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Wilde Hühnerfedern und gefüllte Marmeladengläser

von SWDeni
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 Slash
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Melanie Klupsch Trudhild Bogolowski / Trude Wilma Irrling
12.09.2019
20.10.2020
21
69.384
1
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24 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
08.09.2020 4.048
 
Kurzbeschreibung: Die Wilden Hühner feiern Silvester über die Jahre und machen daraus eine eigene kleine Tradition.

Charaktere: Sprotte, Frieda, Wilma, Trude, Melanie, Matilda, Fred, Steve, Willi, Torte, OCs (Nick, Emillie und als namenlose Partner von Torte und Willi)

Pairing:  Frieda/Sprotte, Wilma/Matilda , Melanie/OC, Trude/Steve, Fred/OC,  Willi/OC, Torte/OC  (past Sprotte/Fred, Torte/Frieda, WIlli/Melanie)

Einordnung: der Winter nach Wishes (spielt also ungefähr ein Jahr nach "DWH und die Liebe")

Wordcount: 3692

A/N: Ich weiß, dass es ewig und drei Tage her ist, dass ich bei dieser Fanfic ein Update gegeben habe. Und Ende letzten Jahres lag es eher daran, dass meine Motivation und Muse flöten gegangen sind. Und dann kam der Anfang diesen Jahres und alles wurde immer schlimmer. Und damit meine ich nicht die Pandemie, auch wenn ich nicht mit diesem Ausmaß gerechnet habe. Nein. Ich habe im Januar erfahren, dass meine Mutter Krebs hat und sofort mit der Chemo beginnen muss. Das hat mir alle Energie und Kreativität genommen und die Monate danach waren wie ein Alptraum. Ich konnte nichts machen und schreiben noch viel weniger. Aber jetzt ist sie operiert und hat alle Chemos hinter sich. Und dann hat ich auch noch ein die Motivation zum Schreiben wieder gefunden und deswegen bin ich wieder da.
Mal sehen wie lange es vorhält, aber ich will diese 30 Prompts schon gerne beenden.
In meiner inaktiven zeit bin ich auch sehr den wlw Ships verfallen, weswegen hier plötzlich mehr von Wilma/ Matilda zu sehen ist und auch Sprotte/Frieda. Ich wollte sie schon vorher einbringen, aber ich wusste nicht wann. Und jetzt scheint genauso gut zu sein wie später. Dazu muss ich aber sagen, dass Romance noch ziemlich neu für mich ist, weswegen alles irgendwie komisch oder etwas unbehoolfen erscheint. Ich arbeite dran, versprochen!
Und eine kurze Warnung noch für die Leser, wo womöglich Favouriteneinträge zu dieser Geschichte haben: Ich ändere ein wenig was an den vorherigen Texten, da ich die nochmal minimal abgeändert habe und die neue Version hier auch gerne hätte.
Das wäre alles und ich wünsche allen einenwunder schönen Tag!


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Es war zu einer Art Tradition bei den Wilden Hühnern geworden.
Weihnachten und der erste Weihnachtstag gehörte allein der Familie. Mit festlich geschmückten Bäumen, gedimmten Lichtern oder flackernden Kerzen, ausladenden Festessen, bunt verpackten Geschenken und Besuchen bei den lieben Verwandten.
Danach aber gehörte der zweite Weihnachtstag allein den Wilden Hühnern. Ob bei Sprotte Zuhause oder im Keller von Frieda war dabei egal. Mit dampfenden Tassen Tee in den Händen, bunten Lichterketten um sie herum und warmen Decken, die sie vor der Kälte des Kellers schützten oder dem stetigen Rauschen von Weihnachtsliedern im Radio. Mit kleinen Geschenken füreinander und knisternden Schokoladenweihnachtsmännern, die sie kichernd untereinander brachen.
Nachdem sie endlich ihren Wohnwagen als Bandenquartier bekommen hatten, machten sie eine kleine Übernachtungsparty daraus, die nur ihnen allein gehörte.
Nur die Wilden Hühner zusammen, die laut kicherten, wenn sie von ihren schrecklichen Verwandten erzählten oder von den grässlichen Geschenken, die sie sich nie gewünscht hatten. Manchmal tranken sie auch ein Gläschen Eierpunsch, wenn eines der Mädchen diesen klammheimlich bei ihren Eltern mitgehen lassen konnte. Und schliefen dicht aneinander gedrängt seelenruhig auf der alten Matratze ein, während das Radio weiter im Hintergrund dudelte.
