~ Azurblau ~

von Estara
SongficRomanze, Schmerz/Trost / P12
Annie Cresta Finnick Odair
08.09.2019
08.09.2019
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(eigentlich ist das keine Songfic, aber irgendwie schon, deshalb hier das Lied, welches die ganze Zeit zitiert wird)


Es ist das Jahr der 67 Hungerspiele. Finnick Odair ist sechzehn Jahre alt geworden.
Wie so oft sitzt er einsam am Strand von Distrikt 4. Nun ja, nicht ganz einsam. Die Geister der Kinder sind immer bei ihm. Sie verfolgen ihn auf Schritt und Tritt. Immer, wenn er die Augen schließt, sieht er sie. Alle, die er kannte und geliebt hat, sind tot, mit Ausnahme von Mags, seiner Mentorin und engsten Vertrauten.
Er schwört sich, dass er nie wieder jemanden in sein Herz lassen wird. Zu groß ist der Schmerz, der ihm das bereitet.
Finnick sitzt jeden Tag am Meer. Immer am alten Bootshaus seines Vaters. Niemand kommt zu diesem Teil der Bucht, warum weiß er auch nicht so genau. Vielleicht hassen ihn die Leute genauso sehr wie er sich selbst.
Jedenfalls sitzt er einsam in der Morgendämmerung am Stand, denn er wartet auf den Sonnenaufgang. Doch wie es das Schicksal will, ist er nicht der Einzige mit dieser Idee.
So lernt er sie kennen.

Sie ist zarte vierzehn Jahre alt, genauso alt wie er, als er die Spiele gewann. Sie ist mager und zierlich, als er sie das allererste Mal am Strand sieht. Als würde ein Windhauch sie wegwehen können, denkt er sich.
Dunkelbraunes, langes Haar umrahmt ihr blasses Gesicht und funkelnde, blaugrüne Augen.
Als sie ihn bemerkt, lächelte sie nur und setzt sich neben ihn. Finnick ist verärgert, da sie offenbar nicht vor hat, ihn mit seiner Einsamkeit allein zu lassen.
Sie weiß, wer er ist. Jeder weiß, wer Finnick Odair ist. Trotzdem spricht sie ihn nicht darauf an und überraschenderweise freut ihn das.
Eine Weile schweigen beide, dann fängt sie an zu erzählen, während die Sonne langsam über dem Meer aufgeht.
So lernt er Annie Cresta kennen.


Jeden Tag wartet sie in der Morgendämmerung am Strand auf ihn, fast herausfordernd, als würde sie erwarten, dass er sie versetzt.
Finnick überrascht es selbst. Aber er beginnt, sich auf sie zu freuen.
Annie bringt ihn zum Lachen. Seit den 65. Hungerspielen hat er das nicht mehr getan.
Dabei hat das zierliche Mädchen selbst kaum zu lachen. Ihr Vater ist vor Jahren bei einem Bootsunglück ums Leben gekommen, genau wie sein Vater. Und seitdem trinkt ihre Mutter.
Finnick bemerkt, dass Annie eigentlich genauso allein ist wie er. Und er beschließt, sie in sein Herz zu lassen. Wobei sie es eher für ihn beschließt.


Looking up from underneath
Fractured moonlight on the sea
Reflections still look the same to me
As before I went under



Es ist das Jahr der 68. Hungerspiele.
Es ist das Jahr, in welchem Finnick das erste Mal als Mentor den Tributen in der Arena hilft. Er findet das irrsinnig und grausam, da die Tribute älter sind und außerdem Karrieros, die viel mehr Erfahrung besitzen als er bei seinen Spielen. Grausam deshalb, da er sich trotzdem die Schuld gibt, als sie sterben. Zwei Geister mehr, die ihn nachts heimsuchen.
Er merkt, wie sich etwas im Kapitol verändert, aber zu diesem Zeitpunkt kann er es noch nicht genau bestimmen.
Als er zurück kommt, ist er froh, dass Annie auf ihn wartet. Sie ist inzwischen seine beste Freundin und kennt ihn besser, als er selbst sich kennt.
Das Jahr vergeht schnell. Schneller, als Finnick denkt.
Mit Annie und Mags an seiner Seite erlebt er ein paar der schönsten Momente seines Lebens. Mit Annie geht er fast täglich schwimmen.
Sie tauchen gemeinsam durch das tiefe Azurblau des Ozeans, schlendern an den Strandpromenaden des Distrikts entlang und liefern sich lange Mehlschlachten nach Kochabenden.


