Vereinigt für die Ewigkeit

von Yumestar
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P16 Slash
Amerika Deutschland England Frankreich Japan Preussen
04.09.2019
06.09.2019
2
4837
2
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Vereinigt für die Ewigkeit

Kapitel 1 – Veränderungen


Selbst der Blick aus dem Fenster war nicht mehr derselbe für England. Mit gemischten Gefühlen betrachtete er den Wasserstoß des Springbrunnes im Blumenfeld und das Wasser erinnerte ihn daran wie sprudelnd das Leben sein konnte. Gleichzeitig erinnerte ihn ein Stich in seiner Brust, dass das Wasser irgendwann auch zu Fließen aufhören würde, sei es aufgrund von Wasserknappheit, einem technischen Schaden oder einfach, weil irgendjemand den Brunnen abschaltete. Es gab so viele Gründe für das Ende eines Flusses, der schon viele Jahre bestand. Ja, und manchmal trocknete dieser Fluss aus und verschwand für immer aus dieser Welt.

„England, let’s eat!“ Mit einem lauten Türknallen brach Amerika ins Zimmer, „Ich werde dich heute allen vorstellen!“
England weigerte sich, ihn anzusehen. Hätte er nur über seine eigene Schulter gesehen, so hätte er Amerikas kindliches Lächeln gesehen, welches den Erwachsenen verbarg, der er in all dieser Zeit geworden war. Amerika war stark, erwachsen, groß. Bei diesen Gedanken zog sich Englands Gesicht vor Frust nur noch mehr zusammen, bis der Ausdruck in seinem Gesicht nur noch Verzweiflung zuließ.
„Great Britain~“ Die provokante, verspielte Art wie Amerika seinen Namen sagte, ließ Englands Kopf vor Schande sinken. Er wendete sich dem Fenster ab - Was gab es da draußen schon Spannendes zu sehen?- und lief an Amerika vorbei.
„England“, sagte er und blieb mitten im Gehen stehen, „Bitte nenne mich von jetzt an nur England.“
„Oki-Doki, wie du wünschst!“ Amerika lachte als wäre das alles keine große Sache. Er legte den Arm um Englands Schulter, lachte ihn an und führte ihn zum Speisesaal.
England konnte nicht mehr tun, als seine roten Augen in den weichen Stoff von Amerikas T-Shirt zu verbergen. Er wollte nicht, dass der erste Eindruck, den er bei den Anderen hinterließ, der einer Heulsuse war oder der, eines Versagers, der sein eigenes Land in den Abgrund gestoßen hatte.

50 junge Staaten saßen rund um der großen Tafel im Speisesaal. Aufgeregt plauderten sie durcheinander, tauschten sich über Weltbewegendes aus oder händigten sich gegenseitig die verschiedensten Produkte aus ihrem Landesteil aus. Es war eine fröhliche Runde voller Lebendigkeit und Kulturvielfalt. Jeder dieser 50 Staaten schien auf seine eigene Art und Weise besonders zu sein. Sie waren alle wie strahlende Sterne, die miteinander verbunden waren und so ein helles Licht in den Raum warfen.
Als Amerika und England den Speisesaal betraten, verstummten die 50 Staaten. Die meisten schauten aufgeregt hin, andere widmeten sich lieber ihren eigenen Sachen zu, während andere Löcher in die Luft starrten. Sie waren eben alle verschieden.
„Guys! Schön, dass ihr alle heute zusammengekommen seid!“ Amerika war wie immer fröhlich und gutgelaunt. Selbst in seinem eigenen Haus übernahm er die Rolle des Anführers und hatte sich eine breite Gruppe Fans angeeignet. Jedoch glaubte England, dass nicht alle 50 Staaten freiwillig hier waren, zumindest hoffte er es. Amerika nahm seinen Arm zurück und England spürte, wie ihn etwas aus der Bahn warf. Eher er sich versah war sein Gesicht den kalten Bodenfliesen zugewandt und er hörte ein überschallendes Lachen, das ihn einen leisen Fluch murmeln ließ.
„Kids, please.“ Amerika beruhigte die lachenden Staaten und reichte England eine helfende Hand, sodass er sich aufrichten konnte, „England ist noch etwas geschwächt von den Umständen. Nehmt bitte Rücksicht darauf.“
Ich bin überhaupt nicht geschwächt!  Wollte England am liebsten schreien, doch dann hätte er diesen plötzlichen Schwächeanfall anderweitig erklären müssen und das konnte er nicht. Stattdessen blieb er mit demütig gesenkten Kopf neben Amerika stehen und mied die Blicke der Anderen, die ihn sicher schon für einen Idioten hielten.