Der Wohnwagen wurde von außen und innen mit bunten Lichterketten geschmückt und leuchtete dann hell in der kalten Nacht wie ein einsamer Stern. Ihre aufgeplusterten Hühner gurrten zufrieden in ihrem warmen Stall vor sich hin, nachdem sie ihr besonderes Festtagsfutter aufgepickt hatten.
Silvester dagegen feierten sie immer bei jemanden Zuhause. Und es war dabei irgendwie niemals richtig spaßig. Egal bei wem sie es versuchten.
Ein Jahr bei Trude, als sich ihre Eltern noch nicht getrennt hatten und deren eisiges Schweigen oder hitzigen Gefechte selbst das dröhnende Feuerwerk übertönte und jede gute Laune sofort verschwinden ließ. Ein anderes Mal bei Melanie, wo ihr Vater nicht aufhörte sich über alles und besonders den Arbeitsmarkt zu beschweren und ihre große Schwester nicht aufhörte mit ihrem damaligen Freund herum zu knutschen, als wären sie aneinandergewachsen. Wenigstens konnten sie sich heimlich ein Glas Sekt untereinander teilen, während das Feuerwerk um sie herum knallte und donnerte. Danach versuchten sie es bei Wilma Zuhause, aber ihre Mutter bestand auf ein Neujahr, das um Punkt neun Uhr abends begann und danach alle schnurstracks nach Hause fuhr. Trotz lautstarker Proteste ihrer Tochter. Aber schließlich sollte diese auch ausgeruht ins neue Schuljahr starten.
Bei Frieda Zuhause war es eng und sehr familiär. Während ihr kleiner Bruder auf dem Boden herum krabbelte, spielten sie Brettspiele mit ihrer Mutter und Vater und ihr großer Bruder machte dumme Witze über ihre Bande und flirtete schamlos mit Melanie. Diese zeigte ihm jedoch nur den Mittelfinger und als Sprotte anfing Spielfiguren nach ihm zu werfen, wurden die Spiele eiligst wieder weggepackt und dafür der Fernseher eingeschaltet. Die Mädchen durften ein bisschen am Sekt nippen und besahen sich den bunten Himmel von der Straße aus, ehe sie in die Betten gescheucht wurden.
Sprottes Mutter musste an Silvester bis spät arbeiten und so waren die Mädchen bei ihr alleine Zuhause, während sie jede Stunde pünktlich bei ihnen anrief, um nach dem rechten zu sehen. Sie schauten sich dabei einen Horrorfilm und eine etwas schnulzige Romanze an, aßen so viele Süßigkeiten, wie sie konnten und tranken den Kindersekt, den Sprottes Mutter für sie hingestellt hatte. Für jede ein kleines Gläschen, wobei eine weitere Flasche von richtigen Sekt gut versteckt im Schlafzimmer der Mutter unterm Bett lag. Auch dieser war schnell gefunden und während der Himmel hinter den Fenstern leuchtete und tobte, tranken die Mädchen ihn gemeinsam aus und kicherten dabei vergnügt. Erst als die Sonne bereits vorsichtig durch die Gardinen lugt und ihre Gesichter kitzelte, schliefen sie endlich ein. Sprotte öffnete nur kurz ein müdes Auge, als ihre Mutter ihr einen Kuss auf die Stirn drückte und ihr breites Lächeln verschwommen über sich sah.
Sie verbrachten auch eine Silvesternacht am Wohnwagen, wo sie gemütlich Tee tranken und laut Musik hörten, ehe sie über den Bäumen bunte Lichter aufblitzen sahen und kurz danach das dumpfe Donnern hörten. Das war eine der schönsten Nächte von allen gewesen.
Danach hatte Sprotte plötzlich einen festen Freund in Fred und Melanie und Willi waren unzertrennlich miteinander verschweißt und es wurde das erste Mal am Baumhaus der Pygmäen gefeiert. Die Jungs hängten bunte Licht zwischen den Zweigen auf, besorgten sich Tische, Getränke und Snacks und drehten ihre Musikanlage so laut auf, wie sie konnten. Schon beim Betreten des Waldes konnte man das dumpfe Hämmern der Musik hören und unter den Füßen im Boden spüren. Zum Glück gab es keine naheglegenen Häuser, wo sich die Bewohner über den Lärm beschweren konnten.
