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Wilde Hühnerfedern und gefüllte Marmeladengläser

von SWDeni
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 Slash
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Melanie Klupsch Trudhild Bogolowski / Trude Wilma Irrling
12.09.2019
20.10.2020
21
69.384
1
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
22.09.2020 3.343
 
Kurzbeschreibung: Die Mädchen feiern Halloween über die Jahre. Und die Kostümauswahl wird nie einfacher.

Charaktere: Sprotte, Frieda, Wilma, Trude, Melanie, Matilda

Pairing: Wilma/Matilda, Trude/Steve und erwähnt werden Fred/Sprotte, Melanie/Willi

Einordnung: spielt an drei verschiedenen Zeitpunkten - 1. im Herbst nach ersten Buch, 2. im Herbst nach vierten Buch und 3. im Herbst 1,5 Jahr nach fünten Buch (oder vor "Colorful" um genauer zu sein)

Word Count: 3032

A/N: Ich weiß, dass noch kein Halloween ist, aber irgendwie war ich zum Verkleiden und Halloween inspiriert und das kam dabei raus. Es ist mal eher was leichtes, fröhliches. Ohne viel Drama zwischen den Mädchen. Eben was für zwischendurch mal. Da die letzten beiden Kapitel eher Sprotte/Frieda gehörten, wollte ich mal was anderes einbringen. Da ich das nächste Mal wohl wieder was für die beiden hochlade. Ich kann aber wirklich nichts dafür. Sie sind jetzt einfach zu meinen Lieblingen geworden und es macht so viel Spaß ihre Beziehung zu schreiben. Oder wenigstens die Anfänge bisher.
Ich will mich natürlich auch bei meinen beiden Reviewern bedanken.
Ilea: Danke für die lieben Worte. Ich bin meist auch eine stille Leserin, als selber Feedback zu geben. Aber natürlich freu ich mich, wenn dir die kleinen Vinette gefallen. Es macht mir auch Spaß, sie zu schreiben.
ze-german: Wie immer nur liebe Worte von dir. ^^ Ich freu mich, dass dir das Kapitel gefallen hat. Ich bin selber überrascht, wie sehr ich Frieda und Sprotte derzeit shippe und wie gerne ich beide zusammen schreibe. Ich fühl mich fast ein bisschen schuldig, weil ich dafür Sprotte und Fred trennen musste. Aber nur ein bisschen. Es wird wohl noch einiges mit den beiden kommen und ich hoffe, dass dir das nichts ausmacht.
Ich wünsche allen meinen Lesern noch einen schönen Abend, viel Spaß beim lesen und bleibt gesund!
Bis Donnerstag!


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»Ich werde ganz sicher nicht als Huhn verkleidet gehen!«
»Und ich werde nicht als blöde Prinzessin oder Fee auf die Straße gehen, wo mich jeder sehen kann. Lieber geh ich gar nicht raus, als so angezogen!«
Wütend funkelten sich Melanie und Sprotte an, während Frieda hinter ihnen nur genervt die Augen verdrehte und Trude mit jedem weiteren Wort immer mehr in sich zusammenschrumpfte. Sie mochte nicht, wenn sich ihre Freundinnen stritten, wie es ihre Eltern auch immer Zuhause taten. Und dabei auch gerne ihre schneidenden Worte gegen Trude richteten.
»Wer hat denn davon gesprochen? Als würde man dich auch nur in etwas anderes als alte Hosen und weite T-Shirts bekommen!«
Entrüstet schnappte Sprotte nach Luft und baute sich so nah vor Melanie auf, dass sich ihre Nasenspitzen beinahe berührten. Ihre Augen funkelten gefährlich und das konnte niemals was Gutes zwischen den beiden bedeuten.
Das wusste auch Frieda, weswegen sie schnell zwischen die beiden Streithähne trat und sie mit einem entwaffnenden Lächeln auseinander schob.
»Wir beruhigen uns jetzt erst mal. Wir müssen uns ja noch nicht heute darauf einigen, wie wir gehen wollen. Wir haben ja noch ein bisschen Zeit.«
Sprotte wandte sich nur mit einem unverständlichen Murmeln ab, wo Frieda ein paar nicht so nette Worte gegen Melanie heraushörte. Die diese zum Glück nicht verstand.
Melanie dagegen warf nur elegant ihre blonden Locken über die Schulter und zog einen Schmollmund, während sich Trude unterstützend an ihre Seite begab.
