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After the War

von BingoBuch
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sasuke Uchiha
05.09.2019
21.09.2019
13
29.557
5
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07.09.2019 2.261
 
Sie rannte und wollte einfach nur vom Erdboden verschwinden. Der kalte Herbstwind ließ ihre Haare um ihren Kopf wirbeln und ihre Tränen ließen ihren Blick verschwimmen. Es war erst früher Vormittag und auf den Straßen herrschte reges treiben. Sakura beachtete die Leute um sie herum gar nicht und rempelte sogar einige an, doch sie hielt nicht an um sich zu entschuldigen. Sie schämte sich in Grund und Boden.

Sakuras Atem rasselte und ihre Lunge brannte bereits. Sie merkte kaum wohin ihre Füße sie trugen und dann hielt sie an. Sie bekam kaum noch Luft und Seitenstechen hatte sie auch. Sie drückte ihre Hand in ihre Seite und versuchte ihre Atmung zu beruhigen. Mit der anderen Hand wischte sie sich die Nässe aus dem Gesicht. Die restlichen Tränen blinzelte sie weg.
Wo war sie hier?

Sie stand auf einer Lichtung. Umso mehr sie sich umsah umso vertrauter wurde sie. Es war die Lichtung auf der Team 7 die Glöckchenprüfung bestanden hatte.
Naja … zumindest Sakura und Naruto zusammen. Zu ihrer Genin-Zeit hatten sie es natürlich nicht geschafft ihrem Meister Kakashi die Glöckchen abzunehmen. Wie sollten sie das auch? Sie waren gerade aus der Akademie gekommen. Sie hatten nie eine reale Chance gehabt. Allerdings ging es ja eigentlich auch nie um das gewinnen der Glöckchen, sondern darum, dass sie wahren Teamgeist zeigen sollten. Meister Kakashi hatte sie auf ihren Zusammenhalt getestet. Es war ihre erste Lehre gewesen. „Leute, die die Regeln nicht befolgen sind Mistkerle, doch wer seine Kameraden nicht schützt ist ein absoluter Mistkerl.“ Diese Regel war in ihrem Team immer das oberste Gebot.

Sakura sah zu den drei Stämmen mitten auf der Lichtung. Vor ihrem inneren Augen erschienen drei Gestalten. Es waren Kinder. Ein blonder Junge war an den mittleren Stamm gefesselt und die anderen beiden Kinder aßen aus ihren Bento-Boxen. Fast hätte sie wieder eine Träne verdrückt. Damals waren sie so unerfahren und … glücklich? Waren sie alle glücklich?

Umso länger Sakura darüber nachdachte umso unwahrscheinlicher kam es ihr vor. Naruto war ohne Eltern aufgewachsen und trug einen Biju in sich, weshalb jeder ihn im Dorf mied. Er hat immer so viel gelacht und trotzdem muss er sehr einsam gewesen sein. Sakura beneidete ihn inzwischen für seinen Optimismus und seine Gabe mit Menschen zu kommunizieren. Und Sasuke … Ihm wurde in jungen Jahren nicht nur sein gesamter Clan, sondern auch die Liebe zu seinem Bruder genommen. Den Rest seines Lebens hat er mit hassen verbracht.

Und Sakura … sie hatte eine Bilderbuchkindheit. Niemand ist gestorben und ihre Eltern haben sie nie schlecht behandelt. Sie hatte Freunde, war gut in der Akademie gewesen und hatte sich verliebt. Verliebt in ihren Teamkameraden, Sasuke Uchiha. Sie hatte all ihre Freizeit damit verbracht ihn anzuschmachten. Irgendwann stand sie Kilometer weit hinter ihren Kameraden und drohte zurück zu bleiben. Hätte sie nicht Tsunade getroffen, dann wäre sie nie die Kunoichi geworden, die sie heute war. Doch trotzdem waren Sasuke und Naruto ihr weit überlegen. Sasuke mit seinem Talent und seinem Kekkei Genkai und Naruto mit seinem Ehrgeiz und dem Neunschwänzigen Fuchs. Sie waren mit Abstand die stärksten Shinobi der vereinigten Allianz. Sakura sollte froh sein solch starke Teamkameraden zu haben. Aber momentan schämte sie sich nur.

