when two lost souls meet

von Injara
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Armin Arlert Eren Jäger Hanji Zoe Levi Ackermann / Rivaille Mikasa Ackerman
19.09.2019
10.10.2019
5
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Kapitel 5 // why are you doin' this again




LEVIS PERSPEKTIVE

«BITTE, Levi… Erlöse uns alle von deiner noch schlimmeren Laune, als du eh schon immer hast und schreib dem Jungen einfach zurück, ja?» Die Rothaarige steht mit finsterem Blick und verschränkten Armen vor ihrem Chef. «Bist du nur in mein Büro gekommen um mich wütend zu machen, oder brauchst du wirklich was?» Kühl wie eh und je, aber mit einer ordentlichen Brise Verachtung blitzt er Isabel an. Natürlich hat es sich in der Firma bereits rumgesprochen, dass Herr Ackermann sich ja ach so sehr verliebt hat. Nie wieder vertraut er seiner "besten Freundin", die gleichzeitig die Mitgründerin der Firma ist. Hanji Zoe aka Brillenschlange, konnte ihren Mund einfach nicht halten. Levi konnte seine neu entdeckten, unerklärlichen Gefühle sich selbst nicht erklären, weswegen er Rat beim einzigen Menschen, dem er annähernd vertraut, gesucht hat. Die Ratschläge die er allerdings bekommen hat, passen ihm natürlich hinten und vorne nicht in den Kram... Weswegen er lieber weiter in der Weltgeschichte umhergrummelt und alle wütend macht. Selbst seine stets gut gelaunten Mitarbeiter Farlan und Isabel haben die Schnauze voll von ihm.

Die Türe geht auf und eben genannter Farlan begibt sich zu den anderen beiden, die sich in Levis Büro gegenseitig Todesblicke zuwerfen. Verlegen kratzt sich Farlan am Hinterkopf und versucht die unangenehme Aura einzubrechen. «Ehm, wir haben einen Serverausfall in der Firma Kettel. Ziemlich dringend, und so… Könntet ihr vielleicht-?» Der junge Mann mit den hellbraunen Haaren setzt ein gekünsteltes Lächeln auf und zeigt mit dem Daumen zu der Tür.
Plötzlich stürmen die beiden los, an Farlan vorbei und durch die Türe in das Grossraumbüro neben an. «Wer zur Hölle ist für die Firma Kettel verantwortlich!?» Levi schreit so laut durch den Raum, dass keiner sich mehr bewegt und alle wie versteinert stehen und sitzen bleiben. Nur eine schmale, zittrige Hand hebt sich aus der Menge in die Höhe hervor. Levi zischt irgendetwas Unverständliches vor sich hin und rennt zu der jungen Frau rüber, dessen Name er bereits wieder vergessen hat. «Weg da!» befielt er ihr, schnappt sich den Stuhl und beginnt wie wild auf die Tastatur einzutippen. Isabel steht nun auch hinter ihm und gibt ihm wo sie nur kann Inputs, damit sie das Problem so schnell wie möglich beseitigen können. Tatsächlich schaffen es die beiden, innerhalb von etwa 15 Minuten die Ursache zu finden und auch zu lösen. Anschliessen schreit Levi die junge Angestellte noch einmal an und erklärt ihr, wie wichtig dieser Kunde eigentlich sei und was sie sich da erlaube einen Fehler zu machen. Bis Hanji in den Raum stürzt und ihn an seinem Jackett zurück in sein Büro schleppt.