„C’mon, England!“ Bevor England mit der fremdartigen Situation umgehen konnte, zog Amerika ihn am Arm zu einem Platz, „Setz dich und iss mit uns! Du gehörst doch jetzt auch dazu.“
„Das ist also der 51ste Stern. Der strahlt aber gar nicht hell“, sagte einer der jüngeren Staaten. Damit begannen sie alle wieder durcheinander zu reden.
„Das ist doch England, oder? Was macht er hier? Muss er mit uns an einem Tisch sitzen?“
„Hast du nicht zugehört? Er gehört doch jetzt zu uns!“
„Oh my God, dann müssen wir ja diesen komischen vornehmen Akzent ertragen!“
„Ich will diesen undankbaren, zynischen Teetrinker nicht an meinem Tisch haben!“
„Ich denke, ich geh-!“ Gerade als England aufstehen wollte, hielt Amerika ihn an der Schulter fest.
„So sind sie am Anfang immer, wenn jemand Neues dazukommt.“ Kurz glänzten seine Augen ernst, doch genauso schnell wechselte sein Ausdruck wieder zu dem Locker-lässigen, den man von ihm kannte. „Pfft, aber in ein paar Tagen werdet ihr euch sicher super gut verstehen! Da bin ich mir heldenhafte Hundert Prozent sicher!“
„Thanks.“ England wusste nichts anderes zu sagen. Sollte er überhaupt dankbar sein? Während er mit der Gabel in der Hand spielte, fragte er sich, ob er nicht einfach weglaufen sollte. Doch wohin sollte er fliehen? Wohin konnte er? Wo würde man ihn nicht in den Abgrund schubsen, den er sich selbst gemacht hatte? Es gab keinen Ort mehr, an dem er akzeptiert wurde.

„Listen up, everyone!“ Amerika stand auf, sodass wieder alle leise wurden. England schaute nicht von der Gabel auf und Amerikas Worte ließ er bedeutungslos an sich vorbeiziehen. Er wollte sie nicht hören. Einfach ausblenden. Doch letztendlich gelang es ihm nicht, die lauten Worte des Amerikaners zu überhören. Sie schallten wieder und wieder wie eine Schallplatte, die niemals alt wurde, durch seinen Kopf.
„Wie ihr sicher gehört habt, sind die Brexit-Verhandlungen im ehemaligen Great Britain nicht sonderlich gut verlaufen. Wir wissen ja alle; sie waren katastrophal. Aber da wir natürlich der Heldenstaat sind, der die Schwachen rettet, habe ich mich entschieden, ihn bei uns aufzunehmen. England ist von heute an der 51ste Staat von Amerika.“
Die 50 Staaten applaudierten. Wahrscheinlich mehr über die Vollbringung ihrer sogenannten ‚Heldentat‘, als über mich als Mitgliedsstaat dachte England und spürte einen Anflug von Traurigkeit. Jedoch wollte er nicht klein beigeben und blieb stattdessen leise.
„Und zur Feier des Tages gibt es ein großes Festmahl mit ganz vielen Hamburgern und Soft-Drinks!“, verkündete Amerika. Sogleich brach Jubel und Partystimmung in den Reihen aus. Schon hatten sie auch vergessen, warum sie eigentlich hier waren. Warum sie alle heute zusammengekommen waren. Der Grund erschien schon beinahe nicht-existenziell.
Englands zittrigen Hände formten sich vor Wut zu Fäusten, die er auf den Tisch schlug. Es wurde leise und alle sahen ihn an, als er aufstand und rief: „Beachtet mich!!“
Es war ein verzweifelter Hilferuf, der durch seinen Kopf schallte, als er das Wort ‚Nichts-Existenz‘ im Sinn hatte.
„Ich bin zwar jetzt auch einer von euch Idioten, aber ich bin immer noch…“ Er zögerte kurz, es auszusprechen, doch dann kam ihm das Wort schweren Herzens über die Lippen: „‘Great Britain‘.“
Er ließ sich mit einem bedrückten Seufzen auf seinen Platz fallen und schämte sich dafür, dass er nicht mehr so großartig wie vor einigen Monaten war. Großbritannien existierte nicht mehr. Dieser erschreckende Tatbestand ließ England mit den Kopf in den Armen zurück. Er erstickte in dem Stoff seiner Filzjacke das verzweifelte Schluchzen, welches über seine Lippen kam. Wie konnte es nur geschehen, dass er so blind in sein Verderben gelaufen war?
Für ein Land war es immer noch das schlimmste Schicksal, wenn die Geschichte mit ihm zu Ende ging. Es war vorbei. Nie wieder würde der Name „Großbritannien“ in den Geschichtsbüchern festgehalten werden.

