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Vampire Academy- In Liebe entzweit

von Alvadas
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Rosemarie "Rose" Hathaway
08.09.2019
10.11.2019
21
116.485
6
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08.09.2019 6.370
 
Kapitel 2

Ich lag auf meiner Pritsche und ließ meine Gedanken schweifen. Hoffentlich fanden die anderen bald etwas, was meine Unschuld bewies, denn ich wusste nicht, wie lange ich es hier noch aushalten konnte, bevor ich an Langeweile starb, wenn nicht das Todesurteil, welches mich erwartete, mir vorher den Garaus machte! „Ich bin unschuldig!“, murmelte ich vor mir her, um wenigstens eine Stimme zu hören, selbst wenn es nur meine eigene war! Abe hatte sich ebenfalls heute noch nicht blicken lassen, wie den Rest der Woche auch, ob das nun hieß, dass er zu beschäftigt war, um mich zu besuchen, oder ob er das sinkende Schiff verlassen hatte, konnte ich nicht sagen. Mein einziger Kontakt zur Außenwelt war das Band zu Lissa, doch ich fürchtete mich davor es entlang zu gehen und in die Gedankenwelt meiner Freundin einzutauchen. Ich hatte Angst, dass es nichts Gutes zu sehen gab, hinsichtlich meiner Gerichtsverhandlung oder schlimmer noch, dass ich dort entdeckte, dass auch Lissa nicht an meine Unschuld dachte. „Reiß dich zusammen, Rose!“, schalte ich mich selbst. Wenn ich nicht an Lissa glaubte, wie sollte sie dann an mich glauben? Sie war meine beste Freundin und natürlich wusste sie, dass ich Königin Tatiana nicht ermordet hatte. Seufzend streckte ich mich so gut es ging auf der kalten Metall-Liege und versuchte eine angenehme Position zu finden, doch dafür waren diese Unterlagen augenscheinlich nicht ausgelegt. Plötzlich flammte eine Aufregung durch das Band in mich hinein und ich wurde in Lissa hineingezogen. Die Gefängniszelle verblasste und wurde durch einen weiten Hof ersetzt, den ich auf den zweiten Blick als den Platz vor der Kirche hier am Königshof entdeckte. Lissa befand sich dort zusammen mit Christian und waren wohl gerade auf dem Weg zum Gottesdienst gewesen, als sie irgendetwas erschreckt hatte. „Bleib in Deckung, Lissa!“, rief Christian ihr besorgt zu und hielt sie unten. Ich konnte Lissas Angst spüren und ihr Herz, welches vor Aufregung viel zu schnell schlug. Um die beiden herum herrschte das totale Chaos und als ich Lissas Erinnerungen nach einer Ursache durch kramte, fand ich eine Szene, in der ein lauter Knall und ein Feuerball zu sehen war. „Christian, was ist hier los?“, fragte Lissa entsetzt und klammerte sich an den Moroi fest. „Ich glaube irgendetwas ist explodiert!“, sagte dieser und im selben Moment gab es einen weiteren lauten Knall und eine Statue einer ehemaligen Königin wurde in tausend Teile gesprengt. Überall flogen Steintrümmer umher, doch zum Glück waren die meisten so klein, dass sie keinen ernsthaften Schaden verursachten. Dennoch war die Aufruhr groß, als die Moroi schreiend umher liefen und die Wächter ihr Bestes versuchten, die Ordnung aufrecht zuhalten und gleichzeitig die Moroi zu beschützen, auch wenn sie selbst wohl nicht wussten, wovor. Was geht da vor?, fragte ich mich und versuchte soviel Informationen aus Lissas Gedächtnis zu filtern, während ich ihr gleichzeitig einen Teil ihrer Angst nahm. Sie sollte wenigsten spüren, dass ich bei ihr war. Plötzlich vernahm ich ein lautes Scheppern und ich war verwirrt, als Lissa mal so gar nicht auf das laute Geräusch reagierte. Erst langsam wurde mir klar, dass dieses Geräusch gar nicht bei ihr, sondern bei mir sein musste und ich riss mich unwillig von Lissa los, um in meine Realität zurück zukehren. Ein flaues Gefühl kitzelte meine Magenwand, was vermutlich an meinem entsetzlichen Hunger lag, da mein Essen noch nicht gekommen war. Hört sich aber nicht so an, als würde es unterwegs sein!, dachte ich und lauschte angestrengt in die Welt außerhalb meiner Zelle hinein. Wieder ertönte dieses Scheppern, als würde jemand gegen etwas festes schlagen. Dann kam noch ein Scheppern, worauf ein schrilles Quietschen erklang, das gewisse Ähnlichkeit mit sich verbiegendem Metall hatte. „Haltet sie auf!“, hörte ich einer der Wächter hier im Gefängnis hören. Neugierig spähte ich durch die Gitterstäbe in den Flur dahinter hinein, doch ich konnte nichts erkennen. Dann hörte ich Kampfgeräusche und einen Schrei, einer der Wächter wurde in den Flur hinein geschleudert, erhob sich aber sofort, um sich dem unbekannten Eindringling zu stellen. Dimitri, dachte ich im ersten Moment und hoffte, dass er gekommen war, um mich zu befreien, doch es war nicht der ehemalige Wächter, der in den Flur trat. Es war eine Gestalt, die in einem kurzen, aber weiten, schwarzen Mantel gekleidet war. Die Kapuze war tief ins Gesicht gezogen und dazu hatte sie noch eine schwarze Hose, dunkle, hohe Stiefel und Handschuhe an. Alles in allem war es keine freundliche Erscheinung, was noch dazu unterstrichen wurde, dass sie einfach nur da stand und