»Wir haben gar nicht mehr so viel Zeit! Halloween ist schon in einer Woche und ich will mein Kostüm nicht am selben Tag schnell zusammen werfen und wie ein Clown rumlaufen. Auch wenn einige unter uns damit scheinbar kein Problem haben.«
Bevor Sprotte wieder aufbrausen und Melanie womöglich eine runterhauen konnte, legte Frieda beruhigend ihre Hand auf die Schulter ihrer besten Freundin und meinte: »Das wollen wir natürlich auf keinen Fall! Deswegen reden wir ja gerade darüber. Und sammeln Ideen.«
Frieda blickte hilfesuchend zu Trude hinüber, die nur verschreckt den Kopf einzog und tat, als würde sie sie gar nicht bemerken. Lieber nichts sagen, als Melanies Unmut auf sich ziehen.
Seufzend ließ Frieda ihren Blick über den lärmenden Pausenhof schweifen, wo ihre Mitschüler ausgelassen Fußball oder Fangen spielten oder hinter vorgehaltener Hand tuschelten und kicherten. Sie stritten jetzt schon seit einer geschlagenen Woche über ihre Halloweenkostüme und waren immer noch kein Stück dabei vorangekommen.
Sprotte wollte einheitliche Kostüme, damit sie als Gruppe erkannt wurden. Und weil sie ja jetzt eine richtige Bande waren. Ihre Idee von Hühnerkostümen gefiel dabei aber niemanden. Nicht mal Frieda.
Melanie wollte sich nicht als Geist oder Hexe verkleiden, sondern als hübsche Elfe oder Fee gehen. Ihr Kostüm hatte sie bereits gekauft und den Glitzer würde sie sich von ihrer Schwester borgen, wie sie den anderen voller stolz verkündet hatte. Und Sprotte hatte dabei ausgesehen, als wollte sie im nächsten Moment explodieren.
Trude hatte nur schweigend den Vorschlägen der anderen zugehört und Melanie für ihr schimmerndes Kostüm bewundert.
Frieda war es eigentlich egal, als was verkleidet sie letztlich gingen. Wenn sich die anderen nur endlich entscheiden würden! Sie konnte die ewige Streiterei zwischen Sprotte und Melanie schon nicht mehr ertragen und wünschte sich insgeheim, dass Halloween bereits vorbei sein würde. So viel Stress für ein paar Süßigkeiten konnte sich einfach nicht lohnen.
»Ich meine, wenn wir uns nicht auf ein gemeinsames Gruppenkostüm einigen können, dann gehen wir halt in was auch immer wir wollen. Interessiert doch niemanden, oder?«
Frieda spürte Sprottes verratenen Blick auf sich, während Melanie nur breit grinsend nickte.
»Seh ich auch so! Wir gehen doch sowieso zusammen um die Häuser und niemand wird etwas zu unseren Kostümen sagen. Es geht schließlich um die Süßigkeiten. Da wird dein schlecht zusammengeworfenes Kostüm schon nicht zwischen uns auffallen. Man wird dann sowieso eher mich ansehen.«
Verzweifelt blickte Frieda in den grauen Oktoberhimmel, als Sprotte sich wie erwartet auf Melanie stürzte, die kreischend vor ihr davon lief. Den Rest der Pause über jagten sie sich über den Schulhof und sprachen die nächsten Tage kein Wort mehr miteinander.
Aber am Halloweenabend trafen sie sich wie verabredet vor Friedas Haus, um zusammen mit ihrem Bruder von Haus zu Haus zu ziehen.
Melanie in einem glitzernden Feenkostüm mit umgeschnallten Flügeln, funkelnden Haaren und geschminkten Augen und Lippen.
Trude kam als Bettlaken-Gespenst, zum beißenden Spott von Melanie. Zum Glück sah man nicht ihr rotes Gesicht und ängstliche Miene nicht dahinter, während sie etwas geknickt hinter den anderen ging.
Frieda und Sprotte kamen als Vampire verkleidet mit bauschenden Umhängen, weißen Gesichtern und blutigen Mündern. Sie hatten ihre Kostüme selber zusammengesucht und waren mächtig stolz auf das Ergebnis.
Und so zogen die Wilden Hühner zum ersten Mal gemeinsam als Bande um die Häuser, klopften und klingelten an Türen und bekamen Süßigkeiten, die sie abends kichernd zusammen verdrückten.
Es wurde dann doch noch ein lustiger Abend für die Mädchen.