Nur die Pygmäen und Wilden Hühner waren anwesend, mit der Ausnahme von Maik, der Frieda extra besuchen kam. Zu Tortes großen Verdruss. Dafür hatte er seine eigene Freundin immer an seiner Seite und ihre Lippen trennten sich nur voneinander, wenn sie etwas tranken oder aßen. Selbst seine Musik konnte er so auflegen, was Sprotte doch etwas beeindruckte. Frieda hätte darüber nicht glücklicher sein können und schien den ganzen Abend wie auf Wolken zu schweben, während sie sich verliebt an Maik lehnte und seine Hand hielt.
Alle zusammen tanzten und hatten Spaß und sahen sich gemeinsam das Feuerwerk vom Baumhaus an, was zwischen den Baumkronen immer wieder aufblitzte und die Blätter um sie herum bunt einfärbte. Nur Sprotte und Fred blieben am Boden stehen, da Sprotte immer noch kein Fan von großen Höhen war. Dafür standen beide etwas abseits vom Baumhaus, wo sich die Bäume leicht teilten und den Himmel über ihnen freigaben.
Aber vom Feuerwerk bekam Sprotte kaum etwas mit, da Fred sie fest in seine Arme geschlossen hatte, während sie runter zählten. Seine Augen hatte ihre nicht verlassen, als er sie plötzlich küsste und sie im Hintergrund die ersten Feuerwerkskörper in die Luft gehen hörten. Es sirrte und knallte um sie herum, aber Sprotte konnte nur ihren hämmernden Herzschlag in ihren eigenen Ohren hören, während sie sich fest an Fred klammerte.
Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, ehe er sich von ihr löst und sie strahlend anlächelte und sich ihre Lippen automatisch zu einem antwortenden Lächeln verzogen. Und zum ersten Mal störte es sie nicht, wer sie und Fred zusammen gesehen haben könnte. Es war ein perfekter Moment, der ihr die Kehle zuschnürte und sie hinauf in den farbenfrohen Himmel blicken ließ, damit sie sich nicht in seinen dunklen Augen verlor. Wie verliebt war sie doch in ihn gewesen.
So wurde es zu ihrer gemeinsamen Tradition.
Silvester gehörte den Wilden Hühner und Pygmäen zusammen, wo sie eine Party entweder beim Baumhaus oder am Wohnwagen schmissen und gemeinsam das neue Jahr begingen.
Auch dieses Jahr hatte sich daran nichts geändert.
Und so standen die Wilden Hühner unter dem Baumhaus der Pygmäen, wo sich eine lange Lichterkette den Stamm hinaufwand und unzählige weitere über ihnen zwischen den Zweigen und am Boden entlang aufgehängt waren. Neben Wilma stand Matilda, die leicht im Takt der dröhnenden Musik den Kopf wippte und ihre Freundin freudig anlächelte. Wilma lächelte zurück und schwang ein wenig ihre verschränkten Hände vor und zurück, während sie sie zum Buffet zog und ihnen beiden Becher mit Cola füllte.
Melanie folgte ihnen gemächlich und erzählte Nick, ihrem Freund, der eine Klasse über ihnen ging, wie die Jungs das Baumhaus gebaut haben und wie sie bei den Vorbereitungen der Party tatkräftig geholfen hatte. Willi, der etwas betreten neben dem Tisch stand und seine Arme um seine Freundin geschlungen hatte, würdigte sie dabei keines Blickes.
Trude war bereits die Leiter behände hinauf geklettert und hatte sich neben Steve gesetzt, sodass ihre Füße nebeneinander von der Plattform baumelten. Bei ihnen war auch Torte, der an seiner Musik herumspielte und immer wieder Blicke hinunter zu den restlichen beiden Wilden Hühnern warf, während seine Freundin an ihrem Handy neben ihm spielte.
Frieda war bei Sprotte geblieben und so standen beide gemeinsam vor der freien Fläche unter dem Baumhaus, die ihnen als Tanzfläche diente.
Sprotte konnte Fred und seine neue Freundin Emilie sehen, die im Schatten des Baumes standen und tuschelten, ehe er sich endlich von ihr löste und auf seine beiden Gäste zukam.