«Ich schwörs dir, ich reiss der den Kopf ab! Warum hältst du mich zurück Brillenschlange?!» Levi schnauft wie ein Bär. Als ob er gerade einen Marathon gelaufen wäre -  so sauer ist er. Die Braunhaarige lässt sich davon aber nicht beeindrucken. «Na weil ich keine Lust habe, dass einer unseren Angestellten uns wegen verbaler und physischer Verletzung anzeigt, ganz einfach.» Sie schwingt bestimmt den gestreckten Zeigefinger vor Levis Gesicht hin und her und grinst ihn an. «Bevor du hier irgendjemandem den Kopf abreisst, solltest du lieber mal deinen Liebeskummer in den Griff bekommen.» witzelt die Brillenträgerin. Die Augen des Schwarzhaargien verfinstern sich. «Ich hab keinen beschissenen Liebeskummer! Hör endlich auf mit der Scheisse!» erneut kichert Hanji nur vor sich hin. «Ja klar, und ein Aggressionsproblem hast du wahrscheinlich deiner Meinung nach auch nicht, pff.» Sie hält sich die Hand vor den Mund, während Levi seine Hände zu Fäusten ballt. Hanji weiss zum Glück ganz genau, dass er nie jemanden schlagen würde, wenn es nicht wirklich nötig wäre. Aber ob ihr Geschäftspartner nötig von nicht notwendig noch klar unterscheiden kann, kann sie nicht mehr zu hundert Prozent beteuern.
«Schon gut, ich bin ja still. Aber lass uns später in der Bar gegenüber was trinken gehen! Ist schon eine Weile her. Würde mir UND dir bestimmt mal wieder gut tun. Ist schliesslich auch Freitag. Ach nein warte, seit du den Kleinen nicht mehr aus dem Kopf kriegst arbeitest du ja auch Samstag und Sonntag wie ein Gestörter durch... Hab ich ja ganz vergessen.» spottet Hanji weiter. Sie zuckt kurz zusammen, als Levi aus dem Nichts wie ein Blitz von seinem Bürostuhl aufsteht. Bestimmt steht er nun vor seiner "Freundin". «Wenn ich mit dir einen trinken geh heute Abend… Hältst du dann endlich die Klappe und verpisst dich aus meinem Büro?» Hanjis Wangen färben sich rot und ihr Grinsen wird noch breiter. «Wuhuuhuu, geht doch! Also um acht in der Bar! Wehe du kommst nicht, dann hol ich dich nämlich einfach, hihi.» Streng schaut sie noch ein letztes Mal zu ihrem Kollegen, bevor sie sich umdreht und winkend das Zimmer verlässt.
Ein lauter Seufzer verlässt Levi. Womit habe ich diese ganze Scheisse verdient? Bin ich so ein schlechter Mensch, dass das Leben mir ein Streich nach dem anderen spielt? Er fährt sich mit der Hand durchs Haar und lässt sich wieder auf seinen Stuhl fallen. Für ein paar weitere Sekunden bleibt er einfach so sitzen und lässt seine Augen geschlossen. Leider hat das Vierauge nicht Unrecht. Egal was da in seinem Körper und Kopf gerade abgeht, er muss diesen "Fehler" möglichst bald beheben und dann für immer eliminieren. «Wie stelle ich das bloss an?» Alles was er weiss ist, dass der grünäugige Junge ihn einfach nicht in Ruhe lässt. Er hatte sogar erst letztes Wochenende Sex mit einem Typen im ähnlichen Alter wie Eren. Aber irgendwie konnte er es überhaupt nicht geniessen. Er war immer auf der Suche nach den Smaragdaugen, die ihn in jener Nacht mit solch einem Verlangen anblickten. Vielleicht müsste er nur noch einmal mit dem Jüngeren vögeln, damit er endgültig mit ihm abschliessen kann. Denn mehr als körperliche Sehnsucht hatte Levi noch nie empfunden und er war sich bis hier hin auch sicher, dass sich das in diesem Leben nicht mehr ändern wird. Damit er das Thema "Emotionen und Gefühle" komplett ausschliessen kann, müsste er einfach noch einmal mit ihm schlafen.
Innerlich juckt irgendwo in Levi eine kleine Freude auf. Würde er ihn wirklich wieder sehen und mit ihm erneut überragenden Sex haben? Aber was wäre danach… Das gleiche Szenario wie jetzt, oder könnte er endlich seine ersehnte, innere Ruhe finden? Die Frage ist, ob Eren ihn überhaupt noch jemals wiedersehen möchte. Schliesslich bringt diese ganze Idee nichts, wenn der Junge dabei nicht mitspielt. Wie es dem Balg wohl gerade geht? Wahrscheinlich war ihm langweilig, als er mir die SMS geschickt hat. Inzwischen hat er bestimmt schon meinen Namen vergessen oder hat einen neuen am Start. Bei den meisten Typen in seinem Alter läuft das doch eh so ab. Erst jammern und enttäuscht sein, aber der oder die nächst beste bügelt, oder besser gesagt vögelt das schon wieder gerade. Levi könnte sich gerade selbst Ohrfeigen. Dass er sich überhaupt die Zeit nimmt, so viel über dieses Balg nachzudenken, nervt ihn höllisch.

