik siegen lassen?
Ein einziger Blick in seine warmen braunen Augen genügte, und Jasmine wusste, das dieser Kampf bereits längst entschieden war.
"Also gut, James. Ich gebe dir die Chance."
Ein überglückliches Lächeln legte sich augenblicklich auf seine Lippen. Der Offizier war so über ihre Worte erfreut, das er für einen kurzen Moment sogar seine Professionalität vergaß und die braunhaarige in eine stürmische aber dennoch zärtliche Umarmung schloss.
Dies kam für Jasmine so unerwartet, das sie die ersten Sekunden gar nicht wusste, wie ihr geschah geschweige denn, was sie jetzt tun sollte. Nur langsam löste sie sich aus ihrer Starre und erwiderte die Umarmung.
"Du glaubst nicht, wie glücklich du mich damit gerade machst!"
Jasmine lächelte.
"Ich kann es mir vorstellen."
Einen kurzen Moment verharrten die beiden noch in dieser Position, ehe sie sich schließlich voneinander trennten.
Zum Glück hatte sie keiner gesehen.
"Verzeih', ich wollte nicht so ungehalten sein, es ist irgendwie so über mich gekommen." entschuldigte sich James bei ihr und wirkte plötzlich so verlegen, wie ein kleiner Schuljunge, der vor der gesamten Klasse von seiner Lehrerin getadelt wurde.
Jasmine kicherte.
"Ist schon okay, du brauchst dich deshalb nicht zu entschuldigen. Mir macht sowas nichts aus."
Sein Gesicht bekam einen schelmischen Ausdruck.
"Wirklich? Und was ist damit?" fragte er, bevor er ihr einen schnellen Kuss auf die Wange gab.
Zugegeben, damit hatte die braunhaarige nicht gerechnet.
"Wa-was war das denn?" stammelte sie überrascht.
James grinste.
"Das nennt man einen Kuss." erklärte er zwinkernd.
"Ich weiß was das war, aber ich meinte eigentlich wofür?"
Amüsiert von Jasmines Schüchternheit und um ein nervöses Lachen zurückzuhalten, biss sich der Offizier leicht auf die Unterlippe.
"Mir war einfach danach" sagte er und wartete ihre Reaktion ab.
Jasmine berührte ein-zweimal die Stelle an ihrer rechten Wange.
Noch immer völlig perplex schaute sie ihn an.
Die Art wie er dort stand, mit hinter dem Rücken verschränkten Armen, diesem belustigten Funkeln in den Augen und dem spitzbübischen Lächeln auf den Lippen, erinnerte er sie jetzt an einen Schuljungen, dem es gelungen war, einer seiner Mitschülerinnen einen Streich zu spielen.
Jasmine konnte einfach nicht anders, als sein Lächeln zu erwidern.
"Mr. Moody, Sie sind ohne Zweifel der einzige Mann den ich kenne, der es schafft frech und dabei auch noch charmant zu sein."
James lachte.
"Sie schmeicheln mir, Miss Fitzgerald."
"Das hoffe ich doch."
Beide lachten darauf hin los.
Nachdem sie sich wieder beruhigt hatten, fiel Jasmine auf, das sie schon seit einer ganzen Weile, keinen Passagieren mehr begegnet waren.
"James, weißt du zufällig wie spät es ist?"
Der sechste Offizier holte seine silberfarbene Taschenuhr hervor und schaute auf das Zifferblatt.
"13:35 Uhr."
Jasmine schnappte nach Luft.
"Oh verflixt, kein Wunder das niemand mehr an Deck ist. Die sind ja alle beim Mittagessen!"
Auch James schien erst jetzt richtig zu registrieren, das er und Jasmine, bis auf ein paar Matrosen oder Stewards, vollkommen alleine an Deck waren.
Er sah sie an.
"Komm mit, ich bringe dich zum Eingang des Treppenhauses." bot James ihr an und wartete, bis Jasmine sich bei ihm untergehakt hatte.
Zusammen gingen die beiden das Bootsdeck entlang, bis sie schlussendlich am Eingang des großen Treppenhauses angelangt waren.
"Hier trennen sich unsere Wege dann wieder." sagte er mit Bedauern in der Stimme.
"Das mag schon sein, aber vergiss nicht das wir für heute Abend verabredet sind. Die Trennung wird also nur von kurzer Dauer sein." erinnert Jasmine den älteren und versuchte ihn damit etwas aufzuheitern. Mit Erfolg.
"Da hast du allerdings recht. Ich freue mich schon sehr auf heute Abend."
Jasmine lächelte.
"Ich mich auch. Wir sehen uns später."