„Ach, England!“ Amerika rieb ihm aufmunternd über den Rücken, während das Essen in den Saal getragen wurde, „Iss etwas, dann geht es dir bald besser!“
Amerika nahm sich einen Hamburger vom Servierteller und schob ihn England hin.
„Ich habe keinen Hunger“, murmelte England in den Jackenstoff und schniefte. Nun war es auch den Anderen klar, dass er seine Tränen verbarg. Er weinte.
„England.“ Amerikas Gesicht war voller Sorge. Er legte den Hamburger weg und nahm seinen Bruder in den Arm, „Alles wird wieder gut. Everything will be alright and bright!“
„So ganz helle ist die Heulsuse aber nicht“, kommentierte einer der Staaten.
„Virigina, shut up!“ Amerikas Stimme war voller Wut, sodass die Staaten erschraken, „Niemand beleidigt England! Schließlich kann es jedem ja mal schlecht gehen.“ Er lachte verlegen, „Außer natürlich mir, denn ich bin ja bekannterweise der Held.“
"Idiot“, flüsterte England heiser und schaute auf. Sein Gesicht war voller Tränen und Rotz, die er sich mit dem Jackenärmel wegwischte. Sein Gesichtsausdruck ähnelte dem eines Kindes, welches hingefallen war, aber keineswegs wie eine Heulsuse wirken wollte. Obwohl er eben noch geweint hatte, stellte er sich mutig wieder auf, als könnte ihn nichts einschüchtern. Vielleicht war er in diesem Moment schwach und besiegt, doch keineswegs mutlos.
Es wird eine Zeit kommen, in welcher das Great Britain zur vollen Stärke wiederaufgebaut sein wird. England glaubte an diese Worte und klammerte fest an diese letzte Hoffnung, die er für ihn noch gab. Es würde der Tag kommen, an dem er nicht mehr hier sitzen und sich anpassen müsste. Er würde wieder einzigartig in dieser Welt sein. Nur… Wie lange würde es dauern, bis das wieder der Fall sein würde? Wann würde Großbritannien wieder existieren? Die Unwissenheit ließ ihn verzweifelt sitzend zurück.


