Der Schwarze Stern

von Amnael
GeschichteDrama, Fantasy / P16
Hexenkönig von Angmar OC (Own Character)
13.09.2019
02.12.2019
10
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Nachdem im Jahre 861 des Dritten Zeitalters das mächtige Königreich Arnor zerfiel, entstanden drei kleine, untereinander zerstrittene Königreiche. Arthedain im Nordwesten führte den Glanz Arnors fort, denn es hatte dessen Reichtum und Glanz geerbt. Die Wirtschaft florierte, die Bevölkerung wuchs und die Könige Arthedains waren hoch angesehen. Cardolan jedoch war ein schwindender Stern. Denn anders als Arthedain, erbte es nichts vom Glanze Arnors. Die Steuern waren hoch, die Wirtschaft lief schlecht, das Land war zu großen Teilen unfruchtbar und wurde regelmäßig von Katastrophen heimgesucht. Die Winter waren hart, die Flüsse Baranduin und Gwathlò überschwemmten oft, was zu Hungersnöten und Krankheiten führte. All das führte auch dazu, dass immer mehr Bewohner Cardolans ihrem Land und ihrem König den Rücken kehrten und nach Arthedain übersiedelten. So verlor Cardolan immer mehr seines Volkes. Aber trotz dieses Aderlasses blieben die Cardolaner stolz auf ihre Abstammung und das Reich blieb wehrhaft genug, sich seinen Nachbarn im Norden zu widersetzen. Am schlimmsten hatte der Zerfall Arnors sein ärmstes Nachfolgerreich getroffen. Rhudaur im Osten war von den Dúnedain nur schwach besiedelt gewesen. Während sie in den weiten Grasebenen des Westens gesiedelt hatten, lebten im Osten die primitiven und wilden Ureinwohner Rhudaurs in Knechtschaft und Armut. Von den Dúnedain verächtlich als Hügelmenschen bezeichnet und unterdrückt, erhoben sie sich nach dem Zerfall Arnors. In Kleinkriegen und Aufständen töteten sie die Krieger der Dúnedain und kämpften so um ihre Freiheit. Zeitweise hatten die Könige Rhudaurs gerade einmal die Hauptstadt Cameth Brin unter ihrer Herrschaft, während die Clans der Hügelmenschen das restliche Land unter sich aufgeteilt hatten. Siedler der Dúnedain wurden getötet und vertrieben, so dass deren Zahl immer weiter schwand und deren Kultur in Rhudaur starb. Vergessen ist die Zeit als Dúnedain und das Volk der Hügel, wie sich die Hügelmennschen selbst nannten, sich achteten und sogar unter einander heirateten.
Doch im Jahr 1307 des Dritten Zeitalters kam in Rhudaur ein neuer König an die Macht, sein Name war Aldor. Unter seiner Herrschaft wurde die Armee massiv vergrößert, wofür alle Ausgaben gekürzt und die Steuern massiv erhöht wurden. Schrittweise wurden die Hügelmenschen wieder unterjocht und das Land allmählich befriedet. Ab 1349 näherte sich Aldor König Argeleb von Arthedain an und suchte ein Bündnis mit diesem, weshalb 1353 sogar seinen Anspruch auf die Krone Arnors anerkannte und bald auch Hilfstruppen aus Arthedain in Rhudaur zuließ. Die Rebellionen und Widerstände der Hügelmenschen sollten dauerhaft gebrochen werden, weshalb König Aldor auch Siedler aus Cardolan und Arthedain anlockte, um die Hügelmenschen erneut zu fremden im eigenen Land zu machen. Doch hatte König Aldor einen energischen Feind unter den Hügelmenschen. Hwaldar, ein der Stammesfürst hatte die Clans unter sich vereint und stachelte diese immer zu neuen Aktionen gegen die Dúnedain an. Im Gegenzug wurden die Hügelmenschen immer schwerer durch die Dúnedain bestraft, indem man deren Dörfer besetzte und einen großen Teil ihrer Ernte für den Erhalt der neuen Armee der Dúnedain beschlagnahmte.
