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Wilde Hühnerfedern und gefüllte Marmeladengläser

von SWDeni
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 Slash
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Melanie Klupsch Trudhild Bogolowski / Trude Wilma Irrling
12.09.2019
20.10.2020
21
69.384
1
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24 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
12.09.2019 1.962
 
Kurzbeschreibung: die Wilden Hühner verbringen einen entspannten Nachmittag zusammen am Wohnwagen.

Charaktere: Sprotte, Frieda, Wilma, Trude, Melanie

Pairing: keine (Fred/Sprotte wird angedeutet; Willi/Melli wird kurz erwähnt)

Einordnung zu den Büchern: der Frühling nach “Die Wilden Hühner - Fuchsalarm” (spielt also ungefähr ein halbes Jahr danach)

Word Count: 1880

A/N: ein kleiner Versuch meinerseits eine Szene ohne Dialog aufzubauen und bessere Beschreibungen für die Umgebung zu geben. Ich bin nicht wirklich gut darin, aber was soll's.


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Der Teekessel pfiff schrill hinter der geschlossenen Tür des Wohnwagens und durchschnitt so die angenehme Stille, die sich über die Freundinnen gelegt hatte.

Sie hatten sich alle zu einen entspannten Nachmittag nach der Schule am Wohnwagen verabredet. Die Sonne schien warm vom Himmel und eine leichte Brise ließ die Bäume erzittern und die Blätter rauschen. Sie hatten die alten Liegen, zwei von Trudes Vater und drei ausgemusterte aus Friedas Keller, vor dem Wohnwagen arrangiert und ihren bunten zerfledderten Sonnenschirm neben den Tisch gestellt, damit ihre Gläser mit Limonade solange wie möglich kühl blieben. Neben diesen stand ein Teller mit selbst gebackenen Keksen von Sprottes Oma, wo die Schokolade langsam zerschmolz und ihnen klebrige Finger und Lippen hinterließ.

Es war der erste warme Tag im April, wo keine Wolken den Himmel verdunkelten, kein Wind die Bäume umbog und kein Regen auf das Dach des Wohnwagens trommelte wie unsichtbare Finger. Und wie zur Bestätigung dieses schönen Tages hatten sie keine Hausaufgaben aufbekommen und so konnten sie den Nachmittag in vollen Zügen genießen. Auch die Jungs hielten sich zur Abwechslung mal von ihnen fern und angelten in der Nähe in einen kleinen Fluss, der am Waldrand entlang lief.

Es war einfach ein perfekter Tag.

Immer schriller pfiff der Kessel und riss Sprotte so unsanft aus ihrem wohligen Dämmerschlaf. Träge hob sie den Kopf und schaute zu ihren Freundinnen hinüber, die neben ihr auf den Liegen dösten. Auf ihrer rechten Seite lag Frieda mit geschlossenen Augen und einem kleinen Lächeln auf den Lippen, während ein alter Strohhut ihre Haare und Augen im Schatten hielt. Die Arme hatte sie hinter ihrem Kopf verschränkt. Ihr grünes Shirt war ein Stück hochgerutscht und gab so einen großzügigen Blick auf ihren nackten Bauch frei. Ihre Hose hatte sie bis zu den Waden hochgekrempelt und ihre Schuhe und Socken lagen neben ihr im kniehohen Gras.

