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Face to Face

GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Barret Wallace Cid Highwind Cloud Strife Shelke Rui Tifa Lockhart Vincent Valentine
21.09.2019
11.06.2021
6
9.926
6
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Dieses Kapitel
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21.09.2019 2.316
 
Ja, urm, hey... und so.

Das hier ist das Sequel zu Vis-à-Vis.

Warum?
Das frage ich mich auch.

Auf jeden Fall...
Herzlich Willkommen.

Wenn ihr Wünsche, Ideen oder Anregungen für die Story haben solltet, dann fühlt euch frei mir das mitzuteilen. Ich gehe da gern auf euch ein.

Muss ich sonst noch was sagen?
Ja?
Nein?
Puh, ok.

Dann gute Nacht.


Disclaimer: ihr kennt's, ich kenn's... mir gehört nichts außer dem Häufchen Lollo Rosso und dem Glas Kraut in meinem Kühlschrank.

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1. Alles auf Anfang




“Und? Wie läuft’s so?”

Ja, wie lief es eigentlich?
Die vergangenen Monate waren recht ereignislos an ihm vorbeigezogen und diese Tatsache kam nur langsam bei ihm an.
Es war seltsam.

“Gut… gut.”

“Gut?”

Cid zog eine Augenbraue nach oben und musterte ihn eindringlich, als er sich die Zigarette wieder zwischen die Lippen klemmte, um nach der nächsten Kiste zu greifen. Mit einem Ruck überwand Cloud die kleine Lücke zwischen Laderaum und den Händen des Piloten und drückte ihm die Kiste entgegen.
Tifa hatte einen größeren Einkauf für die aufkommenden Festtage geordert und Cid war zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen und prompt von ihr dazu beordert worden Cloud beim Entladen des kleinen Transporters zu helfen.
Eigentlich hatte er nur mal nach dem Rechten sehen wollen, als er auf dem Rückweg von einem Frachtauftrag gewesen war.

“Ja, gut eben. Die Bar läuft, der Lieferservice bekommt regelmäßig Aufträge…”

Es lief halt.
Was sollte er mehr dazu sagen?
Wenn er so darüber nachdachte, war es das erste Mal, dass nicht die nächste große Katastrophe um die Ecke auf sie wartete.

“Verstehe.”

Cid nahm ihm die nächste Kiste ab und stapelte sie auf die anderen.

“Und bei euch?”

“Was?”

Cloud drehte sich wieder um, nachdem er den vorletzten Karton angehoben hatte.

“Bei dir und Shera.”

Der Pilot aschte flugs auf den Boden, ehe er ihm den Karton abnahm.

“Gut. Alles schick.”

“Uhum. Deswegen hat sie dich letzte Woche auch vor die Tür gesetzt.”

Tifa nahm ihm den Karton ab und stemmte ihn gegen ihre Hüfte während sie Cid einen schadenfrohen Blick zuwarf.

“Ach, das war doch nichts!”

Cids Stimme wurde merklich lauter.
Obwohl er und Shera vor einem dreiviertel Jahr ganz offiziell geheiratet hatten, bis heute wusste eigentlich niemand so genau wie Cid das angestellt hatte, hatte sich die Kommunikation zwischen ihnen nur schleppend geändert. Bis auf die Tatsache, dass Shera immer öfter die Initiative ergriff, wenn ihr etwas nicht passte.

Cloud drückte Cid den letzten Karton in die Hände und schloss die Türen des Transporters, während Tifa den Piloten mit einem vorwurfsvollen ‘tz tz tz’ tadelte. Ihr Lächeln im Anschluss war warm.

“Danke dir für deine Hilfe. Vielleicht solltest du Shera beim nächsten Mal auch helfen, dann musst du nicht wieder auf der Highwind schlafen.”

Sie zwinkerte ihm mit herausgestreckter Zungenspitze zu und nahm ihren Karton wieder in beide Hände, um ihn schließlich in die Bar zu tragen.

“Als ob mich ne Nacht oder zwei in meinem Schiff stören. Gibt genug zu tun, ich kann da auch ne Woche nächtigen, wenn ich will!”

Sein Gemaule war nur halb so ernst gemeint wie es sich anhörte und auch Cloud konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Cid und Shera hatten sich gefunden, auch wenn vor allem Cid es nie zugeben würde, oder besser gesagt, nicht noch einmal.

