Keine richtige Hochzeit

GeschichteFamilie / P12
Alphard Black Cygnus Black Druella Black Walburga Black
04.09.2019
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28. März 1951


Walburga fluchte.

Cygnus verzog das Gesicht.

Alphard blickte von seinem Notizbuch auf.

Ein Kamm steckte im Haar seines kleinen Bruders.

"Oh, bei Merlin", murmelte er und schob den Bleistift zwischen die Seiten, bevor er das Buch schloss, in dem er gezeichnet hatte. "Ich hab dir gesagt, wir hätten nicht mehr genug Sleekeazy für seinen wirren Kopf, Walla."

Ihre Augen blitzten wütend, als sie den Kopf drehte.

"Nicht, dass du besser aussiehst."

"Ich mein, ... es ist keine richtige Hochzeit, oder?"

Er grinste schief und strich sich wilde schwarze Locken aus dem Gesicht und sie starrte, auf dem Gesicht einen Ausdruck, den er nicht zu deuten vermochte, während Cygnus das Spiegelbild seines Bruders mit einem dunklen Blick bedachte.

"Und definitiv nicht meine."

Er zwinkerte ihr zu.

Walburga riss den Kamm aus Cygnus' Haar.

--

Cygnus Black war nicht der Ehemann, von dem Druella Rosier geträumt hatte, als sie ein kleines Mädchen gewesen war.

Der Ehemann ihrer Träume war größer gewesen als er, mit einem charmanteren Lächeln und breiteren Schultern und klaren grauen Augen statt kohleschwarzen, aber sie hatte sich diese Suppe eingebröckelt, konnte sie Vater beinah sagen hören, also musste sie sie nun auch auslöfflen.

Nicht, dass Pollux Black nicht versucht hatte, den Fehler seines jüngsten Sohnes dem älteren in den Schuhe zu schieben, sie wusste, er hätte es vorgezogen, wenn Alphard statt Cygnus sich an sie band, denn Cygnus war nur ein Junge und Alphard fehlte ohnehin eine Frau.

Sie wusste davon, weil Alphard es ihr erzählt hatte.

"War das dein Plan? Huh? Cyg verführen, damit ich dich heiraten muss?"

Die Antwort war Nein gewesen und sie war ehrlich gewesen, denn sie mochte eine Slytherin sein, sie mochte manipulieren und kämpfen für das, was sie wollte, aber sie heckte keine solche riskanten Pläne aus, mit zu vielen Dingen, die schief gingen konnten.

Und gegangen waren.

Wären.

Waren, wenn es einen Plan gegeben hätte, was es nicht hatte.

Sie starrte ihrem Spiegelbild in die wässrig-blauen Augen und verzog das Gesicht, als ihre Mutter einen Kamm durch ihr dichtes, dunkelblondes Haar zog, nicht besonders sanft.

Cygnus Black war nicht der Bruder, den Druella Rosier hatte haben wollen, aber er war gut genug gewesen für einen Abend, und nun musste er gut genug sein für den Rest ihres Lebens.

--

Cygnus rieb die wunde Stelle an seinem Kopf und japste, als seine Schwester nach seiner Hand schlug.

"Hör auf. Du wirst nur alles wieder durcheinander bringen, du dummer, dummer Junge!"

Also senkte er den Arm und den Blick und verschränkte die Finger im Schoß und Alphard schnaubte amüsiert.

"Du, sei still!"

"Ich hab nichts gesagt!"

Er lachte.

Walburga zog den Kamm schmerzhaft durch Cygnus' Haar, und der Junge zuckte.

"Kein Grund, deine fehlgeleitete Wut an dem armen Jungen auszulassen. Soll er kahl auf seiner eigenen Feier auftauchen? Wenn du so weitermachst, wird er das nämlich."

Er hatte die Beziehung zwischen seinen Geschwistern niemals so recht verstanden.

Vielleicht lag es daran, dass sie so viel älter waren als er.

Vermutlich.

Wahrscheinlich.

Sie waren in Hogwarts gewesen lang bevor er erste Erinnerungen geformt hatte - vor seiner Geburt, tatsächlich, wenn er jetzt darüber nachdachte -, und Walburga hatte nur noch für den Sommer nach ihrem Abschluss zu Hause gelebt, mit ihren Brüdern und Eltern, bevor sie Orion geheiratet hatte und in den Grimmauld Place gezogen war.

