Die Legende um Lucarios Retterteam

GeschichteAbenteuer, Krimi / P12
06.09.2019
03.12.2019
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Sie durchschritten einen dunklen Korridor. Das Warp-Feld, das sie sich ersehnten, lag am anderen Ende des Gangs. Alles bröckelte vor sich hin, dachte Lucario, und doch sah alles wahrscheinlich genauso aus wie noch vor tausenden von Jahren. Ehe sie teleportierten, aßen sie ein paar Äpfel und Tsitrubeeren und tranken je ein Top-Elexir. Dann …

… waren sie angekommen. Die Wände erstrahlten in einem Meer aus Blautönen. Sie schien fast ganz aus Saphir zu bestehen und selbst aus dem kargen Erdboden wucherten jene Edelsteine. Es wurde kälter – ein paar Schritte weiter, standen sie am Ufer eines Sees, der mit Eisschollen bepflanzt war. Die Rückenflosse irgendeines Wesens schürfte still durch die glatte Wasseroberfläche und tauchte dann wieder ab.
„Oh …“, sagte Snibunna mit halber Begeisterung. „Ein Garados …“
Psiana begab sich näher ans Ufer heran und setzte sich, die Vorderbeine gerade, hin.
„Ich werde es in Zaum halten …“
Lucario und Snibunna eilten los und sprangen über die Eisschollen. Das Gebrüll des Garados war ohrenbetäubend. Es versuchte sich aus Psianas Konfusion zu befreien, wusste aber wahrscheinlich selber nicht, wovon. Ein enorm langer Schatten wand sich unter dem Eiswasser. Psiana Augen leuchteten stärker und stärker, so stark, dass sie in einem leuchtend hellblauen Schein zerfielen. Dann, wie ein Kippschalter, deaktivierte sich die Telekinese und das Garados brach in einem hohen Bogen, mitsamt all seiner Segmente und Schwanzflosse durch die Eisschollen hindurch. Während es für einen Moment über dem Wasser zu schweben schien, hüpfte Psiana elegant auf die andere Seite, unter dem gewaltigen Wesen und den fliegenden Eissplittern hinweg. Der Aufprall des Garados brachte die Eisplatten und das -Wasser zum Schwanken. Doch wenig später, als es wieder ruhig im Wasser schwamm, war es nur noch eine rhythmische Dünung, die ans Steinufer zerfloss.

Sie reisten weiter und trafen auf eine Weggabelung. Die Wege waren symmetrisch, bloß spiegelverkehrt, also entschieden sie demokratisch und nahmen links. Gerade, als sie losgehen wollten, vernahm Lucario hinter sich ein Geräusch und kehrte, eine Aurasphäre feuernd, um. Die Kugel stob Staub, Dreck und Gestein in die Luft, und erst, als sich die schmutzige Wolke auflöste, sahen sie, wer sie spioniert hatte …
„Howdy!“
Alle Augen starrten. Ein Digdri lugte aus dem kleinen Krater hervor und schaute sie freundlich, aber besonnen an.
„Mein blauer Freund.“, sprach der Hauptkopf. „Du solltest aufpassen, wo du hinzielst. Das war ganz schön knapp.“
Lucario bemerkte, wie alt das Digdri war. Die Haut hatte an vielen Stellen Verfärbungen angenommen, die ins Gräuliche gingen. Ein lebendiges Altertum der Pokémon, wie er fand.
„Lebst du hier in der Höhle?“, fragte er.
„Und wie wir das tun. Seit Anbeginn unserer Zeit!“
„Dann wisst ihr viel um die Wunschhöhle? Lasst mich an eurem Wissen teilhaben.“
„Oh ho ho!“, lachte der rechte Kopf. „Du hast einiges in der Birne. Und an Respekt vor dem Älteren scheint es dir auch nicht zu mangeln. Aber eines nach dem Anderen. Wer seid ihr?“
Sie stellten sich alle namentlich vor. Lucario erklärte, dass sie auf der Suche nach Jirachi waren, mit der Absicht es würde ihre Wünsche erfüllen.
