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Widerwillen

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Het
Mark Foster Michi Beck OC (Own Character) Samu Haber Smudo Yvonne Catterfeld
12.09.2019
10.11.2021
14
21.906
2
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Dieses Kapitel
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12.10.2021 2.208
 
Willkommen zurück und viel Spaß mit dem neuen Kapitel.
Bis hoffentlich nicht erst 2022...

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Merle.

Es dauerte nicht lange, bis der Sänger breit grinsend auf mich zukam. Ich hätte ihm die Augen auskratzen können, so wütend war ich auf ihn.
„Misch dich nie mehr in meine Angelegenheiten ein, Mark, hörst du!?“, fuhr ich ihn an, als er bereits auf halber Strecke zu mir war. Er hob lediglich abwehrend die Hände und begann zu grinsen.
„In welche Angelegenheiten?“
Ich verdrehte die Augen. Er konnte sich dumm stellen, doch ich wusste genau, was ich gehört habe. Ich öffnete meinen Mund, doch bevor ich auch nur ein Wort sagen konnte, fing Mark wieder an zu sprechen.
„Wünscht du dir vielleicht, dass ich mich beschützend an deine Seite stelle? Ich mache doch fast alles für mein Team.“
In mir kochte es. Kein Mensch, wirklich keiner, provozierte mich so schnell, wie er es tat. Ich biss mir fest auf die Lippe und wusste, dass ich in meiner Wut nun jedes Wortgefecht verlieren würde. Dieser Mann war wirklich die Pest.
„Du widerst mich an“, fauchte ich und drehte mich in einer schwungvollen Bewegung von ihm weg. Er begann zu lachen. Ihm machte es scheinbar einen Heidenspaß sich mit mir auseinanderzusetzen. Und ich durchschaute ihn immer mehr. Er konnte die Rolle des lieben und unschuldigen Mannes perfekt spielen. Doch ich wusste, dass das nicht alles war.

Innerlich atmete ich auf, als mein Taxi um die Ecke bog. Ich hob meine Hand und trat an die Bordsteinkante, während das Taxi vor mir anhielt. Mit einem triumphierenden Lächeln sah ich Mark Forster an und hob eine Hand, ehe ich die Wagentür öffnete und in das Taxi stieg. Ich konnte mein Glück kaum fassen.
Ich begrüßte die Fahrerin und schloss die Tür.
Die Fahrerin hatte natürlich unlängst mitbekommen, wer da mit mir bis eben auf dem Bürgersteig gestanden hatte und so hatte ich den Eindruck, dass das euphorische Grinsen nicht mir galt. Aber das sollte mir egal sein.
Ich atmete tief durch und ließ mich in meinen Sitz fallen. Ich war dem Forster entkommen und nun konnte ich hoffentlich den restlichen Tag ohne unliebsame Ereignisse durchleben.
Die Fahrerin startete bereits und ich unterdrückte den Drang meinem geliebten Coach noch den Mittelfinger zu präsentieren.
„Wohin soll's gehen?“, fragte mich die Fahrerin, nach einem kurzen Wendemanöver und fuhr in Richtung Hauptstraße.

Die Fahrt verlief schweigend. Wir fuhren etwa fünfzehn Minuten durch Berlin und einzig die leise Musik aus dem Radio war zu hören.

Wir parkten schließlich vor einem Hotel, welches nicht den Eindruck machte, dass dort eine Fernsehshow ihre prominenten Gäste nächtigen lassen würde.
Ich verabschiedete mich höflich von der Fahrerin, während ich ihr einen Zwanziger reichte. Sofort nachdem die Rechnung beglichen war, öffnete ich meine Tür und sprang förmlich aus dem Taxi.
Ich schulterte meine Tasche und lief eilig den asphaltierten Weg entlang, welcher mich zum Eingang des Hotels führte.