Alphard, der Hogwarts im Jahr darauf verlassen, hatte nicht einmal einen Tag in Black Manor verbracht, bevor er einen Rucksack über die Schulter geworfen und sein Notizbuch in die Hand genommen hatte, um die Welt zu erkunden.

Cygnus war sechs Jahre alt gewesen und Alphard war nicht wieder aufgetaucht bis 1947 und Walburga wurde ungenießbarer mit jedem Jahr, in dem sie keinen Erben für die Blacks zur Welt brachte, aber er hatte einige der Gespräche belauscht, die sie mit älteren Familienmitgliedern über dieses spezielle Thema geführt hatte, und er nahm an, er wäre auch nicht besonders freundlich, wenn er sich all die Dinge anhören müsste, die sie sich anhörte.

Er seufzte.

Sein Bruder zog seiner Schwester eine Grimasse.

Seine Schwester zog ihren Zauberstab.

--

Orion ließ sich neben seinem Schwiegervater nieder und strich die Beine seiner Hosen glatt, runzelte die Stirn, als an ihm vorbei ein kleiner Junge mit dunklem Haar zischte.

"Wessen Kind ist das?"

"Lestranges. Ophiuchus und Calliope", erwiderte Pollux ruhig. "Rodolphus, wenn ich mich recht entsinne."

"Sie täten gut daran, ihn besser zu disziplinieren."

"Mmh, in der Tat."

Orion streckte die Hand aus, als das Kind zurück flitzte, abermals an ihnen vorbei, und packte den Kragen der feinen grünen Roben, die der Junge trug und zweifelsohne im Verlauf des Tages beschmutzen würde.

Das Kind wehrte sich gegen seinen Griff.

"Loslassen!"

Es trat nach ihm.

"Weißt du nicht, wer ich bin?"

Orions Blick war dunkel.

Der Junge schüttelte den Kopf.

"Jemand, den du mit Respekt zu behandeln hast. Und in diesen Räumen wirst du gehen, nicht rennen, an der Seite deines Vaters oder deiner Mutter. Ich will dich nicht noch einmal allein hier herumirren sehen. Und nun verschwinde."

Er löste die Finger aus dem Stoff von Rodolphus' Kragen und das Kind schritt davon, nervöse Blicke über die Schulter werfend.

Pollux hob die Augenbrauen.

Orion richtete sich auf und strich noch einmal seine Roben zurecht.

--

"Zeig mir, was du kannst, Walla!"

Alphard lachte.

Er machte nicht einmal Anstalten, nach seinem eigenen Zauberstab zu greifen, hielt nur weiterhin sein Buch in der Hand, als in seinen Augen der Schalk funkelte.

"Du raubst mir den letzten Nerv, Alphard Black", zischte Walburga und atmete ein. "Geh mir aus den Augen, du bist hier nicht von Nutzen."

"Ich halte die Verwandlung des hässlichen Entleins fest!", entgegnete er und wedelte mit dem Buch, der Zeichnung, an der er gesessen hatte.

"Raus!"

Er duckte unter einem Fluch hinweg und jagte aus dem Raum.

--

Irma runzelte die Stirn und blickte über die Schulter, als eine Tür in ihrem Rücken mit einem lauten Knall zuschlug, und dann stolperte ihr älterer Sohn auf sie zu, lachend wie der Wahnsinnige, der er manchmal zu sein schien.

"Alphard."

"Mutter!"

Er warf einen Arm um ihre Schultern.

"Wie wunderschön, dich zu sehen."

"Was ist passiert? Warum bist du nicht bei deinen Geschwistern?"

Sie blickte zu ihm auf, zog die Augenbrauen zusammen.

"Was hast du zu deiner Schwester gesagt, Alphard?"

"Nichts!", rief er. "Ich hab kaum in ihre Richtung geatmet und sie ist ausgeflippt! Und jetzt ist sie da drin und versucht, Cygnus mit 'nem verdammten Kamm zu skalpieren."

"Sie ist gestresst."

"Und inwiefern ist das mein Problem? Ich meine, es weder meine, noch Cygs Schuld, dass ihr Mann sie nicht schwängern kann und- Au! Mum!"

Er löste den Arm von ihr und rieb sich den Hinterkopf, schob dann die Unterlippe schmollend vor.

"Wofür war das?"

"Sprich nicht so von deiner Schwester."  

"Was, als wär's nicht die Wahrheit?"

--

Druella blickte auf zu ihrem Vater, an dessen Arm sie sich klein fühlte und unbedeutend und oh so viel jünger als sie es war.

