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Wilde Hühnerfedern und gefüllte Marmeladengläser

von SWDeni
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 Slash
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Melanie Klupsch Trudhild Bogolowski / Trude Wilma Irrling
12.09.2019
20.10.2020
21
69.384
1
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
24.09.2020 2.927
 
Kurzbeschreibung: Die Wilden Hühner lernen Tanzen und Frieda macht eine überraschende Entdeckung (bei sich selber).

Charaktere: Sprotte, Frieda, Wilma, Matilda

Pairing: Frieda/Sprotte (angedeutet am Ende) und Wilma/Matilda

Einordnung zu den Büchern: spielt einen Monat vor "Colourful"

Word Count: 2449

A/N: Dieses mal wieder ein Kapitel für Sprotte und Frieda und ihre sich entwickelnde Romanze. Das Kapitel hier hab ich sogar noch vor "Creativity" geschrieben, aber da ich nicht nacheinander drei ganze Kapitel nur über Sprotte und Frieda machen wollte, kommt es erst jetzt. Weil ich glaube, dass Frieda zuerst bemerken würde, wenn sie sich in Sprotte verliebt. Denn Sprotte scheint sowas eher später zu merken (außer bei Maik). Ich fühl mich immer noch etwas unerfahren mit dem Schreiben von Beziehungen, aber beide Mädchen liegen mir am Herzen und so geb ich mein Bestes, um es irgendwie gut rüberzubringen. Komischerweise finde ich Wilma/Matilda nicht so interessant als Paar, dass ich ihre Beziehung von Beginn an beschreiben will. Aber ihre Beziehung ist ansonsten einfach zu schreiben. Sie fühlen sich wohl miteinander, unterstützen sich und für eine Hintergrundbeziehung brauch ich nicht mehr. Sie sind da und mal ehrlich, Wilma verdient eine gutlaufende, stabile Beziehung, wenn sie in den Büchern ständig zur Seite geschoben wird.
Ich möchte mich auch bei meinen beiden Reviewern bedanken. Es ist immer wieder überraschend und toll, wenn ich sehe, dass sich jemand wirklich die Zeit genommen hat, um mir Feedback zu geben. Ihr macht meinen Tag dadurch gleich tausendmal schöner!
No Name (anonymer Benutzer): Danke für die netten Worte. Ich freu mich, dass dir die kleinen Geschichten gefallen. Wir haben fast die Hälfte geschafft und ich geb mir Mühe, die Sammlung dieses Jahr noch abzuschließen. Mir ist irgendwie aufgefallen, dass es gar nicht so viele Sprotte/Frieda Geschichten gibt. Aber schön, wenn es noch andere Shipper hier gibt. ^^
ze-german: Ja, das  mit den Paarkostümen war irgendwie ziemlich offensichtlich gewesen, oder? ^^ Selbst in Kapiteln, wo sie nicht geshippt werden, kann ich es nicht lassen, sie als Paar darzustellen. Und es hat ewig lange gedauert bis ich mich für irgendwelche Kostüme entscheiden konnte. Es gibt gar nicht so viel Auswahl, wie man denkt.
Mal eine Frage für zwischendurch: habt ihr auch die "Wilden Küken" Bücher gelesen oder nur DWH allein? Ich hab die ersten Bände gelesen (bis Buch 3 oder 4) und ich könnte sie ein bisschen mit in die Geschichten einflechten, wenn ihr wollt. Bisher wurden sie ja nur am Rande mal erwähnt, aber spielten so keine Rolle. Wenn ihr dafür seid, dann sagt es ruhig und ich guck, wo ich sie einbringen kann (so wie ich die Pygmäen wohl auch mal öfter rausholen sollte) und wenn nicht, dann ist das auch ok. Ich bin da wirklich flexibel bei.
Ansonsten wünsch ich euch allen noch einen schönen Abend und bleibt gesund!


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Sprotte konnte nicht tanzen.
Jeder in ihrer Klassenstufe wusste, dass Sprotte zwei linke Füße hatte und so wurde sie nur von ihren Freundinnen und Fred zum Tanz aufgefordert. Abes störte sie nicht sehr.
Dann konnten sie alle gemeinsam über ihre Unbeholfenheit lachen, wenn Sprotte ihnen mal wieder unbeholfen auf die Füße trat oder jemanden ausversehen mit ihren Ellbogen zur Seite schubste.