"Ich werde um viertel vor sechs bei der großen Treppe auf dich warten." sagte James und gab ihr zum Abschied noch einen Handkuss.
Die braunhaarige sah dem sechsten Offizier noch eine Weile nach, ehe sie sich umdrehte und zwei Stewards ihr die Tür öffneten.
"Guten Tag, Miss." begrüßten sie Jasmine.
"Guten Tag." erwiderte sie höflich und machte sich daran, die Treppen runter zum D-Deck zu gehen.
Während Jasmine sich auf dem Weg in den Speisesaal befand, lief James auf dem Bootsdeck herum.
Einige der Matrosen an denen er vorbeiging, nickten ihm zur Begrüßung respektvoll zu. Höflich erwiderte er die Begrüßungen ebenfalls mit einem nicken. Er war zwar der rangniedrigste aller Offiziere, aber das änderte nichts an der Tatsache, das er immer noch über den Matrosen stand und sie ihn mit dem selben Respekt behandeln mussten, wie alle anderen Offiziere auch.
"Hast du schon gehört? Heute Abend soll im Gemeinschaftsraum in der dritten Klasse eine Party stattfinden. Es soll getanzt, gefeiert und getrunken werden. Musik gibt es auch, denn einige von den Passagieren haben sogar Instrumente dabei. Gehst du hin?" fragte ein junger Matrose, etwa in James' Alter seinen ebenfalls noch jungen Kollegen.
Dieser nickte.
"Worauf du wetten kannst! Vielleicht kriege ich sogar dieses hübsche Dienstmädchen dazu mich zu begleiten."
James hatte gar nicht gemerkt, das er stehen geblieben war und dem Gespräch heimlich gelauscht hatte.
Plötzlich erinnerte sich James daran, wie er damals, als er sich noch in der Ausbildung zum Offizier befand, öfter mit seinen Mitlehrlingen nach Feierabend zusammen in der dritten Klasse ein, zwei Bier getrunken und mit den Passagieren ausgelassen gefeiert hatte. Es war wirklich sehr lustig gewesen. Insgeheim bewunderte er diese Leute für ihre offene und fröhliche Art. Sie besaßen zwar nicht viel Geld, dafür aber eine umso größere Lebensfreude.
Ein Lächeln zierte plötzlich das Gesicht des sechsten Offiziers, als ihm eine Idee kam. Doch vorher musste er noch etwas abklären.








"Na wen haben wir denn da? Ich dachte schon, dich hätte die Seekrankheit jetzt auch erwischt." sagte Molly mit besorgt leuchtenden Augen, als sie Jasmine erblickte.
"Tut mir leid für die Verspätung, ich war noch an Deck gewesen und habe dabei völlig die Zeit vergessen."
Molly hob erstaunt die Augenbrauen.
"Warst du etwa so in Gedanken gewesen, das du diese trompeterei nicht mitbekommen hast?"
Jasmine verstand erst nicht was sie meinte, bis ihr dann aber wieder einfiel, das die Essenszeiten ja immer angekündigt wurden.
"Ähm, ja. Ich bin was das angeht ein ziemlicher Tagträumer" log sie und setzte eine verlegene Miene auf. Sie konnte ja schlecht sagen, das sie bei James gewesen war, weil sie ihm Kates und Violas Märchen beichten musste.
"Hm, verstehe. Pass mir aber ja auf, das du nicht irgendwann über Bord gehst." sagte Molly amüsiert.
Verlegen scharrte Jasmine mit dem Fuß.
Plötzlich schaute die braunhaarige nach rechts. Sie wusste, das sie beobachtet wurde.
Eine gewisse Blondine, welche sich zwischen Lukas und Mr. Andrews gesetzt hatte, warf ihr nämlich immer wieder ganz unauffällig fragende Blicke zu.
Diese wurden von der älteren nur mit einer hochgezogenen Augenbraue beantwortet.
Das wiederum irritierte Kate nur noch mehr.
Hatte sie es ihm gesagt? Wenn ja, wie hatte er reagiert? War er wütend? Hatten sie ihn womöglich sogar vergrault? Würde er überhaupt heute Abend hier erscheinen?
All diese offenen Fragen machten Kate fast wahnsinnig. Und Jasmines Pokerface machte diese ganze Situation auch nicht gerade besser.
Sie wusste allerdings auch, das sie ihre Freundin nicht hier am Tisch danach fragen konnte. Sie musste wohl oder übel bis nach dem Mittagessen damit warten.