Am Haupteingang wurde mir jedoch schlagartig bewusst, dass das hier tatsächlich das richtige Hotel sein musste. Zwei Security standen vor der Glastür und musterten argwöhnisch.
"Ausweis?", brummte der eine als ich näher trat und ich hob eine Augenbraue.
"Ich bin hier verabredet."
Der Security lächelte genervt: "Natürlich, wie jeder hier. Ohne Ausweis kein Einlass."
Ich schnaubte und machte kehrt.
Wunderbar.
Ich entfernte mich ein paar Schritte vom Eingang und aus meiner Tasche fischte ich mein Telefon und suchte nach der Nummer meines Patenonkels.
Meine Finger zitterten vor Wut, als ich den Anruf startete.

Es klingelte.
Das Piepen drang in mein Ohr und ich verdrehte die Augen.
Und dann erklang die mechanische Stimme der Mailbox.
Große Klasse.

Wütend steckte ich mein Handy zurück in meine Tasche und schnaubte. Typisch.
Mit einer Hand fuhr ich mir entnervt durch die Haare, ehe ich meine Tasche öffnete und meine Zigaretten hervor nahm.
Grundgütiger, dank dieser ganzen verdammten Show rauchte ich momentan Kette. Dieser Gedanke brachte mich auch zum ersten Mal, seit ich nach Berlin gekommen war, dazu meine Studienkollegen und Freunde ernsthaft zu vermissen. Wie gern würde ich nun wieder in Hamburg sein...

„Merle!“
Vor Schreck fiel mir die Zigarette aus der Hand, als ich plötzlich die Stimme von Micha vernahm. Mein Pate kam mit eiligen Schritten auf mich zu. Ich grinste ihn an und wollte ihn gerade umarmen, als ich seinen seinen Blick bemerkte. Ich kannte diesen Gesichtsausdruck, den hatte er bereits drauf als ich noch nicht einmal in die Schule ging. Es war der 'Tut mir leid, Süße, mir ist etwas dazwischen gekommen. Wir holen das bald nach, versprochen'-Blick.
"Das ist nicht dein Ernst", murrte ich entnervt. Smudo hob beide Hände zu einer entschuldigenden Geste.
"Wir haben kurzfristig ein Coach-Meeting."
Ich verdrehte die Augen und seufzte schließlich: "Diese Show raubt mir wirklich den letzten Nerv. Aber gut, wenn du mich an den Security vorbei bringst, warte ich im Foyer und wir gehen danach essen."
Doch Michas Blick wurde nicht entspannter. Im Gegenteil, nun kratzte er sich verlegen am Hinterkopf.
"Also du weißt, ich habe dich immer gern dabei aber…", begann er und mir schwante Übles, "...wir wären dann nicht allein zum Essen."
Sein Blick sprach Bände und ich stöhnte entnervt auf: "Das ist nicht dein Ernst?"

-

Ich hätte gehen sollen, als ich noch die Chance gehabt hätte. Doch Michas Versprechen, nur eine halbe Stunde zu essen und dann in seinem Zimmer gemütlich mit ihm allein zu plaudern, hatte mich meine Vorsätze komplett ignorieren lassen.
Und als wäre ich von einem Dämon besessen, welcher mich Tag ein, Tag aus begleitete…
…machte es sich Mark Forster auf seinem Stuhl bequem und sah mich mit einem solch arroganten Grinsen an, dass mir fast schlecht wurde.

Glücklicherweise kam bereits nach wenigen Augenblicken ein Kellner auf uns zu und ich überlegte ernsthaft mir einen Kurzen zu bestellen. Angesichts der Tageszeit wäre dies jedoch ein bisschen auffällig.
Also besann ich mich bei meiner Bestellung auf meine letzte Getränkewahl, als ich mit Mark Forster einen Tisch teilen musste.  
Micha versuchte die unangenehme Stimmung bereits durch Small Talk zu retten, doch darauf würde ich nicht eingehen.
"Vielleicht möchte Merle ja von ihrem Meeting heute erzählen", meinte Mark plötzlich als Antwort auf Michas unglücklich belanglose Frage nach der Entscheidung bei der Speisenauswahl.
Ich tötete den Brillenträger mit meinen Blicken und statt einer Antwort, hörte man lediglich die leise Klaviermusik über die Lautsprecher an der Decke.
Er dachte vielleicht, dass das ein unglaublich witziger oder kluger Schachzug wäre, doch weit gefehlt.
Von diesem primitiven Verhalten würde ich mich nicht einschüchtern lassen.
Micha nahm das in den Raum geworfene Thema jedoch ahnungsloser Weise an.
"Du hattest heute dein erstes Meeting? Wie war es?"
Ich lächelte gespielt: "Sehr aufschlussreich."
"Wow, man hat das Gefühl selbst dort gewesen zu sein, bei deinen detailgetreuen Beschreibungen", versuchte mein Patenonkel zu scherzen, doch keiner lachte. Stattdessen hörten wir bis das Essen kam nur noch die ruhige Klaviermusik. Dieser Umstand wiederum ließ Minuten zu Stunden werden und Mark grinste vor sich hin und war stolz auf seine kindische Meisterleistung.

