Powerful Guardians-Die Echse aus dem Schatten

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P18
13.09.2019
10.10.2019
4
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Glim kehrte erst spät in der Nacht zu Mune zurück. Da es im großen Dorf der Steingeschöpfe ein paar Probleme gab und noch wichtigere Dinge bezüglich der großen Feier geregelt werden mussten, konnte sich die Wachsdame erst spät zum Tempel des Mondes begeben. Auf einer nahegelegenen Klippe an der, der gigantische Tempel täglich vorbei kam, blieb sie stehen und wartete geduldig bis das Tier seinen Kopf senkte um sie aufstiegen zu lassen. Obwohl Glim nie ein Freund der Kälte war, so war der kühle Schnabel des Tempels jetzt genau das was ihre wunden Füße nach so einem langen Tag brauchten. Mit einem leisen freundlichen Grummeln begrüßte der Tempel die Freundin des Mondwächters und Glim streichelte dem großen Geschöpf liebevoll über den Schnabel als sie über ihn lief. Der angenehme Nachtwind spielte mit ihren wachsartigen Haaren und für einen Moment, wollte die Wachsdame diesen Moment der Ruhe einfach nur genießen. Den ganzen Tag lang war sie auf den Beinen gewesen, hatte Probleme gelöst, die Vorbereitungen zur großen Feier überwacht und hatte kaum einen Moment für sich gehabt. Es machte ihr nichts aus den ganzen Tag lang so hart zu arbeiten, denn sie tat es gerne für ihre beiden Freunde aber wenn sie dann Abends hoch oben auf dem Tempel stand, war sie froh wenn sie sich ausruhen und den anstrengenden Tag, hinter sich lassen konnte. Nachdem Glim den langen Hals des Tempels hinunter geklettert war, begab sie sich in den Hauptraum der sich im Inneren des Höckers dieser gigantischen Kreatur befand. Die sanften Harfenklänge verrieten Glim, dass Mune gerade dabei war den Kurs des Tempels ein wenig zu ändern. Als sie sich im Hauptraum wiederfand, lehnte sie sich an die glatte Wand, schloss die Augen und genoss die sanften magischen Klänge. Erst als die Musik verstummte und sich eine warme weiche Hand an ihre Wange legte, öffnete die junge Wachsdame wieder ihre Augen und blickte direkt in die großen blauen Augen ihres Liebsten. ,,Langer Tag ?‘‘, hörte Glim ihn leise fragen und sie nickte während sie sich an seine Hand schmiegte. Mune hauchte seiner Liebsten einen sanften Kuss auf die Lippen bevor er sie auf seine Arme hob und mit ihr nach draußen ging. Oben auf dem Höcker ließ er Glim wieder runter, setzte sich neben sie und gemeinsam beobachteten sie die Sterne. Obwohl Glim vor Müdigkeit kaum noch die Augen offen halten konnte, so wollte sie die wenige Zeit die sie mit Mune hatte vollkommen auskosten. Schlafen konnte sie später auch noch aber sie hatte ihren Geliebten in der letzten Zeit kaum für sich gehabt und daher wollte sie die wenigen Augenblicke nicht mit schlafen verschwenden. Sie schmiegte sich an ihn und fuhr mit ihrer linken Hand durch sein weiches Fell. ,,Gab es irgendwelche Schwierigkeiten heute ?‘‘, fragte er und streichelte  über ihren Kopf. ,,Leider ja. Zum Glück konnte ich aber alles regeln nur hat das etwas länger gedauert als geplant. Ich wäre schon viel eher hier gewesen aber es ist nun mal meine Aufgabe dafür zu sorgen, dass alles glatt läuft‘‘, meinte sie und blickte zu den unzähligen Sternen. Mune fühlte sich schlecht. Es war eben nicht ihre Aufgabe für all das zu sorgen. Wenn dann war es Sohone’s und seine Aufgabe das Fest zu organisieren. Glim war seine Gefährtin und sollte sich nicht mit solchem Kram belasten. Zwar half sie ihm sehr gerne und es machte ihr auch nichts aus ihnen unter die Arme zu greifen aber Glim arbeitete schon bald härter als er selbst und er war der Wächter des Mondes. ,,Ich glaube du solltest dich morgen mal ausgiebig ausruhen und hier im Tempel bleiben‘‘, meinte er sanft und Glim sah ihn mit großen Augen an. ,,Was ?, aber es gibt noch so viel zu tun. Ich kann jetzt nicht aufhören‘‘, sprach sie und Mune streichelte liebevoll über ihren Rücken. ,,Ich weiß, dass du Sohone und mir nur helfen möchtest Glim aber du arbeitest viel zu hart. Du schläfst weniger als ich, bist den ganzen Tag fast pausenlos auf den Beinen und wenn du am Abend zurückkommst bist du so fertig, dass du dich kaum noch auf den Beinen halten kannst. Ich schätze deine Hilfsbereitschaft sehr Liebste aber deinem Körper, tut der ganze Stress und der wenige Schlaf nicht gut. Das musst du doch selber schon gemerkt haben oder ?‘‘, fragte er besorgt.
