My Dumb Bodyguard

von Lizerah
GeschichteDrama, Humor / P18 Slash
Gavin Reed OC (Own Charakter) RK900
20.09.2019
08.12.2019
5
12488
2
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8 Reviews
Dieses Kapitel
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=== Anm. d. Verf. ===
Kapitel 6 am 22.12.2019.

Danke an Dark Assassin, HellowImMellow und Celestinea für die motivierenden Reviews. Natürlich auch ein Dankeschön an diejenigen, die der FF bereits ein Sternchen vergeben oder sie einfach nur auf ihre Favoritenliste gepackt haben.
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Alles um ihn herum rückte in weite Ferne, als er der Androidin tief in die Augen blickte. Nur noch beiläufig vernahm er die Stimmen der Umstehenden an seinem Ohr, während er die Hand hob und mit dem Finger sanft über ihre Lippen strich. Sie fühlten sich so verdammt echt an. Seine eigenen Lippen verzogen sich zu einem leichten Schmunzeln, als seine Gedanken langsam abdrifteten. Wie es sich wohl anfühlen würde, diesen Mund zu küssen? Wie es sich wohl anfühlen würde, wenn sie ihm ...
„Das kannst du gleich wieder vergessen, junger Mann“, riss ihn plötzlich die mahnende Stimme seiner Mutter aus seinem angenehmen Tagtraum.
Fuck.
Mit einem leisen Murren trat er einen Schritt zurück, bevor er sich mit grimmiger Miene seiner Mutter zuwandte.
„Du hast gesagt, dass ich mir einen Androiden aussuchen darf“, äußerte er vorwurfsvoll.
„Ja, das darfst du, aber keinen weiblichen“, ermahnte sie ihn.
„Wieso nicht? Ein weiblicher Android kann mich genauso gut beschützen wie ein männlicher“, konterte er und sah beleidigt zu Boden.
„Ich sehe doch genau, was dir da gerade durch den Kopf ging, als du sie angesehen hast. Ich bin nicht dumm, Gavin. Außerdem: Willst du wirklich von einer Frau beschützt werden, wenn es einmal soweit kommen sollte?“, sagte sie und strafte ihn mit einem abfälligen Blick, bevor sie sich wieder dem Verkäufer des Ladens zuwandte.
„Wir suchen einen Androiden für unseren Sohn. Ein Android, der sich um ihn kümmert, wenn wir auf Geschäftsreise sind …“
„Mum, ich bin schon fast 19, ich brauche niemanden, der auf mich aufpasst“, unterbrach Gavin sie.
„Das sehe ich“, äußerte sie vorwurfsvoll und deutete dabei auf ihre Nase.
Reflexartig griff er sich an die eigene Nase und spürte das Pflaster unter seinen Fingern.
Es war gerade einmal ein paar Stunden her, seitdem er aus dem Krankenhaus entlassen worden war. Aufgrund seiner Verletzungen wusste er nicht einmal mehr, wie er überhaupt in diese Schlägerei geraten war, bei der er so derb eingesteckt haben musste, dass er erst im Krankenhaus wieder zu sich gekommen war. Er wusste nur noch, dass er mit seinen Freunden, sofern er diese flüchtigen Bekanntschaften wirklich als Freunde bezeichnen konnte, in einer Bar in der Nähe des Hafens abgesackt war. An irgendeinem Punkt, an dem der Alkoholpegel langsam gefährliche Ausmaße angenommen hatte, war die Situation plötzlich eskaliert und in einer Schlägerei ausgeartet. Wie er sich selbst kannte, vermutete er, dass es dabei um irgendein Mädchen ging, doch sicher war er sich nicht.
Angestrengt rieb er sich mit der Hand über die Stirn, während er seine Mutter dabei beobachtete, wie sie den armen Verkäufer in Beschlag nahm und nicht wirklich mit dem zufrieden war, was dieser ihnen anzubieten hatte.
„Haben Sie denn kein Modell, welches dazu geeignet wäre, einem jungen Mann Gesellschaft zu leisten und stark genug ist, um ihn im Notfall zu beschützen?“
„Nun, letzte Woche haben wir ein ziemlich neuartiges Modell reinbekommen, welches vielleicht ihren Vorstellungen entsprechen könnte, nur ist dieses nicht gerade günstig.“
„An welchem Punkt habe ich erwähnt, dass der Preis eine Rolle spielen würde?“, fragte sie beleidigt, worauf der Verkäufer einen Moment lang ins Stocken geriet.
„Nun, ähm, dann … folgen Sie mir bitte“, bat er und deutete in einen anderen Bereich des Ladens.