Als schlussendlich das Essen serviert wurde, rang ich mir doch ein paar Sätze über das Meeting ab und ignorierte dabei Anwesenheit des Sängers mir gegenüber. Anschließend wechselten auch Micha und Mark noch einige Worte über ihre Meetings der letzten Tage und ich beschäftigte mich mit dem Risotto vor mir.
Ich bezweifelte, dass die Stimmung noch weiter sinken könnte. Warum musste der Forster auch ständig überall auftauchen, wo ich gerade ebenfalls war?
Ich ließ meinen Blick zu ihm wandern und bemerkte, dass auch er zu mir sah. Ich verengte meine Augen zu Schlitzen. Dieses schleimige, arrogante Grinsen ekelte mich förmlich an.
"Merle?", riss mich Michas Stimme jedoch schnell aus meinen Gedanken und ich sah zu meinem Patenonkel. Dieser lächelte mich an und sagte: "Wenn es okay ist, können wir auch die Rechnung kommen lassen?"
Mein Blick sank kurz auf mein Risotto und ich schüttelte den Kopf. Sollte der Forster machen was er wollte, die rare Zeit mit Micha würde ich mir nicht nehmen lassen, geschweige denn vermiesen. Also sah ich wieder auf und ihn an und lächelte beschwichtigend.
"Das Essen ist großartig", sagte ich schließlich und stöhnte innerlich selbst über mich. Small Talk war einfach nicht meine Kragenweite und jeder der mich kannte, wusste das. Doch mein Pate schien über mein gespieltes Friedensangebot für das heutige Essen sehr glücklich zu sein. Allein dieser Umstand sollte mir genügen.
"Wie lange hast du eigentlich noch Semesterferien?", fragte er schließlich und ich war ein bisschen froh einmal nicht über die allgegenwärtige Fernsehshow zu sprechen.
"Im Oktober geht es erst weiter, aber ab September mache ich ein Praktikum bei einem Verlag in Hamburg, welcher sich auf Berichte über Großevents spezialisiert hat."
Micha pfiff anerkennend und die Leute vom Nachbartisch drehten ihre Köpfe zu uns. Das brachte mich dann doch tatsächlich zum Lachen. Wir Drei mussten hier schon ein ulkiges Bild abgeben.

