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Knallhart in Gareth

GeschichteKrimi, Fantasy / P16 / Gen
19.09.2019
19.09.2019
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Die ganze Nacht hatte es geschneit, aber es war immer noch zu warm, als dass der Schnee liegen geblieben wäre. So blieb der berühmte Straßenschlamm im garether Südquartier unerträglich hartnäckig bestehen. Geron stapfte missmutig die Straße entlang. In Gedanken richtete er eine Bitte an Herrn Firun, dass er doch kälteres Wetter schicken möge. Denn mit Schnee sahen die Straßen nicht ganz so erbärmlich aus. Und dann wäre der Matsch gefroren und unter dem Schnee verborgen. Aber so....naja.
Den ganzen Vormittag hatte er den gefangenen Almadaner verhört. Und dieser Gualdo war sehr mitteilsam gewesen. Geron war sehr stolz darauf, dass er bei dem Verhör kein unangenehmes Werkzeug einsetzen musste, wie es so gerne in der Praoiskirche oder in der weltlichen Gerichtsbarkeit Verwendung fand. Sein Verhör bestand im wesentlichen aus Drohungen mit ewiger Verdammnis, Einschüchterung und gezielten Einsatz eines heiligen Befehls. Die Taktik funktionierte bei fast jeden Mittelreicher.
Über kurz oder lang beichtete dann jeder Sünder einem Praiosgeweihten seine Vergehen. Gualdo saß jetzt in einer Zelle und wartete auf sein Urteil. Welches Maß das Urteil hatte, hatte Geron vom Wahrheitsgehalt und der Nützlichkeit der Informationen abhängig gemacht, die ihm Gualdo verraten hatte. Er hatte Geron den Namen und den Aufenhaltsort seines Herrn gegeben. Gualdo zufolge war Volapio Padeiro der mutmaßliche Drahtzieher des Sklavenhandels der Almadaner. Gualdo hatte Geron außerdem verraten, daß Volapio direkt Alonso Ragather unterstand. Und der war, das wusste Geron aus anderen Quellen, der Sohn des derzeitigen Magnaten der Alamadaner in Gareth Alrik Ragather.
Nun war Geron auf dem Weg zu diesem Volapio, um mit ihm die unterschiedlichen Standpunkte des  Gesetzes zu diskutieren. Und da diese Diskussion meist mit hieb- und stichfesten Argumenten geführt wurde, hatte sich Geron dafür gut vorbereitet. Er trug wie auch sonst immer sein Kettenhemd, sein spezielles Sonnenzepter und den Vorschlaghammer.
Der Unterschlupf von Volapio lag in einem Hinterhaus des Spenglerwegs. Geron wusste, dass es dort meist überbewohnte Mietskasernen gab. Gerade im Winter war das Leben dort sehr hart. In Gedanken revidierte Geron seinen Wunsch an Herrn Firun für kälteres Wetter. Denn das würde die Lage im Südquartier noch bitterer machen.
Nach einigen Suchen fand er das passende Haus. Die Tür des Hinterhauses war geschlossen und auch alle Fensterläden waren geschlossen. Geron sah sich in dem Hinterhof um. Zur rechten Seite gab es die Hauswand des angrenzenden Hauses. Zur linken Seite einen alten etwa zwei Schritt hohen Bretterzaun. Die Wände des Hinterhof waren mit Kisten, Müll und niedrigen, marode aussehenden Schuppen voll gestellt.
Geron atmete durch und marschierte zur Tür. Er klopfte erst einmal höflich. Nichts geschah. Das zweite Mal hämmerte er mit der ganzen Faust gegen die Tür. In der ersten Etage begann ein Hund zu bellen. Ein großer, wütender Hund. Das Bellen klang nach vielen Zähnen und Muskeln.
Geron trat zurück und beobachtete die Fenster oben.
„Im Namen Praois, öffnet die Tür! Sofort!“ brüllte Geron mit seiner besten Feldwaibelsstimme. In der zweiten Etage öffnete sich ein Fensterladen einen Spalt weit. Geron sah übel gelaunt nach oben.
„ICH. BIN. DAS. GESETZ!“ rief er voller Nachdruck.
Er machte eine dramatische Pause, um allen Zuhörern Zeit zu Nachdenken zu geben.
„Volapio Padeiro!” rief er, ”Kommt heraus und stellt euch dem Gesetz.” In Gerons Worten schwang  die ganze Autorität seines Amtes.
In Gedanken zählte er die Herzschläge ab, während er auf eine Reaktion wartete. Oben gab es Stimmgemurmel und gedämpftes Geschrei. Das lief ganz auf die Diskussion hinaus, die er erwartet hatte.
