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Vampire Academy- In Liebe entzweit

von Alvadas
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Rosemarie "Rose" Hathaway
08.09.2019
10.11.2019
21
116.485
6
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Dieses Kapitel
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06.10.2019 5.037
 
Kapitel 10

Wieder zog das vertraute Gefühl einer nahenden Traumreise an mir und dieses Mal gab ich ihm nach. Die Welt um mich herum wurde weiß, dann fand ich mich in einem schicken Restaurant wieder. Ich saß an einem kleinen Tisch für zwei Personen, auf dem eine einzelne Kerze für stimmungsvolles Licht sorgte. Mir gegenüber hatte Adrian Platz genommen, in einem edlem Smoking mit einem dunkelroten Einstecktuch. Er wirkte gepflegt und sehr galant, ganz anders als der sonst so verstrubbelte Frauenheld. Schnell blickte ich an mir hinab, denn obwohl es nur ein Traum war, wollte ich nicht unpassend gekleidet hier herum sitzen! Erleichtert atmete ich aus, als ich das Cocktailkleid an mir sah, welches farblich zu dem Einstecktuch des Morois passte. „Du siehst umwerfend aus, kleiner Dhampir!!“, begrüßte er mich und ich sah wieder hoch zu ihm. „Danke, du auch, Adrian!“, erwiderte ich leicht verlegen, doch dieser winkte nur ab. „In deiner Gegenwart verblasse ich!“, meinte er ernst und ich spürte wie ich noch eine Spur roter im Gesicht wurde. Gerührt spielte ich mit dem Weinglas vor mir, denn es lag mir etwas auf dem Herzen, was ich aber nur schwer auch aussprechen konnte. Dann fasste ich aber meinen Mut zusammen und blickte dem Moroi fest in seine Augen. „Es tut mir Leid, dass ich letztes Mal einfach so gegangen bin und dich danach ignoriert habe, aber ich...“, wollte ich mich entschuldigen, aber ich wusste selbst nicht einmal genau, warum ich es getan hatte. „Ist schon in Ordnung, Rose! Ich habe mich auch nicht gerade glanzvoll verhalten und ich habe sofort gespürt, dass du sehr verletzt warst und dafür möchte ich mich entschuldigen!“, sagte Adrian dazu und seine Hand glitt über dem Tisch hinüber zu mir. Er fasste meine Hand und drückte sie kurz. Ich ließ es zu und sah Adrian dankbar an, doch dieser zog eine leidige Grimasse. „Rose,...es gibt da noch etwas , was ich dir unbedingt sagen muss...“, begann er, aber ich konnte mir schon denken, was er anzusprechen versuchte. „Falls es um die Erklärung von Lissa im königlichen Ratssaal und das Urteil geht, brauchst du nicht weiterreden, denn ich war quasi dabei!“, sagte ich betont neutral, denn schon der reine Gedanke daran, versetzte mir Seelenqualen. „Ja,...darum geht es schon, irgendwie...aber, Rose, Lissa und...“, versuchte er es erneut, doch ich schüttelte nur langsam dem Kopf. „Bitte, Adrian! Rede nicht weiter, ich will es nicht hören. Ich möchte nicht noch einmal so verletzt werden...“, flüsterte ich und tatsächlich schloss der Moroi seinen Mund wieder und nickte, auch wenn er nicht glücklich darüber wirkte. Dennoch war ich ihm sehr dankbar dafür. Eine Weile saßen wir uns so gegenüber, bevor Adrian das Schweigen nicht mehr länger aushielt. „Stimmt es, dass du in dieses Gefängnis in Arizona eingebrochen bist?“, fragte er mich neugierig und lehnte sich etwas vor. Ich nickte mit einem verschmitzten Lächeln, denn ich hatte so eine Frage schon erwartet. Die Wächter mag ich ja mit meinen verschleierten Suchanfragen in die Irre geführt haben, doch Lissa hat das bestimmt sofort durchschaut!, dachte ich mir, denn von irgendjemanden hatte Dimitri ja auch erfahren, dass er in dieser Region nach mir Ausschau halten musste. Und reden tut er ja nur mit Lissa..., erinnerte ich mich frostig daran. Adrian setzte sich wieder seufzend auf. „Also, echt, kleiner Dhampir... Für eine Frau, die ungern eingesperrt ist, brichst du aber häufig in irgendwelche Gefängnisse ein!