And it's peaceful in the deep
Cathedral where you cannot breathe
No need to pray, no need to speak
Now I am under all



Als sie zu Annies sechzehnten Geburtstag schwimmen gehen, fällt Finnick zum ersten Mal auf, dass sie gar nicht mehr das jüngere Mädchen ist, dass er immer in ihr gesehen hat. Sie ist immer noch schlank und zierlich, aber auf eine viel femininere Art.
Noch ehe die 69. Hungerspiele beginnen, merkt Finnick, dass er Annie nicht nur in sein Herz gelassen hat, sondern dass es auch mit jeder Faser seines Seins ihr gehört. Annie weiß das auch. Sie hat ihn ebenfalls in ihr Herz gelassen.
Und als ihm das klar wird, bekommt er Angst. Denn das macht sie beide verwundbar.


And it's breaking over me
A thousand miles down to the sea bed
I found the place to rest my head
Never let me go, never let me go
Never let me go, never let me go



Die 69. Hungerspiele sind der reinste Alptraum für Finnick. Nicht nur, dass er seine Tribute schon nach kürzester Zeit verliert und dazu noch von Annie getrennt ist.
Er ist inzwischen achtzehn Jahre alt und seine Schonfrist ist vorbei. Als er zurück nach Distrikt 4 will, darf er nicht.
Finnick muss im Kapitol bleiben. Er wird von President Snow verkauft, welcher ihm mit den Leben von allen droht, die ihm etwas bedeuten.
Finnick weiß nicht, was er tun kann und so willigt er ein.
Fast ein halbes Jahr lang bleibt er im Kapitol und mit jeder Nacht zerbricht ein kleiner Teil seiner von Annie reparierten Seele wieder in sich zusammen.
Er lernt, es zu verbergen. Er lernt, sich von allem abzuschotten, vor allem von Gefühlen.


And the arms of the ocean are carrying me
And all this devotion was rushing out of me
And the crashes are heaven, for a sinner like me
But the arms of the ocean delivered me



Als er zurück kommt, völlig zerstört und kaputt, hat er Angst, sie zu verlieren.
Doch wenn er eines über die Jahre gelernt hat, dann, dass Annie Cresta niemals einen Menschen aufgibt den sie liebt.
Finnick hat Angst. Er hat Angst um Annie, um Mags, um sich selbst wegen der ständigen Dunkelheit, die ihn umgibt, die aber niemand zu sehen scheint.
Er trifft sich nur noch heimlich mit Annie, am Strand.
Ihre Küsse schmecken anders als die der Frauen im Kapitol. Sie schmecken nach Salzwasser, den tiefem und unergründlichen Ozean und Geborgenheit. Nach Heimat.
Finnick merkt, dass, egal wie viel Angst er hat, er Präsident Snow und das Kapitol niemals siegen lassen darf.
Annie liebt ihn und er liebt Annie.


Though, the pressure's hard to take
It's the only way I can escape
It seems a heavy choice to make
But now I am under all



Wochen vor den 70. Hungerspielen muss er zurück ins Kapitol.
Er trennt sich nur schweren Herzens von Annie und Mags, welche erst einen Schlaganfall erlitt.
Im Kapitol wächst währenddessen seine Beliebtheit. Er ist genauso schön wie charmant und wird herumgereicht wie eine goldglänzende Trophäe. Alle lieben ihn und er hasst es, auch wenn er sich daraus einen Vorteil macht.
Geheimnisse lernt er bald mehr zu schätzen als jedes Geld der Welt.
Als ihn die Nachricht erreicht, dass Annie’s Mutter sich umgebracht hat und es Mags zunehmen schlechter geht, denkt er sich nichts dabei. Er verlässt das Kapitol einfach über Nacht um bei Annie zu sein und sich um Mags zu kümmern.
Als Liebling des Kapitols wird ihm das doch wohl erlaubt sein.
Eine Woche später wird Annie Cresta als Tribut bei den 70. Hungerspielen gezogen.
Und wie es der Zufall will gibt es in diesem Jahr keine Freiwilligen.