Als der Steward den anderen ihr Essen brachte, wies Molly ihn darauf hin, das er nochmals eine Karte mitbringen solle, da sich jemand neu zu ihnen gesellt hatte.
Der Steward nickte und brachte Jasmine kurz darauf die Speisekarte.
Da sie keinen allzu großen Hunger hatte, bestellte sie sich eine einfache Gemüsesuppe.
Es war 14:30 Uhr, als Jasmine und die anderen mit dem Mittagessen fertig waren.
Während es einige von den erste Klasse Passagieren, unter ihnen auch Molly und das Ehepaar Astor, nach draußen an Deck zog, wollte Jasmine nichts anderes als zu ihrer Kabine zu gehen, um sich eine Weile auf die Couch zu legen.
Doch bevor sie das tat, wollte sie Viola, welche beim Mittagessen nicht anwesend war, einen kleinen Krankenbesuch abstatten.
Kate und Lukas waren ihr schweigend gefolgt. Jasmine klopfte an.
"Herein!" ertönte kurz darauf Violas gedämpfte Stimme hinter der Tür.
Alle drei traten ein.
"Hi Jasmine."
"Hi. Na, wie geht's dir?"
Viola sah ihre Freundin mit einem gequälten Lächeln an.
"Naja, es geht mir zwar schon deutlich besser als vorhin, aber wenn ich nur irgendwas essbares sehe, wird mir direkt schlecht!"
Mitfühlend sah die ältere sie an.
"Genug von mir, wie steht's mit dir und James? Hast du es ihm gesagt? War er verärgert? Hat er abgelehnt?"
Jasmine sah ihre Freundin schweigend an. Auch Lukas und Kate wurden von der Neugier fast aufgefressen.
"Sag, hast du mit ihm gesprochen?" drängte die Brünette und wurde mit jeder verstreichenden Sekunde ungeduldiger.
"Ja, sag schon Schwesterherz!"
Jasmine bemühte sich mit aller Macht um ein ausdrucksloses Gesicht.
So leicht würde sie es den dreien nicht machen, ihrer Mimik irgendwelche Infos zu entnehmen.
"Ja, ich habe mit James geredet."
"Und?"
Jasmine grinste in sich hinein.
"Was und?"
Kate trommelte ungeduldig mit dem Finger gegen das Holz des Bettes.
"Jetzt lass dir doch die Antworten nicht einzeln aus der Nase ziehen! Wir wollen wissen, wie er reagiert hat!"
Die Gruppenälteste sah zu der blondhaarigen.
"Was soll ich schon sagen? Er war halt etwas überrascht."
Lukas sah seine Schwester verständnislos an.
"Was genau meinst du mit 'etwas'?"
Ein kleines Lächeln zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab.
"Ganz einfach, nachdem ich ihm alles erzählt hatte, war seine Antwort darauf nur ein leicht überraschtes "Tatsache?" gewesen. Mehr nicht."
Die drei Freunde sahen erst sich und dann Jasmine an.
"Ehrlich jetzt? Das war alles?"
Jasmine bestätigte Violas Frage mit einem Nicken.
"Das glaub ich jetzt nicht. Diesen James bringt irgendwie gar nichts aus der Ruhe, oder? Ich meine, ihm wird gesagt, das er sich heute Abend für deinen Verlobten ausgeben soll und er reagiert so gechillt? Wenn mir das jemand ins Gesicht gesagt hätte, wäre ich vermutlich ausgeflippt!"
Die ältere sah ihren Bruder einen Moment lang an, ehe sie sich an Kate wandte.
Plötzlich holte Jasmine aus und schlug der  blondhaarigen mit der flachen Hand gegen den Oberarm.
Das Klatschgeräusch, welches dabei entstand, hallte in der gesamten Kabine wieder.
"AUTSCH! Warum hast du-" Kate brach mitten im Satz ab. Der Blick mit dem Jasmine ihre Freundin ansah, hätte sogar Stahl problemlos schmelzen lassen können.
"Das war dafür, das du geklopft hast und dann abgehauen bist!"
Kate rieb sich den Arm.
"Okay, ich bin ehrlich, das habe ich schon irgendwie verdient."
Dem konnte Jasmine nicht widersprechen.
Zögerlich meldete sich nun auch Viola zu Wort.
"Was ist denn nun? Kommt James jetzt mit zum Abendessen, oder nicht?"
Lukas und Kate schauten Jasmine mit dem selben erwartungsvollen Blick an.
Als die Gruppenälteste eine Zeit lang nichts sagte, befürchteten die drei schon das schlimmste.