Bastiens Hand lag auf ihrer, und er starrte ernst Cygnus an, dessen Gesicht aufgeleuchtet war, als er sie gesehen hatte, wie der verliebte kleine Junge, der er war, aber dann hatte er in die Augen ihres Vaters geschaut, aufgehört zu lächeln und den Blick abgewandt.

Ihr Herz war schwer.

Ihre Gedanken standen völlig still.

Sie wollte Cygnus Black nicht heiraten.

Ihr Vater legte ihre Hand in die ihres Verlobten.

Der Junge schenkte ihr ein hoffnungsvolles Lächeln.

Ihr Leben war vorbei.

--

Walburga schloss die Augen.

Orions Hand lag auf ihrem Rücken, sein Daumen malte Kreise zwischen ihren Schulterblättern, und er lehnte sich zu ihr hinüber.

"Wir können gehen, wenn du möchtest."

Seine Lippen waren nah an ihrem Ohr, sie konnte seinen heißen Atem auf ihrer Haut spüren.

"Damit sie über uns flüstern können?"

Er lachte.

"Als täten sie das nicht ohnehin, darling?"

Sie hatte ihn nicht geheiratet, weil sie ihn liebte, und auch er war niemals verliebt in sie gewesen, aber sie hassten einander nicht, sie waren auf Augenhöhe miteinander, sie hatten dieselben Werte.

Es wäre nicht falsch zu sagen, dass sie Freunde waren.

Und er war kein schlechter Freund.

"Mh, damit magst du Recht haben. Ich werde schreien, wenn ich ein weiteres Mal gefragt werde, ob ich denke, wir werden bald gute Neuigkeiten haben werden?"

Sie drehte den Kopf ein wenig, zwinkerte ihm auf übertriebene Weise zu.

Er presste die Lippen aufeinander.

"Ah, ich bevorzugte es, würdest du nicht schreien."

Er erhob sich und streckte die Hand aus.

"Lass uns gehen. Lass sie flüstern."

--

"Ich bin nicht schwul."

"Uh-huh."

"Ich- Wir sollten das hier nicht tun."

"Mmmh."

"Ich hab eine Frau und einen Sohn."

"Sei still, Désiré", murmelte Alphard gegen seinen Hals.

Cygnus' Schwager stöhnte leise.

--

Cygnus atmete tief ein und straffte die schmalen Schultern, sein Gesicht ernst und entschlossen.

Dann schritt er auf seine Frau zu.

Oder ... nun ja, technisch gesehen war sie nicht seine Frau.

Ein Zauberer konnte nicht verheiratet werden, bis er siebzehn Jahre alt war, und ihm fehlten noch knapp dreieinhalb Jahre, bis er dieses Alter erreichte, aber er wusste auch, dass es keine zweite Feier wie diese geben würde und dass von ihnen erwartet werden würde, sich wie ein Ehepaar zu benehmen, also dachte er nicht, dass es zwingend falsch war, sie als seine Frau zu bezeichnen.

Sie saß mit ihren Schwestern und sah nicht einmal auf, als er an ihren Tisch heran trat.

"Möchtest du tanzen?"

Er versuchte, wie Alphard zu klingen, denn alle sagten stets, dass sein Bruder charmant, wenn auch nichts anderes war, und er wusste, Frauen mochten Alphard.

Auch wenn er, wenn er ehrlich war, nicht glaubte, dass Alphard sie besonders mochte.

"Nein."

"Oh ..."

Er spielte mit dem Saum seiner Jacke.

"Warum nicht?"

Sie antwortete nicht.

Delphine, die jüngste der Rosier-Geschwister, ein wenig jünger, sogar, als er selbst, blickte zu ihm auf, hoffnungsvolle grüne Augen, und lächelte ihn an, was Druella seit der ersten Nacht, die zu dieser Nacht geführt hatte, nicht getan hatte.

"Ich tanze mit dir, wenn du magst."

Sein Blick zuckte noch einmal zu Druella hinüber, aber sie hatte ihm noch immer den Rücken gekehrt.

"... Okay."

--

Walburga fluchte, als eine weitere Tante sich näherte.

Cygnus verzog das Gesicht, als Delphine auf seinen Fuß trat.

Alphard knöpfte mit einem Grinsen sein Hemd zu.


---


Also ... ah, ich hoffe, es hat euch gefallen. Ich war nicht ganz sicher, wo ich aufhören sollte, lasst mich wissen, wie euch das Ende gefällt, falls ihr reviewt.
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