Um sieben Uhr abends beendet Levi seine Arbeit in seiner IT-Firma und macht sich auf den Weg nach Hause. Dort duscht er, zieht sich frische Kleider an und macht sich die Haare. Auch wenn er nur den ganzen Tag im Büro sitzt, hat er das dringende Bedürfnis, immer nach der Arbeit sich waschen zu müssen.
Heute geht er bewusst mit dem Taxi zum Treffen. Denn wenn seine Freundin Hanji auf die Idee kommt, "einen mit ihm trinken zu gehen", heisst das meist nichts Gutes. Für sie muss das ein Insider-Code für "heute besaufen wir uns so richtig" sein.
Als er bei der Bar ankommt, kann er schon von draussen sehen, wie die Braunhaarige drinnen wie wild winkt und sich tierisch freut. Einen Moment lang überlegt sich Levi, ob er nicht besser sofort wieder umdreht. Aber eins muss er der Brillenschlange lassen. Sie ist wie seine persönliche Therapeutin. Der einzige Mensch, der bisher zu ihm durchgedrungen ist, ohne vor ihm und seiner Vergangenheit wegzulaufen.
Drinnen setzt er sich zu ihr und findet so gleich einen Long Island Iced Tea an seinem Platz. «Ich glaub, ich verpiss mich gleich wieder.» Hanji beginnt lauthals loszulachen und klopft ihrem Geschäftspartner zwei Mal kräftig auf die Schulter. Levi atmet tief ein und wieder aus, dann nimmt er einen kräftigen Schluck von der braunen Suppe. Je schneller er trinkt, desto eher ist das ungeniessbare Gesöff weg. «Na aber hallo, genau so will ich das sehen! Noch zwei solche Schlucke und ich kann uns gleich den nächsten Long Island bestellen.» ruft sie etwas zu laut durch die Gegend. «Verschon mich mit dem üblen Fussel. Die nächste Runde bestelle ich, ist das klar?» fährt er sie grob an. Hanji allerdings grunzt nur vor sich hin und trinkt auf ex das Glas leer. «Jetzt du, mein Freund!» stichelt sie Levi an. Dieser lässt sich das nicht zwei Mal sagen, setzt den Mund ans Glas und trinkt den Resten auf einmal leer. Eigentlich weiss ich ganz genau, dass sie mich nur provozieren will. Sie kann Alkohol viel besser wegstecken als ich. Aber für heute ist es mir ausnahmsweise einfach Mal egal. Wer weiss? Vielleicht schleppe ich ja wieder mal eine hübsche Beute ab, um mich zu vergnügen. Levi kann sich natürlich nicht durchsetzen und kriegt nach der ersten Runde noch eine zweite mit einem Long Island, und eine dritte und vierte mit Tequila Sunrise vor die Nase gestellt. Alles Cocktails, die er im Normalfall niemals von sich aus bestellen würde.
Es dauert nicht lange, bis sich alles um ihn herum beginnt zu drehen. Prompt steht Levi auf, zieht sich seine Jacke über und begibt sich nach draussen. Etwas überrascht folgt ihm seine Freundin. Als sie bei ihm ankommt, kann sie zusehen, wie er eine kleine Schachtel aus dem Mantel zückt. Aus der anderen Jackentasche holt er ein Feuerzeug hervor und zündet sich eine der Zigaretten an. «… seit wann rauchst du wieder?» fragt Hanji nun doch etwas besorgt. Levi hat sich geschworen die Dinger nicht mehr anzufassen. Auch mit Alkohol geht er normalerweise viel vorsichtiger um als heute. So einfach wie heute hatte sie es fast nie, um ihn zum Trinken zu bringen. Levi nimmt einen langen Zug von dem Glimmstängel und pustet den kalten Rauch in die dunkle Nacht. Er lässt seinen Blick am klaren Sternenhimmel hängen und versucht auf die Frage eine Antwort zu geben. «Sseit mein Kopf ein eiiinziges Chaos ist.» Hanji zieht eine Augenbraue hoch. Kann sie ihn jetzt schon ausquetschen, oder ist er noch zu klar bei Verstand? Auf jeden Fall würde sie es versuchen. «Was ist denn dieses Chaos genau?» beginnt sie mit ihrer Verhörstunde. Inzwischen hat Hanji sich seitlich neben ihn gestellt, damit sie in sein Gesicht sieht. «Dieses CHAOS hat einen Namen…. Und dazu noch ein verdammt hübsches Gesicht!» ruft er fast schon in den Sternenhimmel hoch. Zum Glück würdigt er Hanji keinen Blick, denn diese muss ordentlich damit kämpfen nicht loszulachen. Nicht, weil sie ihn auslachen würde. Es ist nur so, dass sie Levi noch nie so verschossen erlebt hat. Zumindest ist sie sich ziemlich sicher, dass er das ist. Auch wenn er es auf keinen Fall zugeben würde. «Abber weisst du was, Hanji? Ich geh ihn v-vöögeln! Heute noch, ich schwöas dir!» Hanji runzelt die Stirn. «Bitte was? Du hast ihn doch seit Wochen nicht mehr gesehn, geschweige denn mit ihm Kontakt gehabt.» «Naa und? Vielleicht wenn ich noch eiinaml mit dem Teufelsjungen Sex habe, kann i-ich ihn endlich aus meinem Schädel verbbannen!» Levi lallt zwar ein wenig. Aber die Überzeugung, die in seinen Worten steckt, lässt seine Freundin erschaudern. Der Schwarzhaarige nimmt den letzten Zug seiner Zigarette und schmeisst sie auf den Boden. Er steht mit seinen weissen Sneakers auf den Stummel, und marschiert einfach los. Völlig perplex schaut die Brillenträgerin ihm hinter her und weiss überhaupt nicht was tun. Schnell rennt sie in die Bar, begleicht die offene, recht hohe Rechnung und sprintet wieder nach draussen, um Levi abzufangen. Aber als sie draussen ankommt, fehlt von diesem jede Spur.
Sie versucht so gleich ihn anzurufen. Aber zu ihrem Verwundern schaltet sofort die Combox ein. «Mit wem zur Hölle telefoniert e- … Levi Ackermann! Wehe du telefonierst gerade mit dem Jungen!» murmelt Hanji vor sich hin und läuft willkürlich eine Strasse nach der anderen hoch und runter. Weiter versucht sie ihren Freund mit ihrem Handy zu erreichen, bis endlich nach etwa  zehn Minuten die Leitung zu Levi offen ist. Es klingelt ein, zwei Mal, bis er abhebt. Hanji wartet nicht ab und spricht gleich drauf los. «LEVI! Wo verdammt steckst du?» «Im Taxxi.» «Und WO fährt diesen Taxi bitteschön hin?» «Zu dem schönen Gesicht, das ich heute noch flaachlegn werde.» Hanji muss einmal tief ein und wieder ausatmen. Das war nun wirklich nicht ihr Plan, nachdem sie ihn abgefüllt hat. Und daher fühlt sie sich für die ganze Sache hier irgendwie verantwortlich. Ausrasten bringt natürlich nichts. Es ist schon ein Wunder, dass Levi ihr bisher alles beantwortet was sie ihn fragt. «Kannst du mir sagen, wo dieses hübsche Gesicht wohnt?» versucht sie mit sanfter Stimme aus Levi herauszulocken. Doch dieser weiss nichts Besseres zu tun, als ihr einfach aufzulegen. Hanji ist sauer und versucht ihn natürlich weiter mit dem Handy zu erreichen – jedoch ohne jeglichen Erfolg. Er drückt sie jedes Mal weg oder lässt es einfach klingeln.



