In sicheren Händen

GeschichteRomanze / P18 Slash
Werder Bremen
18.09.2019
08.11.2019
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Wie immer nach dem Training war Lasse ziemlich geschafft - hier in bei Werder war es doch anders als in seinem alten Verein. Aber es war toll hier zu sein, bei Werder Bremen, eine Ehre hier zu spielen und vor allem auch eine riesige Chance. Diese Chance wollte er unbedingt nutzen - deswegen war er jetzt auch wieder auf dem Weg zum Trainingsplatz. Jetzt würde er nur zugucken - aber von den Torhütern der ersten Mannschaft konnte er sich noch so einiges abschauen.

Die erste Mannschaft war erst seit ein paar Tagen wieder zurück aus dem Trainingslager, und bisher war er noch niemandem persönlich begegnet. Klar, er hatte ein paar der Spieler schon im Vorbeilaufen gesehen, aber irgendwie hatte ihm der Mut gefehlt einen von ihnen anzusprechen.

So stand er hier beiden Fans am Zaun und sah den Großen - so dachte er tatsächlich von der ersten Mannschaft - und sah ihnen bei ihrem Training zu.

Ob er in ein paar Jahren auf dort sein und trainieren würde? Als Bundesligatorhüter? In einer Mannschaft mit so großen Namen wie Max Kruse und Claudio Pizarro?

Er wollte alles dafür tun, trainieren und lernen, um dieses große Ziel zu erreichen. Das war auch ein Grund, warum er jetzt am Zaun stand und sich sprichwörtlich die Nase plattdrückte.

Sein Blick richtete sich automatisch auf die Gruppe der Torhüter, die leider ziemlich weit hinten trainierten. Sie waren offenbar gerade fertig damit geworden sich warm zu machen und fingen nun Bälle ab, die sie sich gegenseitig zuspielten.

Die Gestalt von Jiri war gut zu erkennen. Klar, der Kerl war fast 2m groß und einfach eine beeindruckende Erscheinung. Aber auch sonst hätte Lasse ihn überall erkannt. Seine Bewegungsabläufe waren einzigartig, und jeder war schnell und präzise. Genau so sollte sein eigenes Spiel auch sein.

Er war noch weit davon entfernt, das wusste er, aber er trainierte hart um es irgendwann zu erreichen. So lange konnte er Jiri einfach nur bewundern. Lasse grinste leicht. Bewundern traf es ja nicht mal annähernd. Er hatte Werder schon immer gemocht, aber seit Jiri hier spielte, waren alle anderen Verein komplett uninteressant geworden.

Jiri war ein wahnsinnig guter Torwart - und ein sehr sympathischer Mann. Und sexy. Aber vor allem natürlich ein guter Torhüter. Allein darauf kam es an. Wenn er doch nur den Mut finden würde, ihn mal anzusprechen.

Was würde er dafür tun mal mit Jiri zusammen zu trainieren? Von diesem Mann Tipps zu kriegen!

Die Jungs aus seinem Team meinten, er solle einfach mal fragen. Es war gar nicht so ungewöhnlich, dass einer der Profis mal mit den jüngeren Spielern ne Trainingseinheit abhielt. Und grade jetzt vor der Saison war die Chance dafür noch größer.

Aber irgendwie... traute er sich nicht. Jiri war einfach... einfach wow, und er war nur Lasse, einer der vielen Nachwuchstorhüter.

Lasse unterdrückte ein Seufzen. Er war einfach zu schüchtern, grade bei Leuten, die er bewunderte oder die ihm gefielen. So wie heute, wo er die Blicke nicht von Jiri nehmen konnte - und noch nie auch nur ein Wort mit ihm gewechselt hatte. Und auch nie tun würde, dachte er düster. Er würde kein Wort rausbringen. Vermutlich würde er sogar vergessen, wie er hieß.

Er würde Jiri nur mit großen Augen ansehen und ihn allein damit nerven. Jiri war ein Mann, der hatte doch keinen Bock auf nen 18jährigen, der sich benahm als wäre er noch voll in der Pubertät.

Ein Kind in einer Jugendmannschaft, mehr war er doch nicht. Auch, wenn er bei Werder spielte und ihm von verschiedenen Leuten eine große Zukunft vorausgesagt wurde.