Zwischen Frieda und Melanie standen der kleine, dreibeinige Tisch und der alte zerfledderte Schirm. Melanie musste ihn leicht verrückt haben, während Sprotte geschlafen hatte. Sein Schatten schloss jetzt auch ihren gesamten Oberkörper mit ein und ließ Frieda dabei völlig außen vor. Auch Melanie hatte ihre Schuhe neben ihrer Liege stehen und hatte ihre langen Beine elegant übereinandergeschlagen. Sie trug nur einen kurzen Rock, der leicht in der Brise flatterte und immer wieder einen Großteil ihrer Beine freilegte. Ihr Top lag eng an ihrem Oberkörper an und bewegte sich mit jedem ihrer Atemzüge, während die Pailetten darauf fröhlich in der Sonne glitzerten. Ihr langes blondes Haar fiel in unordentlichen Locken über ihre Schultern und bedeckten diese und ihre nackten Arme. Sie hatte eine dunkle Sonnenbrille auf, die sie ganz sicher ihrer großen Schwester geklaut hatte. Ihre Lippen bewegten sich lautlos im Schlaf, während auch sie leicht lächelte und immer wieder die Lippen spitzte, als würde sie im Traum Willi küssen.

Auf der Liege neben ihr schnarchte Trude leise vor sich hin. Auch sie hatte einen Sonnenhut, eines von vielen großzügigen Geschenken ihres Vaters, auf und auch ihre Schuhe lagen neben ihr im hohen Gras. Kekskrümmel waren auf ihrem T-Shirt verstreut und an ihren Fingern klebte immer noch ein Rest Schokolade. Sie hatte ihre lange Hose nicht hochgekrempelt und Sprotte konnte sehen, wie ihre Arme und ihr Hals, der Sonne schutzlos ausgesetzt, sich langsam rötlich verfärbten. Würde sie nicht bald aufwachen oder sie jemand aufwecken, dann würde Trude einen schmerzhaften Sonnenbrand davontragen. Sprotte versprach sich, sie in den nächsten Minuten zu wecken.

Gähnend rekelte sich Sprotte in der Sonne wie eine zufriedene Katze und wandte dabei leicht den Kopf zur Seite um die Liege auf ihrer linken Seite sehen zu können.

Nur ein zerfleddertes Buch lag mit dem Buchrücken nach oben aufgeschlagen darauf und verlassende Schuhe ruhten daneben. Während Sprotte langsam aufstand, schaute sie hinüber zum Hühnerstall, der im Schatten der umliegenden Bäume lag. Eine geduckte Gestalt saß an dem Gatter gelehnt, die Beine vor sich ausgestreckt, den Kopf auf die Brust gesunken. Sogar über die Entfernung hinweg konnte Sprotte die Hühner gemächlich gackern und scharren hören. Aber Wilma schien das nicht weiter zu stören. Ihr großer Sonnenhut tauchte ihr schlafendes Gesicht in Schatten, während die Hühner immer wieder neugierig zu ihr staksten und an ihren Sachen zupften, als vermuteten sie darin etwas zu essen.

Lächelnd ging Sprotte auf den Wohnwagen zu und zog die quietschende Tür langsam auf, wobei sie darauf achtete die anderen nicht zu wecken. Der Kessel pfiff immer noch unermüdlich sein Klagelied, bis Sprotte ihn endlich erreicht und von der Herdplatte genommen hatte. Vorsichtig nahm sie fünf blumengeschmückte Tassen aus dem Schrank, Teebeutel aus ihrer reichlich gefüllten Teeschachtel und goss das kochende Wasser darüber. Während die Teebeutel im Wasser zogen und das Wasser langsam dunkel färbten, schaute Sprotte erneut hinaus, aber keine ihrer Freundinnen war bis jetzt aufgewacht oder ließ sich am friedlichen Träumen stören.

Es war ein ruhiger Tag gewesen für die Wilden Hühner. Ohne Bandenstreiche, ohne Streitereien, ohne Geld-, Job- oder Elternsorgen. Ohne eine zeternde Oma, Pickel- oder Jungsprobleme.

Sie waren einfach fünf Freundinnen, die einen freien Nachmittag miteinander genossen. Miteinander lachten und erzählten, während die Zeit still zu stehen schien. Sprotte wusste schon nicht mehr, wie lange es her war, dass sie so etwas zum letzten Mal gemacht hatten.Durch Friedas gemeinnützige Arbeit, Wilmas Theaterkurs und Willi kam es nur selten vor, dass alle fünf Wilden Hühner gemeinsam am Wohnwagen waren. Und Sprotte musste zugeben, dass sie es vermisst hatte.

