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Vampire Academy- In Liebe entzweit

von Alvadas
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Rosemarie "Rose" Hathaway
08.09.2019
10.11.2019
21
116.485
6
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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22.09.2019 5.418
 
Kapitel 6
Sonora-Wüste, Arizona

„Da kommen wir nicht lebend hinein!“, äußerte ich meine Meinung und besah mir das Gefängnis. Zu dritt lagen wir auf einer kleinen Anhöhe einige Kilometer von unserem Ziel entfernt und observierten dieses per Fernglas. Seit etwa anderthalb Tagen waren wir nun hier und suchten von allen Seiten einen machbaren Weg hinein und wieder hinaus. Zum Leidwesen aller gab es den aber nicht! „Wie wärs mit einem Tunnel?“, schlug Angela vor. „Zu weit, nicht genug Zeit!“, entgegnete Shade knapp, während er mit zusammengekniffenen Augen zum Gefängnis starrte. Immerhin braucht man als Strigoi anscheinend kein Fernglas!, dachte ich, als ich ihn so sah und schwenkte meine Sehhilfe etwas nach links. Die Gefängnis-Anlage mitten in der Sonora-Wüste war beeindruckend, anders konnte man es nicht sagen. Ein großer und stabiler Zaun umschloss ein niedriges Gebäude aus Beton, welches mich stark an einen Bunker erinnerte. Mit seinem leicht gewölbten Dach und den starken Mauern wirkte es fremdartiger als die Gebäude, welche sonst von Moroi konzipiert und gebaut wurden. Vielleicht kennen die Moroi doch Zweckmäßigkeit?, überlegte ich und fuhr über die graue Fassade. Sicher ist das eigentliche Gefängnis unterirdisch!, vermutete ich. Zwei schwer bewachte Tore waren die einzigen Durchgänge zum Gelände, auch wenn es keine Straße um Umkreis von zwanzig Kilometern gab, die zu ihnen hätte führen können. Stattdessen gab es eine gerade Linie von Eisenbahnschienen, die sich von Norden nach Süden erstreckten und auch Tore und Gelände des Gefängnisses passierten. Wahrscheinlich dienten diese Gleise zur Versorgung der Anstalt mit Lebensmitteln und neuen Insassen und würde bestimmt keine Touristen durch das Land kutschieren! „Aber irgendwie müssen wir doch da rein gelangen! Notfalls mit Gewalt“, sagte Angela entschlossen. Darüber konnte ich nur den Kopf schütteln, auch wenn mich die Anstrengungen des Mädchens berührten, die es auf sich nahm, um sein Ziel zu erreichen. „Wir sind zu wenige dafür!“, versuchte ich ihr zu erklären. „Wir sind nur zu dritt, während alleine draußen vor dem Gebäude acht Wächter sind, das sind einfach zu viele für einen Frontalangriff!“ Drinnen werden sicherlich auch noch einmal doppelt so viele lauern, wenn nicht sogar noch mehr!, fügte ich in Gedanken hinzu. „Heißt das etwa, dass wir aufgeben?“, fragte die Kleine schockiert. Seufzend nahm ich das Fernglas herunter und legte einen Arm um die Moroi, die zwischen mir und Shade lag. „Tut mir leid, Angela!“, sagte ich ehrlich gemeint und drückte sie kurz an mich. Damals mit Lissa war es so einfach, wir haben uns mit Hilfe ihrer Geistmagie getarnt und sind einfach hinein gegangen... Das wird uns aber jetzt wohl nicht gelingen!, dachte ich an damals zurück, als ich zusammen mit Lissa und Eddie schon einmal das Gefängnis, damals noch in Alaska, eingedrungen war. „Nicht verzagen, meine Damen! Ich glaube, ich habe eine vielversprechende Idee!“, meldete sich der Strigoi wieder zu Wort. „Ja? Schieß los, Shade!“, forderte ihn Angela neugierig auf und klammerte sich förmlich an seinen Arm auf ihrer Seite fest, auf dem er sich abstützte. „Es ist doch ganz einfach: Wenn wir nicht hinein kommen können, dann müssen die eben hinaus kommen!“, schilderte Shade seine Idee. In gespielter Fassungslosigkeit schlug ich mir mit der flachen Hand gegen die Stirn. „Mein Gott, was für ein brillanter Plan, echt! Warum ist mir das nicht eingefallen? So machen wir es, wir klingeln einfach mal durch und sagen so etwas wie: Hey, Leute! Wie wärs, wenn ihr mal die Gefangenen herauslässt, am besten gleich nach Magie sortiert, dann wären wir euch echt dankbar! Dann schlendern wir ein Liedchen pfeifend da hinunter und suchen uns einen passenden Kandidaten aus und lassen den Wächtern noch ein kleines Präsent da, für ihre Hilfe!“, rief ich aus und sah Augenrollend zu dem Strigoi hinüber. Wut funkelte mir aus dessen Augen entgegen, als er mich mit seinem stechenden Blick fixierte. „Dein Sarkasmus ist nicht gerade hilfreich!