On the Road

GeschichteAllgemein / P12
07.09.2019
07.09.2019
1
1195
3
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
 
" 12 Uhr mittags, strömender Regen, das Haar sitzt! " David schlägt die Kofferraumklappe seines Kombis zu, verdreht entnervt die Augen und deutet auf die geöffnete Autotür. " Los steig ein, Nervensäge!! Die letzten Wochen waren echt erholsam, trotz Hitze, Schotterpisten und stechenden Viecherln, aber maxbefreit. " Der verzieht das Gesicht zu einer Grimasse, schüttelt den Kopf über diese so typische Aussage und setzt sich, wie üblich auf die Beifahrerseite. " Meinst du, wir haben alles dabei? Irgendwie ist mir der Überblick abhanden gekommen, muss an der asiatischen Sonne liegen. " David schüttelt nun seinerseits den Kopf und lacht dabei spöttisch über die Vorstellung seines Bühnenpartners, dessen Verpeiltheit wäre einmalig dem Urlaubsklima geschuldet. " Über deinen Kram weiß ich nichts, meins hab ich schon vorm Urlaub frisch gewaschen und gebügelt in der Reisetasche verstaut. Da braucht ich heute früh nur noch zupacken. " David lässt den Motor an, gibt das Fahrtziel in das Navi ein und wirft erneut einen Blick auf seinen übermüdeten Kollegen, der sich eher grobmotorisch einrichtet und den Kopf auf der Stütze ablegt. Okay, es kann losgehen, mindesten 5 Stunden Fahrt liegen vor ihnen, der erste Auftritt nach der Sommerpause, ohne vorher noch einmal geübt zu haben. Sein Kollege und dessen Freundin waren erst am gestrigen Abend in München angekommen, es blieb also keine Zeit für eine Auffrischung der zum Teil doch längeren Textpassagen. Max schaut kurz aus dem Fenster, beobachtet für eine Weile die Regentropfen, die sich ihren queren Weg auf der Scheibe suchen und widmet sich dann seinem Smartphone. " Hey, hier wünschen uns nen paar Leute viel Spaß heute Abend! Was denken die sich eigentlich, erster Arbeitstag nach'm Urlaub, wer hat da bitte Spass?!! Ich würd jetzt lieber im Bett liegen und das Wochenende genießen, " ein Zucken um die Mundwinkel verrät, welche Bilder sich gerade in seinem Kopf abspielen. David ist bemüht, diese Andeutung unkommentiert zu lassen und konzentriert sich auf den Verkehr, der an einem Samstag und bei der Wetterlage seine ganze Aufmerksamkeit fordert.

" Die nächste Raststätte, fahr da mal bitte raus, ich hab Hunger! " Genau 50 Kilometer Autobahn liegen hinter ihnen, als Max auf das Hinweisschild deutet und David mit einem breiten Grinsen ansieht. " Nicht dein Ernst, nix gefrühstückt heute morgen, oder musst du etwa aufs Klo?? " Er steuert die Ausfahrt an und die Gesichtsentgleisung seines Partners nimmt skurille Formen an, der Hunger muss groß sein und duldet augenscheinlich keinen Aufschub. Nach drei Runden über den Parkplatz besetzen sie eine gerade freigewordene Lücke, David stellt den Motor ab und steigt aus. Max folgt ihm, langsam und mit der Erkenntnis, das er schonmal fixer unterwegs war. " Boah Junge, geh voran, sonst kommen wir nie in Wittenberg an! " In der Raststätte selbst herrscht wieder Erwarten wenig Betrieb, während eine Busladung kölscher Jungs vor dem Toilettenbereich lautstark auf Einlass wartet. Max und David studieren das mittägliche Speisenangebot dieses Gourmettempels an der A 93.
" Wie immer, Schnitzel und Pommes rot/weiß, da kann man nix verkehrt machen. Das gibt's sogar in XXL!"
" Vielleicht hättet ihr den Morgen nicht mit der üblichen Bettyoga vergeuden, sondern lieber etwas gescheites essen sollen. "
" Haha ..., das geb ich mir jetzt, gibt schließlich erst nach der Vorstellung wieder was. Hallo, ich nehme bitte ... "
" Bist du dir sicher, das es Fleisch sein soll? Hast du mir nicht aus dem Urlaub geschrieben, das ihr künftig verzichten wollt? Schon wieder alle Vorsätze über Bord geworfen, ... aber mach ruhig, ich behalts für mich! "
Dieser nicht ganz zufällig ausgewählte Einwand veranlasst Max, seine Wahl doch nochmal zu überdenken. Sicher würde David sich bei passender Gelegenheit eine Andeutung nicht verkneifen können.
" Ich nehme dann doch den Friseesalat mit Soyakeimlingen und Dinkelcroutons, dazu das Joghurtdressing bitte. "
David dreht sich zur Seite, um angesichts der entglittenen Gesichtszüge nicht in schallendes Gelächter auszubrechen. Mit verkniffenem Mund nimmt Max die gehaltvolle Mahlzeit entgegen und geht schon mal vor zu einem freien Tisch nahe der Kinderspielecke. David, der zuvor mit einem belegten Baguette geliebäugelt hatte, bestellt sich das Schnitzel, zahlt und setzt sich zu ihm. Beim Essen bemerkt er, wie Max ihn heimlich beobachtet, ihm jeden Bissen in den Mund zählt, während er selbst lustlos in seinem drögen Salat rumstochert, dieser Tag könnte ein guter Tag werden. Nachdem sie schließlich die Nahrungsaufnahme beendet haben, holt sich Max noch schnell einen Kaffee to go, wahrscheinlich, um das nagende Hungergefühl zu besänftigen und sie gehen gemeinsam zurück zum Auto.