ERENS PERSPEKTIVE

Eren geht nervös die Wohnung hoch und runter. Da seine Wohnung recht klein ist, hat er wahrscheinlich schon 100-mal die gleiche Strecke zurückgelegt. «Was soll das ganze?» fragt er sich selbst, worauf er natürlich keine Antwort weiss.
Plötzlich sieht Eren an sich runter. Und dann noch einmal durch die Wohnung. «Shit!» Der Braunhaarige ist so überfordert von dem Telefonat mit Levi, dass er ganz vergessen hat, wie schlimm es momentan bei ihm zu Hause aussieht. Es wird wohl keine zehn Minuten mehr dauern, bis es an der Türe klingeln wird. Schnell wie noch nie verstaut er alle rumliegenden Kleider in seinem Schrank, putzt schnell sein Badezimmer und räumt Küche sowie Wohnzimmer so gut es geht auf. Er schlüpft noch rasch ihn anständige Kleider und steht nun hier wie ein Teenager, der auf sein erstes Date bei sich zu Hause wartet. Beim Telefonieren ist Eren aufgefallen, dass Levi nicht ganz beieinander ist. Und auch wenn er ihm am liebsten gleich wieder aufgelegt hätte, hat er ihm das Ok gegeben, vorbeizukommen. Tatsächlich ist es ihm lieber, wenn Levi betrunken, auf Drogen oder was auch immer bei ihm ankommt, als irgendwo draussen in der Stadt... Oder gar bei einem Fremden. Auf der einen Seite ist er sauer, weil Levi es anscheinend im nüchternen Zustand nicht geschafft hätte, sich bei ihm zu melden. Andererseits überdeckt die Freude diese ganzen negativen Gefühle, da er ihn endlich wiedersehen kann.