”Padeiro! Öffnet die Tür und stellt euch.” Wie der eine Pause. ”Oder ich schlag die Tür ein und hole euch.”
Der Hund in der ersten Etage überschlugen sich mit seinem Gebell.
Geron knurrte missmutig. ”Ihr habt es so gewollt.”
Mit dem dem Hammer in beide Hände holte er aus und hieb auf die Tür direkt auf das Schloß ein. Die Tür bebte in Angeln. Aber sie hielt.
Auf der Treppe waren hastige Schritte nach unten zu hören.
Geron verlagerte den Hammer etwas und ließ einen weiteren Schlag auf die Tür nieder saußen.
Diesmal war ein zufriedenstellendes Knacken zu hören.
In der ersten Etage wurde eine Tür geöffnet und kurz darauf waren der Hund direkt hinter der Haustür.
Geron hielt kurz inne und dachte nach. Einen Moment später holt er wieder aus und hieb mit dem Hammer gegen die Tür. Mit einem splitternden Krachen flog die auf.
Sofort drängten sich der riesige Hund heraus und ging auf Geron los.
'Wehrheimer Bluthund. Gute Wahl.' ging es Geron noch durch den Kopf, bevor der Hund an ihm hochsprang und nach seinem Gesicht schnappte. Geron versucht den Hammerstil zwischen sich und das Gebiss des Hundes zu bekommen. Aber der Hund war schneller. Er verbiss sich sofort in Gerons Unterarm. Nur die eiserne Armschiene schützte Gerons Arm vor den Zähnen des Hundes. Dessen Vorderkrallen versuchten in Gerons Tunika halt zu finden. Die Wucht und das schiere Gewicht des Hundes trieben Geron ein paar Schritt zurück. In der Haustür war indessen ein Almadaner zu sehen, der einen bestürzten Gesichtsausdruck trug. Scheinbar war er sehr überrascht einen echten Praiosgeweihten zu sehen.
„Lass los, verdammt!“ brüllte Geron den Hund an. „Im Namen Praois. AUS!“
Als Reaktion warf der Hund seinen Körper hin und her. Geron stemmt seine nicht ganz unerhebliche Körperkraft gegen die des Hundes. Mit einer Drehung des Körpers versuchte er den Hund abzuschütteln.
Aber der Hund ließ nicht von dem unpassenden Stöckchen ab.
Geron knurrte und unterdrückte eine Verwünschung gegen das Tier. Er respektierte Pflichterfüllung, aber das hier ging zu weit. Mit einer weiteren Drehung schmetterte er den Hundekörper gegen eine altes Faß im Hof. Der Hund ließ nicht los.
Wieder und wieder schmetterte Geron den Hund an seinem Arm gegen das Faß. Mit einem schmerzerfüllten Jaulen ließ der Hund los und brach zusammen.
Trotz aller Wut empfand Geron ob des schmerzerfüllte Winseln des Hundes Mitleid. Einen Herzschlag lang blickte Geron nachdenklich auf den verletzten Hund hinab. Gedankenverloren massierte er sich den verletzten Arm. Der Kiefer des Hundes hatte einige hässliche Quetschungen hinterlassen.
Ein Krachen und ein derber Fluch riss Geron zurück in den Gegenwart. Die Stimme hatte einen eindeutig almadanischen Akzent und kam von der anderen Seite des Zaunes. Einen Moment später waren hastige Schritte im Matsch zu hören, die sich schnell entfernten.
Geron knurrt durch zusammen gebissene Zähne.
Er überlegte einen Moment, ob er über den Zaun klettern sollte. In Anbetracht der schweren Bekleidung und seines Leibesumfang entschied er sich anders.
Er wirbelte herum und spurtete zurück aus dem Hof heraus auf die Straße, um dort einen anderen Weg in den Nebenhof zu finden.
Aber diesmal waren die Götter mit ihm.
Padeiro, nur mit Hose, Stiefeln und Hemd bekleidet, stolperte zwei Häuser weiter aus einer Haustür. Hektisch sah er sich auf der Straße um und erblickte Geron.
Wie ein wütender Stier stürmte Geron auf ihn zu. Padeiro fluchte abermals und sprintete in die entgegengesetzte Richtung los.
Und wieder einmal begann eine abenteuerliche Verfolgungsjagd.
Geron versuchte sich zu konzentrieren und als Diener Praios einen heiligen Befehl zu formulieren, damit der Flüchtige stehen blieb.