„Das hier ist dein Zimmer! Du hast sogar eines im weißen Haus!“ Amerika präsentierte stolz das luxuriöse Zimmer, in welchem England für seine Zeit unter Amerikas Führung unterkam. Das Abendessen mit den 50 Vereinigten Staaten war vorbei, aber England hatte sein Essen nicht einmal angerührt. Auch seine Unterkunft interessierte ihn herzlich wenig.
Auf den zweiten Blick wirkte das Zimmer auch eher klein und einengend, obwohl es weit und geräumig war. Die Wände waren so farbenlos weiß, dass England sie nicht ansehen wollte und stattdessen auf seine Füße schaute. Der Boden unter ihm ein Teppich, der die amerikanische Flagge darstellte.
„Ein schönes Extra, nicht wahr?“, fragte Amerika und lachte, „Am liebsten würde ich das Zimmer für mich selbst nehmen, aber ich habe schon eins!“
„Nimm es für dich“, sagte England und drehte sich zur Tür hin, „Ich gehe nach Hause.“
„Nach Hause?“ Amerika prustete fast los, „Pfft, du hast kein Zuhause mehr. Das hier ist jetzt dein Zuhause!“
„Ich will nach Hause.“ England sah ihn mit einem verzweifelten Glitzern in den Augen an. Dasselbe Glitzern, welches auch Kinderaugen hatten, wenn sie sich wünschten, dass die fremdartige Welt wieder zu etwas Vertrauensvollem werden sollte.
„England, schau, dein Bett ist richtig groß!“ Amerika versuchte verzweifelt, seinem Bruder die Traurigkeit zu nehmen. Er führte England an der Hand zu dem großen Boxbett, welches warm und kuschelig aussah, aber eben nicht das war, auf was England jede Nacht geschlafen hatte.
„Thanks, America.“ England betrachtete das Bett sehr lange und strich gedankenverloren darüber, „Lass mich bitte erstmal allein.“
„Wie du möchtest.“ Amerika ging freudestrahlend zurück zur Tür, „Wenn du noch etwas brauchst, mein Zimmer ist gleich nebenan im Flur!“
Daraufhin verließ das naive Amerika, welches glaubte, dass England just in the moment eingelebt hatte, das Zimmer.

Für eine lange Zeit, die sich anfühlte wie Stunden, starrte England einfach nur aufs Bett und aus dem Fenster. Von seinem Zimmer aus hatte er immer noch Sicht auf den Springbrunnen, der dort draußen vor sich hinplätscherte. So unbelebt wie sich das Wasser von der Fontäne nach oben drängen ließ fühlte sich England. Amerika würde wohl nie verstehen, warum ihm diese fremde Umgebung solche Angst bereitete. Warum er sich nicht so einfach an die neuen Umstände gewöhnen könnte. Das hier war eben nicht wie eine Reise, bei der man wusste, dass man irgendwann die vertraute Heimat wiedersehen würde. Das hier war wie ein Anfang ohne Ende; ein Neustart, der alle Errungenschaften und Ziele der Jahre vernichtete. Alles, was England sich je im Leben aufgebaut hatte, war zerfallen wie ein besiegtes Imperium. Die glanzvolle Zukunft, so wie sie in seinen Kopf existierte hatte, wurde mit nur einem Faustschlag zerschmettert. Genauso seine Hoffnungen, die er noch gehabt hatte, bevor der Brexit ihm ein schnelles Ende bereitet hatte.
Veränderungen. Diese kamen von nun an auf ihn zu und er hatte Angst, dass sich sein Leben vom Grund auf ändern würde. Diese Angst könnte Amerika niemals verstehen. So viel geändert wie England hatte Amerika sich nicht. Der junge Amerikaner war noch immer das Kind, welches seine Hand nach England ausstreckte und ihn mit unbeschwerter Fröhlichkeit anlächelte.
Diese Erinnerung suchte England heim, als er sich aufs Bett geworfen hatte. Ein neuer Wall Tränen kam und er weinte in das Kissen, welches sein einziger Freund in der schlaflosen Nacht gewesen war.

Ich starte schon wieder eine größere Fanfiktion im Hetalia Fandom. Dieses Mal dreht sich der Fokus um England und Amerika, aber auch auf Frankreich, Deutschland und China. Wie diese fünf Länder in Relation zueinander stehen? Das werdet ihr noch erfahren!

Ich möchte dazu sagen, dass ich mich mit Politik nicht super gut auskenne. Ich denke selbst nicht, dass England je zu Amerika gehören wird, aber in dieser Geschichte tut er es. Bitte kritisiert diese Idee nicht, weil… Überlegt euch einfach einen Grund XD
(Dennoch könnt ihr gerne Kritik hinterlassen :D)
Review schreiben