"Hat er...abgelehnt?" fragte Kate und fühlte wie ihr Hals mit einem Mal ganz trocken wurde. Bedrückt schauten sie und Viola sich an. Es war nicht zu übersehen, das die beiden Mädchen ihre Idee mehr als nur bereuten. Die Schuldgefühle der beiden waren fast schon erdrückend. Sie hatten wirklich nicht die Absicht gehabt, James zu vergraulen und ihre Freundin damit traurig zu machen.
Doch als sie statt eines traurigen Gesichtsausdruckes einen eher vergnügten sahen, wurde ihnen sofort klar, das die braunhaarige nicht ganz ehrlich gewesen war.
"Jas? Kann es sein, das James gar nicht abgelehnt hat?"
Jasmine fing nun an zu grinsen. Noch bevor sie etwas sagen konnte, war Kate ihr schon um den Hals gefallen.
"Ich fass' es nicht, du und James habt heute Abend wirklich ein Date!"
Kate war bei ihrer Umarmung so stürmisch gewesen, das sie Jasmine dabei ins straucheln brachte. Gerade noch so gelang es der älteren, sich mit der blondhaarigen zusammen auf's Bett fallen zu lassen.
"Oh Gott, Kate. Du...erdrückst mich ja!" keuchte sie und musste dabei allerdings auch lachen.
Die jüngere ließ sofort von ihr ab.
"Oh, tut mir leid. Es ist nur so, das ich mich total für dich freue. Du und James seid einfach das perfekte Paar!"
Daraufhin wurde Jasmine ganz rot.
"Wir sind doch kein Paar." sagte sie verlegen. Kate ließ sich davon allerdings nicht beirren.
"Aber für heute Abend schon. Und wer weiß, was sonst noch alles passieren wird?"
Jasmine wurde noch eine Spur dunkler im Gesicht.
Sie hielt es vorerst für das beste, niemandem zu erzählen, das James sie vorhin auf die Wange geküsst hatte. Wer weiß, was sie damit bei ihren Freundinnen lostreten würde.
" Weißt du denn schon, was du heute Abend anziehen willst?"
Jasmine überlege nicht lange.
"Heute wollte ich mal das schwarze Kleid mit den Perlen anziehen."
Die zwei Freundinnen sahen sich an.
"Oho, da will sich wohl heute jemand ganz besonders hübsch machen." neckte Viola.
Jasmine verschränkte die Arme und sah in die entgegengesetzte Richtung.
"Stimmt doch gar nicht. Ich wollte dieses Kleid auch endlich mal anziehen!"
Lukas betrachtete seine Schwester mit hochgezogenen Brauen und einem amüsierten Grinsen.
"Du warst doch noch nie scharf darauf, irgendwelche Kleider anzuziehen. Woher der plötzliche Sinneswandel?"
Kate sah Viola und Lukas vielsagend an.
"Tja, ich schätze mal, das wir das einem ganz bestimmten Offizier zu verdanken haben."
Jasmine schnaubte.
"Macht euch nicht lächerlich! James hat damit nichts zu tun!"
Viola lachte.
"Oh wie süß, jetzt leugnest du es schon."
Obwohl die ältere gerne protestiert hätte, konnte sie es nicht. Ihre Freunde hatten schon recht, sie hatte sich dieses Kleid extra für James ausgesucht.
"Ich gehe jetzt baden." sagte Jasmine und verließ die Kabine. Das Kichern ihrer Freundinnen wurde immer lauter, bis es schließlich zu einem vergnügten Gelächter wurde.
Die ältere rollte mit den Augen. Manchmal fragte sie sich ernsthaft, wie sie es nur schaffte, mit diesen zwei Irren befreundet zu sein, ohne dabei selbst verrückt zu werden.




"Was machst du denn da? Ich dachte wir wollten ihr die Haare hochstecken?" fragte Viola und starrte Kate, welche Jasmine gerade die Haare am flechten war, irritiert an.
"Immer nur hochstecken ist doch blöd. Ich dachte, wir probieren heute mal etwas neues aus."
Viola war zwar noch etwas skeptisch, musste aber dennoch zugeben, das die Idee der blondhaarigen gar nicht mal so schlecht klang.
"In Ordnung, aber beeil dich. Wir haben schon 17:00 Uhr."
Kate nickte.
Nach etwa zehn Minuten war sie dann auch endlich fertig.
Jasmines Haare waren zu einer Art Dutt zusammen gebunden, während sich an den Seiten je zwei geflochtene Strähnen befanden.
"Jetzt noch ein bisschen Make-up und Schmuck und dann haben wir's!" sagte Viola.
Als Jasmine das Wort Schmuck hörte, fiel ihr plötzlich wieder ein, worum sie Viola bitten wollte.