Doch auch in Cameth Brin regierte Sorge. Denn König Aldor war selbst unter den hier lebenden Dúnedain nicht wirklich beliebt. Denn während auf dem Land oft Hunger herrschte, waren hier die Steuern seit nun zehn Jahren viel zu hoch und auch hier gab es oft einen Mangel an Nahrung. Der einzige Grund, wieso sich die Stadtbewohner noch nicht auflehnten war, weil König Aldor das Land endlich befriedet hatte und weil von ihm die derzeitige Stabilität im Land abhing. Zudem war auch sein Lebensstil sehr bescheiden, weshalb er immer noch eine gewisse Nähe zur Bevölkerung hatte. Am Hof herrschte ein äußerst strenges Regime. Jeder musste sich jeder an die Gesetze halten unter Androhung von Strafe. Die häufigste Strafe in Cameth Brin war das öffentliche Auspeitschen. Auf dem zentralen Platz der Stadt, dem Arnor-Platz wurde man entkleidet, an den Armen aufgehängt und ausgepeitscht. Sogar seine eigene Tochter Meriliel hatte er einst zu dieser Strafe verurteilt. Einerseits zeigte es der Bevölkerung, dass er seine Familie nicht milder behandelte als sein Volk, andererseits förderte es die Disziplin. So jedenfalls dachte der König, nicht umsonst betonte er immer die Bedeutung von Symbolik in der Politik.
Der König hatte nur Meriliel als Thronfolgerin, seine Frau war bereits früh verstorben. Und Aldor hoffte, dass er Meriliel zu einer ebenso starken und geschickten Herrscherin machen könnte. Täglich war sie im Kampf geschult und einer anstrengenden körperlichen Ausbildung unterzogen worden. Zusätzlich hatte Aldor auch noch den Gelehrten Cirion aus Gondor geholt, damit er Meriliel in Geschichte, Geographie, Diplomatie und Politik unterrichtete, so sollte sie eine ideale Ausbildung erhalten. Meriliel aber hasste ihren Vater. Wegen ihm hatte sie nie eine wirkliche Kindheit gehabt. Ihre Mutter war verstorben als sie noch jung war und ihr Vater hatte sie von Kindesbeinen ausgebildet. Damals als Mädchen hatte Meriliel keine Stunde und keinen Tag verbracht, ohne dass sie körperlich ertüchtigt oder durch Cirion unterrichtet wurde. Somit hatte sie nie wie andere Kinder die Möglichkeit gehabt zu spielen, Freundschaften zu schließen oder irgendeine Freizeitbeschäftigung zu entwickeln. Wenn sie es auch nur versucht hatte, wurde sie von ihrem Vater verprügelt und mit Peitschenhieben bestraft.
Nun war Meriliel eine erwachsene, junge Frau. Sie hatte wallendes, dunkelbraunes Haar, einen stets misstrauischen, aber bei näherem Hinsehen warmen Blick mit braunen Augen und einem athletischen und muskulösen Körper. Trotz der vielen Narben auf ihrem Körper, die von den Strafen ihres Vaters zeugten, war sie eine attraktive, junge Frau. Da man die Narben auf ihrem Körper in der Regel nicht sah, galt sie unter dem Adel und der Oberschicht aller drei Reiche als schönste Frau Arnors. Wären Arthedain, Cardolan und Rhudaur nicht immer noch zerstritten, so sagt man in Rhudaur, hätten sich Könige, Prinzen und Würdenträger aller Länder bereits um ihre Hand gerissen. Meriliel verdankte ihr gutes Aussehen ihrer Mutter, doch ähnelte sie charakterlich in mancher Hinsicht ihrem Vater, ohne es zu wollen. Sie hatte wie ihr Vater ein hohes Selbstwertgefühl und war durch die zahllosen Schlachten, die sie bereits an der Seite ihres Vaters kommandiert und geschlagen hatte sehr rau und entschlossen geworden. Denn bereits als Kind hatte ihr Vater sie gezwungen zuzusehen, wie die Menschen in ihrer Heimatstadt hingerichtet oder ausgepeitscht wurden und als Jugendliche sah sie, wie ihr Vater die Bewohner eines Dorfes massakrieren ließ. Meriliel war zwar nicht so grausam und brutal, doch würde auch sie, sollte es der Notfall erfordern, zu diesen drastischen Maßnahmen greifen. Ebenfalls von ihm geerbt hatte sie sein Misstrauen und ein gewisses Maß an Zynismus. Doch es waren nicht nur derartige, negative Eigenschaften, die Meriliel von ihrem Vater übernommen hatte, es gab durchaus auch gute. Sie war fleißig, tapfer, bescheiden und ambitioniert. Andere Frauen ihres Standes beschäftigten sich vor allem mit ihrer eigenen Eitelkeit und ihrem Wohlergehen. Meriliel hingegen trug lieber ihre Rüstung als ein schönes Kleid. Lieber schlief sie unter freiem Himmel im Schlamm als im Schloss ihres Vaters. Während andere Prinzessinnen bei einem schönen Bankett speisten, verbrachte Meriliel lieber ihre Zeit mit ihren Männern und trank Bier.
