I lost you, have I?

von Yozora
OneshotAngst, Schmerz/Trost / P18 Slash
Chuya Nakahara Dazai Osamu
05.09.2019
05.09.2019
1
970
1
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Der kalte Wind wehte ihm durch die Haare, als er nach unten blickte. Da lag sie, von vielen funkelnden Lichtern erhellt. Seine Heimat. Seine geliebte Stadt, Yokohama.
Mit einem Seufzen auf den Lippen kramte er in einer seiner Taschen im Trenchcoat und holte nach einigem wühlen sein Handy heraus.

Vorsichtig entsperrte er es und öffnete einen bestimmten Chat. Mit einem etwas wehmütigen Ausdruck in den Augen, tippte er langsam die Worte und schickte die Nachricht ab. Es würde wohl seine letzte sein.

Kaum hatte er dies getan, lies er sein Handy fallen und blickte ein letztes mal über die Dächer seiner Stadt hinweg.

Der Wind blies ihm ins Gesicht, als würde er sagen: Tu es nicht. Doch das brachte ihn nur dazu, zu lächeln.

Es war kein spöttisches Lächeln.
Es war nicht hinterhältig.
Es war nicht warnend.

Nein.

Das Lächeln war beruhigend... ja man konnte sogar sagen... glücklich. Der eben noch wehmütige Ausdruck in seinen Augen, hatte sich zu einem ausgeglichenen gewandelt.

Er schloss die Augen. Ein letztes Mal zog er die erfrischende Luft ein. Ein letztes Mal, entspannte er sich vollkommen. Ließ all den Frust, all die Verzweiflung, all die Trauer und all die Müdigkeit fallen.

Ein Schritt nach dem anderen ging er vor. Die Steine knirschten unter seinen Schritten. Immer weiter ging er, bis er urplötzlich stehen blieb. Er öffnete langsam die Augen und blickte ein weiteres mal nach unten.

Es hätte nur noch ein Schritt gefehlt und er wäre gefallen. Doch fiel es ihm unerwartet schwer, sich von seiner Stadt, von seinen Freunden, von seinem Leben nun endgültig zu verabschieden.

Er hatte grausame Dinge erlebt, aber auch so viel schönes. Er hatte so viele Verbindungen geknüpft. Hatte seine Liebe gefunden, die wohl nie erfahren wird, wie er wirklich fühlte.

Doch all diese glücklichen Gefühle wurden von einem schwarzen Schatten verschlungen. Es war ein bleiernes Gefühl, welches er jeden Tag mit sich rumschleppte. Ein Gefühl, dass ihn die schönsten Sachen nie vollkommen genießen lassen konnte.

Und er hatte es satt! Er konnte es nicht mehr. Er wollte nicht mehr. Es war nur noch ein Schritt, dann hätte er sich seinen größten Wunsch erfüllt. Nur noch ein Schritt, dann wäre er frei und genau diesen tat er.

Er fiel nach vorne. Sein Kopf richtete sich gen Boden. Immer schneller wurde er von der Schwerkraft nach unten gerissen und als er so die 40 Stockwerke nach unten viel, lag ein seeliges Lächeln auf seinem Gesicht.

Jedenfalls, bis er jemandem in dem Gebäude erspähte. Es war nur eine Sekunde, die er von ihm erhaschen konnte, doch diese blauen Augen würde er überall erkennen.  

Eine Träne schlich sich aus seinem Augenwinkel, als er an den Schock in dem Gesicht seines Geliebten dachte. Doch es war das Beste. Tief in seinem Inneren wusste er es. Wenn er nicht mehr da war, würde für die Anderen alles besser werden und er konnte endlich frei sein.

Mit diesem Gedanken im Kopf, schloss er die Augen und wartete auf seinen Aufprall. Doch konnte er nicht verhindern, dass sich ein weiterer Gedanke in ihn schlich.

>Gomene, Chūya.< war der Hauptgedanke, mit dem er den restlichen Weg fiel.

———

Hektisch rannte er die Treppen des Hochhaus hinauf. Immer schneller wurde er, seine Gedanken nur bei der Person, die er jede Sekunde verlieren könnte.

Vor einigen Minuten hatte er gesagt bekommen, dass Dazai einen weiteren Suizid Versuch wagen wollte. An sich nichts neues und ehrlich gesagt, hatte er sich nicht wirklich Sorgen gemacht.

Doch als ihm dann von Akutagawa mittgeteilt wurde, dass Dazai wohl nicht aufzufinden sei, da musste er einfach nach dem Idioten suchen. Als er dann auch noch die Nachricht: ,Es tut mir Leid, Chūya.' von der Makrele bekam, war es um ihn geschehen.

Hatte er diesmal wirklich ernsthaft vor, sein Leben zu beenden?

Mit dieser Frage im Hinterkopf, hatte er kurzerhand Dazais Handy orten lassen und war in tiefster Nacht zu diesem Hochhaus geeilt, dessen Etagen er gerade hoch sprintete.

Fast war er auf dem Dach angekommen, als plötzlich ein Schatten an ihm vorbeizog.

Der Orangehaarige blieb wie angewurzelt stehen und starrte mit aufgerissenen Augen aus dem großen Glasfenster.

Ein Stich durchfuhr ihn, als er realisierte, was gerade passiert war.

Zwar waren es lediglich wenige Sekunden gewesen, doch hatte Chūya ihn erkannt. Die braunen Haare und der Trenchcoat.

Das durfte doch nicht sein! Nein, dass konnte einfach nicht der Wahrheit entsprechen. Er durfte nicht zu spät sein! Dazai durfte nicht gesprungen sein!

Noch immer Schockerstarrt stand er da. Nicht in der Lage, auch nur irgendwas zu tun. Sein Blick auf die Fenster gerichtet, an denen Dazai gerade vorbei gesaust war.  

War es wirklich vorbei? Würde er nie wieder die spottende Stimme von Osamu hören, wenn er ihn ärgerte? Nie wieder das Lächeln sehen, was ihn so oft aus der Haut fahren ließ? Würde er nie wieder in die braunen Seelenspiegel sehen können, die er so liebte.

Das durfte doch nicht sein. Er konnte ihn nicht verloren haben! Nicht, wo er ihm doch noch so viel hätte sagen müssen.

Er wollte es nicht wahrhaben, er konnte es einfach nicht. Er konnte seinen Geliebten nicht verloren haben.

Verzweiflung machte sich in ihm breit. Zusammen mit einer Mischung aus Trauer und Wut, nahm dieses Gefühl all seine Sinne ein. Er zitterte am ganzen Leib, während einzelne Tränen seine Augen verließen.

„DAZAI!!!"

Ein einzelnes Wort, welches so viele Gefühlen vereinte und der letzte Schrei, bevor Chūya schwarz vor Augen wurde.
_____________________________________
Ehrlich gesagt, hadere ich noch immer mit mir, ob es eine gute Idee war diesen OS (vielleicht auch TS) hochzuladen. Aber wenn ich es schon hab, hoffe ich doch es hat den Lesern gefallen.
Review schreiben