Lasse schüttelte den Kopf. Vielleicht sollte er nach Hause fahren. Im Moment zog es ihn nur runter hier zu stehen und Jiri zuzusehen. Er würde jetzt nach Hause fahren und versuchen nicht weiter an Jiri zu denken. Er konnte jetzt ja nach Hause fahren, aber dort würde er auch nur an Jiri denken. Also blieb er hier und beobachtete ihn weiter.

Dabei merkte er kaum, wie die Zeit verging und war überrascht, als der Trainer schließlich Schluss machte und die Jungs zum duschen schickte. Lasse löste sich von seinem Platz am Zaun und ging zusammen mit einigen Fans zu dem gepflasterten Weg, der die Jungs zur Kabine führte.

Vielleicht brachte er ja wenigstens mal ein „Hi“ raus, wenn Jiri vorbeiging? Er trug immerhin noch seine Vereinsklamotten, Jiri würde also sofort sehen, dass er nicht nur Fan war, sondern zu Werder gehörte und vielleicht deshalb stehen bleiben und mit ihm reden.

Ja, das würde er versuchen. Da vorne kamen die Spieler schon, Jiri ziemlich am Schloss. Lasse merkte, wie seine Hände feucht wurden.

Einfach nur „Hi“, das war nicht schwer, sagte er sich. Das würde doch sogar er rausbringen. Langsam kam Jiri näher und unterhielt sich dabei mit einem Kollegen, der Lasse nicht interessierte.

Unwillkürlich hielt er die Luft an, als Jiri näherkam. Gleich. Noch ein paar Sekunden, noch ein kleines bisschen...

Unauffällig räusperte er sich, und als Jiri direkt vor ihm war, krächzte er ein „Hi.“ Aber es war so leise, dass er selbst es kaum hörte und Jiri schon mal gar nicht.

Also ging sein großes Vorbild an ihm vorüber, ohne ihn überhaupt registriert zu haben.

„Scheiße“, fluchte Lasse und erntete dafür einen überraschten Blick von einem der Spieler, die gerade vorbeigingen. Martin Harnik, wie Lasse mit einem peinlich berührten Blick feststellte.

„Alles okay?“, fragte Max Kruse gleich nach - die beiden waren ja gut befreundet und gingen natürlich zusammen zur Kabine.

„Ähm... ja klar“, murmelte Lasse und wünschte sich ein Mäuseloch herbei um darin zu verschwinden. „Ich... das... ist offenbar nicht mein Tag.“

„Wird schon wieder, Kleiner“, nickte Martin ihm zu.

Lasse biss sich auf die Lippe und nahm dann allen Mut zusammen. „Ich... wollte eigentlich Jiri was fragen...“

Martin nickte. „Pavlas? Komm mal her!“, brüllte er den Weg entlang.

Lasse sah ihn fast entsetzt an. Das hatte er nun nicht erreichen wollen! Die halbe Mannschaft drehte sich um und fast alle starrten erst zu Martin und dann zu ihm.

Einer von ihnen war Jiri, der dem Spieler neben sich irgendwas in die Hand drückte und zurückkam.

Lasse versuchte tief Luft zu holen. Er musste sich jetzt zusammenreißen. Das ganz war anders gelaufen als geplant, aber immerhin hatte er jetzt Jiris Aufmerksamkeit.

„Hey“, grüßte Jiri ihn, als er vor Lasse stand. „Was gibt es?“

Lasse schluckte. „Hi“, sagte leise. „Ich... ich...“

Freundlich sah Jiri ihn an. „Ja?“

Erneut holte Lasse tief Luft. „Also, ich bin Lasse und Torhüter. Und naja, ich bin grad hergewechselt und neu hier und... ein paar Jungs aus meiner Mannschaften meinten, dass ihr manchmal ein paar Einheiten mit ihnen trainiert. Wenn ihr Zeit habt und so. Und da wollte ich einfach mal fragen, ob du... das auch machst?“

Jiri hob eine Augenbraue. „Lasse? Du bist in der A-Jugend, oder? Können wir gern mal machen.“

„Echt?“ fragte Lasse. „Das... das wäre toll!“

„Klar. Ich habe gerade mein Handy nicht dabei, aber wenn du morgen nach dem Training wieder hier bist, können wir mal einen Termin ausmachen.“

Lasse nickte sofort. „Ich bin da, versprochen.“

„Schön. Dann noch einen schönen Nachmittag“, wünschte Jiri, nickte ihm noch einmal zu und machte sich dann erneut auf den Weg zur Kabine.