»Ach kommt schon! Bitte!«, flehte Wilma mit tränenreicher Stimme und blickte hoffnungsvoll von Frieda zu Melanie zu Trude und zuletzt zu Sprotte hinüber.
Diese senkte betreten den Blick und spielte an der Tischdecke in ihrem Wohnwagen herum, ehe sie stockend antwortete: »Wilma ... naja, ich-«
Doch ehe Sprotte auch nur einen zusammenhängenden Satz herausbringen konnte, unterbrach Melanie sie auch schon mit fester Stimme und hochgezogenen Augenbrauen.
»Sind wir nicht schon viel zu alt, um Süßes oder Saures zu spielen?«
Fragend blickte sie in die Runde, wo Trude und Sprotte ihrem Blick auswichen, Frieda verhalten mit den Schultern zuckte und Wilma sie entgeistert ansah.
»Siehst du? Niemand hier hat wirklich Lust sich albern zu verkleiden und an jede Tür zu klopfen. Für ein paar lausige Süßigkeiten.«
Damit war dieses Thema für Melanie beendet und während sie gekonnt ein Glitzerpflästchen über einen Pickel auf ihrer Wange klebte, sah sie erwartungsvoll zu Sprotte hinüber.
»Wie auch immer. Willi hat mir erzählt, dass die Pygmäen dieses Jahr eine große Halloween-Feier an ihrem Baumhaus feiern wollen und hat mich dazu bereits eingeladen.«
Sie schwieg einen Moment, aber als Sprotte nichts erwiderte, fragte sie stirnrunzelnd: »Hat dich Fred etwa noch nicht eingeladen? Oder versteckt ihr eure Beziehung immer noch vor allen?«
Sprotte konnte deutlich den Spott in Melanies Stimme hören und warf ihr einen wütenden Blick zu. Sie hatte gut reden! Schließlich hatten Melanie und Willi ihre Beziehung monatelang vor allen geheim gehalten. Als hätten es bis dahin nicht schon längst alle gewusst!
Doch ehe Sprotte antworten konnte, unterbrach Wilma sie und rang verzweifelt die Hände.
»Aber wir müssen dieses Jahr auf Süßes oder Saures Tour gehen! Das ist das erste Mal, das wir das alle gemeinsam machen können! Als die fünf Wilden Hühner! Als Bande!«
Wieder suchte sie den Blick von Sprotte, die schnell ihren Kopf zum Fenster drehte und auf den Hühnerstall hinausblickte. Ob Fred sie nachher wohl noch abholen würde? Er hatte es versprochen, aber mit den anderen Mädchen hier ...
»Schließlich sind wir letztes Jahr nicht gegangen!«, versuchte es Wilma erneut und diesmal reagierte Sprotte darauf.
»Natürlich sind wir letztes Jahr nicht gegangen! Da war ja schließlich auch Fuchsalarm gewesen! Unsere Hühner waren kurz davor auf die Schlachtbank zu kommen! Da hatten wir jawohl wenig Grund zum Feiern oder Verkleiden!«
Die anderen Hühner nickten zustimmend und Wilma trommelte ungeduldig mit ihren Finger auf den Tisch.
»Genau! Aber da bin ich gerade in unsere Bande aufgenommen worden. Ihr hattet schon viele Halloween-Nächte zusammen, wo ihr gemeinsam durch die Straßen gezogen seid, euch verkleidet habt und Süßigkeiten essen konntet. Ich war bei keinem dieser Male dabei! Und jetzt haben wir schließlich ein grandioses Hauptquartier zur Verfügung!«
Mit einer ausladenden Handbewegung zeigte Wilma auf ihren Wohnwagen und sprang leidenschaftlich auf, ehe sie fortfuhr.
»Es wäre doch nur ein Halloween! Nur noch dieses, wo wir gemeinsam von Tür zu Tür gehen können. Nächstes Jahr sind wir vielleicht schon zu alt dafür. Oder es kommt wieder was dazwischen. Aber ich hatte bisher noch kein fantastisches Wildes Hühner Halloween mit meinen besten Freundinnen zusammen! Wo wir gemeinsam die Straßen unsicher machen und hier im Wohnwagen Süßigkeiten essen können. Nur wir fünf allein! Bitte!«
Schuldbewusst senkte jedes der Mädchen den Blick, während Wilma sie aus großen Augen anflehte.