nichts sagte. Der Wächter indes rannte auf die Gestalt zu und schlug danach. Ich konnte gar nicht so schnell zugucken, wie die Gestalt zur Seite auswich und dem Wächter einen saftigen Hieb in den Bauch gab, danach folgten noch zwei weitere Schläge, der den Wächter zu Boden gehen ließ. Mit einem Tritt des dunklen Stiefels, ließ der Fremde den Wächter über den Boden schlittern, wo der Dhampir bewegungslos liegen blieb. Ist er tot?, fragte ich mich und hoffte, dass es nicht so war. Die dunkle Gestalt kam nun langsam zu meiner Zelle und als sie direkt davor stand, drehte sie sich langsam zu mir und ich machte erschrocken einen Schritt zurück von den Gitterstäben, denn es war kein Gesicht, welches mir entgegen blickte, sondern eine Maske! Es war eine ovale Maske, die das ganze Gesicht verdeckte und nur zwei schmale Schlitze für die Augen ließ. Das Ding sah wirklich nicht einladen aus, fand ich, denn sie war vom Grundton weiß und nur um die Augen herum waren zwei geschwungene Streifen in einem tiefen Rot, das aussah wie frisches Blut. Jeweils ein weiterer Streifen dieser Farbe lief von den inneren Augenwinkeln über die Wangen der Maske hinab, als wären sie von blutigen Tränen gezogen worden. „Wer bist du?“, fragte ich nervös nach und war zum ersten Mal froh, dass ich in dieser Zelle hockte, wo mich massive Metallstäbe von dieser Gestalt trennten. Ich sah zu dem am Boden liegenden Wächter und schluckte. Natürlich hielt ich mich für eine gute Kämpferin, doch so wie dieser Dhampir fertig gemacht worden war, gab ich mir selbst keine große Chance gegen diesen Typ. Die Gestalt blieb weiterhin stumm, bewegte sich nicht einmal, sondern stand nur mit seitlich am Körper herabhängenden Armen da und starrte mich durch diese Maske an. Nun waren Schritte zu hören, die sich näherten und ein junges Mädchen gesellte sich zu der dunklen Gestalt. Es war eine Moroi, die ich nicht viel älter als vierzehn schätzte. Sie trug einen ähnlichen schwarzen Mantel wie der andere Kerl, auch wenn sie darin deutlich freundlicher aussah. Generell machte das Mädchen einen netten Eindruck. Es war schlank, wie so viele Moroi, und bleich. Es hatte rötliches Haar, welches sich lockig kringelte und von einem rosa Haarreif zurückgehalten wurde. Unter dem Mantel trug es ein Kleid oder zu mindestens einen Rock, der farblich zum Haarreif passte. Furchtlos hopste das Mädchen zur Zelle und klatschte freudig in die Hände. „Hast du die Explosionen gesehen, Shade? Das hat richtig Spaß gemacht! So etwas sollten wir öfters machen!“, rief die Kleine vergnügt und wandte sich dann mir zu. Als ihre grau-blauen Augen mich sahen, weiteten sich diese entzückt. „Oh, das ist sie, das ist sie, Shade! Du hast sie gefunden, super!“ Wieder klatschte sie in die Hände und trat dann ganz dicht an die Zellen, um mich zu mustern. „Boa! Du musst mir unbedingt zeigen, wie du dein Haar so seidig glatt hinkriegst!“, meinte sie erstaunt. „Äh, wie wärs, wenn du mir erst einmal sagst, wer du bist und wer“, ich deutete auf die Gestalt, die sich immer noch keinen Millimeter bewegt hatte. „Das da ist!“, meinte ich vorsichtig. „Gut das du das fragst!“, sagte die Kleine und kramte etwas unter ihrem Mantel hervor. Mit einer Mischung aus Entsetzen und Verblüffung sah ich zu, wie das Mädchen sie einen Satz Plastik-Feenflügel auf den Rücken setzte, einen rosa Feenstab zückte und dann wie eine Ballerina eine Drehung auf den Zehenspitzen vollführte. „Ich bin eine gute Fee und du hast einen Wunsch frei!“, verkündete sie mir lachend und hielt wieder vor mir an. OKAY, dachte ich überfordert und sah von dem offensichtlich verrückten Mädchen zu der Gestalt und wieder zurück. „Und wer ist das da? Deine böse Stiefschwester?“, wollte ich wissen. Das Mädchen lachte sich fast schlapp über meine Worte. „Nein, das ist doch nicht meine Schwester! Also echt, Rosie! Du bist mir ja eine Verrückte!“, kicherte sie. „Nein, das ist so etwas wie der olle Knecht Ruprecht, der die bösen Kinder vermöbelt!“, erklärte sie mir grinsend. Ich musste mehrmals blinzeln, dann kniff ich mir zur Sicherheit in den Arm. „Aua!“, rief ich aus und rieb mir die schmerzende Stelle am Arm. Die beiden standen immer noch vor meiner Zelle, was bedeutete, dass ich schon einmal nicht träumte. Vielleicht hatte ich ja den Verstand verloren? Das war die einzig logische Erklärung. Das Mädchen schlug ungeduldig ihren Feenstab in die frei Handfläche. „Also, Rosie. Dein Wunsch...“, erinnerte sie mich. Ich war mir nicht sicher, ob ich von denen etwas haben wollte, also sagte ich einfach: „Ihr könntet gehen, das würde mir schon sehr helfen!“ Wieder lachte das Mädchen, als ob ich einen Witz gemacht hatte, was aber nicht der Fall gewesen war. „Nein, das ist nicht dein Wunsch, Rosie!“, sagte sie mit schüttelndem Kopf. „Könntest du bitte aufhören mich Rosie zu nennen?“, bat ich sie, doch sie ging nicht darauf ein. „Also, ich denke, dass
