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Just need hope

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
OC (Own Character) Volta
16.09.2019
13.10.2019
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3.480
 
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Alles was ich sehen konnte war schwarz. Mit einem kühlen Hauch spürte ich, wie mir der Wind an den Wangen entlang striff und die Sonne meinen Körper erwärmte.
In der Ferne hörte ich ein Kinderlachen, aber dieses schien zu surreal zu sein, es schalte und schien mehr Traumhaft. Es war nicht das erste Mal das ich mich in dieser Situation wiederfand und als ich mir dessen bewusst wurde öffnete ich schließlich meine Augen.
Es war ein schöner Sommertag und am Himmel zeigte sich keine Wolke. Als ich mich umsah, sah ich, dass ich auf einer großen Lichtung in mitten eines Waldes stand.
Leise ertönte wieder das Lachen und ich blickte zu einem kleinen Mädchen, dass in der Ferne auf der Lichtung spielte. Ihr weißes Rüschenkleid leuchtete förmlich in der Sonne und ich musste bei diesem Anblick lächeln. Ich wusste, dass sie sicher war und glücklich ist und das bedeutete mir viel. ...Wirklich viel.
Plötzlich wurde für mich wieder alles schwarz und ich schreckte in meinem Zimmer aus dem Schlaf auf. Gleich spürte ich Schmerzen in meinem Rücken. „Na toll“, murmelte ich gähnend, wiedermal bin ich an meinem Schreibtisch eingeschlafen und mein Rücken bedankte sich natürlich liebevoll dafür.
Mit einem leisen quietschte vom Stuhl streckte ich mich und sah auf meinen Schreibtisch, worauf einige beschriebene Blätter verteilt lagen. Ich schrieb seit Tagen nur noch an einer Sache. In einem Monat war der Todestag meiner kleinen Schwester und ich hatte mir vorgenommen, wie jedes Jahr, eine Rede zu halten. Ich wollte, dass sie perfekt wurde, deswegen war ich in der letzten Zeit nur noch damit beschäftigt und vergaß dabei auch gerne meinen eigenen Geburtstag, welcher in paar Tagen für mich anstand.
Um ehrlich zu sein war ich kein Zug, der gerne Geburtstag feierte, für mich war es ein Tag wie jeder andere, nur das man ab den Tag offiziell ein Jahr älter war. Es lag vielleicht auch daran, dass ich vor allem meinen Geburtstag nicht gerne gefeiert habe, weil die letzten alle schrecklich enttäuschend waren und ich anfing nichts mehr wirklich zu erwarten.
Zu meinem 18. Geburtstag zum Beispiel sagte mir meine Mutter, dass sie den ganzen Tag nicht da sein wird, so wäre ich an diesem Tag eigentlich alleine geblieben, da mein Vater auch auf Reisen war. Glücklicherweise hatte mich meine beste Freundin jedoch gepackt und wir haben etwas zusammen unternommen, damit ich nicht den Tag alleine verbringen musste.

„Ich werde noch zuspät kommen!“, schreckte ich auf, als ich auf meine Uhr sah und sprang vom Schreibtisch auf. Schnell legte ich die Blätter auf dem Schreibtisch noch ordentlich zusammen und rollte danach auf direkten Weg ins Badezimmer.
Mit koordinierter Eile machte ich mich frisch und zog mich an. Schnell noch blickte ich in den Spiegel, um zu schauen, ob alles gut sitzte. Keine Falten in der Kleidung, keine Flecken, keine zerzausten Haare und bloß keine Zahnpaster am Mundwinkel, dass machte meine Mutter nämlich wahnsinnig.
Mit einem erleichterten Lächeln warf ich noch einen Blick auf die Uhr und sah, dass ich noch 6 Minuten hatte um pünktlich um 10 Uhr zum Frühstück zu kommen „Für einen Schlafwaggon, bin ich ganz schön flott.“
Schnell noch überflog ich mein großes Zimmer um sicher zu gehen, dass alles an seinem Platz war, ich konnte es nämlich nicht wirklich haben, wenn etwas nicht so war, wie ich es haben wollte, vor allem, wenn es um meine Ordnung geht. Alles hat seinen Platz und alles sollte auch genau dort bleiben.
Mit einem nicken drehte ich meinem Zimmer den Rücken zu und rollte aus dem Raum.

