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Wilde Hühnerfedern und gefüllte Marmeladengläser

von SWDeni
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 Slash
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Melanie Klupsch Trudhild Bogolowski / Trude Wilma Irrling
12.09.2019
20.10.2020
21
69.384
1
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
15.10.2020 3.750
 
Kurzbeschreibung: Sprottes Mutter ist auf der Suche nach dem perfekten Hochzeitskleid und nimmt ihre Tochter zu den Terminen mit.

Charaktere: Sprotte, Melanie, Sprottes Mutter

Pairing: keins (erwähnt werden nur Sprotte/Frieda und Melanie/Nick sehr kurz)

Einordnung: 3 Jahre nach "DWH und die Liebe" (Frühling nach "Coincidence")

Word Count: 3272

A/N: Da bin ich wieder und diesmal mit einem rechtzeitigen Update. Ich bin sogar ein bisschen stolz darauf. ^^
Da ich versuche einen Wechsel zwischen meinen Kapiteln über die Beziehung zwischen Sprotte und Frieda und diesen leichten, lustigen Oneshots zu finden, kommt heute wieder etwas vom Letzteren. Und weil ich einige Kapitel auch für die Hochzeit nehmen will, muss diese ein bisschen näher angedeutet werden. Oder wenigstens die Vorbereitung dafür. Die Idee ist dabei eher an die Sendung "Zwischen Tüll und Tränen" angelehnt, wo Frauen ihre perfekten Brautkleider finden wollen. Und ich denke nicht, dass Sprotte die richtige Begleitung für Modefragen ist. Zum einen konnte ich so mal üben Kleidung näher zu beschreiben, da ich wirklich arge Probleme habe diese richtig darzustellen. Ich meine, ich sehe sie, aber wie beschreibt man es richtig, ohne zu viel oder zu wenig zu geben? Ein Mysterium, das ich wohl niemals verstehen werde. Zum anderen konnte ich so mal Melanie und Sprotte zusammen werfen, wobei mir aufgefallen ist, wie wenig die beiden wirklich verbindet. Sie sind Freundinnen, aber richtige Gemeinsamkeiten außerhalb ihrer anderen Freundinnen haben sie ja auch nicht wirklich. Und selbst in den Büchern streiten sich die beiden mehr, als das sie miteinander klar kommen. Aber bei Modefragen ist Melanie für mich immer die Go-to Antwort. Egal in welcher Lage.
Danke auch an meine beiden fleißigen Reviewer, die nicht Mpde werden mit ihr Feedback zu geben. ^^
No Name (anonymer Benutzer): Danke für deine lieben Worte. Und ich hoffe, dass du schon bald wieder gesund bist. Krank zu sein ist wirklich großer Mist. Und ja, das Kapitel war wirklich sehr lang. ^^ Aber es hat Spaß gemacht zu schreiben. Wie werden sehen, wie sie damit klarkommt und was die anderen sagen, wenn Sprotte und Frieda es endlich erzählen. Es blebt spannend. ;)
ze-german: Danke für deine netten Worte. Ich freu mich immer, wenn die Charaktere nicht allzu OCC wirken, da ich sie trotzdem in fremden Situationen beschreibe und dafür auch verändere. Und das es gerade die Partner der Mädchen bemerken, aber nicht sie selber, hat mir gezeigt, wie nah sich Sprotte und Frieda selbst in Anwesenheit ihrer Freundinnen sind. Oder so war wenigstens mein Gedankengang. ^^ Der Wechsel zu Trudes Gedanken war dann doch etwas abrupt gewesen und eigentlich wollte ich das Kapitel da enden lassen, aber das fand ich dann doch nicht gut. ich freue mich aber, dass es dir gefallen hat.
Ansonsten wünsche ich allen meinen Lesern heute noch einen wunderschönen Abend und bleibt gesund (oder werdet es wieder)!


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»Und Sprotte? Was denkst du? Wie sehe ich aus?«
Gelangweilt blickte Sprotte von dem Magazin auf, in dem sie geblättert hatte und nickte kurz ihrer strahlenden Mutter zu.
