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Insomnia

von mairio
Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / Het
Chiaki Nagoya Marron Kusakabe Miyako Toudaiji Yamato Minazuki
06.09.2019
22.01.2021
60
240.807
26
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Dieses Kapitel
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18.12.2020 3.630
 
FIFTY-FIVE

Chiaki wusste nicht, wie er sich das erste Treffen mit der Freundin seines Vaters immer vorgestellt hatte. Zumindest nicht so - in ihrem Sprechzimmer.
In einer Therapiesprechstunde.
Welches nicht so sonderlich gut ablief.
Er war an dem Nachmittag Midori ins Büro gefolgt, hatte Maron, die mit einem bedenklichen Blick ihm hinterher sah, im Wartezimmer zurückgelassen.
„Chiaki“, begrüßte die Frau ihn, nachdem er auf der Couch sich hingesetzt hatte und sie ihm gegenüber auf einem Sessel. „Ich darf dich doch duzen, oder?“
Nur zu, gab Chiaki mit einer einladenden Geste wortlos zu verstehen.
„Super“, sagte Midori lächelnd, hatte plötzlich Stift und Notizbuch in den Händen. „Ich habe schon so viel von dir gehört.“
Das glaubte er ihr.
Mit einem freundlichen Lächeln sah sie ihn an. „Was kann ich für dich tun?“
Ohne um den heißen Brei zu reden, schoss Chiaki direkt los: „Ich hätte ein paar Fragen zu Maron.“
Midori hob eine Augenbraue. „Warum fragst du mich und nicht Maron selbst? Sie hat eine nette Stimme, die du sicher lieber hören würdest als meine. Ich bin dafür bekannt, dass ich plapperte.“
Zumindest war sie ehrlich.
„Ich hätte Fragen zu Maron’s Zustand“, erklärte er. „Ich rede ständig mit Maron, aber sie hat einfach nicht die Infos, die ich brauche.“
„Hmm.“ Midori nickte verstehend. „Und deshalb bist du zu ihrer Therapeutin gekommen, um diese Fragen zu stellen?“, fragte sie.
Er machte ein Gesicht, als wäre es selbstverständlich, worauf sie etwas schmunzelte.
„Fragen zu stellen ist eigentlich mein Job, aber ich schlage dir einen Deal vor…“
Ihm gefiel es nicht, wohin das führte.
„Ich stelle dir immer zwei Fragen, die du mir beantwortest und ich beantworte dir jede deiner Fragen.“
Chiaki presste sich für einen Moment innerlich fluchend die Lippen zusammen, hätte er sich sowas denken können.
„Zwei für eine ist nicht fair…“
„Das Leben ist nicht fair“, entgegnete sie schulterzuckend und fing direkt mit ihrer ersten Frage an: „Wie fühlst du dich, hier zu sein?“
„Ich fühle mich genervt“, antwortete er ehrlich.
„Wie läuft es so, seitdem du wieder in Momokuri bist?“, fuhr sie fort.
„Gut.“
„Gut?“
„Ja, gut.“
„Wirklich gut?“
„Ja. Wirklich gut. Verdammt gut.“ Genervt seufzte Chiaki aus, fragte direkt seine Frage, die er sich verdient hatte:
„Wie kann ich Maron helfen?“
Das war der einzige Grund, warum er überhaupt hierhergekommen war. Er fühlte sich nicht nur wie ein Außenseiter, was ihre Therapie anbelangte. Chiaki war sich auch nicht sicher, wie er weiter vorgehen sollte in ihrer Beziehung. In jeglicher Hinsicht.
Emotional, körperlich, sexuell.... Obwohl letzteres für ihn keine Eile hatte.
Er musste nur wissen, wie er mit seinem Mädchen umgehen soll. Auch wenn es bescheuert von ihm war, überhaupt über den Umgang mit ihr nachzudenken…
Die Sache war auch, dass Maron nicht mehr so wie früher war.
Sie war nicht mehr so still und zurückhaltend. Nun ließ sie ihre Emotionen raus, wenn sie etwas aufregte. Sie staute sich alles nicht mehr zusammen.
