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Wilde Hühnerfedern und gefüllte Marmeladengläser

von SWDeni
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 Slash
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Melanie Klupsch Trudhild Bogolowski / Trude Wilma Irrling
12.09.2019
20.10.2020
21
69.384
1
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
09.10.2020 4.454
 
Kurzbeschreibung: Sprotte denkt über ihre Zukunft nach und bekommt Hilfe dabei von ihrem Vater.

Charaktere: Sprotte, Sprottes Vater

Pairing: Sprotte/Frieda, Wilma/Matilda (beide nur erwähnt)

Einordnung: Spielt ungefähr 4 Jahre nach “DWH und die Liebe” (denke ich) - wo die Schüler langsam über ihre Zukunft nachdenken müssen

Word Count: 3751

A/N: Da bin ich wieder! Und schon wieder  nicht rechtzeitig. Ich muss mich wirklich entschuldigen, dass ich es einfach nicht hinzukriegen scheine. Ich weiß nicht woran es liegt, aber das Kapitel am Donnerstag hochzuladen scheint schwieriger zu sein, als ich dachte. Was wahrscheinlich an meiner mangelnden Disziplin beim Schreiben und erneuten Durchschauen liegt. Aber wie heißt es immer so schön: die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Ich kriege das noch hin!
Diesmal habe ich ein etwas ernsteres Kapitel für euch, was sich mit den Plänen der Mädchen nach ihrem Abschluss beschäftigt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es komisch und irgendwie beängstigend ist, wenn alle deine Freunde und Klassenkameraden bereits genau wissen, was sie werden wollen, während man selber immer noch im Trüben fischt. Und dieses Gefühl habe ich genommen und damit für Sprotte gearbeitet. Auf die Idee bin ich überhaupt erst gekommen, nachdem ich im offiziellen Wiki von DWH mal was nachgesehen habe und die Charaktere dort vorgestellt wurde. Jedes der Mädchen hatte dabei einen Wunsch oder Beruf im Blick gehabt. Nur Sprotte nicht, die da etwas verloren zu sein schien. Und da ich ihr bereits mit ihrem Vater ein kleines Hobby verpasst habe, wollte ich das noch etwas ausweiten und vertiefen. Ihre Ängste und Zweifel dabei beleuchten und vielleicht mit der Unterstützung ihrer Familie daran wachsen. Und ich wollte mal eine richtige Verbindung zwischen Sprotte und ihren Vater zeigen. Das ist leider bisher sehr kurz gekommen.
Und natürlich möchte ich mich wieder bei meinen beiden fleißigen Reviewern bedanken, die mir unermüdlichen Feedback geben und mit ihren netten Worten mich weiter anspornen noch besser zu werden. Deswegen nehme ich mir mal kurz die Zeit und möchte mich bei allen Reviewern zu dieser Geschichte bisher bedanken! Jedes Wort von euch wird von mir hoch geschätzt und ihr versüßt mir immer den Tag damit, wenn ich eure netten Worte lese. Ihr seid einfach wunderbar und ich wünsche euch und meinen Lesern nur das Beste! (So, das musste ich jetzt einfach mal loswerden!)
No Name (anonymer Benutzer): Vielen Dank für deine lieben Worte. Ja, Sprotte und Frieda sind mir als Paar ziemlich ans Herz gewachsen und es macht großen Spaß über sie und ihre Beziehung zu schreiben und wie sich diese entwickelt. Leider ist mir erst vor kurzem aufgefallen, dass mir softe und sich gegenseitig unterstützende Beziehungen (besonders wlw) am liebsten sind und ich diese vermehrt lesen möchte. Und sie zu schreiben macht sogar noch mehr Spaß! Wer hätte es gedacht, oder? ^^
ze-german: Oh, danke für die lieben Worte. Es hat auch unglaublich Spaß gemacht die Szene zu schreiben und ich glaube, das merkt man auch. Scheinbar macht Übung wirklich den Meister, wenn man über Romance schreibt. (Was für ein Wunder! ^^) Das ist eine gute Frage und ich muss sagen, dass ich nicht wirklich weiß, was Frieda in solch einer Situation sagen würde oder ob das Wort komisch aus ihrem Mund klingt. Ich muss zu meinem Beschämen leider sagen, dass ich DWH-Bücher letztes Jahr gelesen habe und mir deswegen die Charaktere und ihre Sprechweisen nicht mehr ganz so vertraut sind, wie es vielleicht sein sollte. Deswegen können die Figuren etwas OCC wirken in solchen Situationen. Denn letztlich bin ich es, die ihnen die Worte in den Mund legt. Aber das werden sie wohl immer irgendwie sein, da ich mir die Figuren geliehen und in neue Gegebenheiten katapultiert habe, wo sie sonst nicht stehen würden. Ich verändere und erweitere sie nach meinen Vorstellungen und da kommt es schon vor, dass sie anders klingen oder wirken, als man denken würde. Aber ich versuch mich da ein bisschen mehr zu bremsen und mich beim Schreiben nicht mehr so sehr hinreißen zu lassen.