“, hielt er mir vor und ich fing an zu lachen. „Ja, verrückt oder?“ „Aber genau deswegen liebe ich dich so sehr!“, offenbarte mir Adrian und mein Gesicht wurde ganz rot vor Verlegenheit. „Du weißt doch, dass ich alles für dich tun würde?“, wollte Adrian wissen. Leicht beschämt nickte ich, denn ich war ja hier, damit Adrian etwas für mich tat. „Tatsächlich brauche ich deine Hilfe“, sagte ich. „Was soll ich tun?“ Ich zögerte kurz, denn ich war mir noch nicht ganz sicher, ob ich Adrian wirklich damit reinziehen wollte. Aber als ich das entschlossene Gesicht des Morois sah, wusste ich, dass ich mich auf ihn verlassen konnte. „Kannst du mir ein paar Informationen besorgen? Ich muss nämlich dringend so viel wie möglich über eine gewisse Lady Angela Zeklos erfahren! Irgendetwas soll ihrer Familie widerfahren sein und ich wüsste gern, was das gewesen ist!“, haute ich Adrian auf meine Begleitung an. „Hmm... Bei diesem Namen blinkt etwas bei mir auf, aber ich kann mich nicht genau daran erinnern...“, brummte Adrian. „Aber ich denke, das sollte kein Problem für mich sein. Gibt es sonst noch etwas, was ich machen kann?“ Ja, da gibt es wirklich noch etwas! „Ich habe mir einige Unterlagen über den Mordfall der Königin besorgt und bin darin auf etwas interessantes gestoßen!“, erzählte ich Adrian. „Unter anderem war da von irgendwelchen Besichtigungen die Rede, die Tatjana unternommen haben soll. Die letzte davon sogar erst wenige Stunden vor ihrer Ermordung! Weißt du vielleicht etwas darüber?“, fragte ich den Moroi hoffnungsvoll. Doch Adrian überlegte nur kurz, dann schüttelte er den Kopf und meine Hoffnung versiegte. „Nein, davon höre ich zum ersten Mal, aber ich werde sehen, was ich herausfinden kann!“, versicherte er mir. „Danke, das hilft mir sehr, Adrian!“, bedankte ich mich bei ihm und spürte, wie ein Teil der Last auf mir kleiner wurde, nun da ich sie mit jemanden teilen konnte. „Dafür hat man doch seinen Freund!“, meinte Adrian mit einem schelmischen Grinsen. „Neben dem nächtlichen Bettsport, natürlich!“ Darüber konnte ich nur gekonnt die Augen verdrehen. Er ist und bleibt halt Adrian Ivashkov! Das Grinsen erlosch und machte einer besorgten Miene Platz. „Rose, ich weiß nicht wo du bist oder was du genau vorhast, aber bitte sei vorsichtig, okay?“, meinte er leise zu. „Keine Sorge, ich passe auf mich auf“, versicherte ich ihm, doch das überzeugte ihn noch nicht vollständig. „Versprochen?“ „Versprochen, Adrian!“, erwiderte ich und lächelte ihn aufmunternd an. Jetzt sah Adrian etwas zufriedener und beruhigter aus. Er drückte noch einmal meine Hand, dann sagte er: „Ich werde sehen, was ich herausfinden kann, aber das wird bestimmt den einen oder anderen Tag dauern!“ „Ist schon okay! Melde dich einfach, wenn es etwas neues gibt!“, sprach ich und fuhr mit meinem Daumen über die weiche Haut seiner Hand. „Das mach ich, kleiner Dhampir! Bis dann!“, verabschiedete sich der Moroi und die Welt wurde wieder weiß, dann stockdunkel. Immerhin steht Adrian noch zu mir..., dachte ich so nach, als ich nun in meinem Bett lag, kurz vor dem Tiefschlaf. Nun fühlte ich mich nicht mehr ganz so allein wie noch vor einigen Tagen, aber wirklich gut würde es mir erst wieder gehen, wenn ich nicht mehr wegen Mordes gesucht werden würde! Ich hoffe nur, er findet schnell etwas heraus!, überlegte ich, dann drehte ich mich auf die Seite und gab mich einer traumlosen Nacht hin.