Chiaki war sich sicher, dass dies Resultat ihrer Behandlung war, zusammen mit den Sportkursen und den ständigen Ermutigungen, ihre Emotionen zu reinigen.
Er wusste nicht einmal mehr, wie er sie küssen sollte.
Er wusste nicht, wann es in Ordnung war, sie zu berühren oder wann es akzeptabel war, beschützend und sauer zu sein.
Er wusste nicht, wann er ihren Stuhl herausziehen oder ihre Autotür aufmachen sollte. Er wusste nicht, wann er sie halten oder wohin seine Hände gehen sollten.
Er wusste nicht, ob er ein aktiver Teil ihrer Therapie sein konnte.
Er wusste nicht, welche Art von Liebe sie jetzt brauchte, die er ihr zeigen sollte.
Midori runzelte ihre Stirn.
„Das ist eine ziemlich breitgefächerte Frage, Chiaki“, sagte sie, schürzte ihre Lippen und seufzte schließlich.
„Du kannst Maron helfen, indem du für sie da bist“, antwortete sie zunächst sanft, ehe ihre Stimme wieder ernster wurde. „Zeig ihr Zuneigung ohne Erwartungen und am wichtigsten: indem du dich zusammenreißt.“ Chiaki blickte sie ohne Regung an.
„Nun, erzähl mir von deiner Mutter.“
„Erstens: das ist keine Frage“, wendete er ein. „Zweitens: was meinst du mit ‚zeig ihr Zuneigung ohne Erwartungen‘?“, fragte er irritiert. „Glaubt sie, ich erwarte etwas?
„Erwartest du denn etwas?“
„Erwartest du, dass ich etwas erwarte?“
„Erwartest du von mir, dass ich erwarte, dass du etwas erwartest?“
„W-Was??“ Stoppend hielt Chiaki seine Hände in die Höhe. „Okay, Stopp. Hör auf damit. Du kannst eine Frage nicht mit einer Gegenfrage beantworten.“
„Du hast als Erster meine Frage mit einer Gegenfrage beantwortet“, erwiderte Midori. „Ist das deine bevorzugte Ausweichmethode?“
Tief atmete Chiaki durch, hielt sich die Stirn.
„Nein, meine bevorzugte Ausweichmethode wäre dich anzufluchen und ich wäre kurz davor das zu tun. Nur damit du das weißt.“
„Oh, wie lustig“, schmunzelte sie, schrieb sich etwas auf.
In den nächsten zwanzig Minuten lief es schließlich somit ab, dass er jede ihrer Fragen zu seiner Familie, seiner Vergangenheit oder sonst irgendwelchen willkürlichen Schwachsinn knapp beantwortete.
Im Gegenzug bekam er weitere, kleine Erkenntnisse über Maron.
Er erzählte Midori beispielsweise von seiner Mutter und im Gegenzug sagte sie ihm, wie beruhigend und zärtlich eine einfache Rückenmassage für sein Mädchen sein konnte.
Als Midori schließlich nach dem Tag fragte, als er gegangen war, wurde es Chiaki unangenehm.
„Möchtest du mir erzählen, was an jenem Tag geschah, als du die Stadt verließ?“
Ohne nachzudenken, antwortete er: „Nein.“
„Nein?“ Sie krauste die Stirn, verschränkte ihre Beine und lehnte sich zurück. „Warum nicht?“
„Es ist einfach... nicht etwas, auf das ich stolz bin. Es hat keinen Sinn, darüber zu reden. Maron und ich haben schon alles darüber besprochen.“
„Mir ist bewusst, dass du es mit ihr besprochen hast, aber ich möchte, dass du es mit mir besprichst.“
Augenrollend atmete Chiaki durch die Nase tief ein und wieder aus.
„Habe lange Zeit nicht geschlafen, ein paar Tabletten zu viel genommen, halluziniert, habe mich dann mit Maron gestritten, mit ihr geschlafen, fühlte mich scheiße und habe dann die Stadt verlassen“, fasste er in einem Atemzug zusammen.