»Na ihr, wie gefällt euch unsere Deko?« Mit einer ausladenden Armbewegung zeigte er auf die hunderten von Lichtern um sie herum und die beladenden Tische, ehe er grinsend zu Melanie sah und etwas lauter hinzufügte: »Wir hatten tatkräftige Hilfe dabei. Jemand der uns liebevoll herumkommandierte und Idioten nannte, während wir alles nach ihrem Sinn herrichteten. Während sie keinen Finger rührte.«
Melanie warf nur mit einer eleganten Bewegung ihre lockigen Haare über ihre Schulter, ehe sie in eine Schüssel griff und eine Handvoll Gummibärchen Fred an den Kopf schleuderte. Der lachte nur und warf ihr eine Kusshand zu, bevor er sich wieder Sprotte und Frieda zuwandte. Er pflügte sich ein Gummibärchen aus seinem Haar und schob es sich breit grinsend in den Mund.
»Sieht super aus! Habt ihr neue Lichterketten gekauft, nachdem die alten letztes Jahr durchgebrannt sind?«, fragte Frieda mit einem freundlichen Lächeln, während sie sich ein wenig näher neben Sprotte stellte, die betreten über Freds Schulter hinweg blickte.
Seit sich Sprotte und Fred im Frühling des Jahres voneinander getrennt hatten, hatten sie keine Zeit mehr nur zu zweit allein verbracht. Immer war eines der Wilden Hühner an ihrer Seite gewesen, wenn sie etwas zu besprechen hatten und Fred hatte sich angewöhnt mit seiner neuen Freundin in einen anderen Winkel des Schulhofes zu knutschen, wo es Sprotte nicht sehen musste. Ihre Freundinnen vermuteten, dass Sprotte ihm immer noch hinterher trauerte, aber dem war nicht so. Sprotte war schon lange über ihn hinweg.
Davon musste sie nur noch ihr dummes stolperndes Herz überzeugen, als sie zu Emilie hinüberblickte, die sich zu Melanie und Nick gesellt hatte und sich begeistert mit ihnen unterhielt.
»Nein, zum Glück. Unsere Bandenkasse wurde fast vollständig durch die ganzen Snacks und Getränke aufgebraucht. Zum Glück hatten Emilies Eltern noch einige Lichterketten bei sich rumliegen. Und ich konnte meinen Vater überzeugen uns drei seiner Tische zu leihen.«
»Wir hätten auch etwas dazugegeben. Ihr müsst die Kosten doch nicht alleine tragen. Schließlich feiern wir hier alle zusammen.«, antwortete Frieda betrübt und schien schon in Gedanken die Kasse der Wilden Hühner zu überschlagen, ehe Fred abwehrend die Hände hob.
»Keine Panik. Das war ja schließlich so abgemacht. Dafür habt ihr uns Sekt und ein Feuerwerk besorgt, oder?«
»Das stimmt.«, meinte nun auch Sprotte und wich schnell Freds Blick aus, bevor sie sich umwandte und auf den Handwagen voller Raketen, Knaller und einer großen Batterie zeigte. »Meine Mum hat sie gekauft und mein Vater hat versprochen mit ihr kurz vor 0 Uhr zu uns zu stoßen und sie abzufeuern. Sie wollten uns bis dahin noch Zeit allein zum Feiern geben. So ohne Erwachsene.«
Fred lächelte bei diesen Worte und griff nach dem Handwagen, um ihn ihr abzunehmen. Sie trat fast automatisch einen Schritt zurück und ließ den Griff durch ihre gefühllosen Finger gleiten. Sofort brannte ihr Gesicht, als der Knauf mit einem schmatzenden Geräusch auf den Boden fiel, ehe Fred ihn packen konnte. Schnell hob er ihn auf und zog ihn zum Baumhaus, um ihn darunter sicher zu parken. Wobei sie beide unbeholfen den Blick des anderen auswichen.
Peinlich berührt zupfte Sprotte an ihrer Lippe, als sich Frieda plötzlich bei ihr einhakte und sie zum Tisch hinüber zog, wo Matilda alleine stand und an ihrer Cola nippte. Als sie die beiden Mädchen auf sich zukommen sah, füllte sie ihnen ungefragt zwei Becher und drückte diese in ihre Hände, ehe sie hinauf zum Baumhaus sah. Wilma war gerade dabei die Stufen hinauf zu klettern und man hörte sie selbst über die Musik hinweg leise schimpfen und fluchen, weil die Stufen so uneben und zu nah einander an den Baumstamm gewerkelt waren, um bequem klettern zu können.