Ein helles Blinken und ein komisches Summen rissen mich aus meinem Schlaf. Müde öffnete ich meine Augen und sah das rote Licht durch mein Schlafzimmer blitzen. Sofort war ich hell wach, obwohl ich nicht wusste, was genau das Licht zu bedeuten hatte, verhieß es sicherlich nichts gutes. Woher kommt das?, fragte ich mich und sah mich nach dem Ursprung um. Es kam von dem Feuermelder, der unter der Decke hing. Dieser leuchtete nun warnend, machte aber nicht den üblichen Lärm, sondern nur dieses nervtötende Summen. Sicher ein Alarm!, dachte ich mir, denn rotes Licht bedeutete selten etwas Positives... Also schnappte ich mir meinen Pflock und die Pistole von meinem Nachtschränkchen neben meinem Bett und pirschte zur Tür. „Rosie!“, flüsterte mir Angela entgegen, die ebenfalls aus ihrer Tür auf den Flur lugte. „Was ist hier los, Angela?“, fragte ich die Moroi, die mich hektisch zu sich winkte. „Alarm!“, rief sie mir leise zu und deutete auf das Licht, welches auch in ihrem Zimmer umher tanzte. Ach was?!, dachte ich, doch für Sarkasmus war nun die falsche Zeit. „Was für ein Alarm?“, wollte ich genauer wissen, doch die Moroi zuckte mit den Schultern. „Ich glaube, dass irgendjemand aufs Gelände gekommen ist und das nicht von vorne!“, meinte sie zu mir. Leise fluchte ich, denn wer auch immer uns besuchen wollte, es war bestimmt kein Freundschaftsbesuch! Die Frage ist nur, ob es Wächter oder Strigoi sind oder sogar jemand ganz anderes! Da kam mir eine Idee und ich fragte Angela danach. „Könnte es vielleicht Shade sein?“ Angela schüttelte den Kopf. „Shade weiß von den Sensoren an der Grenze und er wäre somit von vorne gekommen! Außerdem hätte er sich vorher angekündigt!“, sagte sie entschlossen und ich glaubte ihr. So verpuffte meine kühne Hoffnung, es wäre alles nur ein Missverständnis und ich sah mich zum Handeln gezwungen. Ich blickte den Flur hinab, wo die Treppe aus dem Erdgeschoss hochkam, dann wandte ich mich dem anderen Ende des Ganges zu, wo die Treppe in den Keller führte. Jetzt verstehe ich auch endlich, warum es zwei Treppen gibt, die nicht in dasselbe Stockwerk führen!, überlegte ich und sah wieder zu Angela. „Schnapp dir Jack und dann geht ihr beide in den Keller, verstanden? Versteckt euch dort und kommt nicht eher heraus, bis ich es euch sage, klar?“ Angela sah mich mit großen Augen an, ich konnte ihre Angst förmlich spüren und sah wie nahe sie dran war, zusammen zu brechen. Bestimmt denkt sie an diesen Vorfall mit ihrer Familie, konnte ich mir vorstellen. Ich wusste nicht genau, was passiert war, doch es musste schrecklich gewesen sein und sicherlich erinnerte diese Situation die Kleine an damals. „Keine Sorge, Angela, ich beschütze dich!“, versicherte ich ihr und langsam nickte die Moroi. „O...okay...,Rose,...ich...ich gehe mit Jack in den Keller!“, krächzte sie dann und trippelte Barfuß an mir vorbei zu Jacks Zimmer. Die beiden können dank der Treppe hinten in den Keller gelangen, ohne dass unser Besuch ihnen in die Quere kommen kann!, dachte ich und sah den beiden Moroi zu, wie sie die Stufen hinab liefen. Das Haus mochte keine Schutzzauber besitzen, dennoch war man hier nicht wehr- und schutzlos! Schon gar nicht, wenn ich noch hier bin!, sagte ich mir selbst und ging los, auf die zweite Treppe zu. Doch bevor ich hinabsteigen konnte, hörte ich ein Bersten und etwas, was gegen etwas festes schlug. War das die Eingangstür?, fragte ich mich und huschte von dem Geländer weg, damit man mich nicht sehen konnte. Leise horchte ich auf eventuelle Geräusche und tatsächlich meinte ich mehrere Schritte und leises Gerede von unten zu hören. Jemand ist hier im Gebäude! Ein flaues Gefühl erfasste meinen Magen und mir wurde schlecht. Es könnte nur an der Aufregung gelegen haben, doch das glaubte ich nicht! Irgendwie musste ich nach unten, doch diese Treppe wäre eine schlechte Idee! Zwar musste man erst ins Wohnzimmer, um über die Treppe rauf zu kommen, dennoch glaubte ich nicht, dass ich