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Wilde Hühnerfedern und gefüllte Marmeladengläser

von SWDeni
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 Slash
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Melanie Klupsch Trudhild Bogolowski / Trude Wilma Irrling
12.09.2019
20.10.2020
21
69.384
1
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
20.10.2020 4.844
 
Kurzbeschreibung: Trude hofft auf die Enthüllung der Beziehung zwischen Sprotte und Frieda. Leider haben die beiden andere Ideen.

Charaktere: Sprotte, Frieda, Trude, Melanie, Wilma

Pairing: Sprotte/Frieda (erwähnt Wilma/Matilda)

Einordnung: zwischen "Coincidence" und "Bright" gelegt

Word Count: 4287

A/N: Da bin ich wieder mit einem neuen Kapitel. Dieses Mal wurde es inspiriert durch einen Kommentar zum letzten Kapitel, wo nach Trudes Reaktion oder weiterem Verhalten gefragt wurde, nachdem sie von Sprotte und Frieda erfahren hat. Und das hat mich nachdenklich gemacht. Und ehe ich mich versah, war das Kapitel hier geschrieben. Es ist nicht ganz so geworden, wie ich es eigentlich wollte, aber na gut. Irgendwie werden meine Kapitel nie so, wie ich sie mir zunächst gedacht habe. Aber so konnte ich wenigstens einen kleinen Bogen zwischen zwei Kapiteln schlagen und sie lose verbinden. Ich hoffe, dass der Wechsel zwischen dem Gespräch über die Hochzeit und Trudes Gedanken nicht zu unübersichtlich ist. Wenn doch, sagt bitte Bescheid und ich setzte dann einiges wie Gedanken in kursiv dazu. Aber erstmal probieren wir es so, ok?
Danke auch an meine fleißgen Reviewer zu dem neuen Kapitel.
ze-german: Ja, das war ehrlich gesagt auch mein Gedanke dabei. Sie ist eben nicht immer nur eine Zicke. Und wenn doch, dann kann sie wenigstens gute Tipps im Vorbeigehen geben. Zeigen, was sie alles weiß und kann und dafür auch noch gelobt werden. Die beste Kombi. ^^
elsek33 (anonymer Benutzer): Danke. ^^ Kann ich gerne versuchen zu schreiben. Hast du da besondere Wünsche zu dem Pairing oder darf ich einfach ins Blaue hinein schreiben? Ich bin da ganz flexibel bei.
No Name (anonymer Benutzer): Ja, Kleider aussuchen ist auch nicht so meine Stärke. Besonders nicht bei mir selber. Ich glaube, dass schwierige beim Beschreiben von Kleidern ist, die richtige Balance zu finden. Zu viel und es lenkt von der Handlung ab und zu wenig lässt es wie gewollt aber nicht gekonnt erscheinen. So empfinde ich es jedenfalls. Ich hab da eher Problem mit Stoffen, denn nicht alles kann aus Seide bestehen, fließen oder glitzern. Und wehe die Kleider sind zu komplex geschnitten. Dann lasse ich es doch lieber und bleibe bei sehr oberflächlichen Beschreibungen. Aber schön, dass es dir gefallen hat. Übung macht ja letztlich doch den Meister irgendwann. ^^
Ansonsten wünsche ich euch noch einen wunderschönen Abend und bleibt gesund!


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"Ok. Wir haben dieses Meeting heute aus einem besonderen Grund zusammengerufen."
Stolz streckte Sprotte ihr Kinn hervor und blickte auf die gespannten Gesichter ihrer Freundinnen vor sich, ehe sie mit ruhiger Stimme fortfuhr.
"Frieda und ich haben bereits ausgiebig darüber gesprochen und wir wollen jetzt gerne eure Meinung dazu hören."
Kurz streifte ihr Blick den von Frieda, bevor sie Wilma anschaute, die aufgeregt in ihrem Bandenbuch herumkritzelte.
"Wilma, du brauchst kein Protokoll zu führen. Wir sind doch keine offizielle Bande mehr und das ist auch kein offizielles Treffen der Wilden Hühner. Wir wollen nur ein paar Dinge mit euch gemeinsam besprechen."
"Ja, ja. Aber so haben wir jetzt wenigstens Dokumentation darüber, wann das Treffen stattgefunden hat und worüber wir gesprochen haben. Falls wir es später noch mal nachlesen wollen."
Grinsend blickte sie zu Sprotte auf, ehe sie das Buch schwungvoll zuklappte und dem Oberhuhn ihre volle Aufmerksamkeit schenkte.
