One-Shot Collection

KurzgeschichteAllgemein / P18 Slash
Bob Justus Peter
08.09.2019
17.09.2019
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Ermordete Schmetterlinge



Das Herz schlägt ihm bis zum Hals, als er auf das kleine Klingelknöpfchen drückt und wartet, bis ihm die Tür geöffnet wird.

Nervös kaut er auf seiner Lippe herum, während er noch immer herum rätselt warum Peter ihn zu sich bestellt hatte.

Und dann auch noch alleine. Ohne Bob.

„Außerdem ist es schon fast elf Uhr Abend, es muss also etwas wirklich Wichtiges sein“, redet er sich hoffnungsvoll ein.

Mit einem Ruck wird die große Holztür aufgezogen und Peter, dessen strubbelige Haarpracht in alle Richtungen vom Kopf absteht, steht im schwarzen Shirt und grauer Jogginghose vor ihm.

Sofort legt sich ein breites Lächeln auf Justus` Gesicht.
Dieses wohlige und wunderbare Gefühl in der Magengegend.
Tausend Schmetterlinge, die kurz davor sind los zuflattern.

„Na du siehst aber ganz schön durch den Wind aus“, lacht er und tritt ein.

„Das bin ich auch.“ Hilfesuchend steckt er die Hände in die Hosentaschen und blickt auf Justus hinab, der gerade versucht den Knoten in seinen Schnürsenkeln zu öffnen.

„Oh, deiner Stimme ist zu entnehmen, dass es nichts Erfreuliches gibt?“ „Naja…wie man es nimmt.“

Nach einem weiteren gescheiterten Versuch den Wust zu entknoten, schlüpft der erste Detektiv einfach so aus seinen Turnschuhen und stellt sie auf das Tablett.

Er folgt Peter, die Treppe hinauf, in sein Zimmer.

Justus bemerkt wie still es in dem großen Haus ist, das sonst von Musik, dem Geräusch des Fernsehers oder der Singstimme von Peters Mutter erfüllt ist. „Sind deine Eltern gar nicht da?“

„Ne, die übernachten dieses Wochenende bei meiner Tante und meinem Onkel. Ich hab die Bude ganz für mich allein“, murmelt der Junge als Antwort.

Nach einer längeren Pause, in der keiner von beiden etwas gesagt und Peter nur Gedankenversunken auf seinen Teppich gestarrt hat, ergreift Justus die Initiative und versucht ihn auf sein Problem anzusprechen.

„Also, ich nehme mal an, du hast mich hergebeten, da du über eine bestimmte Sache sprechen möchtest. Oder liege ich da falsch?“

Mit beiden Händen fährt sich der Angesprochene über die Augen und lässt diese für einen Moment dort verharren.

Der warme, helle Schein der Lichterketten, welche die einzigen Lichtquellen in dem Raum sind, lässt das Zimmer noch viel gemütlicher erscheinen. Wobei sich Justus hier schon immer wohl gefühlt hat.

Vor Allem in Peters Nähe.

„Ich…ich weis nicht so ganz wie ich… also-“, der zweite Detektiv stockt, während er auf dem Fußboden verzweifelt nach den richtigen Worten sucht.

Besorgt mustert Justus seinen besten Freund, der einen ziemlich aufgelösten Eindruck macht.

Er hat sich schon die letzen Wochen so komisch verhalten, doch Bob und er haben ihm, ganz nach Wunsch, seinen Freiraum gelassen.

Und jetzt sitzt er hier, alleine auf Peter Shaws Bett, das wie immer nicht gemacht ist.

„Ich… ich habe die letzen Tage über wirklich Vieles nachgedacht…habe ganze Nächte lang wach gelegen, doch ich konnte einfach nicht aufhören mir über diese eine Sache den Kopf zu zerbrechen.“

Zögernd reibt sich Peter die schwitzigen Hände aneinander.

