Angel on his shoulder

GeschichteRomanze, Fantasy / P16
OC (Own Charakter) Shouta Aizawa Tomura Shigaraki
20.09.2019
10.10.2019
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Ein eiskalter Schauer jagte ihren Rücken hinab, als Tomura sie berührte.
Sie schüttelte ihn ab, zog die Knie dicht an den Oberkörper und schlang ihre Arme da rum.
„Ein Albtraum?“ hakte er leise nach und wollte sie in eine Umarmung schließen, doch sie sprang förmlich aus dem Bett und verließ fluchtartig das Zimmer.
Ihre Schritte hallten auf dem Holzfußboden unwahrscheinlich laut wider, doch wen sollte sie schon wecken? Kurogiri schlief nie und sonst befand sich einfach niemand hier. Selbst wenn, wäre es ihr egal gewesen!


Sie hatte eine ganze Weile auf einem der unbequemen Barhocker am Tresen gesessen, als sie das Öffnen und Schließen einer Tür vernahm.
Sie stellte das halbvolle Glas beiseite, hörte auf, an das gegenüberliegende Regal zu starren, das mit den verschiedensten Spirituosenflaschen bestückt war und seufzte.
Wortlos hatte Tomura neben ihr platzgenommen und sie fragend angesehen. Er schwieg auch weiterhin, schien darauf zu warten, dass sie sich erklärte.

„Habe ich etwas falsch gemacht?“ vernahm sie nach einer ganzen Weile seine müde Stimme.
Was erwartete er nun für eine Antwort darauf? Wahrscheinlich ein eindeutiges Nein, doch sie war einfach nicht in der Lage, ihn glaubwürdig zu belügen.
„Tomura, ich…“ Sie brach ab, als sie in seine tränenschimmernden Augen sah.
„Geh nicht.“ hauchte er und nahm ihre kalte Hand in seine Warme.
Der Glanz seiner Augen verblasste, als eine einzelne Träne an seiner Wange hinabkullerte, um schließlich von seinem Kinn zu tropfen. Dass er überhaupt in der Lage war, Tränen zu vergießen, wunderte sie, ließ sie verblüfft eine Augenbraue nach oben ziehen.
„Mir ist bewusst, dass du anders bist als ich, anders denkst als ich, doch ich glaube…“ Er senkte den Blick, schnaubte abfällig und schüttelte den Kopf. „Ich bin kein Gefühlsmensch, verzeih mein Gestammel.“
Er ließ ihre Hand los, lehnte sich mit den Ellbogen auf den Tresen und stütze den Kopf auf den Händen ab.
„Wenn du gehen willst, solltest du das jetzt tun.“ murmelte er. „Mein Mentor ist noch durch andere Dinge abgelenkt. Ihm wird dein Verschwinden nicht auffallen.“
Sie hatte den Atem angehalten. Ein unangenehmes Kribbeln breitete sich von ihrer Magengegend über den gesamten Körper aus.
Hatte er sie vor wenigen Augenblicken nicht gebeten, zu bleiben?
Warum denn nun dieser gedankliche Umschwung?
Sie sah ihn von der Seite an, legte eine Hand auf sein Knie, was ihn merklich zusammenzucken ließ.
„Sag mir, möchtest du wirklich, dass ich gehe?“ Sie spürte sein Zaudern unter ihrer Berührung.
Er hatte sich ihr zugewandt, seine Hände krampfhaft um ihre geschlungen.
„Du bist die Einzige auf dieser beschissenen Welt, für die es sich lohnt, zu kämpfen! Für eine bessere, weniger beschissene Welt. Nur dir kann ich mich so zeigen, wie ich sein möchte. Liebes…“ Er senkte den Kopf, führte sein Gesicht dicht an ihres, sodass sein warmer Atem ihre Lippen berührte. „Ich fühle mich wohl in deiner Gegenwart, genieße jede Sekunde, die wir zusammen verbringen. Wenn ich eine Wahl hätte, würde ich vieles anders machen.“
Er seufzte schwer. „Aber die habe ich nicht – werde ich niemals haben. Ich bin für Großes bestimmt. Ich dachte, ich hätte keine Zeit für zwischenmenschliche Gefühle, doch du lehrtest mich, dass ich doch lieben kann…“
Er war zum Ende hin immer leiser geworden, die letzten Worte waren nur noch ein heiseres Wispern.
Sie erwiderte seinen Blick aus halbgeschlossenen Augen, bevor sich ihre Lippen zu einem zaghaften Kuss trafen.
Anders als sonst, lag eine unbeschreibliche Zärtlichkeit darin.
„Ich…“ Seine Stimme mischte sich zwischen zwei Küsse und ließ sie erschauern. „…fühle mich zu dir hingezogen.“
„Ich liebe dich.“ hauchte sie, während ihre Stimme unglaublich zitterte.
Nun war er es, der eine Augenbraue nach oben zog und während sie befürchtete, dass ihre Worte etwas zu viel des Guten waren, stahl sich ein zufriedenes Lächeln auf seine schmalen Lippen.
„Es ist ungewohnt, zwischen all dem Hass und der Wut, die mir sonst entgegengebracht werden, so etwas zu hören.“ lächelte er und legte eine Hand an ihre Wange.
Sie spürte, wie ihr das Blut in selbige schoss.
„Aber…“ hauchte er nun an ihre feuchten Lippen. „Kannst du das wiederholen?“
„Wenn du mich nett darum bittest vielleicht.“ grinste sie.
„Ich? Nett um etwas bitten?“ schnaubte er und stützte sich wieder mit dem Ellbogen auf dem Tresen ab. „Hm.“
Er trommelte mit den Fingern seiner anderen Hand auf dem Holz herum und schien mit sich zu ringen, ob er sie darum bat, oder eben nicht.