“, beschwerte er sich. „Deine dumme Idee auch nicht!“, hielt ich dagegen. „Meine Idee ist aber nicht dumm, nur weil du mir keine Zeit gegeben hast sie zu erläutern!“ In einer entschuldigenden Geste breitete ich die Arme seitlich aus, was nicht ganz so einfach war, da ich ja auf dem Bauch lag. „Oh, verzeih mir, bitte! Dann weih uns mal in deinen genialen Plan ein, Hannibal Smith!“ Einen kurzen Moment starrte mich Shade noch an und ich bekam das mulmige Gefühl, dass er gerade am Überlegen war, wie er mir am qualvollsten den Hals umdrehen konnte. Doch dann schaute er wieder weg und widmete seine Aufmerksamkeit wieder dem Gefängnis. „Also... Ihr hab sicher die Zuggleise gesehen, die über dem Gelände verlaufen, oder?“, fragte er rhetorisch, denn diese Dinger konnte man nur schwerlich übersehen! „Über diese Gleise wird das Gefängnis versorgt und sicher dienen sie auch im Falle einer Verlegung, zum Beispiel bei einer Evakuierung, auch dazu die Insassen abzutransportieren!“, fuhr der Strigoi fort. Grübelnd fuhr ich mir mit der Zunge über die trockenen Lippen und ließ mir die Worte noch einmal durch den Kopf gingen. Leider musste ich feststellen, dass sie mir durchaus gefiel. „Ja...Das könnte vielleicht funktionieren...“, brachte ich schweren Herzens über die Lippen. Schafften wir es, dass man das Gefängnis evakuierte, hätten wir eine Chance in den Zug einzudringen! Klar, dieser würde sicherlich schwer bewacht sein, doch es war einfacher in einen Zug zu gelangen, als in eine unterirdische Festung, umgeben von Zäunen und Zaubern. „Und wie sorgen wir dafür, dass sie das Gefängnis evakuieren?“, stellte Angela die entscheidende Frage, die auch mich gerade beschäftigte. Vielleicht durch einen Angriff?, überlegte ich, verwarf den Einfall aber wieder sofort, denn wir waren einfach nicht genug für einen Scheinangriff und einen Zugüberfall! „Wir brauchen also etwas, was gefährlich genug ist, dass sie evakuieren müssen, aber nicht zu auffällig, dass es Verdacht erregt. Es muss einfach genug sein, dass wir es in wenigen Tagen und zu dritt durchziehen können, aber immer noch genug Wumms hat, dass es auch wirkt...“, murmelte ich laut vor mir her. Erst fiel mir nichts ein, doch dann kam mir ein Geistesblitz und ich hob das Fernglas wieder an, um es neu auszurichten. Das wäre doch ein lohnendes Ziel!, stellte ich mir vor und sah zu dem hohen Turm der Müllverbrennungsanlage im Norden, zu der offiziell das Gelände des Gefängnisses gehörte. „Was wäre denn, wenn einige Explosionen...“, fing ich an. „Ha, ha, Explosionen!“, schrie Angela freudig auf und fing an zu kichern. Ich ignorierte diesen Einwand einfach und redete weiter. „...in der Verbrennungsanlage stattfinden würden? Sicherlich gibt es einen Evakuierungsplan für das Gefängnis!“ „Davon kannst du ausgehen!“, stimmte mir Shade überraschend zu. „Sehr schön!“, klatschte die Moroi in ihre kleinen Hände. „Wir haben einen Plan, es gibt Explosionen, was braucht es denn mehr, um glücklich zu sein?“, fragte sie in die Runde. Darüber musste ich einfach lachen und sah die Moroi Kopf schüttelnd an. „Naja, ein wenig Ausrüstung werden wir schon brauchen!“, meinte ich. „Ja, zum Beispiel Sprengstoff, Waffen, Kleidung, Funkgeräte und eine Fluchtmöglichkeit...“, fügte Shade hinzu. Bei dem Wort Waffen schreckte ich alarmiert hoch. „Nur damit es klar ist, ich werde keinen der Wächter töten!“ Es reichte mir schon, dass man mich wegen eines Mordes verurteilt hatte und suchte, den ich nicht einmal begangen hatte, da musste ich den Leuten nicht auch noch einen richtigen Grund dazu geben! Der Strigoi zuckte nur gleichgültig mit den Schultern. „Macht nichts, ich habe diese Hemmungen nicht!“ „Dann bin ich nicht dabei!“, machte ich deutlich. „Hmm...“, Angela blickte von Shade zu mir und wieder zurück. „Mir gefällt es auch nicht unbedingt, Leute umzubringen... Also...?“ Sie sah Shade mit hochgezogenen Augenbrauen an und dieser seufzte nach einer Weile und nickte leicht mit dem Kopf. „Na schön, dann sehe ich mal, was ich an nicht tödlichen Waffen auftreiben kann!“, gab er nach und ich grinste ihn triumphierend an. „Dann bereiten wir uns mal vor!“, sprach Angela aufgeregt und krabbelte von der Anhöhe hinunter.