Ansonsten wünsche ich all meinen Lesern noch einen wunderschönen Abend und bleibt gesund!
Und vielleicht schaffe ich dieses Wochenende ja noch ein kleines Extrakapitel für euch zu schreiben. Keine Versprechungen, aber ich gebe mir Mühe! :D


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Sprotte saß alleine auf ihrem Bett und starrte missmutig an die Decke über ihren Kopf.
Sie konnte ihre Mutter durch ihre geschlossene Zimmertür in der Küche herumwerkeln hören. Wie sie Kartoffeln schälte und jedes Mal verhalten fluchte, wenn sie sich wieder in die Finger schnitt und ein weiteres Pflaster um diese wickeln musste. Wie die Pfanne auf dem Herd brutzelte und der Geruch nach verbrannten Fleisch in ihre Nase kroch und sich langsam in der Wohnung ausbreitete. Wie es blubberte und zischte, wenn das kochende Wasser im Topf mal wieder überlief.
Sprotte wusste beim besten Willen nicht, wieso ihre Mutter so verbissen versuchte, ihrer Tochter und ihrem Mann ein richtiges Essen zu kochen. Wenn ihr Mann es doch viel besser und ohne Probleme hinkriegte und die verschiedenen Flyer zum Bestellen bereits griffbereit neben dem Telefon lagen. Nur darauf wartend benutzt zu werden.
Sie musste weder ihrer Tochter noch ihrem Mann etwas beweisen und doch griff sie an ihren freien Tagen beherzt zum Kochlöffel, um ihre kleine Familie zu überraschen.
Was auch schon mal zu einem Einsatz der Feuerwehr und einer üblen Lebensmittelvergiftung bei den Dreien geführt hatte.
Danach war sie zwar von ihrem Mann lebenslänglich aus der Küche verbannt worden, aber auch das hielt Sprottes Mutter nicht auf.
Und Sprotte bewunderte sie ein wenig darum, wie beharrlich sie es immer wieder versuchte. Auch wenn sie die Ergebnisse weder sehen, noch riechen oder essen wollte.
An jedem anderen Tag wäre Sprotte in die Küche zu ihrer Mutter gegangen, hätte ihr beim Zubereiten geholfen und nach dem unausweichlichen Fehlschlag brav das Telefon zur Hand genommen, um ihnen etwas essbares zu bestellen. So wie sie es immer machten, wenn Sprotte sich nicht mit Frieda oder ihren Freundinnen am Wohnwagen traf.
Aber dieser Tag war nicht wie alle anderen gewesen. Und Sprotte wollte weder ihre Mutter noch ihre Freundinnen heute sehen.
In der Schule hatten sie mal wieder über ihre Zukunft und ihre Pläne dahingehend gesprochen.
Was sie später machen sollten. Welchen beruflichen Weg sie einschlagen wollten.
Sie mussten sich schließlich jetzt entscheiden, ehe es zu spät war. Denn ihr Schulabschluss rückte immer näher und damit auch das Erwachsensein mit all seinen Tücken.
Immer wieder wiederholten die Lehrer diese Worte, als könnten sie nicht genug davon bekommen und als würden sie die Angst der Schüler dabei riechen.
Oder vielleicht empfand auch nur Sprotte es so.
