Believer's Soul

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12
Jack Frost OC (Own Character)
03.09.2019
17.09.2019
4
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Halli hallo,
hier ist Kapitel 2, so langsam geht die Handlung richtig los.
Ich freue mich immer noch über Reviews! :p
Viel Spaß beim Lesen! ^^

Liebe Grüße
Frozen




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2





Jack hatte sein Versprechen gehalten und es den ganzen gestrigen Sonntag lang schneien lassen. Genau wie er voraus gesagt hatte, waren heute die Schulen ausgefallen und Kaya konnte den ganzen Tag lang mit ihren Freunden im Schnee spielen.

Den Vormittag über waren wir bei ihnen gewesen und Jack hatte sich das Versprechen eines weiteren schneefreien Tages abnehmen lassen. Im Moment schneite es nicht, aber heute Nacht würde er dafür sorgen, dass die Schultüren sich auch morgen nicht öffnen würden. Während Kaya und ihre Freunde gejubelt hatten, hatte ich Jack tadelnd angesehen. Ein Schneetag war in Ordnung, aber es durfte nicht zur Gewohnheit werden. Er hatte nur die Augen verdreht, als ich gesagt hatte, dass Schule wichtig sei und die Kinder nachmittags immer noch genug Zeit zum Spielen haben würden. Aber er hatte mir versichert, dass es vorerst bei diesen beiden freien Tagen bleiben würde. Und ich glaubte ihm. Auch wenn ich mir manchmal Sorgen machte, konnte Jack viel vernünftiger und verantwortungsbewusster sein, als ich es ihm oft zugestand.

Doch wenn ich ehrlich war, freute ich mich genauso über die schulfreien Stunden wie alle anderen. Es war einfach schön, ein paar extra Tage zum Entspannen zu haben. Aber das würde ich Jack natürlich nicht auf die Nase binden.

„Hey, schau mal, ich hatte Recht!“

Jacks Ruf holte mich aus meinen Gedanken zurück ins Jetzt. Er stand ein Stück weiter neben einem großen Haufen aus Schnee. Schnell schloss ich zu ihm auf, dankbar für die Schneise im Schnee, die er für mich während dem Laufen immerfort geschaffen hatte.

„Die alte Bank steht noch hier.“

Er machte eine kleine Bewegung mit seinem Stab und der Schneehaufen hob sich an, schwebte zur Seite und fiel ein paar Meter weiter zu Boden. Vor uns stand eine Holzbank.

„Gott sei dank“, seufzte ich und ließ mich darauf fallen. Der Beutel, den ich die ganze Zeit über getragen hatte, landete neben meinen Füßen im Schnee. „Viel weiter hätte ich nicht mehr laufen können!“

Jack betrachtete mich amüsiert. „Wir hätten auch einfach hierher-“

„Fliegen können, ich weiß“, beendete ich seinen Satz. „Ich wusste ja nicht, dass es soweit ist.“

Jack wollte etwas erwidern, aber ich hob warnend die Augenbrauen. Wir wussten beide, dass Fliegen eine bequeme Alternative zu dem langen Fußmarsch gewesen wäre und uns auch, spätestens nachdem wir den Wald erreicht hatten, niemand mehr gesehen hätte. Aber wir wussten auch beide, dass ich zu stur gewesen war, um dieses Angebot später noch anzunehmen, nachdem ich es beim Loslaufen so vehement abgelehnt hatte mit den Worten, ich schaffe das schon.

Jack grinste und ich warf eine Hand voll Schnee nach ihm, vor dem er sich erfolgreich wegduckte.

„Ach, fang einfach an“, grummelte ich und gestikulierte zu dem See hinter ihm hinüber. Ich sah ihm an, dass er gerne noch etwas gesagt hätte, aber er tat mir den Gefallen und verkniff sich welchen stichelnden Kommentar er auch immer auf der Zunge gehabt hatte. Er streifte sich den Rucksack von den Schultern und gab ihn mir.

„Auf dem Rückweg fliegen wir oder du trägst das Ding! Was hast du denn da alles reingepackt?!“, beschwerte er sich.