Zwei Tage später, in der Dunkelheit

„Bist du sicher, das eine Ladung reicht? Ich finde, wir sollten noch ein paar mehr anbringen, nur um sicher zu gehen!“, meinte Angela mit einem fast schon wahnhaften Glanz in den Augen. Okay, du bringst ganz sicher keine Ladungen mehr an, Kleine!, dachte ich mir und schob die gierigen Pfoten zur Seite, die schon halb in meiner Tasche waren. „Nein, eine Ladung reicht völlig aus!“, erwiderte ich. „Och, meno!“, rief die Moroi enttäuscht aus und zog eine beleidigte Schnute. „Du wirst es verkraften!“, sagte ich und klopfte ihr wohlwollend auf den Rücken. „Und nun weiter zur nächsten Position!“ Geduckt schlichen wir durch die großen Sonnenkollektoren der Müllverbrennungsanlage und suchten die nächste Stelle, an der wir eine Sprengladung anbringen wollten. In den letzten zwei Tagen hatten wir uns intensiv auf den Überfall des Zugs mit den Insassen des Gefängnisses vorbereitet und hatten einen soliden Plan aufgestellt. Aber noch immer wusste ich nicht, ob ich begeistert oder eher alarmiert sein sollte über die Schnelligkeit und den Eifer, mit denen sowohl Angela als auch Shade bei der Sache gewesen waren. Binnen vierundzwanzig Stunden hatte der Strigoi von Gott weiß woher Waffen aufgetan, während die Kleine ein glückliches Händchen für Sprengstoff offenbart hatte. So ungefähr müssen die beiden auch auf den Königshof vorgegangen sein!, vermutete ich stark. Die zwei Gestalten wirkten zwar komisch, doch langsam dämmerte mir, dass sie bei weitem nicht so harmlos und konfus waren, wie ich gedacht hatte. Als ich an den großen Schacht der Lüftungsanlage angekommen war, holte ich den nächsten Packen Plastiksprengstoff heraus und wog ihn in der Hand. Es waren nur kleine Sprengsätze, die einen Unfall in der Anlage simulieren sollten, ohne dass gleich die ganze Welt wusste, dass jemand Sprengstoff deponiert hatte. Ich verstaute die Ladung in dem Schacht, drückte auf den Knopf und prüfte dann, ob die rote LED angegangen war, welche die Funkverbindung anzeigte. Jepp, alles in Ordnung! Wieder griff ich in die Umhängetasche, die über meiner Schulter baumelte und holte noch etwas hervor. Dieses Mal war es ein Glaszylinder mit einer bräunlichen, milchigen Flüssigkeit. Schon wollte ich sie zu der Bombe packen, doch als ich Angelas enttäuschtes Gesicht sah, seufzte ich innerlich auf und hielt ihr den Zylinder hin. „Versteck du ihn!“, forderte ich die Kleine auf, welche mir den Behälter mir einem glücklichen Quieken aus den Händen riss und sofort eine geeignete Stelle suchte. „Hey, alles klar bei euch? Ich habe alle Ladungen platziert!“, kam es durch den Funk von Shade. Ich drückte den Knopf an meiner Schulter, welcher mein Kehlkopfmikro aktivierte. „Ja, wir haben auch die letzte angebracht! Sind gleich auf den Weg zum Treffpunkt!“, erwiderte ich. „Komm schon, Angela! Wir müssen los!“, rief ich der Moroi zu. „Okay!“, meinte diese leise und folgte mir dann wieder zurück. Es war nicht schwierig gewesen das Gelände der Verbrennungsanlage zu infiltrierten, da es keinen Zaun und kaum Wachen gab. Wahrscheinlich glauben sie sich sicher, dachte ich, aber da ich mir kaum vorstellen konnte, wer eine Müllverbrennungsanlage mitten in einer Wüste angreifen sollte, hatten sie vermutlich auch Recht. Immerhin kam uns der Mangel an Sicherheitseinrichtungen zu Gute und wir konnten unbehelligt wieder abhauen. Einen Kilometer außerhalb der Kollektoren wartete schon der Strigoi am vereinbarten Treffpunkt auf uns. Zusammen schlichen wir über den nächsten Hügel, stiegen in den Pick-Up ein, den wir uns extra für diese Mission geholt hatten und fuhren los. „Wie lange noch?“, fragte ich Shade und sah auf meine Armbanduhr. „Keine dreißig Minuten mehr, dann sollte die nächste Fuhre Müll vorbereitet werden!“, antwortete er. Unser Plan war es, den Ablauf der Anlage zu sabotieren und den Leuten dort vorzugaukeln, dass ein Unfall passiert war, der giftige Gase aussonderte, damit sie sich gezwungen sahen, die Anlage und das nahe Gefängnis zu evakuieren. Um das aber zu erreichen, hatten die beiden mir erst mehr über die eigentliche Funktion der Müllverbrennungsanlage erzählen müssen. Laut Angela war das Prinzip ziemlich simpel: Man schickte Müll, den man nicht ohne weiteres entsorgen konnte, zu dieser Anlage, wo er sortiert und vorbereitet wurde. Die Moroi, die dort arbeiteten, trennten die gefährlichsten Stoffe mit Hilfe ihrer Magie in nicht ganz so gefährliche Stoffe auf, die dann in die Spitze des Turms gefahren wurden. Dieser Turm, der Mittelpunkt der Anlage, sammelte die konzentrierte Hitze der Sonne, welche durch die Tausenden halbrunden Kollektoren, riesige metallene Spiegel im Grunde, reflektiert wurden. So verdampfte der Müll zu harmlosen Gasen. Diesen Verbrennungsprozess würden wir nun etwas... modifizieren und einige reizende Gase ausschicken, damit jeder dachte, es würden giftige Dämpfe austreten. So weit zu mindestens unser Plan...
