The Girl in her Bathtub

von Votani
OneshotRomanze / P16
Lucy Heartfilia
15.09.2019
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Lucy stößt den Atem aus und er nimmt die Form eines Seufzens an. Ihre Arme strecken sich dem blauen Himmel entgegen, während die ersten Sonnenstrahlen an diesem Morgen die Straßen von Magnolia fluten. In ihnen liegen Schutt und Asche, doch die Mehrzahl der Gebäude stehen noch, worüber Lucy froh ist.

Magnolia hat den Angriff des Alvarez Empires überstanden, das ist alles was zählt. Es hat einige Momente gegeben, in denen Lucy kaum mehr damit gerechnet hat und in denen es schwer gewesen ist, an der Hoffnung festzuhalten. Doch das ist nun vorüber und nun gilt es, den Wiederaufbau zu starten und sich der Zukunft zuzuwenden. Lucy weiß auch bereits, was sie mit ihr anfangen wird. Sie hat einen Plan, ein Ziel, und dank Hibiki von Blue Pegasus und seinem Archive hat sie auch die nötigen Informationen. Glücklicherweise hat Lucy dem Möchtegerngentleman noch auflauern können, bevor seine Gilde abgerückt ist.

Mit dem zusammengefalteten Papier in der Hand spaziert sie durch Magnolias Straßen. Weit ist es bis zu ihrer alten Wohnung nicht und sie balanciert auf dem Gestein am Hafen entlang. Das kleine Fischerboot und die Rufe, dass sie auf sich Acht geben soll, fehlen ihr instinktiv, obwohl sie weiß, dass alle im Moment Wichtigeres zu tun haben.

Ihre Wohnung begrüßt sie mit Stille, was nicht verwunderlich ist, weil sie gerade eben erst Natsu, Happy und die anderen in der Gildenhalle zurückgelassen hat, um ihre eigenen Vorbereitungen zu treffen. Wenigstens würde sie nicht allein aufbrechen müssen, denn ihr Team hat eingewilligt sie auf ihrer kleinen Reise zu begleiten, um sich zusammen mit ihr in ein weiteres Abenteuer zu stürzen.

Allein bei dem Gedanken daran klopft ihr Herz, denn sie waren in dem Jahr, in dem Fairy Tail aufgelöst worden ist, zu lange einzeln unterwegs gewesen. Lucy kann die Einsamkeit, die sich in der Zeit angesammelt hat, noch immer in ihrem Inneren spüren. Das Gefühl ist schwächer und vergangen, doch besitzt noch immer scharfe Ecken und Kanten.

Ein schwaches Lächeln zieht an ihren Mundwinkeln und sie wischt sich mit einer Hand über die Augen, als sie ihre Tasche und das kleine Schriftstück, das Hibiki ihr gegeben hat, auf dem Tisch ablegt. Ihr Blick klebt an dem zusammengefalteten Zettel und es juckt ihr in den Fingern ihn sich noch einmal anzusehen. Er signalisiert ein Wiedersehen, dem Lucy entgegenfiebert.

Bevor sie jedoch dem Impuls nachgeben kann, hört sie das bekannte Dröhnen der Röhre in der Wand. Es ertönt immer, wenn sie im Badezimmer den Wasserhahn der Dusche aufdreht, nur befindet sich Lucy gerade in ihrem Wohnzimmer und sie ist allein zu Hause.

Eine Augenbraue hebt sich kritisch. Das sind doch bestimmt wieder Natsu oder Happy, die sich irgendwie wieder in die Wohnung geschlichen haben. Sie fühlen sich immer wie zu Hause, fast so, als würden sie Lucy beim Zahlen der Miete helfen.

Die Wut kocht in ihrem Bauch. Lucy stapft in die Richtung des Badezimmers und reißt die Tür auf, darauf gefasst einen nackten Natsu unter ihrer Dusche vorzufinden. Ehe Lucy jedoch auch nur einen Fuß ins Bad gesetzt hat, friert sie ein und ihre Finger festigen sich um den Türknauf, bevor sie sich entspannen.

