3.Stock

von asimitabi
KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
12.09.2019
12.09.2019
1
1738
10
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Ein paar einführende Worte: Wie ihr sicher schon durch Titel und Beschreibung mitbekommen habt handelt es sich hier um eine Kurzgeschichte in Anlehnung an das Lied 3.Stock von Annenmaykantereit. Ich schätze es handelt sich hier nicht direkt um eine Songfic (obwohl ich die genaue Definition davon auch nicht weiß), aber ich schätze es kann nicht schaden, sich das Lied  vorab (nochmal) anzuhören. Den Text wollte ich nicht in die Geschichte einfügen, da mir dadurch dann doch zu große Brüche entstanden wären. Um ehrlich zu sein, bin ich auch nicht allzu zufrieden mit dieser, selbst für eine Kurzgeschichte, kurz geratenen Geschichte, aber ich wollte die Idee jetzt einfach mal umsetzen und loswerden. Ich hoffe, es gefällt trotzdem jemandem.  Okay, das war jetzt viel Blabla mit nur wenig Sinn, also wünsche ich einfach mal (wenn möglich) viel Spaß!



„Es war schoen mit dir Klausi.“ Klaas sah zum wiederholten Mal auf die mittlerweile eine Woche alte Nachricht, seufzte, sperrte sein Handy, legte es auf dem Sofapolster neben sich ab, ließ den Blick durch das fast leere, nur mit Kartons übersähte Wohnzimmer gleiten und entschied sich, dass es die beste Option war, an die Decke über ihm zu starren, statt das Auspacken anzugehen.

Als er Joko bei seinem Besuch letztes Wochenende von der Wohnung erzählte, die er für sich gefunden hatte, hatte er versucht enthusiastisch zu klingen. Eigentlich hatte er auch allen Grund dazu gehabt. Die Wohnung war Teil eines schönen Altbaugebäudes. Es gab zwei Zimmer, eine helle Küche, ein Bad und sogar einen kleinen Balkon mit Blick in den Hinterhof. Alles wichtige schien  vorhanden zu sein und doch wusste Klaas, dass ihm etwas fehlen würde. Als Joko nach anderthalb Tagen in den Zug nach München stieg, wurde Klaas auch wieder schmerzlich bewusst, was dieses etwas war. Seit Joko und er keine gemeinsame regelmäßige Show mehr hatten und Joko in München lebte, sahen sie sich nach Klaas' Geschmack viel zu selten. Die Treffen in Berlin waren dafür umso toller- und der Abschied jedes Mal umso trauriger. Klaas genoß die Zeit, die er mit Joko verbringen durfte immens und er wusste auch, dass es dem älteren da nicht anders ging. Im Gegensatz zu ihm selbst kommunizierte dieser seine Gefühle tatsächlich- Das hatte er schon immer getan.
Unwillkürlich wanderten Klaas' Gedanken zurück in eine Zeit, in der sie noch eine gemeinsame Sendung  hatten, in der Joko noch in Berlin lebte, in der sie beide in Beziehungen waren...und in der Joko ihm seine Gefühle offenbart hatte. Ihm gestand, dass er in ihn verliebt war. Und er selber? Er hatte Joko im ersten Augenblick nur küssen und direkt danach alles abblocken können. Er hatte Joko an den Kopf geworfen, dass eine Beziehung in ihrer Lage nicht funktionieren würde und war dann geflüchtet. Joko hatte dies stillschweigend akzeptiert. Und so hatten sie lange Zeit nebeneinanderhergelebt.

Aber jetzt war es anders. Sie hatten keine gemeinsame Sendung mehr, Joko lebte in München, verbrachte zwar Zeit mit seinen Kindern, aber hatte sich vor mehreren Monaten von seiner Freundin getrennt. So ging es jetzt auch Klaas in Berlin. Und immer wieder spielte er mit dem Gedanken, was sich wohl noch ändern könnte. Wenn er ehrlich war, hatte er sogar mit diesem Tagtraum im Kopf seine erste eigene Wohnung nach der Trennung herausgesucht. Vor seinem inneren Auge sah er Joko an die Küchenzeile gelehnt stehen, mit verwuschelten Haaren im Schlafzimmer liegen, während morgendliches Licht sein Gesicht beleuchtete oder gemütlich auf dem Balkon sitzen und tief die frische Luft einatmen.

