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Weisswein lieblich & Rotwein herb

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Anthony J. Crowley Erziraphael OC (Own Character)
15.09.2019
14.12.2020
3
4.597
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15.09.2019 1.465
 
Ein sonniger Tag.

Auch wenn manche eingeräumten Klischees von Film und Fernsehen, dem Land wohl immer einen wolkenverhangenen Himmel und Regen zuordnete. War England und vor allem London doch gar nicht so übel.
Und selbst wenn es der Wahrheit entsprechen würde, gab es nichts Romantischeres als allein oder zu zweit unter einem Schirm die frische Regenluft zu genießen, die die Erde absonderte.
Am besten noch in einer der vielen, grünen Parks der Metropole.
Oder an einem schummrigen Kaminfeuer zu sitzen und dem Regen gegen die Scheiben prasseln zu hören.
Doch heute strahlte die Sonne und ließ keine einzige Wolke neben sich niedersetzen. Als würde sie sie verscheuchen wollen, damit sie ihren Glanz nicht verderben könnten.
Was die meisten Menschen ausnutzten und ein wenig in den verschiedensten Seitengeschäften bummelten, während die Jüngeren von ihnen, die Kinder, mit der Nase an dem warmen Schaufenstern hingen. Um auf die dort ausgestellten Spielzeuge zu schauen.
Daraufhin folgten genervte Eltern, die ihre Söhne und Töchter nach wiederholtem bitten, an den Armen packten und weiter zogen.
Inmitten dieser Massen an Menschen, lief eine zierliche Gestalt mit schulterlangen, blonden Haaren.
Viele der Passanten mochten anhand ihres sanften Blickes und ihrem ebenfalls zierlichen Gesicht, meinen sie wäre eine attraktive, junge Frau.
Ihre himmelblauen Augen schauten immer wieder auf die an ihr vorbeilaufenden Kinder.
So unschuldig, schelmisch und süß zu gleich. Und genau das war es was sie ausmachte.
Sie liebte Kinder über alles und das schon eine ganz lange Zeit.
Ein lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, als sie an sich vorbeihuschen sah und jedes ihr ein Lächeln zurückschenkte. So ein unbesorgtes Leben, sehen die Welt mit vollkommen anderen Augen.
Und das allein machte sie für die blonde Frau sehr faszinierend.

Jedoch weckte einer der kleinen Jungen eine sehr schmerzhafte Erinnerung.
Die Frau fasste sich nachdenklich an die Wange, schreckliche Ereignisse waren in den vielen Jahren passiert und doch war keines ihr furchtbarer erschienen als dieses.
Tausende starben, auch unschuldige Kinder und darunter auch ihr damaliger Schützling.
Geschem, hieß er.
Auch wenn sich alle, so auch Engel wie sie sich an die Obrigkeit und vor allem an die Anweisungen des Allmächtigen halten müssen, war es ihr in diesem Moment gleich gewesen.
Sie konnte noch jetzt den prasselnden Regen hören, wie er immer mehr zu einer reißenden Flut sich aufbaute und jedes erdenkliche Wesen mit sich riss.
Außer die Tiere, die ein Mann in einer Arche sorgsam verstaut und untergebracht hatte, der einzige Mensch, der von der Überflutung wusste. Noah hieß er.
Voller Trauer und feuchten Augen, musste sie zu sehen wie der kleine Geschem, qualvoll um sein Leben strampelte im kühlen Nass. Die Hände noch gen Himmel streckte und schrie:
„Abel! ABEl! Hilf mir bitte….Abel…“ , sein schreien verstummte als er diese strahlend weißen Flügel sah, welche die Frau in der Luft hielten, bevor er in der Tiefe verschwand.
Sie war nicht schnell genug, ein anderes Wesen aber schon…

Ihr Herz klopfte immer wilder, sie holte einmal tief Luft als sie sich wieder in das Hier und Jetzt besinnte. Selten das sie sich so unwohl fühlte und ihre Hände anfingen zu zittern.
Sie drehte nervös ihren goldenen Ring an am rechten Ringfinger hin und her.
Und ging dann weiter. Schließlich wollte sie ihren guten Freund besuchen und nicht weiter auf dem Bürgersteig in Erinnerungen schwelgen.

Die robuste Holztür des alten Buchladens schwangen auf und offenbarten einen wunderschönen Ausblick auf das Innere.
Eine kleine Glocke über dem Rahmen kündigte Abels Besuch an.
Abel drehte sich einmal.
Es hatte sich nicht viel geändert, diese vielen großen Regale waren ihr noch in Erinnerung geblieben.
Manche erstreckten sich schon fast bis hin zur Decke. Gefüllt mit Schriftrollen, Büchern und ab und an einen antiken Gegenstand zur Deko.
An den Regalen waren mit Goldschrift immer ein großer Buchstabe angebracht, wie ein Inhaltsverzeichnis.
Abel bewunderte gerade die Werke im Regal „F“.
Strich mit dem Zeigefinger über die Rücken der Werke. Und lunste immer mal zu den Vereinzelten Kunden.
„Abel, welch eine Freude.“, kam es vom hinteren Teil des Raumes.
Schnell wandte sich die blonde Frau sich zur Stimme um.
Ein etwas kräftigerer Mann im sanften, cremefarbenen Mantel, ging auf sie zu mit einem breiten Lächeln und die Hände zu einer Umarmung ausstreckte.
„Erzi.“ , lächelte sie ihm entgegen und umarmte ihn kurz.
„Schön dich auch mal außerhalb der Zentrale zu sehen.“
„Ja, es ist eine schöne Abwechslung.“ , nickte Abel.

