Vampire Academy- In Liebe entzweit

von Alvadas
GeschichteAbenteuer, Romanze / P12
Rosemarie "Rose" Hathaway
08.09.2019
10.11.2019
21
116.485
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08.09.2019 3.386
 
Kapitel 1
Königshof, Gefängniszelle

Metall roch, das wusste ich, denn ich kannte diverse Gerüche von Metall. Dabei kam es natürlich auf die Art des Metalls an, aber auch was damit geschehen war oder sollte. In meinen, oder eher Lissas Träumen, hatte ich den heißen und verbogenen Stahl gerochen, vermengt mit dem stechenden Aroma auslaufenden Benzins. Der dezente Hauch von gehärtetem, von Magie durchtränkten Silbers, welches gleich eines zarten Versprechens in meine Nase drang, Großartiges zu vollbringen, war wahrscheinlich mein liebster Geruch auf dieser Welt, gleich nach einer gewissen Sorte Rasierwasser... Doch das, was mich nun erreichte, würde es nicht auf die Liste der tausend angenehmsten Gerüche schaffen, da war ich mir sicher! Man konnte sogar so weit gehen zu sagen, dass allein der bloße Gedanke an diesen Geruch mir einen pelzigen Belag auf der Zunge wachsen ließ. Es war der sterile Edelstahl mit der Silber-Blei-Legierung der Gitterstäbe vor und das von Angst und Verzweiflung getränkte Aluminium der Pritsche hinter mir, welche mich in eine Katatonie der Hoffnungslosigkeit zwängte, die selbst meinen eisernen Willen ins Wanken brachte. Ich bin unschuldig!, dachte ich zum sechshundert-dreiundsiebzigsten Mal an diesem Tag und sicherlich zum aber-millionsten Mal in der Zeit, in der ich nun Gast in dieser Zelle war. Drei Wochen war es nun her, dass man mich verhaftet und des Mordes an Königin Tatiana bezichtigt hatte, was totaler Blödsinn war! Ich bin unschuldig! Sechshundert-vierundsiebzig... Doch egal wie oft ich das auch zu mir sagte, ich blieb die einzige, die das zu denken schien...
„Es erfüllt mich mit Stolz, dass du meinem Weg nacheiferst, Rose, doch musste es gleich die Königin sein?“, ließ sich Abe Mazur aus. Mein Anwalt/Dad stand vor meiner Zelle und musterte mich mitleidig. „Wie oft denn noch?Ich habe sie nicht getötet!“, beschwerte ich mich fahrig und umklammerte die Gitterstäbe. Bestimmt gab ich ein furchtbares Bild ab, ungewaschen mit verfilzten Haaren und dem leicht irren Funkeln in den Augen, aber dieser Trottel eines Morois, der selbst ein Verbrecher war wie er im Buche stand, musste doch endlich begreifen, dass ich unschuldig war! „Natürlich nicht, Rose!“, meinte Abe abgelenkt. „An deiner Technik und der mangelnden Planung sollten wir jedoch noch arbeiten.“ Er sah zu mir auf. „Hätte es nicht erst jemand anderes sein können? Dieser Moroi-Bengel zum Beispiel, der ständig um dich herum schlawänzelt?“, fragte er mich. Wenn du so weiter machst, dann erwürge ich dich!, schoss es mir mordlüsternd durch den Kopf, sagen tat ich aber etwas anderes: „Warum sollte ich denn bitte schön Adrian Ivashkov umbringen, Abe?“ „Warum solltest du die Königin töten?“, stellte er die Gegenfrage. „Mein Gott! Ich bin unschuldig, glaub mir das doch endlich!“, schrie ich in schierer Verzweiflung heraus. „Selbstverständlich bist du das! Wer ist das denn nicht?“ Langsam beschlich mich das ungute Gefühl, dass Abe und ich zwei unterschiedliche Auffassungen des Wortes unschuldig hatten und seine war offensichtlich dehnbarer als meine. Mit meinen Händen fuhr ich mir übers müde Gesicht. Der Gefängnisaufenthalt kam meinem Teint nicht gerade zu Gute, aber das war nicht mein schlimmstes Problem. „Okay.... Lassen wir das!“, wechselte ich das Thema, denn mein Monolog über meine Unschuld schien zu nichts zu führen. „Wie sieht unsere Strategie für meine Verteidigung aus?