Nur wenig überzeugt, vergrub Gavin seine Hände in den Hosentaschen und sah noch einmal mit enttäuschter Miene zu der hübschen Androidin hinüber, bevor er den beiden folgte. Seine Augen immer noch auf die Rundungen der Roboterdame gerichtet, bemerkte er kaum, wie der Verkäufer und seine Mutter plötzlich vor einem der anderen Modelle stehen blieben. Überrascht bremste er seinen Lauf, während er seinen Blick auf den hochgewachsenen, dunkelhaarigen Mann richtete, der mit geschlossenen Augen reglos neben ihm stand.
Fasziniert beobachtete er den Verkäufer dabei, wie er auf den Androiden zutrat und ihn mit wenigen Worten aktivierte.
„Bei diesem Modell handelt es sich um die neue Version der RK-Reihe, ein RK900. Er wurde als Bodyguard konzipiert, doch wir können ihn um eine soziale Komponente erweitern. Mittels der Erweiterungsfunktion lässt er sich an alle möglichen Anwendungsszenarien anpassen, gepaart mit einem ansprechenden Äußeren.“
„Ein wirklich schönes Modell“, sagte Gavins Mutter, während sie den Androiden neugierig musterte.
Gavin musste zugeben, dass sie durchaus nicht unrecht hatte, auch wenn er dies nie offen zugegeben hätte. Der Android war groß, etwa einen Kopf größer als er selbst. Der schwarze Rollkragenpulli und die schwarze Hose, die er trug, betonten seine schlanke und doch muskulöse Statur. Sein dunkelbraunes Haar war akkurat zurückgekämmt und wurde lediglich durch eine Strähne, die ungebändigt in seine Stirn hing, etwas aufgelockert. Im Kontrast zur dunklen Farbe seines Haares und seiner Kleidung waren seine Augen stahlblau. Sie betrachteten Gavin aufmerksam, so dass dieser einen kurzen Moment lang dem Blick des Androiden auswich. Wahrscheinlich hatte man ihn aufgrund seiner Funktion so gestaltet, dass er eine recht respekteinflößende Erscheinung besaß und das war ihnen definitiv gelungen. Er wirkte so verdammt badass, dass sich Gavin durchaus mit der Idee anfreunden konnte, dass dieses Modell sein neuer Begleiter durch den Alltag sein würde.
Ein weiblicher Android wäre ihm immer noch lieber gewesen, doch das würde seine Mutter wahrscheinlich nie zulassen.
Was soll’s, es gab noch genug Mädchen da draußen, die er aufreißen konnte, ohne dafür zu bezahlen. Er hatte es einfach nicht nötig, sich für seinen Spaß extra einen Androiden anschaffen zu müssen. Außerdem wäre er der Androidin sicher allzu schnell überdrüssig geworden, da ihm der Reiz des Eroberns und des Neuen fehlen würde.
„Gefällt er dir?“, riss ihn seine Mutter aus seinen Gedanken. Erst jetzt bemerkte er, dass er den Androiden die ganze Zeit einfach nur schweigend angestarrt hatte.
„Ja, ganz cool“, versuchte er sich unbeeindruckt zu zeigen.
„Dann nehmen wir ihn“, richtete sich seine Mutter an den Verkäufer.
„Gut, wollen Sie ihn gleich mitnehmen oder sollen wir ihn liefern?“
„Wir würden diesen hier gleich mitnehmen, dann können Sie ihn bereits konfigurieren und an meinen Sohn anpassen. Oder was sagst du, Gavin?“, richtete sie sich an ihren Sohn.
„Ähm, ich, ja, okay …“, reagierte dieser etwas überrumpelt.
„Darf ich dich dutzen?“, fragte der Verkäufer an Gavin gerichtet.
Dieser nickte.
„Okay, dann stell Dich bitte kurz neben mich“, bat er, worauf Gavin zögerlich der Anweisung folgte.
„Als erstes solltest du ihm einen Namen geben. Keine Sorge, den kannst du später noch ändern, falls du deine Entscheidung noch einmal in Ruhe überdenken willst.“
Der Verkäufer sprach ein paar Befehle, bevor er Gavin die Anweisung gab, dem Androiden in die Augen zu schauen und ihm seinen neuen Namen zu nennen.
„Nines“, sagte Gavin, als er in die stahlblauen Augen des Androiden blickte.

Ihm war schon etwas mulmig zumute, als er sich auf die Rückbank des Wagens setzte und zu dem Androiden hinüberschielte, der sich direkt neben ihm platzierte. Der Android, den er eben erst Nines getauft hatte, schenkte ihm ein kühles Lächeln, bevor er sich Gavin plötzlich entgegenbeugte.
„Sie sollten sich anschnallen, mein Herr“, sagte er auf gestochene Weise und deutete auf den Gurt neben Gavin.
„Gavin“, sagte dieser, während er selbst nach dem Gurt griff und sich anschnallte.
„Lass diesen höflichen Scheiß und nenn mich Gavin“, wiederholte er, als er Nines fragenden Blick sah.