Sprotte machte gerne Witze darüber, wenn man sie zum Tanz aufforderte, aber Frieda wusste, dass es ihr doch sehr peinlich war. Wenn sie nicht innerhalb ihrer Freundinnen tanzen konnte oder Fred mit ihr langsam von einem Bein zum anderen schwankte, dann stand sie lieber am Rand der Tanzfläche und sah den anderen zu, wie sie sich amüsierten. Auch wenn Melanie kein bisschen Tanzgefühl irgendwo in ihrem Körper besaß und Wilma beim Tanzen so wild um sich schlug, als wollte sie jemanden bekämpfen, lehnte Sprotte Einladungen zum Tanzen fast immer ab. Sie konnte auch ohne wildes Rumgehüpfe Spaß haben und das lag zumeist auch an Fred, der ihr treu Gesellschaft leistete, sie zum Lachen brachte, ihre Hand hielt und sie küsste, bis die steile Falte auf ihrer Stirn endlich verschwunden war.
Aber dann entschied ihre Mutter, dass es endlich an der Zeit war richtig Tanzen zu lernen. Und zwar klassische Tänze. Falls sie mal auf eine vornehmere Veranstaltung ging. Oder eben auch auf eine Hochzeit.
Und da sie Sprottes lautstarke Einwände und Vorträge voraussah, schrieb sie auch die anderen Wilden Hühner zusammen mit ihrer Tochter ein. Die Eltern der anderen Mädchen waren begeistert von der Idee bis auf eine entrüstete Ausnahme und so stand dem Tanzkurs nichts mehr im Weg.
Sprotte verfluchte im Stillen ihre Mutter und ihre genialen Pläne, um das Leben ihrer Tochter noch schwerer zu gestalten. Denn die Tanzlehrerin, Madame Álverez genannt, hasste Sprotte aus tiefster Seele. So empfand Sprotte es jedenfalls.
Immer wurde sie lautstark zur Ordnung gerufen. Immer wurde sie zur Demonstration zusammen mit Frieda vor die Klasse zitiert, um sich vor denen zu blamieren. Und bei jeden Schritt, jeder Drehung spürte sie den abschätzenden Blick ihrer Lehrerin im Rücken und wie diese missbilligend den Kopf über so viel Unbeholfenheit schüttelte. Während sie gleichzeitig Frieda für ihre korrekte Körperhaltung und Eleganz beim Tanz lobte.
Vielleicht hofft sie auch insgeheim, dass Sprotte endlich aufgab und nie wieder einen Fuß in ihr Tanzstudio setzte. Egal wie viel Geld ihre Mutter für den Kurs bezahlte.
Es war gleichgültig, wie oft sie es immer wieder ansprach oder versuchte es anzudeuten, ihre Freundinnen glaubten ihr einfach nicht.
Denn auch Melanie wurde ständig mit einen strengen Ton korrigiert, da sie weder den Takt halten noch zuließ von jemanden geführt zu werden. Und Trude als ihre Partnerin konnte sich nur schwer gegen die Blondine, ihr vorgestrecktes Kinn und blitzenden Augen durchsetzen. Auch wenn Trude deutliche Fortschritte während der Stunden machte und ihre Tanzschritte gerne zusammen mit Steve wiederholte. Ganz heimlich.
Wilma und Matilda, die sich nach dem endlosen Drängen ihrer Freundin ebenfalls einschreiben ließ, flogen beinahe über die Tanzfläche und Frau Álvarez war einfach hellauf begeistert von den beiden und ihren Können. Schnell stiegen beide Mädchen von normalen Gesellschaftstanz zu komplizierteren Tänzen auf, um die sie Trude und Frieda offen beneidete. Denn sie saßen mit Partnern fest, die weder den Takt finden noch ihre Füße richtig koordinieren konnten.
Und auch wenn Sprotte sich deswegen etwas schlecht fühlte, so wollte sie Frieda, als ihre Tanzpartnerin, auch nicht aufgeben. Zum einen weil das Melanie als ihre neue Partnerin bedeuten würde und dann müsste sie diese leider umbringen. Da gab es in ihrer Meinung einfach keinen Weg dran vorbei. Und zum anderen liebte Sprotte das Tanzen mit Frieda. Sie lachten und tuschelten über die anderen Paare und wenn Sprotte ihrer besten Freundin mal auf den Fuß trat, dann verzog diese nur kurz das Gesicht und lachte gutmütig mit ihr.
Frieda als ihre Tanzpartnerin machte die Tanzstunden erträglich, ja schon beinahe lustig und das konnte Sprotte nicht verlieren. Nicht wenn sie zweimal in der Woche Madame Álvarez und ihren kühlen Blick sehen mussten.