Glim spürte natürlich deutlich wie ihr Körper auf all das reagierte und es kam nicht selten vor, dass sie vor Müdigkeit fast zusammenklappte. Aber sie wollte ihren beiden Freunden nur helfen damit diese sich in aller Ruhe auf die bevorstehende Sonnenfinsternis vorbereiten konnten. Erschöpft legte Glim ihren Kopf auf Mune‘s weiche Brust und lauschte seinem ruhigen gleichmäßigen Herzschlag. ,,Du hast ja Recht aber ich will euch einfach nur so viel Arbeit wie möglich abnehmen damit ihr euch auf den wichtigen Tag vorbereiten könnt‘‘, murmelte sie und Mune fuhr durch ihre Haare. ,,Wir sind dank dir auf alles bestens vorbereiten. Es ist an der Zeit, dass du dich mal wieder um dich selbst kümmerst. Ab morgen übernehmen Sohone und ich den Rest und du schläfst dich morgen mal wieder so richtig aus‘‘, flüsterte er und schlang beide Arme um ihren zierlichen Körper. Eine ganze Zeit lang herrschte fast vollkommene Stille. Nur das sanfte Donnergeräusch des Tempels und die pfeifenden Laute der Faune waren zu hören. Mune und Glim lagen engumschlungen auf dem weichen Höcker und genossen ihre Zweisamkeit. ,,Das hat mir gefehlt‘‘, seufzte Glim wohlig als Mune sie mit seinen weichen und doch leicht rauen Händen streichelte. Auch wenn sie am Abend meistens immer gemeinsam die Sterne betrachteten, so hatten sie nie wirklich Zeit um ausgiebig zu kuscheln. Beide sehnten sich nach der Nähe und den Berührungen des anderen und sie hofften, dass wenn dieser ganze Stress, die Vorbereitungen und das große Ereignis selbst vorbei waren, sie wieder mehr Zeit füreinander hatten. ,,Mir auch Glim. Ich verspreche dir, ich mach die verlorene Zeit wieder gut‘‘, hauchte er und küsste ihre Wange. Die Schuldgefühle begannen den jungen Faun von Tag zu Tag mehr aufzufressen. Mune wusste, dass er nicht wie andere Geschöpfe ein normales Leben führen konnte und er seine Tage nicht so gestalten konnte wie er es gerne würde. Als Wächter war er an seinen Tempel gebunden, ob er wollte oder nicht. Doch nie wollte er, dass Glim deswegen zu kurz kam und so schlug Glim ihrem Geliebten eines Tages vor, ihm wo immer es ihr möglich war, unter die Arme zu greifen. Auf diese Weise hatte das junge Paar mehr Zeit füreinander aber in den vergangenen Tagen war das nicht der Fall gewesen. Glim spürte, dass Mune sich Vorwürfe machte und immer wieder versuchte sie ihm klarzumachen, dass er das nicht brauchte.