dein sehnlichster Wunsch ist, hier heraus zu kommen und dieser Wunsch soll nun in Erfüllung gehen!“, verkündete sie feierlich, griff mit der freien Hand in ihre Manteltasche und holte eine Handvoll Glitzerstaub heraus, den Sie mir durch die Gitterstäbe hindurch ins Gesicht blieb, sodass ich hustend mit den Händen vor meinen Augen wedelte, um das Zeug los zu werden. So sah ich auch nicht, wie die Gestalt aus ihrer Starre erwachte, an die Stäbe herantraust und diese aufbog, als wären sie Gummi und nicht aus verstärktem Stahl. „Tada!“, rief das Mädchen und winkte mich auffordernd zu sich. „Danke, aber ich glaube, ich bleibe lieber hier!“, winkte ich ab. „Bist du dir sicher, Rosenella? Immerhin erwartet dich morgen das Richtschwert!“, meinte das Mädchen und ich zuckte zusammen. „Woher willst du das wissen?“ „Ich sagte doch, dass ich eine gute Fee bin und solche Informationen gehören zum Job einer guten Fee! Also: Was wählt die verschmähte Wächterin? Freiheit oder Tod?“ Ich dachte angestrengt nach, aber wenn es stimmte, was die Kleine sagte, dann lag die Entscheidung auf der Hand, dennoch zögerte ich durch die Lücke der verbogenen Stäbe hindurch zu schreiten. „Was wollt ihr von mir?“, stellte ich die alles entscheidende Frage. „Dies und das, aber vor allem weißt du etwas, was ich auch gerne wissen würde und du kannst mir bei etwas helfen, was ich alleine nicht schaffe!“ Laute Geräusche von Eingang des Gebäudes unterbrachen ihre Ansprache. „Aber könnten wir das vielleicht bei einem leckeren Frühstück besprechen, ja?“, fragte sie mich und lugte den Flur entlang, als erwarte sie jeden Moment Besuch. Bei der Erwähnung von Frühstück knurrte mein Bauch laut auf und das flaue Gefühl wurde stärker. Was hatte ich schon zu verlieren? Ich war schließlich schon eine Verbrecherin in den Augen vieler und lieber unternahm ich selbst etwas, als auf meine Freunde zu hoffen, von denen ich bislang nichts mehr gehört hatte. „Okay, ich komme mit!“, sagte ich entschlossen und schlüpfte aus der Zelle. „Das freut uns!“, jubelte das Mädchen und hopste den Flur wieder zurück. Die Gestalt wartete bis ich ihr folgte, dann kam sie uns hinterher, was mir ein mulmiges Gefühl bescherte, als erwarte man jeden Moment ein Messer im Rücken. Wir stiegen die Treppen hinauf, kamen an dem völlig zerstörtem Eingang zu den Zellen vorbei, von dem das Scheppern und Quietschen von vorhin rühren musste. Dazu schritten wir an vielen bewusstlosen Wächtern vorbei. Ich hoffe, sie sind alle nur bewusstlos!, dachte ich und ging weiter. Goldene Sonnenstrahlen der Abendsonne streiften mein Gesicht und liebkosten meine Haut, doch leider hatte ich keine Zeit dieses Gefühl zu genießen, denn nun im Freien sah ich mich um und erblickte in einiger Ferne eine dichte Staubwolke, die von den genannten Explosionen kommen musste. Plötzlich waren da laute Rufe und ich sah einige Wächter, die auf uns zeigten. „Oh, vielleicht sollten wir uns beeilen!“, schlug das Mädchen vor und rannte los, was mit den Feenflügel auf ihrem Rücken mehr als komisch aussah. Ich folgte der Kleinen und versuchte sie nicht zu überholen, denn auch wenn sie flott unterwegs war, brauchte sie für jeden meiner Schritte zwei. „Da kommt gleich eine Mauer!“, sagte ich und hoffte auf eine Erklärung wie es weitergehen sollte, doch die kam nicht. Stattdessen stellte sich uns auf einmal eine Frau in den Weg, die ich kannte. Es war Mathilda, eine ehemalige Mitschülerin und nun vereidigte Wächterin. Sie riss die Augen auf, als sie mich sah, machte aber keine Anstalten uns vorbei zu lassen, ganz im Gegenteil! Sie streckte die Hände seitlich aus und schrie uns an: „Stehen bleiben!“ Das hatte ich nicht vor, aber ich wollte sie auch nicht verletzen und so hin und her gerissen, was ich tun sollte, sah ich erst zu spät, wie mich die Gestalt in schwarz überholte und auf Mathilda zu hielt. Die Wächterin wandte sich dem Angreifer zu, doch bevor sie ausholen konnte, hatte dieser ihr schon einen Schlag verpasst, der sie gute vier Meter nach hinten katapultierte. Fassungslos sah ich zu Mathilda und dann zur Gestalt. Langsam schwante mir, wer oder was das war, aber das durfte nicht sein! „Komm schon!“, forderte mich das Mädchen auf und ich lief ihr hinterher auf die besagte Mauer zu. Das Mädchen vollführte einen Schwenker mit dem Zauberstab, den sie immer noch hielt und ein Explosion vor uns riss ein gewaltiges Stück der Mauer weg, sodass wir hindurch gehen konnten. „Sesam, öffne dich!“, lachte die Kleine und hopste über die Trümmer hinweg. „Und nun?“, fragte ich leicht außer Atem. Man, ich war wirklich zu lange in dieser Zelle gewesen! „Hast du hier nen fliegenden Teppich herum liegen, oder so?“ „Ne, aber ein Auto!“, sagte die Moroi stolz und zeigte auf den Wagen, der am Straßenrand stand. Wir eilten darauf zu. „Du fährst, Rosevietta!