Aber war diese Gesamtsituation nicht furchtbar verschroben? Waren ihre Worte zu übereilt gewesen?
Bisher war es lediglich gegenseitige Sympathie gewesen. Vielleicht ging es auch ein klein wenig darüber hinaus. Was, also, machte sie glauben, ihre Gefühle wären tiefgreifender und was wäre wohl lächerlicher, als zu glauben, dass er die ihren jemals erwidern würde?
Er war kalt, zu allem bereit, was anderen schaden würde.
Warum also, sollte er bei ihr seine andere Seite gänzlich offenbaren?

„Worüber denkst du nach?“ mischte sich seine Stimme in ihre Gedanken und ließ sie aufsehen.
„Über alles und nichts.“ murmelte sie und schwenkte die durchsichtige Flüssigkeit in ihrem Glas.
„Alles und nichts scheint furchtbar zu sein, wenn du um diese Zeit Alkohol trinkst.“
Es war kurz nach zwei Uhr in der Nacht. Theoretisch hatte er also Recht.
„Würdest du deine Worte von vornhin noch einmal wiederholen?“ bat er leise.
Sie hatte keineswegs damit gerechnet, dass er es tatsächlich tun würde und stellte somit das Glas wieder ab.
Sie stieg vom Barhocker hinunter, stellte sich vor ihn und nahm seine Hände in ihre. „Ich liebe dich.“
Doch nun klangen ihre Worte weniger überzeugend, weniger glaubwürdig. Leider viel zu sehr nach einem auswendig gelernten und schlecht aufgesagten Text.

„Außerdem.“ fügte er einfach an und entzog sich ihrer Berührung und nahm ihr das Glas aus den Händen. „Trinkt man Wodka nicht pur. Und vor allem, gießt man das Glas nicht so voll.“
Warum hatte sich sein Tonfall plötzlich verändert? War so kalt und berechnend?
Sie war perplex, blinzelte mehrmals, bevor sie bemerkte, dass sein Blick einen Punkt dicht über ihrem Kopf anvisierte, anstatt, dass er sie ansah.

„Sensei.“ gab Tomura von sich und exte das Glas.
Sensei… Sie wandte sich langsam zur Seite, sah die große, ehrfurchtgebietende Gestalt im Lichtschatten des Raumes stehen und erschauerte.
Eine unglaublich mächtige Präsenz ging von ihm aus.
Seine bloße Anwesenheit lehrte sie das Fürchten und ließ sie zurückweichen. Zumal ihre erste Begegnung keineswegs positiv in ihrer Erinnerung geblieben war.
„Du behältst sie noch immer wie ein anhängliches Haustier.“ drang die Stimme aus dem Dunkel zu ihr und verursachte eine Gänsehaut auf ihren Armen.
„Nicht wie ein Haustier.“ gab Tomura von sich, während sein Zeigefinger den Rand des Glases umkreiste. „Eher eine Gehilfin.“
„Gehilfin.“ spie das Wesen aus dem Dunkel. „Was für eine Hilfe soll sie dir sein?“
„Ihr Quirk erlaubt es, die Fähigkeiten anderer vollständig aufzuheben!“ erklärte sich Tomura, wurde jedoch durch ein abfälliges Lachen unterbrochen.
„Unnütz!“
Das Wesen schoss aus dem Dunkel hervor, genau auf sie zu.
Sie hatte sich in dem winzig kleinen Moment nach der Schrecksekunde weggedreht, wartete auf irgendeine Art des Schmerzes, der sie sicher treffen würde, doch alles, was an ihr Ohr drang, war ein angestrengtes Keuchen.