Diese stand auf einem kleinen Hocker in einem weiten, wallenden, weißen Hochzeitskleid vor ihr und strich sich immer wieder mit den Händen über die endlosen Lagen von Stoff und Tüll in die sie eingepackt war.
Das Oberteil hatte einen breiten herzförmigen Ausschnitt mit glitzernden Steinchen darauf, die sich wie Blütenranken bis zu ihrer Taille hinab zogen. Dort wurde das Korsett von einem breiten Reifrock abgelöst, über den sich unzählige Lagen von Tüll und Seide erstreckten, die leise knisterten und raschelten, wenn Sprottes Mutter sich bewegte.
Sie sah aus wie eine wunderschöne Prinzessin, die direkt aus einem Märchen zu ihnen gelangt war.
Und Sprotte wäre sicherlich begeisterter von dem Anblick gewesen, wäre dies nicht schon das vierte Kleid, was ihre Mutter ihr an diesem Tag vorführte. Und wenn sie nicht schon an vier anderen Tagen ähnliche Kleider an ihrer Mutter gesehen hätte.
Irgendwann waren die Spannung und die Freude beim Anblick ihrer Mutter im Brautkleid einfach verflogen und Sprotte empfand nicht mehr als Langeweile und stetig wachsende Verzweiflung über die Unentschlossenheit bei der Kleiderwahl.
Wie lange konnte ihre Mutter das noch aushalten? Wie lange wollte sie immer neue Termine in immer neuen Brautmodegeschäften machen, ehe sie endlich ihr perfektes Hochzeitskleid fand?
Die Entscheidung konnte doch gar nicht so schwer sein!
Ungeachtet Sprottes deutlichem Desinteresse gegenüber dem Kleid drehte sich ihre Mutter zum bodenlangen Spiegel um, damit sie sich in diesem selber bewundern konnte. Die freundlich lächelnde Verkäuferin immer an ihrer Seite, um die Schleppe und die ausladenden Röcke schön zurechtzulegen und ermutigende Worte zu sagen. In der stillen Hoffnung das sich ihre Kundin endlich entscheiden würde.
Aber die Chancen dafür standen leider sehr schlecht.
Sprotte beobachtete, wie ihre Mutter sich langsam von einer Seite zur anderen drehte, die Vorder- und Rückseite genauestens begutachtete und mit den Fingern kritisch über die festgenähten Perlen strich. Fest griff sie in den Stoff ihres Rockes, um ihn etwas hochzuheben und besah sich die Schleppe, die schwer hinter ihren Füßen zu Boden hing.
Und schon war das Kleid vom Favoriten zum Auslaufmodell gewechselt.
Enttäuscht schüttelte Sprottes Mutter den Kopf und wandte sich noch einmal ihrer Tochter zu, die sie mit hochgezogenen Brauen ansah und nur noch auf die unausweichlichen Worte wartete.
»Ich denke nicht, dass es dieses Kleid ist.«
Seufzend hob Sprotte wieder das Magazin vom Tisch auf und sah aus dem Augenwinkel, wie das Lächeln der Verkäuferin für einen Moment verrutschte, ehe sie wieder angestrengt die Mundwinkel nach oben zog. Mit fröhlicher Stimme half sie Sprottes Mutter vom Hocker und schob sie beinahe grob in Richtung der Kabine, während sie ihren verzweifelten Blick über die umliegenden Kleider schweifen ließ. Sicher auf der Suche nach einem Ausweg aus der nicht enden wollenden Modenschau ihrer Kundin.
Sprotte schüttelte nur den Kopf, während der Vorhang mit einem kräftigen Ruck zugezogen wurde und Melanie neben ihr laut eine Kaugummiblase zerplatzen ließ.
»Ich weiß wirklich nicht, warum deine Mutter so unbedingt ein Prinzessinnenkleid will.«
Kurz zuckte Sprotte mit den Schultern, ehe sie das Magazin lustlos auf den Tisch zurückwarf und sich erschöpft in die weichen Kissen der cremefarbenen Couch zurückfallen ließ. Sie wusste ja selber nicht, warum ihre Mutter so versessen auf diese Art von Hochzeitskleid war. Und eigentlich war es ihr auch egal. Solange sie nur irgendwann ein passendes Kleid finden würden.