Denn wo sie zweifelte und sich um eine klare Antwort und eine genaue Richtung wand, hatten ihre Mitschüler scheinbar bereits feste Wege für ihre Zukunft geplant.
Wilma hielt an ihrem Traum der Schauspielerei verbissen fest und hatte sich bereits mehrere Universitäten herausgesucht, wo sie ihren Traum verwirklichen konnte. Weder ihre Mutter mit ihrem Gerede von einem Medizinstudium noch die skeptischen Lehrer konnte sie von ihrem Weg abbringen. Denn sie wusste, dass Matilda und ihre Freundinnen sie dabei immer so gut sie konnten unterstützen würden. Und wenn sie nur im Zuschauerraum sitzen und für sie Jubeln und Klatschen werden.
Matilda wusste ebenfalls schon, was sie nach der Schule machen wollte. Kunst und Geschichte lagen ihr sehr am Herzen und sie wollte später in einem Museum oder Kunstgalerie arbeiten und neue Talente und andere Kinder mit einer Begabung unterstützen. Denn für sie konnte Kunst mehr, als nur hübsch anzusehen sein.
Das die ausgewählten Universitäten entweder dieselben wie Wilmas waren oder nah bei diesen lagen, war dabei wohl kein Zufall. Auch das Reden von einer gemeinsamen Wohnung nach ihrem Abschluss wurde immer mehr zum Plan, als zu einem entfernten Wunsch für die beiden.
Melanie wollte dagegen in die Mode gehen, obwohl sie vor noch mehr Schule und Lernen zurückschreckte. Sie wollte so früh wie möglich Geld verdienen, um endlich von ihren Eltern wegzukommen und in eine eigene Wohnung zu ziehen. Egal wie. So spielte sie auch immer wieder mit dem Gedanken an eine Ausbildung, die sie machen könnte. Als Friseurin oder Maskenbildnerin. Denn wozu sonst hatte sie all die Frisuren und all die Schminktipps gelernt, wenn sie sie später nicht nutzen würde?
Trude träumte währenddessen von einer großen Gesangskarriere mit Steve an ihrer Seite. Seit sie in der Band der Pygmäen sang, hatte sich der Wunsch in ihrem Kopf festgesetzt und ließ sie nicht mehr los. Und auch wenn ihr Vater sie dafür auslachte und schikanierte, so hielt sie standhaft an ihrem Traum fest.
Was wusste er auch schon? Steve sagte ihr oft genug, wie schön ihre Stimme klang und wie leicht es für sie sein würde, entdeckt zu werden und groß rauszukommen. Sie gemeinsam als Band oder nur Trude allein als Sängerin. Für Steve war es einfach eine unausweichliche Zukunft, die ihnen Ruhm und Reichtum versprach. Vielleicht aber auch nur, weil ihm das seine Karten so geflüstert hatten.
Und Frieda hatte sich bereits eine Universität gesucht, um dort zu studieren und Lehrerin zu werden. Sie wollte Kinder unterrichten, sie formen und erblühen lassen. Sie liebte es mit ihnen zu arbeiten und jedes Mal, wenn sie darüber sprach, konnte Sprotte dieses Funkeln in ihren Augen sehen und wie sie anfing zu strahlen. Für Frieda gab es nichts schöneres auf der Welt.
Und so ganz nebenbei konnte sie dann immer noch in ihrer Hilfsorganisation helfen und arbeiten. Ihre Zukunft hatte sie bereits in allen Einzelheiten geplant und ausgearbeitet und Sprotte konnte nur lächeln und ihre Hand ganz fest halten, wenn Frieda davon erzählte. Auch wenn sich bei den Worten jedes Mal ihr Herz schmerzhaft verkrampfte und sich ein dicker Kloß in ihren hals festsetzte.
Sie wollte Frieda nicht verlieren.
Aber um bei ihr bleiben zu können, müsste sie sich ebenfalls einen Studienplatz oder Ausbildung in der Nähe ihrer Freundin suchen. Denn schließlich wussten alle Wilden Hühner wie eine Fernbeziehung letztlich endet.
Und das wollte Sprotte auf jeden Fall verhindern. Egal wie.
Aber die Frage nach ihrer Zukunft und ihren Plänen blieben weiter unbeantwortet und die Zeit lief ihr langsam aber sicher ab.
