Truth, Past, Present

GeschichteRomanze, Familie / P16 Slash
OC (Own Character) Remus "Moony" Lupin Severus Snape
08.09.2019
13.10.2019
22
34032
19
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Es geht weiter, juchhu! Lieben Dank an alle, die trotz wirklich unregelmäßiger Updates weiterhin dabei sind!
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Die nächsten Wochen vergingen quälend langsam. Lyanna stürzte sich in die Arbeit, saß andauernd in der Bibliothek oder übte mit Padma im Gemeinschaftsraum die aktuellen Zauber. Sie hatte über die Worte ihres Vaters nachgedacht und festgestellt, dass er vermutlich einfach in Sorge um sie gewesen war. Leider war ihre Aktion wirklich sehr leichtsinnig gewesen, ganz zu schweigen davon, dass der Nierengurt beim nächsten Spiel wieder weg gehext werden könnte. Sie sprach also mit Roger und bat ihn darum, aus dem Team austreten zu dürfen bis sie wussten, wer ihr Böses wollte. Es gefiel Roger nicht, eine so gute Spielerin zu verlieren, doch auch er wollte ihr Leben nicht für ein bisschen Quidditch riskieren. Cho spielte jetzt als Sucherin, weshalb Lyanna oft beim Training zuschaute und hinterher mit der Freundin die verschiedenen Taktiken diskutierte.

Seit ihrem kleinen Zusammenbruch bei Remus schaute sie manchmal nachmittags bei ihm vorbei, wenn sie nicht gerade Hausaufgaben machte oder lernte. Er erzählte ihr von seiner Kindheit, bemühte sich darum, ihren Vater aus Berichten über seine Schulzeit herauszulassen und durch Remus erfuhr sie auch vom Orden des Phönix. Er ging nicht näher darauf ein, doch sie merkte, dass es ihn immer noch unglaublich schmerzte, damals so viele Freunde verloren zu haben. Zeitweise stand in seinen Augen genau der gleiche traurige, schuldbeladene Ausdruck wie in denen ihres Vaters. Sie fragte sich, ob es ein bestimmtes Ereignis gab, das die beiden Männer besonders erschüttert hatte. Fragen tat sie nicht danach, es ging sie nichts an.

Schließlich stand Halloween vor der Türe. Das Fest fiel auf einen Samstag und damit auch mit einem Hogsmeade-Ausflug zusammen. Lyanna machte sich mit Cho und Padma auf den Weg zum Frühstück, Luna stand meistens schon eine Stunde früher auf. Auf den Gängen sah sie sich immer wieder nach allen Seiten um, so wie auch die letzten Wochen schon. Sie konnte es nicht vermeiden ihrem Vater im Unterricht zu begegnen, doch da ignorierte er sie ohnehin meistens, um nicht in Versuchung zu kommen dem Haus Ravenclaw Punkte zu geben. Nach der ersten verpatzten Stunde lieferte sie nur noch perfekte Tränke ab. In allen anderen Fächern waren ihre Leistungen zwar gut, aber nicht überragend. Zum Bestehen der Prüfungen würde es reichen.

Jedenfalls wich sie ihrem Vater aus, seit sie unfreiwillig sein Gespräch mit Remus mitbekommen hatte. Was sie danach zu Remus gesagt hatte, dass es für sie keinen Unterschied machte ob sie verwandt waren oder nicht, galt immer noch. Sie liebte ihren Vater, nichts würde daran etwas ändern. Sie wusste nur einfach nicht, ob er das genau so sah. Im Grunde ihres Herzens war ihr klar, dass ihr Vater sie über alles liebte. Ihr Kopf jedoch produzierte am laufenden Band Ängste und Sorgen, die sie vor diesem Schuljahr überhaupt nicht gekannt hatte. Ängste, die sie davon abhielten, mit ihrem Vater zu reden.

“Ihr müsst unbedingt in den Honigtopf gehen! Die Heulende Hütte ist nicht sonderlich spektakulär, einmal ansehen sollte man sie sich jedoch. Wenn es euch zu kalt wird, empfehle ich ein Butterbier in den Drei Besen!” Cho gab ihnen unaufhörlich Tipps, was sie in Hogsmeade auf jeden Fall besuchen sollten. Für Lyanna und Padma war es schließlich ihr erster Besuch im Dorf. “Wieso zeigst du uns nicht einfach alles?”, unterbrach Padma die Aufzählung irgendwann. Cho lief rosa an. “IchhabeeinDate”, nuschelte sie.