“, wollte ich wissen, immerhin war nächste Woche schon die nächste Gerichtsverhandlung. „Das Beste wird sein, wenn wir dem Gericht einen anderen Verdächtigen präsentieren können. Leider weiß ich noch nicht genau, wer sich dazu eignet.“, erwiderte der Moroi grübelnd. „Aber solange müssen wir Zweifel daran wecken, dass du die Täterin bist. Zum Glück gibt es nur Indizien gegen dich und keine Zeugen.“ Abe bedachte mich mit einem anerkennenden Blick und ich konnte ihn quasi denken hören, dass er es mir hoch anrechnete mich nicht auch noch auf frischer Tat ertappt gelassen zu haben. Was mache ich hier nur?, fragte ich mich selbst, doch ich kannte die Antwort nicht darauf. Wie es aussah lag mein Leben in den Händen meines kriminellen Vaters mit zweifelhafter Anwaltszulassung. Da kann ich mich auch gleich selbst aufknüpfen!, ahnte ich, doch noch wollte ich nicht aufgeben, denn in meinem Leben ging es nicht nur um mich. „Gibts was neues von Dimitri?“, fragte ich neugierig und lehnte mich so weit vor bis meine Stirn das kühle Eisen der Stäbe berührte. „Wie oft willst du mich denn noch damit löchern, Rose? Ich weiß nichts von diesem Wächter!“, entgegnete Abe genervt. Glauben tat ich ihm das irgendwie nicht, schließlich wusste Abe Mazur alles und hatte auch in alles seine Nase mit drin stecken! „Aber etwas musst du doch gehört haben! Frag doch Lissa, sie trifft sich doch regelmäßig mit ihm!“, schlug ich vor. Sofort verwandelte sich die Miene des Morois von genervt zu mitleidig. „Rose... Das hatten wir doch schon...“, sagte er schon fast sanft. „Ja...aber du kannst sie doch noch einmal fragen, bitte!“, flehte ich ihn an. Ich weiß, dass sie sich mit ihm trifft!, dachte ich entschlossen. „Es geht nicht darum, ob ich sie frage oder nicht, sondern darum, dass sie und auch dieser Wächter nicht wollen, dass du etwas erfährst!“, brachte Abe es auf den Punkt. Verzweifelt rutschte ich an den Gitterstäben hinab und hockte mich auf den Betonboden. „Aber...Liss...Sie ist doch meine beste Freundin!“, stieß ich hervor. Warum lässt sie mich dann links liegen?, beendete ich meinen Gedanken. „Komm schon, Liebes! Du hast eigene Probleme, um die du dir Sorgen machen solltest!“, sprach Abe und dann etwas versöhnlicher: „Ich bin mir sicher, dass Vasilisa oft an dich denkt und sehr besorgt um dich ist, aber sie wird nicht zu dir gelassen, tut mir leid!“ Ich nickte niedergeschlagen. „Ich komme wieder vorbei, wenn es etwas neues gibt. Halte durch ja?“, verabschiedete sich Abe. „Bitte, unternimm was, ja? Ich will nicht sterben!“, rief ich ihm hinterher, als er ging. Ich bekam keine Antwort und so blieb ich wo ich war, direkt an den Gitterstäben und horchte in mich hinein. Ich tastete nach dem einen Ende des mentalen Bands, an dessen anderem Lissa hing. Es fiel mir leicht in die emotionale und gedankliche Welt meiner besten Freundin Vasilisa Dragomir einzutauchen und mein eigenes Selbst zurück zulassen. Sofort spürte ich ihre Aufregung und suchte nach dem Grund danach. Eine Erinnerung blitze in meinem Kopf auf und so erfuhr ich, dass sie gerade von Christian Ozera kam. Christian war ihr Ex-Freund, den sie aber immer noch abgöttisch liebte und zurück gewinnen wollte. Doch Christian hatte sich nach den letztjährlichen Eskapaden der sonst so gemäßigten Moroi von dieser distanziert. Umso mehr brachte es ihr Herz und ihren Hormonhaushalt in Wallung, dass Christian wieder bereit war sich mit Lissa zu treffen. Ich glaube, dass er mir verzeihen kann!, hoffte Lissa voller Zuversicht und ging durch die Flure eines Gebäudes am Königshof. Neidisch blieb ich bei ihr, denn auch wenn ich mich für Lissa freute, dass ihre Beziehung dabei war zu heilen, ehrlich, das tat ich, fühlte ich dennoch den Stich in