„Chiaki“, sagte Midori sanft und dennoch ernst, „Das ist nicht etwas, wo du an Details sparen sollst. Ich möchte alles über diesen Tag hören. Jedes einzelne Detail. Und die restliche Stunde kannst du mich alles fragen, was du willst.“
Skeptisch blickte Chiaki sie an, biss sich auf die Lippe. Die Frau wusste, wie sie einen erpressen konnte.
„Ich weiß nicht, wie lange ich überhaupt wach war...“, begann er nach einigen Momenten schließlich zu erzählen. Er erzählte ihr von seiner Halluzination von Maron, vorauf Midori keine Miene verzog. Er erzählte von seinem Tag in der Schule und wie er dann, wie ein Irrer, nach Hause fuhr, um nach den Haarspangen, die es letztendlich nicht gab, zu suchen. Er erzählte ihr, wie es zu dem Streit mit Maron kam, wie sie ihn geschlagen hatte und wie sie beide Sex miteinander hatten. Zusammenfassend beschrieb er ihr, wie elend er sich dabei und danach gefühlt hatte und erzählte ihr von seinen Gesprächen mit Shinji, Kaiki und Maron, ehe er Momokuri verließ.
Midori nickte, während sie schrieb. „Eine Frage...“, sagte sie.
„Hmm?“
„Seit du wieder zurück bist, haben du und Maron wieder Sex miteinander gehabt?“
Chiaki fuhr sich eine Hand über das heiße Gesicht.
„Nein“, antwortete er und fügte schnell hinzu: „Ich will wieder mit ihr schlafen.“
Er spürte, wie sein Gesicht noch heißer wurde. Verlegen und beschämt strich er sich durch die Haare.
„Ihr Liebe zeigen und so… Aber seit dem letzten Mal bin ich mir unsicher, da es mehr als schiefgelaufen war. Und ich weiß, dass das Thema irgendwann wieder aufkommen würde, zumal wir im selben Haus und im selben Zimmer wohnen. Es wäre außerdem unfair gegenüber Maron das ständig zu vermeiden…insbesondere, weil sie schon immer etwas übervoreilig in solchen Sachen war.“ Er biss sich kurz auf die Lippe.
„Mir macht es nichts aus zu warten“, schloss er achselzuckend ab.
Verstehend nickend blickte Midori von ihrem Notizblock auf.
„Nun, Maron sehnt sich nach Zuneigung und Intimität“, sagte sie. „Ich denke jedoch, dass sie ihre Schwierigkeiten hat, beides auseinanderzuhalten, weshalb ihre Bedürfnisse sich in beide Richtungen bei ihr ausprägen. Das würde ich gerne mit ihr demnächst durchgehen, bevor ihr beide euch aufeinander stürzt.“
Chiaki neigte stirnrunzelnd seinen Kopf. Sein Mädchen kannte doch den Unterschied zwischen Zuneigung und Intimität.
Doch anstatt etwas zu erwidern, hörte Chiaki Midori weiter zu, wie sie über Maron’s sexuelle Bereitschaft sprach.
Nachdem sie zu Ende geredet hatte, war die Sprechstunde schon um.
„Weißt du, Chiaki.“ Der Angesprochene zog trocken eine Augenbraue hoch. „Was ich dir im Ganzen raten kann ist: sei ein Mann und rede mit Maron. Danach wirst du bestimmt keine Probleme mehr haben mit ihr in die Kiste zu steigen.“
Chiaki fiel der Mund auf, wollte gerade etwas erwidern, als Midori ihm ins Wort fiel: „Anstatt dich auf Maron zu fixieren, solltest du dich auf dich selbst fokussieren, damit es in eure Beziehung bergauf geht. Ansonsten sehe ich schwarz für eine gemeinsame Zukunft bei euch. Schließlich besteht bei dir auch Verbesserungsbedarf in gewissen Dingen.“
Er stieß einen spöttischen Laut aus.
„Das entscheide aber immer noch ich“, brachte er stur entgegen.
„Ich weiß. Du solltest aber wiederkommen“, sagte Midori unbeirrt, „Eine weitere Sprechstunde könnte dir guttun.“
Frustriert stand Chiaki auf, nahm seine Jacke und ging zur Tür.
