Am Leben

OneshotFamilie, Schmerz/Trost / P12
Link Zelda
12.09.2019
12.09.2019
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Hallo ihr alle!

Zur Abwechslung wollte ich einmal eine kurze, fluffige Geschichte schreiben, und über wen ginge das besser als mein wohl allererstes OTP Link und Zelda? Nehmt es mir nicht übel, wenn ich beim Schreiben komplett die noch anstehende Fortsetzung zu Breath of the Wild außer Acht gelassen habe, aber ich wollte nicht noch weiß Hylia wie viele Jahre darauf warten, diesen Oneshot zu schreiben ^^
Wenn euch die Geschichte gefällt (oder auch nicht) hinterlasst doch ein Review; ansonsten bleibt mir nichts anderes übrig als euch viel Spaß beim Lesen und noch einen schönen Tag zu wünschen!



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Ein sanfter Wind wehte durch die Blätter der Bäume, den Hügel hinab und wurde zu Wellen im schmalen Flussbett. Die Grashalme und Ähren des weitläufigen Feldes bogen sich nur schwach unter dem Hauch und wiegten hin und her, begleitet vom leisen Raschelnd der Büsche und Sträucher. Weite Schatten warfen die Wolken, die träge an der Sonne vorbeizogen, deren wärmende Strahlen vom nicht allzu fernen Sommer zeugten.

Alles war still und friedlich in der Ebene Akalas, und nur zuweilen wurde die Idylle von Schlägen, Holz auf Holz, enthusiastischen Rufen und lautem Gelächter durchbrochen. Am Fuße des Hügels, wenige Schritte weit vom Strand und Fluss entfernt, tobten drei Gestalten umeinander herum; eine großgewachsene und zwei, die ersterer kaum mehr zur Hüfte reichten. Jede von ihnen hielt einen Stab in ihren Händen, welche die zwei Kleinen wild und flink wie Wiesel auf ihren Gegner niederfuhren ließen. Ohne Schwierigkeiten blockte der Erwachsene jedoch jegliche Schläge ab, Laute des Erstaunens und der Ermutigung von sich gebend.

Eine ganze Weile noch ging dieses Schauspiel vonstatten, und auch wenn die zwei Kleinen langsamer, ungenauer in ihren Attacken wurden, ihre Entschlossenheit suchte dennoch ihresgleichen. Ob es wohl sodann ein missglücktes Manöver oder eiskalte Berechnung war, ließ sich unmöglich beurteilen, als einer der Kämpfenden geradewegs auf den Größeren zusprang und ihn mit sich zu Boden riss. Mit einem Platschen landeten beide Stöcke im Wasser, und der noch Verbleibende warf seine Waffe hinterher, nutzte die Gunst der Stunde und warf sich bäuchlings auf seinen Kameraden, alle Viere von sich gestreckt.

Das laute, ausgelassene Lachen aller Drei, wie sie sich einander umarmend im Kies herumwälzten, wohl noch überrascht vom Ausgang des Kampfes, drang hinauf bis zum Gipfel der Böschung, die sich über das weite Feld erhob. Frieden und Leben sprach aus diesem Bild, diesem Ausschnitt einer kleinen, perfekten Welt.

Zelda konnte nichts weiter tun, als darüber zu lächeln. Aufrichtig, mit ganzem Herzen, lächelte sie darüber. Es hatte Jahre gebraucht, bis sie gelernt hatte, dieses Glück, das sie gerade empfand, auch wahrhaftig zuzulassen. Ein Jahrhundert der Angst und der Verzweiflung lag hinter ihr, und es würde wohl ebenso lange dauern, bis sie alle Schatten auf ihrer Seele vollends würde abschütteln können.
Aber sie würde es, das wusste sie.