„Soso, Jirachi. In letzter Zeit kommen oft Gruppen von Pokémon hierher, meist Retterteams. Alle mit demselben Ziel. Alle wollen zu Jirachi.“
„Ich frage mich“, überlegte Lucario, „woher die wissen, dass Jirachi erwacht ist.“
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Digdri beäugte ihn mit einem Blick, als fragte er sich, wie er es wohl wisse.
„Wie ich sehe“, fuhr der linke Kopf fort, „seid ihr aber aus wichtigeren Gründen hier, statt nur gewöhnlicher Wünsche.“
„Woran seht ihr das?“, fragte Psiana.
„Intuition … Ach, ganz vergessen. Wir müssen uns bei euch entschuldigen.“
Snibunna verdutzt: „Wöfür?“
„Die Seegrotte.“, antwortete Psiana.
„Kluges Mädchen. Du hast das Loch in der Wand gesehen? Ja? Das trägt unsere Handschrift. Unser Tunnelnetzwerk muss irgendwie eine Quelle gefunden haben, oder anders herum.“
„Dann müssen wir uns bedanken.“, erwiderte Lucario. „Es hält uns einige Verfolger vom Leib.“
„Oh ho ho!“, lachte wieder der rechte Kopf. „Wie wahr, wie wahr!“
„Nun aber zur Sache.“, mahnte der Hauptkopf. „Ihr wollt etwas über die Wunschhöhle wissen …? Von diesem Zeitpunkt an, werden euch noch drei wundersame Höhlen dieser Art bevorstehen: die Saphir-Höhle, in dessen Eingang wir uns gerade befinden, die Rubin- und die Smaragdhöhle. Über die letzten beiden können wir nichts sagen, außer, dass wir uns dort nicht hintrauen. Man munkelt jedoch, dass hinter dem Hüter der Smaragdhöhle Jirachi auf die Siegreichen wartet und sie beschenkt. Was diese Höhle angeht …“ – Digdri schaute sich um – „es leben hier viele Gesteins- und Feuerpokémon. Schimmernde Dittos soll es geben, sogar Schneestürme und Monster. Viel mehr konnten uns diejenigen nicht sagen, die wieder aus Jirachis Reich geflüchtet sind.“
„Reich …?“, hakte Snibunna nach.
„Ihr glaubt doch nicht etwa, dass die Wunschhöhle auf natürliche Weise entstanden ist …? Sie ist konstruiert worden, um Jirachi zu beschützen …“
Nach einem kurzen Schweigen, entschied sich Lucario dazu, dass sie weiterziehen. Er bedankte sich bei den drei Digdri-Köpfen, gab ihnen je eine Sinelbeere und alle verabschiedeten sich.
„Oh ho ho!“
„Danke, Freund!“
„Viel Glück auf eurem Abenteuer!“

Sie hatten das Gefühl in unterirdische Bereiche gelenkt zu werden. Es folgten viele Schächte und niedrige Klippen, an denen sie nach unten kletterten. Kälter wurde es auch. Immer mehr spiegelndes Eis überzog die Saphir-Wände und gab ihnen ein faszinierendes Muster. Sie gelangten in eine größere Höhle. Die Decke und der Boden waren mit Spiegelsäulen verknüpft, wie eisblaue Dornenranken, und wohin Lucario, Snibunna und Psiana auch hinsahen, spiegelten sich verzerrte Versionen von ihnen ab.
„Hä … Seht mal …“
Psiana deutete auf die Füße der Säulen. Mehrere nichtssagende Punktaugen beobachteten sie, inmitten eines kleinen, schleimartigen Körpers.
„Das müssen die schimmernden Dittos sein …“
Sie besaßen einen zartblauen Farbton, fast wie der der Eissäulen.
„Es sind 14.“, ergänzte Lucario.
Snibunna guckte misstrauisch.