"Du, Viola?"
"Hm, ja, was ist?"
"Hast du zufällig einen Ring, den du mir vielleicht leihen könntest?"
Die Brünette schaute ihre Freundin an.
"Klar, wieso?"
"Weil James vorhin aufgefallen ist, das ich als seine 'Verlobte' überhaupt keinen Verlobungsring trage."
Kate und Viola sahen die ältere entsetzt an. Als sie auf ihre Hände schauten, sahen sie, das Jasmine recht hatte. Wie konnten sie nur so ein wichtiges Detail vergessen?
"Oh Mist, du hast recht! Hier, nimm den solange!" sagte die Brünette und streifte einen silbernen Ring von ihrem Finger.
"Danke Viola."
Diese winkte ab.
"Nicht dafür."
Es war genau 17:40 Uhr, als die vier Jugendlichen ihre Kabinen verließen und sich auf dem Weg zur großen Treppe befanden.
"Und dir geht es wirklich schon wieder besser?" fragte Jasmine noch immer besorgt an Viola gewandt.
Diese nickte bestätigend.
"Ja tut es. Dieses eklige Zeug hat wirklich geholfen. Das und die Aussicht auf euer kleines Date, welches ich mir natürlich nicht entgehen lassen will!" sagte sie und stupste Jasmine mit dem Ellenbogen leicht in die Seite.
Jasmine errötete.
"Wie oft denn noch, wir haben kein Date!"
Viola lachte daraufhin nur.
"Natürlich nicht, ihr seid auch gar nicht ineinander verknallt oder so."
"Ach halt doch die Klappe!"
"Ich hab keine Klappe, nur einen Mund."
Jasmine wollte schon etwas erwidern, als sie spürte, wie Kate, welche sich zu ihrer linken befand, sie anstupste.
Fragend schaute sie ihre Freundin an.
"Schau mal, wer da ist." sagte sie und zeigte mit einem Grinsen nach vorne.
Jasmine sah in die Richtung, in die Kate zeigte. Ihr Herz tat einen Sprung, als sie James erblickte.
Dieser stand kerzengerade und mit hinter dem Rücken verschränkten Händen am Geländer des Treppenhauses. Ihr fiel auch auf, das er die Mütze seiner Uniform nicht trug.
Einige der Leute warfen ihm irritierte oder gar entrüstete Blicke zu, wohingegen andere ihm freundlich zu nickten und ihm einen guten Abend wünschten.
Suchend glitt James' Blick durch die Menge an erste Klasse Passagieren. Es war bereits zehn vor sechs, Jasmine musste also jeden Augenblick erscheinen.
Er schaute von rechts nach links. Dabei bemerkte er im Augenwinkel, wie eine Vierergruppe, bestehend aus drei jungen Frauen und einem jungen Mann, sich ihm näherte.
Sofort hielt James inne und schaute wieder nach rechts. Da war sie.
Ein warmes Kribbeln durchfuhr seinen ganzen Körper.
"Guten Abend, MyLady." begrüßte er die braunhaarige mit einem zwinkern.
Jasmine kicherte.
"Ihnen auch einen guten Abend, Sir."
Die drei Freunde beobachteten die Szene grinsend.
"Du siehst in diesem Kleid wirklich bezaubernd aus." sagte James leise.
"Vielen Dank. Du siehst aber auch sehr gut aus."
Der Offizier lächelte.
"Danke."
Ein Räuspern ließ die beiden aufschrecken.
"Ich störe euch zwei wirklich sehr ungerne, aber ich glaube, wir sollten langsam los gehen."
Die beiden verliebten sahen sich für einen kurzen Moment ertappt an, ehe Jasmine zu den drei anderen schaute.
"Stimmt. Geht ruhig schonmal vor, James und ich folgen euch."
Kate, Viola und Lukas konnten nur mit Mühe ein Lachen zurückhalten.
"Alles klar, ihr zwei Turteltäubchen." sagte Lukas und ging zusammen mit den zwei Mädels die Treppen runter. Beide liefen schlagartig rot an.
'Musste das jetzt sein?' dachte die braunhaarige beschämt.
Dem Offizier schien es ähnlich zu gehen, allerdings versuchte er, so gut es ging, sich nichts anmerken zu lassen.
"Hör nicht auf die, das machen die ständig." erklärte Jasmine ihm.
James nickte stumm.
"Sollen wir?" fragte er und wartete darauf, das Jasmine sich bei ihm unterhakte.
"Ich bin bereit, wenn du es bist."
James lachte.
"Jederzeit."
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