meinem Herzen, den ihr Gefühl verursachte. Es erging mir genauso wie ihr nur mit den kleinen Unterschied, dass zwischen mir und Dimitri eisige Kälte herrschte. Nachdem Lissa ihn mit meiner Hilfe von den Strigoi zurückverwandelt hatte, hatte ich geglaubt, ja gehofft, dass unsere Liebe neu auflodern und heller den je brennen würde. Doch Dimitri hatte mich von Anfang an vehement abgeblockt und darauf bestanden, dass ich ihn nicht sehen sollte. So war das Feuer der Leidenschaft immer schmächtiger geworden und drohte nun vollendet zu ersticken. Am Rande meiner Wahrnehmung spürte ich eine einzelne Träne meine Wange zum Kinn hinab rinnen, doch ich ignorierte sie und widmete mich wieder Lissa. In letzter Zeit verbrachte ich viele Stunden bei ihr, zum einen weil ich nur so das Gefühl hatte frei zu sein, und zum anderen weil ich die Hoffnung hegte, dass ich eine Gelegenheit bekommen würde Dimitri zu sehen. Als Liss in einem Gang abbog, der mir bekannt vorkam, wuchs meine Aufregung genau wie die ihre. Sie ist auf dem Weg zu ihm!, freute ich mich und starrte gebannt durch ihre Augen. Sie blieb vor einer hellbraunen Holztür mit einer alten Türklinke stehen. Auf der Tür stand in goldenen Ziffern 152 und ich wusste, dass hinter dem Holz Dimitri sein musste. Doch bevor sie nach der Klinke griff, sammelte sich Lissa und atmete tief durch. Nein, tu das nicht!, schrie ich, auch wenn ich genau wusste, dass sie mich nicht hören konnte. Rose, es tut mir Leid!, dachte Lissa noch, dann umgab mich plötzlich eine dichte Finsternis, durch welche die Geräusche und Bilder nur stark verzehrt durchdrangen. Auch Lissas Gedanken und Gefühle waren gedämpft und obwohl ich ihre Anwesenheit spüren konnte, war es, als wäre ich nicht mit ihr verbunden. Nein!, brüllte ich und versuchte die Dunkelheit zu zerreißen, jedoch ohne Erfolg. Ich fühlte...nichts. „Warum, Lissa?“, fragte ich in meine Zelle hinein und kappte die geistige Verbindung zu der Moroi. Heulend fand ich mich auf dem kalten Beton des Bodens wieder. Es war nicht das erste Mal, dass Lissa den Fluss der Wahrnehmung durch unser Band unterdrückte, doch für mich war es jedes Mal der selbe stechende Schmerz und das Gefühl alleine zu sein.
Eine Zeit lang blieb ich noch auf dem Boden liegen bis ich mich etwas beruhigt hatte. Dann verlagerte ich mein Bad im Selbstmitleid auf meine Pritsche, wo ich mich zusammenrollte und die Augen schloss. Eine Weile verbrachte ich in einem Dämmerschlaf, bis ich bemerkte wie ich von irgendetwas angezogen wurde. Da ich dieses Gefühl bereits kannte, wusste ich auch schon was oder besser wer mich erwartete: Adrian Ivashkov. Der gut aussehende Moroi mit dem stylisch verwuscheltem Haar begrüßte mich mit einem verwegenen Grinsen. „Hey, kleiner Dhampir! Schön, dass du meiner Einladung gefolgt bist!“, sagte er und musterte mich vom Scheitel bis zur Fußsohle. „Schickes Outfit!“ Ich sah an mich herab und fluchte hemmungslos, als ich entdeckte, dass ich einen schwarz-weiß gestreiften Overall trug. Ich schien selbst in meinen Träumen im Gefängnis zu sitzen! „Muss ich das anhaben?“, fragte ich Adrian genervt, der sich mit dem ganzen Traumreise-Kram besser auskannte als ich. Dieser verzog keine Miene als er sagte: „Du kannst es natürlich ausziehen, wenn du willst! Ich werde dich davon nicht abhalten!“ Sicher nicht!, dachte ich. Zwar waren Adrian und ich so etwas wie zusammen, doch ich wollte sein ohnehin schon aufgeblasenes Ego nicht noch verstärken und ich hatte auch echt keine Lust auf einen mentalen Striptease. „Ich denke, es wird schon gehen“, meinte ich deshalb und sah, wie Adrian enttäuscht das Gesicht verzog. Doch er fing sich schnell wieder und machte einige Schritte auf mich zu. „Und was hast du heute so getrieben?