Sie alle wussten, dass Wilma recht hatte. Auch wenn drei von ihnen feste Freunde hatten, waren sie noch nicht zu alt, um sich zu verkleiden. Und es wäre wirklich das erste Halloween mit allen Wilden Hühnern zusammen. So als richtige Bande.
Sprotte hob den Kopf und blickte Wilma direkt an, aber als sie den Mund öffnete, um ihre Zusage zu geben, unterbrach Melanie sie erneut.
»Na gut.« Sie seufzte einmal tief, aber jede ihrer Freundinnen konnte sehen, dass sie nur so tat, als würde sie widerwillig zustimmen. Oder nicht mit Freuden Wilmas Wunsch nachgeben. Dafür kannten die anderen Mädchen Melanie einfach zu gut.
»Ich mein, zu der Party hätten wir uns ja sowieso verkleiden müssen. Und wenn wir davor noch einmal Süßigkeiten einsammeln, umso besser.« Sie lächelte über Wilmas strahlendes Gesicht und klebte sich ein weiteres Glitzerpflaster ans Kinn. »Wird sicher lustig. Und Willi und ich können auch nächstes Jahr noch auf die Party zusammen gehen.«
Schnell blickte Wilma zu Trude rüber, die sofort rot anlief und verlegen grinste.
»Ich bin auch dafür. Ich hab sogar schon eine Idee, was ich anziehen könnte.«
Frieda zuckte entspannt mit den Schultern und ließ sich neben Trude auf die Matratze fallen, wo sie lächelnd zur Wohnwagendecke aufblickte.
»Ich bin auch dabei. Aber es kann sein, dass ich meinen kleinen Bruder mitnehmen und wir ihn dann wieder bei mir Zuhause vorbeibringen müssen. Titus drückt sich mal wieder.«
Zuletzt fiel der freudige Blick auf Sprotte, die verlegen zur Seite blickte und breit grinste.
»Ich find die Idee auch gut. Ich sag Fred Bescheid, dass wir später zu seiner Party kommen werden. Da hat er bestimmt nichts dagegen. Die Pygmäen wollen sich schließlich dafür auch verkleiden.«
Überglücklich sprang Wilma in die Luft und lachte ausgelassen, was auch ihre Freundinnen mit ansteckte. Schließlich hoben sie alle ihre Teetassen, manche leer und manche noch halb gefüllt mit kalten Tee, und stießen feierlich an.
»Auf ein Wildes Hühner Halloween!«, riefen sie im Chor und lachten fröhlich dabei.
Und dieses Mal gab es keinen Streit zwischen den Mädchen wegen der Kostüme.
Trude kam als Zombie mit zerrissener Kleidung, roter Farbe am Hals und dunklem Make-up um die Augen.
Wilma war als Pirat verkleidet mit Plastikschwert, Augenklappe und roten Tuch um ihren Kopf, was sie noch verwegener aussehen ließ.
Melanie hatte ein kurzes schwarzes Kleid an, dass sie sich von ihrer Schwester geliehen hatte, falsche spitze Zähne in ihrem Mund und einen Umhang, den ihr Sprotte netterweise geliehen hatte.
Sprotte und Frieda gingen als Hexen mit spitzen Hüten, grünen Gesichtern und einem Besen in der Hand. Friedas kleines Bruder Luke wurde als Katze verkleidet und schnurrte und miaute unentwegt in seinem Kinderwagen vor sich hin.
Wieder sammelten die Mädchen eifrig Süßigkeiten ein und nachdem sie Luke wieder bei Frieda Zuhause abgegeben hatten, fuhren sie zusammen zum Wohnwagen. Die Nacht hatte sich bereits dunkel über sie gelegt, während sie lachend die ergatterten Süßigkeiten aßen und tauschten, ehe sie nebeneinander auf der Matratze einschliefen. An die Party der Pygmäen dachte dabei keines der Mädchen mehr.


»Als was wollen wir uns denn dieses Jahr zu Halloween verkleiden?«, fragte Wilma aufgeregt, während sie im neuen Drehbuch für die Schulaufführung blätterte.
Die anderen Mädchen stöhnten fast gleichzeitig genervt auf bei der Frage und Wilma zog beleidigt ihre Stirn kraus. Mit dieser Reaktion hatte sie nicht gerechnet.
»Was?«
Ihr Blick traf auf Matilda, die neben Frieda und Sprotte auf der Matratze hockte, wo sie Karten spielten. Sie hob den Kopf und lächelte etwas schuldbewusst.
