Prince of Darkness - Throne of Blood

von Larkyus
GeschichteRomanze, Fantasy / P18 Slash
Vampire Werwölfe
06.09.2019
06.09.2019
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New York City, 21. Jahrhundert, Valentin Maxwell


„Und du bist dir wirklich sicher?“, fragte Fynn mit gerunzelter Stirn.

Valentin wandte sich zu ihm um, ein feines Lächeln umspielte seine Lippen. Das weißblonde Haar hatte er im Nacken zusammengebunden, die rotglühenden Augen leuchteten.

„Oh ja“, seufzte er.

Valentin ließ seinen Blick weiter wandern, zu dem Jungen der schlafend auf dem Sofa des Hotelzimmers lag. Seine Atmung ging tief und regelmäßig, ein entspannter Ausdruck lag auf seinem Gesicht. Nichts verriet, dass er sich darüber im Klaren war, dass er nicht alleine im Zimmer war.

„Er wird es dir niemals verzeihen“, gab Fynn besorgt zu bedenken.

Valentin seufzte abermals, diesmal war der Laut jedoch von gänzlich anderer Beschaffenheit. Das wusste er. Er wusste es nur zu gut. Raven, so nannte sich sein ehemaliger Schützling inzwischen, würde ihm das, was er gedachte zu tun, in so vielerlei Hinsicht nicht verzeihen.

„Dessen bin ich mir bewusst“, antwortete der Vampirfürst daher. „Hast du getan was ich dir aufgetragen habe?“

„Natürlich“, antwortete Fynn sofort. „Ich und Ivy haben dafür gesorgt, dass es überall im Untergrund der Stadt die Runde macht“.

„Gut“, erwiderte Valentin. „Dann wird er kommen“.

„Was macht dich da so sicher? Er könnte überall sein, warum glaubst du, dass er ausgerechnet hier ist?“

„Weil er sich hier am besten auskennt“, begann er seinem, für seine Gattung noch jungen, Gefolgsmann versöhnlich zu erklären. „Und was tut man bewusst oder unterbewusst, wenn man sich in die Ecke gedrängt fühlt? Man begibt sich auf vertrautes Terrain“.

„Du hast das seit Jahren geplant“, wurde Fynn in diesem Moment klar und seine Augen wurden groß. Ein schneller Seitenblick auf den Jungen, der nach wie vor auf dem Sofa schlummerte. „Gehört er auch dazu?“

„Natürlich“, sagte Valentin mit einem feinen Lächeln.

Mehr würde er nicht verraten. Der Rest musste ein Geheimnis bleiben. Er vertraute Fynn und auch dessen Schwester Ivy, aber man bewahrte ein Geheimnis nun einmal am besten durch Verschwiegenheit.

Der Junge auf dem Sofa gab ein undeutliches Geräusch von sich, halb Seufzen, halb Stöhnen. Die Stirn runzelte sich, er würde bald aufwachen. Just in diesem Moment flog die Tür zum Hotelzimmer auf. Fynn begab sich sofort in Angriffsstellung, während Valentin sich gelassen zu dem Neuankömmling umwandte.

Er machte keine Anstalten Fynn aufzuhalten, als dieser auf den nicht ganz so ungebetenen Gast zusprang, schneller als ein menschliches Auge zu folgen vermochte. Seine Hände hatten sich bereits zu Klauen verformt.

Fynn war einer der begabtesten Werwölfe, die er je getroffen hatte, weswegen er ihn und seine Schwester auch unbedingt in seine Dienste nehmen wollte. Valentin hatte die beiden im 19. Jahrhundert in London aufgespürt und ihnen ein paar Jahre später das Leben gerettet. Seitdem begleiteten ihn die beiden jungen Wölfe, sie sahen es als ihre Pflicht ihn zu beschützen.

Doch gegen den Neuankömmling hatte Fynn dennoch keine Chance.

Der Wolf befand sich noch mitten in seiner Verwandlung in die Bestie, als Raven zuschlug. Er kannte Fynn sehr gut, er hatte immerhin Valentin geholfen die beiden ausfindig zu machen. Damals, als sie noch zusammen unterwegs waren…. Der Vampirfürst verbot sich die melancholischen Erinnerungen daran, er hatte nun wirklich Wichtigeres zu tun. Raven war fuchsteufelswild, ganz so wie Valentin es erwartete.