Melanie auf ihrer linken Seite blickte ebenfalls auf und verschloss mit spitzen Fingern ihr Nagellackfläschen, mit dem sie die Nägel ihrer linken Hand pink angemalt hatte.
Zwischen Wilma und Melanie hockte Trude, die seit ihrem Eintreffen im Wohnwagen aufgeregt auf ihren Nägeln herumkaute und versuchte nicht laut loszuschreien. Ob aus Frustration, Freude oder um endlich das Geheimnis loszuwerden, wusste sie dabei nicht.
Es war bereits eine ganze Woche vergangen seit sie Sprotte und Frieda auf ihrem geheimen Date getroffen hatte und seitdem ihr Geheimnis mit sich herumtragen musste. Niemanden hatte sie es bisher anvertraut, obwohl sie einige Male kurz davor gewesen war.
Steve hatte sie die Tage über für verrückt erklärt, da sie entweder eisern geschwiegen, wie ein Wasserfall über irgendwas geredet oder laut und schrill lachend an seiner Seite verbracht hatte. Auch ihren Freundinnen war aufgefallen, dass Trude ihnen auswich oder auf Fragen nur mit knappen Worten oder Schweigen antwortete. Ohne dabei jemals Blickkontakt herzustellen.
Ihre Fingernägel waren bereits bis zum Rand abgekaut, ihre Lippe blutig gebissen und sie hatte begonnen sich auffällig oft am Hals oder den Nacken zu kratzen, wenn sie ihre Freundinnen oder Steve sah oder direkte Fragen beantworten musste. Sie wurde zu einem nervlichen Wrack und das alles nur, weil sie nicht das große Geheimnis vor allen enthüllen wollte.
Sprotte und Frieda hatten ein Recht darauf ihren Freundinnen selber von ihrer Beziehung zu erzählen.
Wenn sie sich bloß nicht so verdammt viel Zeit dabei lassen würden.
Aber dann hatte Sprotte an diesem Tag in der Schule ein Meeting zwischen allen Wilden Hühnern einberufen, um ihnen etwas Wichtiges mitzuteilen.
Und Trude wusste bereits, um was es ging. Sie spürte es tief in ihrem Herzen und das etwas manisch wirkende Lächeln verließ den ganzen Tag über nicht mehr ihr Gesicht. Zur Verwunderung und Grausen ihrer Freundinnen.
Endlich würde sie von dieser erdrückenden Last befreit werden und musste nicht länger Pflaster um ihre Fingerspitzen wickeln oder Creme auf die entzündeten Stellen an ihrem Hals schmieren.
Ja. Die Geheimniskrämerei war endlich vorbei und wenn es auch die anderen Mädchen wussten, dann konnte Trude sich auch wieder entspannen.
Wenn Sprotte nur nicht immer versuchen würde, alles spannend zu gestalten und einfach mit der Sprache herausrücken würde.
Trude wusste nämlich nicht, wie lange sie sich noch auf die Lippen beißen konnte, ehe sie es selber herausschrie.
"Nun mach schon Sprotte. Wir haben nicht ewig Zeit.", beschwerte sich Melanie genervt und klopfte mit ihren nicht lackierten Fingern ungeduldig auf der Tischplatte herum.
Dankbar sah Trude zu Melanie hinüber, während Sprotte nur beleidigt den Mund verzog, aber dann schließlich doch zu sprechen begann.
"Ok. Da wir ja jetzt mit den Unterbrechungen fertig sind, können wir ja weitermachen. Frieda und ich haben uns unterhalten wegen der Planung der Hochzeit meiner Eltern."
Zustimmendes Gemurmel setzte ein, während Trude wie erstarrt sitzen blieb und träge blinzelte. Nur langsam registrierte sie, was Sprotte gesagt hatte und erdrückende Verzweiflung machte sich in ihr breit.
Das konnten die beiden Mädchen doch nicht ernst meinen, oder?
"Die Trauung findet im Standesamt statt und danach werden dort noch Fotos von uns allen gemacht.", fuhr Sprotte fort, ohne dabei das verzweifelte Gesicht von Trude zu bemerken, deren Lächeln nur noch schief in ihrem Gesicht hing.
"Genau. Danach werden wir alle gemeinsam hierher fahren und auf die restlichen Gäste warten.", erklärte Frieda weiter und zog einen Block hervor, wo sie den genauen Ablauf der Feier schon mit Sprotte gemeinsam aufgeschrieben hatte.
