Liebe per Annonce

von Fanni84
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18
11.09.2019
17.09.2019
5
9371
2
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
" Bist du verrückt?!" fragte Frederik Wentworth und wedelte mit der Zeitung.
Patrick Fowler, der sich eben zu seiner wöchentlichen Therapiesitzung b ereit machen wollte, kam aus dem Schlafzimmer.
Er war gross gewachsen, dunkles Haar, seit einiger Zeit hatte er ein bleiches Gesicht und lief meist in lockerer Kleidung herum.
Er schnappt seine Jacke, sowie Schlüssel und Smartphone.
" Fred, ich bin auf dem Weg zu Dr. Carstairs. Sie liebt es nicht wenn.."
Frederik schnitt ihm das Wort ab. Er war blond, untersetzt und sehr energisch. Dazu immer nach der neuesten Mode angezogen.  Er kannte Patrick seit der Schulzeit, eine der wenigen Freundschaften, die sich nach dem tot von Iris Fowler, Patricks Frau erhalten hatten.
" Was soll dass? Eine Frau per Annonce zu suchen?"
"  Ach, ich habe es so satt: Alle diese Freundinnen, Schwestern, Schwägerinnen, was weiss ich von Iris die glauben, mich unbedingt trösten zu müssen! Und sooft ich einen Raum betrete, denken immer alle: " Oh, aber jemand fehlt ja! Verstehst du, man wird als unkomplett wahr genommen!"
" Ich weiss nur, dass du eine Knall hast! Was meinst du, wie viele Frauen sich daraufhin melden, he?"
Patrick blieb ruhig. " das ist ja das Gute. Ich sehe mir alle genau an, und diejenige, die mir am besten zusagt, mit der Treffe ich mich vielleicht dann öfters."
Frederik brummte, während Patrick ein Taxi nahm und zur Harley Street fuhr.

Dr. Glenda Carstairs hatte eine moderne Praxis, alles hell eingerichtet. Sie selbst trug ebenfalls helle Farben so war sie heute in eine hellgrüne Bluse sowie eine Hose  gekleidet. Sie war Anfang dreissig, ihr rötliches Haar trug sie zu einem Dutt.
Sie zog ihren Foulard zurecht und wartete auf Patrick Fowler.

Die anfänglichen Fragen waren immer etwas die gleichen: Ob er schlafen könne, wie der Appetit sei, ob sie ihm wieder mal Medikamente verschreiben sollte, wie die Arbeit war. Heute Allerdings durchbrach Patrick das Schema, indem er ihr die Zeitung hinhielt.
" Ich habe mir da was ausgedacht.... um jemand neues kennen zu lernen, sie verstehen schon, Dr. Carstairs."
Neugierig überflog sie die Annonce.
" Und haben es auch gleich in die Tat umgesetzt."
Er grinste leicht.
" Mein Freund behauptete zwar, ich sei durchgeknallt. Aber wissen sie, ich habe ihnen ja mal davon erzählt, dass ich radikal mit dem Freundeskreis gebrochen habe, denn Iris und ich uns gemeinsam geschaffen hatten. Ich habe nur noch einige wirklich alte Freunde, aus der Zeit vor meiner Heirat."
Patrick verstummte. es war fast ein Jahr her, seit Iris an Leukämie gestorben war. Er hatte sie den langen Weg ihrer Krankheit über begleitet. Bis zum bitteren Ende.
" Ich will auch nicht...." er holte Luft,".... immer dasselbe... ich meine, alle Frauen in meinem Bekanntenkreis kannten Iris. Dauernd fragte eine wie es so geht, ohne meine Frau, ob ich darüber weg sei. Als ob das so einfach wäre! Verstehen sie, ich will jemanden, der nichts davon weiss!"
" Sie wollen einen kompletten Neuanfang."
" Ich wusste, sie würden dies verstehen!"
" Ja nun... es ist schon in Ordnung... Aber finden sie nicht, das solche Annoncen immer Gefahren bergen?"
" Ich denke nicht, das mir gleich jemand ans Leben will. Zudem... ich habe es mir so gedacht: Ich sammle mal alles, was reinkommt, ich meine, wer sich dafür interessiert, sehe mir die Damen an und diejenige, mit der ich wirklich auf einer Welle bin..."
" Die macht dann das Rennen."
" Wenn sie es so ausdrücken wollen."
" Nun, sie sind ein Erwachsener Mann, sie werden schon wissen, was sie da tun."