Er zweifelte, ob er wiederkommen will. Denn wirklich geholfen hatte sie ihm seiner Meinung nach nicht.
***

Stillschweigend beobachtete Maron ihren Gegenüber, der seit dem Verlassen von Midori’s Praxis kaum ein Wort gesprochen hat. Chiaki blickte aus dem Fenster, beobachtete gedankenverloren die vorbeilaufenden Menschen auf den Straßen.
Er hatte schon vorher darauf bestanden, sie heute zum Abendessen einzuladen. Und nun saßen beide sich am Tisch gegenüber, aßen ein paar Bisse und schwiegen sich größtenteils an. Was war nur los?
Vor Sorge hatte Maron ihren Appetit verloren, schob träge ihr Essen mit der Gabel hin und her.
„Hast wohl keinen Hunger“, sagte Chiaki in einem fragenden Ton. Maron sah von ihrem Teller zu ihm auf. „Du hast gestern schon nicht viel gegessen“, merkte er an.
Mit erhobener Augenbraue fragte sie: „Wie viel hatte ich denn gegessen?“
„Eine halbe Reisschüssel und zwei Bissen Frühlingsrollen“, antwortete er prompt und nahm einen Schluck von seinem Wasserglas.
„Mir war nicht bewusst, dass jemand meine Kalorienzufuhr im Auge behält“, antwortete sie spitz.
Er rollte mit den Augen. „Du sagtest, du würdest auf dich selbst achten. Entschuldige, dass ich mich um dich sorge.“
Sichtlich irritiert holte er den Kellner und fragte nach der Rechnung.
Augenrollend schnaubte Maron auf, ebenfalls irritiert. Sie sah, wie Chiaki das Essen bezahlte und zusammen begaben beide sich nach draußen zum Parkplatz. Allerdings wollte noch keiner ins Auto einsteigen.
Stattdessen lehnten beide sich mit dem Rücken daran an, die Hände in den Jackentaschen vergraben.
„Wirst du mir erzählen, was in der Praxis passiert ist?“, fragte Maron.
Sie wusste, dass es sie nichts anging, und dass die Gespräche mit Midori vertraulich waren. Aber ihre Neugier war zu groß und sie erzählte Chiaki schließlich auch alles.
Sie waren Partner!
Maron wusste, dass er mit Midori über ihre Beziehung reden wollte. Soviel war ihr klar.
Auf emotionaler Basis machten sie Fortschritte.
Sie hatten zwar immer noch diese Momente mit kleinen, unbedeutsamen Streitereien, von denen Maron sich sicher war, dass sie jedes Paar hatte, aber die vergingen schnell auch wieder.
Sie hatten auch ihre kleinen, unscheinbaren, allerdings auch bedeutsamen Momente.
Wie zum Beispiel, wenn er darauf achtet, dass sie in der Innenseite auf dem Bürgersteig geht. Oder wenn er ihr genau das richtige Buch zurechtlegte, welches sie abends las, wenn sie noch nicht müde war. Oder wenn er ihr das flauschigste Kissen überließ.
Im Gegenzug ließ sie bei ihm immer die Zwiebeln aus, weil er sie nicht mochte. Oder sie legte ihm immer sein Handy auf dem Nachttisch hin, weil er das blöde Ding immer verlegte.
Sie harmonisierten beide auf einer merkwürdigen Art und Weise, aber es funktionierte.
Als Paar waren sie eine Einheit. Jeder Tag brachte neue Erkenntnisse übereinander mit sich und ihre Liebe wuchs.
Chiaki seufzte laut, gewann damit Maron’s Aufmerksamkeit.
Sie blickte ihn bedrückt an. „So schlimm?“
Emotional war ihre Beziehung von Beginn an immer solide gewesen, doch körperlich…war ihre Kondition ein großes Problem gewesen. Fürs erste Mal hatten sie es erfolgreich überwunden, aber wer konnte ihr sagen, ob sie jetzt wieder auf Anfang waren - seit jenem Tag. Vielleicht-…
„Hör auf.“ Überrascht blinzelt Maron Chiaki an, der jetzt einen Arm um ihre Taille gelegt hatte. „Du denkst gerade zu viel nach.“
Ertappt senkte sie ihren Blick.