Abrupt blieben die beiden Drittklässlerinnen stehen. Ganz die pubertären Mädchen, die sie eben manchmal waren, quietschten sie begeistert. “Mit wem?”, wollte Lyanna aufgeregt wissen. “Wieso erzählst du das erst jetzt?”, fragte Padma gespielt beleidigt. “Cedric Diggory. Ihr wisst schon, der...” “Der Sucher der Hufflepuffs”, ergänzte Lyanna. “Du verbrüderst dich mit dem Feind!” Cho schaute sie unsicher an. “Quatsch! So lange du ihm unsere Taktik nicht verrätst, ist doch alles gut! Bist du denn in ihn verliebt?”

Die Viertklässlerin senkte ungewohnt schüchtern den Kopf. “Ich glaube schon.” Padma grinste begeistert. “Ich komme auf jeden Fall vorher zu dir rüber! Meine Mum hat mir beigebracht, andere zu schminken!” Die beiden tauschten einen einträchtigen Blick, von dem Lyanna sich ein wenig ausgeschlossen fühlte. Sie war zwar von Narzissa mit groß gezogen worden, aber eine richtige Mum hatte sie nie gehabt. Es störte sie normalerweise nicht besonders, ihr Vater reichte ihr vollkommen. Doch inzwischen fragte sie sich schon manchmal wer ihre leiblichen Eltern waren. Warum hatte Lucius sie ausgerechnet zu seinem besten Freund Severus Snape gebracht, warum musste sie vor Dumbledore und Voldemort versteckt werden, warum, warum, warum...? Es kam ihr vor wie Verrat an ihrem Vater, trotzdem würde sie gerne herausfinden von wem sie abstammte. Vielleicht gab es noch Verwandte. Möglicherweise sogar Geschwister.

“Parvati geht mit Lavender, Dean, Neville und Seamus ins Dorf, da können wir uns bestimmt anschließen”, unterbrach Padma ihre umher rasenden Gedanken. Lyanna schaute die Freundin zerknirscht an. “Ich gehe gar nicht nach Hogsmeade, tut mir leid.” Während Padma sie empört anstarrte nickte Cho verständnisvoll mit dem Kopf. “Du glaubst, er probiert es noch mal. Im Dorf wird es heute ziemlich voll sein, wenn dir da etwas passiert kann niemand herausfinden, wer dahinter steckt.” Das war einer der Gründe. Lyanna ahnte zudem, dass ihr Vater glücklicher damit wäre, wenn sie sich nicht schon wieder leichtfertig in Gefahr begab.

“Wenn du aber alleine in Hogwarts rumläuft kann keiner auf dich aufpassen”, merkte Padma an. Sie waren inzwischen weiter gegangen und standen jetzt vor der Großen Halle. “Wer rennt heute alleine im Schloss rum?”, ertönte auf einmal eine Stimme neben ihnen . Die Mädchen drehten sich zu Harry um. “Ich hab keine Erlaubnis für Hogsmeade”, erklärte er mit einem Schulterzucken. “Wenn von euch auch jemand hier bleiben muss...” Lyanna konnte sich schöneres vorstellen als den Tag mit Harry Potter zu verbringen, andererseits ärgerte er sie fast gar nicht mehr. Wenn Ron nicht dabei war könnte man Harry fast als nett bezeichnen.

“Ich darf ins Dorf, möchte aber nicht”, antwortete sie deshalb. Das breite Lächeln in Harrys Gesicht irritierte sie. “Cool. Wir können zusammen Hausaufgaben machen.” Entschuldigend gestand sie ihm: “Sind alle schon fertig. Draco und ich erledigen die meisten Aufgaben direkt an dem Tag, an dem wir sie aufbekommen.” Harry überlegte einen Moment. “Dann laufen wir einfach durchs Schloss und ich zeige dir ein paar Geheimgänge, die wir von den Zwillingen kennen.” Padma schien beruhigt zu sein, dass Lyanna den Tag nicht alleine verbringen würde, Cho dagegen baute sich mit verschränkten Armen vor dem Gryffindor auf. “Schwöre, dass das kein Trick und keine Falle ist! Du hast dich am Anfang ziemlich schäbig gegenüber Lia verhalten!”