“, meinte sie und warf mir die Schlüssel zu während sie sich auf der Rückbank setzte. Die Gestalt kam nach vorne auf den Beifahrersitz. Schnell riss ich die Wagentür auf, stieg ein und startete den Wagen. Dann drückte ich das Gaspedal bis auf das Bodenblech durch und der Wagen machte einen Satz nach vorne in Richtung Freiheit. Erst jetzt bemerkte ich, dass alle Scheiben des Autos getönt waren, aber da das Mädchen eine Moroi war, war das nichts ungewöhnliches. Doch als die Gestalt neben mir die Maske abnahm und die Kapuze zurück zog, schrie ich auf und machte einen Schlenker mit dem Auto, der uns fast in eine Baum geführt hätte. „Das ist ein Strigoi!“, brüllte ich. „Natürlich ist er das, was sollte er denn sonst sein?“, fragte mich das Mädchen von hinten durch den Rückspiegel. Der Strigoi währenddessen, strich sich die schwarzen Haare nach hinten und sah mich aus seinen rot umränderten Augen an. Er war mehr als bleich und als er seinen Mund öffnete, um zu sprechen, sah ich die langen Reißzähne, die er wohl am liebsten in meinen Hals geschlagen hätte. „Wenn es dir nichts ausmacht, dann guck doch auf die Straße, ja? Ich habe keine Lust euch beide aus einem Autowrack zu zerren!“, sagte er und schaute dann stur gerade aus. „Okay....!“, war mein einziger Kommentar dazu, denn ich musste alle meine Beherrschung bündeln, um nicht laut schreiend aus dem fahrenden Auto zu springen. „Schön, dass ihr beide euch so gut versteht! Ich hatte am Anfang Angst, dass ihr beide an einander geraten würdet!“, sagte die Kleine erleichtert. Ja, wir sind ja auch nur so etwas wie Erzfeinde!, dachte ich und versuchte mich auf den Verkehr zu konzentrieren. „Ach, übrigens, ich bin Angela!“, nannte mir das Mädchen endlich ihren Namen. „Was du dir übrigens ganz leicht merken kannst, wegen meines himmlischen Aussehens und meines engelhaften Gemüts!“, kicherte sie. „Angenehm, ich bin Rose!“, antwortete ich und spähte durch den Spiegel nach hinten. „Das weiß ich doch schon längst, du Dümmerle!“, gab sie zurück. Ich sah wieder nach vorne. Vielleicht war das doch nur ein Traum, ein verdammt komischer Albtraum und wenn ich aufwachte, dann lag ich wieder friedlich in meiner kuscheligen Zelle und wartete auf mein Urteil. Dann würde ich lachen, wenn ich an diesen Moment zurückdachte. Eine fast verurteilte Wächterin, ein Strigoi und ein Moroi-Mädchen saßen in einem Auto....Das klang wie der Anfang eines schlechten Witzes...
Leider entpuppte es sich tatsächlich mehr als ein Witz denn als Traum und zwar als ein verdammt schlechter Witz... Nach geschlagenen vier Stunden Fahrt meinte Angela, dass wir nun weit genug vom Königshof entfernt wären, um gefahrlos anhalten und eine Rast machen zu können. Also steuerte ich den Wagen auf den Parkplatz eines Dinners in irgendeinem Kaff, dessen Name ich zwar auf einem Schild gelesen, aber sofort wieder vergessen hatte. Es war Nacht und so konnte auch der Strigoi unbeschadet aussteigen. Wir betraten das Lokal, welches fast leer war, was wohl an der fortgeschrittenen menschlichen Uhrzeit liegen musste. Nur ein älterer, dicker Mann saß auf einem Hocker an der Bar und genehmigte sich sein Feierabend-Bier nebst einem Hotdog. Als ich das sah zog sich mein Magen zusammen und grummelte vor Hunger. Das Gefängnisessen war nicht gerade preisverdächtig gewesen..., dachte ich wehmütig an meine letzte Richtige Mahlzeit zurück. „Setzt euch doch schon einmal hin und bestellt was zu Essen! ich muss mal für kleine Blütenfeen“, meinte Angela und hopste auch schon zum Klo. Nun allein mit dem Strigoi suchte ich mir eine Sitznische und nahm die Speisekarte zur Hand, die dort auf dem Tisch lag. Shade setzte sich mir gegenüber und inspizierte ebenfalls das Menü. „Ich glaube nicht, dass die hier frisches Blut und eine Portion Todesangst garniert mit Verzweiflung anbieten“, sagte ich über die Karte hinweg. Von etwas anderem ernährten sich Strigoi ja nicht. „Aber vielleicht haben die hier ja Kichererbsen, dann lacht wenigstens etwas über deine Witze“, konterte Shade und ich sah ihn verblüfft an. Humor war das letzte gewesen, was ich bei dieser Bestie erwartet hätte. Erst jetzt fielen mir so einige Details auf, die ich bisher nicht an ihm bemerkt hatte. Seine Augen waren von einem dunklen Brauntönen, ließ man die roten Ränder einmal außer Acht, und unter seinem linken prangte eine dünne, weiße Narbe, die über sein Jochbein hinab zur Wange verlief. Die muss er sich schon vor seiner Verwandlung geholt haben, sonst wäre sie längst verheilt!, dachte ich. Ein dunkler Schimmer auf seinem Gesicht deutete an, dass er sich bald würde wieder rasieren müssen. Viel älter als ich durfte er wohl nicht sein, vielleicht zwei oder drei Jahre, obwohl das natürlich schwer zu sagen war, da man einem Strigoi nicht ansah, wie lange er schon verwandelt war. Altern taten sie jedenfalls nicht und so könnte diese Exemplar auch über achtzig sein, was eine groteske Vorstellung war. Auch war es für mich schwer zu sagen, was er vor der Verwandlung gewesen war. Ein Moroi schloss ich aus, dafür war er einfach nicht groß und dürr genug. Aber für einen Dhampir schien er wieder herum zu dürr und groß zu sein, sodass er vielleicht ein Mensch gewesen war. Aber