Ein unheimlicher Windstoß, kräftig genug um die Tür aufgestoßen zu haben, fegte durch das Zimmer und brachte alles in völlige Unordnung. Ein kleiner Tornado wirbelte durch den Raum, angestachelt von Ravens Wut. Aber auch das vermochte Valentin nicht zu beeindrucken. Er war alt und mächtig genug um das Spektakel sofort beenden zu können, doch er wusste aus Erfahrung, dass man Raven erst einmal Wüten lassen musste. Der Junge besaß wirklich ein fürchterliches Temperament.

Da Raven natürlich Fynns Reaktion erwartet hatte, befand er sich nicht gleich hinter der Tür, sondern ein Stück weiter entfernt im Gang. Valentin konnte deutlich erkennen, und er merkte es sofort am Geruch, dass Blut von der Hand des Kopfgeldjägers tropfte. Es hatte bereits eine kleine Lache zu seinen Füßen gebildet, doch er achtete nicht darauf.

„Fynn“, versuchte er den Werwolf vergnügt zur Besinnung zu bringen, doch er erntete bloß ein warnendes Knurren, dass nur eines bedeuten konnte: Misch dich nicht ein!

Ohne eine Vorwarnung streckte Raven blitzschnell die blutende Hand aus, woraufhin ein kleiner Speer, geformt aus Lebenssaft, auf den Wolf zuflog. Fynn wich geschickt aus, doch übersah dabei völlig, dass Raven damit gerechnet hatte. Er hatte von Anfang an auf Valentin gezielt.

Fynn bemerkte es ebenfalls, doch zu spät. Seine gelb glühenden Augen richteten sich wieder nach vorne zu Raven und er stürzte auf ihn zu. Derweil breitete sich ein triumphierendes Lächeln auf dem Gesicht des Vampirfürsten aus, als er die Hand ausstreckte und das Wurfgeschoss mühelos noch im Fluge auffing.

„Na, na, habe ich dir wirklich solch halbherzige Angriffe beigebracht? Das kannst du doch besser“, sagte er spöttisch.

Es gab, außer des gewaltigen Altersunterschiedes, noch einen Grund weswegen Raven ihn nicht würde töten können, so sehr er es auch wollte. Seit Valentin ihn verwandelt hatte, floss sein Blut zum Teil in seinen Adern. Auch die Fähigkeit das eigene Blut verfestigen und verformen zu können, hatte er ursprünglich von Valentin übertragen bekommen. Denn Valentin war kein gewöhnlicher Vampir. Und er hatte Raven ausgebildet. Eigenes Blut kann unmöglich den Träger verletzen. Und da es zum Teil in Raven floss… könnte man sagen, dass seine Angriffe mit dieser Fähigkeit nur halb so wirksam waren gegen seinen ehemaligen Meister.

Währenddessen ging der Kampf zwischen Vampir und Werwolf weiter. Gerade duckte sich Raven unter einem Prankenhieb. Den Profi erkannte man daran, dass er nahtlos zum Angriff überging. Ein gezielter Tritt aus der Hocke nach oben in die Mitte des Wolfes beförderte diesen einige Schritte zurück. Rasch erhob sich Raven wieder mit unbeweglicher Miene und setzte nach. Seine Hände hatten sich ebenfalls zu langen Klauen aus Blut verformt, die gnadenlos einsetzte. Doch schließlich war es abermals ein gezielter Tritt in die Magengrube Fynns, der den Werwolf zurück ins Zimmer katapultierte.

An diesem Punkt beschloss Valentin, dass sich beide genug ausgetobt hatten.

„Das reicht!“, verlangte er mit aufblitzenden Augen und gebieterischer Stimme.

Fynn knurrte, stand auf, rührte sich aber ansonsten um keinen Millimeter, obwohl er am ganzen Körper vor Tatendrang zitterte. Raven zischte und seine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Valentin erkannte sofort, dass er nicht daran dachte aufzugeben.

„Du weißt, dass du mich nicht töten kannst, also warum tobst du noch immer herum wie ein kleines Kind? Deshalb bist du doch nicht hergekommen“, sagte er.

Raven schnaubte, doch nach kurzem Zögern gab er seine kämpferische Haltung auf. Aber von entspannen konnte keine Rede sein.