Sakura hatte mit aller Kraft ihre Probleme versteckt, doch Sasuke hatte sie durchschaut. Eigentlich hätte sie sich freuen sollen, aber stattdessen hatte sie ihn abgewiesen. Sie hatte sich nichts sehnlichster gewünscht als das Sasuke sie mit Absicht berührte, doch diese plötzliche Berührung in einem solch schwachen Moment hatte ihre Sicherung durchdrehen lassen. Wie konnte sie ihm nun in Zukunft unter die Augen treten?

„Hey, Kleine! Was machst du denn hier so alleine?“
Sakura drehte sich um. Sie war in Gedanken versunken am Bach entlang gegangen. Nun stand eine Gruppe aus jungen Leute vor ihr. Sie hatten alle lange, geflochtene Haare mit Perlen drin. Ihre Kleidung war schmutzig und sie trugen riesige vollgepackte Rucksäcke auf den Rücken. Sakura zuckte bei ihrem Anblick leicht zurück. Sie beäugte die Fremden. Sie wirkten so gar nicht bedrohlich. Sie sahen eher aus wie Vagabunde.

„Diese Frage kann ich euch auch stellen.“
Der Typ direkt vor ihr hatte rote Haare und grinste sie an.
„Jo, Sister … Guuuute Antwort.“
Er lachte und Sakura hatte das Gefühl, dass der Typ nicht alle Tassen im Schrank hatte.
„Wir suchen nach einem guten Platz zum schlafen, jo.“
Sakura verschränkte die Arme und zog eine Braue hoch.
„Ich wollte euch nicht dabei stören.“
„Tust du nicht.“, meldete sich eine der Frauen und lächelte.
Sie hatte blonde, geflochtene Locken und einige kleinere Tattoos im Gesicht.
„Hey, Karumi, wollen wir hier am Bach schlafen?“
„Aber wir wollten doch was zu Essen suchen.“
„Eyyy... Lasst uns doch erstmal eine rauchen, Leude!“
Nun sprach der zweite junge Mann, der ganz hinten stand. Er hatte schwarze Rasterlocken zwischen seinen geflochtenen Haaren und sehr viele Armbänder an den Handgelenken. Er wirkte sehr entspannt. Scheinbar rauchte er etwas öfter.

„Sis, gibt es hier ein Dorf in der Nähe?“
Sakuras Augenbraue wanderte noch höher. Wie sprach der Typ eigentlich mit ihr?
„Redest du mit mir?“
„Klaroo“
Sakura überlegte kurz ob sie den Fremden verraten sollte, dass hier Konohagakure lag. Doch sie wirkten nicht gefährlich.
„Dort hinten liegt Konoha.“
Der Typ namens Karumi klatschte freudig in die Hände.
„Yaayy! Wie geil! Dort wollte ich schon immer mal hin!“
„Cool! Lasst uns hier bleiben und Konoha erkunden.“
„Zelte ahoi!“

Sakura wurde das langsam zu doof. Die Gruppe wirkte kein bisschen gefährlich oder auch nur ansatzweise für den Krieg ausgebildet. Allerdings mochte sie ihre Art zu reden nicht. Sie schienen nicht häufig mit der alltäglichen „normalen“ Gesellschaft in Kontakt zu kommen. Sie wollte diese Begegnung nun beenden, also  ließ sie die Arme sinken und ging los.
„Tschüss. Ihr braucht meine Hilfe ja nicht weiter.“
Sie ging einfach an der vierer Gruppe vorbei. Die Blondine winkte ihr nach.
„Danke, Sis!“

Innerlich verdrehte Sakura die Augen über die Anrede. Sis? Sie war garantiert nicht ihre Schwester geschweige denn Freundin. Diese Fremden waren ein ziemlich merkwürdiger Haufen.
Sakura lief durch das große Eigangstor Konohas und blickte in den Himmel. Die Wolken zogen sich langsam zusammen, die Sonne verschwand immer mehr und es wirkte, als würde es demnächst anfangen zu regnen. Es war gerade mal Mittag und doch fühlte sich Sakura schon erschöpft vom Tag. Ihre Stimmung glich dem aufziehendem Wetter.

Sie wusste nicht wohin mit sich, also schlich sie langsam durch die Straßen. Vorbei an der Akademie, durch dessen Fenster sie Sensei Iruka mit seinen neuen Schülern sehen konnte. Vor vielen, vielen Jahren hatten auch sie und ihre Kameraden dort gesessen. Es fühlte sich an wie in einem vergangenen Leben. Sie war so unbeschwert gewesen, hatte keine Probleme gehabt und noch nichts von der Welt gesehen.