»Ach Wilma.« Sie seufzte kurz, aber ehe sie fortfahren konnte, unterbrach sie Melanie schon ungeduldig.
»Mein Gott Wilma! Warum bist du nur so versessen auf Halloween und sich zu verkleiden? Wir brauchen uns nicht mehr verkleiden, wenn wir zu der Pygmäenparty gehen. Kaum einer geht dort in Kostüm hin. Lass es endlich gut sein!«
Entrüstet öffnete Wilma den Mund, ehe sie innehielt und kurz ihre Freundinnen musterte, die alle ihrem bohrenden Blick auswichen.
»Findet ihr das etwas auch?! Wir verkleiden uns jedes Jahr! Und dieses Jahr kannst du ein Pärchenkostüm mit Nick machen! Sowie Trude und Steve oder Matilda und ich letztes Jahr.«
»Und das soll mich umstimmen? Ich wollte das schon letztes Jahr nicht mit Ted machen. Und Nick interessiert es auch nicht wirklich. Außerdem sind die Königinnen des Verkleidens jawohl Sprotte und Frieda! Die sind doch bisher jedes Jahr mit passenden Kostümen aufgetaucht.«
Melanie feixte Frieda frech an, die kurzerhand ein Kissen nach ihr warf und dabei beinahe eine Vase mit Blumen von der Wand fegte.
»Zieh uns da bitte nicht mit rein!«, meinte Sprotte gelassen und legte eine Karte ab, ehe sie aufblickte. »Aber ich bin da Mellis Meinung. Niemand verkleidet sich auf der Party. Das hast du doch schon letztes Jahr gesehen. Und Lust hab ich auch nicht wirklich darauf.«
Kurz breitete sich eine unangenehme Stille zwischen den Mädchen aus, ehe Trude sich geräuschvoll räusperte und verlegen sagte: »Na ja, Steve und ich wollten uns schon gerne verkleiden. Wir haben zusammen Kostüme gebastelt und gehen als Sully und Mike. Ihr wisste schon ... von Monster AG.«
Als sie die neugierigen Blicke ihrer Freundinnen auf sich spürte, wurde sie noch etwas roter und murmelte peinlich berührt etwas Unverständliches in ihre Hand.
Wilma erholte sich am schnellsten von ihrem Schock und grinste breit, während sie ihren Arm freundschaftlich um Trudes Schultern schlang.
»Klingt super! Matilda und ich wollen als Mickey und Minnie Maus. Sie hat schon ihr Kleid fertig geschnitten und ich hab Handschuhe und Ohren für uns beide besorgt.«
Stolz schwellt sich Wilmas Brust, während Matilda kicherte und ihr zwinkernd eine Kusshand zuwarf.
»Habt ihr beiden denn auch was vor?«, fragte Melanie neugierig und blickte zu Sprotte und Frieda, die weiter ausgelassen Karten spielten.
»Wir? Nicht unbedingt. Wir hatten kurz darüber gesprochen, aber uns noch nicht entschieden.«, antwortete Sprotte leichthin und ignorierte den wissenden Blick, der zwischen Melanie, Trude und Wilma ausgetauscht wurde. Sie wusste bereits, dass ihre Freundinnen nicht nachgeben würden.
»Und was waren so eure Ideen?«, fragte Wilma beiläufig und kritzelte etwas in ihr Drehbuch, während Melanie konzentriert Trudes Fingernägel weiter anmalte. Aber ihre Blicke schweiften weiter neugierig zu den drei Mädchen auf der Matratze hinüber.
»Ach nicht Besonderes.«, versuchte Sprotte abzuwinken, aber Matilda grinste nur breit und legte ihre letzte Karte auf den Stapel, ehe sie sich den anderen Mädchen zuwandte.
»Sie wollen als Prinzessin Daisy und Luigi gehen. Ich hab schon das Kleid für Frieda gemacht und Sprotte hat auch schon ihre Sachen besorgt. Es fehlt nur noch eine hübsche Krone.«
Fast gleichzeitig wurden Sprotte und Frieda rot, während ihre Freundinnen beinahe vor Lachen von ihren Stühlen fielen. Melanie kippte sogar das Nagellackfläschen um und stellte es kichernd wieder hin, ehe sie wieder unkontrolliert losprustete. Trude und Wilma ging es nicht besser und so warteten Sprotte und Frieda geduldig bis sich ihre Freundinnen wieder beruhigt hatten und Matilda aufhörte sie so breit anzugrinsen.