»Ich denke nicht, dass der Typ deiner Mutter so gut steht. Viel zu ausladend und schwer. Sich in den ganzen Röcken und den Stoff zu bewegen ist keine leichte Sache. Besonders nicht in engen Räumen oder Flure. Oder auf Toilette.«, fuhr Melanie ungerührt fort und schlug elegant ein Bein über das andere, während sie ihren Blick interessiert durch den Laden gleiten ließ.
Sprotte gab nur ein undefinierbares Geräusch als Antwort, während sie das Rascheln von Stoff und die erstickte Stimme ihrer Mutter hinter dem Vorhang hören konnte. Wie sie sich in das nächste weiße Wunder quetschen ließ.
Seit sie nach dem ersten Termin mit ihrer Mutter allein in einem Brautmodegeschäft gewesen war und dort ihre professionelle Meinung zu den Schnitten und dem Aussehen von Brautkleidern geben sollte, hatte sie danach immer wieder ihre Freundinnen mit sich genommen. Als zweite Meinung für ihre Mutter und damit sie selber nicht schreiend aus dem Laden laufen würde, wenn die Langeweile und die immer gleichen Kleider sie verrückt gemacht hatten. Wobei keine ihrer Freundinnen bisher eine wirkliche Hilfe gewesen waren.
Trude war vollauf begeistert von all den Kleidern und Stoffen gewesen und sah sich wohl schon selber in einem von diesen mit Steve im Scheinwerferlicht tanzen. Sie war von jedem einzelnen Modell hingerissen gewesen, während Sprottes Mutter sie immer zweifelnder angesehen und die Kleiderschau immer verkürzter durchgeführt hatte. Noch Tage danach hatte Trude von den Kleidern und der Atmosphäre im Laden geschwärmt.
Danach hatten Wilma und Matilda Sprotte begleitet und während Matilda die Kleider sehr kritisch beäugt und ihre Meinung kundgetan hatte, hatte Wilma mit Sprotte in Ruhe Karten gespielt und dabei die Kleidervorführung völlig ignoriert. Was zu einer lautstarken Standpauke durch Sprottes Mutter mitten im Laden geführt hatte. Während sie in einem glitzernden Brautkleid sich vor ihnen aufgebaut und wild mit den Händen gefuchtelt hatte. Und mit der Verbannung von Wilma von der Brautkleidersuche endete. Matilda durfte bleiben und versuchte, ihrer Freundin nicht allzu schadenfroh hinterher zu sehen, als diese schmollend aus dem Laden verschwand.
Beim nächsten Termin kam Frieda mit, die Sprottes Mutter freundlich ermutigte und immer wieder betonte, wie wunderschön sie in jedem einzelnen Kleid aussah. Dies machte sie aber nur noch nervöser und kritischer gegenüber den ausgesuchten Kleidern, weswegen auch bei diesem Termin kein Kleid gefunden wurde. Wenigstens hatte Sprotte so ein wenig Zeit mit ihrer Freundin verbringen können.
Und so langsam gingen den Slättbergs wirklich die Brautmodegeschäfte in ihrer Nähe aus, um nach einem Kleid und einem passenden Brautjungfernkleid zu suchen. Was Sprottes Mutter nur umso verzweifelter und entschlossener werden ließ.
Zum Leidwesen von Sprotte, die sich einfach nur wünschte, dass sich ihre Mutter endlich für irgendein Kleid entschloss, egal welches, und sie diese Jagd endlich beenden konnten.
So hatte sie dieses Mal Melanie mit zum Termin genommen. In der Hoffnung, dass deren geschultes Auge und Sinn für Mode ihre Mutter endlich überzeugen konnte.
Sonst musste sie wirklich ihre Großmutter beim nächsten Mal mitnehmen, damit diese mit ihren spitzen Bemerkungen und kalten Augen endlich eine Entscheidung herbeiführte. Oder einen Mord.
Aber selbst dann würden die Hochzeit und die Kleidersuche auf unbestimmte Zeit verschoben werden.
Sprotte konnte also gar nicht verlieren.