„Puh…wie soll ich das jetzt sagen“, flüstert er so leise, dass sein Gegenüber ihn beinahe nicht verstanden hätte.

„Am besten einfach gerade heraus“, rät ihm Justus. „So schlimm kann es bestimmt nicht sein. Und wenn doch, dann werden wir gemeinsam eine Lösung dafür finden.“

Mit einem erschöpften, kurzen Lacher sieht ihm Peter das erste Mal seit Wochen direkt und aufrichtig in die Augen.

Der Blick ist so intensiv, dass der Junge das Gefühl hat, als würde ihm der Boden weggezogen werden.

Wie ein freier Fall.

„Justus… ich habe mich in Bob verliebt.“

Ein Satz.

Dieser eine Satz lässt in der Welt des ersten Detektivs die Zeit für einen kurzen Moment still stehen.

Hat er da gerade richtig gehört?
Peter…verliebt in…Bob?

Augenblicklich stauen sich Tränen in seinen Augen auf, die er mit Mühe und Not verdängt.

„Ist er deswegen nicht hier?“, will er mit brüchiger Stimme wissen. Peter scheint überrascht zu sein, über die Reaktion seines Freundes.

„Äh, ja schon. Aber ist das alles was du dazu zu sagen hast?“ Unsicher lächelt er Justus zu.

Die Schmetterlinge wurden soeben alle kaltblütig ermordet, sodass deren kleine, zerbrechliche Körperchen übereinander gestapelt in mitten des Strudels aus Justus` Gefühlen liegen.

Dieser räuspert sich, um seine Stimme zu festigen.

„Nein, nein natürlich nicht. Ich weis nur nicht… also ich habe natürlich nichts dagegen. Warum sollte ich auch?“ „Das würde ich doch auch niemals in Frage stellen, Just.“ Peter nähert sich dem Bett und nimmt ebenfalls darauf Platz.

„Aber ich habe gehofft, dass du mir irgendwie helfen kannst. Ich brauche dich echt.“ „Ja, natürlich. Ich bin für dich da. Aber du musst mir bitte ein paar Fragen beantworten, wenn das für dich okay ist.“

Am liebsten würde er sich ganz tief in die Erde eingraben.
Wie konnte er nur jemals das Gefühl haben, dass Peter etwas für ihn empfinden würde?

„Oh man, danke. Ich bin schon ein nervliches Wrack, weil ich nicht weis wie ich damit umgehen soll. Ich habe wirklich Angst, es ihm zu sagen.“

Überschwänglich fällt Peter ihm in die Arme.

Am liebsten hätte er ihn gar nicht mehr los gelassen.
Nie wieder.
Hätte am liebsten für immer seinen Geruch eingeatmet.

„Aber klar doch. Ich bin immer für dich da“, versichert Justus ihm.

„Das weis ich wirklich zu schätzen, Erster.“ Ein paar Tränen kullern über Peters Wange.

„Du wolltest, dass ich dir ein paar Fragen beantworte… was willst du denn genau wissen?“, schnieft er erleichtert und wischt sich die salzige Flüssigkeit mit dem Handrücken aus dem Gesicht.

Eigentlich würde sich Justus gerne ein paar Stunden in die Vergangenheit katapultieren lassen, um dort einfach noch eine Weile auf Wolke 7 verweilen zu können.

Das Herz in seiner Brust fühlt sich plötzlich nämlich gar nicht mehr frei und vergnügt, sondern schwer wie Blei an.

Wie ein fester und unbeweglicher Klumpen sitzt es dort und er hat keine Chance daran etwas zu ändern.

Jedenfalls, nicht in diesem Moment.

„Ja, ähm… seit wann hast du denn schon anzügliche Gefühle gegenüber Bob?“

Leicht beschämt knetet Peter seine Finger, als er beginnt zu erzählen.

„Naja… du kannst dich doch noch an unseren letzen Fall erinnern?“
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