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Face to Face

GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Barret Wallace Cid Highwind Cloud Strife Shelke Rui Tifa Lockhart Vincent Valentine
21.09.2019
11.06.2021
6
9.926
6
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
29.09.2019 1.552
 
2. Kurzschluss




Der nasse Lappen klatschte klangvoll auf dem Tisch auf, ehe er ein vergessenes Glas beiseite räumte und dann über das dunkle Holz wischte.
Es war ruhig geblieben und sie selbst hatten noch eine Weile beisammen gesessen, bis Cid sich verabschiedete. Tifa hatte ihm zwar eines der Gästezimmer angeboten, doch er hatte dankend abgelehnt und den Rückweg zu seinem Luftschiff angetreten.

Es war still in der Bar.
Cloud hatte Tifa in's Bett geschickt, nachdem sie fertig gespült hatte. Normalerweise gab sie Widerworte, doch die vergangenen Tage der Vorbereitungen waren anstrengend gewesen und er hatte gesehen, wie erschöpft sie war.
Er hatte kein Problem damit sich allein um die verbliebene Arbeit zu kümmern, es war bei Weitem nicht das erste Mal. Wenn er nicht gerade eine Lieferung ausfuhr, war er eigentlich immer mit in der Bar, half Tifa wo es ging und wo er konnte. Dass das in letzter Zeit nachgelassen hatte, lag einfach daran, dass die Aufträge wieder zahlreicher wurden, was nicht zuletzt auch mit den Festtagen in Zusammenhang stand. Sie hatten mittlerweile auch eine Hilfe eingestellt, die hier war, wenn er nicht konnte.
Es war für alles gesorgt und trotzdem gestand er Tifa ein, dass auch sie mal eine Pause brauchte.

Cloud nahm das leere Glas und den Lappen und ging zurück hinter den Tresen, um es noch schnell abzuspülen und zum Trocknen zu den anderen zu stellen. Er wusch den Lappen aus, hängte ihn über den Wasserhahn und sah den letzten Tropfen dabei zu, wie sie im Abfluss verschwanden.

Warum hatte Tifa eigentlich nach Vincent gefragt?
Sie hatten Cid das letzte Mal vor knapp einem halben Jahr gesehen, ein paar Wochen nach seiner Hochzeit, die übrigens sehr schön gewesen war. Sie hatten sich alle seit langem Mal wieder an einem Ort versammelt. Alle, bis auf Vincent natürlich.
Selbst Reeve war später kurz vorbeigekommen, obwohl er nicht offiziell eingeladen worden war. Gut, Cid war in der Zwischenzeit wohl wirklich viel unterwegs gewesen, aber Cloud bezweifelte, dass er weder die Zeit, noch wirklich die Muße dazu gehabt hatte, explizit die Augen nach Vincent offen zu halten. Und er war niemand, den man beiläufig irgendwo in einer Seitenstraße wiedertraf.
Wenn er nicht gefunden werden wollte, war es quasi unmöglich. Er hatte es selbst versucht. Eine ganze Woche lang nach dem Kampf mit Omega. Nichts.
Auch die darauffolgenden Monate, als er ein paar Mal einem Gefühl folgend nach Nibelheim gefahren war… von Vincent fehlte jede Spur.

Er seufzte leise, drehte den Hahn noch einmal auf und ließ sich kaltes Wasser in die Hände laufen, um sich kurz darauf mit den nassen Händen über das Gesicht zu streichen. Es war vergebens nach ihm zu suchen.

Cloud trocknete sich grob am Ärmel des dünnen Pullovers ab, eher er das Licht über der Theke löschte und nach oben ging.
Die kommenden Tage würden noch anstrengend genug werden, da brauchte er sich nicht schon wieder den Kopf über ihn zu zerbrechen.
So leise wie möglich erledigte er alles Nötige im Bad, um die anderen nicht zu wecken und schloss dann behutsam die Tür zu seinem Zimmer.
Mit kurzem Flackern sprang die kleine Lampe auf dem Nachttisch an, als er den Schalter drückte und sich auf die Bettkante setzte.
Es würde wohl nicht mehr lange dauern bis die Birne durchbrannte.
Der Digitalwecker daneben zeigte kurz vor halb drei. Während sie zusammengesessen und über alte Zeiten und all die anderen Dinge, die ihr Leben mittlerweile so ausmachte, gesprochen hatten, hatte er das Gefühl für die Zeit völlig verloren. Es war schön gewesen, Cid mal wieder gesehen zu haben.
Und es war, wie Tifa gesagt hatte, viel zu selten.
Mit leisem Seufzen zog er sich den Pullover über den Kopf und warf ihn auf den Stuhl, der vor dem kleinen Schreibtisch am Fenster stand.
Der Raum war klein, aber es reichte ihm.
Denzel zuliebe hatte er auf das größere Zimmer verzichtet. Er war ohnehin meist mit Tifa unten in der Bar oder mit Lieferungen beschäftigt und das bisschen Papierkram, was hier und da mal anfiel, konnte er hier problemlos erledigen. Er brauchte nicht mehr.