Mit einer Kiste in den Händen folgte auch er Tifa zurück in die Bar.
Durch die geschlossenen Fensterläden drang das Sonnenlicht und tauchte den großen Raum in helle und dunkle Streifen. Der Tresen war schon frisch poliert, sie schien die Zeit die er mit den Besorgungen verbracht hatte ausgiebig genutzt zu haben, und vorsichtig hob Cloud die Kiste mit neuen Gläsern über das Herzstück der Bar und stellte sie dahinter auf den Arbeitsflächen ab. Er wandte sich um und nahm eine weitere Kiste von Cid entgegen, die denselben Platz einnahm.

Die Festtage lagen Tifa irgendwie sehr am Herzen. Sie hatte Cloud mit einer ewig langen Liste losgeschickt und neben den regulären Dingen wie Lebensmitteln und Reserven für die Bar, auch viel Deko und Schnickschnack mit aufgeschrieben. Die neuen Gläser waren auch nicht zwangsläufig notwendig gewesen. Sicher, ab und zu ging mal eins zu Bruch und irgendwann musste man neue besorgen, aber aktuell hatten sie von allem mehr als genug. Ihr ging es nur darum an den Festtagen einen besonders guten Eindruck zu machen, alles musste mehr als perfekt sein. Schließlich feierte Edge nur einmal im Jahr sein Bestehen.
Er selbst machte sich nichts aus diesem Ereignis, Edge blieb für ihn nur ein zusammengewürfelter Haufen aus den Überresten Midgars, auch wenn es sich in den vergangenen Jahren wirklich gemacht hatte. Shinra hatte wirklich viel investiert, um die Stadt auf Vordermann zu bringen, nachdem Sephiroth zum zweiten Mal und im Anschluss Deepground durch die Straßen gefegt waren.
Wenn er so darüber nachdachte fühlte es sich fast unwirklich an, dass das alles jetzt vorbei war. Es war ruhig. Eine ganze Weile schon.

Cloud nahm Tifa eine der großen Lebensmittelkisten ab und brachte sie hinter der Bar in die Küche. Er zog den Pappdeckel auseinander und sortierte das Gemüse auf die Kochinsel, bevor er den leeren Karton beiseite schob und damit Platz für den nächsten machte, den Cid neben ihm auf den Boden fallen ließ.

“Sie macht ‘n ziemlich Aufwand für’s Fest, hm?”

Er kratzte sich über das stoppelige Kinn und betrachtete das Sammelsurium, welches Cloud aus der zweiten Kiste auf die Tische räumte.

“Mir ist es auch zu viel Aufwand, aber es ist ihr wichtig.”

“Tja, Midgar 2.0 wird halt nicht jedes Jahr 5. Da muss man schonmal Kindergeburtstag feiern.”

“Pass bloß auf, dass wir nicht bald bei dir Kindergeburtstag feiern.”

Tifa stieß Cid mit dem Ellbogen freundschaftlich in die Seite und schob sich an ihm vorbei, um ein paar kleinere Tüten auf den Arbeitsflächen abzustellen.

“Was soll das denn heißen?”

Er raunte ihr missmutig entgegen und kratzte sich erneut am Kinn. Man könnte es fast als verlegen deuten, wenn Cid etwas wie verlegen kennen würde.

“Du weißt doch, unverhofft kommt oft.”

Sie lachte leicht und fing an Konservendosen und Einmachgläser aus den Tüten zu kramen.

“Als ob Shera und ich… Kinder. Pah!”

Der Pilot kreuzte verstimmt die Arme über der Brust und verdrehte die Augen. Cloud konnte sich ein Schmunzeln bei dem Gedanken an Cid und einer Horde Kinder um ihn herum nicht verkneifen. Er selbst war regelmäßig von Denzel und Marlene und hin und wieder auch Shelke umgeben, doch es waren nicht seine eigenen Kinder. Das machte einen großen Unterschied.
Tifa hatte sich nach wie vor in der Verantwortung gesehen sich um Denzel zu kümmern und seit Barret zurück in Corel war und versuchte seine alte Heimat wieder aufzubauen, verbrachte auch Marlene immer wieder mehrere Wochen bei ihnen.
Da die Auftragslage des Lieferservice tatsächlich immer besser geworden war, bekam Cloud gar nicht mehr so viel von den Kindern mit, doch Tifa schien in ihrer Rolle als Ziehmutter regelrecht aufzugehen.
Er hätte es von ihr nie erwartet, doch es war alles gut so wie es war. Sie liebte die Kinder und verbrachte viel Zeit mit ihnen, wenn sie hier waren.
Jetzt hatten sie Zeit.
Alle Zeit der Welt.
Ganz ohne, dass das nächste Unheil vor ihrer Türschwelle wartete.