Mark Forster nutzte seine Chance, als Micha sich entschuldigte um ein wichtiges Telefonat entgegen zu nehmen. Ich sah ihn an und verdrehte die Augen. Dieses eklige Grinsen musste doch eingemeißelt sein…
"Spar dir den bösen Blick, Merle, eigentlich sitzt du doch nur zu gern hier am Tisch mit mir."
Ich lachte trocken auf: "Spar es dir."
"Deine Ignoranz verletzt mich", gab er zurück und grinste noch immer.
Und dann kochte die Wut wieder in mir hoch. Dieser arrogante Kerl kotzte mich an und seine Anwesenheit sorgte für Übelkeit bei mir.
"Du bist die Pest, Mark, wirklich. Warum verfolgst du nicht zur Abwechslung mal einen deiner anderen Kandidaten, statt mir ständig nachzustellen?"
"Dir nachstellen? Nimmst du dich nicht vielleicht etwas zu wichtig?"
Ich schnaubte entnervt: "Du verfolgst mich wie ein Schatten, also nein, ich nehme mich nicht wichtig. Aber ich sage dir jetzt zum letzten Mal: Lass mich in Frieden. Du bist der letzte Mensch mit ich Zeit verbringen möchte, genau genommen frage ich mich wie überhaupt irgendjemand in deiner Nähe sein möchte. Du bist wirklich die schlimmste Gesellschaft die man sich in irgendeiner Form vorstellen könnte."
Als ich meinen Monolog beendet hatte, war Marks Grinsen verschwunden. Stattdessen schien er jetzt wütend zu sein. Sein Blick wurde so finster, wie bei den Battles und kurz beschlich mich der Gedanke, ob ich mit meinen Worten nicht vielleicht etwas zu weit gegangen war. Ich öffnete meinen Mund um wenigstens eine halbe Entschuldigung hervorpressen zu können, doch Mark Forster kam mir zuvor. Seine Stimme war eisig und passte gar nicht zu dem was ich bisher von ihm kennengelernt hatte, jedoch passte es hervorragend zu Bild welches ich in meinem Kopf von ihm seit Tag Eins hatte.
"Ist dir jemals in den Sinn gekommen, dass dich all die anderen Leute in der Show nicht aufgrund deiner Verbindung zu irgendeinem aus der Jury so behandeln, sondern weil du einfach ein unglaublich arroganter und unsympathischer Mensch bist?"
Ich spürte wie mir die Hitze in die Wangen stieg.
"Du bist Schuld daran und das weißt du auch!" Wieder drehten sich Leute zu uns um, doch ich war zu wütend um meine Stimme zu dämpfen.
Nun setzte mein Gegenüber wieder sein übliches Grinsen auf und ich hätte ihm die Augen auskratzen können.
"Mit Kritik hast du es nicht so, oder?" Seine Fragte triefte förmlich vor Spott.
Wo war eigentlich mein Patenonkel wenn man ihn brauchte?
"Noch ein Wort von dir und schwöre dir, ich steige über den Tisch."
Plötzlich lachte er auf, nur um mich dann ganz genau zu beobachten: "Das würde ich liebend gern sehen."
Doch bevor ich irgendetwas hätte sagen können, kam Micha zurück und setzte sich wieder zu uns.
In mir brodelte es und wenn wir dieses Restaurant nicht umgehend verlassen würden, nähme es sicherlich kein gutes Ende.
"Ich glaube wir sollten zahlen", presste ich hervor und war froh keinen Widerspruch zu hören.

Als wir eine fünfzehn Minuten später auf die Terrasse des Hotels traten, war die Stimmung auf ihrem absoluten Tiefpunkt angelangt. Ich steckte mir eine Zigarette an und pustete den Rauch genervt in die Nachtluft.
Micha schien bereits verstanden zu haben, dass während seines Telefonats keine Liebesbekundungen zwischen Mark Forster und mir ausgetauscht wurden und so hatte mein sonst so gesprächiger Pate es ausgesprochen eilig sich von seinem Jury-Kollegen zu verabschieden.
Auch Mark schien kurz angebunden zu sein, doch natürlich ließ er sich die Verabschiedung von mir nehmen.
Es wirkte fast, als hätte er vorgehabt seine Arme nach mir auszustrecken, doch ich wich zurück und reichte ihm die Hand.
"Na dann viel Spaß euch noch", sagte er dann um die Stille zu brechen und ließ meine Hand los. Micha nickte und drehte sich bereits zur Terrassentür, als ich erneut Marks Blick auffing. Er lächelte mich mit seinem breitesten Zahnpastalächeln an.
"Das mit dem Tisch holen wir hoffentlich nach?"
Ich öffnete entrüstet den Mund, doch kein Wort verließ meine Kehle. Dieses Ekel.

Als Mark verschwunden war und wir zur Hotelbar liefen, spürte ich Michas Blick auf mir ruhen.
"Möchte ich wissen, was er damit gemeint hat?"
Ich seufzte: "Ich denke nicht."
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