Seufzend rieb er sich mit der freien Hand den Nacken. „Es war nicht schlimm. Ich muss an mir einiges bessern, damit wir- damit unsere Beziehung in Ordnung sein wird. Und Midori sagte, dass sie mit dir einiges besprechen und klären will.“
„Was denn?“
„Was weiß ich, Maron“, stöhnte er entnervt, „Irgendein Scheiß über den Unterschied zwischen Zuneigung und Intimität.“
„Zuneigung und Intimität?“, fragte Maron verwundert. Es war immer eine Überraschung, über was für Themen Midori mit ihr reden will.
Maron dachte über die Definitionen der beiden Begriffe nach und wenn sie ehrlich war, sah sie keine Unterschiede zwischen ihnen.
Chiaki’s Hand auf ihrer Taille drückte sie und sie traf seinen Blick.
Sie verstand den Ausdruck in ihnen nicht.
„Du verstehst den Unterschied, oder?“, fragte Chiaki ernst.
Verneinend schüttelte Maron langsam den Kopf.
„Was glaubst du ist der Unterschied?“, fragte sie ihn stirnrunzelnd.
Chiaki wandte seinen Kopf von ihr ab und ließ sie los.
„Intimität ist…“, setzte er nachdenklich an, zog seine Augenbrauen zusammen. „Uhm, Zuneigung ist…“ Wieder verstummte er.
Auf einmal lehnte sich Chiaki zu ihr hin, drückte ihr einen Kuss auf die Schläfe. Mit einem warmen Kribbeln auf der Haut schloss Maron genüsslich ihre Augen.
Doch dann zog er sich zurück.
„Das war Zuneigung ohne Intimität“, sagte Chiaki.
Maron runzelte wieder die Stirn, dachte an die letzten Tage seit seiner Rückkehr zurück, in der er ihr nur solche nervig süßen Stirnküsse gab und ihr demnach wohl nur Zuneigung zeigte.
Bevor sie dazu eine Bemerkung machen konnte, waren plötzlich seine Lippen auf ihren. Er küsste ihren Mund und sie keuchte überrascht auf, als ihre Lippen sich öffneten und sie seine Zunge spürte.
Sie stützte sich mit den Händen auf seinen Schultern ab.
Es war nicht so, dass Maron den Kuss nicht genoss… aber es fühlte sich so fordernd an. So gierig, gefühllos und plötzlich - was nicht unbedingt ungenießbar war, aber es erinnerte Maron an dem Tag als sie Sex hatten, bevor er ging.
Chiaki löste sich nach wenigen Sekunden von ihr, wofür sie fast dankbar war.
Seine Augen blickten sanft in ihre und er legte eine Hand auf ihre Wange.
„Das war Intimität ohne Zuneigung“, sagte er.
Bevor Maron eine Verbindung in allem herstellen konnte, waren seine Lippen wieder auf ihren, aber diesmal sanfter und mit mehr Gefühl. Sachte und liebevoll strich sein Daumen über ihre Wange - das komplette Gegenteil zu dem vorigen Kuss. Maron erwiderte zart den Kuss.
Er entfernte sich wieder von ihr, allerdings ohne Erklärung.
Brauchte er auch nicht – sie verstand auch so.
Maron stellte fest, dass sie eine Kombination von beiden bevorzugte und sie war sich sicher, dass Chiaki es in ihrem leicht überwältigten Lächeln spüren konnte.
Räuspernd richtete sie sich gerade und nickte zum Auto, gab ihm wortlos zu verstehen, dass sie nach Hause fahren sollten.

Die Fahrt nach Hause und den Rest des Abends verbrachte Maron mit Nachdenken. Grübelte über ihr Gespräch mit Chiaki nach.
Während sie sich einen Kaffee in der Küche machte und Kekse für den nächsten Tag backte, war er oben bei Kaiki, unterhielt sich mit ihm und spielte wahrscheinlich Schach.
Abschließend ging Maron auch hoch, um ihre Tabletten bei Kaiki zu holen.