Im Wohnzimmer am Esstisch wartete bereit meine Mutter. Mit ihren Nägeln tippte sie ungeduldig auf das Holz des Tisches.
Kurz war ich mir nicht sicher, ob ich wirklich pünktlich war, aber ein kurzer Blick auf die Uhr versicherte mir, dass ich noch 3 Minuten hatte.
Mit einem freundlichen „Morgen“, setzte ich mich zu ihr und bemerkte erst dann, dass mein Vater noch nicht da war.
„Wo ist Vater?“, fragte ich meine Mutter, welche gleich einen stechenden Blick auf mich richtete. Sie sah von außen meistens sehr nett aus und so würden sie auch sicher Aussenstehende beschreiben, da sie sich bei den meisten auch als nett Ausgabe. Wenn aber mein Vater und ich mit ihr alleine waren, zeigte sie gerne ihre strenge und kühle Seite. Sie war ein 1. Klasse-Waggon, sie hat es scheinbar gemeistert Charmant zu sein, wenn sie bei Andern in einem guten Licht stehen wollte.
Ich sollte so nicht über meine Mutter sprechen, aber es war trauriger Weise wahr.

„Dein Vater kommt gleich.“, antwortete sie mir mit strengen Ton bevor sie mit einem prüfenden Blick ihre Augen an mir hoch und runter Streifen ließ, was sie wenig später die Stirn runzelte ließ, als sie meine leichten Augenrigen entdeckt, die ich so gar nicht wahrgenommen hatte „Warst du mal wieder die ganze Nacht wach? Quinn, was sollen die Anderen von dir denken, wenn sie deine Augenrige sehen? Du bist doch kein armer Frachter.“

„Ich war nicht die ganze Nacht auf, gegen 2 Uhr bin ich spätestens eingeschlafen.“, verteidigte ich mich gleich „Heute Nacht werde ich früh ins Bett gehen, dann sind die Augenringe wieder weg.“

Kopfschüttelnd verschränkte meine Mutter die Arme vor der Brust „Wir sind heute zum Tee trinken eingeladen, da hilft dir dein Schlafen am Abend auch nichts mehr. Ich gebe dir gleich etwas Make Up, dann überdeckst du dir die Augenringe bevor wir los fahren.“

Mit einem tiefen seufzen nickte ich, da ich genau wusste, dass ich gegen meine Mutter nicht gewinnen konnte, wenn es ums diskutieren ging.
Sobald sie etwas verlangte, bestand sie so fest darauf, dass dies auch gemacht wurde, dass sie wirklich nicht aufhörte einen dazu zu drängen.

Ein Stille brach zwischen mir und meiner Mutter aus, bis wir die Tür unseres Depot aufgehen hörten. Gleich begann ich zu lächeln, da ich wusste, dass das mein Vater war.
Ich hatte mit meinem Vater eine wirklich gute Bindung und er verteidigte mich immer, wenn meine Mutter wieder schimpfte, was ich sehr an ihm schätzte.

„Ich habe das Gefühl in letzter Zeit wollen alle Zeitungen haben.“, grummelte mein Vater und ich konnte seine schmollende Art aus seinem Ton raushören. Ich sah ihm zu, wie er sich mit an den Tisch setzte. Er war eine Diesellok und für sein Alter noch wirklich ganz gut ein Frauenschwarm.
„Seitdem es eigene überfälle von diesen Piraten gab, wollen alle so viel erfahren wie sie können. Alle reißen sich um die Zeitungen, furchtbar.“, sein Blick landete mit diesen Worten auf mir und er schenkt mir ein Lächeln „Guten Morgen, Quinn.“

Mit einem gut gelaunten „Morgen.“, antwortete ich ihm.
Mein Vater holte sich jeden Morgen eine Zeitung und las diese, aber seitdem eine Gruppe an Zügen ihr Unwesen trieb, waren diese ständig ausverkauft. Ich hatte letztens noch gehört, dass diese von den Medien genannten "Piraten", eine alte Frau bedroht hatten und ihr das Geld geklauten. Es sollten wohl viertausend Euro gewesen sein. Ich frage mich, wie man sowas nur tun konnte.