Dann lief sie weiter. Ein Tropfen landete auf ihrer Nase und sie zog ihre Kapuze tief in ihr Gesicht. Dann begann es heftig zu regnen. Schnell bildeten sich Pfützen auf den Straßen und ihr Pullover war von Nässe durchtränkt. Doch es kümmerte Sakura nicht. Ihre Füße waren nass, ihre Schultern und alles andere war ebenfalls klamm.

„Sakura! Na los, komm hier rein!“
Sie hob den Kopf und sah Ino an der Tür ihres Blumenladens stehen und ihr zuwinken. Erst wollte sie ablehnen, doch die Nässe war schon ziemlich unangenehm. Also trat sie an ihrer besten Freundin vorbei in den Laden und Ino schloss die Tür wieder.
„Was hast du nur da draußen gemacht? Du holst dir noch den Tot!“
Sakura konnte nicht mal mehr lächeln. Was war nur los mit ihr?
„Hey. Ich rede mit dir, Sakura.“
Ino stemmte die Hände in die Hüften. Sie war so stark, fand Sakura. Sie bewunderte ihre beste Freundin. Wie steckte sie das alles so gut weg? Sie hatte doch sogar ihren Vater verloren.
„Ich ehm … war auf dem Weg … zu Sasuke und Naruto.“
Was besseres war ihr auf die Schnelle nicht eingefallen.
Ino schüttelte den Kopf
„Die beiden werden sich gar nicht freuen, wenn du auch noch im Krankenhaus landest wegen einer Lungenentzündung!“

Sakura zwang sich zu einem kleinen, kurzen lächeln. Ino reichte es zum Glück.
„Wärm dich hier erstmal auf, bevor du weiter gehst. Die Jungs können auch warten.“
Sakura bedankte sich und setzte sich neben Ino hinter den Tresen. Der Laden war leer, wahrscheinlich aufgrund des plötzlichen Wetterumschwungs.

Sakura verbrachte eine ganze Weile damit sich mit Ino zu unterhalten. Sie erzählte ihr wie schwer es ohne ihren Vater war und das ihre Mutter sich jetzt ganz komisch verhielt. Außerdem besuchte sie jedes Wochenende mit Shikamaru die Gräber ihrer Väter. Auch Shikamarus Verhalten war noch merkwürdiger geworden als sowieso schon. Und er traf sich ständig mit Sensei Kurenai. Ino erzählte so viel, dass sich Sakura unmöglich alles merken konnte.

„Oh man, es ist schon so spät! Ich muss den Laden für die Schließung vorbereiten. Sorry, Sakura.“
Sakura erhob sich.
„Kein Problem, Ino.“

Sie dankte ihr und ging hinaus. Es wurde langsam dämmrig. Der Himmel war nur noch leicht bewölkt und er schimmerte in vielen rot und rosa Tönen. Sie liebte diese Tageszeit, doch freuen konnte sie sich jetzt gerade trotzdem nicht. Ihre Gedanken schwirrten immer noch umher. Ihre Albträume, Sasuke, ihre Kindheit... Momentan war ihr alles einfach zu viel.

Sie lief weiter, bis sie plötzlich vor dem pompösen Gebäude des Hokagen stand. Inzwischen war Kakashi Hokage, doch sie wusste, dass Tsunade ihn noch einarbeitete und viel Zeit dort verbrachte.
„Abend, Sakura.“
Sie wandte ihren Kopf und tatsächlich stand Tsunade vor ihr, sogar ohne Shizune.
„Guten Abend, Tsunade.“
„Wie geht es den beiden Streithähnen? Warst du mal wieder da?“
Sakura sah sie nicht an.
„J-ja … Sie streiten immer noch..“
Tsunade bemerkte ihre merkwürdige Reaktion.
„Was ist los?“
Sakura sah auf.
„N-nichts!“
Tsunade verzog die Augenbrauen.
„Warte kurz hier, Sakura. Ich bringe nur noch etwas weg.“

Sie verschwand im Haus des Hokage. Sakura seufzte tief. Sie hatte momentan nicht das Gefühl, dass sie reden wollte.
Kurze Zeit später tauchte Tsunade wieder auf und ging voraus. Sakura folgte ohne ein Wort zu sagen. Dann hielt ihre Meisterin plötzlich an und sie stieß mit ihr zusammen.