Cloud atmete erschöpft durch und griff nach dem leeren Karton um ihn zusammenzufalten und in dem ersten zu verstauen.
Wer hätte gedacht, dass ein normales Leben so anstrengend sein konnte. All die vergangenen Jahre hatten sie um ihr Leben, das Leben anderer und sogar um das Leben des Planeten gekämpft und jetzt?
Jetzt machten ihm bereits die Vorbereitungen für das jährliche Stadtfest zu schaffen.

“Du weißt schon, dass du Tifa einladen musst, wenn es soweit ist.”

Mit einem leichten, schiefen Grinsen ging er an Cid vorbei und ließ die beiden zurück, um weitere Kisten zu holen.

“Was zum…? Den Teufel werd ich tun!”

“Cid!”



~*~



Es war kurz vor zehn und die Bar war mäßig gefüllt.
Nicht anders zu erwarten, es war unter der Woche.

Tifa wischte sich die Hände am Geschirrtuch sauber, das mit einem Zipfel in ihrem Hosenbund steckte und griff dann nach den Gläsern, um sie mit an den kleinen Tisch an der Ecke der Bar zu nehmen.
Vorsichtig stellte sie sie ab und setzte sich dann zu ihnen.

Cid war noch geblieben, sie hatte darauf bestanden und er hatte aufgegeben ihr zu erklären, warum er noch dringend heute wieder zurück musste, als sie ihm anbot eine Flasche der besseren Whiskeys zu öffnen. Ohne Umschweife griff er nach dem sauberen Glas und zog erwartungsvoll die Flasche zu sich, die bis jetzt auf dem Tisch unangetastet auf ihn gewartet hatte.
Mit spitzen Fingern angelte er ein kleines Klappmesser aus der Hosentasche und begann dann den Wachsverschluss um die Öffnung herum zu lösen.
Jeder Schnitt mit dem Messer war präzise gesetzt und schon kurz darauf fiel der Rest der Wachskappe auf die Tischplatte und verteilte kleine, rote Krümel auf dem dunklen Holz.
Langsam drehte Cid den Deckel der Flasche, bis das Knacken der Metallzähne erklang und er sie endlich aufschrauben konnte. Mit einem wohligen Schnaufen füllte er den ersten Schluck ins Glas.
Die gesamte Prozedur mutete wie ein Ritus an, während Cloud unbeeindruckt bereits die ersten zwei Schluck von seinem Getränk genommen hatte.

“Ich will keine Beschwerden hören.”

Tifa witzelte, als sie ein paar der Wachskrümel auf dem Tisch zusammensuchte und in die umgedrehte Kappe rieseln ließ.

“Nicht ein Wort. Über diese Lippen kommt heute Abend nur noch flüssiges Gold.”

Sie lachte leicht, als Cid das Glas anhob, hin und her schwenkte und dann einen ersten, kleinen Schluck nahm.
Dafür, dass er früher so ein notorischer Trinker gewesen und dabei ebenso nicht besonders wählerisch gewesen war, zelebrierte er hier nun jeden Moment.
Die Beziehung zu Shera tat ihm offensichtlich gut, auch wenn er es nie offen zugeben würde.

“Schön. Ich freu mich, dass du noch ein bisschen geblieben bist. Wir sehen dich ja mittlerweile auch nur noch viel zu selten.”

Tifa schob ihr Glas von einer in die andere Hand und hinterließ dabei eine feuchte Spur auf der Tischplatte.

“Tja, das geht uns allen so.”

Er nahm noch einen Schluck.

“Barret ist wohl der einzige, der noch verhältnismäßig regelmäßig hier aufschlägt, wenn er Marlene abholt oder wieder her bringt. Aber auch die Abstände werden immer größer.”

“Nicht verwunderlich, oder? Der Wiederaufbau nimmt viel Zeit in Anspruch und wenn ich’s recht in Erinnerung habe, war er in Verhandlungen mit einem Landbesitzer. Shera hatte da was erwähnt.”