„Reg dich jetzt nicht darüber auf. Die betroffenen Bahnen werden sicher schnell gefasst und du kannst dir wieder deine Zeitung kaufen.“, versicherte meine Mutter meinen Vater „Jetzt lasst uns endlich frühstücken, ich warte schon lang genug.“

Mein Vater und ich nickten und wir drei frühstückten in Ruhe zusammen. Nachdem wir fertig waren und alles weg- und aufgeräumt hatten, gab mir meine Mutter etwas an Make Up, damit ich mir meine Augenrige verdecken konnte.
Etwas widerwillig nahm ich das Make Up entgegen und rollte in mein Zimmer. „Die Augenringe fallen doch nur meiner Mutter auf.“, murmelte ich, als ich mein Gesicht genauer im Spiegel betrachtet. Ich sah wirklich nichts, was groß auffallen könnte, aber bevor es mit meiner Mutter noch Theater gab, tat ich was sie von mir verlangte.

Nachdem ich fertig war und kurz noch an meiner Rede für meine Schwester gearbeitet hatte, kam meine Mutter nach einem kurzen Klopfen in mein Zimmer „Bist du soweit? Wir wollen jetzt los zu White.“

Nickend stand ich auf und rollte mit ihr zu meinem Vater, der bereits an der Depottür stand. Mit einem auffordernden „Ankuppeln.“, drehte er uns den Rücken zu. Meine Mutter hang sich gleich hinten an ihn ran und daraufhin ich mich an meiner Mutter.

Ich war wirklich kein Fan davon mich bei Bekannten meiner Eltern hinzusetzen und zu tratschen. Meistens wurde dort eh nur angegeben, was die Kinder alles können und bereits gemacht haben.
Es brauchte auch nicht lange, da saß ich bereits mit meinen Eltern bei White im Wohnzimmer und waren am reden.
„Quinn hat jetzt seine Ausbildung fertig gemacht und ist ein richtiger Vorzeigekanidat.“, prahlte meine Mutter in hohen Tönen „Er ist richtig zuverlässig und arbeitet sehr genau. Ich bin so stolz auf ihn.“

„Das kannst du auch sein, ihr habt einen wahren Gentleman als Sohn.“, bestätigte White, welche wie meine Mutter ein 1. Klasse-Waggon war. Als meine Mutter und sie jünger waren, haben sie zusammen ihre Ausbildung gemacht und waren seit dem beste Freundinnen „Er wäre wirklich ein guter Mann für meine Tochter.“

Mir stockte kurz der Atmen, als ich das hörte, machte mir aber nicht viel daraus, bis meine Mutter wieder anfing zu reden.
„Deine Tochter ist auch wirklich ein anständiges Kind. Sie ist jetzt 19, habe ich recht?“, fragte meine Mutter und überschlug derweil die Beine „Quinn ist jetzt 20 und wird die Tage 21. Leider hat er bis jetzt niemanden gefunden, mit der er sein Leben teilen könnte.“

Langsam wurde mir etwas flau im Magen, als ihn ihnen so zuhörte. Ich hatte keine Freundin, dass stimmte, aber ich wollte zur Zeit auch keine, was ich auch gleich mit einbringen wollte „Ich konzentriere mich erstmal auf meine Laufbahn, bevor ich mir jemanden suchen möchte.“

Gleich schüttelte meine Mutter den Kopf „Je länger du wartest, desto schwieriger wird es für dich eine Frau zu finden. Dein Vater hat mich auch mit 20 geheiratet, damit wir anfangen konnten eine eigene Familie zu gründen.“
Demonstrativ nahm sie die Hand meines Vaters und lächelte ihn an „Anfangs war es holprig, aber wir haben schnell gemerkt, dass wir füreinander bestimmt sind.“