Während sich Wilma und Melanie interessiert vorbeugten, ließ sich Trude tiefer in ihren Sitz sinken.
Sie konnte nicht glauben, dass dies gerade wirklich passierte. Wie hatte sie sich nur so irren können?
"Im April müssen wir hier noch so einiges vorbereiten. Der Rasen muss gemäht werden, wobei wir da Hilfe von Fred bekommen."
"Ich hab mit ihm gesprochen und er leiht uns den Rasenmäher seiner Eltern. Das ist sogar einer, mit dem man herumfahren kann und nicht selber schieben muss.", berichtete Frieda begeistert und setzte einen Kreis vor die betreffende Spalte in ihrer Liste.
"Auch müssen wir den Wohnwagen und Hühnerstall davor noch ordentlich putzen und wahrscheinlich auch den Zaun noch mal ausbessern.", fuhr Sprotte weiter fort und Frieda setzte nickend einen weiteren Kreis vor zwei Spalten.
War das alles hier nur ein Witz? Ein Spiel, um sie in die Irre zu führen? Legten ihre Freundinnen Trude vielleicht gerade rein und lachten heimlich über ihr dummes Gesicht?
"Die Musik ist auch schon geklärt. Mum hat einen DJ angeheuert, der alles selber mitbringt. Lautsprecher und Spotlights usw. Aber das sollten wir Torte vielleicht erst sagen, wenn es so weit ist. Sonst wird er uns die nächsten Wochen nur nerven und darum bitten, selber Musik auflegen zu dürfen. Und Mum war da absolut dagegen."
Grinsend nickten Wilma und Melanie, während sich ein weiterer Kreis zu den anderen dazu gesellte.
Wussten die anderen vielleicht wirklich schon über Sprotte und Frieda Bescheid? Konnten sie ein Geheimnis wirklich so gut vor Trude verbergen?
Trude besah sich die Gesichter ihrer Freundinnen etwas genauer, während diese weiter über die Planung der Hochzeit sprachen.
Konnten ihre Freundinnen wirklich so gemein sein und so tun als wäre nichts? Nur, um Trude einen Streich zu spielen?
"Die Lichter besorgen Frieda und ich und ein paar kriegen wir sogar von den Pygmäen gesponsert. Die haben ja auch genug bei sich herumliegen, nach all den Partys die sie immer am Baumhaus schmeißen."
Nein, dass würden die anderen Wilden Hühner ihr nicht antun. Sie wussten ja, wie Trude zu solchen Scherzen auf ihre Kosten stand.
"Tilda und ich arbeiten schon an unserem gemeinsamen Geschenk für deine Eltern. Sobald der Grundriss fertig ist, bringen wir es hierher. Damit wir alle gemeinsam daran arbeiten können."
"Ich hab auch schon angefangen, nach den anderen Sachen zu suchen, die wir dafür noch brauchen.", warf Melanie ein und zog sich Friedas Block näher, um ein paar der Sachen näher lesen zu können. "Ich hab noch nicht alle gefunden, aber was ich schon habe, werde ich in den nächsten Tagen auch hierher bringen. Bevor meine Schwester die sieht und sich etwas davon nimmt. Sie schnüffelt ja jetzt schon ständig in meinen Sachen herum."
Wann nur wollten Sprotte und Frieda es denn endlich den anderen Wilden Hühnern erzählen? Das Geheimnis musste sie doch ebenfalls von innen her auffressen so wie bei Trude. Sie nicht mehr schlafen und jeden Blickkontakt zu den anderen Mädchen ausweichen lassen. Oder etwa nicht?
"Super. Dann können wir das Geschenk ja schon einmal als in Bearbeitung hinterlegen."
Frieda zeichnete einen weiteren Kreis und malte diesen zur Hälfte aus, ehe sie mit dem Finger langsam über die restlichen Punkte auf ihrer Liste glitt.
"Die Tische und Stühle werden von einem Unternehmen hierher gebracht und beim Aufstellen wird man uns dann auch helfen."
Wollten die beiden etwa ihre Beziehung für immer vor den anderen geheim halten? So wie es Melanie auch schon getan hatte?
Entsetzt fuhr sich Trude über das Gesicht und stöhnte innerlich auf.
"Das Essen wird auch an dem Tag geliefert. Teller und Geschirr dann ebenfalls."
Das durften die beiden nicht machen! Das würde Trude nicht überleben! Das konnte sie nicht überleben!