genug Zeit dafür hätte unten ein sicheres Versteck zu finden, bevor der oder die Eindringlinge im Wohnzimmer angekommen wären. Also muss es anderes gehen..., dachte ich und lief zurück in mein Zimmer. Ich öffnete die Rollläden und das Fenster und sah hinaus. Die letzten Sonnenstrahlen mussten vor wenigen Minuten über dem Horizont vergangen sein und Dunkelheit setzte an. Der Tag der Moroi begann, doch leider auch der von den Strigoi... Meine Pistole ließ ich unter der Matratze zurück, denn ich befürchtete stark, dass sie mir von keinem großen Nutzen sein würde. Den Pflock zwischen die Zähne nehmend, kletterte ich aus dem Fenster und blickte nach unten. Okay, Rose! Ganz langsam und vor allem mucksmäuschenstill!, ermahnte ich mich selbst, denn wenn ich schreiend unten aufschlug würde ich die Überraschung für unseren Besuch versauen! Am Fenstersims festhaltend, hängte ich mich an meinen Armen hinab, dennoch fehlte eine Strecke, bis meine Füße den Boden berühren würden. Leider gab es aber nichts, woran ich nach unten hätte klettern können, also würde mir nichts anderes übrig bleiben, als mich fallen zu lassen. Kurz kniff ich die Augen zusammen, doch dann ließ ich einfach los. Als ich mit den nackten Fußsohlen auf den kalten, aber weichen Erdboden aufkam, rollte ich mich nach hinten ab, um dem Fall den Schwung zu nehmen und kam nach der Rückwärtsrolle hockend auf den Beinen wieder auf. Dabei verdreckte ich meine kompletten Klamotten und selbst im Gesicht klebte mir nun Erde. Aber wenigstens war es leise!, hielt ich dagegen und schlich geduckt zur Hauswand. Da die Angreifer die Tür eingeschlagen haben mussten, war der Weg ins Innere frei und so umrundete ich schnell das Haus und betrat durch den Haupteingang das Gebäude. Die einstige Haustür lag zersplittert einige Meter im Hausflur und ich achtete tunlichst darauf, nicht in irgendwelche Splitter zu treten, als ich daran vorbei ging. Die Geräusche vor mir wurden lauter und als ich kurz vorm Wohnzimmer war, konnte ich sogar einige Gesprächsfetzen wahrnehmen. „Sie hat gesagt, dass sie sicherlich im Keller wären!“, sagte eine leise Stimme. „Ja, aber der Keller ist normaler Weise unten und nicht oben, du Schwachmat!“, antwortete eine andere, gereiztere Stimme. Ganz langsam, mit angehaltenem Atem streckte ich meinen Kopf Millimeter für Millimeter um die Ecke. Dort standen sie, zwei Gestalten vor der Treppe, die nach oben führte und diskutierten darüber, was sie nun tun sollten. „Hast du denn eine Treppe gefunden, die nach unten führt, he?“, wollte die erste Stimme finden und eine Gestalt schubste die andere sachte. „Hey! Lass das! Wir sind hier auf einer Mission!“, motzte dieser zweite Schatten herum. „Tolle Mission ist das! Sie hat gesagt, sie wären im Keller, aber hier gibt es nur eine Treppe nach oben und keinen Keller!“, beschwerte sich der erste Redner. „Keine Ahnung, vielleicht hat sie sich ja getäuscht?“, schlug der zweite vor. „Dann sag ihr das doch!“ „Bist du blöd? Ich sag ihr das ganz bestimmt nicht!“ Die beiden mögen sich wohl nicht so, was?, dachte ich, als ich dem Spektakel zusah. Vielleicht hauen sie ja ab, wenn sie den Keller nicht finden!, wagte ich zu hoffen, doch daraus wurde leider nichts. „Okay, wir können auf jeden Fall nicht einfach mit leeren Händen zurück kehren oder sie reißt uns in Stücke!“, meinte der erste wieder und die andere Gestalt nickte zustimmend. „Dann teilen wir uns auf, klar? Du gehst nach oben und ich suche hier weiter, vielleicht haben wir ja den Zugang zum Keller übersehen!“ „Gute Idee! So machen wir es!