Lächelnd dachte Sprotte an diese Möglichkeit, während sich Melanie langsam erhob und sich die umstehenden Schaufensterpuppen mit ihren perfekt sitzenden Brautkleidern genauer besah.
»Ich denke, deine Mutter wäre besser beraten mit einem anderen Stil.«, überlegte Melanie weiter und holte Sprotte so wieder in die Wirklichkeit des Brautladens zurück, der sie so unbedingt entkommen wollte.
»Ach? Und was wäre dann deine professionelle Meinung dazu?«, fragte Sprotte unbeeindruckt und griff nach dem Sektglas mit Orangensaft darin, dass die Verkäuferin ihnen zu Beginn des Termins hingestellt hatte. »Da du ja die meiste Ahnung von so was zu haben scheinst. Oh große Visionärin!«
Für diese Worte warf Melanie ihr einen vernichtenden Blick über die Schulter hinweg zu, ehe sie weiter in den Laden hinein ging und zwischen den endlosen Reihen von Brautkleidern verschwand.
»Ich hab da auf jeden Fall mehr Ahnung von als du.«, hörte Sprotte die körperlose Stimme ihre Freundin, während sie genervt die Augen verdrehte. Warum musste sich Melanie auch immer so aufspielen, als wäre sie die Königin der Mode und wüsste einfach alles besser?
Sie hätten eben doch Frieda wieder mitnehmen sollen, aber da diese ein Treffen von ihrer Hilfsorganisation hatte, musste sie absagen. Nicht mal schreiben konnte Sprotte ihr, da Frieda solche Störungen gar nicht mochte, wenn es um das Wohl von Kindern in Not ging.
»Der Prinzessinenschnitt mit Schleppe passt einfach nicht zu deiner Mutter. Ich frag mich wirklich, warum sie sich so auf diesen versteift hat. Aber er steht ihr einfach nicht. Ihr würde wohl eher eine andere Art von Kleid besserstehen, die sie nicht wie ein gefülltes Cremetörtchen aussehen lässt und womit sie niemals durch die Türen vom Standesamt passen würde. Etwas leichtes und Einfaches vielleicht.«
Nachdenklich tauchte Melanie wieder zwischen den Kleidern auf. Gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie sich der Vorhang teilte und Sprottes Mutter in einem weiteren Prinzessinnenkleid vor sie trat.
Strahlend blickte sie ihre verzweifelte Tochter und ihre kritische Freundin an, ehe sie sich einmal um sich selbst drehte und wie die Male zuvor fragte: »Und was denkt ihr? Wie sehe ich aus?«
Sprotte schüttelte langsam den Kopf und versuchte nette Worte für ein Kleid zu finden, in dem ihre Mutter wirklich wie ein lebendiges Cremetörtchen aussah. Aber Melanie, die mit geschürzten Lippen um ihre Mutter herumging, war schneller.
»Das Kleid passt nicht zu dir. Wirklich nicht. Es ist viel zu weit und du funkelst wie eine lebende Lichterkette da drin.«
Sofort viel der aufgeregte Ausdruck aus dem Gesicht von Sprottes Mutter und sie sah unglücklich auf ihr Kleid hinab, während die Verkäuferin Melanie wütend von der Seite anstarrte.
Einer Braut sagte man so etwas nicht. Es war ihr besonderer Tag und da hatte sie ein recht darauf, so schön, funkelnd und ausladend auszusehen, wie sie wollte.
Schon öffnete sie den Mund, um dies auch Melanie zu sagen, aber wieder fuhr diese ungerührt fort und lächelte dabei Sprottes Mutter aufmunternd von der Seite zu.
»Wollen wir nicht mal eine andere Art von Kleid ausprobieren? Etwas weniger pompöses, aber dafür figurbetonter und mit weniger Lagen von Stoff drin?«
Unschlüssig strichen die Finger von Sprottes Mutter über den raschelnden Stoff der Röcke, ehe sie aufblickte und erst zu Melanie und schließlich zu Sprotte sah, die sich halb von der Couch erhoben hatte. Um aus dem Laden zu fliehen oder Melanie anzuspringen, damit sie endlich schwieg, wusste sie dabei selber nicht.