wirklich zufrieden war ich mit dieser Analyse nicht, denn auch für einen Menschen gab es zu viele Unstimmigkeiten. Die Art, wie er gekämpft hatte und auch ein sonstiges Verhalten ließen auf eine Art militärische Ausbildung deuten. Aus Gewohnheit hatte ich mich so in diesem Dinner platziert, dass ich den Raum und die Eingangstür im Blick behalten konnte, ohne dabei allzu auffällig zu wirken. Ein flüchtiger Blick hinter mich bestätigte meine Vermutung, dass dort an der Wand eine breite Spiegelfläche angebracht war, die den Raum größer wirken ließ. Ich sah wieder zu Shade und musterte ihn eingehend. Er sieht also genauso viel wie ich und ist dabei noch unauffälliger! Das spricht dann doch für einen ehemaligen Wächter, mutmaßte ich. „Dhampir oder Mensch?“, fragte ich ihn deshalb. „Wie bitte?“, rief Shade zurück. Bevor ich ihm antworten konnte, kam eine junge Bedienung an unseren Tisch und wollte unsere Bestellung aufnehmen. Ich entschied mich für einen Chicken-Cheeseburger-Burger mit Pommes und einer Cola, während der Strigoi einen Thunfisch-Salat, ein Salami-Sandwich ohne Zwiebeln und eine Coke light wählte. „Könnten Sie mir vielleicht auch einen Strohhalm zu meinem Getränk bringen! Das wäre sehr freundlich von Ihnen!“, fügte der Strigoi mit einem schwachen Lächeln hinzu. „Aber natürlich! Das Essen kommt sofort!“, erwiderte die Frau verlegen grinsend und watschelte wieder weg. „Was warst du, bevor du zu das da wurdest?“, wiederholte ich meine Frage von eben und zeigte mit einer fahrigen Handbewegung auf Shade. „Das geht dich nichts an“, sagte er trocken und legte die Karte wieder akkurat zurück. „Wie bist du durch die Schutzzauber am Königshof gekommen?“, wollte ich nun von ihm wissen, denn nach meiner Auffassung war das unmöglich! „Das werde ich dir nicht verraten.“ Man, der Kerl ist aber schlecht gelaunt, dachte ich, aber was hatte ich auch erwartet? Dass mit der Strigoi seine Lebens/Untods-Geschichte offenbarte? Wohl kaum... Zum Glück kam nun Angela wieder zurück und trat an unseren Tisch. Sie quetschte sich an Shade vorbei zum Fensterplatz unserer Nische. „Uff, du wirst aber auch immer dicker, Shade!“, behauptete sie, als sie es an dem Strigoi vorbei geschafft hatte. Ein fetter Strigoi, das wäre mal ein Anblick! Das Mädchen setzte sich hin und grinste mich an. „Nun, Rosenna, wollen wir doch mal zum Geschäft kommen!“, sagte sie und klatschte vor Vorfreude in die Hände. „Ich heiße Rose, R.O.S.E!“, sprach ich langsam und deutlich, damit sie es endlich begriff. Die Kleine schnalzte mit der Zunge. „Also eigentlich ist dein Name ja Rosemarie, R.O.S.E.M.A.R.I.E!“, machte sie mich nach und kicherte sich dann ins Fäustchen. „Aber wer schert sich denn schon um solche Feinheiten?“ Ich!, dachte ich, ließ es aber sein, denn ein dumpfes Gefühl sagte mir, dass diese Moroi nicht mehr das heilste Porzellan im Dachstübchen hatte. Dann kam unser Essen und als ich den saftigen Duft meines Burgers einsog, lief mir das Wasser im Mund zusammen und mein Verstand schaltete in den Futter-Modus. Ich hatte wirklich Hunger! Der Teller stand noch nicht ganz, da fiel ich schon über ihn her. Auch Angela widmete sich dem Essen, welches ihr Shade bestellt hatte. „Is daf Cola lighft?“, fragte sie mit vollem Mund und zeigte auf das Glas vor ihr. Shade nickte. „Fiebeln aufm Sanwisch?“ Shade schüttelte den Kopf. Angela reckte den Daumen hoch und aß beruhigt weiter. „Ichf lad dif übrigens ein!“, schmatzte sie. „Dankfe!“, brachte ich zwischen Kauen und Schlucken hervor. Ich hatte mir nämlich gerade Gedanken darüber gemacht, wie ich mein Essen hätte bezahlen sollen, welche sich im Moment inhalierte, wo man mir doch mein ganzes Geld abgenommen hatte, als man mich verhaftet hatte. „Wir ham dif ausfm Knaft...“, fing Angela an, wurde aber vom Strigoi unterbrochen. „Könntet ihr beide vielleicht gütiger Weise erst Aufessen, bevor wir uns unterhalten?“ Angela grinste und blickte dann zu ihrem Sitznachbar, bevor sie mit möglichst weit geöffnetem Mund sagte: „Okay, Shade. Sorry, Shade!“ Dabei flogen die Krümmel nur aus ihrem Mund und pflasterten Strigoi und Tisch nur so ein. Shade seufzte, schnappte sich eine Serviette und machte den Dreck weg. Danach aßen wir ohne weitere Vorkommnisse weiter und als ich fertig war, schob ich den leeren Teller von mir weg und lehnte mich voll gefressen nach hinten. Das war gut!, schwärmte ich in Erinnerungen an diesen Burger. Jetzt noch ein kleines Verdauungsschläfchen und die Welt sähe wieder besser aus! Doch Angela hielt wohl nicht viel von so etwas, denn als sie fertig war, kramte sie in ihrem Rucksack herum und fing gleich an zu reden. „Also mal rein hypothetisch gesprochen... Wenn man theoretisch einen Strigoi zurückverwandeln wollen würde... Was bräuchte man dafür?