Und nun lag Klaas hier alleine auf dem Sofa, umringt von Umzugskisten. Er spielte mit dem Gedanken Joko anzurufen, nur um mal wieder seine Stimme zu hören. Zur Not würde er ihm auch auf den AB sprechen, wie er es schon viele Male getan hatte. Klaas fischte sein Handy hinter einem Kissen hervor und wählte Jokos Nummer, der innerhalb von Sekunden ranging. „Klausi, wie geht’s? Ist der Umzug gut gelaufen?“ Klaas musste lächeln. „Ja, hat alles funktioniert. Hat bloß lange gedauert.“ „Das kann ich mir vorstellen. Tut mir leid, dass ich dir nicht helfen konnte, ich hatte hier noch einiges zu erledigen...“. Und dann erzählte Joko ihm in einem Tempo und einer Lebhaftigkeit von seinen Erlebnissen, die Klaas nur von ihm kannte. Er schloss die Augen und konzentrierte sich auf Jokos Stimme, um die ansteigende Trauer und Sehnsucht in sich zu ertränken. Während er Jokos Lachen durch den Lautsprecher hörte, gelang ihm dies auch vorerst und er begann nun seinerseits zu erzählen. Irgendwann hatte Klaas sich von der Couch in sein Bett bewegt. Es war schon spät, aber sie redeten immer noch über dies und das, belanglose Dinge, aber keiner der beiden legte auf. Belanglos, ja das waren ihre Unterhaltungsthemen wirklich, wenn man bedachte, was eigentlich zwischen ihnen stand. Wobei Klaas nicht einmal wusste, ob Joko immer noch so empfand. Er wusste nur, dass es unfair wäre anzunehmen, Joko würde erneut den ersten Schritt machen und die Sache ansprechen, nachdem Klaas es war, der beim letzten Mal abgeblockt hatte. Aber die Sache war die: Klaas traute sich schlichtweg nicht. Er hatte einen möglichen Gesprächsablauf und dessen Folgen unzählige Male gedanklich durchwälzt und mit jedem Mal erschien es ihm unwahrscheinlicher, dass Joko noch eine Beziehung zu ihm wollte. Denn das war es, was Klaas wirklich wollte. Mehr wollte als alles andere.
Joko neben sich, um sich, in dieser seiner, und in Klaas' Idealvorstellung auch Jokos, Altbauwohnung mit Balkon.
Klaas wurde dadurch aus seinen Gedanken gerissen, dass er bemerkte, wie verdächtig still es schon seit einiger Zeit am anderen Ende der Leitung war. Statt Jokos basslastiger Stimme konnte Klaas nun nur noch sanfte, ruhige Atemzüge hören. Er legte sein Handy, behutsam als wäre es Joko selbst, auf der Matraze neben sich ab, öffnete eine der Kisten, die direkt neben seinem Bett standen und nahm ein ausgedrucktes Foto, welches zu oberst lag, heraus. Er schlüpfte zurück unter die Decke, nahm sein Handy, aus dessen Lautsprecher immer noch Jokos Atem zu hören war, und betrachtete im Licht des Displays das Bild. Es zeigte ihn und Joko auf dem Rock am Ring. Zufrieden auf einem aufblasbaren Kissen nebeneinanderliegend. Klaas lächelte sanft, spürte aber gleichzeitig auch ein leichtes Stechen in der Herzgegend. Was war er nur für ein verkopfter Trottel, dass er dieser Sache zwischen ihnen keine Chance gegeben hatte. Jetzt war es vermutlich zu spät. Joko hatte sicher keine Gefühle mehr für ihn. Eigentlich war das auch egal, dachte Klaas. Er hatte Joko damals fies behandelt. Hatte ihn erst geküsst, dann abgeblockt und gesagt es ginge nicht und dieses Thema dann nicht mehr zugelassen. Und Joko hatte sich trotzdem nie komplett von ihm abgewandt, war verständnisvoll und an seiner Seite geblieben. Joko verdiente eine Entschuldigung, eine Erklärung und ein Eingeständnis. Ohne den Anruf zu beenden öffnete Klaas ihren Nachrichtenverlauf, atmete einmal tief durch und begann zu schreiben. Sich wirklich alles von der Seele zu schreiben. Er schrieb darüber, wie Leid es ihm tat, wie er Joko behandelt hatte, dass er Angst gehabt hatte vor den Veränderungen, die es gebracht hätte, wäre Klaas' damals wirklich auf Jokos Worte eingegangen, dass er aber dasselbe gefühlt hatte und auch heute noch fühlte. Dass jetzt vieles neu und anders war und er bereit für mehr war, falls Joko es immer noch wollte und er ihm eine Chance geben wollte.
Nach einer halben Stunde tippen, löschen und neu formulieren tippte Klaas mit einer schnellen Bewegung auf den „Senden“-Button, bevor er es sich anders hätte überlegen können, und legte das Handy neben sich ab. Ja, das hier war wirklich ein Neubeginn. Er war endlich volkommen ehrlich zu Joko gewesen und selbst wenn dieser vielleicht keine Gefühle dieser Art mehr für Klaas hegte, so würde er wenigstens Gewissheit haben. Mit einem zufriedenen Gefühl im Bauch und Jokos ruhigem Atem neben sich schlief er schließlich spät in der Nacht ein.