„B-Brandish-chan…?“, stammelt Lucy und betrachtet die junge Frau, die in ihrer Badewanne sitzt und ein viel zu vertrautes Bild abgibt. Ihre erste Begegnung, die genau hier unter denselben Umständen stattgefunden hat, ist gar nicht so lange her. Doch seitdem ist eine Menge geschehen… und Lucy weiß nicht, warum oder seit wann sie Brandishs Namen ein -chan hinzugefügt hat.

Lucy errötet unter Brandishs vorwurfsvollen Blick. Sie hat die Knie an ihren nackten Körper gezogen, den das Wasser nur bis zur Hälfte bedeckt. Ihre Haare hängen ihr in die Augen, als sie zu Lucy hinüberschielt.

„Was… Was machst du noch hier?“, erkundigt sich Lucy. „Ich dachte, du bist längst den Weg nach Hause.“

„War ich“, gesteht Brandish und zieht einen Schmollmund. Ihre Arme schlingen sich um ihre Knie und sie bettet das Kinn auf einem Arm, den Kopf in Lucys Richtung gedreht. „Aber du hattest noch etwas zu sagen.“ Eine Pause folgt und von Brandishs Gesichtsausdruck ist abzulesen, dass das hier eine Folter für sie ist, ein selbstauferlegtes Verhör. „Als wir uns verabschiedet haben, meine ich. Du wolltest etwas sagen, aber du hast es nicht getan.“

Lucy blinzelt verwirrt und starrt sie an, bis Brandish ein ungeduldiges Schnaufen ausstößt. Sie sieht auf die Wasseroberfläche hinab, die leichten Schaum trägt. Ein Rotschimmer bildet sich unter Lucys Blick auf ihren Wangen.

„Du hast recht, Brandish-chan“, sagt sie schließlich langsam und Brandishs Augen wandern wieder zu ihr hinauf. „Ich wusste nicht, wie es dir sagen sollte“, redet Lucy weiter und verschränkt die Finger beider Hände ineinander, um die Nervosität zu stillen. Brandish und sie verbindet eine Menge, doch sie weiß, dass Brandish ihre eigene Geschwindigkeit hat, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht. Aquarius hat sie darauf aufmerksam gemacht. Sie will Brandish nicht unter Druck setzen, nichts riskieren, sondern an den Gefühlen festhalten, die ihr Inneres beherrschen, wenn sie in das Gesicht der anderen Frau schaut. „Aquarius hat mir erzählt, dass ihr Schlüssel wiedergeboren wurde. Irgendwo auf der Welt. Ich habe ihr versprochen, dass ich sie finden werde.“ Lucy lächelt bei ihren Worten, denn das Versprechen ist ihr wichtig, Aquarius ist ihr wichtig, genauso wie alle anderen Stellargeister mit denen sie einen Vertrag eingegangen ist. „Ich möchte sie finden.“

Brandishs Blick bleibt trübe. „Das ist, was du mir sagen wolltest?“ Ein Hauch Enttäuschung schwimmt in ihrer Stimme mit und verrät ihr Unglaube darüber, dass sie scheinbar ihre Zeit verschwendet hat.

„Nein.“ Lucy setzt einen Schritt in das Badezimmer hinein und nähert sich der Badewanne an, bis Brandish den Kopf von ihrem Arm heben muss, um sie anzusehen. Sie lächelt bei Brandishs Anblick, bevor sie weiß, wie ihr geschieht. „Ich weiß, dass du gesagt hast, dass du dem Alvarez Empire niemals den Rücken kehren könntest, aber… ich würde mich trotzdem sehr darüber freuen, wenn du und die anderen mich begleiten würdest.“

Stille folgt auf ihren Worten und Brandishs Augen weiten sich. Es ist selten, dass sie ihr Desinteresse verlieren und ihre wahren Emotionen durchscheinen lassen. Dass sie Lucy einen Blick auf Brandishs Seele geben.