„Sie verstecken sich aber sofort, wenn wir näher kommen. Die scheinen richtig Angst vor uns zu haben.“
Sie gingen weiter, im Slalom an den Säulen vorbei und zwischenhindurch, die Dittos blieben zaghaft. Lucario schaute sich um, als sie die Mitte der Höhle erreicht hatten und aktivierte sein Aura-Gespür erneut. Dann blieb er stehen …
„Wir sind umzingelt.“
„Ja …?“
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Snibunna begriff nicht. Vor Lucarios Augen spiegelte sich sein Selbst in der Säule und scheinbar aus ihr heraus, schritt ein Duplikat. Es war jedoch anders. Schwanz, Hüfte, Arme und die Hauptpartie des Gesichts waren schwarz, sein Bauchfell blau. Snibunna und Psiana schauten sich um und erlebten mehrfach dasselbe bizarre Schauspiel. Aus den Säulen traten Psianas mit giftgrünem Fell hervor und Snibunnas mit pinker Haut und gelbem Kamm und gelben Ohren. Lucario feuerte eine Aurasphäre auf sein schimmerndes Abbild, doch der Angriff wurde mit derselben Attacke neutralisiert …
„Psiana … Kannst du uns leiten?“
„Du willst sie blenden …?“
Er nickte über die Schulter.
„Okay, klar.“
„Die verwandelten Dittos rückten näher, beinahe wie Zombies. Lucario wühlte nach etwas in seiner Beuteltasche und hielt es in seiner Faust geschlossen.
„Schließ deine Augen, Snibunna.“
In haargenau dem Moment, als seine Pfote etwas zu Boden warf, waren ihre Augen längst geschlossen. Der laute Knall ging in ein gleißendes Licht über, das die Innenseite ihrer Augenlider wie die Brunst der Sonne erhellte. Snibunna bekam von den nächsten Minuten nicht allzu viel mit. Sie fühlte sich wie versteinert, doch lebendig. Ein zarter Lufthauch schmiegte sich an ihr Fell und erinnerte sie an alte Zeiten.

Später, sie spürte eine Änderung des Luftzugs, öffneten sich ihre Augen und sie erblickte abermals das klare Saphir, dann Lucario, dann Psiana und ihre leuchtenden Augen, dann sank sie zu Boden.
„Das nächste Mal könntet ihr mich ruhig einweihen … Dass Lucario einen Blendsamen geworfen hat, gut, aber mich mit einer Konfusion zu entführen, Schwesterherz.“
„Es blieb einfach keine Zeit.“ Sie ließ ein kleines Kichern zeigen. „Außerdem hat Lucario auf dich aufgepasst. Sein Aura-Gespür ist ein wahrhaftiger Segen.“
Snibunna wollte etwas erwidern, ließ es schlussendlich aber sein. Wo sie nun hingingen, wurde es ein Stückchen kälter. Schnee bedeckte die Böden und die Höhlen wurden insgesamt größer. An den kargen Stellen hatten sich heiße Quellen angesiedelt, die den Schnee auf Abstand hielten. Die brodelnde Suppe stob jede Menge Dampf hinauf. Sie mussten plötzlich gegen Gesteinspokémon kämpfen, jene, von denen Digdri erzählt hatte. Sie waren kein leichtes Unterfangen, aber Lucarios Konter, Snibunnas Finten und Psianas Konfusionen erwiesen sich als effektiv. Die Feuerpokémon waren schwieriger: Magcargos und Magmar. Sie kämpften lieber aus der Distanz, mit Flammenwürfen und -Wirbeln. Der Schnee schmolz unter ihren Angriffen dahin, kehrte aber, wie Lucario vermutete, immer wieder durch die Magie der Wunschhöhle zurück. Sie schafften es langsam die Anzahl ihrer Gegner zu minimieren. Aber gerade, als sie die Oberhand gewannen, erzitterten die Wände, wie ein kalter Schauer, dann Decke, Boden, schließlich die ganze Höhle. Alle Pokémon flohen, schaufelten sich unter die Erde, versteckten sich in ihren Panzern oder rannten in die Richtung, aus der Lucario, Snibunna und Psiana gerade gekommen waren. An dem Tunnel auf der anderen Seite der Höhle, zeichnete sich ein gewaltiger Schatten ab. Erst etwas Kopfähnliches, dann der dickleibige Körper. Langsam, und bebend, stampfte es aus dem Tunnel, erstreckte sich, drei Mal so groß wie sie selbst. Das Beben erlosch, als das Monstrum den Raum betrat …
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„Das … das ist …“
Snibunna stammelte, aber nicht aus Ehrfurcht.