Klaas erwachte am nächsten Morgen, der eigentlich eher Mittag war, erst spät. Der Akku seines Handys war fast komplett leer, aber oben in der Leiste mit den Benachrichtigungen war das WhatsApp Symbol zu sehen, welches, wie Klaas mit plötzlich mit rasendem Herzen feststellte, zu einer Nachricht von Joko gehörte:“Ich sitze im Zug nach Berlin.“
Gesendet 10:30 Uhr.

24 Stunden später betrat Klaas, eine Brötchentüte in der einen-seinen Schlüssel in der anderen Hand haltend, seine Wohnung, durchquerte das Wohnzimmer und ging hinaus auf den Balkon, um dort den Frühstückstisch zu decken. Anschließend lief er, mit einem breiten Lächeln im Gesicht in Richtung Schlafzimmer. Er öffnete leise die Tür und sah hinunter auf einen schlafenden Joko im Bett vor ihm. Er setzte sich an die Bettkante neben Joko, hob die Hand und strich diesem durch die, vom Schlaf zersausten, Haare, wodurch Joko langsam aufwachte.“Komm Winti, aufstehen, ich hab Brötchen geholt.“, sagte Klaas leise und strich dem Angesprochenen eine Strähne aus dem Gesicht. Joko machte allerdings keine Anstalten in diese Richtung, sondern schlang stattdessen, ohne auch nur richtig die Augen zu öffnen, die Arme um Klaas' Taille. Dieser lachte leise und strich nun über Jokos Rücken, der ein zufriedenes Gesicht machte und schließlich sogar die Augen öffnete, sich langsam aufrichtete und die Brille vom Nachttisch nahm und aufsetzte. „Na komm, auf dem Balkon ist alles fertig.“ Joko stand nun tatsächlich auf und schlurfte nur in Unterhose los.  Klaas versuchte nicht zu auffällig zu starren, aber brauchte sich nicht allzu viel Mühe zu geben, da Joko  ihm mittlerweile sowieso den Rücken zugekehrt hatte. Auf den Balkon strahlte die Morgensonne und glich  die doch recht kühle Luft aus. Joko und Klaas saßen sich gegenüber. Joko trank Tee, Klaas Kaffee und während er beobachtete, wie Joko sich ein Marmeladenbrötchen schmierte, ließ er den letzten Abend Revue passieren.

Nachdem Joko in Berlin bei Klaas angekommen war und sie lange Zeit in anfänglicher, schwerfälliger Stille mit großem Abstand auf dem Sofa gesessen hatten hatten sie geredet. Wirklich über die Möglichkeit einer Beziehung geredet. Klaas hatte gestottert, Joko sich um Kopf und Kragen geredet und sie hatten sich entschieden, es zu versuchen. Obwohl Klaas Joko auf keinen Fall drängen wollte und diesen Punkt absichtlich umging, schlug dieser zusätzlich von selbst vor, dass er bald wieder zu ihm nach Berlin ziehen könnte.

Klaas blickte lächelnd über den Tisch zu Joko, der mit Brötchenkrümeln im Mundwinkel leicht verwirrt aber fröhlich seinen Blick erwiderte:„Ist was?“, fragte er. „Ne, alles gut, wirklich.“, antwortete Klaas und beugte sich über den Tisch zu Joko, um ihm einen sanften Kuss auf die Lippen zu geben. Es schmeckte nach Marmelade und Zuhause.
Review schreiben