“ Schon teilte sich das Paar auf und während eine Gestalt nach oben die Treppe hinauf ging, drehte sich die zweite wieder um und kam auf mich zu. Mist, schnell weg hier! Vorsichtig huschte ich in die Küche und versteckte mich dort hinter der halb offenen Tür. Schritte ertönten und mein Magen rebellierte weiter. Strigoi..., dachte ich mir, denn in diesem Fall konnte ich ganz meinem Bauchgefühl vertrauen. Aber was wollen die hier?, fragte ich mich, denn es hatte sich für mich angehört, als würden sie explizit nach uns suchen. Doch sie durften die beiden Moroi auf keinen Fall finden und ich war die einzige, die zwischen diesen beiden Bestien und den beiden Kindern stand! Bevor ich mir eine Strategie überlegen konnte, wurde die Tür zur Küche etwas weiter auf gemacht und ich drückte mich schnell gegen die Wand und hielt den Atem an. Anscheinend war der Strigoi etwas durch den Wind, dass er mich nicht wahrnahm, denn für mich hörte es sich so an, als würde mein Herz so laut wie ein Presslufthammer schlagen. Dennoch lief der Strigoi an meinem Versteck vorbei und besah sich die Küche. Jetzt oder nie!, meinte ich, als der Strigoi mir den Rücken zu wandte. Lautlos kam ich aus meinem Versteck heraus und hielt von hinten auf den Eindringling zu, den Pflock fest in meiner rechten Hand. Der Strigoi stand da und suchte nach einem Zugang zum Keller und das so laut, dass er mich nicht kommen hörte. In diesem Moment fiel mir eine alte Geschichte meiner Mum ein, die sie einmal an meiner Schule zum besten gegeben hatte. Damals hatte ich nur verächtlich geschnaubt, als sie erzählt hatte, wie sie sich oft an Strigoi angeschlichen hatte, um ihnen das Genick zu
brechen. Natürlich tötete man diese so nicht, sondern betäubte sie nur, weshalb ich es früher als Verschwendung angesehen hatte, ihnen erst das Genick zu brechen, wenn man danach einen verzauberten Silberpflock in ihr Herz rammte, doch nun kam mir der Zweck dieses Manövers in den Sinn. Als ich direkt hinter dem Strigoi stand, schlug ich los. Mit rechts trat ich in dessen Kniekehle, sodass er einknickte. Gleichzeitig packten meine Hände von hinten seinen Unter- und Oberkiefer. Mit einer ruckartigen Bewegung in entgegengesetzte Richtungen brach sein Genick und der betäubte Körper fiel mir direkt in die Arme. Behutsam legte ich ihn auf den gefliesten Küchenboden ab, zielte und trieb den Pflock durch das tote Fleisch direkt ins Herz. Die Augen des Strigois weiteten sich, dann fiel jegliche Anspannung vom Körper ab, er war tot, endgültig! Jetzt erst nahm ich mir die Zeit meinen Gegner genauer zu untersuchen. Es war ein junger Mann, kaum älter als zwanzig und der Statur zu urteilen war er einst ein Mensch gewesen. Bestimmt noch nicht lange ein Strigoi, schätzte ich, denn es war ziemlich einfach gewesen ihn zu überrumpeln. Aber ein Strigoi blieb ein Strigoi und nur ein toter Strigoi war ein guter Strigoi! Vielleicht mit minimalen Ausnahmen!, wagte ich es zu denken, doch ich schüttelte sofort den Kopf. Es war nicht der passende Augenblick, um über Shade und seine Motivation zu sinnieren, während Moroi in Gefahr waren! Aus der Küche schleichend bewegte ich mich auf das Wohnzimmer zu. Dort lugte ich wieder um die Ecke, doch der Raum war leer. Bestimmt hat er die Treppe genommen!, dachte ich und setzte meinen Fuß auf die erste Stufe. So leise wie möglich erklomm ich die Stufen, immer ganz außen an der Wand, damit kein Knarzen mich verriet. Im oberen Flur angekommen, duckte ich mich und hielt Ausschau nach dem zweiten Strigoi, der hier irgendwo sein musste. Vorsichtig, Rose! Bloß nichts überstürzen oder du verlierst den Überraschungsmoment!, ermahnte ich mich nicht voreilig loszustürmen. Jacks Schlafzimmer lag am nächsten, weshalb ich darauf als erstes zu hielt. Die Tür stand einen Spalt offen und ich spähte hinein. Weder konnte ich etwas sehen, noch etwas hören, also entschied ich mich weiter zu gehen. Nun kam Angelas Schlafzimmer, aber auch dieses schien verlassen zu sein. Bleibt nur noch meins, bevor es zu der Treppe nach unten geht!, überlegte ich und schlich vorwärts. Doch plötzlich hörte ich ein Krachen von unten, welches über den Treppenschacht zu mir hallte. Verdammt, der Strigoi ist schon unten! Ich vergaß meine Vorsicht und rannte auf die Treppe zu, die in den Keller führte, da ich keine Zeit verschwenden wollte. Die beiden brauchen meine Hilfe!, malte