Das wäre einfach zuviel Folter für Sprotte gewesen.
Und Frieda wusste es ebenfalls, weswegen sie sich nie beschwerte oder auf die vorsichtigen Nachfragen ihrer Tanzlehrerin nach einer neuen Partnerin einging. Sie mochte es mit Sprotte zu tanzen. Und sie mochte die freie Zeit danach, die die Mädchen zusammen am Wohnwagen verbrachten und entspannten.
So wie an diesem windigen Tag im November, wo die Bäume geheimnisvoll rauschten und sich an die letzten Blätter in ihren kahlen Ästen klammerten, ehe diese fortgerissen werden konnten.
Ihre Hühner waren versorgt und der Wohnwagen war warm und roch einladend nach warmen Tee und Spiegeleiern mit Bratkartoffeln, die Sprotte für sie beide feierlich angerichtet hatte.
»Ich kann immer noch nicht glauben, dass die anderen uns einfach im Stich gelassen haben!«, sagte Sprotte mit wütendem Gesicht und stocherte mit ihrer Gabel grob auf die unschuldigen Kartoffeln ein, als könnten diese etwas dafür.
»Sie haben uns nicht im Stich gelassen. Melanie und Trude hatten Theaterprobe. Das ist für sie schließlich auch wichtig.«, antwortete Frieda ruhig und schob sich ein Stück vom Ei in den Mund. Sie hatten diese Diskussion bereits seit dem Ende der Schule und während der ganzen Tanzstunde geführt. Mrs Álvarez hatte sie mehr als einmal zurechtweisen müssen, wobei sie mit jedem Mal etwas schnippischer geworden war.
»Ja, ja.« Sprotte nahm einen großen Schluck aus ihrer Tasse und ließ diese achtlos auf den Untersetzer zurückfallen, dass das Porzellan gefährlich klirrte. Als sie Friedas stechenden Blick auf sich spürte, wurde sie rot und schob sich schnell einen Bissen Ei in den Mund.
»'Tschuldige. Aber wenn Melanie nicht da ist, dann hat es die Álvarez besonders auf mich abgesehen. Die glaubt doch, ich stell mich absichtlich so blöd an, um sie zu ärgern.«
Entmutigt ließ Sprotte den Kopf hängen und es brach Frieda beinahe das Herz.
Dabei hatte Sprotte seit Beginn des Tanzkurses deutliche Fortschritte gemacht. Sie konnte sich langsam im Takt der Musik bewegen. Sie ließ sich willentlich von Frieda führen. Sie trat ihr nur noch sehr selten auf die Füße. Sie hatten sogar schon zusammen eine elegante Drehung geschafft ohne zu Stolpern. Und die Tanzlehrerin konnte diese Fortschritte in ihrer Schülerin sehen und wusste, dass Sprotte irgendwo tief drinnen Taktgefühl besaß. Mit der richtigen Partnerin.
Nur Sprotte selber schien an sich und ihren Fähigkeiten zu zweifeln.
Sie sah, wie leicht und elegant Matilda und Wilma über die Tanzfläche flogen, wie sie sich drehten und lachten und einfach perfekt zusammen aussahen. Und wie schnell sie das alles gelernt hatten. Ohne viel Stolpern und ständige Zurechtweisungen.
Und sie wollte das auch. Sie wollte leichtfüßig mit ihrem Vater auf der Hochzeit tanzen und ihrer Mutter zeigen, wie viel sie gelernt hatte. Dass der Kurs nicht umsonst gewesen ist.
Aber sie war einfach zu ungeduldig. Es ging ihr nicht schnell genug und hätte sie die Chance, sie würde den Kurs einfach hinschmeißen.
Frieda kannte ihre beste Freundin. Sie wusste nur nicht, wie sie Sprotte das Gegenteil beweisen konnte. Ihr ihre Fortschritte zeigen sollte.
Nachdenklich aß sie ihren Teller leer und beobachtete dabei, wie Sprotte lustlos in ihrem eigenen Essen stocherte und kaum selber etwas aß. Jemand musste etwas tun, um Sprotte aufzumuntern und da Fred nach der Trennung dazu nicht mehr zur Verfügung stand, lag es jetzt an Frieda. Und sie hatte bereits eine geniale Idee.
Schnell trank sie ihren lauwarmen Tee aus und stellte Teller und Tasse in die kleine Spüle, ehe sie sich zu ihrer besten Freundin umwandte. Diese blickte überrascht auf und legte fragend den Kopf schief.