Sie musste sich endlich entscheiden, was sie werden wollte und in diese Richtung arbeiten! Sie hatte keine Zeit mehr zum Nachdenken oder zweifeln!
Die einzige Frage, die offenblieb, war nach dem was.
Was konnte Sprotte besonders gut? Was wollte sie später machen? Als was wollte sie arbeiten? Was macht ihr Freude?
Immer und immer wieder stellten ihre Lehrer und Freundinnen dieselben Fragen, aber Sprotte wusste einfach keine passende Antwort darauf.
Sie liebte ihre Hühner, den Wohnwagen und in ihrem kleinen Beet zu arbeiten. Sie hatte verrückte Ideen, die aber mehr mit Bandenstreiche oder Bandentreffen zu tun hatten.
Nichts davon versprach wirklich eine glorreiche Karriere für Sprotte.
Sie wollte nicht mit Kindern arbeiten und für Mode, Frisuren oder Schminke interessierte sie sich nicht. Sie konnte nicht singen, nicht malen und selbst tanzen machte nur Spaß mit Frieda an ihrer Seite. Sie konnte nicht besonders schön schreiben, super rechnen oder Englisch sprechen oder verstehen. In Sport war sie zwar gut, aber nicht ehrgeizig genug, um viele Trophäen gewinnen zu wollen. Sie hatte schreckliche Höhenangst, war weder stark noch besonders einfallsreich.
Was blieb also noch für Sprotte übrig?
Würde sie wirklich wie ihre Mutter später von früh bis spät Taxifahren, sowie es ihre Oma immer voraussagt?
Sprotte erschauderte bei diesem Gedanken, aber ihr fiel auch keine andere Alternative ein.
Wenn sie nichts Besonderes konnte, was blieb dann letztlich für sie übrig?
Angst zog ihre Brust zusammen und stumme Tränen liefen langsam ihre Wangen hinab, um in ihrem Haar zu verschwinden.
Es fühlte sich schrecklich an, wie dunkel ihre Zukunft auf sie wirkte und wie unausweichlich sie immer näher rückte. Und Sprotte konnte nichts tun, um sie aufzuhalten oder zu verhindern.
Alle ihre Freundinnen würden eine glanzvolle Zukunft erleben, während sie in deren Schatten stehen und ihnen fröhlich applaudieren würde.
Warum war das Erwachsenwerden nur so verdammt schwer? Warum konnte Sprotte nicht ewig ein Kind bleiben? Dann müsste sie auch keine dieser Entscheidungen jemals treffen. Warum konnte ihr niemand helfen oder ihr den richtigen Weg zeigen? Warum fiel es den anderen so verdammt einfach eine Entscheidung zu treffen?
Dumpf hörte sie, wie ihr Handy auf ihrem Nachttisch neben ihrem Bett vibrierte, aber sie ignorierte es einfach.
Seit Stunden schrieben ihre Freundinnen ihr, um zu fragen, wie es ihr ging und was los war. Das Treffen am Nachmittag hatte sie kurz angebunden abgesagt, obwohl zum ersten Mal seit langer Zeit wieder alle Wilden Hühner und ihr Ehrenmitglied Matilda da sein würden. Aber Sprotte konnte heute einfach nicht die Fragen und beunruhigten Blicke ihrer Freundinnen ertragen.
Nicht heute, während ihre Gefühle weiter Achterbahn fuhren und sich jedes Lächeln wie eine Folter anfühlte.
Und so drehte sie sich einfach mit dem Gesicht zur Wand, während ihr Handy weiter monoton vibrierte bis der Anruf unterbrochen und eine Nachricht auf ihrer Mailbox hinterlassen wurde. Sie hörte das fröhliche Ping beim Eingang dieser und wollte sich am liebsten umdrehen, um das Handy mit aller Kraft gegen ihre Wand zu werfen und es in tausend kleine Teile zerspringen zu sehen. Sie würde sich danach bestimmt um einiges besser fühlen.
Aber dann hätte sie auch kein Handy mehr und ihre Mutter würde ihr sicher nicht so schnell ein neues kaufen.
Und so schluckte Sprotte ihren Ärger hinunter und starrte weiter an die Wand, während ihre Gedanken sich immer mehr im Kreis drehten.