Es war kein einfacher, kein kurzer Weg bis dahin. Nach ihrem Erwachen hatte Zelda vor dem Nichts gestanden. Die Verheerung Ganon, sie hatte ihr alles genommen, ihr nichts übrig gelassen von dem, was einst gewesen war. All ihre Freunde, ihr gesamtes Königreich, ihr Vater – ermordet und zerstört und ausgelöscht. Nichts war mehr so gewesen, wie sie es vor ihrem Schlummer zurückgelassen hatte.

Bis auf Link.

Link war dagewesen. Er war ebenso wie sie erwacht, hatte sich Ganon entgegengestellt, ihn besiegt, sie alle gerettet, Hyrule gerettet. Stark und unbeirrt und voller Heldenmut, wie er es schon in den alten Tagen gewesen war. Am Leben. Am Leben, genau wie Zelda.

Mehr als einander hatten sie nach dem Kampf nicht gehabt. Die Zeit, in der sie beide erwacht waren, war nicht die ihrige gewesen, alles Zukunft, und sie Vergangenheit. Doch Zelda hatte die Welt sehen wollen, wie sie nun war, so wie Link sie gesehen hatte, auf seiner Reise zu ihr.
Den Reichen der anderen Völker hatten sie Besuche abgestattet, von den hohen Gipfeln der Goronen über die Wüste der Gerudo bis hin zu den Orni, beheimatet im kalten Norden. Sie waren bei Miphas Familie gewesen, hatten um Hilfe gebeten, Hyrule wiederaufzubauen, und mehr noch, um Verzeihung. Zelda wusste, sie verdiente das nicht. Es wäre an ihr gewesen, ihr Reich neu zu errichten, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Denn sie war die Prinzessin Hyrules… nein, nach dem Tode ihres Vaters die rechtmäßige Herrscherin, aber… es gab nichts, das sie weniger gewollt hätte. Sie war ihr Leben lang in ein Korsett aus Verpflichtungen und Prophezeiungen gezwängt worden, das mit Ganons Verschwinden endgültig gesprengt worden war. König Dorephan, Riju und die Oberhäupter der Orni und Goronen, Kaneli und Bludo, sie alle hatten ihre Völker einhundert Jahre zu beschützen gewusst. Und sie würden es auch weiterhin, denn Prinzessin Zelda existierte nicht mehr.

Nun gab es nur noch Zelda, die Frau mit der göttlichen Kraft, die sich ihr nicht mehr offenbaren wollte. Mit Link an ihrer Seite hatte sie Hyrule erkundet, wie es ihr früher nie möglich gewesen wäre. Abenteuer hatte sie erlebt, geforscht und gelernt und gelebt, Link stets an ihrer Seite. Und sie hatten sich erinnert, an alles, was einst gewesen war, was nun seien würde.

Irgendwann dann, im Laufe der Wochen, Monate, Jahre, war zwischen ihnen ein Band gewachsen, das zuvor nicht bestanden hatte. Zelda hätte nie gedacht, dass sie so sehr an etwas hängen könnte, wie sie an Link hing. Sobald sie bei ihm war, verschwanden all diese düsteren Gedanken, die sie fortwährend in sich trug, wichen dem Gefühl, sicher und geliebt zu sein, nur für sich selbst, und nicht mehr als das. Und auch Links Blick, mit dem er stets ernst und wachsam die Welt betrachtete, wurde weicher, sobald er seine Zelda ansah, als wäre sie ein ureigenster Teil seiner selbst. Als wären sie nur beieinander diejenigen, die sie schon immer hatten seien wollen.

Trotz dass es für Zelda ab diesem Punkt unmöglich erschien, jemals wieder ohne Link zu sein, so hatte sie dennoch nie einen Gedanken daran verschwendet, was darüber hinaus aus ihnen werden könnte. Umso überraschter, und ja, auch erschrockener war sie, als sie erkannt hatte, dass sie neues Leben geschaffen hatten. So sehr Zelda an sich gezweifelt hatte, ob denn ausgerechnet sie, die in alles andere als eine gewöhnliche Familie geboren worden war, ein Kind würde großziehen können, umso leichter schien alles für Link gewesen zu sein. Er hatte gelächelt, einfach nur überglücklich gelächelt und sie umhergewirbelt vor Glück, als er erfahren hatte, dass er Vater werden würde. Dieses Kind und Zelda, mehr wolle er nicht, bedeutete er ihr, nur diese Familie und das Glück, das sie ihm brachte.