„Rose hat mir auch schon mal erzählt, dass sie dich süß findet, Quinn.“, gab White an und fing wie meine Mutter an zu lächeln „Da du jetzt Geburtstag hast, würde ich dir gerne meine Tochter an die Hand legen. Ihr werdet sicher eine ehrenhafte Familie gründen und ihr werdet sicher sehr glücklich sein.“

Geschockt sah ich meine Eltern, wie auch White an „D-Das ist nett gemeint, aber ich möchte das nicht.“

Mit einem sanften Griff legte meiner Mutter mir eine Hand auf den Schoß „Es ist für dich jetzt vielleicht so plötzlich zu viel, aber du solltest es annehmen. Denk an deine Zukunft.“

„Nein!“, widersprach ich meiner Mutter und stand auf „Ich möchte noch keine Partnerin haben. Ich bin noch jung und auch ohne Freundin glücklich!“

„Quinn, setzt dich und benimm dich!“, fauchte meine Mutter, die nun von mir verärgert war „Später findest du keine Frau mehr, weil du zulange gewartet hast. Willst du uns bloßstellen?“

Überfordert sah ich zu meinem Vater und hoffte, dass er was da zu sagte, aber auch er beharrte darauf, dass ich Rose zu meinem Geburtstag heiraten sollte. Ich konnte nicht glauben, dass meine Eltern mir das antun wollten und ich war mir sicher, dass auch Rose es nicht freiwillig machen würde.
Länger konnte ich meinen Eltern nicht mehr ins Gesicht sehen und rollte eilig aus Whites Depot. Ich hörte noch, wie meiner Mutter mir wütend nach rief, da ich einfach fuhr, aber konnte man mir das gerade wirklich übel nehmen?

Es war mitlerweile Mittag und ich rollte alleine über die Gleise nach Hause. Ich wusste nicht, was ich tun oder denken sollte. Natürlich wollte ich meinen Eltern Stolz bringen aber gleichzeitig war das, was sie von mir verlangten, zuviel für mich. Ich fühlte mich nicht bereit dafür. Ich hatte bis da auch noch keine Beziehung gehabt und dann sollte ich gleich Heiraten?

Tief seufzte ich, als ich in der Ferne eine Dampflok sah, die etwas abseits der Schienen auf der Wiese saß. Ich erkannte ihn sofort, er lebte bei mir auf dem gleichen Bahnhof und er tat mir sehr oft wirklich leid.
Der Bahnhof, auf dem ich mit meinen Eltern lebte, war ein sehr Moderner. Dort lebten viele Luxuszüge aber auch Pit, welcher eine alte und runtergekommende Dampflok war. Er war früher eine wirklich gut angesehende Lok, aber seitdem seine Frau gestorben war und er offen dazu stand auf beide Geschlechter zu stehen, behandelten ihn die andere Züge wie Dreck.
Langsam rollte ich auf ihn zu und setzte mich neben ihn. Ich war immernoch bedrückt, rang mir aber für ihn ein Lächeln ab „Wie geht es dir, Pit?“

Mit einem rauen Husten sah Pit zu mir und lächelte zurück „Mir geht es dem Umständen entsprechend. Ich sehe aber, dass es dir nicht so gut geht. Was ist los mein Junge?“

Wieder musste ich tief seufzte und ließ den Kopf hängen „Was würdest du tun, wenn deine Eltern dich zu einer Hochzeit drängen würden...?“

„Was ich da tun würde?“, überlegend sah Pit in den Himmel „Ich würde versuchen meinen Eltern klar zu machen, was ich davon halte. Hm, wenn sie mich weiter dazu drängen würden, würde ich ganz einfach meinen Weg gehen.“
Sein Blick landete wieder auf mir „Ich weiß, dass du deine Eltern nicht enttäuschen möchtest, aber achte in erster Linie auf dich und deinem Wohlergehen. Wenn deine Eltern enttäuscht sind, weil du deren Plan nicht zustimmst, geht es ihnen schlecht damit und nicht dir. Du musst immer darauf achten, wie du dich wohl fühlst und nicht, wie es Andere tun. Ich fühle mich auch wohl, so wie ich bin und wenn es Anderen nicht passt, mein Gott, dann habe ich etwas womit ich die Spießer ärgern kann.“

Leise kam eine Lachen aus mir heraus. Ich mochte Pit wirklich, er war wie ein zweiter Vater und man konnte mit ihm wirklich über alles reden. „Ich werde später mit meinen Eltern nochmal darüber reden.“, ich hoffte einfach, dass sich das Thema so wieder legte.