Dieses Geheimnis brannte heiß in ihrer Brust und irgendwann würde sie nicht mehr an sich halten können und es einfach herausschreien. Und sich später für ihr Versagen gegenüber Sprotte und Frieda hassen. Die sie dann bestimmt auch nicht mehr, als ihre Freundin haben wollten.
Warum mussten die beiden es ihr auch so verdammt schwer machen?!
"Das Dekorieren der Tische und unseres Wohnwagens überlässt Mum uns."
Sprotte blickte auf und grinste Melanie kurz zu, die stolz das Kinn vor streckte und sich Friedas Stift schnappte.
"Mit uns meinst du wohl eher mich. Ich bin schließlich die mit dem besten Geschmack von uns allen."
Schnell kritzelte sie etwas in eine freie Spalte und schob Frieda wieder den Block zu, die sie mit hochgezogenen Augenbrauen ansah.
"Ich denk mir was aus und sag euch Bescheid, was wir brauchen. Das meiste können wir sicherlich auch selber basteln. Ich hab da auch schon ein paar gute Ideen."
Oder vielleicht war dies auch vornherein Sprottes Plan gewesen. Erst etwas anderes ansprechen, Pläne schmieden und Aufgaben verteilen, ehe sie ihr Geheimnis teilte. Um nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen.
Erleichtert atmete Trude auf und lehnte sich etwas vor, um auch einmal auf den Block schielen zu können.
So musste es sein. Wenn sie fertig waren über die Hochzeit und die Vorbereitungen dafür zu sprechen, dann würden Sprotte und Frieda sicherlich mit der Sprache rausrücken.
Ganz sicher.
"Mum und Dad kümmern sich auch um die Torte. Das einzige Problem ist das Hochzeitskleid."
Bei diesen Worten verzog Sprotte qualvoll das Gesicht und ließ sich neben Frieda auf die Bank sinken, die sie kurz mit der Schulter anstieß.
Ob sie wohl unter dem Tisch Händchen hielten, fragte sich Trude abwesend und wünschte sich, dass sie es von ihrem Platz aus sehen könnte.
"Immer noch kein Glück gehabt?", fragte Melanie mit hochgezogener Augenbraue und öffnete erneut ihr Nagellackfläschen, um ihre noch fehlende Hand zu bemalen.
"Nein. Den Anzug für Dad haben wir letzte Woche gefunden und der wird dann später noch angepasst. Aber Mum kann sich einfach nicht entscheiden."
Sprotte seufzte gequält und fuhr sich mit einer Hand durch die Haare, während ihre Freundinnen sie verständnisvoll ansahen.
Außer Trude, die gedankenverloren auf den Tisch blickte und sich fragte, wie die anderen Mädchen die kleinen Berührungen und Gesten zwischen Sprotte und Frieda nicht sehen konnten. Dabei war es doch so offensichtlich.
"Sie hat im Laden mindestens zehn verschiedene Modelle angezogen, aber keines hat ihr gefallen. Mir übrigens auch nicht. Das waren alles so schrecklich glitzernde und üppige Kleider, mit denen man nicht mal durch normale Türen passt. Oder ständig über die Schleppe stolpert. Ich weiß wirklich nicht, warum Mum dieses Modell so unbedingt kaufen will. Es passt gar nicht zu ihr."
"Vielleicht denkst du das auch nur.", warf Melanie schulterzuckend ein und rieb überschüssigen Lack von ihrem Finger, der nicht sein Ziel getroffen hatte.
"Ich weiß es. Du warst nicht dabei.", entgegnete Sprotte gereizt und hielt kurz inne, um Frieda anzusehen, ehe sie etwas ruhiger fortfuhr. "Sie sah unglücklich in den Kleidern aus. Das konnte man deutlich sehen. Außerdem haben sie und die Verkäuferin mich ständig nach meiner Meinung gefragt und waren dann beleidigt, weil ich von keinem Modell begeistert gewesen bin."
"Ach Sprotte.", seufzte Melanie dramatisch und fing sich erneut einen bösen Blick von Sprotte ein.
Aber ehe eines der Mädchen noch etwas sagen konnte, unterbrach Frieda sie auch schon mit einem entwaffnenden Lächeln.
"Die Wahl eines Brautkleides ist ja auch keine einfach Aufgabe. Wie wäre es, wenn wir dich zu dem nächsten Termin begleiten würden?"