»Vielleicht hast du recht. Aber ich wollte so gern an unserem Hochzeitstag wunderschön aussehen für Christian. Er soll mich sehen und mich auf der Stelle heiraten wollen.«
Sofort lief Sprottes Mutter dunkelrot an bei diesen Worten und kicherte verhalten hinter ihrer Hand wie ein Schulmädchen.
»Naja, oder so ähnlich wenigstens. Und in allen Brautmodezeitschriften tragen Frauen so ausladende Kleider mit viel Tüll und Glitzer und Stickereien. Schließlich willst du an deinem Hochzeitstag schöner sein, als jede andere Frau auf der Welt. Und damit dein Ehemann nur dich den ganzen Tag ansieht. Außerdem mochte der Klugscheißer, ich meine natürlich Thorben, diese Art von Kleid am meisten. Er hat gesagt, ich sehe darin aus wie eine Prinzessin.«
Kurz zuckte sie mit den Schultern und sofort sprang die Verkäuferin an ihre Seite und rang fröhlich lächelnd die Hände vor ihrer Brust.
»Es stimmt, dass viele Frau gerne ein Prinzessinnenkleid für ihre eigene Hochzeit wollen. Schließlich will man sich an diesem Tag auch wie eine Prinzessin fühlen, wenn man den Bund der Ehe schließt. Aber nicht jedem steht so ein Schnitt und ihre Begleiterin hat recht. Vielleicht sollten wir ein Mal eine etwas andere Art für Sie ausprobieren. Nur, um zu sehen, wie es ihnen gefällt. Wie sie sich darin fühlen im Gegensatz zu den vorherigen Kleidern. Vielleicht fehlt ihnen dieser Kontrast bei der Entscheidungsfindung.«
Schnell griff sie nach der Hand von Frau Slättberg und half ihr vom Hocker herunter, ehe sie sie sanft zur Kabine schob und den Vorhang hinter ihnen zu zog.
»Wir ziehen ihnen erst mal dieses Kleid aus und dann suche ich Ihnen einmal ein oder zwei Kleider mit einem anderen Schnitt heraus. Wir haben da noch genug Modelle zur Auswahl, die ihnen gefallen könnten.«
Geschäftig nickte die Verkäuferin und Sprotte hörte, wie Knöpfe aufgemacht und Stoff raschelte, als ihrer Mutter das Kleid ausgezogen wurde. Schwungvoll hing die Verkäuferin das Kleid auf den Bügel und neben die anderen aussortierten Kleider. Schließlich ging sie mit schnellen Schritten die Reihen von Kleidern entlang und besah sich diese mit kritischem Blick, während Melanie ihr kurzerhand folgte, ehe Sprotte sie aufhalten konnte.
Gemeinsam gingen beide die Reihen entlang und berieten sich mit gedämpften Stimmen über die richtige Art von Kleid. Über die Farbe, den Schnitt und die Accessoires darauf, die Sprottes Mutter wohl stehen könnte.
Sprotte blickte ihnen nur kopfschüttelnd hinterher, ehe sie aufstand und zum geschlossenen Vorhang ging, hinter dem ihre Mutter gespannt auf die neue Auswahl von Kleidern wartete.
Vorsichtig lugte der Kopf ihrer Mutter hinter dem Vorhang hervor und sie grinste Sprotte kurz an, ehe sie hinter ihre Tochter blickte und sich danach im verlassenen Raum umsah.
»Melanie ist mit der Verkäuferin losgezogen, um das perfekte Kleid für dich zu suchen. Unglaublich. Als hätte sie irgendeine leise Ahnung von Brautkleidern.«
Sprotte schüttelte ungläubig den Kopf, während ihre Mutter ihr kurz in die Seite knuffte und gierig zu ihrem Sektglas schielte, das auf dem kleinen Tisch vor der Couch stand.