Meriliel hatte aber auch Verhaltensweisen entwickelt, die sie von ihrem Vater unterschieden. Sie war sehr wissensdurstig und neugierig. Auch Aldors Jähzorn und Rassismus hatte sie nicht geerbt. Denn während König Aldor in den Hügelmenschen Halbaffen und Untermenschen sah, empfand Meriliel sie lediglich als Menschen, die sich gegen ihre rechtmäßigen Herrscher auflehnten und daher bekämpft werden mussten. Obwohl sie keine Dúnedain waren, empfand Meriliel sie als gleichwertige Untertanen der Krone von Rhudaur, was ihr bei ihrem Vater nur Spott einbrachte. Als er erfahren hatte, dass sie deren Sprache gelernt hatte, ließ er sie deswegen auspeitschen.
Auch jetzt war Meriliel bei einer Mission draußen auf dem Land. Sie trug eine dunkelrote Rüstung mit goldenen Verzierungen und dem Wappen des Königreichs von Rhudaur auf der Brust. Ähnlich gepanzert war ihr Schlachtross, Streiter. Sie führte gerade ihr Kavallerie-Regiment zu einem Gebiet, in dem sich der rebellische Clan-Chef Hwaldar aufhalten sollte. Sie waren nun den zweiten Tag draußen und rückten gerade ans nächste Dorf heran. Sie hob die Hand, damit die Kompanie ihr folgte und ritt einmal um das Dorf herum, so dass sie es aus allen Winkeln einmal sehen konnte. Sie sah, wie die Menschen panisch nach draußen eilten, zusammenrückten und sie misstrauisch beäugten.
Meriliel hob den Arm, was für ihre Männer der Befehl zum Anhalten war. Sie ließ Streiter etwa zehn Meter von dem Dorf entfernt anhalten, auch ihre Männer hielten und machten ihre Waffen bereit. Denn sie konnten nie wissen, ob die Dorfbewohner nicht bewaffnet waren und sie angreifen würden. Meriliel deutete zweien ihren Männern an, ihr zu folgen, was diese auch taten. Ernst blickte Meriliel die Menschen an.
„Wer ist der Chef des Clans hier?“, fragte Meriliel barsch. Fast panisch zeigten die Menschen zu einem Mann in ihrer Mitte, der etwas besser gekleidet war als die anderen. Seine Kleidung bestand ganz aus Pelzen, während seine Leute größtenteils in Lumpen gehüllt waren.
„Ich bin Oberhaupt unseres Clans. Glod, Marolds Sohn, was ich kann für Euch tun?“, fragte der Mann mit ausdruckslosen Gesichtsausdruck in sauberem númenórisch. Die Clan-Chefs mussten die Sprache Númenórs lernen, daher konnten sie alle die Sprache auch entsprechend gut, wenn auch oft nur mit einem starken Akzent, so auch bei Glod.
„Wir haben gehört, dass sich Hwaldar der Brigant hier in dieser Gegend aufhalten soll.“, antwortete Meriliel und schaute sich aufmerksam die Gesichtszüge aller anwesenden an. Kaum merklich hoben einige die Augenbrauen, als sie den Namen Hwaldar erwähnt hatte.
„Aber Herrin, in Westen ist Festung von Krieger aus Arthedain und im Süden zweite Festung Ihnen gehört. Hwaldar sicher nicht ist hier.“, sagte der Mann und schien nicht erfreut. Meriliel schaute sich erneut die Gesichter der Leute an, erst jetzt fiel ihr etwas auf.
„Clan-Chef, wieso sind in ihrem Dorf so wenig junge Leute? Insbesondere junge Männer habt Ihr nicht viele.“
Den Clan-Chef schien die Frage doch zu erschrecken und auch die Leute flüsterten wieder.
„Viele Männer gestorben. Krieg zwischen Clans…“, sagte der Clan-Chef mit zittriger Stimme. Meriliel schaute ihn lächelnd an, seine Stimme war erhöht und er atmete schneller. Der Mann war nervös geworden. Dann rief sie laut:
„Männer, das Dorf wird durchsucht!“
Minuten später wurde das Dorf auf den Kopf gestellt. Alle Hütten wurden durchsucht, was nicht lange dauerte. Denn sie waren nur sehr primitiv aus Holz und Stein errichtet, gerade so um den nötigsten Schutz zu bieten. Die Menschen sind unterdessen alle aus dem Dorf auf eine Wiese gebracht worden und standen unter Bewachung, während das Dorf durchsucht wurde. Auch Meriliel beteiligte sich daran an der Durchsuchung. Sie hatte soeben die Hütte des Clan-Chefs durchsucht, es war nichts zu finden gewesen. Dann ging sie in die nächste Hütte. Meriliel schob den Vorhang beiseite und erschrak für einen Moment. Eine alte Frau saß am Boden und blickte aus einem leeren Blick auf sie hoch.