"Wir alle zusammen? Ich weiß nicht. Wird das dann nicht viel zu voll im Laden werden?", gab Sprotte zögerlich zu bedenken, während sie Frieda einen entschuldigenden Blick zuwarf. Den diese mit geröteten Wangen und niedergeschlagenen Augen entgegennahm.
Konnten die beiden denn noch offensichtlicher sein? Trude blickte sich kurz um, aber entdeckte weder in Wilma noch Melanie, dass diese dieselben Gedanken wie sie hatten. Unglaublich.
Wilma tippte gedankenverloren auf ihrem Handy herum und Melanie schloss mit hoch konzentrierter Miene ihr Nagellackfläschen erneut, ehe sie auf ihre angemalten Finger pustete.
Konnten die beiden Mädchen wirklich so blind sein?
"Ich finde, dass es eine gute Idee ist. Und wir müssen ja nicht alle mitkommen. Nur wer eben Zeit hat. Wann ist die nächste Anprobe?", fragte Melanie und legte ihre Hand vorsichtig auf die Tischplatte.
"In einer Woche. Am Mittwoch."
"Oh! Da habe ich Zeit.", meldete sich plötzlich Trude zu Wort und wurde rot, als sie die Blicke ihrer Freundinnen auf sich spürte.
Sie hatte eigentlich nichts sagen wollen, aber sie liebte Brautkleider. Sie liebte die Form und das Gefühl, wenn man sie anfasste und der Stoff geheimnisvoll raschelte. Wir glücklich die Frauen immer in diesen aussahen und wie die Männer am Altar ihre Frauen anblickten, wenn sie auf sie zuschritten. Es war wie im Märchen.
Hochzeitskleider hatten etwas Magisches an sich und Trude wollte schon seit Langem in einem Brautmodegeschäft gehen. Es war die perfekte Gelegenheit dafür.
"Ok! Dann fahren wir nach der Schule direkt da hin. Vielleicht haben wir ja Glück und finden das richtige Kleid für Mum. Ich will nicht in noch mehr Geschäfte gehen und die immer gleichen Kleider sehen müssen.", meinte Sprotte mit einem Frösteln und zog erneut den Block zu sich, um einen Blick darauf zu werfen.
"Ich denke, dass wir dann alles Wichtige wegen der Hochzeit erst mal besprochen haben. Wegen des Geschenkes und der Dekoration haben wir ja noch ein wenig Zeit."
Nickend schlug Sprotte den Block zu und Trude richtete sich etwas gerader auf.
Jetzt war es soweit! Jetzt würden Sprotte und Frieda ihren Freundinnen von sich erzählen. Von dem Date und das sie ineinander verliebt waren.
"Wenn ihr sonst nichts zu besprechen habt, löse ich hiermit offiziell das Meeting auf."
Grinsend ließ Sprotte den Block auf den Tisch knallen und blickte erwartungsvoll in die Runde.
"Super! Tilda hat mir gerade geschrieben und gesagt, dass ihr Kunstkurs vorbei ist und ich sie jetzt abholen kann.", sagte Wilma strahlend und erhob sich, um den Wohnwagen zu verlassen. Auch Melanie hatte sich erhoben, aber beide Mädchen hielten erstaunt inne, als sie Trudes erstickte Stimme hörten.
"Wirklich?! Ihr wollt uns nicht noch etwas anderes sagen?"
Erwartungsvoll blickte sie zu Sprotte und Frieda, die sie verständnislos ansahen. Melanie und Wilma blickten sie ebenfalls fragend an und Trude merkte, wie das Blut in ihr zu kochen begann.
"Gar nichts? Ihr habt wirklich gar nichts, was ihr uns sagen wollt?!", fragte sie erneut und musste sich heftig auf die Zunge beißen, um nicht den Tisch umzuwerfen und laut zu schreien.
Das konnten ihre Freundinnen doch nicht Ernst meinen! Das konnten sie ihr doch nicht wirklich antun, oder?
Aber Sprotte zuckte nur hilflos mit den Schultern, während Frieda lächelnd eine Hand nach Trude ausstreckte.
Diese sah nämlich so aus, als wollte sie im nächsten Moment weinen. Oder einen Wutanfall kriegen.
"Wirklich nichts? Es ist nichts passiert, wovon ihr uns erzählen wollt?"
Und diesmal bekam Trude die gewünschte Reaktion.
Alle Farbe wich aus Sprottes Gesicht und Friedas gesamter Körper spannte sich an, als bereite sie sich auf einen Kampf vor.
"Was meinst du denn damit, Trude?", fragte Wilma verwirrt, während Melanie Sprotte und Frieda misstrauisch beäugte.