Umständlicher als nötig schälte er sich auch aus seiner Hose und schlüpfte schließlich unter die Bettdecke. Er brauchte einen Moment bis er eine bequeme Stelle auf dem Kopfkissen gefunden hatte, schob dann den rechten Arm darunter und streckte den linken aus, um das Licht wieder auszuknipsen. Sein Daumen verharrte einen Moment auf dem Schalter und er betrachtete den dunkelroten Stoffschirm der Lampe.
Es war fast ein halbes Jahr her, dass er das letzte Mal in Nibelheim gewesen war. Kurz nach der Hochzeit.
Sie waren noch für ein paar Tage in Rocket Town geblieben, um auszunutzen, dass sie sich sonst so selten sahen. Am vorletzten Tag hatte er sich Cids Geländewagen geborgt und war nach Nibelheim gefahren. Er war nur einem vagen Gefühl gefolgt, vielleicht auch einem kleinen Stück Hoffnung ein Lebenszeichen von Vincent zu entdecken, doch der Ort war so tot und leer gewesen, wie all die anderen Male zuvor auch. Er hatte nichts gefunden, obwohl er überall gesucht hatte.
Er hatte doch überall…

Eilig schlug er die Bettdecke wieder beiseite, kniete sich auf den Boden und zog den kleinen Rucksack unter dem Bett hervor. Die Zipper ratschten klangvoll auf.
Wirklich überall?
Die notwendigsten Sachen wanderten zügig in den Beutel, ein paar Kleidungsstücke, alles, was ihn für ein paar Tage ausreichend versorgen würde.
Er warf den Rucksack zurück auf’s Bett, griff nach dem Pullover über der Stuhllehne und  zog ihn sich wieder über. Dann öffnete er die kleine Schublade am Schreibtisch, holte das alte Materiaarmband heraus und schloss es um sein linkes Handgelenk. Er ging nicht davon aus, dass er es wirklich brauchen würde, aber sicher war sicher. Nibelheim und das Gebirge drumherum waren mittlerweile Niemandsland. Offiziell war der Ort von allen Karten verschwunden. Perfekte Voraussetzungen für Monster, auch wenn er die vergangenen Male nie einem begegnet war.
Als er sicher war vorerst alles wichtige eingepackt zu haben, schnappte er noch sein PHS vom Tisch, schlüpfte zurück in seine Hose, faltete die Bettdecke wieder zurecht und griff nach dem Rucksack.
Wieder verharrte sein Daumen für einen Moment auf dem Kippschalter der Nachtlampe.
Er war gerade im Begriff ein weiteres Mal loszufahren, ohne zu wissen ob er überhaupt etwas finden würde. Kurz vor den Feiertagen.
Tifa wäre allein hier mit den Kindern und der Bar und all den Vorbereitungen und…
Cloud löschte das Licht und verließ das Zimmer so leise wie er es betreten hatte.



~*~



Die Leuchtstoffröhren brauchten einen Moment, ehe sie die Garage endlich in helles Licht tauchten.
Er wusste, dass das hier nichts weiter als ein Himmelfahrtskommando war, dessen Aussicht auf Erfolg im Grunde genommen bei Null lag, doch er musste es einfach wagen. Es würde ihm jetzt ohnehin keine Ruhe mehr lassen, bis er nicht da gewesen wäre und sich vergewissert hätte, ob er die letzten Male nicht vielleicht doch etwas übersehen hatte. Der Rucksack schlug dumpf auf der Werkbank auf, ehe Cloud den Spind öffnete und die Hauslatschen gegen Stiefel tauschte. Gürtel, Handschuhe und die leichte Funktionsjacke folgten. Mit einem letzten, tiefen Atemzug schloss er den Reißverschluss und dann auch die Tür des Spinds.
Er würde fahren. Wenn er viel Glück hatte, würde er noch die erste Fähre erreichen, die von Junon aus nach Costa del Sol übersetzte.
Ein kräftiger Ruck beförderte die Plane die über Fenrir lag beiseite und gab den Blick auf die auf Hochglanz polierte Maschine frei. Mit wenigen Handgriffen überprüfte er die Slots des Fusion-Sword, fand alles zu seinem Wohlwollen in bester Ordnung vor und schulterte dann den Rucksack, ehe er begann Fenrir aus der Garage zu schieben.
Das Licht erlosch, das Garagentor fiel mit einem gedämpften Laut zurück in’s Schloss.
Er zog das PHS aus der Hosentasche, checkte ein letztes Mal die Uhrzeit und verstaute das Gerät in der Ärmeltasche der Jacke. Viel Zeit blieb ihm nicht und vor ihm lagen mehrere hundert Kilometer bis zur Hafenstadt.
Ein letztes Mal zurrte er die Verschlüsse der Handschuhe und den Brustgurt des Rucksacks fest, ehe er die Schutzbrille aus der Jackentasche holte und aufzog.
Um Tifa und die Kinder nicht zu wecken schob er Fenrir über das kleine Grundstück der Bar und noch einige Meter weit die Straße hinab, bis er aufstieg und den Motor zündete.
Er wusste, dass er gerade nur einer Laune folgte und im Anbetracht der aktuellen Situation wohl die dämlichste Entscheidung traf, die er treffen könnte, doch er hatte seinen Entschluss gefasst. Er würde nach Nibelheim fahren.

Die kühle Nachtluft die ihm entgegen schlug, als er die Maschine endlich aus Edge raus und auf freie Fläche geführt hatte, war mehr als angenehm und beruhigte seinen aufgeregten Geist wieder ein Stück weit. Er war lange nicht mehr so spät in der Nacht unterwegs gewesen und genoss die Ruhe um ihn herum, die lediglich vom gleichmäßigen Wummern des Motors unterbrochen wurde.
Doch er hatte keine Zeit die entspannende Atmosphäre zu genießen.
Kaum hatte er Edge weit genug hinter sich gelassen, lehnte er sich dicht an die warmlaufende Maschine und bog von der Straße ab auf die Graslandebenen.
Wenn er Junon bis zur Abfahrt der ersten Fähre erreichen wollte, musste er die unkonventionellen Wege nutzen. Und er tat es gern.
Der Wind pflügte ihm durch das Haar und mit einem Schmalen Lächeln im Mundwinkel ließ er Fenrirs Motor aufheulen.
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