Als Patrick gegangen war, starrte Glenda Carstairs stumm auf die Zeitung. Ihr kam eine Idee, eine zwar verbotene, aber es würde sich eventuell lohnen...
Rasch schritt sie zum Telefon, merkte aber, dass sie die Geschäftsadresse ihrer Stiefschwester nicht auswendig kannte. Ärgerlich holte sie ihr Smartphone, scrollte sich durch die Kontakte.

Anne Hayward war gerade dabei, einen Strauss Clematis für eine  Kundin zu binden, als zu wiederholten Mal das Telefon klingelte.
Ihre Mitarbeiterin Connie ging ran.
" Anne?" Connie streckte dann Kopf aus dem Büro", ist für dich. Deine Schwester."
Anne wunderte sich. Wollte Glenda etwa einen  Blumenstrauss für ihre Praxis in Auftrag geben? Oder hatte sie Gäste, war ja bald  Wochenende.
" Glenda?"
" Gott sei Dank! Ich wusste deine Nummer nicht auswendig, musste mein dummes Smartphone hohlen! der nächste Patient ist gleich fällig. Also hör zu.."
" Aber nur kurz, hier wird gleich jemand seinen Strauss abholen kommen. Leslie ist immer noch krank! Verdammter Mist, immer muss ich alles machen!"
" Schmeiss sie doch raus, such dir jemand anderes! Also, einer meiner Patienten, ein Patrick Fowler, ist gerade mit einer etwas absurden Idee hier gewesen...."

"... Hast du alles verstanden?" fragte Glenda schliesslich.
Anne schwieg.
" Bist du noch da?"
" Ja! Ich finde es aber nicht richtig! Als Ärztin unterstehst du der Schweigepflicht! Zudem... er will jemanden, der seine Geschichte nicht kennt."
" Tust du doch nicht!"
" Und was ist mit deinen Informationen? Ich verplappere mich bestimmt mal."
" Nein! Du kannst zudem schauspielern, vergiss das nicht!"
" Aber es ist unfaire! Vielleicht mag er mich nicht."
" Wenn doch?"
" Was versprichst du dir davon? Willst du uns beide verkuppeln?"
" Anne, Schätzchen... Ich möchte, dass er die Richtige bekommt."
" Geh du doch hin, wenn dir soviel daran liegt!"
" Er ist nicht mein Typ. und ich nicht der seine. Zudem... Patin und Psychiaterin ist so ein Klischee! Hast du die " Times?"
" Liegt da. Aber ich habe noch keine Zeit gehabt rein zu schauen."
" Bei den persönlichen Annoncen. Vielleicht ist es noch in anderen Zeitungen. Egal. Du weisst Bescheid. Antworten bei Interesse per Mail, oder nach 18h30 an Nr.... Warte ein paar Tage, dann kannst du dich mal bei ihm melden. Er wird dir ein Treffen vorschlagen..."
" Ich weiss , wie ein " Blind Date" so läuft! Aber sollte dies funktionieren und dieser Fowler je die Wahrheit herausfinden, dann wäre ich am liebsten tot."
" Ach was, schickt ihn dann einfach zu mir."
" Er wird stinkwütend, verletzt und was weiss ich noch alles sein. Wäre ich auch, an seiner Stelle."
" Überleg es dir. Ich kann dich ja nicht zwingen, aber... ich denke, ja, es könnte zwischen auch gut gehen. Ach, Miss O' Hara ist da, ich  muss Schluss machen!"
Damit hing Glenda auf und überliess Anne ihren Gedanken.
Review schreiben