»Sie will Torte nach einen Musikwunsch fragen.«, verriet sie verschmitzt, als würde sie den beiden anderen Mädchen ein Geheimnis verraten und wippte dabei weiter leicht im Takt der Musik hin und her.
»Ach.«, antwortet Sprotte abgelenkt, während ihr Blick wieder zu Fred und Emilie hinüberglitt, die auf die Tanzfläche getreten waren und dort fröhlich miteinander tanzten und lachten.
Schnell blickte sie auf den Becher in ihren zitternden Händen hinunter und konnte gerade noch so verhindern, dass sie diesen einfach zerdrückte. Den schmerzhaften Stich in ihrem Herzen konnte sie dagegen nicht vereiteln.
Sie spürte Friedas beruhigende Wärme neben sich und blinzelte schnell, ehe sie hinauf zu Wilma blickte, die jetzt bei Torte stand und ihm etwas ins Ohr brüllte, wodurch er gequält das Gesicht verzog.
»Ja. Naja, und sie wollte gucken, ob sie das Schiff der Wilden Küken von dort aus sehen kann. Wir sind gestern daran vorbeigefahren und sie haben es ebenfalls bunt geschmückt.« Nachdenklich tippte sich Matilda gegen die Wange und verzog kurz das Gesicht. »Ich glaube Very hat erzählt, dass sie eine Party mit den Olmen machen wollen. Natürlich unter der Aufsicht ihres Vaters und seiner Freundin.«
»Stimmt. Bob hat uns das auch erzählt, als ich sie in der Stadt getroffen habe. Sie war richtig aufgeregt, da sie endlich auch ein richtiges Hauptquartier haben, wo sie so etwas machen können.«, meinte Frieda und grinste Sprotte an, die verschmitzt zurückschaute.
Es war irgendwie schön von den Wilden Küken zu hören und wie sie immer weiter als Bande wuchsen und eigene Abenteuer erlebten. Auch wenn die Wilden Hühner nicht mehr offiziell eine Bande waren, so gehörte der Wohnwagen, ihre Hühner, das Bandenbuch, dass zu einem Fotoalbum umfunktioniert wurde und die Bandenkasse doch immer noch zu ihnen. So ganz inoffiziell.
Keuchend gesellte sich auch Wilma wieder zu ihnen und schlang ihren Arm um Matildas Hüfte, während sie sich einen Becher vom Tisch schnappte.
»Torte wird das Lied gleich spielen.«, raunte sie Matilda grinsend zu, die sie liebevoll anlächelte und kurz auf die Lippen küsste, ehe sich das fünfte Wilde Huhn an ihre Freundinnen wandte.
»Das Schiff der Küken kann man von da oben wirklich sehen! Nicht gut, aber ist ein ziemlich auffälliger Lichtfleck in der Landschaft. Was meint ihr? Sollen wir denen einen kleinen Besuch abstatten? Ich habe meine Wasserpistole dabei und ich glaube, im Wohnwagen sind noch einige Luftballons, mit denen wir ...«
Doch ehe sich Wilma weiter in ihre Pläne hinein steigern konnte, unterbrach sie Matilda mit einem kurzen Stoß in ihre Seite und einem Kichern.
»Hör auf! Sie wollen doch auch nur ins neue Jahr feiern. So wie wir! Komm, lass uns tanzen. Dann kommst du vielleicht auf andere Ideen.« Und schon zog Matilda ihre Freundin hinter sich her und lachte über deren enttäuschtes Gesicht, ehe beide fröhlich auf der Tanzfläche standen und wild herumhopsten bis ihre Haare wild um sie herum flogen.
Frieda kicherte bei diesem Anblick und nahm schnell Sprottes Hand in ihre und zog diese ebenfalls auf die Tanzfläche, ehe sie protestieren konnte. Wild wirbelte Frieda ihre beste Freundin herum und dippte sie einmal sogar kurz zu Boden, während diese vor Vergnügen kicherte und rot anlief.
Die Tanzstunden, die sie durch ihre Mutter im Laufe des Jahres nehmen musste, zahlten sich wirklich aus. Schließlich sollten alle Wilden Hühner perfekt auf der Hochzeit von Sprottes Eltern tanzen können, weswegen sie alle gemeinsam zu einem Tanzkurs angemeldet waren. Und auch wenn Sprotte es furchtbar peinlich fand am Anfang mit ihren beiden linken Füßen, so machte es ihr doch Spaß mit Frieda gekonnt über die Tanzfläche zu wirbeln, als hätten sie nie etwas anderes gemacht.