And it's breaking over me
A thousand miles down to the sea bed
I found the place to rest my head
Never let me go, never let me go
Never let me go, never let me go



Finnick verspricht ihr, sie zu beschützen, so gut es geht.
Sie beide. Denn Annies Mittribut ist gerade mal dreizehn Jahre alt, sein Name ist Keran. Annie gibt sich Mühe, hauptsächlich für ihn und Keran.
Finnick weiß, dass sie ihre Chancen gleich Null schätzt. Und so wenig er es wahrhaben will, er weiß es auch.
Trotzdem schläft er nicht. Er ist vierundzwanzig Stunden damit beschäftigt, seine Schützlinge auf die Arena vorzubereiten und Sponsoren zu suchen. Dieses Jahr verzweifelter als sonst.
Er ballt jedes Mal heimlich die Fäuste, wenn ein Sponsor abfällig oder skeptisch gegenüber seiner Annie spricht. So ein zartes Ding, dass nicht einmal kämpfen kann, geschweige denn töten, heißt es.
Zu normal und unbesonders in ihren Augen.
Als Finnick Annie das letzte Mal vor den Spielen sieht, überkommt ihn ein Schmerz, wie er ihn noch nie zuvor gefühlt hat. Denn er weiß, selbst wenn trotz aller Zweifel seine Annie als Siegerin hervorgeht… sie wird nie wieder dieselbe sein. Die werden sie kaputt machen, wie sie ihn kaputt gemacht haben. Wenn die Spiele es nicht schaffen, dann das Kapitol und Präsident Snow.


And the arms of the ocean are carrying me
And all this devotion was rushing out of me
And the crashes are heaven, for a sinner like me
But the arms of the ocean delivered me



Das Schlimmste für Finnick ist, ihr dabei zusehen zu müssen, wie sie um ihr Überleben kämpft.
Er kann nichts tun, als zuzusehen, wie sie und Keran sich zu zweit durch die Arena schlagen, welche dieses Jahr aus einem Tal zwischen einem Gebirgsmassiv besteht.
Er kann nichts tun, als die Kälte zum Feind wird und ihr immer mehr Tribute zum Opfer fallen.
Er kann nichts tun, als die Karrieros aus 1 und 2 in der zehnten Nacht Annies und Kerans Lager überfallen.
Hilflos sieht er zu, wie sie Keran vor Annie’s Augen köpfen. Er sieht zu, wie Annie beginnt, wie am Spieß zu schreien und sich losreißen kann.
Sie läuft und schafft es, sich in Sicherheit zu bringen. Aber etwas hat sich verändert. Etwas in ihr ist bei Kerans geköpfter Leiche kaputt gegangen und jetzt hat Finnick noch mehr Angst um sie.
Sie tut nichts mehr. Sie sitzt nur in einer Grube im Wald, die Hände auf den Ohren. Zitternd. Drei Tage lang, während die Spiele sich dem Ende zuneigen.
Die Sachen, die er ihr schickt, ignoriert sie.
Dann bricht der Damm und das Tal wird durchflutet.
Finnick wird bewusst, dass Snow sie ihm mit Finnicks eigenem Element nehmen will. Es wäre eine grausame Ironie, wenn sie ertrinken würde.
Präsident Snow würde ihm nicht nur Annie, sondern auch seine Liebe zum Wasser nehmen.
Nur hat der Präsident vergessen, dass Annie schwimmen kann. Und genau das rettet ihr letztendlich das Leben und macht sie zur Siegerin der 70. Hungerspiele.


And it's over
And I'm goin' under
But i'm not givin' up
I'm just givin' in



Zwei Jahre später ist Finnick einundzwanzig Jahre alt.
Im Prinzip hat sich nichts verändert. Er muss noch immer Mentor von Distrikt vier sein und wird immer noch an die Frauen des Kapitols verkauft.
Nur, dass er dagegen nicht mehr ankämpft wie früher. Er hat seine Lektion gelernt.
Er spürt sie immer wieder, wenn Annie nachts schreiend in seinen Armen aufwacht oder stundenlang nicht ansprechbar ist.
Die Leute sagen, sie wäre wahnsinnig. Das ist das einzig Gute daran. Sie wird nie dasselbe Schicksal haben wie er.
Seine Annie ist nicht wahnsinnig, dass weiß er. Sie ist nur gebrochen. Und sie ist nicht falsch genug, um das zu verbergen wie Finnick und alle anderen Überlebenden der Hungerspiele es tun.
Er ist froh, dass er sie nicht verloren hat. Er nimmt sich vor, sie genauso wieder zum Lachen zu bringen, wie sie es für ihn tat.