Wir erreichten die Anhöhe, wo wir schon das letzte Mal auf der Lauer gelegt hatten und stiegen aus. Nur noch wenige Minuten bis zur nächsten Fuhre, die verbrannt werden sollte und ich starrte gebahnt auf meine Uhr. Shade gesellte sich neben mich, sodass wir uns ungestört unterhalten konnten. „Ich finde, du solltest Angela den Auslöser geben, das würde ihr gefallen!“, flüsterte er mir zu und ich hob überrascht meinen Blick. Ich hätte nicht gedacht, dass sich ein Strigoi um so etwas scheren würde! „Ja, das würde es bestimmt!“, meinte ich unsicher und sah dann zu dem Mädchen, welches zur Anlage blickte, als hätte sie allein mit der Kraft ihres Willens die Ladungen zünden wollen. Sie hat es sich verdient, dachte ich schließlich und ging dann zu ihr hinüber. „Hey, Angela! Ich finde, als unsere Team-Chefin solltest du den Auslöser betätigen!“, sagte ich zu ihr und hielt ihr den schwarzen Kasten mit dem Zünder hin. „Was? Wirklich?“, fragte Angela mit großen Augen. Ich nickte aufmunternd und mit ehrfurchtsvollem Gesicht, als wäre es der heilige Gral, nahm sie den Zünder entgegen. „Jeder Zeit, Angela!“, rief ihr Shade zu und die Kleine nickte. „Danke!“, hauchte sie noch, bevor sie sich wieder der Anlage zu wandte und dann den Knopf drückte. Ich holte mein Fernglas hervor, und sah noch rechtzeitig, wie eine kleine Explosion bei den Kollektoren auftrat. Nicht viel später gab es zwei weitere Detonationen, als hätte es eine Kettenreaktion gegeben und schwarzer Rauch stieg auf. Hoffen wir mal, dass es reicht!, dachte ich, als ich kleine schwarze Punkte sah, die wie Ameisen hin und her liefen. „Sie sollten bald die Sirene anschalten!“, meinte Shade, der ebenfalls zu der Anlage schaute. Wir hatten aus den Unterlagen, die ich gestohlen hatte, entnommen, dass es einen Alarm gab, den man auslöste, wenn an der Müllverbrennungsanlage ein Zwischenfall auftrat, der eine großflächige Räumung der Umgebung nach sich zog. Doch bisher war nichts zu hören. „Es funktioniert nicht! Wir hätten doch noch mehr Ladungen nehmen sollen!“, meinte Angela besserwisserisch und drückte wie im Traum mehrmals den Auslöser in ihrer Hand, obwohl es keine Bomben mehr gab, die sie hätte hoch gehen lassen können. Normaler Weise hätte ich mir über diesen Anblick Sorgen gemacht, doch im Moment fieberte ich mehr unserem Plan hinterher, der kurz davor stand zu scheitern. „Kommt schon! Gebt endlich das Zeichen! Ihr schafft das doch nicht!“, flehte ich und schaute weiter auf das Szenario bei der Anlage. Zehn qualvolle Minuten tat sich nichts, doch dann erklang das schrille Heulen einer Sirene. „Ja, verdammt!“, rief ich erleichtert und erfreut zu gleich aus und reckte die Faust in die Luft. Auch Angela jubelte, während Shade einfach nur dastand. „Gut, dann zum nächsten Punkt unseres Plans!“, meinte er und ging zurück zum Wagen. Angela und ich folgten ihm und holten erst unsere Sachen von der Ladefläche, bevor wir wieder einstiegen. Ich fühle mich ein bisschen wie bei einem S.W.A.T-Team oder einer anderen Spezialeinheit!, dachte ich, als ich meine Ausrüstung ein letztes Mal checkte. Da wir nur zu dritt waren und nicht genau wussten, was uns alles in diesem Zug erwartete, der bald losrollen würde, hatten wir alles mögliche an Zeug dabei. Wir alle drei trugen die schwarzen Klamotten, die wir hatten, festes Schuhwerk, Kugelsichere Westen und weitere Schutzausrüstung. Gedankenverloren ging ich die Taschen an meiner Weste ab und prägte mir die Sachen dort ein, während auf meinem Schoß mein Rucksack lag, an dem der große Bolzenschneider befestigt war. Als Waffen hatte der Strigoi zwei Pumpguns besorgt, die mit Gummigeschossen geladen waren und zwei Luftpistolen, die mit ihren CO2-Kartuschen Betäubungsmuniton verschossen. Angela hatten wir keine Waffe in die Hand gedrückt, da wir es schon für gefährlich genug hielten, dass sie überhaupt mit dabei war. Da wollten wir nicht auch noch das Risiko eingehen, dass ein vierzehn jähriges Mädchen wild durch die Gegend ballerte, selbst wenn es nicht tödliche Geschosse waren. Wir hielten in einer tiefen Senke an, die dicht bei den Bahnschienen lag, und warteten. Es würde eine Zeit dauern, bis man das Gefängnis evakuiert hatte und der Zug losfahren würde, aber bis dahin waren wir bereit. Tatsächlich dauerte es keine halbe Stunde, da hörten wir schon das Rattern des nahenden Zuges. „Die haben sich wirklich beeilt!