Auch Melanie gesellte sich zu ihnen und tanzte ausgelassen mit Nick neben ihnen. Danach sprang sie wild mit Wilma und Matilda herum, ehe sie und Trude einen eleganten Walzer mit nur wenigen Stolperern aufs Parkett legten.
Trude kam als erste vom Baumhaus runter und nach ihrem Tanz mit Melanie kam auch Steve zu ihr und tanzte den Rest der Nacht allein mit ihr.
Torte blieb beinahe ständig im Baumhaus, küsste seine Freundin und hielt Frieda im Blick, die sich jedoch nie lange von Sprotte trennte und gemeinsam mit ihr am Rand der Tanzfläche lachte oder zusammen auf verschiedenste Arten tanzte und herum sprang.
Willi und seine Freundin blieben eher im Schatten des Baumhauses sitzen und tanzten nur ein oder zweimal am Rand, ehe sie schnell wieder verschwanden. Vielleicht waren die anderen ihnen zu albern oder Melanies kühler Seitenblick ließ sie lieber auf Abstand gehen.
Fred machte mit Emilie ebenfalls die Tanzfläche unsicher oder ging schließlich mit ihr zusammen ins Baumhaus hinauf, um etwas zu verschnaufen. Ihre Füßen baumelten seelenruhig über den Rand, aber Sprotte bemerkte ihr Fehlen gar nicht.
Die Zeit verging wie im Flug und kurz vor 0 Uhr tauchten dann auch plötzlich Sprottes Mutter und Vater zwischen den Bäumen auf, um sich zu ihnen zu gesellen. Sofort wurde auch Sprottes Mutter auf die Tanzfläche gezogen und tanzte dort ausgelassen mit ihrer Tochter und Frieda, während ihr Mann verschmitzt ein heimliches Foto davon machte. Dann ergriff er die Hand seiner Verlobten und sie tanzten vergnügt zwischen den Jugendlichen.
Schließlich wurde die Musik leiser gestellt und ein Radiosender eingeschaltet, um den Countdown ins neue Jahr nicht zu verpassen. Sie alle machten sich auf den kurzen Marsch zum Rande des Waldes auf, wo sie ihr eigenes kleines Feuerwerk starten wollten. Und während Fred Sprottes Vater half alles in sicherer Entfernung aufzubauen und beim Anzünden helfen durfte, stellte sich die restliche Gruppe unter den Bäumen auf und warteten gespannt auf den Countdown. Sie alle hatten ein Glas in der Hand, indem der Sekt fröhlich blubberte und begannen gemeinsam runter zu zählen.
Sprotte konnte sehen, wie ihre Mutter und Emilie zu Sprottes Vater und Fred gingen, um ihnen ihre Gläser zu reichen. Sie nahm aus dem Augenwinkel wahr, wie Steve Trude feierlich an seine Brust zog und diese anfing zu kichern, während sie errötete. Wie Nick Melanie den Arm um die Schultern legte und sie sich näher an ihn schmiegte. Wie Matilda ihre Arme um Wilma schlang und diese sich langsam zu ihrer Freundin hinab beugte und lautlos die Lippen bewegte. Ob zum Zählen oder um ihr etwas zuzuflüstern konnte Sprotte nicht sagen. Wie Torte sehnsüchtig zu Frieda blickte, ehe er stirnrunzelnd in sein Glas starrte und seine Freundin fröhlich ihre verschränkten Hände vor und zurück schwingen ließ. Wie Willi und seine Freundin etwas abseits von ihnen im Schatten standen und sich bereits küssten, obwohl sie erst bei 5 waren.
Wie Frieda lächelnd neben stand, eine Hand hielt das Sektglas, die andere war mit Sprottes eigener Hand verschränkt.
4.
Sprotte konnte sich gar nicht erinnern, seit wann sie Hand in Hand liefen und plötzlich fingen ihre Hände schrecklich an zu schwitzen.
3.
Sie blickte geradeaus zu ihren Eltern und Fred, der seinen Arm ebenfalls um Emilie geschlungen hatte und spürte den leichten Druck von Friedas Fingern, als diese beruhigend ihre Hand drückte. Was den wohlbekannten Stich in ihrem Herz deutlich linderte. Und dieses einen Moment sogar gefährlich in ihrer Brust stolpern ließ.