„Oh … Wo sind wir hier?“
„Das ist meine Lieblingsbar, Sakura. Komm rein.“
Tsunade stapfte wie selbstverständlich hinein und Sakura folgte. Es war stickig und düster. Es hingen überall Lampen, doch irgendwie war die Stimmung etwas … gedrückt. Viele Tische waren besetzt, teilweise von größeren Gruppen, manche nur von einzelnen. Es roch an jeder Ecke nach Alkohol.
Tsunade grüßte vertraut den Barmann hinter dem Tresen und bestellte gleich etwas. Dann ging sie schnurstracks an einen Tisch und setzte sich. Sakura setzte sich ihr gegenüber und schon kam Tsunades Bestellung. Die Bedienung stellte eine Flasche mit Sake und zwei Gläschen auf den Tisch. Nachdem die Frau verschwunden war goss Tsunade ihnen beiden ein und lehnte sich zurück.

„Prost, Sakura!“
Sie erhob ihr Gläschen und leerte es mit einem Zug. Gleich darauf schenkte sie sich nach. Sakura saß wie angewurzelt da und beobachtete.
„Trink ruhig, Sakura, das geht auf mich.“
Sie prostete ihr wieder mit einer Geste zu und kippte sich das nächste Gläschen hinter. Sakura sah ihr eigenes Gläschen an.
Eigentlich trank sie keinen Alkohol. Sie hielt ihn für einen der Totsünden eines Shinobi.
„Na los! Alleine trinken ist öde!“
Tsunades Wangen waren bereits gerötet und sie schenkte sich nun schon zum dritten mal nach. Sakura griff zögerlich nach ihrem Sake.

Sollte sie wirklich...? Andererseits fühlte sie sich so oder so nicht gut. Was sollte es schaden?
Also führte sie ihr Gläschen an die Lippen und nippte daran. Es brannte im Mund und auf der Zunge. Sie hustete los.
„Oh, oh, Sakura! Du musst alles mit einem mal runter schlucken! Das ist kein Saft!“
Sakura nickte während ihres Hustenanfalls und tat wie ihr geheißen. Sie kippte alles auf einmal die Kehle hinunter. Prompt breitete sich ein warmes Gefühl in ihrer Brust aus.
„Ja! Genau so! Hier noch einen!“
Tsunade füllte wieder ihr Gläschen. Doch Sakura konnte nicht so schnell. Sie klammerte sich mit ihrer freien Hand an der Tischkante fest. Ihr Kopf drückte. Sie hatte seit heute früh nichts mehr gegessen. Der Alkohol schlug direkt zu.
„Na los, Sakura!“

Sakura riss sich zusammen und trank das zweite Gläschen und ließ sich in ihren Sitz sinken. Ihr Gesicht war sehr warm und sie fühlte sich nicht mehr so bedrückt. Der Laden kam ihr auch viel fröhlicher vor. Von überall kamen Stimmen und Gelächter. Es war nur halb so schlimm, wie zu Beginn gedacht.
„So, Sakura. Nun sag mir. Wie geht es mit deinen Schlafproblemen voran?“
Sakura blickte ihr Glas an.
„Nicht besser.“, sagte sie schließlich.
„Nimmst du die Tabletten?“
Sakura schüttelte den Kopf und bereute es gleich darauf. Ihr Kopf drehte sich und ihr Blick verschwamm kurz.
„Vielleicht solltest du sie nehmen, Sakura... es würde dir bestimmt deutlich-...“
„Nein!“

Tsunade hielt inne und sah ihre ehemalige Schülerin überrascht an.
„Ich will keine scheiß Tabletten nehmen. Ich als Heilnin weiß wie gefährlich eine Überdosis werden kann. Ich will das nicht.“
„Tzz … vertraust du deinem eigenen Können nicht, Sakura?“
„Nicht seitdem der Krieg zu ende ist, nein.“
Sakura wunderte sich über ihre eigenen Worte. Normalerweise hätte sie nie so viel ihrer Gedanken preis gegeben. Ob das am Alkohol lag?
„Hm...“
Tsunade schwieg und bedachte Sakura mit einem prüfenden Blick.
„Gibt es noch etwas, das dich bedrückt?“
Sakura zögerte. War Tsunade die richtige Person für so etwas?
Tsunade lächelte.
„Ist schon gut. Wenn du es nicht erzählen willst, dann nicht. Dann trink lieber noch einen Sake mit mir.“
Tsunade füllte nach und erhob ihr Gläschen.
„Auf unseren Sieg im Krieg.“
Sakura erhob ebenfalls ihr Gläschen und stieß es gegen Tsunades. Anschließend leerte sie es mit einem Zug und goss noch eine Runde ein.
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