„… ein Qurtel.“
Sie starrte perplex auf ebenjenes Wesen, das sich mit seinen Schlitzaugen in der Höhle umsah. Es blähte seine Nüstern. Der Atam entfuhr in heißen Stößen. Als es einen ausgreifenden Schritt in die Höhle setzte, brach eine der umliegenden heißen Quellen aus und brachte eine Fontäne bis an die Decke. Das spritzende Wasser kümmerte dem Wesen kaum und es bewegte sich weiter vorwärts. Lucario überlegte, sich an dem Qurtel vorbeizuschleichen, so lange es sie noch nicht entdeckt hatte. Aber was, wenn der Tunnel eine Sackgasse war. Dann säßen sie fest, würden eingeräuchert oder verbrannt werden. Gerade in dem Moment, feuerte das Qurtel einen Flammenwurf auf sie und sie sprangen zur Seite. Der gesamte Schnee schmolz unter der Hitze und bildete sich Flocke für Flocke wieder neu. Psiana probierte das Qurtel zu stoppen oder zumindest zu irritieren, aber es war schlichtweg zu groß. Snibunna spuckte die explodierende Feuerwolke eines Plosivsamens aus und traf den Kopf des Ungeheuers, aber neben des minderen Kratzers, wurde es bloß wütend. Aus dem Blasloch auf seinen Panzer strömten meterhohe Rauchschwaden hinaus, die an der Decke zu einem giftigen Smogteppich aufquollen. Dann meldete sich Snibunna von der anderen Seite der Höhle. Sie stand auf dem Schnee einer flachen Erhöhung.
„Lucario! Hier drüben sind zwei heiße Quellen! Sie brodeln von allen am heftigsten. Wir müssen das Biest nur hierherlocken!“
Aber wie … Das Qurtel stand felsenfest. Und es benutzte nur Distanzangriffe.
„Natürlich! Ich benutze den Stillorb. Psiana, lenk seine Aufmerksamkeit zu Snibunna rüber. Ich komme nach!“
Als sie über den Schnee hüpfte, nahm das Qurtel sie mit einem Flammenwurf unter Beschuss. Ein Teil ihrer gespreizten Schweifspitze wurde dabei verkohlt. Lucario holte indessen den Orb aus seiner Tasche. Er holte aus und warf in auf des Monsters Kopf. Der Orb entfaltete sich auf der Hälfte des Weges zu einem großen Ring, dessen Zwischenraum elektrische Spannungen erzeugte. Der Ring schloss sich um das Maul des Qurtels und der durchflutende Strom schien es kurzweilig zu paralysieren. Lucario stieß eine Aurasphäre gegen seinen Kopf und rannte zu den Anderen. Das Qurtel wurde rasend vor Wut. Es türmte seine stummeligen Vorderbeine auf und erzeugte ein den Erdboden Angst machendes Beben. Drei Geysire brachen unmittelbar aus. Snibunna gewann langsam Ehrfurcht vor diesem Wesen. Es stampfte entgegenkommend weiter, mit ausgreifenden Schritten. Sein Leib befand sich jetzt über den zwei spuckenden Quellen und alle blickten in das schwarze Nichts seines sich öffnenden Mauls.
„Wir müssen nachhelfen!“, befahl Lucario.
Er schoss eine Aurasphäre auf den einen Geysir und Snibunna eine violette finstere Kugel auf den anderen. Sie hatte sich an die Finsteraura erinnert. Das blubbernde Gebräu entlud sich auf der Stelle. Zwei mächtige Fontänen blühten auf und drückten den Unterbauch des Wesens nach oben.  Der Körper stieg stetig an, der Stillorb zersprang und man konnte die schiere Verzweiflung erkennen.