Zwei Stunden später machte sich eine frisch geschminkte und von Harrys ehrlichen Absichten überzeugte Cho auf den Weg nach Hogsmeade. Padma traf sich mit ihrer Schwester in der Eingangshalle während Lyanna in den dritten Stock hoch stieg, wo Harry auf sie wartete. Er wollte nicht, dass Ron mitbekam mit wem Harry sich traf, was Lyanna sogar verstand. Luna hatte ihnen bei einer kurzen Begegnung im Gemeinschaftsraum erzählt, dass sie den ganzen Tag Hausaufgaben machen würde und dabei alleine sein wollte, um sich besser konzentrieren zu können und nicht von Schlickschlupfen abgelenkt zu werden.

Sie liefen einige Stunden von oben nach unten, zeitweise auch kreuz und quer, durch das Schloss. Harry zeigte ihr einige Geheimtüren und Trickstufen, die sie noch nicht kannte, sowie verschiedene Geheimgänge innerhalb von Hogwarts. Es gab wohl auch welche, die aus dem Schloss rausführten, deren Geheimnis hatten die Zwillinge bis jetzt jedoch gut gehütet. Sie sprachen natürlich zuerst über Quidditch, weil es ein relativ ungefährliches gemeinsames Thema war, dann über den Unterricht und auch über die Unterschiede zwischen der magischen und der Muggelwelt. Die Malfoys sahen es nicht gerne, doch ihr Vater machte mit ihr auch Ausflüge in die nichtmagischen Welt, sie hatte ja auch die Grundschule in ihrem Stadtteil besucht.

“Ich hab gehört, was mit deinem Irrwicht passiert ist”, sagte Harry plötzlich. Lyanna grinste verlegen. “Ich bin die erste Schülerin, die einen Irrwicht kaputt bekommen hat.” Sie lachten beide und in dem Moment beschloss Lyanna, Harry doch ganz in Ordnung zu finden. Trotz seiner dämlichen Aktionen und Sprüche mit Ron Weasley zusammen. “Lupin hat mich überhaupt nicht an den Irrwicht rangelassen”, murmelte Harry und klang ziemlich frustriert dabei. Lyanna zuckte mit den Schultern. “Vermutlich dachte er, Voldemort würde auftauchen.” Ihre Worte brachten den Gryffindor zum Nachdenken. “Ich glaube nicht, dass es Voldemort gewesen wäre. Ich habe schon zwei, diese Nacht damals mitgezählt sogar drei, Begegnungen mit ihm überlebt. Natürlich fürchte ich ihn, aber ich bin auch wütend, weil er meine Eltern getötet hat und ich bin entschlossen, ihn nicht gewinnen und noch mehr meiner Freunde töten zu lassen!”

Bewundernd sah sie ihn an. “Ich denke, wenn ich Voldemort schon mal begegnet wäre, wäre er auf jeden Fall mein Irrwicht!” Ihr Vater ging nie ins Detail bei Erzählungen über den letzten Zaubererkrieg, doch sie wusste auch so genug über Voldemort, den bösesten Zauberer ihrer Zeit, den Anführer der Todesser. “Es wäre vermutlich ein Dementor gewesen.” Sie stand einen Moment lang auf dem Schlauch bis ihr wieder einfiel, dass sie über den Irrwicht sprachen. “Die Dinger sind fies, ja”, stimmte sie ihm schaudernd zu. “Aber auch dabei bin ich irgendwie nicht normal. Klar, Dementoren sind gruselig und mir ist auch kalt geworden als sie im Zug waren, aber... Es gab zum dem Zeitpunkt einfach keine schlechten Erinnerungen, die sie hätten hervor holen können.” Sie überlegte ob es jetzt Erinnerungen gab, durch die sie stärker auf die Dementoren reagieren würde. Vielleicht den Moment als sie erfahren hatte, dass sie vergiftet worden war. Oder als ihr Vater in ihren Armen geweint hatte, weil sie fast gestorben war.