“, fragte er mich. Blöde Frage! „Ach, weißt du...heute war ich erst einmal zehn Kilometer in freier Natur joggen und dann... dann packte mich der Drang meine Zelle zu renovieren...Pastellfarben sollen ja gerade total angesagt sein...“, erwiderte ich bissig. Adrian sah auf seine protzige Armbanduhr und zog in gespielter Manier die Augenbrauen hoch. „Oh! Mein Sarkasmus-Detektor ist auf Vollanschlag!“, meinte er überrascht. Dabei sah er so komisch aus, dass ich nicht anders konnte als zu lachen. „Geht doch! Das ist die Rose, die ich liebe!“, sprach er gut gelaunt und zog mich in seine Umarmung. „Ich kann nicht mehr, Adrian!“, verriet ich ihm und kuschelte mich an ihn, um mich nicht mehr einsam zu fühlen. Es war nur ein Traum, dennoch tat mir seine Nähe gut. „Hey, du schaffst das, Rose!“, versicherte mir der Moroi und strich mir über den Rücken. „Du bist unschuldig und das werden auch alle anderen bei der nächsten Verhandlung merken!“ „Hoffentlich...“, sagte ich nur dazu. Nur glauben tue ich es selbst noch nicht so wirklich, fügte ich in Gedanken hinzu.

Eine Woche später, Gerichtsverhandlung im königlichem Ratssaal

„Ihr Pflock war die Tatwaffe, sie hat ihn selbst als den ihren identifiziert! Darüber hinaus befanden sich die Fingerabdrücke der Angeklagten darauf und zwar nur die von ihr!“, führte Lord Ivashkov, Adrians Dads, aus und deutete dabei anklagend auf mich. Im Ratssaal herrschte ansonsten Stille und nur das schwache Murmeln einiger Ratsmitglieder war zu vernehmen. Aber am Liebsten hätte ich laut aufgeschrien und diesem eingebildeten Moroi mal so richtig die Meinung gegeigt, doch noch konnte ich mich beherrschen. Vor drei Stunden hatte die Gerichtsverhandlung begonnen und zog sich nun wie Kaugummi. Da es eine Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit war, sah ich mich nur feindlichen Blicken gegenüber sitzen. Allein Abe, mein Anwalt, war an und auf meiner Seite, doch selbst sein Einfluss schien hier wirkungslos zu sein. Die meisten der elf königlichen Familienoberhäupter sahen mich als Mörderin ihrer geliebten Königin Tatiana an und allein die Richterin sorgte hier für etwas wie Gerechtigkeit bei dieser Verhandlung. Lord Ivashkov sprach indes ungerührt weiter. Er vertrat die Anklage und stolzierte wie ein aufgeplusterter Pfau zwischen der Tribüne, auf der Ratsmitglieder und Richterin Platz genommen hatten, und der niedrigeren Anklagebank, wo ich mein Dasein fristete. „Und wir alle erinnern uns noch an den Tag, an dem Rosemarie Hathaway hier in diesem ehrenwerten Saal unsere Königin beleidigt und verbal attackiert hat!“ Auch ich erinnerte mich an diese Szene: Damals hatte man mich unwissentlich dazu benutzt ein Gesetz zu erlassen, welches die Wächternovizen schon mit sechzehn und nicht erst mit achtzehn in den Dienst berief. Verständlicher Weise hatte ich dagegen aufbegehrt, ja, auch vielleicht etwas zu lautstark, doch nur weil mir die Angelegenheit so sehr am Herzen gelegen hatte. Nur weil ich in diesem jungen Alter bereits zwei Strigoi getötet hatte, bedeutete das noch lange nicht, dass es auch für andere Dhampire galt! In meinen Augen war dieses Gesetz ein Fehler, doch ich schwieg weiterhin und funkelte Lord Ivashkov nur grimmig an. „Auch kann Mrs. Hathaway kein Alibi vorweisen und somit hat sie sowohl Motiv als auch die Gelegenheit gehabt die Königin kaltblütig zu ermorden!“, rief der Moroi aus und kochend heiße Wut brodelte in mir auf. Es reicht mit diesem Unsinn!, dachte ich und öffnete den Mund. „Und wie genau bin ich in die königlichen Gemächer gelangt?“, wollte ich von ihm wissen und klammerte mich Halt suchend an der Tischkante fest. „Rose, bitte...!