In Gedanken versunken bemerkt Eren erst gar nicht, dass es an der Tür klingelt. Wie ein Blitz sprintet er zum Eingang und öffnet diese dann.
«Levi was ist lo-» bevor noch Eren überhaupt ein Wort sagen kann, schmeisst sich Levi um seinen Hals und küsst ihn sofort. Er tritt mit dem einen Bein gegen die Türe, sodass diese hinter ihnen zufällt.
Eren lässt sich das allerdings nicht gefallen. Er löst sich aus dem kräftigen Griff des Älteren und drückt ihn von sich weg. «Verdammt Levi, was ist los mit dir? Du stinkst nach Alkohol und Zigaretten!» Die Stimmung ist erdrückend. Levi steht einfach nur unkontrolliert da und baumelt hin und her. «Tzz, du klingst wie meine tote Mutter, als früher mein Vater vom Saufen nach Hause gekommen is…» Erst klingt er spöttisch, aber gegen Ende des Satzes fühlte man förmlich den Schmerz in Levis Stimme. Eren weiss überhaupt nicht was hier vor sich geht. Als er versucht, auf Levi zu zugehen, stoppt dieser ihn, indem er die flache Hand gegen Erens Brust drückt. Mit der anderen Hand verdeckt er sein schmales Gesicht dahinter. «Wie tief bin ich gesunken, Eren? Ich habe mir geschworen, nie wie er zu werden…» Die leise gesprochenen Worte brechen in sich zusammen. Der Jüngere fühlt sich erst etwas hilflos... Reagiert dann aber ganz nach seinem Bauchgefühl.
Er schiebt die Hand, die auf seiner Brust ruht, von sich weg und legt sie um seine eigene Hüfte. So kann er näher an Levi herantreten, um die offene Hand auf Levis Gesicht ebenfalls zu packen und wegzunehmen. Kurz schaut er in die gläsernen, silbernen Augen des Schwarzhaarigen, bis er ihn dann in eine enge Umarmung zieht. Eren drückt ihn fest an sich und streicht mit seiner Hand sanft über dessen Rücken. Levi weint zwar nicht. Aber Eren ist überzeugt, er würde es am liebsten tun. Und alles was der Junge sich dabei denkt ist, dass er eines Tages diese eine Person sein möchte, bei dem Levi seine innersten Gefühle ausschütten kann. Egal ob mit Worten, oder mit Tränen.

Für ein paar wenige Minuten stehen sie so da, bis Eren sich von Levi löst und ihn mit zu sich aufs Sofa zieht. Er zieht ihm den dicken Mantel aus und hängt ihn bei der kleinen Garderobe auf. Bevor er zurück zum Sofa geht, holt Eren zwei Gläser aus einem Küchenschrank und eine grosse, kalte Wasser Flasche. Er schenkt Levi ein Glas mit Wasser ein und hält es ihm hin. Dieser zögert kurz, bis er es entgegennimmt und prompt in einem Zuge austrinkt. Eren füllt ihm das Glas erneut bis zum Rand auf. Derweil versucht der Junge behutsam ein Gespräch zu beginnen.
«Du bist nicht wie er.» Blitzartig schaut Levi in Erens Richtung. Eren stellt nun auch die Flasche auf dem Tisch ab und dreht sich zum Schwarzhaarigen. «Du hast schon richtig gehört. Ich kenne deinen Vater zwar nicht… und es wäre zu viel behauptet wenn ich sagen würde, ich kenn dich gut.» Er hält kurz inne, bis er dann weiterspricht. «Aber ich bin wirklich fest davon überzeugt, dass du kein schlechter Mensch bist. Ich kann nicht vieles gut und habe auch keine grossartigen Talente. Und ja, manchmal bin ich naiv und dumm. Aber etwas habe ich... Und das ist eine gute Menschenkenntnis.» Er schaut tief in die eisernen Augen von Levi. Eine Antwort braucht er nicht. Er will nur, dass er ihm zuhört. Und das tut Levi auch.
«Ich weiss nicht warum du hier plötzlich betrunken auftauchst und mich anscheinend versuchst zu verführen… Dass ich aber in deinem jetzigen Zustand keinen Sex mit dir haben möchte, wird dir wohl klar sein. Trotzdem… wenn du möchtest-» - «Ja, bitte.» Eren blinzelt wirr. Woher soll Levi wissen, wie er seinen Satz beenden wollte? «Ich bitte dich nur dieses eine Mal Eren. Lass mich bei dir bleiben. Nur für heute Nacht.» Er wusste tatsächlich was ich sagen wollte. Eren nickt bewusst und zieht Levi vom Sofa hoch hinter sich her. Er gibt ihm eine frische Zahnbürste und ein Tuch zum Duschen. Denn Levi besteht natürlich darauf, dass er nicht so "schmutzig" bleiben darf. Frisch geduscht und in viel zu grossen Kleidern von Eren, steht nun ein torkelnder Levi vor seinem Schlafzimmer.
Eren muss schmunzeln. Dieses Bild müsste man für immer festhalten und als Erpressungsmittel bereit halten. Grimmig schaut Levi auf Eren herab, der es sich bereits in seinem Bett gemütlich gemacht hat. «Wenn du auch nur ein Wort sagst, bring ich dich um!» Keift er den Jüngeren an. Anschliessen droht er ihm damit, auf dem Sofa zu schlafen, wenn er nicht endlich aufhört zu grinsen. «Viel Spass auf dem Sofa und noch mehr Spass mit den morgigen Rückenschmerzen, die dich erwarten.» kontert Eren gekonnt. Levis Mund verlässt nur ein verächtliches "Tzz", bis er sich überwindet und sich ebenfalls ins Bett legt. Sofort dreht er sich zur Seite und dreht somit Eren den Rücken zu. Eren seufzt. Er scheint den Älteren immer mehr zu durchschauen und das passt diesem natürlich überhaupt nicht.