Im nächsten Moment senkt Brandish den Blick und versteckt die eigene Unsicherheit wieder, obwohl sie in einem Kampf tapfer und einfach furchtlos ist. Brandish hat vor nichts Angst, nicht einmal vor dem Tod, nur hier, wenn sie beide allein sind, unterliegt ihr ein Zögern. „Du weißt doch nicht einmal, wo sich Aquarius’ Schlüssel befindet“, wirft ihr Brandish vor.

„Doch“, erwidert Lucy und spaziert aus dem Badezimmer, um den Zettel vom Tisch zu holen. Auf dem Rückweg entfaltet sie ihn, bis sie die Karte sehen kann, die einen entfernten Kontinent zeigt, von dem Lucy nicht viel weiß. Sie reicht Brandish die Karte und sie hinterlässt nasse Fingerabdrücke auf dem Papier. Skeptisch betrachtet sie die Umrisse und Markierungen, die vielleicht keinen genauen Ort, jedoch einen magischen Radius aufzeigten, in dem sich der Schlüssel befand, mit dem sie ihre gemeinsame Freundin rufen können.

Brandishs Augen sind feucht, aber bevor Lucy sich vor der Badewanne hinknien und sie umarmen kann, hält diese die Karte nah über die Wasseroberfläche. „Bade mit mir“, sagt sie und das Kommando erinnert Lucy ebenfalls an ihre erste Begegnung in diesem Raum.

„Huh?“, entweicht es Lucy und sie tritt einen Schritt zurück. „Auf keinen Fall. Nicht noch einmal.“

Brandishs Augenbraue hebt sich. „Warum nicht? Es ist nicht das erste Mal. Oder willst du, dass deine geliebte Karte im Wasser landet und unlesbar wird.“

„Das würdest du nicht tun…“, antwortet Lucy, obwohl sie nachgeben möchte, denn Brandish ist alles zuzutrauen. Zumindest bis vor einer Weile noch, nun war sich Lucy nicht mehr so sicher. Sie hat so viele Facetten gesehen, die Brandishs Persönlichkeit ausmachen. Sie ist mehr als nur eine von den Spriggan 12, so viel mehr!

„Warum willst du nicht mit ihr baden?“, fragt Brandish erneut und der Schmollmund ist zurück, den Lucy küssen möchte. „Ist dir die Wanne zu klein? Ich kann sie vergrößern, wenn du willst.“

„N-Nein, das ist es nicht!“ Lucy wedelt mit den Händen und kann spüren, wie sie rot anläuft wie eine Tomate. „Die Dinge haben sich geändert, Brandish-chan.“

Brandish mustert sie für eine Weile abschätzend, bevor sie seufzt. Im nächsten Augenblick erhebt sie sich aus dem Wasser und klettert aus der Badewanne, um Lucy die Karte zu reichen.

Mit einem wackeligen Lachen nimmt Lucy sie entgegen, packt sie beiseite, um stattdessen nach einem Handtuch zu greifen und es um Brandishs Körper zu wickeln.

„Ich werde dich begleiten, Lucy“, sagt Brandish, rührt jedoch nicht einen Finger, um Lucy zu helfen. Nur ihre Augen verfolgen jede von ihren Bewegungen und saugen jede einzelne von ihnen auf. „Aber wehe, es wird langweilig.“

„Das wird es ganz bestimmt nicht“, versichert ihr Lucy und legt ihre Stirn an die von Brandish, bis sie Brandishs Atem auf ihren Lippen spüren kann. Sie schließt ihre Augen, das Lächeln breit auf ihrem Gesicht. „Ich bin sicher, Aquarius wartet bereits auf uns.“
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