Im Büro angekommen waren Vater und Sohn gerade fertig mit ihrer Schachrunde und Chiaki wünschte Kaiki eine gute Nacht, ging schon mal nach oben ins Zimmer. Maron sah ihm für einen Moment hinterher, ehe sie sich mit einem freundlichen Lächeln Kaiki zuwandte und ihre Medikamente nahm.
Kurz quatschte sie mit ihm, ehe sie ebenfalls ging.
Im Zimmer angekommen bemerkte Maron, dass Chiaki nirgends zu sehen war. Daraufhin hörte sie das plätschernde Geräusch von fließendem Wasser im Bad, realisierte sofort, dass er duschen war.
Normalerweise hätte Maron es mit einem Schulterzucken abgetan und hätte sich mit einem Buch -oder so- beschäftigt, während sie auf ihn wartete.
Doch irgendwas trieb sie dazu sich der Badezimmertür zu nähern und sie aufzumachen. Chiaki schien sie in der Duschkabine nicht zu hören. Mit einem bestimmten Gedanken entledigte Maron sich geräuschlos ihren Klamotten und betrachtete sich für einen Moment im Spiegel.
Sie war nervös, auch wenn sie es nicht sein sollte. Schließlich hatte Chiaki sie schon nackt gesehen und kannte jeden Zentimeter ihres Körpers.
Aber jetzt war sie dünner als vorher, was ihm leichte Sorgen bereitete, aber gleichzeitig war ihr Körper durch den Sport definierter. Und womöglich war sie attraktiver als vorher. Sie war durchaus glücklicher, fühlte sich wohler in ihrer Haut.
Sie war glücklich mit ihrer schmalen Taille und den definierten Kurven. Sie war zufrieden mit ihrer relativ kleinen Körbchengröße.
Und die Narben… die waren einfach da.
Maron hatte mit Midori schon über ihre Narben und ihre Unsicherheiten wegen ihnen geredet und wie sie sie gezielt immer verstecken wollte. Letztendlich kam Maron zu der Erkenntnis, dass all diese Mühe sinnlos war.
Die Narben gehörten genauso zu ihr dazu, wie die Wachstumsstreifen auf ihren Beinen oder die winzigen, dunklen Flecke auf ihrer Haut. Maron lernte sie zu akzeptieren und ihr Magen drehte sich nicht mehr beim Anblick von ihnen.
Tief nahm sie Luft und steuerte auf die Duschkabine zu, öffnete sie und trat ein. Erschrocken zuckte Chiaki etwas zusammen, der mit dem Rücken zu ihr gewandt war.
„Maron? Was machst du-“
Er verstummte direkt, als Maron ihn von hinten umarmte. Seine Muskeln versteiften sich für einen Moment vor Perplexität.
Sie legte ihre Wange auf seinen Rücken ab, während das heiße Wasser auf ihnen herabprasselte.
Er bewegte sich nicht, war vollkommen erstarrt.
„Maron…?“, brachte er schließlich zu Stande, seine Atmung hatte sich beschleunigt. „Was machst du da?“
„Dir Intimität und Zuneigung zeigen“, antwortete sie ihm.
„...Geht das nicht draußen…? Außerhalb der Dusche.“
„Nein. Nun sei still und genieß einfach.“
Mit den Worten strichen ihre Hände über seine muskulöse Brust, worauf er seufzte und fuhren anschließend weiter herab.
Ein kaum hörbares Stöhnen entkam ihm, als ihre Hände ihr Ziel erreichten und ihn verwöhnten. Gleichzeitig verteilte sie kleine, liebevolle Küsse auf seinen Rücken, drückte ihren Körper, ihre Brust an ihn.
Nach einiger Zeit hörte sie, wie seine Atmung noch schneller ging, er nicht aufhören konnte zu Seufzen und zu Stöhnen und er schließlich ihren Namen unter Flüchen laut keuchte.
Ihre Lippen formten sich zu einem erfolgreichen Grinsen. Sein Körper zuckte und verkrampfte sich und sie merkte, wie er schweratmend mit einer Hand eines ihrer Handgelenke packte, sie dazu brachte zu stoppen und sich mit der anderen Hand an der Wand vor ihm abstützte.