Sprotte musste schließlich doch eingeschlafen sein, da sie beim Geräusch der sich öffnenden Tür die Augen wieder aufschlug und ihr Zimmer voller Schatten vorfand.
Schnell drehte sie sich um und konnte im einfallenden Licht einer Straßenlaterne ihren Vater sehen, der lächelnd auf sie zukam und sie zur Begrüßung auf die Stirn küsste.
»Na du.«, flüsterte er und setzte sich neben ihr aufs Bett, wobei er sie kurz mit der Schulter anstieß.
Sprotte setzte sich auf und lehnte sich im Schneidersitz gegen die Wand hinter ihr. Sie schielte neugierig zur Tür hinaus, wo sie das Licht aus der Küche und die gemurmelte Stimme ihrer Mutter hören konnte, die fröhlich ein Lied im Radio mitsang. Noch immer hing der Geruch nach Verbranntem in der Luft, aber er war schwächer als zuvor und auch das Zischen und Gurgeln des kochenden Wassers war verschwunden.
»Deine Mutter hat aufgegeben und ihre Kreation schon in den Müll geworfen. Wir haben indisch bestellt. Ich hoffe, dass macht dir nichts aus.«
Kurz stupste ihre Vater sie wieder mit seiner Schulter an und Sprotte lächelte erleichtert zurück.
»Zum Glück. Was hatte Mom denn versucht zu kochen?«
»Ach, das Übliche. Diesmal wollte sie Mischgemüse mit Schnitzel machen. Leider sind diese in der Pfanne verkohlt und das Gemüse ist zu einem verkochten Brei im Topf geworden. Es sah aus, als hätte sie diese zerstampft oder als wären sie bereits zuvor gegessen worden. Und durch die Schnittwunden an ihren Händen nach dem Schälen konnte sie auch nicht mehr die Kartoffeln klein schneiden und hat sie einfach als Ganzes in den Topf getan. Sie sind dann ständig übergekocht und die unteren sind mit dem Topf verschmolzen.«
Kurz seufzte ihr Vater, ehe er verschmitzt lachte.
»Es war auch noch einer unserer guten neuen Töpfe gewesen. Ich hätte mal lieber anstatt deiner Mutter eine gute Köchin oder wenigstens eine Frau heiraten sollen, die nicht so verbissen versuchen würde zu kochen, wenn sie es nicht konnte.«
Auch Sprotte kicherte und stieß ihren Vater einmal kräftig mit dem Ellenbogen in die Seite, was ihn stöhnend zur Seite gleiten ließ.
»Lass sie das bloß nicht hören! Das nimmt sie dir sonst sehr übel! Und wenigstens ist nicht wieder ein Feuer ausgebrochen. Sie wird also immer besser.«
»Ja. Aber wie viele Kochtöpfe und Pfannen müssen noch für diesen Wahnsinn geopfert werden?«
Wieder lachten beide und Sprotte spürte, wie sich die dunkle Wolke über ihrem Kopf langsam auflöste. Wenigstens mit ihrem Vater konnte sie ihre Sorgen für den Moment ignorieren.
»Wie war es denn in der Schule? Ich dachte, du und deine Freundinnen wollten euch heute an eurem Wohnwagen treffen? Haben die anderen wieder abgesagt?«
Und schon hatte Sprotte die Wirklichkeit wieder unausweichlich eingeholt.
Seufzend schloss sie die Augen und wiegte ihren Kopf leicht von einer Seite zur anderen, ehe sie antwortete.
»Ganz okay. Und mir war heute einfach nicht nach einem Bandentreffen zumute.«
Kurz zuckte sie mit den Achseln und wich dem fragenden Blick ihres Vaters aus. Sie wollte nicht weiter darüber reden und so suchte sie fieberhaft nach einem anderen Thema, mit dem sie ihn ablenken konnte. Aber ihr Vater war schneller.
»Ist was in der Schule passiert?«
Schnell schüttelte Sprotte mit dem Kopf, aber ihr Vater hatte sie bereits durchschaut. Es war schrecklich, wie schnell er Sprotte und ihre kleinen Eigenarten erkennen und durchschauen konnte. Vielleicht aber auch nur, weil sie sich dabei so ähnlich waren. Das meinten zumindest ihre Mutter und Frieda.
