One-Shot Collection

KurzgeschichteAllgemein / P18 Slash
Bob Andrews Justus Jonas Peter Shaw
08.09.2019
04.10.2019
10
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SMS



Trostlos schlendert Peter an den großen Häusern in der Belbourne Road entlang.

Es hat auf den letzten Meter angefangen zu tröpfeln, doch Wolken waren aufgrund der tiefen Dunkelheit des Himmels nur schwer zu erkennen.

Die Hände tief in den Hosentaschen vergraben, lässt er seinen Blick nachdenklich über die kleinen Vorgärten wandern.

Noch gestern lag er in seinem Doppelbett, welches ihm plötzlich für sich alleine viel zu groß erschien und hatte in Gedanken versunken an die Decke über sich gestarrt.

Eigentlich ist er sich sicher gewesen, dass er die nächsten Monate nicht mehr dazu fähig wäre wieder unter Menschen zu treten.

Geschweige denn die Kraft zu finden aufzustehen.

So tief sitzt der Schmerz.

Zugefügt, durch eine einzige SMS.

Hey, ähm ich weiß nicht genau wie ich überhaupt anfangen soll.
Ja, man sollte so etwas nicht über Whats App oder so klären aber dieses Thema lässt mich einfach nicht mehr los und ich muss das jetzt einfach rauslassen. Und da ich dich zurzeit einfach nicht mehr zu Gesicht bekomme, muss ich das wohl so klären.
Ich komme mit diesem ganzen Beziehungskram einfach nicht mehr klar. Wir gehen jetzt nach unserem letzten Jahr neue Wege und werden nur noch selten Zeit füreinander finden. Und ich schätze, dass uns das früher oder später sowieso trennen wird. Außerdem habe ich schon seit Wochen das Gefühl, dass du mir entgleitest.
Du sollst wissen, dass ich jeden unserer Augenblicke genossen habe und diese auch niemals vergessen werde. Für mich ist diese Entscheidung auch nicht einfach aber ich musste sie einfach treffen.
Deine Pullis werde ich dir morgen natürlich vorbeibringen. Wenn du nicht da bist, dann werde ich dir den Karton vor die Tür stellen. Ich hoffe sehr, dass ich dich damit nicht zu sehr verletzt habe :( Und wenn du willst, können wir gerne auch noch einmal genauer reden aber ich habe dieses Schweigen nun wirklich nicht länger ausgehalten.“

Es war, als wäre die Zeit angehalten worden.

Den ganzen Abend war er jede einzelne Zeile, jedes Wort durchgegangen um den Inhalt dieser Nachricht zu verstehen. Und Kelly hielt was sie gesagt hatte. Sie war am folgenden Tag gegen Nachmittag aufgetaucht und hatte ihm eine große Kiste in die Hände gedrückt.

All die Sachen, die er über die Jahre bei ihr deponiert hatte waren darin verstaut.
Und ab diesem Moment war ihm klar, dass es kein Zurück geben würde. Nie wieder.

Das klärende Gespräch, welches Kelly vorgeschlagen hatte, war wohl nur dazu da gewesen, damit sie sich selbst ein reines Gewissen verschaffen konnte.

Denn niemandem will nach gesagt werden, man habe einfach via Text mit jemandem Schluss gemacht.

Wenn er in Gesellschaft wäre, würde er wohl versuchen die aufkommenden Tränen zu unterdrücken. Doch er ist alleine. Ganz alleine.

Eigentlich wollte er diese Gegend so gut es geht meiden, doch die letzten Tage war er immer wieder her gekommen.

Einmal hätte sie ihn fast gesehen, als sie mit ihren Freundinnen ausgegangen war.

„Wie es aussieht bist du schon aus ihren Gedanken verschwunden“, redet er sich seit dem ein. Wie eine Platte die hängen geblieben ist, wiederholt sich dieser Satz Tag ein, Tag aus.

Und es schmerzt.