Selbstverständlich hatten sie mit einer Tochter gerechnet, wie es schon immer Segen, oder vielleicht auch Fluch in der Königsfamilie gewesen war. Stattdessen hatten sie zwei Jungen bekommen, die einander ähnelten wie ein Wassertropfen dem anderen. Zelda hatte im Augenblick ihrer Geburt nichts als Enttäuschung empfunden, Enttäuschung über sich und ihre Unfähigkeit, nicht einmal der nächsten Wiedergeburt der Göttin Hylia das Leben zu schenken. Aber dann hatte Link ihr ihre Söhne in den Arm gelegt, und sie hatte nie wieder Enttäuschung beim Anblick der Jungen empfunden.

Mivali und Dabosa, so hatten sie ihre Kinder genannt. Sie sollten und würden kein Ersatz sein für die, die Link und Zelda verloren hatten, doch an die tapferen Recken wollten sie erinnern, an das Opfer, das Mipha, Urbosa, Revali und Daruk erbracht hatten. Ihre Freunde waren gestorben, damit ihre Kinder leben konnten.

Zelda liebte ihre Kinder über alles, vielleicht noch mehr, als sie Link liebte. Nein, es war eine andere Art der Liebe, grenzenlos und hoffend und zugleich sich stetig sorgend. So oft hatte sie an den Wiegen der Kleinen gesessen und gebetet zu den Göttinnen, dass ihre Kinder in Frieden aufwachsen dürften. Dass kein neues Unheil sich über sie erheben würde. Dass sie frei jeglicher Bestimmungen und Prophezeiungen, frei jeglicher göttlicher Kräfte leben könnten.

Ein leises Wimmern holte Zelda zurück aus ihren Gedanken; neugierig beugte sie sich über ein Weidenkörbchen, das neben ihr im Gras lag, und lächelte verschmitzt. In einer sanften Bewegung griff sie in den Korb und nahm ihre soeben erwachte Tochter in den Arm, die sich an die Brust ihrer Mutter kuschelte und sogleich wieder einschlief.
Fünf Jahre nach Mivali und Dabosa hatte Zelda doch noch eine Tochter geboren. Und auch wenn sie nun ihre eigene kleine, süße Zelda besaß, ähnelte diese ihrer Mutter in keinster Weise. Ganz und gar schien sie Links Kind zu sein, ihr jetzt noch spärliches Haar hatte die Farbe des Sommerweizens und ihre Augen strahlten wie Leuchtsteine. Zelda wusste nicht einmal, ob die göttlichen Kräfte Hylias sich auch in ihrer Tochter verbargen, doch sie hoffte inständig, dem wäre nicht so. Sie liebte ihre Kinder, ohne Kompromisse, und je weniger sie das Schicksal ihrer Eltern teilten, desto leichter war ihr Herz.

Sonnenstrahlen, die wärmend auf ihre Schultern fielen; Wind, der ihre Haare aufwirbelte und wieder fallen ließ. Rasche, kräftige Atemzüge, eine winzige Hand, die sich in ihre Tunika krallte. Und in der Ferne ihre drei Männer, die lachend und mit Kratzern übersät den Hügel zu ihr hinaufliefen, heller scheinend und schöner, als es je eine göttliche Macht gekonnt hätte. Dies war nun Zeldas gesamte Welt, ihr ein und alles. Das Beste, was sie je erreicht hatte.

Keine Göttin hätte es je so vollbracht, wie Zelda es getan hatte.
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