Sanft legte er die Hand um Sprottes Schultern und zog sie sanft an seine Seite, ehe diese protestieren konnte. Und plötzlich entluden sich all die Angst, die Selbstzweifel und die Wut in Sprotte, ohne das sie es noch verhindern konnte.
Brennende Tränen liefen ihre Wangen hinab und ein markerschütterndes Schluchzen setzte sich in ihrer Brust fest und drohte sie zu ersticken. Ihre Schultern bebten und sie schlug schnell ihre zitternden Hände vor ihr Gesicht, ehe sie noch mehr die Kontrolle verlor.
Es war ihr schrecklich peinlich, wie schnell die Kontrolle ihren Fingern entglitten war, aber sie konnte es nicht länger aufhalten. Der Damm war gebrochen und das Wasser spülte Sprotte immer weiter aufs Meer hinaus. Sie konnte genauso gut jetzt auch aufhören dagegen anzukämpfen, sich einfach treiben lassen und schließlich darin ertrinken. Was machte es schon für einen Unterschied?
Aber dann schlossen sich die warmen Arme ihres Vaters um Sprotte und sie verbarg ihr tränenverschmiertes Gesicht an seiner Brust, während sich ihr Finger in seinem Hemd festkrallten.
Still wiegte ihr Vater sie mehrere Minuten hin und her, ehe die Tränen langsam versiegten und nur ein hartnäckiger Schluckauf zurückblieb.
Sprotte spürte, wie ihr Gesicht vor Scham rot anlief und sie konnte nicht den Kopf heben, um ihren Vater in die Augen zu sehen.
Was musste er jetzt nur von seiner Tochter denken? Die wie ein Kleinkind an seiner Brust weinte und ihren Rotz überall auf seinem Hemd verteilte? So benahm sich doch keine fast Erwachsene, wie Sprotte es war. Sie war doch kein Baby mehr!
Aber die warme Hand an ihrem Rücken fuhr einfach fort beruhigend darüber zu streichen und sie begann sich langsam wieder zu entspannen.
»Was ist los, Sprotte? Du kannst mir alles sagen, das weißt du doch, oder?«
Sprotte nickte stumm, aber die Worte wollten sich einfach nicht aus ihrer Kehle lösen. Es fühlte sich einfach nicht richtig an.
Und so blieb sie schweigend an ihren Vater gelehnt sitzen, während dieser sie weiter fest in seinen Armen festhielt und ihr sanft über den Rücken strich.
Er fragte nicht erneut und Sprotte war froh darüber.
Ihr Zimmer wurde immer dunkler und schließlich warf nur das gelbe Licht der Straßenlaterne von draußen undeutliche Schatten an die Wand neben der Tür. Als würde dort jemand nur für Sprotte tanzen.
Aber Sprotte und ihr Vater saßen wie zwei Diebe im Schatten auf dem Bett, als wollten sie sich vor der Welt versteckten.
Und ganz leise begann Sprotte von ihrem Tag in der Schule zu erzählen. Von den großen Zukunftsplänen ihrer Freundinnen und ihren eigenen dunklen Aussichten wegen ihres mangelnden Talents oder Interessen.
Schweigend hörte ihr Vater ihr zu, ehe er sie vorsichtig von sich schob, um sie in der Dunkelheit ansehen zu können.
Er hielt einen Moment  inne, ehe er zögernd nach der Nachttischlampe neben ihrem Bett griff und diese anschaltete.
Sofort wurde das Zimmer hell erleuchtet und Sprotte musste für einen Moment die Augen schließen, um nicht geblendet zu werden.
Als sie diese wieder öffnete, sah sie in das besorgte Gesicht ihres Vaters und sie hätte am liebsten die Lampe wieder ausgeschaltet.
Er bedauerte sie. Wegen ihrer Unfähigkeit und den fehlenden Plänen nach einer grandiosen Zukunft. Sicher hatte er schon früh gewusst, was er werden wollte und war mehr als enttäuscht von seiner Tochter, die so ziellos durch die Welt ging.