Erziraphael freute sich immer auf Besuch egal ob Mensch oder Engel wie Abel. Die beiden himmlischen Wesen kannten sich nun schon eine ganze Weile.
Und teilten ein paar Interessen, was sie zusammenführte und sich eine Freundschaft aufbaute.
Sie war ihm immer schon sympathisch gewesen, nicht so verbissen und exakt wie der Rest der Engel oberhalb der Erde.
„Ich wollte dir einen kleinen Besuch abstatten, jetzt da ich wieder in London bin.“
„Oh.“, erstrahlten seine Augen kurz. „Das freut mich sehr das du an mich gedacht hast. Wir haben uns schon eine Weile nicht mehr gesehen. Darf ich dir einen Tee anbieten?“
„Gerne.“, lächelte die blonde Frau ihn an.

Kleine Wölkchen bildeten sich aus dem Tee und dessen Tasse.
Die Wärme übertrug sich auf die feine, weiße Porzellantasse.
Die Abel mit beiden Händen umschloss, sich vorbeugte und etwas zu pusten begann.
Der leckere Geruch des Früchtetees stieg ihr in die Nase.
Gerne besuchte sie Erziraphael, wenn sie die Zeit fand.
Seine kleine Bibliothek mit dem Schummerlicht, gepaart mit der leisen, klassischen Musik vom Plattenspieler war ein perfekter Entspannungsort.
Noch dazu war hier ein Rückzugsort für beide. Sie schätzte es mit ihm über alles reden zu können.
Das Sofa war deshalb schon einer der wichtigsten Gegenstände geworden, die oft in Benutzung kamen.
„Noch etwas Zucker meine Liebe?“, wurde Abel aus ihren Gedanken gerissen.
„Nein danke Erzi.“ , lehnte sie mit einem Winken ab.
Der Engel nahm gegenüber von ihr auf seinem Stuhl Platz, leicht pustend nahm er einen kleinen Schluck vom Tee und wandte sich dann wieder seinem Besuch zu.
„Wie läuft es denn dort oben?“
„Eintönig.“ , zuckte Abel mit den Schultern. „Immer derselbe Papierkram.“
Erzi schnaufte bereits allein an dem Gedanken daran und wollte schnell das Thema wechseln.
Jedoch war es schwer nicht auf das Thema Crowley zu kommen, was sie so sehr verachtete, Erzi es aber oft mit ihr verband.  Wenn er sich es recht überlegte konnte er auch gar nicht anders als an Crowley zu denken, wenn ihm Abel gegenüber saß und anders herum, jedoch verkniff er sich es immer wieder etwas diesbezüglich zu sagen.
Er wusste nicht warum sie sich verstritten hatten, aber er glaubte noch immer fest daran sie wieder zueinander zu führen, so wie früher.
Wie praktisch das er noch eine Verabredung mit ihm auf Abend hatte.

Ein schwarzer 1933er Bentley brauste durch London und mit ihm eine laute Musik an Queen.
Der Fahrer hatte sein Fenster offen gelassen für etwas Frischluft.
Seine eine Hand ruhte auf dem Lenkrad, während die andere lässig aus dem Fenster baumelte.
Der rothaarige Dämon war auf dem Weg zu seiner Verabredung wie es so schön hieß.
Dieses Mal war es anscheinend nicht das Ritz in Soho, sondern nur der gute, alte Bücherladen.
Aber dieser tat sich immer noch gut fürs Trinken, vollkommen ausreichend.
Und wie er wusste hatte sein alter Freund Erziraphael ein paar edle Tropfen bei sich.
Um noch einmal sicher zu gehen das der Engel auch genügend auf Vorrat hatte, legte er ein wenig den Kopf nach hinten und ließ seine angeklippte Sprechanlage am Sonnenschutz aktivieren.
„Ruf Erziraphael an.“, sagte er etwas lauter, während er weiter auf die Straße schaute.
„Rufe Erziraphael an.“ , entgegnete ihm die Frauenstimme und ein tuten folgte darauf.
„Guten Abend, wir haben leider geschlossen.“, kam ihn die altbekannte Stimme entgegen.
„Ich bin s Engel.“
„Ah…ja…gibt es ein Problem oder warum rufst du an?“, fragte der Engel am anderen Ende der Leitung etwas nervös. Er redete leiser als sonst, geheimnisvoller.
„Das frage ich dich, hast du deine Stimme verloren?!“, antwortete Crowley genervt. „Ich wollte nur fragen ob du noch ausreichend Wein hast, letztes Mal haben wir ja….“, doch er brach seinen Satz ab, als er eine andere Stimme neben Erziraphael wahrnahm.
„Mit wem sprichst du Erzi?“, erklang von etwas weiter weg eine Frauenstimme.
„N…Niemand.“, sagte er nervös zu der anderen Stimme.
Crowley zog die Augenbrauen skeptisch und etwas genervt zusammen.
„Sag mal verarschst du mich?!“, fragte der Dämon grob. „Was ist denn bei dir los?!“
„Alles supi-dupi hier ich habe genug Wein keine Sorge, bis später.“, redete der Engel nun sehr viel schneller und noch eher der Dämon hinter dem Steuer Luft holen konnte, ertönte schon das altbekannte tuten.
Genervt stöhnend, richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf die Straße.
Doch diese Stimme kam ihn nicht fremd vor, ganz und gar nicht.
Seine Gedanken kreisten allein um die Frage wer es sein sollte, schaltete einen Gang höher und fuhr zum Bücherladen.
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