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Seine linken Stummelbeine hingen hilflos in der Luft. Schließlich, kippte das Qurtel auf den Rücken und sein Panzer schlug bebend auf. Lucario, Snibunna und Psiana beeilten sich. Über ihnen spülten die vielen Fontänen die Decke frei von giftartigem Smog, der in Form von säuerlichem Regen wieder zu Boden schüttete. Sie warfen einen letzten Blick auf das Qurtel, ehe sie ihre Reise fortsetzten.

Die Saphire wurden magerer und langsam durch gewöhnliches Gestein ersetzt. Sie nahmen an, dass sie fast am Warp-Feld angekommen waren. Aber es war eben nur ein Gefühl, kein Wissen. Plötzlich blieb Lucario stehen. Etwas hatte seine Wange berührt und lief sein schwarzes, dann blaues Fell hinab. Snibunna blieb ebenso verwundert stehen und schaute sich um.  Aus dem Gang, dessen Pfad sie befolgten, kamen winzige Schneeflocken angetänzelt, und mit ihnen, ein leichter eisiger Wind. Alle drei fingen an zu laufen. Sie liefen dem Wind, der stärker wurde und den Schneeflocken, die dicker wurden, entgegen und kamen am Ende des Tunnels zum Stillstand. Sie sahen nichts mehr, nur noch wirbelnden Schnee. Snibunna begann zu feixen.
„Kommt ihr klar in diesem Terrain?“
Lucario schaute wieder wie ein Xatu in den wehenden Schnee.
„Snibunna, du wirst unsere Gruppe aus dem nahen Umkreis verteidigen. Psiana hilft dir aus der Distanz. Ich … ich orte mögliche Feinde.“
Er klappte seine Beuteltasche auf und holte aus einem Holzetui eine sonderbare Brille hervor … Sie hatte rote Gläser und ein goldenes Gestell …
„Ist sie das …?“, fragte Psiana, obwohl sie es zu wissen schien.
„Ja. Ich hatte sie in den letzten Tagen fertiggestellt. Mit etwas Hilfe. Die Brille kann durch alles hindurchsehen, doch habe ich sie bislang noch nicht testen können. Das hier wird also eine Art Jungfernflug, mitten durch einen Schneesturm.“

Der Sturm war heftig, heftiger als er von außen gewirkt hatte. Sie konnten sich zwar hören und auch sehen, aber sehr schwach. In ihrer spitzen Dreiecksformation, bildete Snibunna die Spitze, dann kam Psiana leicht seitlich und Lucario ganz hinten. Sie hielten immer denselben Abstand zueinander, so dass sie sich noch hören und etwas sehen konnten. Das Sehen war unwichtiger, dafür hatten sie schließlich ihre visuellen Mittel. Dann kam der erste Angriff.
„Aus nordöstlicher Richtung! Drei Sengos! Psiana, Snibunna, macht euch bereit …!“
Snibunna hieß ihre Feinde mit Kratzfurien willkommen; mit Psianas Konfusion, verwandelte sie jede davon in einen Treffer und die Sengos mussten, ganz zerrüttet, fliehen. Tiefer ins Nirgendwo hinein, stießen sie sporadisch auf aschfahle Bäume, deren kahle Äste von Schneedecken überhäuft wurden. Diese Bäume wirkten sepulkral, waren aber nicht tot – das, trotz des zeitlosen Winters. Irgendwie, sie kamen wieder an einem Baum dieser Art vorbei, zeigte der dickste Ast in eine bestimmte Richtung. Lucario fand es absurd, und dennoch …
„Da ist etwas!“
„Ein Warp-Feld …?“, rief Snibunna über die Schulter. Lucario wusste es selbst nicht. Er benutzte sein Aura-Gespür.