“, versuchte Abe mich zurück zu halten, aber ich ignorierte ihn und sah urverwandt Lord Ivashkov an. „Habe ich einen Tunnel in ihren Kleiderschrank gegraben oder bin ich mit einem Helikopter darüber hinweg geflogen und mit einem Fallschirm abgesprungen?“, schlug ich zwei Szenarien vor. „Das wie spielt hier weniger eine Rolle als das ob“, entgegnete Lord Ivashkov kühl. „Pah!“, lachte ich ihn aus. „Das würde ich auch sagen, wenn ich keine Beweise und ich wiederhole mich gerne: keine Beweise(!) habe!“ „Bitte, Mrs. Hathaway, mäßigen Sie Ihren Ton!“, kam es von der Richterin. „Aber selbstverständlich, Euer Ehren!“, sprang Abe sofort darauf an und hielt mich an der Schulter zurück. „Beruhige dich, Rose!“, zischte mir der Moroi ins Ohr, doch ich wollte nicht auf ihn hören... Ein toller Anwalt bist du! Sitzt nur herum und sagst nichts!, dachte ich sauer und bedachte meinen Dad mit einem Blick, der genau dieses Gefühl zum Ausdruck bringen sollte. „Die Tatwaffe mit Ihren Fingerabdrücken ist für mich durchaus ein Beweis, Mrs. Hathaway! Ein ziemlich eindeutiger sogar!“, meinte Adrians Dad in die entstandene Ruhe hinein. „Na und? Es ist ja auch mein Pflock, natürlich sind dort meine Fingerabdrücke drauf! Was beweist das schon? Jeder Trottel mit Handschuhen hätte mir den gestohlen haben können!“, erwiderte ich gereizt. Dieses Mal lachte Lord Ivashkov laut auf. „Ich bitte Sie, Rose! Wollen Sie allen Ernstes behaupten, dass jemand bei Ihnen eingebrochen sei, nur um Ihren Pflock zu entwenden? Das ist doch mehr als lächerlich!“ Der Meinung war ich nicht und das musste auch gesagt werden! „Ach ja? Wer auch immer Königin Tatiana getötet hat, ist unbemerkt an den besten Wächtern der Welt vorbei in ihre privaten Räume gekommen, da wäre mein Zimmer bestimmt keine große Herausforderung!“, hielt ich dagegen. Aber ich sah wenig Verständnis in den Augen der Moroi vor mir. Also muss ich noch einen Schritt weitergehen!, überlegte ich seufzend. „Denken Sie dich mal nach! Wie bescheuert müsste ich denn bitte sein einen Mord an der Königin mit meiner eigenen Waffe zu begehen und das auch noch auf eine Art und Weise, die direkt auf einen ausgebildeten Wächter hindeutet? Da hätte ich ja auch gleich mein Konterfei mit der Unterschrift: I did it! in den Bettpfosten ritzen können!“, wollte ich wissen. „Vielleicht hatten Sie es ja gar nicht geplant?“, fachsimpelte Lord Ivashkov laut. „Vielleicht wollte Ihre Majestät nur mit Ihnen reden und Sie haben die Beherrschung verloren und dann die Königin im Affekt getötet?“ „Ich habe sie nicht getötet!“, schrie ich aufgebracht und schoss hoch. Vor Wut schnaubend beugte ich mich vor und stützte mich schwer auf den Tisch auf. „Aber wenn Sie drauf bestehen, dann kann ich Ihnen mal im Affekt in Ihre kleinen, runzligen Nüss...“ Heftiges Hammerklopfen unterbrach mein Gezeter und die Richterin sagte laut und deutlich: „Mrs. Hathaway! Kommen Sie wieder zur Vernunft oder ich lasse Sie aus dem Saal entfernen!“ „Oh, bitte nicht! Ich habe doch so viel Spaß hier!“, äffte ich den ernsten Tonfall der Richterin nach. „Das hier ist doch alles eine Farce! Niemanden interessiert es, dass ich unschuldig bin! Sie alle sind doch nur alte, versoffene...“ „Das reicht!“, klopfte die Richterin energisch mit ihrem Hammer auf das Holz des Tisches. „Wächter! Entfernen Sie die Angeklagte aus dem Saal!“, rief sie und sofort traten vier Wächter vor und packten mich. Abe sah mir nur kopfschüttelnd hinterher, doch ich war es schon gewohnt auf diese Weise den königlichen Saal zu verlassen. Wenigstens hat dieser Raum einmal die Wahrheit gehört!, dachte ich noch verbissen, während sich die Türen hinter mir schlossen.