“Du Glückliche”, antwortete Harry düster. “Ich... Ich habe jemanden schreien gehört. Ich glaube, es war meine Mum als sie...” Erschüttert war Lyanna für einen Augenblick versucht, Harry in den Arm zu nehmen, doch dafür kannten sie sich noch nicht gut genug. Stattdessen beschloss sie, ihm ebenfalls ein ´Geheimnis´ zu erzählen, im Austausch für diese doch sehr private Offenbarung. “Nach dem Spiel gegen Slytherin ist mir etwas... passiert. Ich stand ziemlich unter Schock, wollte mich nur noch verkriechen oder weg fliegen, da hab ich mich in einen Schmetterling verwandelt.” Mit offenem Mund starrte Harry sie an. “Du bist ein Animagus? Wie McGonagall?” Unglücklich seufzte Lyanna. “Jein. Der Schmetterling ist meine Animagusform, ja, aber die Verwandlung war eher ein Unfall. Sie ist mir seitdem auch nicht noch mal gelungen. Ich denke, richtig verwandeln kann ich mich erst in ein oder zwei Jahren.”

Harry versprach ihr gerade, das auf jeden Fall für sich zu behalten, da ging eine Türe in der Nähe auf und Remus streckte seinen Kopf heraus. “Dachte ich mir doch, dass ich Stimmen gehört habe. Kommt rein!” Harry zögerte kurz, es musste ihm sicher komisch vorkommen, am Wochenende freiwillig mit einem Lehrer zu reden. Lyanna schnappte sich kurzerhand seinen Arm und zog ihn ins Büro. “Setzt euch, setzt euch. Tee? Kakao?” Unwillkürlich grinste sie. Remus hatte immer Schokolade vorrätig, egal in welcher Form. Sie mochte Schokolade auch, aber er schien regelrecht besessen von ihr zu sein.

“Wir haben eben über den Irrwicht aus der ersten Unterrichtsstunde gesprochen”, erklärte sie Remus während sie die Tasse Tee entgegen nahm, die er ihr reichte. Harry bekam ebenfalls Tee, Remus selber trank natürlich Kakao. “Ah... Harry, du fragst dich vermutlich, warum du den Zauber nicht üben durftest.” Bei Harrys verdutztem Blick verschluckte sie sich beinahe an ihrem Tee. “Nun, Lyanna meinte, Sie hätten verhindern wollen, dass Voldemort im Lehrerzimmer auftaucht.” Nachdenklich nickte Remus. “Ich lag daneben, oder?” Harry erklärte noch einmal, warum er die Dementoren mehr fürchtete als Voldemort.

“Du scheinst tatsächlich heftig auf sie zu reagieren. Ich frage mich...” Bevor Remus seinen Satz beenden konnte unterbrach Lyanna ihn. “Kannst du Harry nicht den Patronus beibringen?” Im selben Moment biss sie sich auf die Zunge, schließlich sollte niemand wissen, dass sie Remus mit dem Vornamen anreden durfte. Harry stellte jedoch netterweise keine Fragen. “Das ist eine hervorragende Idee, allerdings nicht mehr dieses Jahr. Hättest du ebenfalls Interesse an diesem Zusatzunterricht?” Diesmal warf Lyanna ihm einen vollkommen verdutzten Blick zu. “Ich? Glaubst du wirklich, ich schaffe den Zauber schon? Das ist höhere Magie, viele Siebtklässler bekommen keinen Patronus zustande.”

Mit einem wehmütigen Lächeln fixierte Remus einen Punkt zwischen ihr und Harry. “Wir haben ihn damals in den Wochen nach den UTZ-Prüfungen gelernt. Pflichtunterricht, schließlich entließ man uns kurz darauf in eine Welt, in der Krieg herrschte. Deine Eltern, Harry, haben den Zauber gleichzeitig gemeistert. Lilys war eine Hirschkuh, James´ ein Hirsch.” Er grinste, so als würde er ihnen einen köstlichen Witz vorenthalten. Scheu schaute Lyanna ihn an, in ihren Augen die stumme Frage ob ihr Vater damals ebenfalls den Patronus gelernt hatte. Remus´ Grinsen wurde noch breiter. “Zwei aus unserer Stufe hatten sich schon im Jahr vorher mit dem Zauber beschäftigt...”, merkte er leise an. Lyanna strahlte als sie verstand, dass er wahrscheinlich mit ihrem Vater zusammen den Patronus gelernt hatte. Ob sich die silbernen Tiergestalten der beiden Männer auch so ähnlich waren wie die von Harrys Eltern?
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