ich mir in Gedanken aus, wie die Moroi von dem Strigoi in eine Ecke gedrängt wurden. Gerade als ich an der Tür zu meinem Schlafzimmer vorbei hastete, welches der Kellertreppe am nächsten war, wurde diese aufgeschlagen. Dem Holz der nach außen aufgehenden Tür konnte ich gerade so noch ausweichen, doch der Faust, die dieser folgte, nicht. Der Schlag traf mich in der Seite und schleuderte mich gegen die gegenüberliegende Wand, wo ich heftig aufschlug. Benommen rutschte ich an dem Holz, welches nun eine Delle in Wächterform zierte, und sackte zu Boden. Nur dank meiner Reflexe schaffte ich es meine Arme vor mein Gesicht zu recken, um einen weiteren Hieb abzuwehren. „Sie mal an, wen wir hier haben!“, hörte ich ein angriffslustiges Knurren vor mir, welches der Stimme eines des Strigois, die ich am Fuße der Treppe belauscht hatte, ähnelte. Eine Hand packte mich an meinen Haaren und ich schrie schmerzerfüllt auf, als ich daran hochgezogen wurde. Noch war ich total mitgenommen von den beiden Schlägen, die ich hatte einstecken müssen, doch ich erkannte langsam den Fehler, den ich begangen hatte, als ich angenommen hatte, dass das Geräusch von eben von dem Strigoi verursacht worden war. Es muss von einem der Moroi gekommen sein und den Strigoi ebenfalls alarmiert haben!, dämmerte es mir. Und ich blöde Kuh bin voll in ihn hinein gelaufen! Meine Sicht klärte sich und das Brennen meiner Kopfhaut erreichte mich endlich. Ein weiterer Schlag in meinen Bauch, ließ mich zusammen krümmen. Schnaufend versuchte ich den Schmerz weg zu atmen, doch es gelang mir nicht. „Von einer Wächterin hat sie gar nichts gesagt...aber das bedeutet dann ja auch, dass ich dich nicht am Leben lassen muss, sondern töten kann... als eine Art Bonus, so zu sagen!“, meinte der Strigoi und griff mit seiner freien Hand unter mein Kinn. Seine übermenschliche Stärke zwang mich meinen Kopf zu heben und ihm direkt in seine rot umränderten Augen zu blicken. Pure Mordlust brannte mir daraus entgegen. Komischer Weise fielen mir die ganzen Details des Gesichts ins Auge, was mir vorhin bei dem anderen nicht so widerfahren war. Auch du scheint einst ein Mensch gewesen zu sein!, schlussfolgerte ich, als ich die gebleckten Eckzähne des Monsters vor mir sah. Sie waren deutlich kleiner als bei einem Moroi, doch immer noch lang genug, um mir die Kehle zu zerfetzen! Auch wirkte er mager und nicht so durchtrainiert wie ein Dhampir, dennoch war er mir wohl körperlich haushoch überlegen... „Mal sehen wie du so schmeckst!“, gackerte der Strigoi noch und schon schlug er seine Zähne mit einem gierigen Biss in den Bereich zwischen meinem Hals und meiner linken Schulter, direkt über dem Schlüsselbein. Erst durchzuckte mich ein kurzer, aber intensiver Schmerz, dann hüllten sonnige rosa Wolken meinen Verstand ein. Das zarte Gefühl des Vampirgifts trübte meinen Geist und nahm mir alle Schmerzen. Entgeistert seufzend stellte ich meinen Widerstand ein und all meine Anspannung wich aus meinem Körper. Es war einfach so unvorstellbar wie himmlisch ich mich fühlte. Alle Probleme waren wie weggespült und ich verlor mich in diesem Empfinden, dass nichts eine Rolle spielte, solange ich das hier fühlte. Meine Augen flackerten und ich gab mich dem Biss ganz hin. So lange hatte ich dieses Gefühl schon vermisst! Schon als Lissa damals mit mir geflohen war und sie sich von mir hatte ernähren müssen, war ich auf den Geschmack gekommen! Und dann... als Dimitri mich gebissen hatte... Es war gleich die doppelte Versuchung gewesen! Erinnerungen an Strigoi-Dimitri und meinem kurzweiligen Gefängnis auf dem Strigoi-Anwesen bei Moskau kamen mir wieder in den Sinn. Doch nun kam mir alles gar nicht mehr so schlimm vor! Ich wusste, dass alles besser werden würde, so lange nur dieses Gefühl anhalten würde! Doch dann schlich sich eine Spur Schwärze in die hellen Bahnen ein, die an meinem inneren Auge vorbeizogen. Immer fester werdende Schlieren breiteten sich aus und plötzlich