Er fühlt die Wärme des anderen neben sich und kann nicht anders, als noch etwas näher zu ihm zu rutschen. Da Levi keinen Mucks von sich gibt, geht Eren davon aus, dass es ok für ihn ist. Bevor sein Körper den von Levi berührt, macht er aber halt. Er bleibt bei der Meinung, dass Levi bestimmt kein schlechter Mensch ist. Aber dass er einen etwas verkorksten Charakter hat, ist ihm bewusst. Noch einmal möchte er nicht so naiv sein und sich nur wegen der aktuellen Situation alles Gute zusammenreimen. Also belässt er es bei dem winzigen Abstand zwischen ihnen, um noch herauszufinden, ob dieses gewisse "Besondere" doch noch eine Chance hat. Nach einer Weile hört er, wie Levi regelmässig atmet und geht davon aus, dass er eingeschlafen ist. Kurz darauf fällt auch Eren in die Traumwelt hinein.



Der nächste Tag bricht an und Eren blinzelt vorsichtig aus seinen verschlafenen Augen. Als ihm wieder einfällt, was gestern Abend passiert ist, schaut er blitzschnell auf die andere Seite des Bettes und… findet sie leer auf.

Schon wieder. Seine Gesichtszüge entgleisen ihm und ein bestimmter Satz von gestern fällt ihm wieder ein: "Ich bitte dich nur dieses eine Mal Eren. Lass mich bei dir bleiben. Nur für heute Nacht" Und Eren willigte ein. Mit bestem Wissen, dass ihm das gleiche wie vor wenigen Wochen wieder passieren könnte. Die einzige Hoffnung ist, dass Levi bereits wach ist und sich in das Wohnzimmer gesetzt hat. Aber als Eren da und auch im Badezimmer nachschaut, findet er keine Spur von dem Schwarzhaarigen.
«Was ein Arsch…» Er hätte es wissen müssen. Und doch wollte er Levi gestern Nacht auf keinen Fall nach Hause schicken. Tatsächlich ist Eren über diese "Wendung" nicht einmal grossartig überrascht. Er wagt einen Blick auf sein Handy, ob Levi ihm vielleicht eine Nachricht hinterlassen hat. Aber dem war nicht so. Auch das verwunderte ihn nicht. Danke Levi… danke, dass du all meine Gefühle, die ich langsam in den Griff bekommen hab, wieder komplett durcheinander gebracht hast. Danke für gar nichts…
Eren könnte sich schlagen weil er in diesem Moment gerade wirklich darüber nachdenkt, ob es dem Älteren gut geht. Ob er gut nach Nachhause gekommen ist. Aber er schwört bei Gott, dass er dieses Mal keine Nachricht mehr von sich aus an ihn sendet. Nicht noch einmal würde er sich als erster melden. Es reicht.
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