Selbst Mellis Getratsche über ihre Klassenkameraden oder ihre Pickel, Wilmas plötzliche Ausbrüche in Theaterzitate, Trudes sehnsüchtiges Seufzen nach ihrem lieben Cousin und Friedas Berichte über das Leid der Welt hatte Sprotte vermisst. Hier gab es keinen Klugscheißer, der ihr die Vorteile von gesundem Brotaufstrich erklärte. Keine Oma, die an ihr rum meckerte und sie stundenlang im Beet schuften ließ bis ihr die Knie und der Rücken schmerzten. Keine Mutter, die alle Bedenken ihrer Tochter wegen ihres neuen Freundes einfach verwarf oder ignorierte. Kein Fred, der sie manchmal so komisch anlächelte und ihre Knie weich werden ließ, obwohl sie dies doch gar nicht wollte. Kein Fred, der seine neue Freundin küsste und Sprotte damit plötzlich alle Luft zum Atmen nahm, wenn sie es sah.

Schnell schob Sprotte diesen unangenehmen Gedanken von sich und trug die fünf Tassen auf einem Tablett hinaus zu ihren Freundinnen.

Sie wollte nicht an Fred denken. Sie wollte nicht an ihn und ihr flatterndes Herz denken, wenn sie ihn sah. Dafür war dieser Tag viel zu schön.Später vielleicht. Oder vielleicht auch niemals.

Vorsichtig stellte sie das Tablett auf den wackligen Tisch ab, ehe sie sich der träumenden Frieda zuwandte.

Schnell pflückte sie einen langen Grashalm zu ihren Füßen und ließ diesen über die nackte Haut auf Friedas Bauch gleiten. Auf und Ab. Immer wieder. Frieda kicherte leicht und zuckte unter der Berührung zusammen, öffnete jedoch nicht ihre Augen, so als könnte sie Sprotte einfach ignorieren und sie würde dann verschwinden.

Ein hinterlistiges Grinsen schlich sich auf Sprottes Gesicht und sie warf den Grashalm schließlich beiseite und begann ihre beste Freundin ohne Gnade ab zu kitzeln. Das unterdrückte Kichern wurde zu einem schrillen Quieken, während Frieda verzweifelt versuchte vor Sprottes suchenden Fingern zu fliehen. Schließlich glitt sie prustend von ihrer Liege und sprang blitzschnell auf, ehe ihre beste Freundin sich auf sie werfen und sie erneut attackieren konnte.

Diese grinste nur frech und zeigte mit einem Kopfnicken zu Trude und Melanie hinüber, die noch immer friedlich vor sich hin dösten. Da grinste auch Frieda breit und gemeinsam machten sie und Sprotte sich daran, die beiden doch noch aufzuwecken. Der Tag war schließlich viel zu schön um ihn zu verschlafen.

Frieda schlich wie ein Indianer auf Trude zu und kitzelte sie am Hals, wodurch diese grunzend erwachte und sich kichernd vor den suchenden Fingern wegduckte. Aber ohne Erfolg.

Sprotte ging derweil auf die schlafende Melanie zu, deren Hand friedlich im hohen Gras verschwunden war. Schnell griff Sprotte nach ihren nackten Füßen und begann diese mit ihren Fingern zu bearbeiten, was Melli sich kreischend aufrichten ließ. Empört warf sie ihre Sonnenbrille nach Sprotte, die geschickt auswich und ihr nur die Zunge rausstreckte. Schnell wich Sprotte einen Schritt zurück, ehe Melanie nach ihr treten konnte, aber diese warf nur schwungvoll ihr Haar über ihre Schulter und beäugte neugierig den frischen Tee neben sich.