“, meinte ich und Shade neben mir nickte, während er im Seitenspiegel die Eisenbahn beobachtete. Als die Lok und die ersten Waggons an uns vorbei rasten, rief der Strigoi: „Haltet euch fest!“, und gab Gas. Wir wurden ordentlich durchgerüttelt, weil wir ja durch offenes Gelände und nicht auf einer asphaltierten Straße unterwegs waren. So dicht wie möglich brachte Shade den Pick-Up an die metallenen Waggons heran und versuchte mit der Geschwindigkeit des Zug mitzuhalten, doch immer mehr Teile des Zuges schnellten an uns vorbei und das Ende der Reihe kam in Sicht. „Schneller, Shade!“, rief ihm Angela zu. „Ach, echt?“, ließ sich dieser zu einem gereizten Kommentar hinreißen und machte einen weiteren Schwenker an die Waggons heran. „Macht euch bereit!“, forderte er uns zwei auf und sofort kroch ich nach hinten zu Angela. Von dort aus, klappte ich das Fenster an der Rückseite der Fahrerkabine herunter, sodass wir nach hinten auf die Ladefläche klettern konnten. „Halt dich bloß fest“, wies ich die Moroi an, als ich auf den wackligen Untergrund angekommen war und ihr half zu mir zu gelangen. Gemeinsam kauerten wir uns dort hin und versuchten nicht vom Fahrzeug geworfen zu werden. Immer wieder sah ich zu Shade, der gerade dabei war Lenkrad und Gaspedal zu fixieren, sodass der Wagen weiterhin mit Vollgas geradeaus fuhr. Dann öffnete er die Fahrertür und hangelte sich zu uns hinüber. „Bereit?“, fragte er gegen den Fahrtwind und das Rauschen des Zuges, doch er gab uns keine wirkliche Chance zu antworten, da packte er Angela und mich schon am Kragen und sprang. Er machte einen gewaltigen Satz in die Höhe und schoss dann auf das Dach des Zuges zu. „Upf!“, machte ich, als ich auf das Blechdach aufschlug und versuchte irgendwo Halt zu finden. Meine Finger krallten sich in eine schmale Ritze und ich biss die Zähne zusammen, als ich mich allein mit der Kraft meiner Arme hochzog. Neben mit rutschte Angela ab und drohte zu fallen, doch als ich oben war und genug Halt gefunden hatte, griff ich nach ihr und erwischte sie an ihrem Mantel. „Hab dich!“, rief ich ihr zu und zog sie hoch. „Danke!“, sagte sie mit vor Angst geweiteten Augen und klammerte sich an einer Strebe fest. Man sah ihr an, dass es ihr keinen Spaß machte. Mir hingegen gefiel der Adrenalinschub, der mein Blut förmlich zum Kochen brachte und ich strotze nur so vor Energie. Wir befanden uns am des Endes des Zuges, was Teil unseres Plans war. Wir hatten angenommen, dass die Waggons mit den Gefängnisinsassen weiter hinter wären und hatten uns deshalb auf diesen Teils des Zugs konzentriert. „Da vorne ist eine Luke!“, meinte Shade, der es ebenfalls aufs Dach geschafft hatte und wies auf eine Stelle, zwei Waggons weiter vorne. „Okay!“, erwiderte ich laut, weil ich kaum meine eigenen Gedanken hören konnte, bei diesem Lärm, der hier oben herrschte. Geduckt hielten wir auf die Luke zu, die ins Innere des Zugs führte. Wir bezogen an beiden Seiten des Einstiegs Position und während Shade sich anschickte die Luke zu öffnen, zog ich eine der Granaten aus meiner Weste und zog den Splint. Auf drei!“, sagte der Strigoi an und fing an zu zählen. „Eins!“ Ich festigte meinen Griff im die Granate. „Zwei!“ Mit angewinkeltem Arm beugte ich mich vor. „Drei!“, rief Shade und riss im selben Moment die Luke nach oben, diese war zwar von innen verriegelt, doch den titanischen Kräften eines Strigois nicht gewachsen gewesen. Als der Deckel aufgerissen wurde, ließ ich die Granate nach unten fallen und sofort schlug Shade die Luke wieder zu. Ein dumpfer Knall ertönte und wir öffneten den Einstieg erneut, dieses Mal sprangen wir aber hinab und sahen uns um. Zwei stöhnende Moroi kauerten am Boden und hielten sich die pfeifenden Ohren. Sie waren vollkommen benommen von der Blendgranate und so hatten wir leichtes Spiel sie zu überwältigen. Einen von ihnen packte Shade am Kragen und zog ihn zu sich heran. „Wo sind die Insassen der Psychiatrie?