Dabei sah er noch einmal kurz zurück zu Lasse und lächelte ihm zu. „Na, da haste aber einen echten Fan“, bemerkte Martin, der nun neben ihm ging.

Jiri grinste ihn an. „Das Gefühl habe ich auch. Aber dann ist er auch wirklich leicht glücklich zu machen.“

„Sind die Jungs meistens. Aber wenige sind dabei so schüchtern. Ich habe den Jungen schon öfter am Zaun stehen sehen“, sagte Max, der auf Jiris anderer Seite ging.

„Ich auch“, nickte Jiri. „Vielleicht sollten wir Torhüter mal weiter vorne trainieren, damit er auch was sehen kann.“

„Oder wir fragen Flo mal, ob der Kleine nicht einfach rein kommen kann. Wäre auch nicht das erste Mal, dass wir einen der U-Spieler am Rand sitzen haben.“

„Gute Idee“, nickte Hanno, „Dem Kleinen würde es echt viel bedeuten, denke ich.“

Jiri nickte nur. Klar, der Junge war ihm auch schon öfter aufgefallen. Er drückte sich bei fast jeder Einheit die Nase am Zaun platt. Ein Sonderplätzchen am Spielfeldrand würde ihm sicher sehr gefallen.

In ein paar Tagen würde er auch Zeit finden, ein bisschen mit ihm zu trainieren. Damit würde der Kleine dann wohl zufriedengestellt sein.

Jiri nickte, so würde er das machen. Manche Leute waren wirklich leicht glücklich zu machen, überlegte er.

„Frag Flo doch gleich“, schlug Max vor.

Jiri nickte, „das mach ich“, beschloss er. Gemeinsam mit Max und Hanno ging er zur Kabine, duschte, und suchte dann seinen Trainer auf.

„Jiri, komm rein“, rief Florian, als Jiri an der geöffneten Tür des Büros klopfte um sich bemerkbar zu machen.

„Hey, ich habe da ne kleine Bitte...“

„Worum gehts?“ fragte Florian überrascht.

„Da ist dieser Torwart aus der A-Jugend, Lasse irgendwas... Ich glaub, der würde gern mal beim Training zusehen. Er steht immer wieder bei den Fans. Und er würde sicher auch davon profitieren.“

„Lasse irgendwas, soso“, lachte Florian.  „So ein großer Blonder?“

„Ja, genau der.“

„Lasse Hartmann“, nickte Flo. „Das wird sich wohl einrichten lassen.“

„Das wird ihn sicher freuen.“

„Dann hat er dich also endlich angesprochen?“

„Oh, du wusstest davon? Hanno hat ihn wohl angesprochen - er scheint ein wenig schüchtern zu sein.“

„Es ist mir nur aufgefallen, weil er jeden Tag beim Training zusieht. Und meistens das Torhütertraining besonders beobachtet.“

„Ja, er scheint sich da wohl was abgucken zu wollen.“

„Das ist kein schlechter Plan. Und bei dir lernt er vom Besten.“

„Naja“, zuckte Jiri mit einer Schulter.

„Nicht so bescheiden Jiri. Das ist nur die Wahrheit.“

„Noch einmal zuckte Jiri mit der Schulter, ihm war dieser Hype nicht so ganz geheuer.

„Dann sag dem Jungen mal, dass er morgen offiziell zum Training eingeladen ist“, sagte Florian. „Und dann ab mit dir und genieß deinen Feierabend.“

„Danke, dir auch. Bis morgen.“

„Bis morgen“, verabschiedete sich Florian.

Jiri verließ das Büro mit einem Lächeln, er freute sich darauf Lasse mit der Einladung zu überraschen. Er würde sie ihm zwar erst morgen erzählen können, aber das würde Lasses Freude wohl keinen Abbruch tun.

Mit diesem guten Gefühl fuhr Jiri nach Hause.
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