“Alternative Energiegewinnung.”

Cloud schob seinen Satz beiläufig zwischen zwei Schlucken aus seinem Glas ein.

“Richtig, das war’s. Und Yuffie?”

Cid wischte das Messer an seiner Hose sauber, eher er es zurück in die Tasche schob und im Anschluss auf der anderen Seite eine Schachtel Zigaretten zu Tage beförderte.
Er schüttelte die Box einmal, ehe der orangefarbene Rand eines Filters im ausgefransten Loch im Pappdeckel zu sehen war und er sie umständlich herauspulte.

“Ist eine Weile her, dass ich mit ihr gesprochen habe. Sie hat viel um die Ohren was ihre familiären Pflichten angeht.”

Mit einem Ruck zog Tifa endlich das Geschirrtuch aus dem Hosenbund und ließ es über die Stuhllehne fallen, nachdem sie rein aus Gewohnheit unter ihrem Glas her gewischt hatte.
Dann griff sie auf den Nachbartisch und stellte den Aschenbecher neben den Whiskey Schwenker.

“Ah, die Ninjaprinzessin wird erwachsen, was?”

Dankend nickte Cid ihr zu und tauschte Pappschachtel gegen Streichhölzer, bevor er sich die Zigarette zwischen die Lippen klemmte und vorsichtig anzündete.

“Sie muss, wohl oder übel, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie ihre Sache gut machen wird.”

Der Pilot nickte und nahm einen tiefen Zug des glimmenden Tabaks.

“Da sind wir nun in alle Himmelsrichtungen verstreut und versuchen irgendwie ein normales Leben zu führen. Schon komisch, oder?”

Nur langsam ließ er den eingeatmeten Rauch wieder frei und hüllte sein Gesicht für einen Moment in den blau-weißen Dunst.

“Das ist doch was gutes. Ich bin froh, dass es endlich ruhig ist. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich die alten Zeiten manchmal ein bisschen vermisse. Eine Bar zu führen ist eben nur halb so aufregend wie die Welt zu retten.”

Tifa lachte leicht und auch Cid schenkte ihr ein breites Schmunzeln.

“Tja, wer hätte gedacht, dass Deepground die letzte, große Sache gewesen ist. Fühlt sich schon an, als wär’s ewig her.”

“Fast zwei Jahre jetzt.”

Cloud hatte den Ellbogen aufgestützt und das Kinn auf der Handfläche abgelegt.

“Sag ich doch, ewig.”

Fast zwei Jahre. Und Cloud musste sich für einen Moment ernsthaft fragen, was in der Zwischenzeit eigentlich alles passiert war. Die Tage schienen an ihnen vorbei zu rasen und keinen richtigen Eindruck mehr zu hinterlassen. Ob es das war, was man Alltag nannte? Dass man gar nicht mehr wirklich mitbekam wie die Zeit verging?

“Cid?”

Die beiden Männer sahen auf, als Tifas Tonlage sich leicht senkte und ihr Blick mit kurzem Zögern den des Piloten suchte.

“Du kommst doch viel rum. Du hast nicht zufällig irgendwann mal…?”

Cid zog erneut tief an seiner Zigarette, um die Antwort auf die Frage etwas hinauszuzögern. Alle wussten, worauf sie hinaus wollte.

“Nein, Tifa. Hier nicht, drüben nicht und auch sonst nirgends.”

Sie nickte knapp.
Cloud ließ sein Kinn tiefer in die Hand rutschen.
Es waren fast zwei Jahre vergangen, jeder versuchte sich sein eigenes, neues Leben aufzubauen und dennoch hörte man hier und da voneinander.
Selbst Nanaki ließ ihnen unregelmäßig eine Nachricht zukommen oder tauchte dann und wann ganz unverhofft einfach hier auf.
Nur von ihm fehlte jede Spur. Seit Omega.
Eine Woche lang hatte er nach ihm gesucht. Vergebens.
Sie hatten Shelke geschickt um ihn zu holen, nachdem sie meinte zu wissen wo er sich aufhielt, doch sie kehrte ohne ihn und mit nur einer kurzen, kryptischen Nachricht zurück.
Seither gab es keine Spur mehr von ihm und die Zeit hatte begonnen wie im Flug an ihnen allen vorbeizurasen.

Tifa seufzte leise.

“Ich hoffe, es geht ihm gut.”
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