„Du hast bald Geburtstag, was wünscht du dir eigentlich?“, fragte Pit und sah mich neugierig an „Ich möchte dir etwas schenken.“

Gleich schüttelte ich den Kopf und winkte ab „Du brauchst mir nichts zu schenken, dass was ich mir wünsche ist sowieso lächerlich.“

„Das ist es sicher nicht.“, bestärkte er mich „Ich bin nicht wie deine Eltern, ich verurteile deine Wünsche nicht.“

Da hatte er vermutlich recht, aber ich schämte mich dennoch. Als Teil des Orent Express sollte man sich bei gewissen Dingen nicht sehen lassen. Traurig zupfte ich etwas am Gras rum „Nun... Du hattest mir ja mal von der WM erzählt. Meine Eltern finden das lächerlich und würden mich dort nie hinlassen. Die lassen mich das noch nicht einmal im Fernsehen sehen, obwohl ich es nur einmal sehen will.“

Lachend legte sich Pit eine Hand auf den Bauch. Ich dachte direkt, dass er mich auslachte und ich wurde beschämt rot. Als ich meine Beine anzog beruhigte er sich wieder und lächelte breit „Ich habe gehofft, dass du das sagst. Ich habe dir nicht um sonst davon erzählt. Alle hier sagen dir, dass das perfekt Leben das ist, was du hier führst, aber das stimmt nicht. Es wäre für mich eine große Ehre, wenn ich dir diesen Wunsch erfüllen darf und dir zeigen kann, was das Leben alles bietet.“

Er machte mich gleich neugierig, als er davon erzählte, dass das Leben noch mehr zubieten hatte „Aber was ist mit meinen Eltern?“

„Deine Eltern? Du bist bald 21 und kannst dein Leben selbst bestimmen. Wenn du etwas machen möchtest, dann los. Du bist doch nicht ewig Jung. Rede mit deinen Eltern und sah ihnen klipp und klar ins Gesicht, was du dir an deinem Geburtstag wünschst!“, mit einem nicken unterstrich Pit seine Aussage und letztendlich stimmte ich ihm zu. Er wird langsam Zeit meinen Eltern auch meine Bedürfnisse klar zu machen.

Abends rollte ich zuhause ins Depot, wo meine Eltern bereits gewartet hatten. Mein Vater kam gleich auf mich zu „Quinn, wo warst du so lange, wir haben uns Sorgen gemacht!“

Ich wollte nicht lange drum herum reden und antworten nicht auf meinen Vater. Einmal atmete ich nochmal durch und kam gerade heraus „Ich möchte Rose nicht heiraten und ich möchte es grundsätzlich erst dann, wenn ICH mich dafür bereit sehe. Ich kenne Rose kaum und nur weil ihr und White der Meinung seid, dass würde mir gut tun, heißt es nicht, dass ihr wirklich wisst, ob es mir gut tun, denn das tut es nicht.“

„Quinn, bist du schwul?“, fragte plötzlich meine Mutter aus dem Nichts.

„Was?!“, schreckte ich auf. Ich hatte keine Ahnung woher sie damit auf einmal so einfach kam „Ich bin nicht schwul, wieso fragst du sowas?“

„Deine Mutter und ich wissen, dass du dich gut mit Pit verstehst und eigentlich sollte es doch eine gute Nachricht sein, wenn wir dir eine Frau suchen.“, gab mein Vater an und achtete sehr auf einen sanften Ton.