Sein Blick flog durch das Zimmer und blieb schließlich an der Gestalt des Jungen hängen, der trotz des Krachs noch immer friedlich schlummerte. Was auch kein Wunder war, denn Valentin hatte ihn betäubt und er würde noch eine kleine Weile länger schlafen, wenn auch nicht mehr lange. Als Ravens Augen rot aufzuleuchten begannen, beschloss Valentin zumindest Fynn aus der Schusslinie zu nehmen. Wenn sein alter Schüler in dieser reizbaren Stimmung war, könnte er den Werwolf unter Umständen töten, denn beide hatten einen äußerst kurzen Geduldsfaden.

„Fynn. Man wird euch mit Sicherheit gehört haben. Also geh hinunter zur Rezeption und bringe das wieder in Ordnung“, verlangte er.

Fynn gefiel die Anordnung sichtlich nicht, doch er tat wie geheißen. Zuerst verwandelte er sich zurück, zog sich frische Kleidung an und begab sich mit einem strengen Seitenblick auf Raven hinaus.

Die Tür schloss sich hinter ihm mit einem leisen Geräusch.

„Ist er das?“, fragte Raven gefährlich leise und deutete mit einem Kopfnicken auf die zusammengerollte Gestalt auf dem Sofa.

Seine Stimme klang tief und ein bisschen heiser, sie schien nicht richtig zu seinem Äußeren zu passen, vor allem wenn man den harten Klang darin wahrnehmen konnte.

Raven war erst zweiundzwanzig gewesen, als Valentin ihn verwandelte, obwohl er gute fünf Jahre älter aussah. Es waren damals andere Zeiten. Er besaß allerdings noch immer die dunkelbraunen Haare und die stechend blauen Augen. Sein Gesicht, schon immer ziemlich hübsch und jugendlich, hatte über die Jahre und dank der Verwandlung ein reiferes Aussehen angenommen und Züge bekommen, wie gemeißelt. Seine einst sonnengebräunte Haut hatte einen blassen Stich bekommen, seine Haut wirkte ein bisschen fahler wie bei anderen Vampiren auch. Alles in allem konnte man nicht sagen, dass die Jahre der Trennung seiner Attraktivität und Anziehungskraft einen Abbruch getan hatten, sein Charme hatte sich nur in eine noch viel düstere Richtung entwickelt.

Raven war sich dessen zwar nicht bewusst, doch er besaß eine Gabe. Er besaß nämlich ein ausgeprägtes Charisma, wie Elias selbst es nicht hatte. Das war auch der Grund warum der Vampirfürst ihn ausgewählt hatte.

„Dein Nachfolger?“, hakte Valentin nach. „Ja“.

Raven zischte erbost. Seine Augen verfärbten sich abermals zu einem leuchtenden blutrot, das jeden Vampir sofort enttarnt hätte. Valentin wartete geduldig ab. Er konnte es sich leisten, denn Raven konnte ihm nicht gefährlich werden. Jedenfalls nicht wirklich.

„Wie alt ist er?“, knurrte Raven.

Valentins Lächeln wurde breiter. Diese Frage hörte sich ja ziemlich doppeldeutig an. Aber es gab einen ganz einfachen Grund, warum er Raven und nun auch den Jungen in so einem jungen Alter zu sich geholt hatte. So sind sie alt genug um sich seinem Training unterziehen zu können, aber noch jung genug um formbar zu sein. Junge Männer in diesem Alter waren so leicht zu manipulieren.

„Also wirklich, wie sich das anhört. Möchtest du mir etwa etwas Ungehöriges unterstellen?“, spottete Valentin, er wusste wie er Ravens Puls in die Höhe treiben konnte.

„Spiel nicht den Dummen. Du weißt ganz genau was ich meine“, spie Raven wütend aus, seine Augen loderten.

Valentin seufzte gespielt theatralisch.

„Neunzehn. Zwei Jahre älter als du es damals warst“, gab er schließlich bereitwillig Auskunft.

Valentin konnte, nicht ohne Befriedigung dabei zu empfinden, beobachten wie Ravens Augen sich für einen Moment weiteten. Er hatte den Jungen sorgfältig ausgewählt. Sein und Ravens Schicksal waren sich sehr ähnlich. Bisher schien sein Plan zu funktionieren.

„Ich werde nicht zulassen, dass du ihm das gleiche antust wie mir“, sagte Raven entschlossen.

Nun kamen sie zum Kern seines Besuchs. Raven bemerkte es zwar nicht, aber die Schlinge um seinen Hals zog sich immer weiter zu.

„Ich weiß“, sagte der Vampirfürst. „Und trotzdem. Antun? Du verletzt meine Gefühle“, beschwerte er sich.