Er holte tief Luft. ” Im Namen...schnauf ...des Herrn.. keuch... Praios! ...röchel... Der ist verloren....”. Der Rest des des Gebetes verlor sich in einem verzweifelten Pfeifen.
Wortlos fluchte Geron und konzentrierte sich auf Laufen.
Man merkte gleich, dass Padeiro kein erfahrener Läufer war. Er rempelte Leute aus dem Weg, anstatt ihnen aus dem Weg zu gehen. Geron nutzte als erfahrender Verfolger die Gasse aus Passanten, die Padeiro hinterließ.
„Ihr da,.... keuch …. haltet ihn!“ rief er.
Aber der angeschriene Mann blickte erst äußerst verblüfft erst zu Padeiro und dann äußerst erschrocken, als Geron auf ihn zu und dann an ihm vorbei rannte. Einen rennenden, verschmutzen Praoisgeweihten wie Geron sah man auch in Gareth nicht aller Tage.
Padeiro rannte in einen Hofeingang hinein, um den Geweihten dort abzuschütteln.
Geron kam gerade noch rechtzeitig in den Hof gerannt, um Padeiro über einen etwa zwei Schritt hohen Bretterzaun klettern zu sehen.
„Na warte, du Drecksack.“ knurrte Geron.
Voller Tatendrang beschleunigte er, um mit Schwung den Zaun zu erklimmen.
Mit ausgestreckten Armen griff er nach der Kante des Zaunes und zog sich kraftvoll nach oben.
Sein nun beschleunigtes Körpergewicht knallte gegen den Zaun. Allerdings reichte er nicht, um sich auf den Zaun zu ziehen.
Der Zaun dagegen hielt dieser Wucht nicht stand und kippte mit dem Geweihten auf die andere Seite. Mit einem dumpfen Krachen landete erst der Zaun im Dreck und dann Geron direkt darauf.
Geron lag ausgestreckt auf dem Zaun. Er hatte noch immer mit beiden Händen die Zaunkante ergriffen und verfluchte einmal mehr diesen Tag.
„Oh Herr, warum prüft du mich?“ knurrt er mit zusammen gebissenen Zähnen. Er versuchte den dumpfen Schmerz in seinem Unterarm, seinen Ellenbogen und nun auch noch in seiner Vorderseite zu unterdrücken. Mit einem Aufschrei der Wut hieb er mit seiner Faust auf den unseligen Zaun und rappelte sich auf, um die Angelegenheit mit Padeiro final zu klären.
Der Almadaner hatte die Gelegenheit genutzt und sich in einem der angrenzenden Häuser versteckt.
Geron sah sich aufmerksam um und lauschte auf verdächtige Geräusche. Sein Arm und diverse andere Körperteile schmerzten. Verärgert stellte er fest, dass durch den Aufprall auf den Zaun auch sein Bauch schmerzte. 'Obwohl ich dort ja ganz gut gepolstert bin und ein scheiß Kettenhemd trage.' ging ihm mürrisch durch den Kopf.
Aus einem Haus etwa zwei Gebäude erklang ein Poltern und der empörte Schrei eines Mannes. Unmittelbar setzte sich Geron wieder in Bewegung und spurtete auf das Haus zu. Um seinen Verdacht zu bestätigen stand dort auch die Hintertür auf. Geron lief in das Haus hinein und stellte fest, dass auch die Vordertür aufstand. Im Flur lagen Feuerholz verstreut herum. Mit großen Schritten sprang Geron über das Holz und zur Vordertür hinaus. Kurz orientierte er sich.
Da, die Straße rauf war Padeiro in einer Balgerei mit einem Mann verwickelt. Der Mann hatte Padeiro am Hemd gepackt und beschimpfte ihn.
„Bleib weg von ihm.“ rief Geron.
Doch es war zu spät. Padeiro hatte schon sein Messer gezogen und rammte es mit einer schnellen Bewegung dem tapfen aber ahnungslosen Mann in den Bauch.
„NEIN!“ schrie Geron und beschleunigte.
Mit einem wütenden Brüllen rammte er Pedairo und holte ihn von den Beinen.
Beide Männer gingen zu Boden.
Geron knurrte und versuchte Padeiro zu überwältigen.
„Du …  bist …. verhaftet.“ grunzte Geron. „Gib auf.“
Durch seine Kraft und sein Gewicht bekam er in dem Ringkampf die Oberhand.
Mit einer Hand hielt er die Messerhand fest und sein Unterarm stemmte er gegen Padeiros Schulter.
Almadaner und Geweihter waren über und über mit Schlamm und Dreck bespritzt.
„Im Namen des Herrn...Praios, du bist verhaftet.“
 
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