“, fragte Angela und holte bei ihren Worten einen quietsch-rosafarbenes Notizbuch und einen Kugelschreiber, an dessen oberem Ende ein Einhornkopf auf einer geschwungenen Metallfeder thronte, aus ihrem Rucksack hervor. Sie drückte die Mine ihres Schreibers heraus und sah mich erwartungsvoll an. Ich jedoch schaute unsicher zwischen der kleinen Moroi und dem Strigoi neben ihr hin und her. „Äh...bist du dir sicher, dass du den da wieder zurückverwandeln willst?“, hakte ich sicherheitshalber nach und deutete auf Shade, der bei meinen Worten leise anfing zu knurren. „Also... Naja...Denke schon, aber...“, stotterte Angela vor sich her, doch Shade kam ihr dazwischen. „Um mich geht es hier nicht!“, betonte er angriffslustig. Nicht? Wie viele Strigoi kennt die Kleine denn noch?, fragte ich mich ungläubig. „Und um wen geht es dann?“ „Das geht dich nicht das Geringste an!“, knurrte Shade mit gefletschten Zähnen. „Sag uns einfach, was wir wissen wollen!“ Muss wohl ein wunder Punkt sein!, ahnte ich. Im Grunde hatte es mich ja auch nicht zu interessieren, was die beiden an Verrücktheiten geplant hatten. Also zuckte ich gelassen mit den Schultern, um zu verdeutlichen, dass es mir eh Schnuppe war und sagte ihnen, was sie brauchten: „Ihr braucht eigentlich nur zwei Sachen: Erstens einen Moroi, der sich auf das Geistelement spezialisiert hat und einen Silberpflock, der von diesem Moroi erst mit dessen Magie durchtränkt und dann von ihm in das Herz des Strigois gestoßen wird, den man zurück verwandeln will.“ „Ooookaaay...“, sprach Angela, die fleißig am Mitschreiben war. Dabei drückte sie ihre Zungenspitze konzentriert zwischen den Zähnen hervor und ihr Kugelschreiber fuhr kratzend über das Papier. „Wir benötigen demnach einen Pflock und einen Moroi mit dem Geistelement!“, rekapitulierte sie meine Aussage. „So siehts aus!“, stimmte ich ihr zu und nahm den letzten Schluck Cola aus meinem Glas. Indes schaute Angela gedankenverloren ihre
Notizen durch. „Und wie kommen wir an einen Pflock?“, überlegte sie laut und kaute auf dem Einhornkopf herum. Dann erhellte sich ihre Miene und sie sah mich mit großen Augen an. „Warte mal! Wächter haben doch Pflöcke, stimmt's? Und du bist eine Wächterin, Rosenna!“, rief sie aus. Im Prinzip war das richtig, doch momentan zählte ich nicht wirklich als Wächterin und besaß auch keinen Pflock, weil dieser ja ein Beweismittel im Fall tote Königin Tatiana war. Und wenn ich einen Pflock hätte, dann würde Mr. Strigoi hier nicht so selbstgefällig grinsen, sondern die Radieschen von unten beim Wachsen beobachten!, malte ich mir die Szene aus. „Man hat mir meinen Pflock nicht zurück gegeben, als man diesen in der Brust der Königin gefunden hat“, meinte ich trocken zu der Moroi. „Oh, aber du kannst doch sicherlich einen neuen kriegen, oder?“, fragte sie mit viel Hoffnung in den Knopfaugen. „Da gibt es bestimmt so ein Ersatz-Pflock-Antragsformular-Dingsbums!“ Was stimmt denn nicht mit dieser Moroi?, fragte ich mich kopfschüttelnd. „Nein, leider gibt es kein Ersatz-Pflock-Antragsformular-Dingsbums!, stellte ich entschieden klar. „Nicht? Dann wundert es mich nicht, dass euer Verein so lausig ist, wenn man schon an solchen grundlegenden Sachen spart...“, murmelte die Kleine vor sich hin und kritzelte etwas in ihr Buch. „Wie bitte?“, musste ich einfach fragen, denn ich war total baff. „Die Wächter machen einen einwandfreien Job und nur weil ihr Moroi so knauserig seid und euch lieber das Geld Bündelweise in den eigenen Ar...“, plusterte ich mich auf. Das war immerhin die höchste Härte, dass so ein Rotzlöffel von Knirps meinte uns Wächter beurteilen zu können! Doch viel weiter kam ich nicht, denn der Strigoi funkte mir dazwischen, als wäre ich nicht gerade am Reden gewesen. „Wir schnappen uns einen Wächter, ich ziehe ihm eins über die Rübe und du nimmst ihm den Pflock ab, so einfach, Angela“, schlug er vor. „Gefällt mir!“, rief diese freudig auf. „Ihr könnt doch nicht...“, wollte ich einwerfen, denn ich wollte und konnte nicht zulassen, dass die beiden einen Wächter niederschlugen, nur um an dessen Waffe zu gelangen. Aber ich hätte genauso gut mit meinem leeren Cola-Glas reden können, das hätte wenigstens verständnisvoll einen Kondenstropfen die Außenseite hinab rinnen lassen. Die beiden Spezialisten vor mir jedoch, bemerkten mich und meinen Einwand erst gar nicht, sondern überlegten nun, wie sie an einen Geistmagie-Nutzer gelangen konnten. „Wer hat eigentlich diesen Wächter zurück geholt?“, fragte Shade und bei seinen Worten zuckte ich unmerklich zusammen, denn ich wusste sofort welchen Wächter er meinte. Dimitri..., durchzuckte es meinen Verstand und sofort fühlt eich wieder den stechenden Schmerz in meiner Brust. Ob er weiß, dass ich geflohen bin? Ob er sich Sorgen macht oder interessiert es ihn gar nicht, wie es mit geht?, fragte ich mich unablässig. Ein Gefühl der Sehnsucht kam in mir auf und am Liebsten wäre ich aufgesprungen und zurück zum Königshof gelaufen, nur um Dimitri wütend gegen die Brust zu hämmern, dass er sich gefälligst um mich sorgen sollte. Aber sicher ist er gerade mit Lissa zusammen und die beiden reden über alles, nur nicht über mich..., verging die Sehnsucht zu zäher Bitternis. „Das war doch diese Prinzessin Varrissa Dragomir!