„Nein … es lebt. Es ist … ein Pokémon! Vielleicht ein Tanza! Wir sollten nachsehen!“
„Aber die Mission …!“
„Wir sehen nach!“
Sie liefen womöglich sechzig, siebzig Schritte, bis sie die Stelle erreicht hatten. Angekommen, lösten sie ihre Formation und versammelten sich um das Pokémon (tatsächlich ein Tanza), das mit Eis überzogen im Schnee lag. Seine Augen waren geschlossen. Der Moment strahlte eine gewisse Trostlosigkeit aus und besonders Snibunna zeigte ihre Scham …
„Tut mir Leid.“
Lucario nickte schwach. Er nahm das gefrorene Tanza aus der Vertiefung des Schnees und richtete sich auf.
„Wir werden es mitnehmen. Vielleicht … vielleicht kann es uns etwas lehren. Außerdem, hat es Besseres verdient. Ich bin sicher.“
Psiana und Snibunna stimmten einsilbig zu. Sie gingen demnach zu viert weiter. Lucario würde weiter die Rolle des Koordinators übernehmen und ihre Gegner im Auge behalten. Und so bestritten sie noch mehrfach Kämpfe gegen Sengos, Stollracks, ja auch Keifel. Sie folgten dem Pfad, den sie zu Tanza gegangen waren und führten ihn fort. Lucario war gewiss, dass es die richtige Fährte hatte, nur nicht ans Ziel ankam. Der Schnee schien überall gleichlebig zu wehen. Es war einfach nichts zu sehen, außer Weiß und sich selbst ... Dann, blieb Psiana unverhofft stehen.
„Oh …“, hauchte sie beinahe. „Wartet! Hört ihr das …?“
Snibunna zuckte mit den Schultern. Nachdem sich Lucario mit seiner Röntgenbrille umgesehen hatte, liefen sie beide zu ihr rüber. Sowie sie dem starken Wind horchten, traf ein kaum hörbarer, lieblicher Gesang in ihren Ohren ein. Sie sahen alle in dieselbe schneeverwehte Richtung. Ihre Neugierde entscheiden lassen, folgten sie dem Pfad und mit den Schritten, wurden die Laute hörbarer. Es waren Stimmen. Sie erreichten einen Eingang zu einer Höhle, der sich langsam vor ihren Augen abzeichnete. Während sie eintraten, schüttelten sie den Schnee von sich ab und atmeten einige Mal tief durch. Hinten im Gang sahen sie, es schien eine Ewigkeit her zu sein, das reine Saphir erneut zum Leben erwachen. Sie sehnten sich nach einer Rast, aber der Gesang war jetzt so deutlich zu hören, dass er sie zum weitergehen verlockte. Psiana fühlte sich umgeben von einer Harmonie des Himmels. Als sie den steinigen Flur hinter sich ließen, war es genauso wie sie es sich vorgestellt hatte. Der Raum war gewaltig, doch weniger der Größe wegen, eher in der Aufmachung begründet. Rund um die glänzend blauen Wände ragten langgezogene Pilaster aus Basalt in die Höhe, mit verzierten Kapitellen und auf jedem ein strohiges Nest, das von einem schlafenden oder singenden Altaria bewohnt war. Ihre Flügel waren zu einer einzig weißen Wolke verschmolzen und aus ihren kurzen Schnäbeln kamen weiche Töne, wie aus einer Panflöte. Lucario, Snibunna und Psiana schritten leise in die Mitte des, wie sie fanden, Chorsaals. Die Altaria schienen sich nicht an ihnen zu stören; vielleicht wiegten sie sich auch nur gegenseitig in den Schlaf. Snibunna wollte trotzdem keine Aufmerksamkeit erregen und deutete auf eine niedrige Steintreppe hin. An dessen Spitze angekommen, versammelten sie sich um das kunstvolle violett-schwarze Warp-Feld, das sich vor ihren Füßen präsentierte. Snibunna verschwand als Erste und nach einem schwelgenden Blick zurück, auch Psiana. Lucario hingegen betrachtete das Tanza, das von Eis überzogen, in seinen Armen lag und es war auch das Letzte was er sah, als er in dem hellgelben Lichtstrahl aufging, der ihn und seinen neuen Schützling hoffentlich in ein wärmeres Gefilde brachte.
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