Aber dann lächelte er und erzählte Sprotte von seinen eigenen Zweifeln, als er vor vielen Jahren selber ein Teenager gewesen war.
Wie er ebenfalls händeringend nach einem richtigen Beruf für sich gesucht hatte und wie er über Jahre dies und das versuchte, aber nichts bei ihm hängen blieb. Bis er das Fotografieren entdeckte. Und aus einem Hobby seinen Beruf formte.
»Es ist normal zu zweifeln, Sprotte. Du stehst noch ganz am Anfang deines Lebens und sollst jetzt schon entscheiden, in welche Richtung du gehen möchtest. Das ist beängstigend. Das wissen ich und deine Mutter. Aber egal wofür du dich entscheiden solltest, wir werden immer an deiner Seite stehen und dich unterstützen.«
Kurz umarmte er Sprotte erneut, ehe er ihr verspielt durch die Haare fuhr und sie anlächelte.
»Du wirst schon deinen Weg finden, Sprotte. So wie wir alle. Und natürlich kannst du einiges sehr gut! Deine Kartoffeln mit Spiegeleiern sind legendär! Und niemand kann ein Beet so gut anlegen und pflegen wie du. Und es kommst auch niemand an deine genialen Ideen heran!«
Er lachte kurz und blickte an Sprotte vorbei zu der Wand neben ihrem Bett, wo sie hunderte von Bildern aufgehängt hatte, die sie alle selber aufgenommen hatte. Vom Wohnwagen, den Hühnern, ihren Freundinnen, Frieda, den Pygmäen, Bella, ihren Eltern und einigen hübschen Landschaften, die sie entdeckt hatte.
»Und du hast ein Talent dafür, die richtigen Motive zu finden und sie wunderschön in Szene zu setzen. Aber schließlich hattest du ja auch den perfekten Lehrer dafür!«
Stolz streckte ihr Vater seine Brust heraus und Sprotte kicherte bei diesem Anblick.
Aber dann ließ sie ihren Blick ebenfalls über die verschiedenen Fotos wandern. Die lächelnden Gesichter darin und wie sie sie alle ordentlich und mit Liebe sortiert und aufgehängt hatte.
Vielleicht hatte sie ja doch ein Talent.
Ihr Vater schien derselben Meinung zu sein, da er nachdenklich auf seine Tochter hinab blickte, während sich diese merklich entspannte. Ihr Vater hatte mit nur wenigen Worten den Großteil der Angst von ihren Schultern genommen und ihr fiel das Atmen plötzlich wieder leichter.
»Was hältst du davon, wenn du nach deinem Abschluss ein Jahr bei mir arbeitest? Ich bring dir noch mehr über das Aufnehmen und Entwickeln von Filmen bei, wir reisen zusammen umher und die lernst viele fremde Leute und neue Orte kennen. Und du kannst dir in Ruhe überlegen, was du danach machen willst. Ganz ohne Druck.«
Sofort hellte sich Sprottes Gesicht bei der Idee begeistert auf, ehe sie zweifelnd die Stirn kraus zog.
Das Angebot klang verlockend, aber konnte sie das wirklich tun?
Sie und ihre Mutter hatten ihren Vater schon einige Male zu Aufträgen begleitet, aber sind dabei immer nur sehr kurz geblieben. Natürlich wollte sie mehr über das Fotografieren erfahren und die Welt sehen. Aber konnte sie ihre Mutter hier alleine zurücklassen?
Konnte sie Frieda zurücklassen?
»Was denkst du?«, fragte ihr Vater und Sprotte biss sich unsicher auf die Lippe.
Was sollte sie darauf antworten?
Durfte sie überhaupt so ein großartiges Angebot von ihrem Vater ausschlagen? Würde er sie dafür verurteilen oder hassen? Aber würde Frieda sie nicht ebenfalls hassen, wenn sie sie einfach verlassen würde?
Widersprüchliche Gefühle tobten durch Sprotte, ehe sie den verständnisvollen Augen ihres Vaters begegnete und sich schließlich für die Wahrheit entschied.