“ Angelas Stimme riss mich unsanft aus meinen Gedanken und ich sah wieder hoch. „Vasilisa!“, verbesserte ich automatisch, doch die Moroi winkte nur ab. „Sagte ich doch!“ Doch ich verstand sie schon nicht mehr, denn wieder driftete ich gedanklich zu meiner besten Freundin ab. Was sie wohl gerade macht? Hoffentlich geht es ihr gut!, dachte ich und nahm mir vor, schon bald bei ihr per Band vorbei zu schauen und nach dem Rechten zu sehen. Nur kurz horchte ich in mich hinein, um sie zu spüren. Ihr geht es gut, nahm ich erleichtert war und zog mich wieder zurück. Mehr werde ich später in Erfahrung bringen, aber jetzt muss ich erst einmal etwas anderes erledigen! Plötzlich fing Angela an hysterisch zu klatschen. „Ich weiß wen wir nehmen!“, rief sie. „Lord Adrian Ivashkov!“ Wie bitte? Woher kennt sie den Adrian?, fragte ich mich still. Auch Shade machte ein ratloses Gesicht. „Adrian....Ivashkov... Der Name sagt mir irgendetwas, aber ich komme nicht drauf was...“, murmelte der Strigoi. „Adrian Ivashkov ist der süßeste Junge, den es gibt! Er ist nett, zuvorkommend, galant und mehr als gut aussehend“, schmachtete die Kleine verträumt vor sich hin. „Und seine flauschigen Haare!“ Sie kicherte verlegen und bewegte ihr Hände durch die Luft als würden sie durch besagte Haare fahren. Ihre glasigen Augen verrieten mir, dass sie das geistig auch tat. „Naja, Adrian hat auch einige Laster!“, warf ich ein. „Der Alkohol, diese widerlichen Nelkenzigaretten...“, zählte ich auf. „Nelkenzigaretten!“, schrie Shade auf einmal auf und ein irres Blitzen schoss in seinem Blick auf. „Jetzt fällt es mir wieder ein! Das war doch dieser Typ aus dem letzten Jahr, der in diesem Chalet Cass angebaggert hat!“ Cass?, echote ich. Wer ist den das jetzt? Erst fragte ich mich das, doch dann kam mir auch die anderen Worte des Strigois in den Sinn und ich zog misstrauisch die Augenbrauen zusammen, als ich darüber nachdachte. Chalet? Meinte er etwa diese Wellness-Anlage in den Bergen, wo auch ich Adrian kennen gelernt habe? Immer weiter verengten sich meine Augen zu schmalen Schlitzen. Na warte, wenn ich dich in die Finger kriege, du Frauenheld! Mein Freund würde mir einiges erklären müssen, so viel stand fest! „Ja, genau das ist er!“, meinte die Moroi und Shades Gesichtsausdruck sprach Bände, er schien Adrian nicht zu mögen. „Kommt dieser Kerl Cass auch nur noch einmal zu nahe, mache ich ihn kalt!“, versicherte er verbissen. „Wenn ich zu ihm gehe und es ihm erkläre, dann wird uns ganz gewiss helfen! So etwas tut ein strahlender Ritter wie Adrian nämlich!“, träumte Angela. „Ich reiße ihm seine gierigen Finger einzelnen aus und stopfe sie ihm ins Maul!“, meinte Shade. „Er wird erkennen, dass wir zusammen gehören, für immer! Wir werden drei Kinder kriegen, zwei Mädchen, Britney und Amanda, und einen Jungen, den wir Jonathan nennen werden. Aber Adrian wird ihn nur Nathan rufen!“, fantasierte die Kleine. „Ich hänge ihn an seinen eigenen...“ Das war dann der Moment, wo ich mich entschied in diesen Wahnsinn einzugreifen, indem ich mich mehrmals laut und vernehmlich räusperte: „Ähm, Ähm... Ich halte Adrian Ivashkov für keine gute Wahl!, sprach ich entschlossen zu den beiden, die in ihren jeweiligen Tiraden inne hielten und mich mit offenem Mund ansahen. Sie hatten anscheinend vergessen, dass ich überhaupt hier anwesend war. Ihren sprachlosen Augenblick nutzend fuhr ich fort: „Überlegt mal! Adrian befindet sich am Königshof, von wo wir gerade her kommen, da könnt ihr doch nicht einfach wieder zurück, die suchen euch doch bestimmt schon!“ Ich stoppte kurz, denn noch etwas anderes kam mir in den Sinn, was hoffentlich Angela überzeugen konnte. „Außerdem hat er gerade seine geliebte Tante verloren. Selbst wenn er euch helfen wollen würde, müsste er aus reinem Anstand seiner Tante gegenüber am Königshof bleiben!“ Das Moroi-Mädchen sah zerknickt auf die Tischplatte. „Ich glaube, du hast Recht, Roselinde. Auch wenn es mir nicht passt, müssen wir uns wohl einen anderen Moroi suchen.“ Ich nickte erleichtert. Die Tatsache, dass ich eigentlich Adrians Freundin war, verschwieg ich lieber, denn beide wirkten sehr wahnhaft was das Thema anging. „Und wen sollen wir dann nehmen? Weitere Geistmagie-Nuzter kenne ich nämlich nicht!“, meldete sich der Strigoi zu Wort. Bitte kommt nicht auf Lissa!, stöhnte ich innerlich. Bessere wäre es wohl, wenn ich einen guten Vorschlag machen würde, doch wen kannte ich den schon? Dann fiel mir etwas ein, was Lissa einmal gesagt hatte. „Es gibt ein Gefängnis mit einer geschlossenen Psychiatrie. Da gibt es welche!“, platzte es aus mir heraus. „Woher willst du das denn wissen?“, wollte Shade misstrauisch erfahren. Einige harsche Erwiderungen kamen mir in den Sinn, doch dann hatte ich die perfekte Antwort. „Das geht dich gar nichts an!“, wiederholte ich seine eigenen Worte von vorhin. „Okay, und um welches Gefängnis handelt es sich?