»Ja, ja. Lacht nur. Wir fanden es eine gute Idee, nachdem wir alle zusammen Super Mario World gespielt haben. Und die Kostüme lassen sich leicht besorgen.«, verteidigte sich Sprotte sofort und Frieda nickte nur zustimmend. Wobei ihre Wangen weiter rot leuchteten und sie den Blick der anderen mieden.
»Bestimmt. Deswegen wolltest du auch letztes Jahr nicht zusammen mit Fred dich verkleiden. Was wollte er noch mal machen?« Nachdenklich klopften Melanies perfekte Nägel auf die Tischplatte, ehe sie siegessicher grinste. »Er wollte, dass ihr als Wilma und Fred Feuerstein geht. Und du hast einfach nein gesagt, weil du und Frieda bereits als Engel und Teufel gehen wolltet. Und du willst mir erzählen, dass ihr nicht verkleidet zur Party gehen wolltet.«
Ungläubig schüttelte Melanie den Kopf und fasste sich etwas verzweifelt in die Haare.
»Aber wenn ihr alle euch verkleidet, müssen Nick und ich es wohl auch tun. Wie sähen wir sonst aus?«
Sie seufzte einmal schwer, ehe sie verschlagen grinste und zu Matilda blickte. Ihre Wimpern flatterten wie Schmetterlingsflügel, während sie zuckersüß fragte: »Kannst du mir auch helfen, Matilda?«
Diese nickte nur lächelnd und Wilma stieß triumphierend ihre Faust in die Luft, die hart gegen das Dach des Wohnwagens schlug.
»Super! Dann wäre die Kostümfrage ja geklärt. Wollen wir alle zusammen hinfahren oder uns erst da treffen? Bereiten wir uns hier im Wohnwagen vor? Ihr wisst schon, mit schminken und frisieren oder lieber Zuhause?«
Die Worte sprudelten nur so aus Wilma heraus und sie sprang aufgeregt auf und ab bei dem Gedanken an die Party. Ihre Freundinnen lächelten nur und wussten, dass das fünfte Huhn jetzt nicht mehr zu bremsen war.
Und so ging der Nachmittag mit Plänen und Vorbereitungen dahin, obwohl es noch sechs lange Tage bis zur Feier waren.
Am Tag der Party saßen alle fünf Wilden Hühner, Matilda und Nick im Wohnwagen zusammen und ließen sich von Matilda und Melanie herrichten. Steve hatte sich bereits am Baumhaus umgezogen, da er bei den Vorbereitungen noch helfen musste. Nachdem Fred ihm beim Wegschleichen entdeckt hatte.
Und so fuhren Melanie und Nick als Alice im Wunderland auf dem Gepäckträger und das weiße Kaninchen im Sattel zur Feier. Wobei Melanies blondes Haar und ihr helles Lachen die Nacht erleuchtete und Nick nicht aufhören konnte sie anzusehen.
Matilda und Wilma fuhren als Minnie und Mickey nebeneinander her und mussten aufpassen, dass ihre schwarzangemalten Ohren nicht von ihren Köpfen flogen.
Trude fuhr als plüschiger Mike hinter ihnen und kicherte ununterbrochen, während sie versuchte nicht ihre grüne Schminke im Gesicht zu verwischen.
Zum Schluss kamen dann Sprotte und Frieda, die fröhlich nebeneinander herfuhren, während sich Friedas Kleid immer wieder leicht im Fahrtwind aufbauschte und Sprotte ihren angeklebten Bart vom dauernden Runterrutschen abhalten musste.
Und wie vorhergesagt waren sie beinahe die Einzigen, die sich unter den Partygästen verkleidet hatten. Aber keinem von ihnen machte es etwas aus. Sie tanzten fröhlich miteinander und jeder wusste sofort, wer zu wem gehörte. Ob bewusst oder unbewusst.
Warum sollten sie auch aufhören sich zu verkleiden, nur weil sie älter wurden?
Schließlich war Halloween.
Und während der Nebel lustig um ihre Knöchel kräuselte, die Bäume geheimnisvoll rauschten, die Kürbislaternen Grimassen schnitten und sie keine Süßigkeiten mehr einsammelten, war es trotzdem ein wundervoller Abend.
Die Wilden Hühner zusammen verkleidet auf der Tanzfläche, während die Musik laut wummerte. Und das jedes Jahr aufs Neue.
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