Davids gute Laune bessert sich nochmals, als sein Kollege augenscheinlich ein wenig angesäuert wieder auf dem Beifahrersitz Platz nimmt. " Scheiß Wetter heute, ich will wieder nach Thailand, da gab's wenigstens Sonne und viel Reis zum Gemüse! "
" Tja, Mann kann nicht alles haben. Sex und Mangelernährung gegen Abstinenz, zumindest meistens, und absolute Entscheidungsfreiheit, könnte man glatt ne Nummer draus machen."
Der Rest der Fahrt verläuft ruhig, ohne weitere Zwischenfälle oder Autopannen. Sie nutzen die Zeit, um doch noch das komplette Programm einmal durchzugehen und festzustellen, das die lange Pause wohl keine Tribute fordert. Das Publikum kann sich auf einen Abend ohne Texthänger einstellen. Am Theater angekommen, laden sie das Gepäck samt Gitarrenkoffer aus, begrüßen einen Mitarbeiter und nehmen die ihnen zugewiesenen Räumlichkeiten in Beschlag, welche ihnen heute als Garderobe dienen werden. Die bereitgestellten Getränke versetzen Max wieder in einen GuteLauneModus, während David sich die jeweiligen Kostüme zurecht legt, deren Zustand kurz überprüft und sich dann den Schokoriegeln widmet. Gleich steht ein kurzer Soundcheck an und nebenbei könnten sie vielleicht doch noch mal den umfangreichen Text zur Startup Nummer durchgehen.  

" Verdammt, wo ist mein Hemd? "
" Würdest du bitte nicht deine ganzen Klamotten hier auf dem Boden verteilen! Welches Hemd? "
" Na, mein Ingo Hemd!! Ich hab's zuhause noch gesehen, auf meinem Bett unter den Shorts aus der Urlaubswäsche! "
" Da wird's wohl immer noch liegen. Mann, Mann, dein Hirn möcht ich nicht haben. Und jetzt ... hast du dieses greislige Ananashemd vielleicht dabei? "
Max sieht ihn mit ernstem Blick und heruntergezogenen Augenbrauen an. Er zieht das besagte Kleidungsstück in einem eher fragwürdigen Zustand aus seinem Rucksack hervor und hält es in die Luft.
" Mein derzeitiges Lieblingshemd, was gibt's da jetzt schon wieder zu meckern. "
" Nix, gar nichts! Dann frag ich mal nach nem Bügeleisen, um aus den Ananasscheiben wieder ganze Früchte zu zaubern. "
Die Vorzeichen für einen gelungenen Abend stehen bestenfalls fiftyfifty, aber Job ist Job und jeder Urlaub muss auch mal ein Ende haben. David macht sich ans bügeln, befreit anschließend den Boden von diversen Kleidungsstücken und Max überlegt angestrengt, wie er unbemerkt den letzten Schokoriegel und eine Tüte Gummibärchen in seinen Besitz bringen kann, die übliche Rollenverteilung, alles wie gehabt. Toi Toi Toi.
Review schreiben