One-Shot Collection

KurzgeschichteAllgemein / P18 Slash
Bob Andrews Justus Jonas Peter Shaw
08.09.2019
04.10.2019
10
12796
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Hundert Sterne



Überall sehe ich brennende Wrackteile.

Egal in welche Richtung ich blicke.

Der Rauch steigt unaufhörbar in meine Nase und lässt meine Augen tränen.

Ich sollte aufstehen, doch ich fühle mich so verdammt kraft und antriebslos.

Mein Bein scheint wohl eingeschlafen zu sein, denn ich kann es kaum noch spüren.

Die Erde des Bodens vermischt sich mit dem vielen Blut auf meinen Klamotten und ich spüre, wie diese sich immer weiter mit der roten Flüssigkeit vollsaugen.

Auch an meiner Stirn läuft unentwegt ein kleines Rinnsal hinunter und tropft auf meine Hand, die sich abstützt.

Ich weis nicht unter welchem Bauteil ich feststecke, doch es sieht ein bisschen so aus wie eine Tür und ich glaube ich kann den ersten Buchstaben der Airline entziffern.

Wenn es nach mir gegangen wäre, wären wir niemals in das Flugzeug gestiegen. Doch ich wurde wie so oft überstimmt.

Und das haben wir davon.

Dass wirklich nie jemand auf mich hören will macht mich so wütend.
Ich habe es oft gesagt.
So oft.

Aus der Ferne höre ich nicht eine Stimme.
Kein einziges Lebenszeichen von Irgendjemandem.

Das beunruhigt mich.
Ich fühle mich ganz alleine auf dieser großen, weiten Welt und kann gar nichts dagegen tun.

Ich versuche meinen Oberkörper zu bewegen und spüre, wie sich viele kleine Glassplitter bei jedem Positionswechsel tiefer in meine Haut schneiden.

Ich weis nicht wie viel Zeit schon vergangen ist, da ich eine lange Zeit bewusstlos gewesen sein muss.

Auf jeden Fall wird es langsam dunkler und die ersten Sterne zeigen sich am Himmel.

So wunderschön, wie sie sich dort bald zu Tausenden tummeln werden.
Weit entfernt von jeder Großstadt.
Mitten in den Bergen.

Doch mit der Nacht wird auch die Kälte kommen.
Unbarmherzig und rücksichtslos.
Es wird schwieriger werden uns zu sehen.

Und ich muss zugeben, dass meine Sinne sich langsam beginnen zu vermischen und ein großes, waberndes Wirrwarr erzeugen.

Mir dröhnt der Schädel ganz gewaltig, wobei ich gleichzeitig ein stechendes, lautes Fiepen in meinem Ohr vernehme.

Doch ich glaube, das ist im Moment mein kleinstes Problem.

Ich habe das schon in etlichen Filmen gesehen.
Ich darf auf keinen Fall einschlafen.

Denn wenn ich erstmal der Erschöpfung nachgegeben habe und mich in das süße Reich der Träume entführen lasse, weis ich nicht, ob ich die Kraft besitze jemals von dort zurück zu kehren.

Wobei mir ein bisschen Schlaf gerade wirklich gut täte.

Nur für einen kurzen Moment die Augen zu machen…

Nein! Nein, nein, nein… das geht nicht. Das darf ich nicht.

Komm schon! Du bist doch stark, du weist was du schaffen kannst.

Das hast du schon tausend Mal bewiesen.

Ich habe keine Ahnung wie viel Blut ich schon verloren habe aber es muss eine Menge sein.

Es wird bestimmt schwer so viele Konserven zu bekommen. Ich habe die seltenste Blutgruppe.

Meine Gedanken sind so wirr, dass ich sie in meinem Kopf ganz laut und durcheinander schreiend wahrnehme.

In Filmen haben Serienkiller so zusammenhangslose Gedanken, wenn sie einen Energierausch bekommen. Wenn etwas Großes bevor steht. Wenn das Adrenalin zu rauschen beginnt.

Ich schätze mal, dass das Adrenalin gerade das einzige ist, was mich meine Schmerzen ertragen lässt.

Vielleicht ist mein Bein auch abgetrennt.
Das würde Sinn ergeben.
Schließlich kann ich es ja gar nicht mehr fühlen.

Ich kann nicht damit wackeln, egal wie sehr ich mich bemühe.

Werde ich ab sofort im Rollstuhl sitzen müssen?

Dann könnte ich nie wieder mit meinen Freunden den Berg auf dem Fahrrad runter brausen.

Oh man, das habe ich immer am meisten geliebt am Sommer.

Das gemeinsame Zeit Verbringen.
Davon habe ich wirklich jede einzelne Sekunde genossen.

Das war die schönste aller Zeiten.

Das wird mir am meisten fehlen…

Verabschiede ich mich gerade?

Im stillen Gedenken an mein früheres Ich, das hier heute leider seinen Tod finden wird?

Ne, ganz sicher nicht!

Ich habe einen starken Überlebenswillen.
Ich werde hier nicht sterben.

Nicht mit mir.

Hast du mich gehört, Gott? Es tut mir leid aber ich werde wohl doch lieber noch ein bisschen länger hier unten auf der Erde bleiben.

Ich höre mich an wie ein Verrückter.
Irgendwie muss ich versuchen meine Gedanken unter Kontrolle zu bekommen, bis Hilfe eintrifft.

Ich muss mich auf etwas fokussieren, dass mich runter bringt.
Auf etwas was mich beruhigt.

Meine Familie…Oh Gott, was wenn ich sie nie mehr wieder sehe? Wenn das meine letzen Gedanken vor dem Ableben sind?

Okay, nein…das funktioniert nicht.

Meine Freunde.

Just und Bob.
Unser Detektivunternehmen mit den drei Fragezeichen… es waren doch Fragezeichen, oder?

Oh man, mein Gehirn ist ganz schön durcheinander gerüttelt worden.
Weiß, rot und blau. Blau, das ist meine Farbe.

Auch wenn ich der zweite Detektiv bin, gehört mir das blaue Zeichen.
Ein Druckfehler von Justus.

So schön blau… fast so wie der Himmel mit den vielen Sternen.

Bestimmt wird bald Hilfe kommen.
Es müssen doch schon Stunden vergangen sein.

Mit Sicherheit werden sie mich retten.

Sie werden kommen.
Ich muss einfach noch so lange durchhalten.

Vielleicht sollte ich beginnen die Sterne zu zählen.
Ja genau, das ist eine gute Idee.

Denn wenn ich bei hundert angekommen bin, dann dauert es genau hundert Sterne weniger bis sie mich uns finden werden.
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