Kurz tauschten beide Mädchen einen Blick aus und Melanie zog nachdenklich die Stirn in Falten. Man konnte beinahe sehen, wie es dahinter geschäftig ratterte.
"Was meint Trude damit? Was verschweigt ihr uns?", fragte sie schließlich und faltete ihre Hände auf dem Tisch vor sich zusammen.
Wilma schaute nun ebenfalls zu Sprotte und Frieda, die mit verkniffenen Gesichtern vor ihnen saßen und beharrlich schwiegen.
Wilma und Melanie hatten ein Recht darauf es zu erfahren. Und dann musste Trude auch endlich nicht mehr das Geheimnis für sich bewahren. Ihre Freundinnen würden ihr sicherlich verzeihen, dass sie es war, die den Anstoß für ihre Unterhaltung gegeben hatte. Irgendwann.
Sprotte räusperte sich verlegen und blickte noch einmal zu Frieda, die nur kurz mit dem Kopf nickte.
"Naja, wir wollten es euch eigentlich erst später erzählen. Wenn es nicht mehr so neu ist und wir wissen, wohin es führen wird. Nicht das wir euch nicht vertrauen würden, aber ..."
Unbeholfen wedelte Sprotte mit ihrer Hand in der Luft herum und Frieda übernahm schnell das Gespräch, ehe Melanie oder Wilma sie unterbrechen konnten.
"Aber es war noch alles so neu und aufregend. Und ihr wart schließlich mit euren Beziehungen auch nicht immer ehrlich gewesen."
Kurz schweifte ihr Blick zu Melanie und Wilma hinüber, die empört die Gesichter verzogen.
"Sprichst du da etwa von Willi und mir?! Wir waren das erste Paar in unserer Schule, dass länger als eine Woche zusammengeblieben ist und außerdem wollte ich mir die Predigt von Sprotte ersparen. Von wegen mit dem Feind Bindungen eingehen.", sagte Melanie schnippisch, ehe Wilma sie lautstark übertönte.
"Und wenn du auf Leonie und mich anspielst, dann hatte ich ja wohl jeden Grund es geheim zu halten. Du hast ja gesehen, was passiert ist, als ihr und die ganze Schule es plötzlich wussten. Und von Tilda habe ich euch gleich erzählt, nachdem es passiert ist!"
Wilma hielt inne und warf Melanie einen kalkulierten Seitenblick zu, ehe sie breit grinste.
"Aber mit Melli hättest du natürlich recht. Sie ist die Königin darin ihre Beziehungen geheim zu halten und so zu tun, als gäbe es dafür einen guten Grund."
Fast augenblicklich traten rote Flecken auf Melanies Wangen und sie erhob sich drohend, um Wilma ein paar nicht sehr nette Worte an den Kopf zu werfen, als Trude sie erneut unterbrach.
"Sprotte und Frieda sind zusammen auf einem Date gewesen! Miteinander!"
Ihre Stimme war schrill und hallte unangenehm im Wohnwagen wider, während ihre Freundinnen sie überrascht anblickten.
"Es tut mir leid, aber ich kann es nicht länger für mich behalten. Ich kann es einfach nicht!"
Mit verzweifelten großen Augen blickte sie Sprotte und Frieda an, wobei die Erstere es mit einem kurzen Nicken bestätigte, während die Letztere ihr aufmunternd zulächelte.
Irgendwann hätten sie es ja sowieso ihren Freundinnen sagen müssen.
Endlich schienen die Worte bei Wilma und Melanie angekommen zu sein, da sie von Trude zu Sprotte und Frieda blickten und sie erstaunt ansahen.
"Wirklich? Ihr beide?" Kurz wedelte Wilma mit einer Hand zwischen den beiden Mädchen umher, ehe sie erneut fragte: "Ihr beide wart auf ein Date? Zusammen? Wirklich?"
"Ihr seid also ein Paar? So richtig mit küssen und Händchen halten, mein ich?", unterbrach Melanie sie interessiert und beugte sich etwas weiter über den Tisch, als Suche sie plötzlich deren Nähe.
"Ja, das sind wir.", antwortete Sprotte mit fester Stimme und ergriff beherzt Friedas Hand, die fast augenblicklich rot anlief und kicherte.