Ehe Maron reagieren konnte, hatte Chiaki sich umgedreht, ihre beiden Hände genommen und sie an die geflieste Wand gedrückt. Er küsste sie leidenschaftlich.
Stöhnend erwiderte sie den Kuss, keuchte erregt auf, als seine Hände über ihre Kurven glitten.
Er drückte ihr seinen Unterleib ans Bein und sie bemerkte sofort, dass er wieder hart war, was sie noch mehr anregte. Ihre Arme legten sich um seinen Nacken und ihre Beine öffneten sich noch etwas mehr.
Seine Lippen fanden sich auf ihrem Hals und Nacken wieder, die sie dort liebkosteten.
Abschließend wanderte er unter Küssen weiter herab zu ihren Brüsten, während seine Hände ebenfalls von ihrer unteren Rückenhälfte und ihrem Po etwas weiter herabwanderten zu ihrer heißen Mitte.
Laut stöhnte sie seinen Namen auf, als er sie an all ihren sensiblen Stellen gleichzeitig verwöhnte. Mit seinen Händen, Fingern, Lippen. Seine Küsse und Berührungen brannten wie seidiges Feuer auf ihrer Haut.
Kurze Zeit später überwältigten sie diese unbeschreiblichen Gefühle, die er mit seinen Liebkosungen verursachte und sie schrie vor Lust.
Ein tiefes, raues, zufriedenes Kichern war von ihm zu hören.
Für einen Moment sahen beide sich tief in die Augen, fanden sowohl Begierde als auch Liebe in den Blicken des jeweils anderen wieder.
Ihre Münder kollidierten, als er sie anpackte, etwas hochnahm und sie ihre Beine fest um seine Hüfte schlang. Sie spürte ihn in ihr und beiden entkam ein unterdrücktes Stöhnen.
„Fuck…so warm… so gut“, wisperte er kaum hörbar, presste sie noch mehr gegen die Badezimmerwand.
Während er an Tempo zunahm, verlor sie sich unterdessen in dem intensiven Gefühl ihrer verbundenen Körper, war unfähig irgendwelche Worte zu denken.
Gleichzeitig spürte sie, wie er zärtliche, sanft und liebevoll Küsse auf ihrem Gesicht und ihren Hals verteilte, was sie noch mehr um den Verstand brachte. Küssend gab sie ihm dieselbe Zärtlichkeit und Liebe zurück, während ihr Körper sich seinem Rhythmus anpasste.
Es war nichts, außer das Keuchen und Stöhnen von beiden sowie das prasselnde Wasser im Raum zu vernehmen.
Nach einiger, langer Zeit kamen sie erneut, erreichten gemeinsam ihren zweiten Höhepunkt.
Schweratmend und dennoch entspannt legte Chiaki seinen Kopf auf ihre Schulter ab. Drückte sie noch enger an sich, als es noch möglich war.
„So gut“, entkam es ihm erschöpft und dennoch zufrieden.
„Ja?“, kicherte Maron leise, legte ihr Ohr an seine Brust an, hörte sein schnell schlagendes Herz.
„Fantastisch“, versicherte er ihr, mit einem breiten Grinsen in der Stimme und auf dem Gesicht. Sie erwiderte das Grinsen mit einem strahlenden Lächeln.
Chiaki nahm ihr Gesicht in beide Hände und küsste sie gefühlvoll, strich ihr dann die nassen Haare von der Stirn und drückte ihr darauf einen zarten Kuss.
„Ich liebe dich so sehr.“
„Ich liebe dich auch.“ Maron gab ihm ein paar sanfte Küsse über sein Herz. „Vom ganzen Herzen.“
Ihre Hände fanden seine und ihre Finger verschränkten sich fest ineinander.
Fertig geduscht, fand sich das Paar im Bett wieder. Doch an Schlaf war in der Nacht noch nicht zu denken. Stattdessen verbrachten sie die halbe Nacht damit, sich mit ihrer Intimität vertraut zu machen.
Intimität war allein war an sich zwar gut. Genauso wie Zuneigung.
Aber zusammen waren beide perfekt.
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