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Face to Face

GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Barret Wallace Cid Highwind Cloud Strife Shelke Rui Tifa Lockhart Vincent Valentine
21.09.2019
11.06.2021
6
9.926
6
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Dieses Kapitel
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11.06.2021 1.542
 
Anm. d. Autors: keine Ahnung, ob nach so langer Zeit hier überhaupt noch jemand liest (oder generell im Fandom), aber falls doch, dann: ''Hey hey und Willkommen zurück!''

PS.: ich nehme gern Ideen & Leserwünsche an. :)
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6. Morgenröte




Helles Licht drang durch die vergilbten, langen Vorhänge in das Zimmer und blendete ihn für einen Moment, als er erwachte. Er fühlte sich ausgeruht und hatte auf der alten Matratze überraschend gut geschlafen.
Als er sich strecken wollte, stellte er überrascht fest, dass die andere Seite des Bettes nicht leer war. Mit dem Rücken zu ihm gedreht lag Vincent. Vorsichtig drehte er sich auf die Seite, um ihn nicht zu wecken und sog das Bild vor ihm eifrig mit den Augen auf. Wie lange war es her, dass er ihn zuletzt so nah und so ruhig bei sich gehabt hatte?
Das dünne Laken lag locker über seiner Schulter und zwischen Stoff und schwarzem Haar kam nur ein kleines Stück freier Haut zum Vorschein. Er erinnerte sich an die von Narben übersäte Haut nur allzu gut und selbst der Nacken bildete da keine Ausnahme, auch wenn es nur ein paar wenige, feine Narben waren. Es war fast surreal ihn nach so langer Zeit wiederzusehen. Zumal er wieder und wieder hier nach ihm gesucht, aber ihn nie gefunden hatte. Mit einem Seufzen drehte sich Cloud auf den Rücken, als ihm dämmerte, warum. Er hatte ihn nicht übersehen. Er hatte all die Spuren, die darauf hinwiesen, dass er all die Zeit hier gewesen war, nicht übersehen. Er hatte sie nicht bemerkt, weil Vincent nicht hatte gefunden werden wollen.
Mit beiden Händen rieb er sich über das Gesicht und die noch vom Schlaf müden Augen und kam sich für einen Moment wie ein Idiot vor. Aber dieses Mal war es anders. Er war hier. Neben ihm. Er lebte.
Erleichterte atmete Cloud tief durch, ehe er sich vorsichtig aus dem dünnen Laken schälte und aufstand. Er ging ein paar Schritte durch den Raum zu einem der Fenster und schob den halb geschlossenen, schweren Vorhang ein Stück beiseite, um den Blick in den verwilderten Garten der Villa freizulegen. Es muss einst ein prachtvoller, gepflegter Garten gewesen sein. Zerbrochene Statuen und vollkommen verwucherte Büsche und Hecken ließen nur erahnen, wie es einst ausgesehen haben mochte.
Mit der Hand wischte Cloud etwas Staub von der angelaufenen Glasscheibe, um besser sehen zu können. Die aufgehende Sonne tauchte alles in ein warmes Licht. Es war schön, so, wie es war.
Er ging zurück zur Kommode, um in seinen Sachen nach dem PHS zu wühlen, um zu prüfen, ob alles in Ordnung war. Keine Nachrichten, keine verpassten Anrufe, alles ruhig. Mit einem prüfenden Blick in den Spiegel zupfte er eine der widerspenstigen Strähnen zurecht, die durch die Nacht auf dem Kissen abstand, als er im Glas eine Bewegung hinter sich bemerkte.

“Du bist wach.’’

Vincents Stimme war leise.

“Ja, hey.’’

Er hatte sich leicht auf einen Arm gestützt und ein Stück zu ihm gedreht.
Cloud betrachtete sein Spiegelbild, als er versuchte, eine weitere Strähne zu zähmen. Um das blasse Gesicht im Hintergrund rankte sich ein Wust aus schwarzem Haar.

“Nimm dir, was du brauchst.”

Er ließ sich zurück in das Kissen fallen und sagte nichts weiter.
Clouds Blick wanderte vom Spiegel hinab über die Kommode und die vermutlich seit Ewigkeiten unberührten Utensilien, die sich darauf befanden. Zwischen einem dunkel angelaufenen Handspiegel und einer hübschen, silbernen Puderdose, lag eine große Haarbürste. Vorsichtig nahm er sie in die Hand und betrachtete einen Moment die filigranen Verzierungen im Silber, ehe er zwischen die dunklen Borsten pustete, um etwas von dem Staub auf ihnen zu entfernen.

“Darf ich?”