Sie verstand gut unter welchem Stress und Druck er und Sohone standen und dass er deswegen lieber seine freie Zeit damit verbrachte, den genauen Ablauf der Sonnenfinsternis durchzugehen. Seit ihm dieser verheerende Fehler mit dem Mond unterlaufen war, hatte sich der zierliche Faun geschworen, dass ihm solch ein Missgeschick nie wieder passieren würde. In den vergangenen Monaten hatte er sich den Respekt aller Geschöpfe hart verdient. Sie vertrauten ihn, schätzten ihn für seinen Mut, seine Kraft und seinen Willen immer alles richtig machen zu wollen. Selbst bei den Damen hatte er großen Eindruck hinterlassen und obwohl auf dem ganzen Planeten bekannt war, dass Mune bereits eine Gefährtin hatte, so schwärmten noch immer einige junge Damen für den attraktiven jungen Faun, der allerdings nur Augen für seine geliebte Glim hatte. Er war glücklich mit ihr, denn sie liebte ihn so wie er war. Für sie zählten keine Muskeln oder körperliche Stärke und sie ließ sich im Gegensatz zu vielen anderen Damen nicht von anzüglichen Anmachsprüchen beeindrucken. Sie war unglaublich stolz auf ihn und Glim konnte den Ahnen gar nicht genug dafür danken, dass dieser Faun in ihr Leben getreten war. Er hatte ihr die Schönheit ihrer Welt, die sie bis vor einem Jahr fast nur in den Büchern gesehen hatte, vor Augen geführt und ihr gezeigt, dass auch die Nacht, vor der Glim sich früher so gefürchtet hatte, auch ihre schönen Seiten hatte. Für viele Wesen mochte die Nacht dunkel, farblos und langweilig erscheinen aber das stimmte nicht. Die Nacht war wunderschön. Friedvoll, beruhigend, magisch und das blassblaue Licht des Mondes, tauchte die gesamte Landschaft Nacht für Nacht, in ein weiches Licht. Glim liebte es wenn Mune die kleinen Glühwürmchen, mithilfe seiner pfeifenden Laute zu sich rief und diese dann neugierig um sie herumflogen und sich sogar auf ihre Hand niedersetzten wenn die Wachsdame ganz still stehen blieb. Die Tatsache dass Mune nicht zu den Männern gehörte die billige Anmachsprüche von sich gaben und nur darauf aus waren eine Dame für sich zu gewinnen und diese dann möglichst schnell in ihr Bett zu bekommen, erfreute sie sehr. Mune hatte es nicht eilig diesen Schritt zu gehen im Gegenteil. Er wollte sich Zeit nehmen, seine Liebste davor erst richtig kennenlernen und dann wenn sie beide irgendwann dazu bereit waren, würde er ihr auch die Liebe lehren und Glim alles zeigen was er wusste.
Selbstverständlich hatte Mune keine körperlichen Erfahrungen in Bezug auf die körperliche Liebe aber sein Volk hatte über die Jahrhunderte die Liebe in alle Richtungen studiert. Kaum ein anderes Geschöpf wusste so viel über die Geheimnisse des Liebesspiels wie die Faune. Daher wurden sie auch die Meister der Leidenschaft und Sinnlichkeit genannt. Die Faune gaben ihr Wissen immer an ihre Kinder weiter und bis heute wussten andere Geschöpfe wie etwa die Steinwesen nichts davon.
Faune behielten ihre Erfahrungen lieber für sich da sie nicht wollten, dass ihre Kenntnisse ausgenutzt werden. Auch wenn es ihnen irgendwo leid tat, dass nur sehr wenige Steindamen wussten wie es sich anfühlte wenn sie von ihren Gefährten richtig geliebt werden, so wollten sie dass die Geschöpfe des Tages selbst hinter diese Geheimnisse kommen sollten. Es erfüllte Glim schon mit etwas Stolz dass sich ein Faun in sie verliebt hatte, denn Faune und auch andere Geschöpfe verliebten sich eigentlich nicht in Geschöpfe die nicht ihrer Art angehörten. Mune und Glim störte es keineswegs, dass sie beide so unterschiedlich waren, denn all das machte ihre Liebe und sie selbst viel stärker. Sie standen zueinander und das würde sich auch nie ändern. Ihre Beziehung hatte zwar kurz nach ihrem ersten Aufeinandertreffen begonnen aber dafür war sie gesund und ausgeglichen. Sie kümmerten und sorgten sich umeinander. Halfen sich gegenseitig bei Problemen und trösteten den anderen wenn dieser traurig war. Sie brachten sich gegenseitig zum Lachen und sie liebten die Stärken und auch die Schwächen des anderen. Sie akzeptierten, schätzten und liebten sich für das was sie waren und keiner von beiden wollte an dem jeweils anderen etwas verändern.
Eine ganze lange Zeit verbrachten Mune und Glim noch auf dem Höcker des Tempels. Küssten und streichelten sich gegenseitig aber zu mehr kam es nicht. Der perfekte Moment, der perfekte Ort und die perfekte Zeit, waren noch nicht gekommen. Und so genossen sie einfach ihre Zweisamkeit und schliefen irgendwann friedlich im Mondlicht und in den Armen des anderen ein.
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