schossen andere Bilder in mir auf. Bilder des toten Mädchens in ihrem weißen Kleid in dem Haus der Badicas, zu dem Dimitri und ich gefahren waren, um meine Eignungsprüfung abzulegen. Die toten, leeren Augen des Kindes hatten sich in meinen Verstand gebrannt.... Weitere Erinnerungen kamen mir hoch, Dimitri, wie er als Strigoi die Menschen in den Hotel in Vegas abschlachtete, die toten Wächter an der St. Vladimir-Akademie, als diese angegriffen wurde und zu guter letzt: Mason... wie er mit gebrochenem Genick am Boden des Hauses lag, wo wir von den Strigoi festgehalten worden waren. Er hatte sein Leben gegeben, um meines zu retten.... Nein, ich gebe mich nicht länger dieser Droge hin!, rebellierte ich auf und die Wirkung des Gifts in meinen Adern verebbte. Entschlossen riss ich die Augen auf und sah den Strigoi immer noch an mir hängen, völlig in meinen Körper verbissen. Mit rechts schlug ich ihm seitlich gegen die Schläfe, zwei Mal. Gleichzeitig zehrte ich mit links an der Hand, die mich immer noch an den Haaren hielt, während ich mein rechtes Bein anzog und es ihm direkt zwischen die Beine rammte. Leise stöhnend sackte der Strigoi zusammen, entließ mich aber nicht aus seinen Kiefern. Langsam wurde mir schwindelig und ich befürchtete, dass ich vielleicht schon zu viel Blut verloren haben könnte. Ich musste diesen Parasit loswerden, koste es, was es wolle! Meine Linke ließ ihn los und packte seinen Kopf, was ich auch mit meiner rechten Hand tat, dann drehte ich mich etwas nach links und schlug dann den Hinterkopf des Strigois mit aller Kraft gegen das Holz der Wand. Bei dem Aufschlag ruckte der Strigoikopf nach hinten, doch da er noch seine Zähne in mir hatte, riss er mir das Fleisch auf, aber das war mir egal! Immer wieder rammte ich ihn gegen die Wand, bis diese anfing zu splittern. Am Ende legte ich mein ganzes Gewicht in den letzten Schlag. Die spitzen Reißzähne der Bestie rutschten heraus, verkanteten sich aber an dem Knochen meines Schlüsselbeins. Mit einem hohlen Knacken brach der Knochen und ein unvorstellbarer Schmerz durchzuckte mich. „Ahhh!“, schrie ich laut und hielt mir die Schulter. Blut lief mir in dicken Strömen durch die Finger, rann meinem herabhängenden Arm hinab und tropfte auf den Boden. Aber ich war frei: Der Strgioi lag gegen die Wand gelehnt und umklammerte seinen brummenden Schädel. Ich biss die Zähne so fest zusammen, dass sie beinahe zertrümmert wurden, dennoch stand ich kurz davor das Bewusstsein zu verlieren. Bleib wach, Rose!, feuerte ich mich an, aber ich sah einfach keine Möglichkeit wie ich mich gegen die Flut des Schmerzens behaupten konnte, die meinen Körper und meinen Verstand zu überrollen drohte. Wenigstens weißt du, dass du noch
lebst!
, erklang eine leise Stimme in meinem Kopf und ich konzentrierte mich allein auf sie. Einen Fuß vor den anderen setzte ich und hielt auf den Strigoi zu, der sich langsam wieder aufrichtete. Ich trat ihm das Bein weg, sodass er einknickte, dann schlug ich ihm mit rechts ins Gesicht. Aber als ich erneut ausholte, fuhr der Strigoi hoch und stürzte sich auf mich. Viel zu langsam bewegte ich mich, sodass ich seiner Attacke nicht ausweichen konnte. Der Hieb drängte mich keuchend zurück und der Strigoi nutzte die Chance, um mich fauchend anzuspringen. Er riss mich zu Boden, hockte auf mir und sein geöffneter Mund voller spitzer Zähne fuhr auf mich hinab, direkt auf mein Gesicht zu. Schnell riss ich meinen Arm hoch und schrie auf, als die Reißzähne anstand in mein Gesicht in meinen Arm eindrangen. Ich spürte wie etwas hartes über meinen Knochen glitt und immer tiefer in das Fleisch meines Unterarms drang. Das Blut lief in einem satten Fluss aus den Wunden, wenn es nicht gerade gierig von dem Strigoi aufgesaugt wurde. Es platschte mir von meinem erhobenen Arm mitten ins Gesicht und ich versuchte irgendwie den Kerl von mir herunter zu drücken, doch ich war zu schwach. Verzweifelt hob ich meinen linken Arm, doch bei dieser