"Seit wann?", fragte Wilma, die sich verwirrt am Kopf kratzte und versuchte einen Sinn hinter den Worten zu sehen. Sie konnte sich nicht erinnern, dass sich Sprotte oder Frieda in letzter Zeit anders verhalten hatten. Weder zusammen noch alleine. Oder jemals Interesse an anderen Mädchen gezeigt hatten.
"Seit Silvester. Oder besser gesagt Anfang Januar. Wir haben uns geküsst und danach beschlossen, dass wir es miteinander versuchen wollen. So als Paar, mein ich."
"Genau. Und wir haben versucht, es nicht öffentlich zu zeigen, weil wir nicht wussten, ob es wirklich halten kann. So zwischen zwei Wilden Hühnern."
Beide Mädchen grinsten leicht, während Wilma verständnisvoll mit dem Kopf nickte und Melanie sich nachdenklich mit dem Finger gegen die Lippen tippte.
"Moment mal. Trude weiß davon, weil sie euch auf eurem Date getroffen hat? Wann war das? Wieso haben wir nichts davon mitgekriegt?"
Trude öffnete den Mund, um zu antworten, aber Sprotte war schneller und warf ihren Freundinnen einen unbeeindruckten Blick zu.
"Oh, ihr habt es mitgekriegt. Ihr habt uns nämlich alle nacheinander dabei unterbrochen. Erst Melanie, dann Wilma und schließlich auch Trude. Als hättet ihr euch vorher abgesprochen."
Frieda lachte bei diesen Worten und lehnte sich entspannt an Sprotte. Es war gut, dies auch endlich vor ihren Freundinnen tun zu können.
"Wir? Wann-."
Überrascht riss Melanie die Augen auf und lehnte sich so ruckartig zurück, dass sie fast gegen Trude stieß.
"Als Nick und ich euch in der Stadt getroffen haben? Als du diese schreckliche Frisur hattest und diesen viel zu weiten Rock? Das war euer Date?!"
Sprotte und Frieda nickten und sahen, wie sich das Entsetzen auch bei Wilma und Trude breit machte mit dieser Erkenntnis.
"Oh mein Gott. Und ich hab mich auch noch an euren Tisch gesetzt und mit Tilda da gegessen. Und deswegen hat sie mich dann auch einfach aus dem Laden geschoben, weil ich wollte, dass ihr uns begleitet. Das meinte sie also, mit Zeit alleine verbringen.", stöhnte Wilma entsetzt und rieb sich mit einer Hand über die Stirn, als könnte sie so die Erinnerung daran auslöschen.
"Dann hat Fred sich einfach in euer Date eingeladen und die anderen Pygmäen mitgezogen? Warum habt ihr denn nichts gesagt? Hätte Fred das gewusst, dann hätte er euch nicht zu dem Film eingeladen."
Beruhigend streckte Frieda ihre Hände aus und griff nach Wilma und Trude, die sich schrecklich über ihr Verhalten und besonders über ihre Einfältigkeit schämten. Sprotte dagegen trat Melanie einmal kräftig gegen das Schienbein, damit diese endlich aufhörte, sie über ihren Modegeschmack und Aufmachung bei Verabredungen zu belehren.
"So schlimm war es gar nicht. Es war wirklich lustig und-."
Kurz streifte ihr Blick den von Sprotte und die anderen Mädchen konnten die Luft zwischen ihnen leise knistern hören. Wie hatten sie es nur zuvor nicht wahrnehmen können?
"-uns hat das Date Spaß gemacht. Und wie ihr seht, sind wir immer noch zusammen. Trotz ständiger Unterbrechungen, eurer offensichtlichen Blauäugigkeit und dem fehlenden Modegeschmack. Ich hoffe, ihr könnt uns die Geheimniskrämerei verzeihen, aber wir wollten es nicht zu früh erzählen."
"Genau. Es muss sich auch nichts zwischen uns allen ändern. Es kann alles so bleiben, wie es jetzt ist. Und vielleicht könnt ihr euch ja schnell an den Gedanken gewöhnen, dass wir zusammen sind. Denn ich mag Frieda wirklich sehr gern.", sagte Sprotte und sah ihnen dabei fest in die Augen.
Und ich will sie nicht verlieren, blieb dabei unausgesprochen zwischen ihnen hängen.
Kurz trat Stille ein, ehe Wilma laut lachte und ihren Arm freundschaftlich um Trude und Frieda legte.
"Also mir macht es nichts aus. Solange ihr beide glücklich seid. Mann, Tilda wird mich nachher bestimmt auslachen, weil ich es nicht schon früher bemerkt habe."