2.
Sollte sie etwas zu Frieda sagen? Ihr ihre Hand entziehen? Aber es fühlte sich doch so gut an und es hatte so viel Spaß gemacht, als sie miteinander getanzt und gelacht hatten.
1.
Sollte sie Frieda küssen? Sie umarmen? Freundlich auf die Schulter klopfen? Oder einfach schnell das Glas Sekt hinunterkippen und so tun als wäre nichts? Wollte sie das? Was würde Frieda tun?
0.
Sie hörte das erste dumpfe Donnern von Feuerwerkskörpern, die in der Luft über ihnen zerstoben und blickte rechtzeitig zur Seite, um zu sehen, wie Frieda tief Luft holte und sie ebenfalls ansah. Einen Moment bewegte sich keines der beiden Mädchen, ehe Frieda sich auf ihre Zehenspitzen stellte und ihre Lippen sachte gegen die von Sprotte drückte.
Sprotte spürte, wie ihr Herz einen Schlag aussetzte und dann doppelt so schnell in ihrer Brust klopfte, während ihr Sektglas vergessen ins Gras fiel und sie zaghaft nach ihrer besten Freundin griff.
Der Moment zog sich in die Länge, schien nie enden zu wollen, ehe sich beide voneinander lösten und die erste Rakete über ihnen zerbarst und alles in rotes Licht tauchte.
Sprotte sah atemlos auf Frieda hinab, die sie schüchtern anlächelte, während die Welt um sie herum in tausenden Farben zu glühen schien und sie dumpf das Jubeln ihrer Freundinnen neben sich hörte.
Niemand achtete auf sie oder schien auch nur etwas bemerkt zu haben. Alle waren auf das Feuerwerk über und um sie herum konzentriert und so beugte sich Sprotte erneut zu Frieda hinab und küsste sie. Wie von selbst legten sich ihre Arme um sie und sie spürte, wie Frieda ihre Arme hinter ihrem Nacken verschränkte und sich leicht auf die Zehenspitzen stellte. Auch ihr Glas schien irgendwo auf den Boden zwischen ihren Füßen zu liegen.
Aber Sprotte konnte diesen Gedanken kaum halten, ehe sie sich auf die weichen Lippen ihrer besten Freundin konzentrierte, die sich gegen ihre eigenen bewegten. Und sie fragte sich, was das wohl für sie hieß.
Warum flatterte ihr Herz wie ein aufgeregter Schmtterling in ihrer Brust und die Luft schien wie elektrisiert zwischen ihnen? Mochte sie jetzt auch Mädchen anstatt Jungs so wie Wilma? Konnten Frieda und sie weiter Freunde bleiben? Durfte sie überhaupt ihre beste Freundin küssen oder war das nicht verboten? Stand das nicht in irgendeinem Handbuch für beste Freundinnen oder so?
Aber all das war für den Moment egal, während sich Frieda eng an sie drückte und ihr die Luft zum Atmen nahm. Während ihr Herz heftig in ihrer Brust raste und die Zeit vollständig zum Stillstand gekommen war. Während Friedas Hand sich in ihren wilden Haaren vergrub und Sprotte ihre Finger fest im Stoff ihres Shirtes verschränkte. Auf der Welt gab es niemanden als sie beide und einen knisternden Funkenregen über ihren Köpfen.
Und als sich Sprotte langsam von Frieda löste, wandten sich beide fast gleichzeitig um, um zum Himmel hinauf zu blicken und zu sehen, wie sich dieser golden, rot, blau und grün färbte. Ihre Hände miteinander verschränkt und identische viel zu breite Lächeln auf ihren strahlenden Gesichtern.
Sie würden schon gemeinsam Antworten auf diese Fragen finden. Später, wenn die Nacht nicht mehr magisch leuchtete und der Boden aufhörte sich unter ihren Füßen zu bewegen. Wenn die Luft nicht mehr um sie herum knisterte und ihre Herzen sich wieder beruhigt hatten. Wenn Sprotte nicht mehr ihre beste Freundin auf ihren Lippen schmecken konnte und sie die Wirklichkeit wieder einholen würde.
Aber davon waren beide Mädchen noch lange entfernt.
Denn in diesem Moment glühte die Nacht in tausenden Farben und Sprotte hätte nicht glücklicher sein können.
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