Es schmerzt so sehr, dass er das Gefühl hat, als würde sich sein Herz zu einem kleinen Klumpen zusammen ziehen.

Alles scheint trostlos und trist.
Ohne Sinn.

Mit Trennungen ist das so eine Sache.

Man lernt schon als kleines Kind, sich von wichtigen Dingen zu trennen.

Dem Schnuller, seinem Lieblingsschmusetuch oder auch der helfenden Hand der Eltern, wenn man beginnt, sicher auf den eigenen Beinen zu laufen.

Das alles sind Trennungen, die wir nicht verhindern können.
Die Endllich sind.
Unwiderruflich.
Und man weis, auch wenn es kurz schmerzt, wird man darüber hinweg kommen.

Doch wenn eine Person, ein Mensch aus Fleisch und Blut, ein Mensch der einem die ganze Welt bedeutet hat, sich plötzlich wie in Luft auflöst und aus dem Leben verschwindet ist das etwas ganz Anderes.

Es fühlt sich so an, als würde sich in einem ein Feuer entzünden. Eine Flamme, die wohl nie ganz aufhören wird zu glühen.

Jedes Mal wenn er an Kelly denkt, beginnt es ihn von innen immer mehr zu zerreißen.

Stück für Stück.

Bis letztendlich nur noch ein kleines Häufchen Peter übriggeblieben ist.

Die Bilder an seinen Wänden hat er auch noch nicht abgehangen.
Zu groß scheint diese Hürde, auch wenn er tief in seinem Inneren weis, dass es wahrscheinlich das Beste für ihn wäre.

Doch noch hängt ihm zu viel an ihr.
Dem Mädchen, dass ihm von der ersten Sekunde an den Kopf verdreht hat.

Klar, hatte er sich auch schon viele Gedanken darüber gemacht wie es weiter gehen sollte, wenn sie erst mal auf getrennte Schulen gehen würden.

Doch für ihn schien kein Hindernis unüberwindbar.
Alles hätte er dafür getan um diese Beziehung zu pflegen und wachsen zu lassen.
Wie eine Blume. Immer schöner und größer.

Offen und verwundbar steht er nun vor dem großen altmodischen Haus mit dem Flachdach über der Garage, auf dem sie des Nachts oft gesessen und gekuschelt haben.

Der Junge sieht sich noch immer dort oben sitzen und fragt sich, ob er die gemeinsame Zeit genug genossen hat.
Ob er wirklich jeden einzelnen Moment genutzt hat.

Jeder könnte ihn jetzt sehen und höchstwahrscheinlich für einen verrückten Stalker halten, der gerade sein nächstes Opfer observiert.

Auch Kelly.
Aber Peter weis, dass Freitag immer Mädelsabend ist. Den halten sie und ihre Freundinnen eigentlich selten bei ihr zuhause ab.

Doch in Kellys Zimmer brennt die Lichterkette über dem Bett.
Er nähert sich dem Familienhaus ein kleines Stückchen.

Jessy, Kellys Seelenverwandte, huscht im Schlafanzug und einer grünen Maske auf dem Gesicht kurz am Fenster vorbei.

„Sie müssen also diesmal hier sein“, durchzuckt es Peter.

Aus der Ferne nähert sich uneinheilvoll ein Donnergrollen.
Der Vorreiter des Ungewitters.

Zitternd zieht er den Kragen seiner Jacke noch weiter nach oben.
Der Regen ist kalt und trifft hart auf seine Haut.

Wie kleine Nadelspitzen, die ihn jedoch auch nicht mehr fühlen lassen.
Ihm das Gefühl von Lebendigkeit nicht zurück geben können.

Denn dieses wurde ihm genommen.

Mit einer einzigen SMS.

„Es hatte nur das gebraucht. Mehr nicht“, denkt er verzweifelt, als er sich schluchzend auf den Randstein sinken lässt und seinen Kopf in den verschränkten Armen vergräbt.

















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