“, fragte er mit einer Angst einflößenden Stimme. „Ich...ich weiß es nicht... ich arbeite...bei der Anlage...“, stöhnte der Moroi als Antwort hervor und Shade warf den Kerl achtlos bei Seite. „Wir müssen herausfinden, in welchen Waggons sie sind!“, sagte ich das Offensichtliche, doch wir durften nicht viel Zeit damit verschwenden hier herum zu stehen! „Gut, dann gehen wir weiter nach hinten durch und suchen entweder die Zellen oder jemanden, der uns sagen kann, wo sie sind“, schlug der Strigoi vor und ging schon zur hinteren Waggontür. „Ist es nicht besser, wenn wir nach vorne gehen?“, warf ich ein. „Immerhin sind wir schon hinten und es sieht nicht so aus, als wären hier die Gefangenen untergebracht!“ Es war ein berechtigter Einwand fand ich und selbst Shade blieb kurz stehen, um darüber nach zu denken. „Mag sein, aber so haben wir wenigstens eine Seite geklärt und müssen nicht befürchten, dass uns jemand in den Rücken fällt, wenn wir doch nach vorne müssen!“ Damit hatte er auch wieder Recht, also zuckte ich mit den Schultern und hob mein Gewehr mit den Gummigeschossen an. „Dann mal los!“, erwiderte ich und schritt an Angela vorbei, die sich hinter uns halten sollte. Schon lief der Strigoi los und durchquerte den ersten Verbindungsraum zwischen den Waggons. Hier war niemand zu finden, deshalb rannten wir gleich zum
nächsten. Hier hingegen waren einige Leute, unter ihnen auch drei Wächter. Fluchend sprangen diese auf, als wir mit erhobenen Waffen herein stürmten. Einer von ihnen, ein großer Dhampir griff in seine Jacke, um seine Pistole zu ziehen, weshalb ich auf ihn zielte und abdrückte. Die Kugel traf ihn gegen die Brust und schleuderte ihn zurück in seinen Sitz. Währenddessen war Shade mit irrsinnigem Tempo vor geschnellt, hatte den zweiten Wächter niedergeschossen und dann den dritten im Nahkampf angegriffen. Dieser setzte sich zwar zur Wehr, doch es war trotzdem ein recht kurzer Kampf und endete mit einem bewusstlosen Dhampir am Boden. „Hinsetzen!“, schrie ich die Moroi an, die vor Angst aufschreiend wie wilde Hühner durch die Gegend liefen. Eine Frau versuchte durch die Tür nach hinten zu entkommen, doch ich schoss ihr gegen das Bein, sodass sie der Länge nach hinfiel. Es tat mir Leid, dass ich so handeln musste, doch wenn sie es schaffte Alarm zu schlagen, würde diese Aktion sehr schnell zu einer Hetzjagd auf uns werden! „Fessel sie!“, wies ich Angela an, die schon mit Kabelbindern bewaffnet los eilte und unsere Geiseln damit fesselte. „Wo sind die Insassen der Psychiatrie?“, wiederholte ich Shades Frage von vorhin, doch ich sah die selben ratlosen Gesichter, wie eben. Verdammt! Das hier sind alles Angestellte der Müllverbrennungsanlage!, wurde mir klar. Anscheinend hatten wir falsch damit gelegen, dass man die Gefangenen ganz hinten einquartieren würde. Mit etwas Pech müssten wir vielleicht den gesamten Zug durchsuchen! „Sind die Gefangenen ganz vorne eingestiegen?“, wollte ich deshalb wissen, aber niemand antwortete mir, dafür waren sie zu sehr eingeschüchtert. Plötzlich griff Shade nach einer Moroi-Frau und zog diese zu sicher heran. Misstrauisch behielt ich den Strigoi im Blick, damit er nicht auf die Dummheit kam sich einen Imbiss für zwischen durch zu genehmigen, doch er machte etwas ganz anderes. „Wo sind die Gefangenen?“, fragte er sie mit leiser, durch Zwang verstärkter Stimme. Das Zappeln der Frau verebbte sofort und ihr Blick wurde glasig, doch sie antwortete. „Genau weiß ich das nicht, aber sie sind relativ weit vorne eingestiegen, damit sie von den Angestellten getrennt sind!“ Na, prima!, dachte ich genervt. Wie es aussah hatten wir wirklich Pech! Ich gesellte mich zu Shade, der die Frau wieder herunter gelassen hatte. „Was machen wir jetzt? Wir können schlecht einmal durch den gesamten Zug laufen, oder?“, fragte ich flüsternd. „Was bleibt uns denn anderes übrig?“, erwiderte dieser schlecht gelaunt, ihm schien es genauso wenig wie mir zu gefallen, aber was sollten wir schon anderes tun? Aufgeben? Das kam für keinen von uns in Frage! „Dann sollten wir uns aber beeilen!