»Sei nicht so gemein, Sprotte. Melanie kennt sich gut in Sachen Mode aus und hat ein gutes Auge dafür, was den Leuten steht und was nicht. Und sie hat ja recht. Das Kleid muss mir gefallen und ehrlich gesagt hat mir keines der Kleider bisher gefallen. Sie sind alle so ....« Kurz wedelte sie mit ihrer Hand in der Luft herum, ehe sie das Gesicht verzog. »Pompös. Als wollte ich vor einen König vorsprechen und nicht mein Ehegelübde abgeben. Und dieses Strahlen und die Freude, von dem mir andere Bräute schon erzählt haben, habe ich bisher auch noch nicht gefühlt. Ich meine, es ist nicht so schlimm, wie als ich mit Thorben einkaufen war, aber so ganz wohl fühle ich mich in den Kleidern auch nicht. Vielleicht hätte dein Vater ja doch mit zu den Anproben kommen sollen.«
Nachdenklich rieb sie den schweren Stoff des Vorhanges zwischen ihren Fingern, während Sprotte sich ihr halb volles Sektglas vom Tisch schnappte und ihr schweigend entgegenhielt. Erleichtert trank Sprottes Mutter einen großen Schluck daraus und versuchte den gedämpften Stimmen von Melanie und der Verkäuferin zu lauschen, die sich scheinbar wieder zu ihnen zurückbewegten.
»Das wäre keine gute Idee gewesen. Dad findet dich in allem umwerfend und so lange du glücklich bist, ist ihm egal was du anhast. Außerdem hat er keine Ahnung von Kleidern.«
»Genauso wenig wie du, mein Schatz. Und doch habe ich dich zu jedem einzelnen Termin mitgenommen.«
Sprachlos blickte Sprotte ihre Mutter an und öffnete und schloss mehrmals hintereinander ihren Mund, ehe sie wieder etwas sagen konnte.
»Ich bin ja auch deine Tochter! Und deine Trauzeugin! Ich muss dabei sein! Das sagt selbst Oma und die hast du nicht mal zu deinen Anproben eingeladen.«
»Aus guten Grund oder es hätte ein Blutbad nach dem ersten Termin stattgefunden. Und ein blutverschmiertes Kleid ziehe ich ganz sicher nicht zur Hochzeit an.«
Mutter und Tochter lachten laut auf bei diesem Gedanken, als auch schon Melanie und die Verkäuferin wieder zu ihnen traten. In ihren Armen lagen drei weitere Kleider und die Verkäuferin schob Sprotte lächelnd zur Seite, um mit den Kleidern und ihrer Mutter wieder hinter dem Vorhang zu verschwinden. Aber nicht bevor eine perfekt manikürte Hand erneut dahinter hervorlugte und Sprotte das halb volle Sektglas in die Hand drückte.
Schnell gesellte sich Sprotte zu Melanie auf die Couch und trank einen Schluck vom Glas ihrer Mutter, bevor sie dieses neben ihr eigenes stellte.
Kurz flackerte ihr Blick zu Melanie hinüber, die ihr Handy aus der Tasche gezogen hatte und deren Finger blitzschnell über den Bildschirm flogen. Sicherlich hatte Nick ihr geschrieben, um zu fragen, wie es lief. Oder ob sich Melanie und Sprotte bereits gegenseitig umgebracht hatten.
Umständlich zog auch Sprotte ihr eigenes Handy aus ihrer Hosentasche und stellte überrascht fest, dass Frieda ihr geschrieben hatte. Ihr Meeting war bereits vorbei und sie wollte wissen, ob sie sich später noch am Wohnwagen treffen wollten. Nur sie beide alleine.
Lächelnd tippte Sprotte eine Antwort, als sich der Vorhang teilte und ihre Mutter heraustrat.
Dieses Mal trug sie ein leicht fallendes Kleid mit zierlicher Spitze am Oberteil und mit Trägern, die etwas zu weit waren und ihr immer wieder von den Schultern glitten.
»Die Träger können wir noch entfernen, wenn wir das Kleid für Sie anpassen.«, erklärte die lächelnde Verkäuferin und half Sprottes Mutter auf den Hocker, ehe sie sich den beiden Mädchen zuwandte.
Sprotte legte leicht den Kopf schief, während sie ihre Mutter eingehend musterte. Dieses Kleid sah um einiges besser aus, als all die anderen zuvor, aber irgendetwas fehlte noch. Auch das Gesicht ihrer Mutter wirkte nachdenklich, während sie zu ihrem Spiegelbild hinüber blickte.