„Ihr müsst die Weise Frau sein?“, fragte Meriliel. Sie war genervt, weil nicht alle draußen waren. Die Weise Frau war etwas wie eine Schamanin bei den Stämmen der Hügelmenschen. Sie besaß Heilkünste und machte Weissagungen.
„Willkommen Prinzessin Meriliel.“, sagte die alte Frau in der Sprache der Hügelmenschen. Meriliel erschrak. Sie hatte niemandem aus dem Dorf ihren Namen gesagt. Woher wusste die alte Frau dies also?
„Woher wisst Ihr wer ich bin?“, fragte sie, ebenfalls in der Sprache der Hügelmenschen.
„Die Stimmen haben mir gesagt, dass Ihr kommen würdet.“, antwortete die Frau ruhig. Verunsichert dachte Meriliel nach, was sie tun sollte. Es war eine alte Frau, sie stellte keine Bedrohung da. Ebenso glaubte sie nicht, dass die Frau in dieser winzigen Schamanenhütte irgendetwas verbarg. Doch die Frau sprach weiter.
„Sie sagten mir noch mehr über Euch.“
Meriliel lächelte. Sie glaubte an Magie, mehr noch. Sie wollte Magie irgendwann einmal studieren, was von ihrem Vater bisher verhindert worden war. Doch woran sie nicht glaubte, war Aberglaube. An die Weissagungen der Weisen Frauen der Hügelmenschen hatte sie nie geglaubt, auch jetzt nicht. Sie war sich sicher, dass die Frau gewusst hat, wer sie war. Doch Meriliel würde das Spiel noch mitspielen.
„Ach und was sagten sie?“
„Angst habt ihr. Die Angst davor alles zu verlieren. Euren Status als Prinzessin, als Thronfolgerin. Ihr habt Angst bedeutungslos zu werden, weil Euer Vater dabei ist, seine Krone zu verschenken.“
Meriliel erschrak.
„Das…“
„Und die Stimmen sagten, dass Ihr…“
Gerade wollte die Frau weiter reden, da stürmte einer ihrer Reiter in die Hütte.
„Herrin, einer der Männer möchte mit Euch reden. Er sagt, es sei dringend.“
Meriliel merkte erst jetzt, dass sie schwitzte und keuchte, als sei sie gerannt.
„Ich komme gleich.“, antwortete Meriliel dem Mann und wandte sich wieder der alten Frau zu, die sie immer noch nichtssagend und mit leerem Blick anstarrte, als sei sie in Trance. Meriliel wollte noch mehr von ihr erfahren, doch nun sagte sie nichts mehr. Sie starrte nur noch in die Leere. Verunsichert lief Meriliel daraufhin aus der Hütte. Sie ging zur Mitte des Platzes, wo ein alter Mann stand und von ihren Soldaten bewacht wurde. Verunsichert schaute er Meriliel an.
„Herr, Hwaldar… er hier…“, sagte er flüsternd, als hätte er Angst jemand könnte es hören.
„Er ist hier? Jetzt?“, fragte Meriliel aufgeregt. Ihr Herz schlug etwas höher als sie dies hörte. Doch dann schüttelte der Mann seinen Kopf.
„Nicht jetzt… vor paar… äh…“
„Stunden?“, warf Meriliel ein.
„Ja! Stunden… er dort… gehen. Dorf… er kommen, reden… Junge gehen. Sohn gehen.“, sagte er stotternd und zeigte mit der Handfläche auf seine Brust. Meriliel verstand was er sagen wollte. Hwaldar ging von Dorf zu Dorf und wirbt um junge Männer und Frauen um für seine Sache zu kämpfen und der Mann macht sich Sorgen um seinen Sohn, der offenbar von Hwaldar mitgenommen wurde. Meriliel wandte sich an den Reiter, der sie geholt hatte.
„Habt Ihr bereits alle Hütten durchsucht?“
„Jawohl Herrin.“, antwortete der Soldat.
„Sagt allen, sie sollen mitkommen. Wir reiten zum Dorf welches dort im Südosten sein soll.“, erklärte Meriliel.
„Jawohl!“
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