„Woher hast du dieses Talent andere Leute zur Weißglut zu reizen?“, fragte mich Abe einige Stunden später, als er zu Besuch kam. „Deine Mum ist so ein herzensgutes Wesen und ich verstehe mich sehr auf die hohe Kunst der Diplomatie, doch du... der reinste Elefant im Porzellanladen!“, beschwerte er sich Kopfschüttelnd. Ich sagte nichts dazu, denn ehrlich gesagt wusste ich nicht, was ich dazu sagen sollte. „Was machen wir jetzt?“, fragte ich Abe leise, denn ich wusste, dass meine Aussichten nun nicht allzu rosig aussahen. „Naja, das einzig Gute deines kleinen Aufstands ist, dass die Verhandlung vertagt wurde, was uns noch einmal etwas Zeit gibt!“, erwiderte der Moroi. „Ich werde einen Befangenheitsantrag gegen Lord Ivashkov stellen, vielleicht gibt uns dann noch eine Woche, doch dann...“ Dann bleibt uns nichts übrig, oder?, beendete ich seinen Satz für mich selbst. Ich kannte meinen Dad zwar weder gut noch lange, doch ich sah die Resignation in seinem Gesicht. Er gab nicht auf, weil es um mich, seine Tochter, ging, doch er glaubte selbst nicht mehr an ein Happy End. „Vielleicht solltest du die Möglichkeit in Betracht ziehen einen Deal zu machen“, äußerte sich Abe leise. „Und was für ein Deal soll das sein? Ich gebe zu, dass ich die Königin getötet habe und da für muss ich den Rest meines Lebens Werbefigur für Babypampers sein?“, wollte ich müde wissen. Erst sagte Abe nichts und das hieß schon, dass mir seine Antwort nicht gefallen würde. „Naja, dein Ausbruch vorhin spielt Lord Ivashkov in die Hände. Nun hat er gezeigt wie impulsiv du bist, das könnten wir ausnutzen! Wenn wir mit ihm reen, dann lässt sich Lord Ivashkov sicher darauf ein, die Mordanklage in Todschlag umzuwandeln!“, schlug er vor. „Nein!“, sagte ich entschlossen. „Ich bin unschuldig, da werde ich garnichts zugeben!“ „Verstehst du denn nicht, Rose? Man wird dic hhinrichten, wenn du des Mordes für schuldig befunden wirst! Aber bei Totschlag wird es nur lebenslänglich sein, da haben wir immerhin Zeit deine Unschuld zu...“ „Nein!“, wiederholte ich und schüttelte den Kopf. Abe war davon jedoch nicht angetan, doch das interessierte mich nicht. „Ich wäre jetzt gern etwas allein!“, meinte ich und setzte mich auf die schmale Pritsche. Ich ertrug die Blicke der anderen, gefüllt mit Mitleid, nicht mehr. „Gut, Liebes. Ruh dich aus! Mir fällt sicher etwas ein, wie wir dich hier rausbekommen, vertrau mir!“, sagte Abe noch, bevor er ging. Als seine Schritte verhalten, konnte ich nicht mehr an mir halten und fing leise an zu weinen. Ich werde sterben, diese Erkenntnis traf mich mit voller Wucht und zum ersten Mal im Leben wollte ich nur, dass es endlich vorbei war. Nicht einmal der Gedanke an Lissa konnte mich aufbauen und ohne bei meiner besten Freundin, die mich irgendwie vergessen zu haben schien, vorbei zu schauen, rollte ich mich zusammen und heulte mich in den Schlaf.