Aber wieder war es Melanie, die entschieden den Kopf schüttelte und ihre Gedanken in passende Worte fasste.
»Das sieht schon viel besser aus. Aber ich glaube nicht, dass es das schon ist.«
Ungeduldig wedelte sie mit ihrer Hand in der Luft herum und bedeutete so, dass sie das nächste Kleid sehen wollte.
Sprottes Mutter grinste ihrer Tochter kurz zu, ehe sie vom Hocker stieg und wieder mit der Verkäuferin hinter den schweren Vorhang verschwand.
Schweigen breitete sich zwischen den Freundinnen aus und Sprotte fragte sich, ob sie Melanie wohl zur Ordnung rufen sollte. So durfte sie nun wirklich nicht mit ihrer Mutter sprechen. Aber auf der anderen Hand ging es nun endlich bei der Kleidersuche voran. Und wenn es ihre Mutter wirklich störte, dann würde sie schon etwas sagen, da war sich Sprotte sicher.
Immer noch hin und hergerissen wurde der Vorhang wieder zur Seite geschoben und Sprotte vergaß völlig, worüber sie zuvor noch nachgedacht hatte.
Sprottes Mutter hatte eine weitere A-Linie, wie Melanie es nannte, angezogen. Das Oberteil zierten filigrane Muster zwischen denen immer wieder kleine Steinchen glitzerten und funkelten. An der Taille wurde das Kleid von einem dünnen glänzenden Gürtel umschlossen, der bestickt war mit weiteren unzähligen Steinchen. Sanft zogen sich die Muster vom Oberteil bis zum Drittel des Rockes hinab, der schwebend leicht hinab fiel und sich bei jedem Schritt elegant wallte und wogte.
Vorsichtig stieg Sprottes Mutter auf den kleinen Hocker und inspizierte zunächst den faszinierten Ausdruck in Sprottes Augen, ehe sie sich selber im Spiegel musterte. Und da spürte sie es plötzlich tief in ihrer Brust.
Die Vorfreude. Das Strahlen trat in ihre Augen und ihr gesamtes Gesicht fing an zu leuchten. Sie sah wunderschön aus.
Sie sah aus wie eine Braut.
Stolz stellte sich die Verkäuferin neben sie und befestigte vorsichtig einen Schleier in ihren Haaren, was Frau Slättberg scharf die Luft einatmen ließ.
»Wow.«, sagte Sprotte nur und musste mit den plötzlichen Tränen kämpfen, die auf einmal hinter ihren Augen brannten. Sie hatte ihre Mutter noch nie so schön und so überglücklich in ihrem Leben gesehen.
»Das ist es.«, flüsterte Melanie neben ihr und Sprotte konnte aus dem Augenwinkel sehen, wie sie begeistert ihre Hand vor ihren Mund hielt.
Sie alle waren gerührt und für einen Moment herrschte Schweigen im Raum, während alle Sprottes Mutter ansahen.
Erst die Stimme der Verkäuferin holte sie in die Gegenwart zurück, als sie mit bebender Stimme fragte: »Und was sagen sie? Ist das ihr Kleid?«
Tränen liefen die Wangen der Braut hinab und sie schniefte leicht, ehe sie freudestrahlend nickte.
»Ja. Das ist mein Kleid!«
Schnell reichte die Verkäuferin ihrer Kundin eine Packung mit Taschentüchern und Sprotte hob schnell ihr Handy, um ein Bild von ihrer glücklichen Mutter zu schießen.
Sie wollte Frieda später das auserwählte Kleid zeigen und mit ihr gemeinsam feiern, dass sie endlich geschafft hatten.
Die endlose Suche war endlich vorbei. Alle weiteren Termine in Brautmodengeschäften wurden abgesagt und ein neuer Termin zum Anpassen des Kleides vereinbart.
Fehlten nur noch Schuhe, Schmuck und ein passendes Kleid für Sprotte.
Aber das waren Sorgen für einen anderen Tag und einen anderen Zeitpunkt.
Und so stießen Sprotte, Melanie und Sprottes Mutter freudestrahlend ihre Sektgläser aneinander und feierten den Kauf des perfekten Kleides.
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