„Du wirst mir später noch danken“, versprach ich. „Und jetzt fang an!“

Jack salutierte übertrieben. „Aye, aye, Käpt’n!“

Er stieß sich vom Boden ab und flog über den See, wo er seinen Stab ausstreckte. Wie vorhin bei der Bank schon hob sich auch jetzt die dicke Schneeschicht, die auf dem See lag, in die Luft und Jack schaffte sie zur Seite. Dann landete er auf dem Eis und stieß seinen Stab darauf nieder. Ein Leuchten ging durch das gefrorene Wasser und breitete sich über die ganze Fläche aus. Jack lief einmal über den ganzen See und tippte dabei immer wieder mit der Spitze seines Stabs auf das Eis. Ich hatte schon mehrmals gesehen, wie er auf diese Weise das Eis verdichtete und sicherer zum Begehen machte, aber es war immer wieder faszinierend.

Als er fertig war, zog ich meine Schlittschuhe aus dem Beutel und schlüpfte schnell hinein. Etwas wackelig stand ich auf und ging mit kleinen Schritten zum Rand des Sees, den Rucksack ließ ich auf der Bank zurück. Jack kam mir entgegen und hielt mir die Hand hin.

„Bereit?“

Als Antwort ergriff ich seine Hand und machte mit seiner Hilfe vorsichtig einen Schritt aufs Eis. Es war jedes Mal aufs Neue ungewohnt, wie einfach die Füße wegrutschen konnten, und ich klammerte mich an Jack fest, bis ich mir sicher war, mein Gleichgewicht halten zu können. Ich konnte zwar keine besonderen Figuren laufen, aber sobald ich wieder ein bisschen Übung hatte, kam ich ganz gut alleine zurecht.

Ich ließ Jack los und machte die ersten unbeholfenen Schritte. Während ich mich an das Gefühl des Eises unter meinen Kufen gewöhnte, ging Jack zur Bank hinüber, lehnte seinen Stab an die Lehne und zog seine eigenen Schlittschuhe an. Als er aufs Eis trat, war ich gerade am anderen Ende des Sees angelangt. Im Gegensatz zu mir zögerte er nicht, sondern lief gleich los. Leichtfüßig kam er zu mir herüber geglitten, fuhr einmal um mich herum und hielt neben mir an. Ich verdrehte die Augen.

„Angeber“, murmelte ich, lächelte aber. Ich konnte nicht wirklich eifersüchtig sein. Das hier war Jacks Element und jeder Neid wäre sinnlos gewesen.

Jack hielt mir seine Hand hin und ich nahm sie und zusammen liefen wir weiter, zuerst noch langsam, aber es dauerte nicht lange, bis ich meine Sicherheit zurück hatte und wir schneller wurden. Wir liefen ein paar Runden um den See und ich genoss das Gefühl des Schwebens und der Leichtigkeit, dass sich nach einer Weile auf dem Eis immer einstellte.

Tief atmete ich die kalte Luft ein. Es war wunderschön hier. Der See lag verborgen im Wald und obwohl ich hier in der Gegend schon öfter mit meinen Eltern wandern gewesen war, war ich an dieser Lichtung noch nie vorbeigekommen. Aber man konnte sich auf den Geist des Winters verlassen, dass er jeden noch so versteckten See kannte, solange er zum Eislaufen geeignet war.

Auch wenn ich im Moment ganz zufrieden war mit der Geschwindigkeit, mit der wir uns übers Eis bewegten, merkte ich doch, dass es Jack nach mehr reizte. Ich ließ seine Hand los und lächelte, als er sich fragend zu mir umdrehte.

„Na los, geh schon“, forderte ich ihn auf. „Ich komme auch allein zurecht. Ich lauf einfach weiter meine Runden und bewundere dich von der Seite.“

Jack grinste mich an und beugte sich schnell vor, um mir einen Kuss auf die Wange zu geben, bevor er mit einem „Wooohooo!“ davon sauste. Ich lachte, während ich ihm dabei zusah, wie er über das Eis flitzte, Drehungen und Sprünge absolvierte. Es war eine faszinierende Mischung aus kindlichem Übermut und gekonnten Figuren. Nein, wenn ich ihm so zusah, wie elegant er einen Fuß vor den anderen setzte, das breite Grinsen auf dem Gesicht, hatte ich wirklich keine Chance, neidisch zu sein. Es machte mich glücklich, ihn so frei zu sehen, und spornte mich an, selber wieder ein bisschen schneller zu laufen. Jack kam immer wieder zu mir herüber und wir liefen ein Stück zusammen oder hoben die Hände zu einem High-Five, wenn wir aneinander vorbei fuhren. Er versuchte, mir ein paar einfache Drehungen beizubringen und wir lachten über meine Ungeschicktheit und Jacks Fähigkeiten als Lehrer.