»Bist du fertig mit Essen?«
Frieda deutete auf das kaum angerührte Essen auf Sprottes Teller und diese nickte nur langsam, ehe sie diesen an ihre beste Freundin weiter reichte. Diese stellte den Teller neben die Spüle und hielt ihre Hand Sprotte hin, damit diese sie ergreifen konnte.
Misstrauisch ließ sich Sprotte auf die Beine ziehen und folgte Frieda nach draußen, wo der Wind mit kalten Fingern nach ihren Jacken und Haaren griff. Frieda ließ die Wohnwagentür weit auf und sie hörten das Radio im Innern dudeln, dass sie im Vorbeigehen lauter gestellt hatte.
Geschickt schlossen sich Friedas Finger um Sprottes und sie zog sie etwas näher zu sich heran. Überrascht folgte Sprotte der Aufforderung und Frieda legte professionell ihren Arm um ihre Taille und sah grinsend zu ihrer besten Freundin hinauf.
»Haben wir denn noch nicht genug in der Tanzschule getanzt?«, fragte Sprotte lachend, als Frieda den ersten Schritt nach vorne tat und Sprotte automatisch einen Schritt zurücktrat. Ohne auch nur darüber nachzudenken.
»Ach Unsinn. Wie sagt Trude immer: Übung macht den Meister. Deswegen ist sie ja auch so gut geworden. Durch ihr heimliches Training mit Steve.«
Beide Mädchen grinsten bei dem Gedanken, wie sie die beiden einmal am Wohnwagen zusammen erwischt hatten, während sie zu einem dröhnenden Radio langsam im Gras tanzten. Trude mit strahlenden Gesicht, während Steve eine elegante Drehung mit ihr macht und ebenfalls glücklich lächelte. Auch wenn das Lied im Radio für ihren Tanz viel zu schnell gewesen war.
Ganz langsam fanden beide Mädchen gemeinsam ihren Rhythmus zur Musik und ließen ihre Schritte etwas weiter ausfallen, um nicht länger auf der Stelle hin und her zu gehen. Vorsichtig drehten sie sich im Kreis und passten auf nicht in versteckte Löcher im Boden zu treten oder sich im knöchelhohen Gras zu verfangen.
Dabei hielt Sprotte ihren Blick fest auf den Boden gerichtet, um nicht ausversehen zu fallen oder auf Friedas Fuß zu treten, während diese sie ruhig ansah. Immer schneller bewegten sie sich und vergaßen dabei völlig die Musik, die bereits von einer Nachrichtensendung abgelöst worden war.
Endlich hob auch Sprotte ihren kritischen Blick von ihren Füßen und grinste Frieda fröhlich an. Diese lächelte zurück und bemerkte erstaunt, wie leicht das Tanzen mit Sprotte plötzlich war. Ihre Blicke verschränkten sich und Frieda spürte, wie sich die Luft elektrisch auflud. Es knisterte auf ihrer Haut und ihr Herz schien plötzlich in ihrer Kehle zu schlagen.
Sie konnte die Musik des Radios nicht mehr hören, spürte nicht mehr den Wind in ihren Haaren oder das feuchte Gras, das ihre Hose und Schuhe durchweichte. Sie spürte nur Sprottes warme Hand in ihrer, ihren Körper ganz nah an ihren, während sie sich immer weiter drehten und drehten. Sah nur noch das strahlende Blau ihrer Augen, dass ihr plötzlich den Atem nahm. Wie Sprotte sie anlächelte und das Blut laut in ihren Ohren rauschte.
Und sie wollte sich vorbeugen und Sprotte küssen. Wollte sie mitten auf den Mund küssen. Wollte ihre Hände in ihren Nacken verschränken und sie etwas zu sich runterziehen, damit sich ihre Lippen treffen konnten. Und Frieda war versucht, einfach anzuhalten und es zu probieren. Ihre beste Freundin zu küssen, die sie fröhlich anlächelte und ihr Herz höherschlagen ließ und so wunderschön aussah. Wie hatte sie das jemals übersehen können?
»Na ihr seid ja ziemlich gut geworden!«
Wilmas laute Stimme hallte über den Rasen wider und ließ Sprotte und Frieda erschrocken innehalten. Der Moment zerbrach zwischen ihnen und Frieda musste ihr Gesicht abwenden, um ihren Freundinnen nicht zu zeigen, wie rot sie angelaufen war. Zum Glück konnten sie nicht ihr rasendes Herz hören. Oder ihre wirren Gedanken, die immer noch bei Sprotte und diesem Moment zwischen ihnen festhingen. Und dem Wunsch nach einem Kuss mit ihrer besten Freundin, der immer noch unter ihrer Haut brannte.