Meine Mutter jedoch kam näher zu mir und sah mich ziemlich kritisch an „Du wirst Rose auch heiraten, dass ist beschlossene Sache. Wir werden bis zu deinem Geburtstag alles planen, damit du an deinem Geburtstag heiraten kannst.“

„Ich möchte aber nicht! Ich werde 21, ich bin noch jung und habe noch genug Zeit mir eine Frau zu suchen, die ich liebe! Zudem, nur weil ich mich mit Pit verstehe heißt es nicht, dass ich automatisch schwul bin! Was ist das bitte für eine Aussage?“, fing ich an etwas zu keifen. Ich kannte es von meiner Mutter, dass sie mich ständig zu etwas drang, aber das jetzt auch mein Vater da mit machte traf mich hart „Mutter, du solltest mal anfangen dein Kind zu verstehen! Und Papa? Das du da mit machts finde ich enttäuschend!“

Ehe ich diese Worte ausgesprochen hatte, spürte ich plötzlich einen brennenden Schmerz auf meiner Wange.
„Sanem!“, hörte ich meinen Vater entsetzt rufen, als mir bewusst wurde, dass meine Mutter mir gerade eine Ohrfeige gegeben hatte.

„Halt dich zurück, Kale!“, gab meine Mutter streng an, wodurch mein Vater widerwillig einen Meter zurück rollte. „Wir ziehen dich groß und wollen, dass es dir gut geht! Wir treffen Entscheidungen, die dich später im Leben weiterbringen werden! Du wirst sie heiraten, Punkt! Jetzt geh auf dein Zimmer und denk drüber nach, was du falsch gemacht hast!“

Mit ihrem Finger zeigte sie auf mein Zimmer, doch ich stand noch perplex von der Ohrfeige vor ihr und schüttelte langsam den Kopf. Leise kam es murmelnd aus mir heraus „Was ich falsch gemacht habe...? Ich sage nur, was ich für mich möchte...und du schlägst mich einfach?“
Das war das erste Mal, dass meine Mutter mich geschlagen hatte und ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte. Mir schmerzte noch immer die Wange, welche auch deutlich rot war und sah ihr ins Gesicht „Ich will an meinem Geburtstag nicht jemanden heiraten, ich möchte zu meinem Geburtstag den Wunsch haben die WM zu seh...“ weiter kam ich nicht, als ich nun auch auf meiner anderen Wange den gleichen Schmerz spürte.
Irritiert von meinen leeren Gedanken sah ich auf den Boden, ehe mich meine Beine fast wie von selbst aus dem Depot trugen. Mir standen Tränen in den Augen, als ich über die Schienen weg fuhr. Ich war ein Waggon und kam ohne Lok nicht weit, aber trotzdem versuchte ich soweit von zuhause gezukommen, wie es für mich möglich war. Ich wollte gerade einfach nicht in der Nähe meiner Eltern sein, die mir mein Leben festlegten ohne auf meine Wünsche zu achten.

Ich rollte bis spät Nachts über die Schienen, als ich aus der Ferne Musik wahrnehmen konnte. Wo ich zu dem Zeitpunkt war wusste ich nicht. Alles war dunkel und ich konnte nichts ausmachen, dass mir weiterhelfen konnte. Das einzige, dass ich wirklich wahrnahm war die Musik, die langsam lauter wurde und ehe ich mich versah spürte ich, wie die Schienen anfingen zu vibrieren. Ich hoffte auf Hilfe zu stoßen, damit ich meinen Weg nach Hause fand, da es schien, dass ein Zug auf mich zu kam.
Erleichtert an diesen Gedanken blieb ich stehen und wartete, dass der Zug näher kam, welcher auch wenig später mit grellen Licht auf mich zu kam. Ich wollte zwar ungerne zurück nach Hause, wegen meiner Mutter, aber wo sollte ich sonst hin? Ich hatte kein Dach über den Kopf.

Das Licht der Lok blendet mich so sehr, dass ich nicht erkennen konnte, wer eigentlich vor mir zum stehen kam. Mit etwas zugekniffenen Augen versuchte ich besser zu sehen und bemerkte dadurch nicht, dass hinter mir ein weiterer Zug zum stehen kam. Ehe ich mich versah wurde mir von dem Zug hinter mir, ein Sack über den Kopf gestülpt und etwas hartes traf mich auf den Kopf. Mir wurde schwarz vor Augen und dumpf konnte ich noch die Stimme von einem der Bahnen hören, bevor ich komplett das Bewusstsein verlor.

„Das gibt sicher gutes Lösegeld~“
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