Irgendwann hielt Jack vor mir an, grinste und sagte: „Ein Wettrennen. Wer zuerst am anderen Ende des Sees ist.“

Ich erwiderte sein Grinsen. „Mach dich bereit zu verlieren.“

Jack lachte und wir stellten uns nebeneinander auf.

„Auf die Plätze“, begann ich.

„Fertig…“, sagte Jack.

„Los!“, riefen wir und sausten los.

Zuerst waren wir gleich schnell, aber nach nur wenigen Metern ging Jack in Führung. Ich strengte mich an und lief so schnell ich konnte, ohne Gefahr zu laufen, das Gleichgewicht zu verlieren, aber gegen Jack hatte ich keine Chance.

Er erreichte das Ende des Sees, jubelte und reckte siegreich die Arme in die Luft.

„Gewonnen!“

Im letzten Winter war ich mit Jack mehrere Male Schlittschuhlaufen gegangen und er hatte mir einige Dinge beigebracht, auch wenn ich mit meinem vorherigen Können schon ganz zufrieden gewesen war. Er hatte ein paar hilfreiche Tipps fürs Gleichgewicht und das sichere Aufstehen nach einem Sturz gehabt. Aber das Bremsen hatte er mir bis jetzt noch nicht gezeigt.

Also konnte ich jetzt nicht viel mehr tun, als „Achtung!“ zu rufen, während ich auf Jack zuraste, der sich bei meinem Ruf fragend umdrehte. Seine Augen wurden groß, er wollte ausweichen – aber zu spät. Ich knallte gegen ihn und wir stürzten beide zu Boden.

„Aua…“, murmelte ich benommen und Jack stöhnte. Ich öffnete die Augen, die ich bei dem Aufprall zusammen gekniffen hatte, und sah in sein Gesicht. Ich war auf ihm gelandet und lächelte nun entschuldigend auf ihn herunter. Jack schüttelte leicht den Kopf. Verblüfft sah er mich an.

„Ich muss dir unbedingt das Bremsen beibringen“, stellte er fest, dann fing er an zu lachen. Ich stimmte mit ein und wir lachten, bis wir keine Luft mehr bekamen. Dann rollte ich mich mühsam von Jack herunter und wir halfen uns gegenseitig beim Aufstehen.

„Wie wär’s mit einer Pause?“, schlug ich vor und Jack nickte zustimmend.

Wir glitten zum Rand des Sees und trippelten vorsichtig durch den Schnee zur Bank hinüber. Dort öffnete ich den Rucksack und holte eine Thermoskanne voll Tee, zwei Becker und eine Dose mit Keksen heraus.

„Und? Hat es sich gelohnt, den Rucksack bis hierher geschleppt zu haben?“, neckte ich ihn. Jack grinste nur und schnappte sich einen Keks, während ich den Tee eingoss.

Wir schlürften den Tee und knabberten an den Keksen und unterhielten uns. Ich hatte auch mein Notizbuch aus dem Rucksack gezogen und während Jack erzählte, was er in den letzten Tagen überall auf der Welt erlebt hatte, machte ich mir Stichpunkte. Nach der Nacht auf dem Dach im letzten Winter hatte ich meine Gabe nicht verloren, ich war immer noch in der Lage, instinktiv die groben Details von Dingen zu wissen, die Jack in meiner Abwesenheit getan hatte, aber ich benutzte sie nur selten. Ich hatte gelernt, es zu ignorieren, da es mir falsch vorkam, wie als würde ich ihm hinterher spionieren, als würde ich ihm nicht trauen. Stattdessen erzählte Jack mir selbst von seinen Erlebnissen und ich machte mir Notizen, um sie später in Geschichten umzuwandeln, die ich Kaya abends erzählen konnte.

Während wir redeten, hatte Jack seinen Stab wieder an sich genommen und tippte damit abwesend auf die Bäume, die um uns herum standen. Ich sah zu, wie sich die Muster aus Eis und Frost an den Rinden bildeten und wuchsen, sich über den ganzen Stamm ausbreiteten und die schönsten Formen und Kristalle bildeten. Oft neckte ich Jack, wenn er das tat, und nannte ihn einen Angeber. Aber ich sah doch jedes Mal voll Bewunderung zu, wie er mit dem Eis malte und Kunstwerke aus purer Fantasie erschuf.