"Ich bin da ganz Wilmas Meinung", meinte auch Melanie und stieß Trude scherzhaft in die Seite. "Wir müssen jetzt nur aufpassen, dass Trude keine unserer Geheimnisse mehr mitbekommt. Also halte deine Mutter lieber ganz weit von ihr fern, damit unsere Überraschung für ihre Hochzeit nicht schon vorher verraten wird."
Die Mädchen lachten zusammen, während Trude rot anlief und entrüstet die Wangen aufblies.
"Das stimmt doch gar nicht! Ich kann sehr gut ein Geheimnis für mich behalten. Wenn es noch jemand anderes wissen darf! Als würde ich Sprottes Mutter die Überraschung verderben wollen."
"Und warum bist du dann nicht erst zu uns gekommen und hast uns darauf angesprochen, was du gesehen hast?", fragte Frieda neugierig, während Sprotte neben ihr fragend den Kopf schief legte.
"Naja. Ich dachte, dass ihr es sicher in den nächsten Tagen nach eurem Date selber erzählen würdet. Und ehrlich gesagt, kam es mir nicht mal in den Sinn, euch direkt anzusprechen. Wenn ihr es erzählt hättet, dann hätte ich einfach überrascht getan."
Da lachte Wilma noch etwas lauter und zog Trude fest an ihre Seite, um ihr liebevoll durch die Haare zu streichen.
"Ach Trude, das hätte man sofort gemerkt. Du bist eine wirklich miserable Schauspielerin, wenn es um Geheimnisse geht, die du kennst. Du bist viel zu aufgeregt und platzt wie heute einfach mit den Neuigkeiten heraus."
Beleidigt verzog Trude das Gesicht, als plötzlich Wilmas Handy laut vibrierte und diese es aus ihrer Tasche zog.
"Oh Mist. Ich hab ganz vergessen, dass Tilda auf mich wartet. Ich muss los."
Flink griff sie nach ihrer Tasche und stand auf, ehe sie ihre Freundinnen noch mal anschaute und grinste.
"Aber das ist noch nicht vorbei. Für euer Geheimnis schuldet ihr uns was. Einen Kuchen und Kekse oder so. Und ihr werdet das nächste Mal alleine den Hühnerstall ausmisten. So als Strafe."
"Kuchen und Tee sind kein Problem. Aber das andere kannst du schön vergessen. Ich weiß ganz genau, dass du mit dem Ausmisten als Nächste dran bist. Davor kannst du dich nicht drücken.", entgegnete Sprotte gelassen und stand ebenfalls auf, um einen Teekessel voll Wasser auf den Herd zu stellen.
Sie hörte Wilma hinter sich leise beschweren, ehe sie zum Abschied winkte und durch die Tür in die Kälte verschwand.
"Ich muss auch los.", sagte Melanie mit gerunzelter Stirn und zog ihren Mantel an, ehe sie sich mit hochgezogener Augenbraue zu Sprotte umwandte.
"Wir sprechen dann morgen mal über deine Kleiderauswahl und was man bei ersten Dates tragen sollte. Also wirklich."
Damit ging sie ebenfalls zur Tür hinaus und verschwand grinsend durch diese, als Sprotte ihr nur zur Antwort einen Vogel zeigte.
"Hast du heute auch noch was vor, Trude?", fragte Frieda lächelnd und griff nach der halb vollen Keksdose, die sie vor ihnen auf den Tisch stellte.
"Nein. Steve ist beschäftigt und Mom kommt erst spät von der Arbeit zurück.", murmelte Trude undeutlich, während sie sich einen Keks aus der Dose nahm und ihn in ihrem Mund verschwinden ließ.
"Sehr gut. Dann können wir ja noch gemeinsam Hausaufgaben machen und darüber sprechen, wann es heißt, ein Geheimnis zu hüten oder mit den betreffenden Personen zu sprechen."
Und während Frieda fröhlich lachte und Sprotte sie liebevoll in die Seite stupste, wurde Trude rot bis unter den Haaransatz und grinste peinlich berührt auf ihre gefalteten Hände hinab.
Melanie hatte wahrscheinlich recht.
Trude konnte keine Geheimnisse lange für sich behalten.
Aber während sie Sprotte dabei zusah, wie sie Frieda zärtlich an ihre Seite zog und auf die Stirn küsste, ehe sie das heiße Wasser in ihre geblümte Teekanne goss, konnte Trude nicht glücklicher über ihren Ausbruch sein.
Heute Nacht würde sie endlich wieder ruhig schlafen können.
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