“, drängte Angela neben mir und ich nickte zustimmend. Ja, das sollten wir in der Tat! „Dann wieder zurück!“, gab Shade das Kommando und wir liefen wieder in den Waggon zurück, in dem wir eingestiegen waren. Im nächsten Waggon waren ebenfalls Angestellte der Anlage, die wir sabotiert hatten, doch es waren nur Moroi, sodass wir uns entschieden ihnen einen Schrecken einzujagen und dann einfach weiter zulaufen. Wir hatten ja wohl kaum die Zeit, alle Angestellten zu fesseln, an denen wir noch vorbei kommen würden, von den Kabelbindern gar nicht gesprochen... Erst drei Waggons später stießen wir wieder auf Widerstand, der aber dieses Mal heftig war. Ob die Wächter schon von unserer Ankunft gewusst hatten oder einfach nur verdammt schnell und generell sehr schießwütig waren, konnte ich nicht sagen, aber als Shade die Tür zum Waggon aufriss, knallten die ersten Schüsse und der Strigoi zog sich fluchend wieder in die Deckung des Verbindungsraums zurück. Mehrere Kugeln durchschlugen die Scheibe in der Schiebetür und so drückte ich hastig Angela an die Wand des Ganges und schoss meinerseits durch die Scheibe. Es war ein unfaires Duell, immerhin waren wir nur zwei Schützen mit Gummigeschossen, während mindestens vier Wächter mit echten Kugeln das Feuer erwiderten. „Die versuchen uns zu überrennen!“, rief mir Shade zu, während er weiter schoss. Ich wagte einen schnellen Blick in den Waggon hinein, bevor ich meinen Kopf wieder zurück zog. Fluchend schlug ich gegen die Wand. Shade hatte Recht: Einige der Wächter hatten hinten im Abteil Position bezogen und gaben ihren Kollegen von dort Deckungsfeuer, während diese versuchten näher an die Tür heran zu kommen. „Planänderung!“, sagte ich zu Shade und zeigte nach oben. Der Strigoi folgte meiner Hand und verstand. Er nickte und zückte eine Granate. „Du hast sechzig Sekunden!“, teilte er mir mit, bevor er die Granate durch das Fenster warf. Laute Warnrufe waren zu hören, dann detonierte die Blendgranate. Das wird sie aber nicht lange aufhalten!, wusste ich, denn dafür waren es einfach zu viele Wächter! Ohne ein weiteres Zögern ging ich an Angela vorbei und griff nach oben zur Dachluke. Mit einer Drehung entriegelte ich diese und drückte sie etwas auf. Ich schob mein Gewehr in die Halterung an meinem Rucksack und packte dann die Kante über mir. „Komm schon, Rose!“, feuerte mich Angela unter mir an, was aber echt nicht hilfreich war! Dennoch biss ich die Zähne zusammen und zog mich hoch. Aber als ich oben angekommen war, erfasste mich die Wucht des Fahrtwinds und schleuderte mich nach hinten. Ich purzelte über die Schulter hinweg rückwärts und fing an seitlich vom Dach zu rutschen. Geistesgegenwärtig hakte ich meine Finger in die Strebe am Dach, sodass ich seitlich am Zug hinab baumelte und immer wieder mit meinem gesamten Körper gegen die Wand des Waggons klatschte. Nicht mehr viel Zeit!, dachte ich verzweifelt und versuchte ein Bein so weit hoch zu kriegen, dass ich es über die Kante schwingen konnte, doch beim ersten Versuch rutschte ich mit dem Schuh ab und hing weiter nur an meinem Armen am Zug. Langsam fingen meine Muskeln an zu brennen und ich wusste, dass ich nicht mehr lange durchhalten würde. Trotz besseren Wissens schaute ich nach unten, wo Gleise und Wüstenboden rasant an mir vorbei schossen. Ein Sturz aus der Höhe und bei der Geschwindigkeit würde üble Verletzungen nach sich ziehen! So weit muss es ja nicht kommen!, dachte ich und setzte alles auf eine Karte. Ich ließ meine Beine nach rechts pendeln und nahm Schwung. Dann schwang ich nach links und zog mich gleichzeitig mit den Armen nach oben. Ein Schrei der Anstrengung entfloh meinem Hals und meine Arme protestierten heftig. Schon spürte ich, wie meine Finger von der Strebe abrutschten und gerade als ich dachte, dass ich fallen würde, krallte sich meine Hacke hinter die Kante fest und ich schaffte es, mich hoch zu ziehen. Oben angekommen blieb mir keine Zeit für eine Verschnaufpause, so sehr ich sie auch gerne gehabt hätte, aber ich eilte weiter. Leider besaß der Waggon mit den schießenden Wächtern keine eigene Dachluke, aber ich war noch so benommen von der Anstrengung