Tomura hatte den vermeintlichen Angriff abgewehrt.
„Was tust du nur, Junge? Seit wann haben Gefühle dein Hirn zerfressen, wie es Maden mit einem verwesenden Leib tun? Glaubst du, ich würde das nicht mitbekommen?“
Das Licht flackerte für einen kurzen Moment, bevor es gänzlich erlosch.
Nur das aufgeregt, angestrengte Atmen war zu hören und das Rauschen des eigenen Bluts in den Ohren.
Ihre Hände tasteten blind umher, erfühlten den sonderlich weichen Stoff von Tomuras Pullover, in den die sich krallte.
„Er ist fort.“ sprach er sanft und in jenem Moment ging das Licht wieder an.

~ * * ~

Nach diesem Zwischenfall hatte sie kein Auge zubekommen, hatte wach gelegen, sich Gedanken gemacht.
„Kann ich dich etwas fragen und du antwortest mir ehrlich darauf?“ murmelte sie und malte mit dem Zeigefinger Kreise auf Tomuras Brust.
Seine Atmung hatte allzu deutlich verraten, dass er nicht schlief, sondern ebenso grübelte.
„Stell deine Frage.“
„Wie lautet dein Plan und welche Rolle werde ich dabei spielen?“
Er atmete tief ein und wieder aus. „Je weniger du weißt, desto besser.“
Das sah sie anders.
„Wie stellst du dir das zwischen uns vor?“ murmelte sie und entfernte sich ein Stück von ihm, um ihn besser ansehen zu können. „Ich kann dir nicht vollkommen vertrauen, wenn du mich so im Dunkeln tappen lässt und dieser Kerl von vorhin…“
Sie erschauerte, als sie nur an ihn dachte, an diese unglaubliche Macht, die von ihm ausgegangen war.
„Was kann er?“
Tomura seufzte schwer, rieb sich mit den Händen durch das Gesicht, bevor er sie mit diesem undeutbaren Blick ansah. „All for One kann andere ihrer Fähigkeiten berauben und diese selbst einsetzen. Er ist wandelbar, unglaublich mächtig.“
„Er kopiert anderer Leute Fähigkeiten?“ hakte sie nach, doch Tomura schüttelte den Kopf.
„Nein, er stiehlt sie und aus den Beraubten werden Normalos. Simpel, aber effektiv, um einen Gegner schnell ausschalten zu können.“
Sie riss die Augen auf, begann zu zittern. Natürlich würde niemand, der sich der Schurkenliga anschloss, seine Fähigkeiten irgendwo registriert haben. Immerhin agierten sie aus dem Untergrund und kaum jemand kannte ihre wahren Namen.
Doch die Fähigkeit von All for One war gefährlich! Doch wie funktionierte diese genau?
Obwohl… dass wollte sie gar nicht wissen.
Im Grunde wollte sie wirklich nichts von den Plänen der Schurken wissen…

„Du bist in Gefahr, wenn du bleibst, dass ist dir bewusst, nicht wahr?“ fügte er leise an, schob einen Arm unter sie und zog sie dicht zu sich heran.
Sein warmer Atem streifte ihr Ohr, ließ sie erschauern.
Ja, das war ihr bewusst. Natürlich.
Sie schmiegte sich noch dichter an ihn. „Was willst du, dass ich tue?“
Er hauchte ihr einen Kuss auf den Scheitel, seufzte dennoch schwer. „Ich brauche Informationen über diesen Mistbengel! Midoriya… Seine Fähigkeit ähnelt der von All Might. Ich will wissen warum!“

„Warum bist du nur so besessen von diesem Helden?“ hauchte sie. „Ich verstehe das nicht. Was hat er dir je getan? Hast du überhaupt einen Grund, ihn so zu hassen?“
Er gab einen undefinierbaren Laut von sich und ließ sie los, brachte etwas Abstand zwischen sie und sich selbst.
Fast so, als würde er sie wegstoßen wollen, weil sie hinterfragte.
„Warum hasst du alle Menschen?“ lautete seine Gegenfrage.
„Hass ist ein krasses Wort und alle ist auch übertrieben.“

Er schloss die Augen für einen Moment, bevor er sie durchdringend ansah. „Du fragtest, was du tun sollst, nicht wahr? Ich will, dass du Vertrauen zu Eraserhead aufbaust, ihn aushorchst.“
Sie unterbrach ihn nun mit einem abfälligen Schnauben.
„Wie soll ich das machen?“

Ein wissendes, unheimliches Grinsen umspielte plötzlich Tomuras Lippen.
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