Zögerlich hielt er die Bürste hoch.
Ein kaum merkliches Zucken mit den Schultern war die Antwort. Es sollte ihm genügen.
Mit der Bürste in der Hand stieg er zurück in’s Bett, griff behutsam nach dem schwarzen Schopf und bettete sich die langen Haare über den Schoß, ehe er eine Strähne abteilte und vorsichtig anfing Staub und Filz mit den weichen Borsten herauszubürsten.
Ein schmales Lächeln stahl sich auf seine Lippen, als er nach einigen Strichen bemerkte, wie der Glanz in das pechschwarze Haar zurückkehrte.
Schweigend arbeitete er sich weiter durch die einzelnen Strähnen, löste ab und zu einen Knoten mit den Fingern und ließ die erste große, fertige Sektion durch seine Finger gleiten. Es fühlte sich wundervoll an. So glatt und seidig wie er es in Erinnerung hatte. Allerdings schien es länger geworden zu sein. Wenn er es grob abschätzte, reichte ihm das ehemals Schulterblatt lange Haar mittlerweile fast bis zur Hüfte.
Als er fertig war, ließ er sie erneut durch seine Hände gleiten und breitete sie über seinem Schoß aus, darauf bedacht, sie nicht sofort wieder zu verknoten. Dann wandte er den Blick zur Seite. Vincent lag unverändert mit dem Rücken zu ihm.
Jetzt, wo er einmal angefangen hatte, verspürte er das Bedürfnis, alles zu bürsten. Die Haare dicht am Kopf und den Ansatz hatte er bis jetzt ausgelassen.
Sollte er vorher um Erlaubnis fragen?
Womöglich würde er nur wieder dieselbe Antwort erhalten. Mit einem innerlichen Schulterzucken schob er den Gedanken beiseite und setzte die weiche Bürste so behutsam wie möglich, um Vincent nicht zu erschrecken, an der Schläfe an und strich durch das Haar.
Er zeigte keinerlei Regung, also machte Cloud einfach weiter, bürstete sich durch jeden Bereich den er erreichen konnte. Um die Borsten bei ihrer Arbeit etwas mehr zu unterstützen schob er vorsichtig die Finger unter eine Strähne und drückte sie weiter in die Bürste rein. Er wiederholte es bei der nächsten. Bei der dritten konnte er nicht umhin behutsam durch das Haar und über den Kopf des anderen zu streichen. Wieder keine Reaktion.

“Darf ich… den Rest?”

Solange Vincent auf der Seite lag, konnte er nicht beenden, was er angefangen hatte.
Träge und ohne ein Wort drehte sich der andere auf den Bauch und schob das Gesicht in seine Richtung. Cloud war sich nicht sicher, ob er guthieß, was er hier tat, doch noch hatte Vincent ihn nicht gestoppt und dass er ihm die andere Seite freigab wertete er als Zustimmung.
In die entgegengesetzte Richtung zu bürsten erwies sich als weit schwieriger und er konnte bei weitem nicht so gründlich arbeiten, wie es ihm lieb gewesen wäre, doch er wollte sich nicht beschweren und strich einfach wieder und wieder mit dem Utensil durch das Haar.
Vincent hatte die Lider halb gesenkt, sein Blick, auch wenn er auf Cloud traf, schien geradewegs durch ihn hindurch zu gehen.

Als es nichts mehr zu tun gab, ließ Cloud die Bürste auf der Matratze liegen und begann vorsichtig mit den Fingerspitzen von der Schläfe aus durch die weichen Strähnen und über den Kopf zu streichen.
Einmal. Noch einmal. Ein drittes Mal.
Vincent schloss die Augen.

Er wirkte unwahrscheinlich zerbrechlich wie er so unter dem dünnen, zerschlissenen Laken lag, seine schmale Statur durch das weiße Leinen abzeichnend. Die helle Haut wie bei einer Porzellanpuppe, die bei den alten Damen aus Edge so beliebt waren, mit dem großen Unterschied, dass sich auf dieser Porzellanhaut unzählige Narben versammelten. Selbst auf dem schmalen Stück Rücken, das ihm zugewandt war, war fast kein Zentimeter ohne. Unter der Kante des Lakens konnte er die Ansätze der breiten Flügelnarben auf seinen Schulterblättern ausmachen. Mit jedem Atemzug drückten sich die Wulste ein Stück weit durch den Stoff.
Clouds Hand stoppte, als er sich daran erinnerte, welche Wut und Raserei es damals in Vincent ausgelöst hatte, als er sie unbeabsichtigt berührt hatte. Als…
Ein leises, kaum hörbares Seufzen holte ihn aus seinen Gedanken zurück und ließ seine Finger das sanfte Kraulen wieder aufnehmen, in welches sie zwischenzeitlich verfallen waren.
Ob die Narben wohl noch immer ein Trigger für ihn waren? Laut Shelke hatte er Chaos nach dem Kampf gegen Omega verloren. Wobei sich die Frage stellte, ob es wirklich ein Verlust war.
Er würde es nicht darauf ankommen lassen. Dazu war ihm dieser Moment gerade zu wichtig, zu angenehm. Es war ruhig geworden. Nicht, dass es vorher laut gewesen wäre, doch Vincents Unmut über seine andauernde Anwesenheit war deutlich zu spüren gewesen.
Für den Augenblick war davon nichts mehr übrig.
Wenn er es nicht besser wüsste, hätte er vermutet, Vincent wäre eingeschlafen.

"Vielleicht solltest du mitkommen."

Seine Fingerspitzen zogen weiter kleine Kreise hinter dem Ohr des anderen.

"Mh."

"In Edge ist diese Woche Jahrmarkt. Sie feiern das Bestehen der neuen Stadt."

"Ich wüsste nicht, was ich dort sollte."

Seine Stimme wurde fast ganz vom Kissen verschluckt und Cloud sah hinab.
Er war tief in die muffigen Daunen versunken, die Augen noch immer geschlossen.

"Ich denke, es würde dir gut tun die Villa wieder zu verlassen… wenigstens für eine Weile."

“Mh.”

“Die anderen würden sich freuen, dich zu sehen. Wir haben uns alle Gedanken um dich gemacht, als du einfach verschwunden bist.”

Mit dumpfem Rascheln ließ Vincent das Gesicht durch das Kissen wieder auf die andere Seite wandern, doch Clouds Finger beharrten auf einen Platz in seinem Haar, sortierten die unordentlichen Strähnen zurück hinter sein Ohr und strichen das Haar wieder glatt.

“Marlene würde sich sicher riesig freuen. Shelke auch.”

Vincent atmete tief durch.
Auch wenn er sonst kein Wort sagte, war Cloud sich sicher, dass seine Worte Wirkung zeigten.

“Und ich mich auch.”
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