„Und behandel mich nicht wie ein Kleinkind“, ergänzte er und verschränkte demonstrativ die Arme vor der Brust, während er seine Mutter dabei beobachtete, wie sie sich auf dem Beifahrersitz niederließ und mit dem Chauffeur sprach.
„Schatz, hast du dich angeschnallt?“, fragte sie und drehte sich in seine Richtung, worauf er nur genervt mit den Augen rollte.
Verdammt, jetzt hatte er zukünftig wohl zwei von diesen übervorsorglichen Exemplaren und bereute bereits jetzt schon, der Sache mit dem Androiden zugestimmt zu haben.
Es dauerte nicht lang, bis er die vertrauten Umrisse ihres Anwesens bereits aus der Ferne ausmachen konnte. Wenige Minuten später sprang er mit einem beherzten Satz aus dem Wagen, sobald dieser in der Einfahrt zum Stehen kam und sah mit einem ungeduldigen Blick zurück zu dem Androiden, der in einem behäbigen Tempo aus dem Wagen stieg. Neugierig ließ dieser seinen Blick schweifen, während die LED an seiner Schläfe ein gelbes Leuchten annahm. Gavin erwischte sich erneut dabei, wie er den Androiden unverhohlen anstarrte, bevor ihn die Stimme seiner Mutter aus seiner Starre riss.
„Gavin, zeig deinem neuen Androiden doch bitte das Anwesen, damit er sich alles einprägen kann“, bat sie ihn.
„Kann das nicht einer der Bediensteten machen?“, fragte er gereizt.
Sie strafte seine Frage mit einem vorwurfsvollen Blick, worauf er sich mit einem Augenrollen an den Androiden wandte.
„Hey, Blecheimer, komm mal mit mir mit. Ich zeig dir das Anwesen“, forderte er den Androiden auf, „präge dir alles gut ein, denn ich zeig es dir nur einmal.“
„Das ist nicht nötig. Es würde auch reichen, mir den Umriss des Hauses in digitaler Form zukommen zu lassen“, antwortete Nines trocken.
Gavin hob eine Augenbraue und sah zu seiner Mutter hinüber.
„Du wirst ihn trotzdem herumführen. Es ist besser, wenn er alles einmal persönlich gesehen hat. Dann kannst du ihn auch gleich den anderen vorstellen.“
Gavin rollte nochmals genervt mit den Augen.
Warum musste ausgerechnet er das machen? Es war seine Mutter gewesen, die darauf bestanden hatte, dass sie sich einen Androiden zulegen sollten. Sollte sie ihn doch selbst herumführen, wenn es ihr so wichtig war.
„Übrigens kehrt dein Vater heute Abend von seiner Reise zurück. Er wollte mit dir sprechen, also versuche bitte, dich nicht allzu weit zu entfernen“, rief sie ihm hinterher, worauf er seinen Schritt verlangsamte und nachdenklich zu Boden sah.
Am liebsten hätte er in diesem Moment genau das Gegenteil getan.
Wenn er heute Abend auf seinen Vater traf, würde dies sicher nur wieder in einem Vortrag darüber enden, wie enttäuscht sein Vater von ihm war. Er hielt seinen Sohn für einen Versager und einen Nichtsnutz und die Ereignisse der letzten Tage werden ihn in dieser Annahme nur noch bestätigen. Gavin wusste selbst, dass er nicht gerade der beste Vorzeigesohn war, doch das hieß nicht automatisch, dass sein Vater ihn bei jedem Aufeinandertreffen daran erinnern musste.
„Gavin? Geht es dir gut?“, riss ihn eine tiefe Stimme aus seinen Gedanken.
Irritiert hob er seinen Blick und erkannte den Androiden, der direkt vor ihm stand. Er hatte sich Gavin leicht entgegengebeugt und sah ihm besorgt in die Augen.
Reflexartig wich Gavin einen Schritt zurück.
„Rück mir nicht so auf die Pelle“, knurrte er.
„Tut mir leid“, bat Nines um Entschuldigung.
„Du sahst plötzlich so blass um die Nase aus“, erklärte er sich.
„Hör mal, meine Mum will zwar, dass du dich um mich kümmerst, doch ich bin kein Kind mehr, bei dem du wegen jedem verklemmten Furz ein Drama veranstalten musst“, fuhr Gavin ihn an.
„Ist das der Grund, warum du so …?“
„Was? Nein! Nimm das doch nicht so wörtlich“, empörte er sich.
„Aber du hast …“
„Ach, halt einfach den Rand, Blecheimer“, unterbrach Gavin ihn und stürmte wütend an ihm vorbei.
Irritiert sah Nines ihm hinterher, bevor er mit einem leichten Grinsen auf dem Gesicht seinem neuen Besitzer folgte.
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