auf dem Zug zu bleiben, dass mir das egal war. Ich lief auf die linke, hintere Seite des Dachs zu, ließ mich zum Schluss einfach nach hinten fallen und drehte mich im Sprung zur Seite, sodass ich abermals mit den Händen nach der Strebe greifen konnte. Dieses Mal aber winkelte ich beide Füße an und zielte auf das Fenster unter mir. Laut krachend zerbarst das Glas in tausend kleine Stücke und ich purzelte ins Innere des Waggons. Meine Hechtrolle gelang mir nicht ganz und ich schlug schwer gegen die Sitzreihe gegenüber ein. Aber während mir der Kopf brummte und ich nur verschwommen sehen konnte, zückte ich die Pumpgun und schoss auf die Schemen vor mir. Zwei von ihnen erwischte ich, dann klackte mein Gewehr nur noch, als ich den Abzug betätigte. Leer!, registrierte ich. Schon prasselten die ersten Salven der Wächter weiter vorne auf mich ein, die bemerkt hatten, dass jemand ihre Kameraden hinter ihnen ausgeschaltet hatte. Da ich mit dem Rücken halb auf dem Boden mitten im Gang lag, trat ich gegen die Halterung des Sitzes vor und drückte mich davon ab, um nach hinten in die Deckung der anderen Sitzreihe zu rollen. Beulen formten sich in dem Blech neben meinem Gesicht, als die Kugeln dort einschlugen und ich zog automatisch den Kopf ein. Meine Pumpgun fallen lassend, zog die Pistole mit der Betäubungsmunition und wartete auf meine Gelegenheit. Als das Feuer auf mich kurz nachließ, witterte ich diese und kam hoch. Nur noch drei Wächter standen zwischen den Sitzplätzen und während einer von denen nach vorne auf Shade schoss, hatten sich die anderen beiden mit zu gewandt. Den ersten erwischte ich am Hals und während dieser noch nach dem kleinen Pfeil in seinem Körper schlug, als wäre es nur eine lästige Mücke, sackte er schon mit sich verdrehenden Augen zusammen. Der andere aber hob seine Waffe und zielte auf mich, das Gesicht vor Wut über seinen nieder gestreckten Kameraden verzehrt. Doch er kam nicht zum Schuss, denn Shade sprang ihn von hinten an und brachte ihn so aus dem Gleichgewicht. Ich nutze die Chance und schoss einen weiteren Pfeil ab, der ebenfalls traf. nach Luft ringend stand ich auf und besah mir das Resultat dieses Kampfes an. Sechs Wächter hatten wir ausgeschaltet und lagen nun stöhnend oder bewusstlos am Boden. Ich griff nach meinem Gewehr, zog den Hebel für die Ladeöffnung nach hinten und öffnete dann die entsprechende Westentasche mit der Ersatzmunition, um nachzuladen. Indes fesselten Angela und Shade die besiegten Dhampire und kamen dann zu mir hinüber. „Du hast ganz schön auf dich warten lassen!“, hielt mir der Strigoi gleich meine Verspätung unter die Nase. Ich schnaubte nur verächtlich. „Das nächste Mal lasse ich dir gerne den
Vortritt!“, erwiderte ich und machte einen Schritt zur Seite, damit Shade an mir vorbei konnte. „Du sahst voll cool aus!“, ereiferte sich Angela, als sie an der Reihe war und ich lächelte ihr müde, aber dankbar zu. Wenigstens eine, die meinen Einsatz zu schätzen weiß! Wir liefen weiter und zum Glück war der nächste Waggon wieder leer. Aber als es weiter gehen sollte, stoppte ich den Strigoi und hielt ihn zurück. „So kann das nicht weitergehen! Wenn wir uns noch zwanzig weitere Waggons vorkämpfen müssen, gehen uns irgendwann Puste und Munition aus!“, machte ich klar. Shade verzog das Gesicht, aber auch er sah ein, dass wir etwas ändern mussten. „Was schlägst du vor?“, fragte er mich nach meiner Meinung. „Ich denke, dass es besser wäre, wenn wir wieder aufs Dach gehen und von dort aus nach vorne laufen!“, legte ich meinen Plan dar. „Zwischendurch können wir ja mal gucken, ob da Zellen sind und wenn wir welche gefunden haben, trennen wir den hinteren Teil des Zugs ab, dann sind wir hoffentlich einen Großteil der Wächter los!“ „Gar kein schlechter Plan...“, musste Shade gestehen. „Na, dann! Los gehts!“, rief eine begeisterte Moroi aus und hopste zurück zur Luke, während wir anderen hinterher trotteten. Hoffentlich sind wir hier bald fertig!, dachte ich noch, als ich der Kleinen half hinauf zu klettern, denn lange würden wir das hier nicht mehr durchhalten!
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