Er konnte es nicht lassen seinen ehemaligen Schützling weiter zu provozieren. Nicht mehr lange und er würde ihn zu einem neuerlichen Wutausbruch gebracht haben.

„Du hast mich nur benutzt“, warf Raven ihm vor und für einen Moment flackerte neben Wut noch eine andere Emotion in seinen Augen auf.

Etwas, was Valentin zugegeben für einen Moment aus der Bahn warf.

Seit 1891 gingen sie nun schon getrennte Wege. Also seit mehr als einem Jahrhundert. Und trotzdem schmerzte es Raven noch immer. Selbst ein Jahrhundert hatte nicht gereicht den Schmerz und die Verzweiflung zu tilgen. Es hatte nur bewirkt, dass sich ein Teil davon in Hass verwandelt hatte.

„Ich habe nur genommen, was du mir freiwillig gegeben hast“, erwiderte Valentin ruhig.

Ein dumpfes Gefühl breitete sich in seiner Brust aus, etwas was er nicht kannte.

Raven schnaubte trocken.

„Natürlich. Und es war bloß reiner Zufall, dass es genau das war was du brauchtest“, gab er zurück.

Valentin schwieg. Egal was er sagen würde, es würde nichts nützen und weder ihn noch Raven voranbringen. Aber egal was Raven auch behauptete und empfand, Valentin wollte nur das Beste für ihn. Das war die Wahrheit. Auch wenn es schmerzte und er es nicht verstand.

Schweigen breitete sich aus, bis Raven es brach.

„Ich werde nicht zulassen, dass du ihn bekommst. Ich nehme ihn mit“, sagte er und sah Valentin mit merkwürdig ruhiger Gefasstheit und Entschlossenheit an.

„Nein“, antwortete dieser scharf. „Das wirst du nicht“.

„Dann halt mich davon ab. Aber du wirst mich schon töten müssen“, knurrte der Kopfgeldjäger.

Valentin tat so als würde er nachdenken. Raven wusste, dass er es nicht tun würde, aber auch, dass er den Jungen nicht so einfach aufgeben würde. Natürlich war Valentin darauf vorbereitet, aber das durfte Raven nicht wissen.

„Du weißt, dass das nicht geschehen wird. Ich werde dich nicht töten. Aber du wirst ihn auch nicht mitnehmen. Wenn du ihm helfen willst, musst du schon mehr als deinen Tod bieten“.

Ravens Augen verengten sich wieder und er ballte seine Hände zu Fäusten. Ohne es zu bemerken wechselte sein Körper geschmeidig wieder zurück in eine Kampfhaltung. Alles an ihm sträubte sich dagegen. Sein Körper hatte längst verstanden worauf der Vampirfürst hinauswollte.

„Komm zurück zu mir. Und ich verspreche dir, ich werde ihn in deiner Obhut überlassen“, bot Valentin an.

„Nein!“, rief Raven entsetzt aus.

„Das ist der Preis den du zahlen musst, willst du ihn beschützen. Ich will nicht deinen Tod, hab ihn nie gewollt. Ich will dein Leben“, sagte Valentin unerschütterlich.

Nun waren es seine, bereits durch die Jahre als Vampir durch und durch roten Augen, die aufzuleuchten schienen. Er wähnte sich seinem wahren Ziel ganz nahe. Er konnte es förmlich spüren, schmecken. Den Sieg.

Ravens Blick flog schier zwischen ihm und dem Jungen, der noch immer schlief und nichts von der Debatte mitbekam, hin und her. Seine Fäuste öffneten und schlossen sich immer wieder. Er dachte fieberhaft nach, suchte nach einem Ausweg. Aber sein Gerechtigkeitssinn schlug schließlich seine Angst und Abscheu. Seinen Hass. Er war einfach viel zu weich, seine einzige Schwäche. Er konnte einfach niemanden zurücklassen, von dem er glaubte, dass er seiner Hilfe bedurfte.

„Na schön. Du bekommst deinen Willen. Wie üblich“, knurrte er und wandte besiegt den Blick ab, schaute zu Boden. „Jetzt weck den Jungen auf und lass ihn gehen“.

„Oh, so einfach wird es nicht. Wir wissen beide, dass ich ein Druckmittel brauche, sonst verlässt du mich schließlich bei der nächsten Gelegenheit“, sagte Valentin zuckersüß. „Ab jetzt bist du für ihn verantwortlich“.

Ravens Wutschrei, der daraufhin folgte, konnte einem wirklich durch Mark und Bein gehen.
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