Bewegung rebellierte mein Körper aus, als der Pein meiner Schulterwunde mich folterte. Dennoch ließ ich nicht locker und streckte meinen Arm immer weiter aus, die Hand über den Boden neben mir tastend, auf der Suche nach etwas, was mir noch helfen könnte. Immer dunkler wurde es vor meinen Augen und immer schlechter gelang es mir mich zu konzentrieren. Die Luft wurde knapp und Müdigkeit fuhr in meine Glieder. Das Gesicht des Strigois konnte ich nur noch verschwommen sehen, alles was ich bemerkte war in dem Rot meines eigenen Blutes getaucht. So muss es sich auch bei dem Autounfall angefühlt haben, dachte ich noch, denn damals war ich ebenfalls gestorben. Nur dank Lissa, die mich mit Hilfe ihrer Magie wiederbelebt hatte, war ich zurück gekommen, durch das Band seitdem mit ihr verbunden. Sie hat einfach nach meiner Hand gegriffen und mich geheilt!, stellte ich mir die Szene vor und meine linke Hand glitt weiter nach außen, wo in meiner Fantasie Lissa in dem Wrack des verunglückten Wagens gelegen haben musste. Ich schloss die Augen, als ich ihre kalte Hand ertastete. Es ist okay, so lange du bei mir bist, Liss!, sagte ich zu ihr. Ein letztes Mal wollte ich noch über ihre weiche, bleiche Haut streicheln, dann könnte ich beruhigt sterben, schließlich war meine Zeit so wieso nur geliehen gewesen, nicht wahr? Ich drückte meine Finger um Lissas Hand, doch sie war nicht mehr weich, sondern hart. Auch hatte sie nicht die sanfte Wärme der Moroi in sich, sondern war einfach kalt, als wäre sie tot... Ich strich über die glatte Oberfläche des Objekts bist mich ein kurzer Schlag, gleich eines Blitzes traf und meine Hand hinauf, über meine verletzte Schulter in meinen Verstand lief. Auf einmal wusste ich, was ich da berührte und ein Funken Kraft entzündete sich. Mein Griff schloss sich fester um das kalte Ding und ich riss es ungeachtet des flammenden Schmerzens hoch und und ließ es in einem weiten Bogen auf den Rücken des Strigois zu rasen. Ein leises Stöhnen war zu hören, aber ich wusste nicht, ob es von mir gekommen war oder nicht. Etwas fiel auf mich darauf, kraftlos, leblos und ich drehte mich zur Seite, sodass das Gewicht von mir herunter rollte. Nur schemenhaft konnte ich meine Umgebung wahrnehmen, doch als ich neben mich blickte, lag dort der Strigoi, der bis eben auf mir gehockt hatte. Noch immer hing er mit seinem Gebiss in meinem Arm und ich drückte seine Kiefer auseinander, um meinen Arm aus seinem Maul zu ziehen. Schmatzend lösten sich die Zähne aus meinem Fleisch und ein Wimmern entrann meiner Kehle. Angela...Jack..., konnte ich nur denken. Ich muss sie beschützen! Mühsam versuchte ich mich aufzurappeln, doch ich fiel immer wieder hin, weil meine Beine sich weigerten mich zu tragen. Letztendlich kroch ich halb vorwärts über den Leichnam des Strgiois hinweg, aus dessen Rücken noch der Griff des Silberpflocks ragte, dem ich ihm ins Herz gerammt hatte. An der Treppe angelangt, ließ ich mich einfach nach vorne fallen und so purzelte ich die Stufen hinab. Im unteren Flur dann stemmte ich mich gegen die kalte Betonwand des Kellers und zog mich halb daran hoch. So wankte ich weiter und hielt auf die Tür des Magie-Übungsraums zu. Hoffentlich geht es ihnen gut... Das war meine einzige Sorge, die mich daran hinderte einfach die Augen zu zumachen und in die drohende Dunkelheit einzusinken. Mit jeder Faser meines Willens hielt ich mich aufrecht und da ich keinen meiner Arme mehr vor Schmerzen anheben konnte, schlug ich mit der Stirn zweimal gegen die Tür. „Rosella?“, kam eine ängstliche Frage durch die Tür und wieder schlug ich mit dem Kopf gegen das Metall. Ja..., dachte ich, doch kein Laut kam aus meinem Mund. Stattdessen versagten meine Kräfte und ich kippte nach vorne bis die Tür mich auffing. Dann wurde mir aber auch diese Stütze genommen, als die Tür aufgemacht wurde. Schon bevor ich auf den Boden aufschlug, verlor ich das Bewusstsein...
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