“, fragte Angela und drängte den Strigoi zurück, der sich bedrohlich nach vorne gebeugt hatte. „Habt ihr letztens gehört, dass ein gefährlicher Gefangener ausgebrochen ist? Victor Dashkov?“, fragte ich, ließ es aber aus, dass ich es gewesen war, die diesem Verbrecher zur Flucht verholfen hatte. „Ja, da klingelt irgendetwas...“, grübelte Angela, während Shade zu verstehen schien. „Ah, du meinst dieses Spezial-Gefängnis, das kenne ich“, sagte er mit einem Kopf nicken. Aha?, dachte ich. Das würde dafür sprechen, dass er einst ein Wächter gewesen wäre. Andere kannten dieses Gefängnis nämlich meistens nicht. „Und du weißt auch zufällig, wo sich dieses super geheime Spezial-Gefängnis befindet?“, fragte mich Angela mit weiten Augen. Oh, und ob ich das weiß!, dachte ich mit einem
leichten Grinsen auf dem Gesicht. Immerhin waren Lissa, Eddie und ich es, die dort eingebrochen und Victor Dashkov befreit haben! Damals hatte ich nur diesen Weg gesehen, um an die Informationen heran zu kommen, wie ich Dimitri, zu der Zeit noch Strigoi, wieder zurückverwandeln konnte. Es hieß Victors Halbbruder, Robert, hätte so etwas schon getan und um diesen zu treffen, hatte ich die Hilfe von Victor gebraucht. Wo die beiden wohl jetzt stecken?, fragte ich mich dabei, schließlich hatten die beiden es geschafft sich heimlich von uns abzusetzen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass egal wo Victor auch sein möge, er nichts Gutes für mich und Lissa plante. Aber darum kümmere ich mich, wenn es soweit ist. Jetzt hatte ich andere Angelegenheiten zu klären, wie zum Beispiel eine Mordanklage... „Ich habe gehört, dass sich dieses Gefängnis in Alaska befindet!“, strickte ich die Wahrheit etwas um, denn ich wollte nicht offenbaren, dass ich schon einmal dort gewesen war. „Na dann auf nach Alaska!“, meinte Angela voller Tatendrang, doch zu meiner Überraschung schüttelte Shade den Kopf. „Mag sein, dass es einmal dort gewesen ist, doch nach diesem spektakulärem Ausbruch dieses Verbrechers, wurde es sicher verlegt“, bremste er die Euphorie seiner Sitznachbarin, die mit niedergeschlagener Miene sich wieder zurück lehnte. „Oh,...Dann stehen wir also wieder am Anfang...“ „Nicht ganz!“, rief ich ihr zu und lächelte verschlagen, denn damals, als ich den Standort des Gefängnisses in den Archiven des Wächterhauptquartiers recherchiert hatte, war ich auch auf die alternativen Standorte gestoßen. Hoffentlich haben sie sich keinen neuen Platz gesucht, dachte ich, aber ich ging nicht wirklich davon aus. Zum einen wäre es sehr spontan gewesen und dafür waren Moroi nicht wirklich bekannt, zum anderen hätten sie nie so schnell etwas Vernünftiges auf die Beine stellen können! „Ich kenne noch andere Standorte des Gefängnisses!“, erzählte ich und sofort kehrte das Leuchten in die kleinen Moroi-Augen zurück. „Echt jetzt? Man, das war ja total die Mega-Idee dich aus dem Knast zu holen!“, jauchzte sie und gab dem verkrampften Strigoi einen saftigen Stups auf dessen Oberarm, denn er vollkommen teilnahmslos hinnahm. „Es gibt meines Wissens zwei Möglichkeiten, wo das Gefängnis hin verlegt worden sein könnte“, sagte ich und hob zwei Finger an, um abzuzählen. „Erstens irgendwo auf Hawaii! Zweitens in der Sonora-Wüste in Arizona!“ „Hmm, es wäre schon schön zu wissen, wo es nun hingehen soll...“, überlegte Angela angestrengt, dann hellte sich ihre Miene auf. „Ich habs! Wir müssen ja sowieso nach Süden, dann können wir auch einen kleinen Abstecher machen und den genauen Standort herausfinden!“ „Und wie genau willst du das machen?“, wollte ich wissen und bemerkte, wie die beiden mir gegenüber einen vielsagenden Blick tauschten. Letztendlich war es der Strigoi, der mir antwortete. „Es gibt in Utah eine Akademie, dort könnten wir bestimmt etwas herausfinden“, erklärte er und sah wieder so komisch zu der Moroi. „Und vielleicht bekommen wir dort auch einen Pflock!“, fügte diese noch hinzu und klatschte freudig in die Hände. „Also ist es abgemacht: Es geht Richtung Süden. Mit einem kleinen Umweg über Utah und dann sehen wir weiter!“, schmiedete sie den Plan für unser weiteres Vorgehen. Na, dass kann ja heiter werden..., dachte ich nur, setzte aber eine gute Miene zum bösen Spiel auf. Natürlich hatte ich nicht wirklich vor den beiden zu helfen, doch ich würde trotzdem mitkommen. Sobald die Sonne aufgeht, werde ich mir die Kleine schnappen und verschwinden!, machte ich meinen eigenen Plan und beobachtete den Strigoi aus den Augenwinkeln. Er war der einzige Feind hier und auch wenn ich ihn nicht würde töten können, konnte ich wenigstens das Mädchen aus seinen Klauen befreien! „Dann auf, Team!“, rief Angela und flitzte schon los. Langsam und gemächlich stand ich ebenfalls auf und folgte hinter dem Strigoi, der es auch nicht eilig zu haben schien wieder mit mir in einem Wagen zu sitzen. Warte nur ab, du Monster! Du wirst schon sehen, wozu Rose Hathaway in der Lage ist!
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