»Findest du?«, fragte Sprotte erleichtert und lächelte Frieda kurz zu, die nervös mit ihren Haaren spielte. Sprotte stand immer noch nah neben ihr, sie konnte ihre Wärme ganz deutlich spüren und sie wollte erneut nach ihrer Hand greifen, um ihre Finger miteinander zu verschränken.
Was war nur plötzlich mit ihr los?! Und warum hörte ihr Herz nicht auf zu rasen bei diesen Gedanken?
Während Wilma begeistert von ihrer Stunde bei Madame Álvarez erzählte, gingen sie zusammen zum Wohnwagen zurück, wo das Radio weiter Musik spielte und der Wind jegliche Wärme aus dem Inneren vertrieben hatte. Frieda ein Stück hinter Sprotte und Wilma, die bereits im Wohnwagen verschwunden waren. Matilda stand wartend vor der Tür und lächelte Frieda entgegen, die zerstreut auf ihre Füße blickte.
Sie versuchte immer noch verzweifelt, ihr rasendes Herz zu beruhigen und diese verwirrten Gedanken und Ideen aus ihrem Kopf zu vertreiben. Sicher hatte sie Sprotte küssen wollen, weil sie so unter Stress stand. In der Schule, im Tanzkurs und ihrer Umweltgruppe. Und ihre Trennung von Maik war auch schon lange her und seitdem hatte sie kein einziges Date mehr gehabt. Sie war derzeit einfach zu beschäftigt für Liebe oder Herzklopfen.
Die plötzliche Nähe zu Sprotte, wie sie sie angelächelt und wie ihr Gesicht strahlte, als sie zusammen getanzt hatten. Wie sich dieser Moment zwischen ihnen ausgedehnt hatte und die Luft plötzlich zu vibrieren schien.
Sicherlich war es normal sich manchmal so zu fühlen, wenn man mit jemanden tanzte. Auch bei der besten Freundin. Mit Trude oder Melanie wäre es bestimmt dasselbe gewesen.
Und während Frieda versuchte, sich selber von ihren Gedanken zu überzeugen, traf ihr Blick den von Matilda. Diese lächelte sie freundlich an, das Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden und ihren Rucksack über eine Schulter geschwungen. Sie sah so verständnisvoll aus, als wüsste sie, worüber Frieda heimlich nachdachte. Was sie innerlich ausrasten ließ, während sie äußerlich versuchte, die Ruhe zu wahren.
Denn Matilda hatte sicherlich dasselbe gedacht, als sie sich in Wilma verliebt hat, oder?
Nur das Sprotte Friedas beste Freundin war. Und keine von beiden jemals in ein anderes Mädchen verliebt gewesen war. Oder auch nur auf solche Weise an andere Mädchen gedacht hatte.
Und natürlich war auch Frieda nicht in Sprotte verliebt!
Sie hatte sich dieses Gefühl sicher nur eingebildet. Es war nur dieser eine Moment gewesen, als sie Sprotte küssen wollte. Nichts weiter.
Beruhigt atmete Frieda aus und ging ebenfalls lächelnd an Matilda vorbei, die hinter ihr die Tür zu zog, um die kalte Novemberluft draußen zu lassen. Sprotte hatte bereits Tee gekocht und saß mit Wilma um den Tisch, während sie Frieda fröhlich an ihre Seite winkte.
Matilda ließ sich neben Wilma nieder, die locker den Arm um sie schlang. Sie erzählte fröhlich von ihrem Tag, während sich Frieda neben Sprotte setzte.
Und als ihre Knie sich sanft unter dem Tisch berührten, fing Friedas Haut erneut an zu kribbeln. Sie spürte Sprotte warm neben sich, wie nah sie sich waren. Wie leicht es für sie wäre nach ihrer Hand unter dem Tisch zu greifen, um ihre Finger ineinander zu verschränken. Wie beruhigend Sprottes Stimme, ihre Nähe auf sie wirkte. Während ihr Herz aufgeregt in ihrer Brust flatterte.
In diesem Moment wusste Frieda, dass sich etwas zwischen ihr und Sprotte verändert hatte. Sie wusste nicht, ob Sprotte es ebenfalls bemerkt hatte, aber sie spürte es mit jeder Zelle in ihrem Körper.
Sie war dabei sich rettungslos in Sprotte zu verlieben. Und Frieda hatte sich noch nie lebendiger gefühlt.
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