Wir verfielen in Schweigen und hörten zu, wie der Wind leise durch die Bäume strich. Die Luft roch nach Schnee und es wurde langsam dunkel. Ich schlug vor, uns auf den Rückweg zu machen und wir packten alles wieder zusammen, zogen die Schlittschuhe aus und verstauten sie in dem Beutel.

Als wir bereit zum Gehen waren sah Jack mich erwartungsvoll an. Ich seufzte.

„Also gut, aber nur bis zum Waldrand.“

Jack grinste und schlang einen Arm um meine Taille.

„Gut festhalten!“, rief er und ich hatte gerade noch Zeit, mich an seinen Hoodie zu klammern, bevor wir auch schon zwischen den Bäumen in die Höhe schossen. Im vergangenen Jahr war ich öfter mit ihm geflogen, aber ich würde mich wohl nie an das Gefühl gewöhnen können, plötzlich vom Boden weg und in die Luft gerissen zu werden. Es war wie Achterbahn fahren.

Jack lachte und als wir die Baumwipfel unter uns zurück ließen und über den Wald hinweg Richtung Heimat flogen, fing ich erst an zu kichern und dann lachte ich auch. Am Horizont ging die Sonne unter und der Mond war blass am Himmel zu sehen. Der Wind peitschte uns ins Gesicht und als Jack mich angrinste, grinste ich zurück.



Als wir in die Nähe des Waldrandes kamen, ließ Jack sich sinken und wir flogen durch die Bäume nach unten, bis wir kurz vor Ende des Waldes im Schnee landeten. Wir bahnten uns einen Weg nach draußen, wobei Jack freundlicherweise wieder eine Schneise im Schnee für mich erschuf. Auf der Straße angekommen nahm er meine Hand und wir machten uns gemeinsam auf den Weg in den Ort.

Mittlerweile war es richtig dunkel geworden und es hatte wieder leicht begonnen zu schneien. Im Laufen beobachtete ich die Schneeflocken, die im Licht der Straßenlaternen leise zu Boden schwebten. Mit Freude dachte ich an morgigen Tag. Ich wollte mich gerade zu Jack umdrehen und ihm gestehen, dass ich ihm für die beiden freien Tage sehr dankbar war, als er plötzlich stehen blieb.

Verwundert sah ich ihn an. Seine Stirn lag in Falten, die Augenbrauen waren zusammengezogen und er starrte angestrengt nach vorne. Ich folgte seinem Blick, konnte aber nichts erkennen.

„Jack? Alles okay?“

Er antwortete nicht, blickte nur weiter geradeaus. Nervös sah ich mich um, konnte aber weiterhin nichts entdecken. Ich sah ihn wieder an.

„Jack, was-“

Plötzlich wurden seine Augen weit und sein Griff um meine Hand verstärkte sich. Er sah mich an und in seinem Blick lag Panik.

„Wir müssen hier weg!“

Erschrocken starrte ich ihn an.

„Was ist denn-“ Doch er zog mich schon zurück in die Richtung, aus der wir gekommen waren.

„Halt dich fest“, befahl er und ich wusste, er wollte wieder fliegen. Eigentlich hätte ich protestiert, wir waren mitten im Ort und obwohl es spät war, konnte jeder Zeit jemand aus dem Fenster sehen. Aber der Ernst in seiner Stimme und die Panik, die ich so vorher noch nie in seinen Augen gesehen hatte, machten mir Angst und ich gehorchte. Jack legte wieder einen Arm um mich und ich machte mich innerlich bereit.

„Wen haben wir denn da? Wolltest du etwa verschwinden, ohne mir deine kleine Freundin vorzustellen? Das ist aber äußert unhöflich von dir, Jack.“

Jack erstarrte. Er hätte einfach fliegen sollen, einfach abheben und davon, ohne zurückzusehen. Aber wir blieben auf dem Boden. Ich wusste nicht, wer da gesprochen hatte, ich hatte die Stimme noch nie gehört. Sie war kalt und rau, als wäre sie lange nicht mehr benutzt worden. Sie jagte einen Schauer meinen Rücken hinunter. Ich sah Jack an. Wer auch immer das war, Jack kannte ihn, und er sorgte dafür, dass Jack Angst hatte.

Und dann drehten wir uns um und ich sah die Person, den Mann, dem die Stimme gehörte. Ich hatte ihn noch nie gesehen, aber ich hatte genug Geschichten gehört, um zu wissen, wer er war.

„Pitch Black.“
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