Auch Frieda ließ endlich von der sich windenden Trude ab und gemeinsam sahen alle vier Freundinnen zu der Fünften im Bunde, die immer noch ahnungslos am Stall saß und schlummerte. Alle vier Mädchen wechselten einen kurzen Blick miteinander, ehe sie gemeinsam auf Wilma zu schlichen. Jede von ihnen hatte eine kleine Wasserpistole in der Hand, die Wilma mal für sie besorgt hatte. Nur für den Fall.In einer Reihe stellten sie sich vor der schlafenden Wilma auf, zielten und spritzten beinahe gleichzeitig das Wasser auf ihre nichtsahnende Spionin. Diese fuhr kreischend hoch, wobei sie fast in den Hühnerauslauf fiel, während die anderen sie weiter nass spritzten und die Hühner entsetzt zeterten und vor der unwillkommenden Dusche davon flatterten. Fast augenblicklich hatte auch Wilma ihre Wasserpistole in der Hand, als sie sich wieder gefangen hatte und eine kurze Wasserschlacht begann zwischen den fünf Mädchen.

Wild liefen sie zwischen dem Hühnerstall, dem Gemüsebeet und dem Wohnwagen hin und her, spritzten sich gegenseitig nass und füllten immer wieder ihre Pistolen auf um eine erneute Attacke zu beginnen. Sie kicherten, kreischten und kugelten sich im Gras, wenn sie keine Luft mehr bekamen und ihre Seite zu schmerzen begannen.

Schließlich lagen alle fünf friedlich nebeneinander im Gras, ihre Sachen nass und an ihrer Haut klebend, die Haare ein wildes Durcheinander von Gras, Blättern und Zweigen. Ihre Gesichter waren gerötet und jede trug dasselbe breite zufriedene Grinsen im Gesicht.

Der Tee war längst kalt und vergessen, die Kekse und Limo im Durcheinander vom Tisch gefallen und notdürftig auf eine Liege abgestellt worden und der bereitgestellte Eimer mit Wasser für die Pistolen fast vollständig leer.

Zufrieden schloss Sprotte ihre Augen, ehe sie ihre Hand hob und auf eine Wolke über sich zeigte, die wie ein Huhn mit meterlangen Flügeln aussah, das über sie hinweg segelte.

Und während Trude verständnislos das Gesicht verzog, Melli die Augen spielerisch verdrehte, Frieda kicherte und Wilma weitere Tiere in den Wolken ausmachte, lag Sprotte einfach nur zufrieden zwischen ihnen. Ihr Haar vermischt von einer Seite mit dem von Frieda und auf der anderen Seite mit Melanie. Ihre Augen wieder weit geöffnet, während sie Wilmas Stimme von einer Seite hörte und Trudes stilles Summen von der anderen vernahm.Sie hörte den Wind rauschen, die Hühner gemütlich gackern und wünschte sich, dass dieser Moment niemals vorbeigehen würde. Sie wünschte sich ein Marmeladenglas, in das sie alles einfach hineingeben konnte, um es für immer aufzubewahren. Für die grauen und trostlosen Tage, voller Streit, Tränen und ohne Freundinnen an ihrer Seite. Damit sie für immer hier im duftenden Gras liegen bleiben konnte, ihre Freundinnen nahe bei ihr und die normalen Probleme und Sorgen ganz weit weg.

Doch als sich eine ausgestreckte Hand in ihr Blickfeld schob, nahm sie diese ohne Umschweife und ließ sich von Frieda auf die Beine helfen.Der Moment war vergangen. Trude, Melli und Wilma liefen bereits lachend auf den Wohnwagen zu und so folgten Frieda und Sprotte ihnen gemächlich, während die Sonne warm auf sie fiel und ihre feuchten Kleider trocknete.

Schließlich wartete der Tee bereits auf sie und sie konnte den Kessel schon wieder leise pfeiffen hören.
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