In the arms of the ocean, so sweet and so cold
And all this devotion, well, I never knew it all
And the crashes are heaven, for a sinner released
And the arms of the ocean delivered me
Never let me go, never let me go
Never let me go, never let me go



Als sein Name erklingt, lächelt Finnick wie auf Knopfdruck. Er weiß, dass das ganze Land ihn beobachtet, dass in diesem Moment alle Kameras auf ihn gerichtet sind. Jetzt bloß keinen Fehler machen.
Annie ist nicht so stark. Ihr gesamter Körper wird von krampfhaften Schluchzern geschüttelt, noch bevor der weibliche Tribut für das Jubeljubiläum ausgelost wird.
Es ist Annie. Natürlich ist es Annie.
Finnick merkt, wie seine aufgesetzte Maske ihm entgleitet. Er kann gar nicht anders. Wieso die beiden? Womit hat er das alles nur verdient?
Und dann meldet sich Mags. Seine Mentorin, die Frau, die ihm jahrelang zur Seite stand.
Mit Tränen in den Augen umarmt Finnick sie. Er weiß, dass Mags es nur getan hat, um Annies Leben zu retten. Damit wenigstens sie die Sache überlebt.
Denn es ist das Einzige was für ihn jetzt noch zählt.

Never let me go


Als er in der Arena die Schreie hört, ihre Schreie, so real, als würde sie direkt vor ihm stehen, verliert er beinahe den Verstand.
Er vergisst Katniss und seine eigentliche Aufgabe. Er vergisst den Schmerz über Mag’s Tod.
Er sprintet los, fast wahnsinnig vor Sorge. Was haben sie ihr angetan? Er kann nicht mehr klar denken, sieht immer nur ihre schmale Gestalt vor sich, das vorsichtige Lächeln, dass sie ihm in den letzten Jahren immer öfter schenkte.
Selbst als er bemerkt, dass es nur ein Trick ist. Eine Täuschung der Spielemacher, die sich an seinem Grauen ergötzen, kann er nicht aufhören zu fühlen.
Er sinkt zu Boden, die Hände auf die Ohren gepresst, die Schreie seiner Geliebten all gegenwärtig. Nichts ist mehr übrig von dem schönen, stolzen Finnick Odair.
Selbst, als die Schnattertölpel verschwinden und ihn mit dem Nachhall ihrer Imitationen alleine lassen, klingt das Zittern nicht ab.
Finnick richtet den Blick gen Himmel. Er weiß, dass diese Spiele nicht das Ende sein werden. Nicht sein Ende und auch nicht ihres.
Er wird kämpfen. Für Mags Opfer, seine eigene Zukunft und für Annie.
Denn vor vielen Jahren ließ er ein einfaches Fischermädchen in sein zerstörtes Herz. Sie ist es, die er liebt. Das arme, verrückte Mädchen aus Distrikt 4, dass alles verloren hat. Und er würde niemals zulassen, dass ihr etwas geschieht.
Denn Finnick Odair liebt Annie Cresta, liebt sie mit jeder Faser seines Seins.





Ich weiß *seufz*. Es gibt an die 200 FFs/OSs/Songfics zu diesem Pair und vermutlich wiederhole ich nur schon gesagtes... aber es ist ein komplett neues Fandom für mich... und das Schreiben dieses OS hat mich aus einem Schreibtief herausgeholt... und meiner Meinung nach kann man einfach nie genug von Finnick und Annie bekommen ^^
(Der Schreibstil erscheint vllt für den ein oder anderen etwas merkwürdig, ich wollte einfach mal ein wenig Herumprobieren)
Ein großes Dankeschön geht an Kathi, die sich die Mühe gemacht hat, diesen OS zu betan - you go, girl<3
Über Feedbacks würde ich mich natürlich sehr freuen, aber alles in allem wünsche ich euch erstmal einen guten Start in die neue Woche :)
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