»Ich weiß nicht. Die Idee klingt toll. Aber ich will Mom nicht hier alleine zurücklassen. Wie soll sie ohne uns jemals zurechtkommen? Sie würde verhungern oder das Haus niederbrennen! Und Oma erst!« Beschämt blickte Sprotte auf ihre angespannten Hände in ihrem Schoss, die sie unermüdlich knete. Ihre nächsten Worte schmeckten wie Säure und Verzweiflung in ihrem Mund.
»Und ich will Frieda nicht verlieren. Es läuft bei uns doch gerade so gut.«
Sprotte erwartete, dass ihr Vater sie auslachte oder beschimpfte, weil sie so eine gute Chance für dumme Ausreden verstreichen ließ. Aber er nickte nur langsam und verständnisvoll, ehe er sie wieder an seine Seite zog und ihr kurz über die Haare fuhr.
»Ich verstehe. Aber denke bitte darüber nach. Wir reden mit deiner Mom darüber. Ich bin sicher, sie wird auch ein paar Tage oder Wochen ohne uns überleben können. Und du kannst auch mit Frieda darüber sprechen. Nur weil ihr nicht zusammen auf eine Uni geht oder euch jeden Tag seht, muss das nicht das Ende bedeuten. Auch Beziehungen können lange Entfernungen und voneinander getrennt leben überstehen. Es ist ja auch nicht für immer. Oder das ganze Jahr über. Du wirst sehen. Wenn ihr beide es wollt und gemeinsam daran arbeitet, dann geht alles!«
Erwartungsvoll blickte ihr Vater sie an und Sprotte nickte nur zustimmend, obwohl die Zweifel weiter an ihr nagten. In ihrer Meinung konnten Fernbeziehungen einfach nicht bestehen. Da gab es keinen Zweifel.
Aber sie wollte mit Frieda darüber reden und ihr von dem Vorschlag ihres Vaters erzählen. Schließlich hatte Frieda immer eine Antwort für Sprotte parat.
Vielleicht war doch noch nicht alles für Sprotte verloren.
Laut schellte die Türklingel durchs Haus und sie hörten, wie Sprottes Mutter das Essen entgegennahm und sie zum Abendessen in die Küche rief. Geschirr klapperte laut, während Sprottes Mutter die Pakete öffnete und bereits verteilte.
Schnell sprangen Vater und Tochter auf und gingen gemeinsam in die Küche, wo sie Sprottes Mutter bereits erwartete.
Und während sie das Essen zusammen aßen, erzählte Sprottes Vater von seiner Idee mit dem Praktikum bei ihm. Die Sprottes Mutter begeistert aufgriff und bereits Pläne zu schmieden begann. Auch über die lautstarken Proteste von Sprotte hinweg, die der Idee ja noch nicht vollkommen zugestimmt hatte.
Aber sie wurde einfach ignoriert und irgendwann steckte die Vorfreude ihrer Eltern sie ebenfalls an.
Sie wollte bei ihrem Vater arbeiten und ein weiteres Jahr Zeit bekommen, um ihren eigenen Weg planen zu können. Es fühlte sich wie eine Chance an, die sie nicht verstreichen lassen wollte.
Plötzlich sah die Zukunft für Sprotte gar nicht mehr so dunkel und grässlich aus.
Und so nahm sie nach dem Essen ihr Handy zur Hand und rief Frieda zurück, die sofort nach dem zweiten Klingeln abnahm. Mit fröhlicher Stimme und einem offenen Ohr.
Bis tief in die Nacht hinein redeten beide Mädchen miteinander und machten Pläne.
Denn Frieda würde Sprotte unterstützen, egal wie sie sich entscheiden würde. Selbst wenn es eine Fernbeziehung zwischen den beiden sein sollte.
Frieda wusste, wie sehr Sprotte das fotografieren bedeutete und wie sie die Zeit mit ihrem Vater genoss. Und was machten schon ein paar Tage, Wochen oder Monate aus, wenn ihre Freundin glücklich war?
Sie würden auch dieses Hindernis gemeinsam überstehen. Denn im Gegensatz zu Sprotte war Frieda bereits ein Profi darin Fernbeziehungen zu führen.
Und bis es letztlich soweit war, hatten sie ja noch lange Zeit. Die sie gemeinsam verbringen konnten.
Ja, ihre Zukunft sah gar nicht mehr so düster aus, wie Sprotte gedacht hatte.
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